Bremen - Essighaus

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    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • Ich würde dem Leser Nils Huschke zustimmen.
      Ohne polemisieren zu wollen, halte ich es für möglich, dass diese Ecke sogar ein echter "Hingucker" wird.
      Es verhält sich ja in Wahrheit so, dass meine erste, unmittelbare (hier nicht verschriftete) Reaktion nicht so besonders weit von jener Riegels entfernt war. Aber je länger ich mir diese Darstellung betrachte, desto besser gefällt sie mir. Von 60 zu 40 ja bin ich jetzt bei 95 zu 5.
      Hinsichtlich Pagentorns Forderung bezüglich des Strebepfeilers würde ich d'accord gehen.
      Ein Relikt an der Rückseite hätte was und würde die Authentizität des Ganzen aufwerden.

      @Heinzer

      No na bin ich Wiener oder was hast du geglaubt? Kremser, Salzburger oder gar Klognfuata? Vielleicht gar Stadt-Gsi-Berger aus Bregenz oder Bludenz?


      Pagentorn schrieb:

      Diskussionskultur der Österreicher durch Wiener Verwandte und Freunde. Dabei sind diese selbst bei inhaltlichen Kontroversen stets konziliant und – ich möchte sagen – formvollendet.
      Na ja, da musst du aber schon das Döblinger Salon-Wienerische vom echten leicht proletarischen Weanarischen auseinanderhalten. Selbstredend gehöre ich letztgenannter Kultur an.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Außenmauern des Hinterhauses

      Der Hinweis von Kaoru im Beitrag 52 hat mich veranlaßt, den Zustand des schmalen Innenhofs vor der Zerstörung des Haupthauses mit dem jetzigen – von Kaoru eingebrachten – Zustand zu vergleichen, Im Ergebnis scheint es so zu sein, daß vom Nebenflügel, der im Hochparterre den ‚Speisesaal’ und im ersten Obergeschoß das Rokokozimmer enthielt, tatsächlich mehr erhalten ist, als ich zunächst annahm. Die Außenwand zum Hof ist offenbar in voller Höhe stehen geblieben. Denn die auf der - von Kaoru ausfindig gemachten – aktuellen Luftaufnahme zu sehenden und sich über beide Etagen ersteckenden ‚Strebepfeiler’, finden sich auch auf einem Luftbild wieder, welches den Zustand vor der Vernichtung des Haupthauses wiedergibt. Die Fenster zwischen den Pfeilern sind ganz offensichtlich zu einem unbekannten Zeitpunkt vermauert worden. Heute ist an ihrer Stelle eine solide weiße Wandfläche zu sehen.
      Zum Vergleich:

      Gegenwart



      Vor der Zerstörung

    • Sehr geehrter Niederländer,

      das kann schon sein. Man müßte dies aber vor Ort feststellen. Leider war es bisher unmöglich, diesen Innenhof zu betreten. Denn das Gebäude wurde seit Jahren von der Deutschen Factoring Bank genutzt. Und die hielt natürlich ihr Innenleben verschlossen wie 'Fort Knox'...

      Und die hier unten beigefügte Karte aus dem 18. Jahrhundert, welche dazu diente, die Häuser an der Langenstraße ihren in der 'Bremer Bürgerkompanie' (einer nach Straßen und Plätzen organisierten Miliz, die neben dem aus auswärtigen Söldnern zusammengesetzten Bremer Stadtmilitär bestand) dienstverpflichteten Eigentümern zuzuorden, zeigt leder jeweils nur die direkt an der Straße stehenden Vorderhäuser.

      Besagte Karte mit einem Großteil des im 18. Jahrhundert noch fast lückenlosen Giebelbestands in der Langenstraße. Die Nordseite ist von mir nach oben gelegt worden. Schön erkennbar ist die Stadtwaage zwischen den gewissermaßen ein Trapez bildenden Waagestraßen (der Großen und der Kleinen).



      Ausschnitt der Karte mit markiertem Essighaus.



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    • Das sind die Planungen

      'Am Handlauf zur Weser'

      Unter dem folgenden Link der Werbeagentur 'Grow' sind Details der Planungen für das gesamte neue 'Balgequartier' und somit auch für das neue Essighaus einsehbar:

      grow-werbeagentur.de/projekte/balgequartier-bremen/

      Es ist allerdings etwas irritierend, daß dort offensichtlich eine Westverschiebung des Giebels der ehemaligen Sonnenapotheke - anders als in der von den Bremer Nachrichten veröffentlichten Visualisierung - nicht geplant ist ..?!?!

      Was gilt nun ?

      Ist also doch noch nicht Alles endgültig festgelegt ? Tut sich da ein Rahmen für Nachbesserungen auf ?

      Und wenn der Stadtplan, der als erstes beim 'Runterscrollen' rechts sichtbar wird, nicht den jetzigen Ist-Zustand, sondern den zukünftigen Soll-Zustand beschreibt, dann kann man für das 'Steinerne Haus' und sogar für das historische Hinterhaus ja einige Hoffnung haben. Jedenfalls bräuchte man dazu wirklich nähere Informationen...

      P.S.: Der Grundriß am Ende der sich selber durchblätternden Broschüre ist der des neuen Essighauses. Und in diesem tauchen die Außenmauern des 'Steinernen Hauses' sowohl an der Großen Waagestraße - mit dem markanten Strebepfeiler' -, als auch an der Westseite, also an der namenlosen Gasse (Baulücke) westlich vom Essighaus auf. Das ist doch zumindest schon mal eine wichtige Information ...

      P.P.S.: Wenn man den kleinen gezeichneten Gebäudesymbolen Glauben schenken darf, dann wird auch die unsägliche Verballhornung des Giebels der ehemaligen Sonnenapotheke abgemildert. Zumindest erkenne ich hier wieder rundbogige Fenster, wie beim historischen Giebelaufbau an der Sögestraße.

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    • Steinernes Haus in der Visualisierung

      Auf dem anliegenden Projektbild, welches vor allem die Nordostkante des neuen Essighaus-Ensembles und den beim Wiederaufbau von Rudolf Stein überhaupt erstmals entstandenen freistehenden Nordgiebel der Stadtwaage (vor dem Krieg schloß deren Nordwand nämlich immer direkt an nördlich angrenzende Gebäude an und war somit unsichtbar) zeigt, erkennt man an der rechten Bildkante oberhalb des weißen Schirms die rötliche Mauer des am zukünftig ‚Jacobshof’ genannten kleinen Platz gelegenen ‚Steinernen Hauses’. Anscheinend hat die Denkmalpflege in der Tat auf dessen Erhalt gepocht. Das ist sehr gut. Dieses historische Gebäude hat allerdings ein Potential in sich, welches durchaus noch ausbaufähig wäre (muß es z.B. beim gezeigten Flachdach bleiben ?). Vielleicht kommt da ja noch was, wer weiß…

    • Ja, wirklich sehr gut. Es ist auch diese Ansicht sehr hübsch - ein echter Gewinn für diese Ecke, wovon auch die Stadtwaage, bislang ein wenig verloren, nur profitiert. Hier ist das Nebeneinander von alt und neu sehr würdevoll und gelungen - ein Stadtbild mit Charakter.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Auf der Homepage der Werbeagentur finden sich auch noch Screenshots von weiteren Visualisierungen, leider nur angeschnitten und in saumäßiger Auflösung, u.a. eine des Kontorhauses am Markt vom Schütting mit rekonstruiertem Giebel Richtung Langenstraße und einen von der Langenstraße Richtung Obernstraße/Jacobshof zwischen dem Neubau (links) und der Stadtwaage (rechts) nach Norden.

      Insgesamt macht das gesamte Projekt einen für bremische Verhältnisse durchdachten und überlegten Eindruck, wie auch immer man sich zu der Neubauarchitektur positioniert, das ganze wirkt schon wie aus einem Guss. Schön wäre natürlich in der Tat, wenn es wie angedeutet noch weitere kleine Verbesserungen wie Rundbögen im Sonnenapotheken-Giebel gäbe und ich hätte ehrlich gesagt auch nicht erwartet, dass das Steinerne Haus bei den Umplanungen eine Rolle spielen würde.

      Wie gesagt, insgesamt ein wirklich sehr durchdachtes, zusammenspielendes Großprojekt. Definitiv eine der besten Sachen, die der Stadt in den letzten 40-50 Jahren baulich in der Altstadt widerfahren sind. Nun wäre es wirklich toll, wenn in einem zweiten Schritt ein paar der übelsten 60er-Rasterfassaden (z.B. links von dem gezeigten Haus gegenüber des Essighauses noch ersetzt würden und langfristig das Ärgernis Pressehaus angegangen würde.
    • Rundgang im zukünftigen 'Balge-Quartier'

      Habe den heutigen 'Tag des offenen Denkmals' (9. September 2018) für einen Rundgang durch Teile des zukünftigen 'Balge-Quartiers' genutzt. Der Weg führte von der Obernstraße durch die Kleine Waagestraße, an der Stadtwaage vorbei, über die Langenstraße in die Große Waagestraße und den zukünftigen Jacobs-Hof, am gegenwärtigen Essighaus-Ensemble vorbei und über die namenlose Gasse westlich vom Essighaus zurück zur Obernstraße mit ihrem Baufeld des neuen Johann-Jacobs-Hauses. Es war ein sehr sonniger Tag hier in Bremen und ich mußte deshalb öfters mit starkem Gegenlicht zurechtkommen. Ich bitte daher die oft nicht ideale Qualität der Fotos zu entschuldigen. Alle Bilder sind selbstredend von mir und vom genannten heutigen Tage.

      Blick durch die Kleine Waagestraße auf die Ostfassade der Stadtwaage und die Rückseite der markanten Obelisken des Südgiebels.



      Blick (von links nach rechts) auf Nordgiebel der Stadtwaage, Nordgiebel (Adler-Giebel) des für den Abriß vorgesehenen Hauses welches den Sonnen-Apotheken-Giebel über der Südfassade führt, Ostfassade des Steineren Hauses am künftigen Jacobs-Hof, sowie die rückwärtige Bebauung der Häuser an der Obernstraße. Im Vordergrund der Bauzaun und Baugerät für das neue Johann-Jacobs-Haus an der Obernstraße.



      Adler-Giebel und Steinernes Haus.



      Blick aus der Kleinen Waagestraße vorbei an der Nordostkante der Stadtwaage (links im Bild) auf die Baulücke des abgerissenen alten Johann-Jacobs-Hauses an der Obernstraße. Durch diese hindurch wird die Fassade des Warenhauses Karstadt sichtbar.



      Blick entlang der Langenstraße auf Teile der Südfassade der Stadtwaage (rechts) und das neben dieser, auf der Westseite der Großen Waagestraße beginnende gegenwärtige Essighaus-Ensemble (u.a. Sonnen-Apotheken-Giebel, Rückgiebel von Haus Caeser und rekonstruierte Utluchten des alten Essighauses.



      Die Südostkante des Hauses mit dem Sonnen-Apotheken-Giebel an der Ecke Große Waagestraße / Langenstraße mit ihren markanten Bossenquadern, deren Provenienz zu erfahren interessant wäre. Möglicherweise stammen diese vom Kornhaus ?



      Bossenquader - Detail



      Bossenquader - Klassische Weser-Renaissance !



      Blick durch die Große Waagestraße, der infolge des Abrisses des alten Johann-Jacobs-Hauses nun freie Sicht auf die Südfassade von Karstadt gewährt.



      Bauschmuck an der Ostfassade des Hauses mit dem Sonnen-Apotheken-Giebel zur Großen Waagestraße. Es verweist mit der Inschrift 'M & W' auf den Erbauer dieses Gebäudes, das ehemalige Bremer Bankhaus Martens & Weyhausen. Der Bau ist mit 1951 datiert. Der Bienenkorb verweist auf das emsige Sparen der Einleger der Bank. Die gleiche Symbolik wird ja auch von der Sparkasse Bremen an ihrem Hauptsitz am Brill verwendet.



      Detail der Baudatierung.



      Blick aus der Großen Waagestraße auf die Baulücke des ehemaligen alten Johann-Jacobs-Haues. Rechts im Bild, an der Westwand der Stadtwaage, der 'Löwen-Brunnen'.



      Blick vom zükünftigen Jacobs-Hof auf (von links nach rechts) die Westseite des denkmalgeschützen Hauses der Buchhandlung Storm, den Nordgiebel der Stadtwaage und den 'Adler-Giebel'. An der östlichen (linken) Kante des Letzteren eine Spolien-Collage aus Säulen-Elementen mit Laterne.



      Die Collage.



      Backsteinernes Altstadt-Flair.



      Nereide am Säulenschaft.



      Manieristische, groteske Maske.



      'Löwenkäfig' am Adler-Giebel.



      Wo wird der 'König' zukünftig unterkommen ?



      Der Adler-Giebel.



      Sollte hier etwa einer der Schlüter'schen Adler vom Berliner Schloß gelandet sein ? Herr v. Boddien zählen Sie bitte einmal nach, ob Ihnen einer fehlt...



      'Löwen-Käfig' und Strebepfeiler.



      Das einfallslose Flachdach des Steinernen Hauses.



      Der Strebepfeiler einmal von der Seite (Norden) gesehen.



      Die Westseite der Stadtwaage.



      Der verballhornt wieder aufgebaute und von der Sögestraße hierher translozierte Giebel der ehemaligen Sonnen-Apotheke - leicht schräge Ansicht.



      Giebel der Sonnen-Apotheke - frontale Ansicht. Diese furchtbare, zwei-etagige durchgehende Fensteranlage ist zu revidieren !



      Die leider asymmetrische Erdgeschoßzone des Hauses mit dem Sonnen-Apotheken-Giebel, mit ihrer Türgewände-Spolie.



      Noch Rokoko oder schon Empire ?



      Die Eingangstür des schlichten 'Zwischenbaus' (Sonnen-Apotheke rechts, Essighaus links). Sollte hier etwa in der Nachkriegszeit der Lieferanten-Eingang für das im Essighaus wieder eingerichtete Wein-Restaurant gelegen haben, wo auch die Fässer mit den edlen Tropfen hereingerollt wurden ?



      Das Faß einmal näher betrachtet...



      Beim Umbau des Nachkriegs-Essighauses 1971 erhielt dieses nicht nur den Rückgiebel von Haus Caesar, sondern auch eine neue Inschrift, die allerdings schon gleichlautend an den - bisher nicht rekonstruierten - oberen Geschossen der beiden Utluchten als durchgehendes Spruchband angebracht gewesen war - und nun ja wohl zukünftig dorthin zurückkehren wird. Der Spruch lautet: "HAS NEIT ABGUNST IST GAR UMSUNST WAS GOT BESCHERET BLEIBT UNVERWERT".



      Detail 1



      Detail 2



      Detail 3



      Detail 4



      Rückgiebel Haus Caesar in gestauchter - und daher leicht verballhornter - Wiederverwendung.



      Namenlose Gasse westlich vom Essighaus mit (von rechts nach links) Vorderhaus, Hinterhaus und (schlecht zu erkennen) Westwand des Steinernen Hauses. Alles dürfte beim Wiederaufbau mit einer neuen Backsteinschicht verkleidet worden sein.



      Westwand des Steinernen Hauses mit dem unschönen Flachdach.



      Unterteil der Westwand mit dem Mauervorsprung, Rundung und markantem, Pfannen-gedecktem Absatz (links).



      Durchblick vom öden Hinterhof zwischen Südseite der Obernstraßenbebauung (links) und dem Parkhaus an der Langenstraße (rechts) auf die Westwand des Steinernen Hauses und den Adler-Giebel dahinter. Die Fassade des Parkhauses zeigt eine der in den 70er und 80er Jahren in Bremen endemischen seltsamen Wandgemälde. Der hier Portraitierte ist aller Wahrscheinlichkeit nach der legendäre, ehemalige Wirt der Traditions-Gaststätte 'Kaiser Friedrich' im Schnoor, Lothar Herborth.



      Oberkante des Steinernen Hauses, Adler-Giebel und Nordgiebel der Stadtwaage.



      Der Adler von Westen gesehen.



      Blick in die Obernstraße nach Osten, mit Rathaus und Dom. Rechts wäre irgendwo zwischen den Häusern Nr. 26 und 28 der ehemalige Ausgang der Passage zum Essighaus zu denken.



      Bauzaun des neuen Johann-Jacobs-Hauses an der Obernstraße. Im Hintergrund Nordgiebel der Stadtwaage und Adler-Giebel.

      Was steht dort geschrieben ? "Mehr Infos unter Bremenwirdneu.de" Aha ! Man kann dort ja mal Nachschau halten...



      Bauzaun, 'die Zweite'.



      Lebe wohl, Adler-Giebel ! Wo Du wohl zukünftig landen wirst ...???



      Damit ist der Rundgang wieder an seinem Ausgangspunkt angelangt. Ich hoffe er war, gerade für die Auswärtigen, ein wenig erhellend !







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    • Zuordnung der Spolien vom 'Adler-Giebel' - Teil 1

      Die Säule aus der Spolien-Collage an der Ostkante des 'Adler-Giebels' am künftigen Jacobs-Hof, hat sehr große Ähnlichkeit mit den Innen-Säulen, welche die Fensterfront des im Hinterflügel des alten Essighauses gelegenen Speisesaales gliederten. Bis auf das Kapitell, welches bei der Spolie ein ionisches ist, bei den Säulen im Speisesaal jedoch korinthisch ausgeprägt war, scheint alles zu passen. Die von mir eingekreiste Säule im Speisesaal könnte sogar die Nereide am Säulenschaft zeigen. Vielleicht gehören bei der Spolie ja tatsächlich Schaft und Kapitell der Säule nicht ursprünglich zueinander ?

    • janpmw schrieb:

      Wie kann man den links die Situation einfach so abreißen wollen? Noch ganz dicht?
      In der Tat ist der Preis, für den die Essighausfassade wiederkommt, sehr hoch. Bei der Rückseite sehe ich durch den Abriss der angepassten 50er Jahre Bebaaung und durch den Abriss eventuell romanischer Bausubstanz keinerlei Verbesserung.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • Wobei das imho wertvollste und sehr gut gelungene 50er-Jahre-Gebäude schon abgerissen ist, das Haupthaus an der Obernstraße mit seiner sehr schönen und dekorativen Gestaltung. Die sehr gelungene Rückfassade der Stadtwaage bleibt erhalten, auch das östlich davon liegende giebelständige Nachkriegklinkerhaus. Einzig die sehr schlichte Rückseite des Gebäudeteils an der kleinen Waagestraße wird abgerissen, obwohl sie einen gewissen klassischen, angepassten Schick hatte.

      Trotzdem: Dieser Situation wird kein Bremer nachweinen, einfach weil es sich jetzt um einen mit Mülltonnen bestandenen, schattigen Innenhof handelt, der überhaupt keine "Aufenthaltsqualität" besitzt. Wenn man dort überhaupt durchgeht, dann schnell. Von dieser schlichten, wenngleich durchaus gelungenen Rotklinkernachkriegsarchitektur steht sowohl in der Innenstadt als auch im restlichen Stadtgebiet noch so viel herum, dass ich den Denkmalwert an dieser spezifischen Stelle nicht sehr hoch einschätze. Die Frage ist natürlich, was mit den zu bergenden Fassadenschmuckteilen anscheinend unklarer Provinienz geschieht.

      Vor Augen wird jedoch auch mir immer wieder geführt, was für eine Leistung diejenige des frühen Wiederaufbaus an vielen Punkten auch in Bremen war, ganz anders und viel destruktiver dann die Zeit von etwa 1960 bis 1975, als ein Furor herrschte, der heute überhaupt nicht mehr nachzuvollziehen ist.

      In der Summe finde ich den Preis absolut nicht zu hoch, wenngleich man das aus insgesamt natürlich gesegneteren Städten vielleicht als Barbarei empfindet.
    • No, Kaoru, sonst sagst nix dazu, außer dass du irgendwelche 50er-Jahre Rückfassaden, so gelungen sie auch sein mögen, beweinst? Ich wäre eigentlich auf deine Meinung zu dieser neuen gewagten Ecksituation um die Essighausfassade gespannt. Ehrlich, ohne jegliche Ironie, ich halte was von deinem ästhetischen Dafürhalten. Bist du vielleicht zu sehr im Wigl-Wogl?
      Wie auch immer, heraus damit!
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)


    • Eckgrundstück Große Waagestraße / Langenstraße

      1. Baustufe

      Das vor der Zerstörung mit einem spätklassizistischem traufenständigem Gründerzeitler bebaute Grundstück, wurde im Jahre 1951 im Auftrag des Bankhauses Martens & Weyhausen von den Architekten Wortmann und Schott mit einem schlichtem zweigeschossigem und flachgedecktem Backsteinbau versehen, dessen Bauschmuck lediglich aus einer-wohl aus der Rokokozeit stammenden und den Eingang rahmenden - Portal-Spolie an der Langenstraße und einer neugeschaffenen Baudatierung an der Großen Waagestraße bestand. Im rückwärtigen Bereich schloß sich noch ein aus einem hochliegendem Keller und einem Hochparterre bestehender Hinterflügel an.

      Der spätklassizistische Gründerzeitler.



      Der flachgedeckte Bau von Wortmann und Schott aus dem Jahre 1951



      2. Baustufe

      Wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem 1956 erfolgten Wiederaufbau des benachbarten Essighauses, wurde das Gebäude um ein zweites Obergeschoß aufgestockt. Diese Aufstockung ist bis heute an einer anderen Tönung der Backsteine erkennbar: Gehen die beiden Geschosse von 1951 eher ins Orange, hat die Etage von 1956 ein mehr rötliches Ausehen. An der Fassade ist der Unterschied regelrecht als ‚Kante’ erfahrbar.

      Der Bau nach der höchstwahrscheinlich 1956 erfolgten Erweiterung. Die Backsteine der neuen Etage erscheinen auf dem schwarz-weiß Foto weißlicher, als die der Untergeschosse. Die angesprochene 'Kante' ist somit deutlich erkennbar. Von Eck-Quadern ist im Übrigen weit und breit nichts zu sehen.



      'Kante' in der Gegenwart. Totale des Gebäudes von Süden.(Bild von Forumsmitglied Mantikor)



      Die orange bzw. blaßrote Färbung der Backsteine.



      Die 'Kante' an der Ostseite des ursprünglich von Wortmann und Schott errichteten Gebäudes. Die obere Etage erscheint wie mit roter Fassadenfarbe zugekleistert, während in den untern Geschossen Fugensichtigkeit dominiert. Sicher nur der Perspektive geschuldet...



      Am 'Adler-Giebel' ist die Kante ganz besonder prägnant zu sehen.




      3. Baustufe

      Nach der Entscheidung der Handelskammer Bremen, ihre neugotische, von Heinrich Müller geschaffene, kriegsbeschädigte aber durchaus instandsetztbare und v.a. erhaltungswürdige ‚Neue Börse’ am Markt abreißen zu lassen, kam es in der Stadt zu einer Diskussion darüber, ob man nicht wieder eine Giebelhausreihe auf diesem Grundstück an der Ostseite des Marktes errichten solle, so wie diese vordem, vor der Errichtung der Neuen Börse bis in die 1860er Jahren dort bestanden hatte. Die Bremische Gesellschaft ‚Lüder von Bentheim’ (benannt nach dem Meister der Rathausfassade) propagierte zunächst eine Mischung aus Rekonstruktion und Translozierung und zwar derart, daß das gotische ‚Balleer’sche’ und das frührenaissance-zeitliche ‚Pundsack’sche’ Haus, die schon früher an der Ostzeile des Marktes gestanden hatten rekonstruiert werden sollten und der Frontgiebel des Caesar’schen Hauses vom Domshof und die Giebelfassade der Sonnen-Apotheke aus der Sögestraße diesen an die Seite gestellt werden sollten. Im weiteren Verlauf der Diskussion verzichtete man dann auf die Rekonstruktionen und wollte statt dessen auch noch den Rückgiebel von Haus Caesar, vom Domshof sowie die Giebelfassade des Hauses der Firma Suding & Soeken von der Langenstraße an den Markt versetzen. Diese Pläne zerschlugen sich, da die Politik diesem von den Bürgern mehrheitlich befürworteten Vorhaben nicht zustimmte und statt dessen ein Parlamentsgebäude in ‚zeitgenossischen’ Formen durchsetzte. 1971 erhielten dann zumindest der Rückgiebel von Haus Caesar und Teile der Fassade der Sonnen-Apotheke, an der Langenstraße ihre ‚zweite Chance’.

      Der erste Vorschlag der 'Lüder-von-Bentheim-Gesellschaft' für die Gestaltung der Ostseite des Marktplatzes.



      Der zweite Entwurf.



      Modell des zweiten Entwurfes.



      Wenn man einmal die Fassade der Apotheke an der Sögestraße mit den hier an der Langenstraße verwendeten Elementen vergleicht, dann fällt nicht nur die starke Verballhornung des Giebels auf, sondern auch – und vor allem – die Tatsache, daß die Apotheke an ihrem originalen Standort wesentlich weniger Eckquader an der Fassade besaß, als das hier in Rede stehende Gebäude an der Langenstraße. Da die ‚Sonnen-Apotheke’ am Markt wesentlich höher hätte werden sollen, als an ihrem ursprünglichen Standort, könnte es sein, daß die Gesellschaft ‚Lüder von Bentheim’ vielleicht etwas zu voreilig und siegesgewiß, bereits die erforderliche Zahl neuer Bossenquader herstellen ließ, damit diese dann die neue Fassade am Markt hätten ‚strecken’ können. Die Eckquader wären insofern eventuell ein bleibendes Symbol für einen leider gescheiterten Optimismus in historischer Stadtbildgestaltung…

      Die 'Sonnen-Apotheke' in der Sögestraße (links), am Markt (mittig) und an der Langenstraße (rechts).



      Sei es, wie es sei, die Quader wurden jedenfalls beim Umbau des Gebäudes (in einem Zuge mit dem nun mit diesem verbundenen Essighaus) im Jahre 1971 in die Backsteinwand / wände der 1950er Jahre hineingestemmt. Man erkennt noch teilweise Schadstellen an den Backsteinen die durch diesen Vorgang hervorgerufen wurden. Und daß der -in die Traufe förmlich hineingeschnittene - Giebel (Reste des Traufendachs sind ja in unschöner Weise noch rechts und links vom Giebel stehen geblieben) unästhetisch verballhornt wurde, ist hier ja nun schon häufig geschrieben worden.

      Die nachträglich hereingestemmten Eck-Quader.



      Stemm-Schäden am Backsteinmauerwerk (grüne Pfeile).



      Die Verballhornung des Giebels.




      Im Zusammenhang mit diesem Umbau erhielt wahrscheinlich das rückwärtige, niedrige Hinterhaus nun sein zweites Geschoß und den Giebel mit dem Adler auf dem First. Auch die Spolien in der Giebelwand (Säulen-Collage und Löwenkopf) dürften erst in diesem Zuge angebracht worden sein.


      Wenn man sich das Ergebnis – wie es seit 1971 besteht – ansieht, so kann man hier durchaus von einem ‚organischen Wachstum’ des Gebäudes sprechen. Wirklich schön ist es jedoch nicht zu nennen, zumal sich der in die Traufe eingeschnittene Giebel und die Fensterachsen darunter in asymmetrischer Weise beißen.

      Zusammenfassung der Baustufen des Gebäudes



      Ausblick

      Ich würde nach Allem daher dafür plädieren, die jetzige Fassade gänzlich niederzulegen und die Giebelfassade der Sonnenapotheke – in der Höhe und dem fast originalgetreuen Aussehen, so wie sie eben für den Markt einst geplant war – hier neu zu errichten. Das bisherige Rokoko-Portal sollte man achsensymmetrisch mittig als Nordausgang unter dem Adler-Giebel weiterverwenden.



      Insofern ging der ältere Entwurf der Architekten von Christian Jacobs schon in die erstrebenswerte Richtung, da dieser den Giebel nicht um ein Haus nach Westen verschieben, sondern ihn – sozusagen – über dem jetzigen Grundstück halten wollte. Dadurch wäre auch der Erhalt des Alder-Giebels im Norden, nicht verunmöglicht worden.

      Auf ganz lange Sicht wäre man dadurch zudem in der Lage, die beiden historischen ‚Flankenbauten’ des Essighauses mit ihren Giebeln eines fernen Tages wiederzuerlangen.

      Der wohl frühere (links) und der aktuelle Entwurf für das 'neue Essighaus'.




      Man sieht also, die Zukunftsfähigkeit des Essighaus-Komplexes hängt aus der Sicht der Reko-Bewegung gerade auch an diesem östlichen Eckgrundstück mit seinen beiden (südlichem und nördlichem) Giebeln.

      Wir können nur nochmals an die – ja schon mit der Essighausfassade dankenswerter Weise unter Beweis gestellte - Großzügigkeit und Heimatverbundenheit von Christian Jacobs appellieren, sich diesen Argumenten nicht gänzlich zu verschließen. Wie heißt es so schön, ‚die Hoffnung stirbt zuletzt’.


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    • ursus carpaticus schrieb:

      No, Kaoru, sonst sagst nix dazu, außer dass du irgendwelche 50er-Jahre Rückfassaden, so gelungen sie auch sein mögen, beweinst? Ich wäre eigentlich auf deine Meinung zu dieser neuen gewagten Ecksituation um die Essighausfassade gespannt. Ehrlich, ohne jegliche Ironie, ich halte was von deinem ästhetischen Dafürhalten. Bist du vielleicht zu sehr im Wigl-Wogl?
      Wie auch immer, heraus damit!
      Wigl-Wogl. Die Essighausfassade wird bei entsprechender Ausführung großartig, beim Rest habe ich größere Bauchschmerzen. Ich werde nicht recht warm damit und halte es für eine sehr bittere Kröte. Letztlich wird sie aber zu schlucken sein, weil sonst das Essighaus oder wenigstens dessen Fassade nie wieder kommen wird.
      So einfach und in deinen Augen banal wohl mancher 50er Jahre Wiederaufbau sein mag, kommt dieser für mich sowohl strukturell, städtebaulich, handwerklich und architektonisch deutlich dichter an das heran an dem, was ich an einem guten Haus verstehe, als das, wodurch es ersetzt wird. Wir haben einzelne, kleine Parzellen, ein Satteldach, Zumindest beim Rückbau gute Proportionen, die Plastik-Fenster können wieder durch Holzsprossenfenster erstezt werden, wir haben Sandsteingewänder. Alles in einer Qualität, die noch erahnen lässt, dass die Architekten zumindest Schüler bei jenen waren, die man noch Baumeister nennen kann. Zudem kommt die noch rudimentär vorhandene historischer Tiefe durch etwaiges steinernes Haus. Auch die Nachkriegsdiele hat Qualitäten und ist eine wichtige Remineszenz. Das alles wird, statt es zu erweitern, zu verbessern, weiterzuentwickeln, geopfert, weil alles andere ja investorenfeindlich und renditevernichtend. Für mich ist das was kommt, nichts wert. Füllbau, mehr nicht. Erträglich anbiedernder Investorenmüll. Der Wiederaufbau des Quartieres war im wesentlichen Ausdruck materiellen Notstandes, das was kommen wird, ist Ausdruck geistig-kulturellen Notstandes. Es ist ein ärmlicher Abklatsch expressionistischer Backsteinarchitektur. Die Staffelgeschosse sind grotesk, wie hilflos und zwecklos versucht man hier mit dem Schamlatz vermeintlichen Neoexpressionismus die pure Raumgier zu verdecken. Es hat sehr gute Gründe warum man sich in der Bötcherstraße nicht getraut hat, Flach- oder Staffeldächer den Häusern aufzuflanschen. Dass der Expressionismus darüberhinaus als Fortsezung der Werkbundidee Ausdruck höchster kunsthandwerklicher schöpferischer Lust ist und dass der neue Block mit seinen Baumarktriemchen rein gar nichts davon mitbringen wird, davon brauchen wir gar nicht erst anfangen.

      Und nochmal, zum Abschluss, ich bin so realitätsnah, letztlich den Gewinn der Fassade deutlich höher zu werten als den Verlust des Quartieres. Die Fassade ist die Verbesserung, alles darüberhinaus was kommt, m.E. Verlust.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

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