Modernistische Straßenraumgestaltung in alten Städten

  • Ich empfehle allen Interessierten dieses Beispiel einer Straßenraumgestaltung im Zuge einer bevorstehenden Sanierung am Beispiel Rietstraße in Villingen, so wie sie NICHT erfolgen sollte!


    - Beseitigung traditioneller Straßenlaternen durch modische


    - Reduzierung des Kopfsteinpflasters auf einen schmalen mittleren Streifen zugunsten von breiten Randbereichen mit Platten, die einem monotonen Muster folgen -> weniger Lebendigkeit der Straßenoberfläche durch Reduzierung des historischen Pflasterbelags auf eine Alibifläche sowie ahistorische Gliederung des Straßenraums.


    - Wahl zu hoher Baumart, welche ohne (historischen) Bezug zu den dahinterliegenden Fassaden gestreut im Straßenraum angeordnet werden.


    Im Detail gibt es weitere Punkte, die jedoch ohne Kenntnis der lokalen Gegebenheiten weniger ersichtlich sind wie etwa der Torso eines hier nicht wiederhergestellten Stadtbachs, auf welchen infolge mangelnder technischer Kenntnisse des beauftragte Planers im Gegensatz zu den Stadtbächen der 3 anderen Straßenzügen des Zähringerstraßenkreuzes inkonsequenterweise verzichtet werden muss...



    Anbei PDF des Entwurfs zur Neugestaltung Rietstraße Villingen im Zuge einer Sanierungsmaßnahme 2018/ 2019:
    https://ris.villingen-schwenni…1101773&_nid_nr=&_nk_nr=6

  • Blick in die Villinger Rietstraße am vergangenen Wochenende:

    https://static4.suedkurier.de/…966x593_1uK05f_5PSW6i.jpg

    Die Umgestaltung der Fußgängerzone mit den modernistischen Straßenlaternen ist damit von vier Hauptstraßen des Zähringer Straßenkreuzes nach weitgehend selbem Muster (allerdings ohne Stadtbächle) zwischenzeitlich beendet. Man erkennt zweifellos wie störend dieser Leuchtentyp im historischen Straßenraum der alten Stadt gegenüber den Vorgängermodellen wirkt:

    https://www2.landesarchiv-bw.d…78720/labw-5-299318-1.jpg

    https://iiif.deutsche-digitale…ll/!800,600/0/default.jpg


    Ergänzend dieser Blick auf die Rietstraße vom Osianderhaus am Riettor, der zudem die neue, unambitionierte Flächengestaltung der Pflasterungen als Flickenteppich ohne ein Gespür für Gliederungen im mittleren und hinteren Teil der Ansicht verdeutlicht: https://images.webcamgalore.co…-Schwenningen-2138-08.jpg

    Dazu im Vergleich die historische Gliederung des Straßenraums mit passenden Straßenlaternen auf einer frühen Ansicht des 20.Jhs.:

    https://img.oldthing.net/8867/…rzwald-Baar-Kreis-LKR.jpg Hier zudem die frühere, gelungene Einbindung der Gassen mit abgerundeten Bordsteinen und die Pflasterungen mit Absenkungen vor größeren Eingangstoren der Bürgerhäuser zu sehen, von den kleinkronigen Kugelbäumen einmal ganz abgesehen: https://img.oldthing.net/8867/…rzwald-Baar-Kreis-LKR.jpg


    Der selbe modernistische Leuchtentyp fand später auch auf dem Platz hinter dem Stuttgarter Kunstmuseum Verwendung, dem sogenannten kleinen Schlossplatz - offensichtlich als Ware von der Stange, die an jedem Ort ohne Bezug zur städtebaulichen Situation eingesetzt wird:

    https://www.stuttgarter-zeitun…e1a826d7.original1024.jpg

    https://www.stuttgarter-nachri…90888dac.original1024.jpg

  • Furchtbar! Es ist doch erschreckend, daß gerade die Leute, die über die Stadtmöblierung entscheiden, manchmal so gar kein Gespür für Gestaltung und Harmonie haben. Ich finde diese orangefarbenen Mülleimer aus dem 1970er-Jahren schon hässlich. Nun gibt es in Frankfurt a.M. noch die dazu passenden Sitzringe.

  • Das ist die grundlegende Misere der ganzen "modernen" Kunst. Sie soll nicht gefallen sondern provozieren, dann gilt sie als erfolgreich.

  • Das ist die grundlegende Misere der ganzen "modernen" Kunst. Sie soll nicht gefallen sondern provozieren, dann gilt sie als erfolgreich.

    Das leider nicht nur bei der Bau"kunst" der Fall, sondern auch bei der darstellenden Kunst a la Oper oder auch Theater...


    Die ehemals "Erste Bühne" im deutschen Sprachraum - das Wiener Burgtheater - meide ich seit Jahren, da man sich mit Neuinterpretationen schon selbst nur noch karikiert und die letzten Opernaufführung (zugegebenermaßen Volksoper und nicht Staatsoper) verließ ich bereits nach der Pause, weil anscheinend das progressive, statische Bühnenbild mir jedwede Lust am Rest verleidete. Vielleicht bin ich aber zu konservativ - mag sein - aber es würde sich auch keiner irgendeine historische Verfilmung ansehen, wo alle Darsteller nur in schwarz gekleidet und mit nie abwechselnder Hintergrundkulisse parlieren...vielleicht liegt es daran, dass die Theater (zumindest bei uns) sich zu einem Teil aus Steuergeld finanzieren und nicht gefallen müssen...


    Es gibt aber auch (glücklicherweise) Ausnahmen und deren Vorstellungen sind dann stets restlos ausverkauft. Nur checken das so manche von der Politik ausgesuchte Staatsbühnendirektoren nicht, da sie auch noch irgednwelche politischen Aussagen in solche Aufführungen interpretieren wollen (vieleicht müssen).


    War etwas OT - ich weiß - aber das kam mir gerade so in den Sinn bei Königsbaus Beitrag. Unsere abendländische Kultur hat nicht gerade eine Hochkonjunkturphase, aber nach jeder Talfahrt kommt bekanntlich auch wieder eine Bergfahrt und das ist in der Architektur sicher auch einmal wieder der Fall um den Kreis wieder zu schließen ;-) .

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Das mit der Talfahrt, auf die eine Bergfahrt folgt ist ein schöner Gedanke. Allerdings begreift sich die Moderne ja bereits durch ihre Bezeichnung als Höhe- bzw. Endpunkt einer kulturellen Entwicklung, nach dem eigentlich nichts mehr folgen kann und darf. Ein absolutistischer Anspruch, den es zu brechen gilt. Zunächst einmal dadurch, dass man das Attribut "modern" in Zusammenhang mit der Gegenwartskunst nicht mehr verwendet. Wenn man z.B. in einem Atemzug von hässlicher und moderner Architektur spricht, wird neben der Kritik ungewollt eine Bestätigung für die Architekten mitgeliefert. Das sollte vermieden werden. Als Alternative bieten sich Begriffe wie "funktionalistisch" oder "minimalistisch" an.