Bremen - Essighaus

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    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • ja, aber diese Forderungen sind irreal, weil sie das gesamte Projekt in Frage stellen. Jacobs will keine Hinterhöfe, sondern möglichst viel Licht und repräsentative Fassaden. dieses Projekt fußt auf der Beibehaltung der Straßensituation.
      Abgesehen davon: die Essighausfassade ist kein "Spatz". Und die Notwendigkeit einer Überarbeitung würde ich in Zweifel ziehen. Ich wäre gegenüber Nachbesserungen, notdürftigen Adaptierungen etc sogar skeptisch. Irgendwie hat dieser Entwurf etwas Kühnes an sich. Leichte Abschwächung würde mE nur zu einer Verschlechterung führen. Etwas richtig Harmonisches wird da nie draus. Besser, man probiert es gar nicht und belässt es so. Freuen wir uns doch einmal über etwas wirklich Unverhofftes.

      @alle Kritiker
      Seid mal ehrlich: hättet ihr was dagegen geschrieben, wenn Jacob die Seitenfassade auch an der Hauptfront- also ohne Essighausreko präsentiert hätte, oder hättet ihr nicht viel eher gesagt: endlich mal ein akzeptabler, ja hübscher Entwurf? Irgendwie erinnert ihr an den Franzosen, dem die Braut viel zu hübsch ist.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Essig-Hof und Giebel der ehemaligen Sonnen-Apotheke

      Sehr geehrter ursus carpaticus,

      ihre Position, die viel für sich hat, findet hier in Bremen durchaus Widerhall. Ein engagierter Mitstreiter schrieb mir das Folgende:

      "Was die Diskussion ums Essighaus betrifft, ich finde Ursus hatte es auf den

      Punkt gebracht. Ich meine, hier in Bremen findet gerade die Mondlandung statt,

      und fast alle Im Forum mäkelt daran herum, dass die Astronauten nur in einer

      klapprigen Raumkapsel daherkommen und nicht mit Raumschiff Enterprise

      vorfahren."

      Aber auch der von Axel Spellenberg zitierte Spruch aus seiner Stuttgarter Metzgerei ist bedenkenswert:

      "Ihr Lob ehrt uns, ihre Kritik bringt uns weiter".

      Ich finde, Christian Jacobs hat in der Tat großes Lob dafür verdient, daß er - aus welchen Motiven auch immer - im Jahre des 400. Jubiläums der Errichtung der ursprünglichen Fassade, deren Rekonstruktion ankündigt hat (auf das genannte Jubiläum wies mich übrigens der Mitstreiter hin, der den obigen Vergleich mit der Mondlandung gezogen hat).

      Aber ich denke, Christian Jacobs, ist souverän genug, konstruktive Kritik nicht nur zu ertragen, sondern auch selbstbewußt aufzugreifen.

      Einmal angenommen, der vorgestellte Architektenentwurf bliebe bis auf ein Detail (dazu unten mehr) unverändert. Was spräche eigentlich dagegen ihn durch einen drei oder vier Fensterachsen tiefen Seitenflügel in Richtung des Parkhauses zu ergänzen ( mit einer Straßenansicht wie ich ihn in meinem vorigen Beitrag skizziert habe). Dieser – ich nenne ihn einmal – ‚Galeriebau’ würde die seit Kriegsende hier aufgerissene Baukante der Straße wieder herstellten und dadurch die wichtige westliche 'Fassung' des Essighauses bilden können. Ein Durchgang in der Mitte des Erdgeschosses würde Zutritt zum ‚Essig-Hof’ gewähren. Die oberen Etagen dieses Blende-artigen Galeriebaus könnten im Innern mit dem eigentlichen Essighaus verbunden werden und edle Büros mit Ausblick auf den Hof beherbergen. Der letztere könnte begrünt und mit einem Springbrunnen versehen werden. Ein perfekter Ort für eine kleine aber feine Außengastronomie in abgeschiedener Atmosphäre. Von hier aus wäre auch ein Durchgang zu den Relikten des stadthistorisch bedeutsamen ‚Steinernen Hauses’ realisierbar. Und bei allem wäre die moderne Westfassade des ‚neuen’ Essighauses – bis auf die drei oder vier Fensterachsen nicht tangiert. Was hier an Fassadenfläche wegfiele, erhielte Christian Jacbos in mehrfachem Wert in Form der edlen Büros zurück.

      Die einzige Änderung an der Südfassade des von Architekten vorgestellten Bauensembles beträfe nicht das Essighaus selber,sondern den erneut für eine Translozierung vorgesehenen Giebel der ehemaligen Sonnenapotheke von der Sögestraße. Dieser sollte nicht erneut verballhornt, sondern in seiner originalen Gestalt am neuen Standort wieder aufgebaut werden, d.h. die beiden obersten Fenster sollten wieder deutlich voneinander getrennt werden. Ebenso die beiden unteren Giebeletagen, die ihre angestammten individuellen zwei, bzw. vier Fenster erhalten sollten. Ich denke, an diesem Detail, wird sich niemand stoßen ?

      Bild vom besagten Giebel (von mir hier im Forum bereits an anderer Stelle schon einmal vorgestellt): Die drei schwarz-weißen Bilder zeigen den Giebel an der Sögestraße. Das recht Bild zeigt die gegenwärtige Verwendung.



    • Ich finde auch, dass wir Bremer uns etwas mehr kindliche Freude verdient haben ob dieser großartigen Nachricht. Bin ja selbst der Grübler und Sucher nach Problemen, aber für mich wäre sogar die aktuell vorgestellte Version eine tolle Sache. Wie nun schon einige unserer nicht gerade des Modernismus verdächtigen Foristen hier feststellten, ist auch der geplante Neubau keineswegs schlecht und würde in einem anderen Kontext wohl sogar sehr positiv aufgenommen.

      Ihre Idee mit der erneuten Translozierung des Sonnenapothekengiebels ist auch sehr reizvoll. Aber bei der Hofsituation habe ich noch meine Probleme, wie tief sollte denn der Neubau hinter die Erweiterung gezogen werden? Und würde der Hof dann nicht ein massives Belichtungsproblem bekommen? Im Westen das hohe Parkhaus, im Süden die "Sonnenapotheke", im Norden die höher gelegene Obernstraße und im Osten der Jacobsneubau?

      Realistisch gesehen aber glaube ich, dass das Ding abgesehen von Details ziemlich so kommen wird, wie es aktuell geplant ist - und das wäre keinesfalls das Schlimmste. Ich freue mich, dass das anscheinend auch viele andere Leute so sehen, wiewohl ich natürlich die Verbesserungs- und Änderungswünsche ebenso gut verstehen kann.
    • Die seitliche Erweiterung stelle ich mir nur einraumtief vor.

      Pagentorn schrieb:

      Was hier an Fassadenfläche wegfiele, erhielte Christian Jacbos in mehrfachem Wert in Form der edlen Büros zurück.
      Mit "Fassadenfläche" meinte Pagentorn die Seitenfassade des geplanten Essighauses. Die edlen Büros wären dann unmittelbar hinter der rekonstruierten Essighausfassade und in dieser Erweiterung. In der Visualisierung (siehe Erstbeitrag) beträfe dies die ersten drei oder vier Fensterachsen, die wegfielen.
    • Erhalt des Giebels von Haus Caesar sollte Christian Jacobs am Herzen liegen


      Sehr geehrter Grimminger,

      Danke für Ihre Frage !

      Informationen habe ich dazu zwar nicht, aber es würde mich schon sehr wundern (selbstredend natürlich auch positiv überraschen) wenn das so kommen würde, wie Sie es erhoffen.

      Das eigentliche Jacobs Stammhaus befand sich nicht an der Obernstraße, sondern an der Nordseite des Domshofs in der Nr. 18. Dort eröffnete Johann Jacobs am 15.01.1895 sein 'Spezialgeschäft für Caffee, Thee, Cacao, Chocoladen, Biscuits'. Drei Häuser links weiter befand sich das Haus 'Caesar' (Nr.21), dessen ehemaliger rückwärtiger Giebel seit 1971 den Giebel des heutigen Essighauses bildet. Aufgrund dieser engen Beziehung zum wirklichen Stammhaus der Firma, sollte es Christian Jacobs eine Herzensangelegenheit sein, diesen Giebel, der somit das einzig bis heute erhaltene bauliche Relikt aus dem unmittelbarem Umfeld des Firmengründungssitzes ist, im Areal des zukünftigen Balge-Quartiers zu erhalten und ihm einen würdigen Platz anzuweisen.
      1897 jedenfalls zog die Firma in die Sögestraße Nr. 42 um und 1902 in die Obernstraße Nr. 6. Von dort mußte sie 1913 weichen, da auf dem Grundstück der Nr. 6 - und auf den beidseitig angrenzenden Grundstücken die 'Schröder-Bank' errichtet wurde, ein Gebäude welches heute von Peek & Cloppenburg genutzt wird. Seit 1913 war Jacobs dann in der heute als 'Stammhaus' titulierten Immobilie an der Ecke Obernstraße, Große Waagestraße ansässig. Ob bei all diesen Umzügen das Ladenmobiliar mitgenommen wurde, wage ich zu bezweifeln. Das gediegene Nachkriegsmobiliar, des bis in die frühen 1990er Jahre noch genutzten Verkaufladens - von hier aus ging die Kaffeemischung 'Jacobs Krönung' in alle Welt - wurde nach Schließung des Ladens entfernt. Wo es geblieben ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht werden Versatzstücke davon in das nun enstehende Gebäude integriert - vielleicht meint Christian Jacobs das, mit seiner etwas kryptischen Aussage. Die Bauplastik des nun abgebrochenen Nachkriegsbaus wird aber auf jeden Fall an den Fassaden des Neubaus zu sehen sein.

      Das eigentliche Jacobs-Stammhaus am Domshof Nr. 18.



      Gesamtansicht der Nordseite des Domshofs mit Nr. 18 und und Nr.21 (Haus Caesar).



      Der Vordergiebel von Haus Caesar (roter Pfeil).



      Der Rückgiebel von Haus Caesar kurz vor seinem Abbruch. 1971 dem Nachkriegs-Essighaus aufgesetzt.






    • Was für eine Groteske!
      wahrscheinlich ist an dem Giebel nichts mehr original.
      Jedenfalls ist es erbärmlich, so einen mickrigen Rückwandgiebel nur aus Substanzfetischismus an eine derart prominente Stelle zu rücken. DERLEI Aktionen schaden der Reko-Bewegung bzw dem Stadtbildgedanken, nicht eine untadelige 1:1 Rekonstruktion in situ.
      Wobei nichts gegen den Giebel als solches zu sagen ist, in der alten Hinterhoflage war er sicher hübsch und sich selbst genügend.
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    • 'Cafe Johann'

      (oder: 'Der Groteske zweiter Teil')

      Da mit dem Abbruch des Johann-Jacobs-Hauses an der Obernstraße, die seinerzeit vorgeschlagene Variante, dieses Gebäude nicht nur zu erhalten, sondern ihm durch Hinzufügung eines Giebels ein noch eindrucksvolleres Erscheinungsbild zu geben, verunmöglicht wurde, wäre es doch nun umgekehrt denkbar, die Spolien dieses verschwundenen Nachkriegsbaus, sinnvoll mit dem Giebel des Caesar'schen Hauses zu kombinieren. Die auf den Kaffeehandel bezogene figürliche Plastik würde wohl, da für den Einbau im neuen Johann-Jacobs-Haus vorgesehen nicht zur Verfügung stehen (aber wer weiß...), jedoch wären zum Beispiel die markanten Werksteine der Entlastungsbögen oberhalb der Fenster gut wiederzuverwenden.

      Als Ergebnis könnte man sich ein kleines Gebäude im Stile des Kanzleitraktes des Lübecker Rathauses vorstellen. Man hätte damit einen Weg der 'schöpferischen Denkmalpflege' im Sinne des Architekten Rudolf Jacobs beschritten, der ja schon vor dem 1. Weltkrieg bei seinen Ratsstuben am Markt verschiedenste Spolien aus der Altstadt verwendet hatte.

      So ein kleines Gebäude an einem geeigneten Platz innerhalb der Jacobs-Höfe plaziert, vielleicht als Blende um unschönere Randbebauungen zu kaschieren, hätte doch etwas ganz reizvolles.

      Als Nutzung könnte man sich ein 'Cafe Johann' vorstellen.

      Nun sollte ich aber enden, denn sonst schade ich mutmaßlich wieder dem Stadtbildgedanken...

      Links: Abgebrochene Fassade des alten Johann-Jacbobs-Hauses mit ihren Werksteinelementen. Rechts: Rückgiebel vom Haus Caesar.



      Kanzleigebäude des Lübecker Rathauses.

    • Koinzidenz

      Ich weiß nicht, ob es schon Jemandem hier aufgefallen ist, aber Albert Dunkel, der leitende Baumeister bei Sanierung und Umbau des Essighauses zum Wein-Lokal Ende des 19. Jahrhunderts, war auch der Architekt des Hauses Domshof Nr. 18, in dem Johann Jacobs 1895 sein erstes Geschäftslokal eröffnete. Nach dem jüngsten Erwerb des Essighauses durch die Familie Jacobs, ist diese somit in mehrfacher Hinsicht mit Albert Dunkel verbunden...
      Deshalb ist es besonders bedauerlich, daß von diesem Architekten keine Portaitfotografie existiert. Aber da lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.
    • Nachtrag zum Thema 'Durchlässigkeit'

      Bereits weiter oben ist ein Bild aus den 30er Jahren eingestellt worden, welches den Obernstraßen-seitigen Beginn der Passage zum Essighaus mit Blickrichtung St.-Petri-Dom zeigt.

      Nun, ich habe ergänzend eine Fotografie aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg auftreiben können. Auf dieser ist die Reklametafel zwar noch ein einfaches - nicht beleuchtbares - Schild (und von diesem ist auf dem Bild auch nur ein Teil zu sehen, sodaß es sich 'SIG- AUS' liest). Dafür wird einem hier aber ein erhebender Blick von einem somit winzigen 'Teil' des Essighauses zum anderen großen Bremer Reko-Desiderat gewährt...



    • Nun sollte ich aber enden, denn sonst schade ich mutmaßlich wieder dem Stadtbildgedanken...
      Was soll das?
      Natürlich darf man, soll man, muss man Spolien verwerten, wozu hat man sie, nur nicht doch so stümperhaft wie beim Essig/Hinteren-Jacobshaus, wo ein Gedanke, dass das mal irgendwo anders ein Original hätte gewesen sein können, gar nicht aufkommt.
      Und ihre Entstehung durch Abbrüche hat man überhaupt zu vermeiden.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • @ursus carpaticus

      Ich darf einmal aufzählen:

      „Irreal, grotesk, mickrig, erbärmlich, Fetischismus, Schaden für die Reko-Bewegung, [und jetzt auch noch] stümperhaft“.

      Nun ist an mir, zu fragen: ‚Was soll das ?’

      Wenn diese Begriffe auch vordergründig auf die Sache gemünzt zu sein scheinen, so schimmert doch unverkennbar eine persönliche Stoßrichtung durch.

      Ich weiß nicht, was mich derart in Ihre Schußlinie gebracht hat ?

      Ich bemühe mich hier, nach meinen Möglichkeiten, dem Forum Hintergrundwissen und Argumente zu liefern um im Idealfall eine erfreuliche Entwicklung noch besser zu machen und werde von Ihnen dafür mit einer mich sehr befremdenden Aggression überzogen, die ich in den knapp vier Jahren, in denen ich hier im Forum bisher gerne – wenn auch in unregelmäßigen Abständen – geschrieben habe, noch nicht erlebt habe.

      Man kommt sich geschulmeistert und als naiv hingestellt vor.

      Mit Verlaub – auch wenn ich sonst immer um Ausgleich bemüht bin – aber das brauche ich mir in dieser Form nicht gefallen lassen. Das geht zu weit. Den Zeitaufwand den ich hier investierte, kann ich gut und gerne auch andernorts einbringen.

      Also, wenn gewünscht, weiche ich dem Bären aus den Karpaten und verlasse dieses Forum.

      Hochachtungsvoll !
    • Was für eine persönliche Stoßrichtung??? Hast du das neue (hoffentlich bald alte) Essighaus erbaut bzw die Idee zu dieser Transloziierung gehabt?
      Ich bin doch dankbar für die Info, dass der Giebel eine Spolie ist - wäre von selber nicht drauf gekommen, denn seine Ärmlichkeit sieht eher nach vereinfachendem Wiederaufbau aus.
      Aus meinen Zeilen war doch niemals ein persönlicher Angriff ablesbar.
      Dass mir das heutige Essighaus nicht gefällt, heißt das doch nicht, dass ich jemandem, der es (dankenswerterweise) dokumentiert, persönlich zu Leibe rücken will. Das versteh ich nicht.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Ja, Ursus neigt zu stark vorgetragenen Meinungen, Sie wären nicht der Erste, der hier mit ihm zusammenprallt. Ich weiß zwar nicht, ob er Wiener ist, aber er ist Österreicher mit einer gewissen Neigung zum Schmäh. Allerdings hat er in vielen Dingen am Ende sachlich recht, denn dass dieser schon ziemlich reduzierte Giebel des Caesarschen Hauses auf dem Stummel des Essighauses einer Verballhornung nahe kommt, sehe ich genauso.

      Wenn man damit noch etwas anfangen wollte, so muss noch mehr rekonstruiert werden. Vielleicht besteht darin ja auch eine Chance, die Fassade -oder zumindest den vollständigen Giebel- des Caesarschen Hauses irgendwo wieder auferstehen zu lassen.

      Der Aufwand, den Sie hier betreiben ist enorm und wird von allen anerkannt. Persönlich ist Ursus meiner Meinung nach auch nicht geworden, er ist eben nur sehr direkt, wie auch beim Äußern seiner Meinung zu Herrn Spellenbergs Ansichten.
    • Lieber Heinzer,

      vielen Dank für Ihre freundlichen Worte !

      Ja, ich kenne die lebhafte und engagierte Diskussionskultur der Österreicher durch Wiener Verwandte und Freunde. Dabei sind diese selbst bei inhaltlichen Kontroversen stets konziliant und – ich möchte sagen – formvollendet. Den Austausch mit ihnen möchte ich keinesfalls missen und schätze ihn sehr.
      Von mir aus, sollte dieses 'Thema' damit nun sein Bewenden haben und ich freue mich, wieder zum Sachlichen übergehen zu können.

      Gedankensammlung zum Essighaus

      Bezüglich des ‚Essighauses’ möchte ich – um weiteren Missverständnissen vorzubeugen – Folgendes nochmals betonen:

      1. Die Vollendung der Rekonstruktion der Essighaus-Fassade ist ein Gewinn für die Stadt. Punkt.

      2. Durch diesen Präzidenzfall ist nun selbst die Bremer Denkmalpflege – bisher einer der letzten Zitadellen des ‚ehernen Satzes’ Georg Dehios – ‚abtrünnig’ geworden. Der jahrzehntelange Bann, mit dem Rekonstrukionsvorhaben belegt waren, ist damit auch an der Weser gebrochen. Wir können uns bei zukünftigen Reko-Projekten auf diese Fassade berufen.

      3. Christian Jacobs Entscheidung kann dazu führen, daß es unter Investoren bald schon zum ‚guten Ton’ gehören könnte, Neubauvorhaben mit stadthistorisch bedeutsamen Rekonstruktionen zu ‚veredeln’.Mit anderen Worten: Sein Beispiel könnte ‚Schule machen’.
      Vielleicht wird dadurch sogar ein ‚Überbietungs-Wettberwerb’ ausgelöst, der uns dann nicht nur bloße Fassaden, sondern die Realisierung ganzer Gebäude wie des von Axel Spellenberg brillant durchgeplanten Kornhauses oder ganzer Stadtquartiere wie seines anheimelnden Ansgarii-Kirchhof Entwurfs beschert.

      4. Auch wenn es natürlich eine schöne Überraschung war, die Christian Jacobs mit der Vorstellung seiner abgeschlossenen Planungen gelungen ist, so fühlt man sich doch hinsichtlich der Bereiche jenseits der unumstrittenen Fassade etwas vor vollendete Tatsachen gestellt. Mit dem Argument ‚Alles schon gelaufen’ kann jetzt jeder noch so konstruktive Änderungswunsch beiseite gewischt werden. Selbstredend ist der Eigentümer ‚gestaltender Herr im eigenen Hause’, aber zumindest im Altstadtbereich, der alle Bürger ideell und emotional angeht, sollte neben den zuständigen Behörden auch die interessierte Öffentlichkeit frühstmöglich in die Planungen mit einbezogen werden.

      5. Durch eine derartige Vorgehensweise würden sich die jetzt zu nachträglichen Alternativentwürfen genötigten, puristischer eingestellten Mitstreiter nicht dem Vorwurf ausgesetzt sehen, Alles nur zu zerreden und dadurch den aktuellen sowie zukünftige Investoren von dem Gedanken an Rekonstruktionen schnell wieder Abstand nehmen zu lassen.

      6. Diejenigen, die Alternativentwürfe zum jetzigen Zeitpunkt für kontraproduktiv halten, seien an die jüngsten Erfahrungen aus Berlin erinnert, nach denen immer mehr Zeitgenossen - selbst solche, die der Schloß-Reko anfänglich extrem ablehnend gegenüberstanden– nun zugeben, daß es doch schöner gewesen wäre, von Anfang an gleich mehr als nur die drei Fassaden rekonstruiert zu haben. Sollte man sich diese Erfahrung nicht – zumindest ansatzweise – zu Eigen machen ? Noch wäre es für die ein oder andere sinnvolle Modifizierung des veröffentlichten Planes nicht zu spät.

      7. Und die puristischer Eingestellten, sollten sich vielleicht mit etwas mehr Geduld und längerem Atem wappnen. Denn die Tendenz geht auf lange Sicht eindeutig und in zunehmendem Maße in Richtung Reko. Die schon vorhandenen grandiosen Pläne bräuchten dann nur noch aus der Schublade geholt zu werden.

      8. Das in seinem Altstadtbereich durch den Bombenkrieg so sehr zerschundene Bremen kann in der Tat auf kein – auch noch so unbedeutendes - Stück seiner Baugeschichte verzichten. Es hat einfach viel zu viel verloren. Deshalb ist das Engagement für den sansteinernen Schmuck des Rückgiebels von Haus Caesar kein überflüssiges Unterfangen und schon gar keine Konkurrenz zu dem Wiederaufbau der alten Essighaus-Fassade in situ. Natürlich muß der Caesar-Giebel von seinem jetzigen Aufstellungsort weichen. Gar keine Frage. Da bin ich voll und ganz dafür. Aber er sollte eben im ‚Dunstkreis’ des neuen/alten Essighauses einer würdigen Weiteverwendung zugeführt werden. Und auch da gibt es bereits überzeugende Planungen, die Viele – vielleicht sogar alle Teilnehmer dieser Diskussion - zufrieden stellen dürften.

      9. In einem Punkt bin ich allerdings nicht bereit, nur einen Schritt zurückzuweichen: Beim ‚Steinernen Haus’ endet meine Diskussionsbereitschaft. Hier bin nich nicht als Freund guter und schöner Architektur, sondern als der Geschichte Verbundener in der Pflicht. Es wäre ein Frevel unerhörten Ausmaßes, wenn dieses mutmaßlich aus dem Hohen Mittelalter stammende Gebäude auch nur angetastet würde. Wie man es demgegenüber in einer Weise aus seinem Dornröschenschlaf erwecken könnte, dazu gibt es auch schon atemberaubende Überlegungen…

      10. Vor diesem Hintergrund wäre es im Übrigen sehr hilfreich, einmal alle Straßenansichten der offiziellen Planungen der Architekten von Christian Jacobs in Augenschein nehmen zu können. Wir alle kennen bisher nämlich nur die Perspektive von Nordwest. Vielleicht offenbart uns ja die Ansicht von der Großen Waagestraße aus einen einfühlsamen und ehrenden Umgang mit dem ‚Steinernen Haus’, wie ihn auch die alternativen Planungen vorsehen. Ich würde mich insofern gerne positiv überraschen lassen.









    • 2. Nachtrag zur ‚Durchlässigkeit’ (Essighaus-Passage)

      Auf den folgenden Bildern kann man erkennen, daß die Passage von der Obernstraße zum Nordeingang des Essighauses tatsächlich eine nicht überbaute, äußerst schmale Gasse war.


      Blick von Osten auf die Südseite der östlichen Obernstraße.
      Man betrat den Gang zum Essighaus (roter Pfeil) zwischen den Häusern Obernstraße Nr. 26 und 28.





      Blick vom Dach des Warenhauses Karstadt auf die Südseite der Obernstraße. Der Gang zwischen den Häusern Nr. 26 und 28 ist deutlich zu sehen. Die über dessen Eingang an einem Metallgestell angebrachte Leuchtreklame ist gut auszumachen. An der linken Bildkante ist die an der Großen Waagestraße gelegene Seitenfassade des seit 1913 von der Firma Jacobs genutzten Geschäftshauses Obernstraße Nr. 20 (auf dem Grundstück stand bis 2018 der Nachkriegsbau des Johann-Jacobs-Hauses) zu erkennen. (Bildquelle: Online-Kriegsschadens-Dokumentation des Staatsarchivs Bremen).




      Ein etwas anderer Blickwinkel, auf dem man hinter den rückwärtigen Teilen des Jacobs-Hauses (Obernstraße Nr. 20) - von diesem lediglich durch zwei Zwischenbauten getrennt - die ohne Baulücke (!) anschließende Stadtwaage sieht. (Bildquelle wie oben).



      Auf diesem Kriegsbild ist zwar das linke Flankengebäude des Essighaus-Gangs, Obernstraße Nr. 26, weitestgehend zerstört, aber die Einganssituation zum Gang ist noch größtenteils intakt, inklusive der beleuchtbaren Fassadenreklame. (Bildquelle wie oben).





      Vorkriegsbild der Obernstraße in Blickrichtung Rathaus und St. Petri Dom. Die Fassadenreklame ist rot eingekreist.



    • Freistellung der Fassade ?

      Die Frage der ‚Rahmung’ der Essighaus-Fassade durch beidseitig unmittelbar angrenzende Gebäude ist hier ja schon rege diskutiert worden. Die rekonstruierte Fassade wird fürs Erste ja auf jeden Fall auf der rechten Seite einen unmittelbaren Begleiter haben.

      Ich möchte mich dieser Frage hier einmal auf andere Weise nähern: Bereits vor der Sanierung des Gebäudes durch Albert Dunkel gegen Ende des 19. Jahrhunderts, wurde ja der schlichtere Renaissance-Giebel zur Linken (Langenstraße Nr. 14) durch ein Gründerzeitgebäude ersetzt. Sollte dies nur der ‚Ökonomie’ des Eigentümers zuzuschreiben sein, der das alte große Haus eventuell nicht mehr unterhalten konnte / wollte ? Oder gab es von Seiten Albert Dunkels – schon im Vorfeld der Sanierung – einen gewissen Druck auf den Nachbarn, sich gegenüber der Pracht des im neuen Glanz erstrahlenden Essighauses zurückzunehmen ? Aber wenn dem so sein sollte, weshalb hat dann der Nachbar zur Rechten, seinen Giebel nicht für die ungehinderte Entfaltung der Wirkung des Essighauses ebenfalls opfern müssen ?
      Und: Gab es überhaupt im 19. Jahrhundert eine Tendenz - ähnlich wie bei den großen Kathedralen und imposanten Profanbauten - auch kunsthistorisch wertvolle Bürgerhäuser ‚freizustellen’ um diese besser zur Geltung zu bringen ?

      Beide folgenden Bilder sind vor der Sanierung durch Albert Dunkel entstanden. Man erkennt das an dem fehlenden mittleren Teil des die beiden Fensterreihen des Patriziersaales trennenden Gesimses. Auf dem linken Foto ist jedoch noch das historische Giebelhaus zur Linken des Essighauses vorhanden. Auf dem rechten Bild ist es durch den ‚Gründerzeitler’ ersetzt worden.

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    • Das Leserbrief-Echo beginnt einzutrudeln...

      In diesem wird das ganze Dilemma der Essighaus-Planungen deutlich. Denn zumindest meine Wenigkeit könnte sowohl den zweiten als auch den dritten Leserbrief jeweils aus Überzeugung unterschreiben. Eine wirkliche Zwickmühle...

      'Bremer Nachrichten' vom 08.09.2018

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