Schloss Hundisburg

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    • Schloss Hundisburg

      In einer Beitragsserie hier im Forum zum Schloss Zerbst ging es um die „Leuchtturmpolitik“ (wie ich das jetzt mal nennen will) des Landes Sachsen-Anhalt bezüglich der Mittelbereitstellung für den Denkmalschutz. Mitglied Akanthus brachte es wie folgt auf den Punkt:

      Akanthus schrieb:

      Natürlich ist im Land Sachsen-Anhalt Geld vorhanden, aber die Mittel des Bereiches Denkmalpflege (Kulturministerium) werden meiner Einschätzung nach vorrangig in die Weltkulturerbestätten und in Objekte im Harz als Touristenregion gesteckt. Bei den Summen, die in diesem Jahr nach Wittenberg flossen, wird einem regelrecht schwindelig. Da haben andere Denkmäler und Initiativen oft das Nachsehen.

      Dieser Aspekt wird auch in meinem heutigen Beitrag eine Rolle spielen, aber zunächst noch die Antwort von thommystyle™ im Strang Zerbst, das war nämlich der Anlass für meine folgenden Ausführungen.

      thommystyle™ schrieb:

      Nicht zu vergessen, dass auch viel Geld nach Schloss Hundisburg floss/fließt. Das Schloss und der Park war auch größtenteils eine Ruine und das Land hat einige Anstrengung in die Rekonstruktion gesteckt, unter anderem in die Komplettrekonstruktion einer Barockdecke mitsamt der Malereien (Erstaunlich, das hier im Forum noch keinen Faden zu diesem Projekt gibt.)

      Danke für die Anregung, thommy, habe sie hiermit umgesetzt :)

      Schloss Hundisburg dürfte tatsächlich nicht sehr bekannt sein, hier eine Luftaufnahme der imposanten Anlage (Schloss, Wirtschaftshof, Barockgarten):
      Klick

      Die Gartenseite des Schlosses (man beachte bitte den helleren Mittelteil / unterhalb des großen Dreiecksgiebels – dort im Obergeschoss / 1. OG befindet sich der Hauptsaal /Festsaal, über alle 5 Fensterachsen):


      Von OttoReinhold - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16776328


      Bis 1945 waren die historischen Haupträume des Schlosses recht gut erhalten, dann zogen dort Soldaten der Roten Armee ein (so als richtige Quartiermachung, nicht nur für ein paar Tage). Im Herbst 1945 kam es dann zu einem folgenschweren Brand, der das Hauptgebäude in eine Ruine verwandelte. Über die Ursachen schrieb eine Lokalzeitung:

      Volksstimme schrieb:

      Nebenbei erfährt er von den drei möglichen Varianten, von denen eine das Schloss Hundisburg in der Nachkriegszeit 1945 zu einer Brandruine hat werden lassen. Entweder hätten die sowjetischen Besatzer die Kamine überheizt und somit die hölzernen Essen entzündet. Oder das Stroh, das sie ins Schloss geschafft hätten, wäre durch eine Machorka in Brand geraten und die Soldaten hätten die Feuerwehr nicht ins Haus gelassen, erzählt Blanke.
      Und dann ist da noch die Version des ehemaligen Hundisburger Ortsbürgermeisters Josef Franz. Der hatte laut Blanke nach der Wende einen der ehemaligen Besatzungssoldaten ausfindig gemacht. „Der hätte aber gesagt, dass es die Rotarmisten nicht waren, sondern jemand aus dem Dorf, der noch eine Rechnung mit derer von Alvensleben offen gehabt hätte, dafür verantwortlich sei“, so Blankeweiter. „Aber wie der Schwelbrand wirklich entstanden ist, wird wohl nie geklärt werden.“

      Quelle:
      https://www.volksstimme.de/lokal/haldensleben/foerdermittel-geldgeberschildchen-kommen-gut-an

      Also ich halte Variante 3 für ziemlich unwahrscheinlich. Welcher Deutsche hätte es sich gewagt– zumal in den eh gefährlichen Nachkriegsmonaten (was das Verhältnis Russen/Deutsche betrifft), ein solches Wohnobjekt der Roten Armee in Brand zu stecken. Außerdem war das Areal ja höchstwahrscheinlich abgesichert und für normale Deutsche gar nicht zugänglich. Und was vor allem unglaubwürdig ist: Wenn die Russen angeblich so detailliert über das Motiv eines vermeintlichen Brandstifters Bescheid wussten, dann hätten sie auch den Namen des Übeltäters gewusst. Und das wiederum hätte zu irgendwelchen Konsequenzen hinsichtlich Strafverfolgung geführt.

      In der DDR-Ära gab es immer mal wieder zaghafte Ansätze, die Ruine wiederaufzubauen, was aber an den wirtschaftlichen Möglichkeiten scheiterte.
      Hier 2 Bilder, aufgenommen etwa 1980:


      Von MarkNikolaus von Nathusius - Selbst fotografiert, Gemeinfrei, commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6345332

      Der Festsaal:


      Von Mark Nikolaus von Nathusius - Selbst fotografiert, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6548487



      1994 erwarb die Stadt Haldensleben Schloss, Barockgarten und Landschaftspark. Seitdem ist dort viel passiert. Einer der Höhepunkte des Wiederaufbaus war die denkmalgerechte Rekonstruktion der barocken Stuckdecke im Hauptsaal (Festsaal) – wie thommystyle schon schrieb incl. der barocken Malereien. Der Künstler, der die Deckengemälde phantastisch „reproduzierte“, heißt übrigens Christoph Wetzel. Wem der Name wider Erwarten nichts sagt, das ist einer der beiden Kunstmaler, die die Deckengemälde in der Kuppel der Dresdner Frauenkirche wieder erschaffen haben. Und so schaut die Decke aus:


      Von Urfin7 -Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39864803

      Und hier eine Aufnahme, die den aktuellen Zustand des Raumes vermittelt: Klick

      Geplant ist eine vollständige Rekonstruktion, hier die Visualisierung: Klick


      Über die weiteren Vorhaben berichtete eine Lokalzeitung im Januar 2018:

      Volksstimme schrieb:

      Wie Bauamtsleiter Holger Waldmann erklärt, geht es um die Fertigstellung des Haupthauses. 2018 sollte die Planung erfolgen. 2019 sollten die eigentlichen Arbeiten beginnen.
      Unter anderem war geplant, die Fassade instand zu setzen und in diesem Zusammenhang auch den sogenannten Bibliotheksgang auf der Nordseite zu rekonstruieren. Das Dach auf der Südseite sollte erneuert werden, denn derzeit ist es noch mit Betondachsteinen aus DDR-Zeiten gedeckt. Darüber hinaus war vorgesehen, das Foyer des Mittelbaus auf der Hofseite fertigzustellen sowie den Hauptsaal und das Treppenhaus vollständig zu rekonstruieren. Die Gesamtkosten werden auf knapp 2,2 Millionen Euro geschätzt. Erhofft wurde eine Förderung von 80 Prozent, also rund 1,75 Millionen Euro.

      Quelle:
      https://www.volksstimme.de/lokal/haldensleben/restauration-schloss-hundisburg-wartet-auf-foerderung
      Im Zitat heißtes *sollte erfolgen*, *sollte beginnen*. Jetzt komme ich nämlich zu dem am Anfang genannten Aspekt, dass nämlich die engagierten Bemühungen um Fördermittel des Landes bislang nicht zum Erfolg führten. Nähere Ausführungen dazu findet man in dem verlinkten Zeitungsartikel im voranstehenden Zitat. Wichtige Aussage aber: Die Stadt will mit Energie dranbleiben.

      Noch kurz zu der erwähnten Treppenanlage, die sieht aktuell so aus:


      Von Urfin7 -Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39864805

      Zustand um 1930: Klick
    • Danke für deine Ausführungen BautzenFan! :) Ein schönes Schloss, hoffentlich werden die Bemühungen um Geld und damit der weiteren Rekonstruktion Früchte tragen. Dass es im Besitz der Stadt Haldensleben ist, hab ich damals überlesen, ich dachte es wäre im Besitz des Landes.
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller

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