Saarbrücken Teil 1: Alt-Saarbrücken, Regierungsviertel und Villengebiet (Galerie)

  • Lieber Exilwiener, der Mittelrisalit ist nicht original, sondern ein neobarocker Bau, der von der ursprünglichen Kubatur weiter weg ist als der moderne Risalit von Böhm. Dank dieser modernen Zutat hat das Schloss immerhin wieder seine historische Silhouette, um die sich der Historismus nicht geschert hat.

  • Noch ein paar Bilder zum Schlossgartenrest, der sich über mehrere unterschiedlich hohen Terassen verteilt:



    Im Hintergrund das Landtagsgebäude:



    Typisch barocke Gestaltung der Hecken:







    Barocke Puttenfiguren:




    Am Rande zur Schlossmauer dieses Gartenpavillon:




  • Verlassen wir nun den Garten:




    Blick auf die Anlage vom Landtag aus:




    Und von der Talstraße:



    Wenn man diese hinaufgeht, erkennt man noch die andere Bausünde, ebenfalls von Böhm, die für als Eingangsbereich des historischen Museums Saar:





    Vom Schlossplatz aus liegt dieses Gebäude direkt südlich vom Schloss:


  • Kommen wir nun zu den bürgerlichen Häusern von Alt-Saarbrücken. Die meisten der wenigen, die erhalten blieben nach dem Zweiten Weltkrieg stammen aus dem 18. Jh. und sind im selben Stil gebaut wie das Schloss, nämlich im sogenannten "Stengelstil" mit idR schiefergedeckten Mansarddach, Sprossenfenstern mit Bögen und Scheitelsteinen als Abschluss sind sehr typisch für diesen Baustil sowie die Eckquader zu den Nachbarhäusern sowie die praktisch komplette Farblosigkeit durch das komplette Streichen in weiß. Diese Farbgebung hatte vielleicht auch mit der Konfession zu tun, da ja bekanntlich die Grafen von Saarbrücken seit der Renaissance protestantisch waren. So ähnlich sind die Häuser in der besser erhaltenen Altstadt von St. Johann am anderen Ufer der Saar, die ich später vorstellen werde!


    In der schon bei den Häusern an der Schlossmauer vorgestellten Karte wird die bürgerliche Bebauung gezeigt, die sich vorallem westlich des Schlosses konzentriert hat am Anfang des 18. Jh. (gesüdete Karte):



    Auf der Karte von 1780/82 war die Bebauung schon weiter fortgeschritten nach Westen (Ludwigsplatz) und Süden (Talsttraße)



    Fangen wir mit der Häuserzeile in der Talstraße an. Sie war noch vor über 10 Jahren stark heruntergekommen, und erstrahlt seither im neuen Glanz, mitlerweile aber auch mit ein wenig Patina. Das Ensemble entstand in den 1760-70er Jahren:











    Je mehr wir den Schlossberg zum Platz hinaufgehen, desto größer wurden die Zerstörungen des WK 2. Daher wurde zb. dieser Torhausfragment in einem Neubau von 1970 eingefügt:



    Ansonsten ist der Neubau ziemlich anspruchslos...



  • Das rechte Nachbarhaus, am Schlossplatz Nr. 3 ist das Erbrpinzenpalais. Es wurde um 1750 von Stengel höchstpersönlich errichtet:



    Das prunkvolle Hauptportal:






    Das Gebäude befindet sich an der südlichen Seite des Schlossplatzes. Schräg gegenüber, am westlichen Ende, befindet sich das alte Rathaus:










    Es wurde 1748 bis 1750 ebenfalls von Stengel konstruiert. 1944 wurde es nach alliierten Bombenangriffen innen vollkommen ausgebrannt, sodass es 1950-51 wiederaufgebaut wurde:





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  • Der Eingangsbereich des alten Rathauses:




    Das Eckhaus gegenüber vom alten Rathaus und dem Kreiständerhaus stammt ebenfalls aus der Mitte des 18. Jh. :




    Anschließend in Richtung Nanteser Platz, früher der Mittelpunkt des alten Saarbrückens, befindet sich eine betonlastige Bausünde:





    Rückseite vom alten Rathaus. Im Hintergrund das Schloss:





    Schlosstraße 28/30, jetzt ein Doppelhaus, ist wohl das älteste erhaltene Bürgerhaus von Alt-Saarbrücken, da es in der linken Hälfte noch Fenster mit Renaisanceprofilierung besitzt und könnte daher noch aus dem 16. Jh. stammen:





  • Na ja, da gibt es allein in Paris mehrere Beispiele (Louvre-Pyramide, Innenhof vom Palais Royal).

    Der Vergleich würde nur dann zutreffen, wenn die Pyramide den Pavillion Sully ersetzen würde.

  • Er würde dann zutreffen, wenn der Pavillon Sully im 18. Jahrhundert zerstört worden, im 19. Jahrhundert durch ein mediokres Gebäude in völlig anderen Formen ersetzt und dann wiederum im 20. Jahrhundert durch ein modernes Gebäude in den Außenkubaturen des alten Pavillons ersetzt worden wäre.

  • Dank dieser modernen Zutat hat das Schloss immerhin wieder seine historische Silhouette

    Die historische barocke Silhouette des Schlosses ist die hier:



    Im Vergleich dazu ein Bild vom Fachwerkliebhaber.


    Inwiefern das Schloss in seiner Gesamtheit wieder die historische Silhouette haben soll, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Dazu hat sich insbesondere die Dachlandschaft des restlichen Schlosses viel zu stark verändert.



    Eine Frage meinerseits: Was ist eigentlich mit der neubarocken Fassade zwischen 1938 und 1958 passiert? Im Krieg zerstört? Abgerissen? Auf dem Bild von 1958 fehlt ja eindeutig in der Mitte etwas. Im Vergleich dazu kommt die heutige Situation tatsächlich dem Originalzustand näher.

  • @Wangener der Ostflügel, also der Mittelflügel wurde im Zweiten Weltkrieg sowie der westliche Nordflügel teilweise zerstört und danach nur vereinfacht wiederaufgebaut, daher der bauliche Unterschied im Mittelpavillon :)

  • Du meinst wohl den Ostflügel? Einen Flügel an der westlichen Seite des Innenhofs gibt es doch seit Jahrhunderten nicht mehr?

  • Ich glaube, dass es beim 1938 Bild um einem Modellbild handelt? Sah das Schloss wirklich so aus?

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Nein, 1938 wurde der Mittelpavillon mit Mansardwalmdach und neobarocker Fassade umgebaut, um sich den Urzustand wieder anzunähern. Aber davor, in der Kaiserzeit, hatte der Mittelpavillon nur ein Walmdach, so wie nach der Teilzerstörung von 1944 wurde dieser Zustand dann wohl wieder rückgängig gemacht und kopiert!

  • Wurde der Nebenbau(rechts auf dem Bild von 1958) für das von Böhm geplante Museum abgerissen?

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Noch ein paar Bilder des vermutlich ältesten Hauses:




    Zwischen Schlossstraße und Vorstadtstraße befindet sich der Nanteser Platz. Gegenüber wurden in den 1960er und 70er Jahren einige unansehnliche Mietshäuser erbaut:




    Insgesamt gesehen ist das Haus Schlossstraße 28/30 am Nanteser Platz ein letzter Zeitzeuge unter dem Meer der Plattenbauten...



    Etwas weiter Richtung Friedenskirche, Häuser aus den 50er Jahren:



    Biegen wir nun rechts in die Altneugasse ein, wo man noch eine Vorstellung bekommt, wie das alte Saarbrücken aussah:






    Hier befindet sich auch noch ein Rest der ältesten mittelalterlichen Stadtmauer:




  • Hinter der Rechtskurve erscheint auch schon das erste alstadttaugliche Ensemble!



    Nr. 7 aus dem 18. Jh. mit barocker Tür:




    Nr. 11 mehr klassizistisches:







    Die Bebauung der weiteren Straße ist etwas geschlossener mit zt. barockisierenden Neubauten:





    Finde die Balkone etwas überdimensioniert, aber dieseer "traditionelle" Stil ist allemal besser as das, was heute gebaut wird...7







  • Gegenüber, ein typisch postmodernes Ensemble aus den späten 1980ern, frühen 1990ern Jahren:







    Ein Altbau wurde in das Ensemble integriert:







    Westlich von diesem Ensemble, noch ein größerer Abschnitt der alten Stadtmauer aus dem 13. Jh:





    Östlich davon wird die Altneugasse immer breiter zu einem kleinen Platz:





    Hier stehen noch ein paar wenige Originalbauten aus dem 18. Jh. :





  • In der Markhallengasse, der Verbindungsstraße zwischen der Altneugasse und der breiteren Wilhelm-Heinrich Straße befindet sich ebenfalls noch etwas alte Bausubstanz:







    Rechte Häuserzeile:



    Hinter den Mauern befindet sich ein hübscher Innenhof, zu dem ich leider keine Bilder habe.



    Zurück zum kleinen Platz:



    Hier befindet sich der Luisenbrunnen, ein alter neobarocker Brunnen von 1912 stand usprünglich in der Grünanalge an der Saar "Am Staden" und soll an die preußische Königin Luise erinnern: