Bremen - Essighaus

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    • Essighaus und Ostasiatischer Verein

      Sehr geehrter findorffer,

      wenn auch das Essighaus nicht direkt an der Balge stand, so ist es doch sehr schön, daß Sie mit dem eingestellten Bild vom letzten bis heute erhaltenen gotischen Profangiebel der Stadt die Brücke geschlagen haben zwischen dem nach diesem Flüßchen benannten neuen Quartier und St. Ansgarii ! Ein Verbindung ganz anderer Art wurde einst im Essighaus institutionalisiert. Hier gründete sich nämlich im Jahre 1901 der Bremer ‚Ostasiatische Verein’; sozusagen von den - durch die da schon kanalisierte Balger hervorgerufenen -olfaktorischen Irritationen hin zu den Wohlgerüchen des Fernen Ostens.

      Wer weiß, vielleicht gelingt es ja, den Verein als Unterstützer für den Spellenberg-Plan ins Boot zu bekommen...

      Anliegend das von Arend Vollers verfaßte Kapitel über das ‚Vereinslokal’ Essighaus aus der Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum des Vereins.














    • Der ‚Spiegelsaal’ des Essighauses

      Daß auch das Bremer Essighaus einen ‚Spiegelsaal’ besaß, ist heute weitestgehend vergessen – mir war er bisher auch nicht geläufig. Da dieser stilistisch die Handschrift Rudolf Alexander Schröders trug, dürfte er 1912 eingerichtet worden sein. Seine Lage gibt noch Rätsel auf: Die drei Fenster auf der linken Seite (daß dritte ist hier nur noch durch den Ansatz seines Gardinenbretts erahnbar) könnten darauf hindeuten, daß sich der Spíegelsaal oberhalb des Rokoko-Zimmers befand. Allerdings hatte man dort bisher das Barock-Zimmer verortet. Was eine derartige Lage unwahrscheinlich macht, ist die größere Breite des Spiegelsaals im Vergleich zu Rokoko-Zimmer und darunter liegendem 'Eßzimmer'. Daher spricht eigentlich mehr für eine Lokalisierung des Spiegelsaals im von Schröder umgebauten Nachbarhaus Nr. 12. Bis zur Einsichtnahme in die im Staatsarchiv Bremen lagernden Bauakten wird all das aber vorläufig nur Spekulation bleiben.

    • Innenräume des Essighauses 2018

      @RaHaHe

      Ich bin heute im Essighaus gewesen und habe in der Diele fotografieren dürfen. Mit Ausnahme der Auslegeware, der Deckenlampe sowie dem Sitz-Mobiliar ist diese im wesentlichen noch unverändert. Lediglich der der Diele vorgelagerte Windfang hat jetzt - im Gegensatz zu 1972 - durchgängig eine Verglasung nach Norden hin. An bisher noch nicht bekannten Bau-Spolien waren drei Zier-Fenstersäulen aus dem ehemaligen Dunkel'schen Eßzimmer im Zwischenflügel und eine der gedrungenen Säulen von der Südwand des alten Patriziersaals zu entdecken. Beeindruckend ist die - wie bereits schon 1972 - weiß gefaßte Brüstungsschnitzerei des Hängewerks. Die hinteren Räumlichkeiten und auch die Säle in den Obergeschossen konnte ich nicht einsehen. Diese sind heute reine Büroräume und von der gediegenen Nachkriegsausstattung soll nichts mehr vorhanden sein. Meine Nachfrage bezüglich der querformatigen Wandgemälde mit den Szenen aus dem Amsterdamer Hafen ergab, daß diese im Hause nicht mehr bekannt sind.
      Meine Bitte um Erlaubnis einer Veröffentlichung meiner Fotos hier im Forum wurde abschlägig beschieden. Ich werde da aber noch einmal nachhaken.
    • Ein Juwel im Dornröschenschlaf

      - Durchlässigkeit Teil IV -

      Der ganz überwiegenden Zahl der Bremer dürfte unbekannt sein, daß der historische Nordausgang des Essighauses immer noch existiert ! Auch mir war bisher nicht geläufig, daß das von Professor Seedorf (Seedorf: Alt-Bremer-Haus. Essig-Haus. Historischer Rückblick und Beschreibung. Bremen o.J., S. 24) einst beschriebene Portal mit seiner Inschrift die Zeitläufe des 20. Jahrhunderts anscheinend unbeschadet überstanden hat. Ebenso gibt es den zu diesem hinführenden Gang noch, auch wenn dieser keine Gasse unter freiem Himmel, zwischen zwei Häusern mehr ist. Für den unaufmerksamen Zeitgenossen bildet er nämlich lediglich den Hausflur des Büro- und Geschäftshauses Obernstraße 26 – 28, welcher zu der, die oberen Etagen erschließenden Wendeltreppe führt. Am Ende dieses sehr langen und schmalen ‚Flures’ gabelt sich der Weg: Nach rechts geht es zur Treppe. Nach links gelangt man an eine verschlossene schmiedeeiserne Pforte. Man kann zwar durch diese hindurchschauen, aber was sich dahinter befindet, liegt im Halbdunkel und dürfte von den meisten Besuchern des Hauses nicht weiter beachtet werden. Das Blitzlicht ‚erhellt’ im buchstäblichen Sinne die Situation: Das Gebäude Obernstraße 26 – 28 schließt zwar von Norden her direkt an das ‚Steineren Haus’ an – allerdings nicht in voller Höhe. Wenige Schritte südlich der Pforte endet das ‚Vorderhaus’ und geht in einen niedrigeren Anbau über, der die Verbindung zum ‚Hinterhaus’ des Essighauses herstellt. Oberhalb des Flurendes ist der Anbau der Nr. 26-28 sogar noch um mindestens ein Geschoß niedriger als der übrige Anbau, sodaß eine hofartige Siuation entsteht, die durch eine Rasterdecke spärliches Tageslicht hereinströmen läßt. Blickt man durch diesen ‚Raum’ nach Süden so entdeckt man an der nördlichen Außenwand des ‚Steinernen Hauses’ ein Rundbogenportal, welches in gewisser Weise mit der schmiedeeisernen Pforte korrespondiert. Die Portalwandung ist eindeutig alt. Inwieweit dies auch auf die umgebende, dunkelbraun gestrichene Putzfläche zutrifft ist schwer zu sagen. Aber das dahinter befindliche Mauerwerk dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit mittelalterlich sein. Ja, und oberhalb des Portals befindet sich nun tatsächlich immer noch die von Professor Seedorf ehedem genannte Inschrift:


      DIS HAUS HAT DIE GERECHTIGKEIT DES GANGES


      Mir ist bisher keine Publikation über das Essighaus oder generell über die Bremer Altstadt bekannt, in der dieses Portal oder die Inschrift jemals fotografisch abgebildet worden wäre ! Beide haben somit hier im Forum ihre ‚Premiere’ !

      Ob der Gang (bzw. der Flur) seit der Wiedereröffnung des Restaurants nach dem Krieg wieder als Zuwegung von der Obernstraße aus gedient hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Spätestens mit der Übernahme des Essighauses durch das Bankhaus Martens & Weyhausen dürfte er aber dauerhaft für den Publikumsverkehr geschlossen worden sein.

      Da das ‚Steinerne Haus’ ja selbst nach den Planungen der Architekten Miller & Maranta erhalten bleiben soll, wäre es Dr. Jacobs wirklich anzuraten, diese Passage wieder für die breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Durchlässigkeit des Balgequartiers würde dadurch mit Sicherheit gewinnen ! Dieses Portal ist einfach ein Juwel im Dornröschenschlaf, welches es verdiente ‚wach geküßt’ zu werden…


      Abbildung 00

      Das an der Obernstraße gelegene nördliche Gangende während der Kriegszeit.

      (Bildquelle: Online Kriegsschadensdokumentation des Staatsarchivs Bremen)





      Abbildung 01

      Obernstraße nach Osten mit Blick auf Rathaus und St.-Petri Dom. Der Eingang des Büro- und Geschäftshauses Nr. 26 – 28 aus der Nachkriegszeit ist mit einem grünen Pfeil markiert.


      Abbildung 02

      Der unscheinbare Eingang zu den Büroetagen des Hauses Nr. 26 – 28 zwischen den beiden Ladenlokalen.



      Abbildung 03

      Blick von der Haustür in den langen Flur hinein.


      Abbildung 04

      Blick auf die ‚Gabelung’. Rechts: Wendeltreppe, Links: verschlossene Pforte.

      (Foto: Angela Podbielski)



      Abbildung 05

      Die schmiedeeiserne Pforte und das Oberlicht.

      (Foto: Angela Podbielski)


      Abbildung 06

      Blick durch die Pforte.

      (Foto: Angela Podbielski)


      Abbildung 07

      Der historische Nordausgang des Essighauses in der Nordwand des ‚Steinernen Hauses’.

      (Foto: Angela Podbielski)


      Abbildung 08

      Die auf das ‚Wegerecht’ bezogenen Bauinschrift.

      (Foto: Angela Podbielski)


      Abbildung 09

      Die einschlägige Textpassage bei Seedorf.


      Abbildung 10

      Zusammenschau von Flur und historischem Katasterplan.


      Abbildung 11

      Zusammenschau von historischem Grundriß und Foto des kleinen ‚Hofes’ an der Nordwand des ‚Steinernen Hauses’. (Foto Blick: nach Süd in Richtung Langenstraße).

      Abbildung 12

      Ungefähre Höhenlage der Nordtür; markiert an der Westwand des ‚Steineren Hauses’.


      Abbildung 13

      Nach Durchquerung des Nordportals und des Flures im ‚Steinernen Haus’ gelangte man zur Nordtür des Eßzimmers im Zwischenflügel, welche am Nordtreppenhaus des Essighauses gelegen war. Stieg man auf der Treppe eine Etage höher, so erreichte man die Nordtür des Rokoko-Zimmers, welche die folgende Abbildung zeigt.



      Abbildung 14

      Blick von der Nordtür nach Süd in das Rokoko-Zimmer hinein.



      Abbildung 15

      Umgekehrte Blickrichtung im Rokoko-Zimmer zur Nordtür.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Pagentorn ()

    • ...und Pagentorn ging zum Kleiderschrank, zog sich die Lederjacke über, befestigte sich die Peitsche am Gürtel, setzte den Fedora aufs Haupt und marschierte als Dr. Henry Walton Jones jr. in die Gänge des Hauses Obernstraße 26-28 und brachte der Menschheit verschüttet oder verschollen geglaubte Artefakte.
      ...oder wählte Pagentorn doch den Inverness-Mantel und die Deerstalker-Mütze?

      Wie auch immer. Diesen alten, historischen Teil des Essighauses habe ich so noch nie gesehen. Mir klopft tatsächlich ein wenig das Herz bei dem Anblick des (womöglich) erhalten (wiederaufgebauten?), historischen Portals bzw. Portalrahmens.

      Danke Pagentorn für diese meisterliche Detektivarbeit bzw. Archäologiearbeit.
      Dr. Henry Jones sr. und Sir Arthur Conan Doyle können Stolz auf dich sein.
      Und wir im Forum sind es auch - oder...?

      Klasse Leistung, Pagentorn.

      8o :P 8o :D

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jakku Scum ()

    • Hört, Hört!!!
      Der findorffer läuft zu lyrischer Höchstform auf!
      Dafür gibt es von mir auch einen 8o und einen :biggrin: .

      Die kommende Nacht werde ich auch mal mit einem Goethe unter dem Kopfkissen einschlafen...vielleicht bewirkt das ja Wunder.... ^^

      Was ist eigentlich aus der Expo Real in München geworden? Waren dort ebenfalls wie am Sonntag (?!?) in der Obernstraße Dr. Jones oder Sherlock auf der Pirsch? Oder schlich vielleicht ein Pater Brown durch die Messehallen am ehemaligen Flughafen Riem?

      @ Exilwiener
      Wie ist es deinem Mitarbeiter auf der Expo Real ergangen? Hat er den Stand von HPE gefunden - oder gar das neue Modell des Essighauses bzw. des Balgequartiers?
      Ich konnte es leider nicht mehr genauer verifizieren, weil sich meine Quelle nicht mehr gemeldet hat. Und in meinem Urlaub wurde dann aus dem Hotspot ein Coldspot.
      Es ist schon bitter, wenn man in Zeiten von WLAN, Internet und Smartphones plötzlich wie Crusoe auf einer Insel ohne Netz, Steckdose und Elektrizität hockt. - Oder hat einer meine Rauchzeichen gesehen?
      Doch wofür gibt es Gesellschaftspiele? Da wird man glatt zum Lotti Karotti-Meister!
      Bitte Exilwiener, sprich mit uns und teile die Neuigkeiten mit - positive wie negative.
    • Halleluja!

      Was hat sich denn da aufgetan?

      Es sollte eigentlich nur ein flüchtiger Schuss ins Blaue sein, weil ich nicht annahm wirklich etwas Konkretes zu finden, doch dann fand unter der Adresse

      immobilien-zeitung.de/148483/weserrenaissance-im-3d-druck

      einen aktuellen Bericht zur Expo Real in München, die ja bekanntlich vom 7.-9.10.2018 ihre Tore für das Fachpublikum (und auch für unseren Bekannten, den Exilwiener oder aber Teile von ihm) geöffnet hatte.

      Es gibt dort ein Foto zu sehen, auf dem die Geschäftsführer der Hanseatischen Projektentwicklung (HPE) Jean Jaques de Chapeaurouge und Sven Barthe vor einem Glaskasten des Bremer Standes posieren. In dem Glaskasten ist das neue Modell des Balgequartiers zu sehen – nur leider nicht das Essighaus (Grrrmmmpffft! :kopfwand: )
      Ich würde das Foto gerne hier hochladen, doch bis ich das geschafft habe, ist Weihnachten...!!! :opa:

      In dem Artikel der 'Immobilien-Zeitung' nimmt de Chapeaurouge Bezug auf das Herstellungsverfahren der neuen/alten Essighaus-Fassade.
      Wie es aussieht, soll die Fassade tatsächlich in 3-D Druck entstehen. Material, das dann dem Drucker als Futter dient, soll Beton oder eine Mischung aus gemahlenem Sandstein sein!!!

      Crazy!!! eye:) :schockiert:
    • Na super, schöne neue Roboter-KI-Welt. :rolleyes: War doch klar, daß so eine pseudorekonstruierte Vorhangfassade nicht händisch, handwerklich-bildhauerisch in Sandstein ausführt wird, sondern als Projekt eines Großinvestors mit den neuesten Verfahren als kostengünstige und schnelle "sterile 3D-Drucktapete" erstellt wird. So wird es halt reine Dekoration! In sich dann auch wieder stimmig, muß man zugeben, wenn dahinter kein Haus mit Bezug zur Fassade stehen soll!
      Frag mich halt wo das hinführen soll, wenn das Schule macht und umfassend angewendet wird!?
      Was geschieht dann mit dem traditionellen Bilderhauerhandwerk und dessen reichen Erfahrungsschatz und Wissen in einigen Jahrzehnten? Wie werden originale Sandsteinbauten zukünftig restauriert!? Auch mit 3D-Druck, grrr ...! Gegen Arbeitserleichterungen mit computergesteuerten Fräsen (wie beim Berliner Schloß) habe ich nichts einzuwenden, aber eine Reko sollte auch die bildhauerische Kraft der Bearbeitung ausstrahlen. DAS MACHT EINEN UNTERSCHIED!
    • Potemkinsche Fassade

      Der Neubau nach einem Entwurf der Baseler Architekten Miller & Maranta soll durch eine Rekonstruktion der Weserrenaissance-Fassade veredelt werden. "Wir wollen versuchen, die Fassade im 3D-Druck zu rekonstruieren - entweder aus Beton oder einer Mischung mit gemahlenem Sandstein".

      Eine Weserrenaissancefassade aus Beton oder gemahlenem Sandstein - das geht schon gar nicht und ist ein Widerspruch in sich selbst. Die Fassaden der Weserrenaissance waren aus dem Bremer bzw. Oberkirchener Sandstein, dieser hat eine typische Beschaffenheit und Oberflächenstruktur, beide sind wiederum Bestandteil der Weserrenaissance-Ästhetik. Beton oder eine Mischung aus gemahlenem Sandstein brauchen für den 3D-Druck ja eine Art Kleber, der das Ganze zusammmenhält. Wie wird so eine Fassade dann aussehen? Bestimmt nicht wie eine Renaissance-Fassade aus Oberkirchener Sandstein, sondern künstlich und nicht künstlerisch. Es geht doch nur noch um das Abbild und nicht um eine gelungene Rekonstruktion. Da könnte man ja auch einfach ein riesiges Foto aufkleben, das wäre billiger.
      Mit Beton oder gemahlenem Sandstein entsteht eine potemkinsche Fassade.

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    • Hier muß ich dem Niederländer leider voll beipflichten. Eine Fassade aus Beton oder Kunststein aus dem 3D-Drucker ist als ''Rekonstruktion'' eines kunstgeschichtlich so wichtigen Denkmals einfach ein Hohn.
      Hier sieht man, wie sehr Nürnberg Glück gehabt hat, einen Steinmetzen wie Harald Pollmann zu besitzen, der die Pellerhof-Rekonstruktion sowohl initiiert als auch handwerklich ausgeführt hat.
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
    • Brüstungsfelder des ehemaligen Hängewerks

      Vor dem Hintergrund des angekündigten fragwürdigen 3-D-Drucks beginnt man sich wirklich Sorgen zu machen, was mit den Spolien des ‚Alt-Bremer-Hauses’, die im Innern des gegenwärtigen Essighauses Verwendung gefunden haben, in der Zukunft geschehen wird. Es wäre zum Beispiel höchst bedauerlich, wenn die Brüstungsfelder des von Albert Dunkel einst eingebauten Hängewerks, die von Wortmann und Schott wieder in der Diele platziert wurden, in Zukunft nicht mehr vor Ort zu bestaunen sein würden.

      Anbei eine aktuelle Übersicht der gegenwärtig im Hause vorhandenen Brüstungsfelder.

      01 Brüstungsfelder aus der Diele























      02 Brüstungsfeld aus der Galerie des Patriziersaals


    • Ich habe mittlerweile den bösen Verdacht, dass man mit der "Rekonstruktion" der Essighausfassade lediglich ein Feigenblatt brauchte, um sehr sehr billig an zusätzliche Quadratmeter in bester Citylage zu kommen. Offenkundig sind die aktuellen Bauten viel niedriger, heißt weniger Quadratmeter. Das Essighaus war sehr hoch, und - oh Wunder - hat man diese Maximalhöhe schnell für das gesamte Quartier übernommen.

      Man kann ja mal ausrechnen, was da an Flächen dazu kommt. Und wir hatten ja eh schon diese sehr schwierige Lösung mit der "angeklebten" Fassade. Wenn diese jetzt auch noch aus dem 3-D Drucker kommt, und das bei einem solchen Baudenkmal, sorry, dann ist das Projekt für mich durch.

      Sollte man irgendwann auf die Idee kommen, den Kudamm oder den Kaiserpalast in Dresden mit 3-D Druckern zu erstellen, dann meinetwegen, aber nicht bei solchen Bauten, das diskreditiert in Verbindung mit der offensichtlichen Kulissenhaftigkeit der Fassade den Rekonstruktionsgedanken und schadet letztlich mehr.

      Ich hoffe, der Investor hat ein Einsehen und rekonstruiert wenigstens handwerklich korrekt. Ansonsten kann man nur sagen, dass das sehr traurige Entwicklungen sind. Schade!
      APH - am Puls der Zeit
    • Ich finde es gut das ein 3D Druck Verfahren getestet wird. Das es unbedingt bei diesem Haus sein muss, finde ich zumindest fraglich. Dennoch bin ich auf das Ergebnis gespannt. Solch eine Technik, kann zu günstigeren komplexen Stein / Beton Fassaden führen und somit langfristig zu einem schöneren Stadtbild. Vielleicht ist dies eines Tages billiger als Stahl / Glas.

      Kennt jemand den Palace of fine Arts in San Francisco? Der ist meines wissens nach aus Betonguss und absolut bezaubernd.
    • In einer Welt von Apple, Smartphones, WhatsApp, Duck-Tweets und E-Paper, halte ich auch gerne mal eine Zeitung aus Fleisch und Blut in den Händen. Zwar riechen die heutigen Realo-Ausgaben nicht mehr so stark noch Lösungsmittel (besonders die Bilder) wie damals, doch dieses besondere Gefühl, die Nachrichten der Welt und den Klatsch des Nachbarviertels in Händen zu halten, ist nahezu unverändert ästhetisch, ausfüllend und unbeschreiblich vertraut. - Und dann die schwarzen Fingerabdrücke auf dem weißen Kaffeeservice. Oh, das gibt Mecker von der Gattin!
      Auch ich hätte lieber 'echten' Sandstein und teile die Auffassung der 'Potemkinsche Dörfer' in Form einer Fassade im Balgequartier.
      Über das Thema 'Gestern – Heute – Morgen' werde ich mich in einem späteren Beitrag noch äußern.
      Nur soviel vorweg: Ich möchte es gerne mal sehen bzw. es wie die 'Zeitung' in 'Händen halten'.
      Links den Block von Menschenhand behauen.
      Rechts den Block aus einem Sandsteingemisch frisch vom Drucker modelliert.
      Welcher Block fühlt sich ästhetischer an?
      Welcher Stein weckt mehr Emotionalität?
      Und, wenn ich nicht wüsste, welcher Stein welcher wäre, würde ich den handwerklichen Stein vom gedruckten Stein unterscheiden? (Ich rede hier von einem Stein von Meisterhand gefertigt. Den Stein, der vom Azubi gehauen wurde, werde wohl selbst ich von dem eines gedruckten Steines unterscheiden können! (Es sei denn, der IT-Fachmann hat absichtliche Fehler eingebaut, um mein Urteilsvermögen zu trüben!))

      Gab es nicht im letzten Jahrzehnt ein Haus in Japan, das computergesteuert, ohne das Zutun von Handwerkern, gegossen, also 'gedruckt' wurde? Oder war dies Teil eines nächtlichen Alptraums?
      Wenn das Haus aber real ist, steht es dann noch? - Was ja die Frage nach der Haltbarkeit von gedruckten Steinen oder Beton beantworten könnte.
      Na ja, die Russen tun es auch schon, was der Link verdeutlicht.

      welt.de/finanzen/immobilien/article162704364/So-baut-ein-Roboter-ein-ganzes-Haus-fuer-9500-Euro

      Was der Artikel unterstreicht, ist die Meinung, dass die Fassade billig wird. Ob die Fassade des zukünftigen Essighauses aber auch billig aussehen würde, kann ich von hier aus nicht sagen. Dafür müsste ich zumindest mal nach Moskau fliegen und gucken, wie billig dort die Wände bzw. Fassaden aus dem Drucker aussehen...

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Jakku Scum ()

    • Spolien aus dem Innern des alten Essighaus im gegenwärtigen Gebäude

      Als kleiner Beitrag zur Diskussion bezüglich der Qualität von traditioneller Steinmetzkunst versus 3D-Druck anbei einige Abbildungen des bildhauerischen Erbes im Innenraum des aktuellen Essighauses. Da die unten vorgestellten Teile nicht zur alten Fassade gehörten, wird es interessant sein zu erfahren, wie mit ihnen in der Zukunft verfahren werden soll.

      01 Fenstersäulen aus dem ehemaligen Esszimmer.







      02a Detail der linken Fenstersäule.







      02b Detail der rechten Fenstersäule.







      03 Schon von Albert Dunkel als Spolien in das Essighaus eingebrachte Halbrundsäulen am Durchgang von der Diele zum Esszimmer.







      04 Fragment einer der Dreiviertelsäulen von der Südwand des Patriziersaals.







      05a Wandung und Dreiviertelsäule deren Verwendung im Vorkriegs-Essighaus nicht bekannt ist. Linker Teil.







      05b Wandung und Dreiviertelsäule deren Verwendung im Vorkriegs-Essighaus nicht bekannt ist. Rechter Teil.







      06 Detail des linken Teils der Wandung.







      07 Detail der Dreiviertelsäule.







      08 Detail des rechten Teils der Wandung.







      09 Statue unbekannter Herkunft (Ratsherr Esich ?)







      10 Detail der Statue