Bremen - Essighaus

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    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • Essighaus und Ostasiatischer Verein

      Sehr geehrter findorffer,

      wenn auch das Essighaus nicht direkt an der Balge stand, so ist es doch sehr schön, daß Sie mit dem eingestellten Bild vom letzten bis heute erhaltenen gotischen Profangiebel der Stadt die Brücke geschlagen haben zwischen dem nach diesem Flüßchen benannten neuen Quartier und St. Ansgarii ! Ein Verbindung ganz anderer Art wurde einst im Essighaus institutionalisiert. Hier gründete sich nämlich im Jahre 1901 der Bremer ‚Ostasiatische Verein’; sozusagen von den - durch die da schon kanalisierte Balger hervorgerufenen -olfaktorischen Irritationen hin zu den Wohlgerüchen des Fernen Ostens.

      Wer weiß, vielleicht gelingt es ja, den Verein als Unterstützer für den Spellenberg-Plan ins Boot zu bekommen...

      Anliegend das von Arend Vollers verfaßte Kapitel über das ‚Vereinslokal’ Essighaus aus der Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum des Vereins.














    • Der ‚Spiegelsaal’ des Essighauses

      Daß auch das Bremer Essighaus einen ‚Spiegelsaal’ besaß, ist heute weitestgehend vergessen – mir war er bisher auch nicht geläufig. Da dieser stilistisch die Handschrift Rudolf Alexander Schröders trug, dürfte er 1912 eingerichtet worden sein. Seine Lage gibt noch Rätsel auf: Die drei Fenster auf der linken Seite (daß dritte ist hier nur noch durch den Ansatz seines Gardinenbretts erahnbar) könnten darauf hindeuten, daß sich der Spíegelsaal oberhalb des Rokoko-Zimmers befand. Allerdings hatte man dort bisher das Barock-Zimmer verortet. Was eine derartige Lage unwahrscheinlich macht, ist die größere Breite des Spiegelsaals im Vergleich zu Rokoko-Zimmer und darunter liegendem 'Eßzimmer'. Daher spricht eigentlich mehr für eine Lokalisierung des Spiegelsaals im von Schröder umgebauten Nachbarhaus Nr. 12. Bis zur Einsichtnahme in die im Staatsarchiv Bremen lagernden Bauakten wird all das aber vorläufig nur Spekulation bleiben.

    • Innenräume des Essighauses 2018

      @RaHaHe

      Ich bin heute im Essighaus gewesen und habe in der Diele fotografieren dürfen. Mit Ausnahme der Auslegeware, der Deckenlampe sowie dem Sitz-Mobiliar ist diese im wesentlichen noch unverändert. Lediglich der der Diele vorgelagerte Windfang hat jetzt - im Gegensatz zu 1972 - durchgängig eine Verglasung nach Norden hin. An bisher noch nicht bekannten Bau-Spolien waren drei Zier-Fenstersäulen aus dem ehemaligen Dunkel'schen Eßzimmer im Zwischenflügel und eine der gedrungenen Säulen von der Südwand des alten Patriziersaals zu entdecken. Beeindruckend ist die - wie bereits schon 1972 - weiß gefaßte Brüstungsschnitzerei des Hängewerks. Die hinteren Räumlichkeiten und auch die Säle in den Obergeschossen konnte ich nicht einsehen. Diese sind heute reine Büroräume und von der gediegenen Nachkriegsausstattung soll nichts mehr vorhanden sein. Meine Nachfrage bezüglich der querformatigen Wandgemälde mit den Szenen aus dem Amsterdamer Hafen ergab, daß diese im Hause nicht mehr bekannt sind.
      Meine Bitte um Erlaubnis einer Veröffentlichung meiner Fotos hier im Forum wurde abschlägig beschieden. Ich werde da aber noch einmal nachhaken.
    • Neu

      Ein Juwel im Dornröschenschlaf

      - Durchlässigkeit Teil IV -

      Der ganz überwiegenden Zahl der Bremer dürfte unbekannt sein, daß der historische Nordausgang des Essighauses immer noch existiert ! Auch mir war bisher nicht geläufig, daß das von Professor Seedorf (Seedorf: Alt-Bremer-Haus. Essig-Haus. Historischer Rückblick und Beschreibung. Bremen o.J., S. 24) einst beschriebene Portal mit seiner Inschrift die Zeitläufe des 20. Jahrhunderts anscheinend unbeschadet überstanden hat. Ebenso gibt es den zu diesem hinführenden Gang noch, auch wenn dieser keine Gasse unter freiem Himmel, zwischen zwei Häusern mehr ist. Für den unaufmerksamen Zeitgenossen bildet er nämlich lediglich den Hausflur des Büro- und Geschäftshauses Obernstraße 26 – 28, welcher zu der, die oberen Etagen erschließenden Wendeltreppe führt. Am Ende dieses sehr langen und schmalen ‚Flures’ gabelt sich der Weg: Nach rechts geht es zur Treppe. Nach links gelangt man an eine verschlossene schmiedeeiserne Pforte. Man kann zwar durch diese hindurchschauen, aber was sich dahinter befindet, liegt im Halbdunkel und dürfte von den meisten Besuchern des Hauses nicht weiter beachtet werden. Das Blitzlicht ‚erhellt’ im buchstäblichen Sinne die Situation: Das Gebäude Obernstraße 26 – 28 schließt zwar von Norden her direkt an das ‚Steineren Haus’ an – allerdings nicht in voller Höhe. Wenige Schritte südlich der Pforte endet das ‚Vorderhaus’ und geht in einen niedrigeren Anbau über, der die Verbindung zum ‚Hinterhaus’ des Essighauses herstellt. Oberhalb des Flurendes ist der Anbau der Nr. 26-28 sogar noch um mindestens ein Geschoß niedriger als der übrige Anbau, sodaß eine hofartige Siuation entsteht, die durch eine Rasterdecke spärliches Tageslicht hereinströmen läßt. Blickt man durch diesen ‚Raum’ nach Süden so entdeckt man an der nördlichen Außenwand des ‚Steinernen Hauses’ ein Rundbogenportal, welches in gewisser Weise mit der schmiedeeisernen Pforte korrespondiert. Die Portalwandung ist eindeutig alt. Inwieweit dies auch auf die umgebende, dunkelbraun gestrichene Putzfläche zutrifft ist schwer zu sagen. Aber das dahinter befindliche Mauerwerk dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit mittelalterlich sein. Ja, und oberhalb des Portals befindet sich nun tatsächlich immer noch die von Professor Seedorf ehedem genannte Inschrift:


      DIS HAUS HAT DIE GERECHTIGKEIT DES GANGES


      Mir ist bisher keine Publikation über das Essighaus oder generell über die Bremer Altstadt bekannt, in der dieses Portal oder die Inschrift jemals fotografisch abgebildet worden wäre ! Beide haben somit hier im Forum ihre ‚Premiere’ !

      Ob der Gang (bzw. der Flur) seit der Wiedereröffnung des Restaurants nach dem Krieg wieder als Zuwegung von der Obernstraße aus gedient hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Spätestens mit der Übernahme des Essighauses durch das Bankhaus Martens & Weyhausen dürfte er aber dauerhaft für den Publikumsverkehr geschlossen worden sein.

      Da das ‚Steinerne Haus’ ja selbst nach den Planungen der Architekten Miller & Maranta erhalten bleiben soll, wäre es Dr. Jacobs wirklich anzuraten, diese Passage wieder für die breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Durchlässigkeit des Balgequartiers würde dadurch mit Sicherheit gewinnen ! Dieses Portal ist einfach ein Juwel im Dornröschenschlaf, welches es verdiente ‚wach geküßt’ zu werden…


      Abbildung 00

      Das an der Obernstraße gelegene nördliche Gangende während der Kriegszeit.

      (Bildquelle: Online Kriegsschadensdokumentation des Staatsarchivs Bremen)





      Abbildung 01

      Obernstraße nach Osten mit Blick auf Rathaus und St.-Petri Dom. Der Eingang des Büro- und Geschäftshauses Nr. 26 – 28 aus der Nachkriegszeit ist mit einem grünen Pfeil markiert.


      Abbildung 02

      Der unscheinbare Eingang zu den Büroetagen des Hauses Nr. 26 – 28 zwischen den beiden Ladenlokalen.



      Abbildung 03

      Blick von der Haustür in den langen Flur hinein.


      Abbildung 04

      Blick auf die ‚Gabelung’. Rechts: Wendeltreppe, Links: verschlossene Pforte.

      (Foto: Angela Podbielski)



      Abbildung 05

      Die schmiedeeiserne Pforte und das Oberlicht.

      (Foto: Angela Podbielski)


      Abbildung 06

      Blick durch die Pforte.

      (Foto: Angela Podbielski)


      Abbildung 07

      Der historische Nordausgang des Essighauses in der Nordwand des ‚Steinernen Hauses’.

      (Foto: Angela Podbielski)


      Abbildung 08

      Die auf das ‚Wegerecht’ bezogenen Bauinschrift.

      (Foto: Angela Podbielski)


      Abbildung 09

      Die einschlägige Textpassage bei Seedorf.


      Abbildung 10

      Zusammenschau von Flur und historischem Katasterplan.


      Abbildung 11

      Zusammenschau von historischem Grundriß und Foto des kleinen ‚Hofes’ an der Nordwand des ‚Steinernen Hauses’. (Foto Blick: nach Süd in Richtung Langenstraße).

      Abbildung 12

      Ungefähre Höhenlage der Nordtür; markiert an der Westwand des ‚Steineren Hauses’.


      Abbildung 13

      Nach Durchquerung des Nordportals und des Flures im ‚Steinernen Haus’ gelangte man zur Nordtür des Eßzimmers im Zwischenflügel, welche am Nordtreppenhaus des Essighauses gelegen war. Stieg man auf der Treppe eine Etage höher, so erreichte man die Nordtür des Rokoko-Zimmers, welche die folgende Abbildung zeigt.



      Abbildung 14

      Blick von der Nordtür nach Süd in das Rokoko-Zimmer hinein.



      Abbildung 15

      Umgekehrte Blickrichtung im Rokoko-Zimmer zur Nordtür.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Pagentorn ()

    • Neu

      ...und Pagentorn ging zum Kleiderschrank, zog sich die Lederjacke über, befestigte sich die Peitsche am Gürtel, setzte den Fedora aufs Haupt und marschierte als Dr. Henry Walton Jones jr. in die Gänge des Hauses Obernstraße 26-28 und brachte der Menschheit verschüttet oder verschollen geglaubte Artefakte.
      ...oder wählte Pagentorn doch den Inverness-Mantel und die Deerstalker-Mütze?

      Wie auch immer. Diesen alten, historischen Teil des Essighauses habe ich so noch nie gesehen. Mir klopft tatsächlich ein wenig das Herz bei dem Anblick des (womöglich) erhalten (wiederaufgebauten?), historischen Portals bzw. Portalrahmens.

      Danke Pagentorn für diese meisterliche Detektivarbeit bzw. Archäologiearbeit.
      Dr. Henry Jones sr. und Sir Arthur Conan Doyle können Stolz auf dich sein.
      Und wir im Forum sind es auch - oder...?

      Klasse Leistung, Pagentorn.

      8o :P 8o :D

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jakku Scum ()

    • Neu

      Hört, Hört!!!
      Der findorffer läuft zu lyrischer Höchstform auf!
      Dafür gibt es von mir auch einen 8o und einen :biggrin: .

      Die kommende Nacht werde ich auch mal mit einem Goethe unter dem Kopfkissen einschlafen...vielleicht bewirkt das ja Wunder.... ^^

      Was ist eigentlich aus der Expo Real in München geworden? Waren dort ebenfalls wie am Sonntag (?!?) in der Obernstraße Dr. Jones oder Sherlock auf der Pirsch? Oder schlich vielleicht ein Pater Brown durch die Messehallen am ehemaligen Flughafen Riem?

      @ Exilwiener
      Wie ist es deinem Mitarbeiter auf der Expo Real ergangen? Hat er den Stand von HPE gefunden - oder gar das neue Modell des Essighauses bzw. des Balgequartiers?
      Ich konnte es leider nicht mehr genauer verifizieren, weil sich meine Quelle nicht mehr gemeldet hat. Und in meinem Urlaub wurde dann aus dem Hotspot ein Coldspot.
      Es ist schon bitter, wenn man in Zeiten von WLAN, Internet und Smartphones plötzlich wie Crusoe auf einer Insel ohne Netz, Steckdose und Elektrizität hockt. - Oder hat einer meine Rauchzeichen gesehen?
      Doch wofür gibt es Gesellschaftspiele? Da wird man glatt zum Lotti Karotti-Meister!
      Bitte Exilwiener, sprich mit uns und teile die Neuigkeiten mit - positive wie negative.