Nürnberg - realistisch in Bildern (Galerie)

  • Gerade jetzt wird in Nürnberg unglaublich viel gebaut und geplant, aber die Entscheidungsträger haben kein Kunstbewusstsein, kein künstlerisches Verlangen.

    Eben, das ist der Punkt, der einen gerade so wahnsinnig macht in Bezug auf Nürnberg.

  • Leider kann man diese Modelle nicht mit dem Treunerschen Altstadtmodell von Frankfurt vergleichen. Der Maßstab ist ein ganz anderer, die Häuser der Nürnberger Modelle sind kaum als solche erkennbar, sie sind mehr oder weniger nur Baumassen. Das wäre doch eine Aufgabe für die Altstadfreunde, ein neues Altstadtmodell zu bauen, so ähnlich wie das Treunsche Modell zu bauen (in Farbe!), um die Bürger so noch besser überzeugen zu können, oder wenigstens die wichtigsten Bauten wie das Toplerhaus, Grolandhaus, als größere Modelle.
    Noch effektiver wäre aber mMn die modernen Medien zu benutzen: zb hat man in Köln mit einem historischen Straßenbahnwagen und 3D-Brillen ein neues Konzept entwickelt, wie man als Besucher sich in die Stadt um 1900 in der virtuellen Realität anschauen kann, praktisch eine Zeitreise dank der 3D-Technik: https://timeride.de/koeln/koeln-dein-besuch/


    Ja Nürnberg hat es auf jeden Fall nötig: man kann sich nicht auf Dauer zufriedenstellen mit diesen 1950er Nachkriegsprovisorien: nur ein steiles Dach macht keine Altstadt! Die Seele der Stadt bestand tatsächlich in den verwinkelten Gassen mit engen Grundstücken (nicht diese langen Gebäuderiegel der Nachkriegszeit), zt. alemannischen Fachwerkbauten, die aber nicht die Mehrheit darstellten, sondern bereits im 16. Jh. der Sandsteinbau zum Hauptkonkurrent wurde.

  • Ich schaue mir alte Fotos von Nürnberg lieber erst gar nicht an, sonst reg ich mich wieder nur auf.

    Doch schau Sie dir an: Nürnberg - in alten Ansichten (Galerie)


    Nur dann kannst du verstehen, was die "Nürnberg" hier im Forum antreibt. Und nur dann kannst du das Unverständnis nachvollziehen, das wir hier haben, wenn jemand sagt, der Wiederaufbau von Nürnberg sei erfolgreich gewesen.
    Wenn man sich durch diese Galerie geklickt hat, begreift man erst, wie grotesk diese Behauptung ist; ja man meint danach förmlich, nur ein Wahnsinniger könne so etwas allen Ernstes äußern.

  • Leider kann man diese Modelle nicht mit dem Treunerschen Altstadtmodell von Frankfurt vergleichen. Der Maßstab ist ein ganz anderer, die Häuser der Nürnberger Modelle sind kaum als solche erkennbar, sie sind mehr oder weniger nur Baumassen.

    Das mag wohl sein. Das Frankfurter Modell ist im Maßstab 1:200, das Nürnberger aus dem Jahre 1939 im Maßstab 1:500. Ein Detailphoto findet man z.B. hier (zoomen nicht vergessen): https://www.flickr.com/photos/…/in/photostream/lightbox/

  • Nur dann kannst du verstehen, was die "Nürnberg" hier im Forum antreibt. Und nur dann kannst du das Unverständnis nachvollziehen, das wir hier haben, wenn jemand sagt, der Wiederaufbau von Nürnberg sei erfolgreich gewesen.


    Keine Sorge - ich habe das gleiche Ziel wie du, und würde mir wünschen dass alles so ist wie vor dem Krieg. Ich denke, das kriegen wir aber innerhalb der nächsten 24 Stunden nicht hin. ;) Dies hier schrieb ich:


    Ich weise noch mal alle darauf hin dass ich an Nürnberg nur die Elemente des Wiederaufbaus "gut" finde, die ich von Fotos kenne (war noch nie in Nürnberg). Dachlandschaft und Grundriss scheint gut, und die Innenstadt ist Urban, aber das war's dann anscheinend auch. Das hatte ich mit "teilweise gut" gemeint.


    Ich denke wir misverstehen uns. Du meinst Rekonstruktion des Historischen, ich auch, aber nicht nur. Ich rede auch von Urbanität. Meine Kommentare sind im Bezug auf Dresden zu sehen. Ich hatte die zwei gegenübergestellt. Nürnberg hat, und das finde ich "gut", drei Dinge die Dresdens historischer Kern nicht bzw. nur in einem ganz kleinen Gebiet hat:
    1. Dachlandschaft 2. Grundriss der Gassen und 3. Urbanität.


    Eine hässliche Stadt kann urban sein, eine schöne Stadt kann tot sein. Im Idealfall ist sie beides. Dresden ist im Zentrum wunderschön, aber sobald man die Reko-Viertel verlässt, kommt ein solch brutaler Kontrast wie man ihn noch nie sah. Scheusslichkeiten die einen 1. Preis für architektonische Bösartigkeit verdienen. In Dresden triffst du in weiten Gebieten der Innenstadt tagsüber fast keinen Menschen auf den Strassen - total tot. Tagsüber.


    Dass ein historischer Gassengrundriss mit hässlichen Bauten darauf nicht reicht, ist mir doch auch klar. Aber es macht eben schon mal einen Unterschied, ob du den originalen Grundriss hast, oder ob eine 14-spurige Autobahn durch die Altstadt donnert wie z.b. die Petersburger Strasse in Dresden, so dass man von "Altstadt" in diesem Gebiet gar nicht mehr sprechen kann da dort ausser einigen 15-Stock Kuben kein einziges Haus mehr steht. Sei froh, dass es in N. nicht so kam, denn Pläne von einigen Verrückten gab es 1945 genügend.


    Nürnberg hat Vorteile gegenüber Dresden, und Dresden hat wiederum andere gegenüber Nürnberg. Beide Städte wurden vom Erdboden gefegt, so dass praktisch nichts mehr übrig war. Letztendlich ist der bisherige Wiederaufbau ist in fast allen zerstörten deutschen Städten nur ein Tropfen auf dem heissen Stein, im Vgl. zu dem was verloren ging! Ich hoffe das ist jetzt klar genug.


    Meine Meinung ist: Alles wieder aufbauen, so wie es war! Auch Nürnberg. :blumen::harfe:



    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Eben, das ist der Punkt, der einen gerade so wahnsinnig macht in Bezug auf Nürnberg.

    Ja, der Mut, die Lust auf mehr künstlerisches Bewusstsein bei den Entscheidungsträgern ist es, der fehlt. Und der diese Stadt nun schon so lange immer mehr ruiniert. Ohne das Korrektiv der Altstadtfreunde würden sie komplett auf das Niveau absinken, das Investoren freiwillig anbieten: Weiße Styroporkisten überall, wer baucht schon eine Stadt wenn er Profit haben kann. Stadträte, die an Firmen beteiligt sind, in Aufsichtsräten von Wohnungsbauunternehmen sitzen oder sitzen wollen, Führungskräfte die mit Baulöwen liiert sind, da ist kein Platz mehr für Kunstbewusstsein. Es reicht dann gerade noch für Fahrradstellplätze und ein paar Baumscheiben, Kita-Plätze und Seniorenheime. Dann wird soziales gemacht, um sich die Weste rein zu waschen. Denn wer will schon was dagegen sagen? Das Mantra der ewigen Wohnungsnot ist da nur hilfreich, eine Hungersnot ist Mist, aber die aktuelle Wohnungsnot ist doch was tolles, man kann wunderbar damit verdienen und niemand muss verhungern.

  • Kennst Du die umfassendste Seite über Nürnbergs historische Architektur nicht? Und dazu von unserem Mitglied baukunst-nbg?
    http://www.baukunst-nuernberg.de


    Und wenn Du "Grolandhaus" googelst, kommst Du sogar auf unsere Seite (ich geb's zu, es ist sehr Fachchinesisch, und nicht für die Allgemeinheit geschrieben).

  • @Manuel Re ja, ich müsste mal eine Gegenüberstellung machen. Da ich die Fotos in der Altstadt letztes Jahr aufnahm, ist es im nachhinein nicht möglich eine vernünftige Gegenüberstellung hinzubekommen.
    Mein letzter Beitrag (Bratwurst Röslein) war wohl an der Stelle Beitrag Nr. 5.


    Hier nochmal zur Ansicht.
    Zur Orientierung der schöne Brunnen.




    Blick zurück


  • Das erste Bild der Reihe:

    entspricht in etwa diesem hier:




    Das Haus, das in der Vorkriegsaufnahme rechts zu sehen ist, steht in vereinfachter Form noch; man sieht es in Frankas Foto ebenfalls im rechten Bildrand.


    Der hintere Teil des gelben Hauses steht genau da, wo in der Vorkriegsaufnahme das markante Fachwerkhaus steht; der vordere Teil steht da, wo vor dem Krieg unbebauter Platz war.


    Das ist so ein Beispiel für "Wiederaufbau", bei dem weder Grundriß, noch Kubatur gewahrt wurden. Wollte man die Struktur der Vorkriegsbebauung wiederherstellen, müsste man das gelbe Haus komplett umbauen: man müsste die vordere Hälfte abreißen und dann die Traufständigkeit wieder zur Giebelständigkeit zurückbauen.
    Also ich wäre sofort dabei, das zu machen!


    Des Weiteren wurden von den vier anschließenden Häusern offenbar drei zusammengefasst. Bei allen wurde auch wieder traufständig sttat giebelständig gebaut. Auch das kann man nicht einfach durch eine Fassadenverschönerung ändern; da müsste man ebenfalls in die Bausubstanz eingreifen.


    Edit: Ich habe mir jetzt nochmal Luftbilder der Ecke angeschaut und muss meine Einschätzung zum mutmaßlichen Standort des gelben Hauses revidieren. Die Perspektive der Vorkriegsaufnahme verkürzt die Häuserreihe, die nach oben geht, doch massiv. Ich gehe nach Sichtung der Luftaufnahmen jetzt eher davon aus, dass das gelbe Haus auf der Fläche des Fachwerk-Eckhauses und des anschließenden Hauses in der betreffenden Häuserzeile steht.
    Für eine Wiederherstellung der Vorkriegssituation müsste man das Haus daher an der Längsseite zumindest optisch unterteilen. Zugleich müsste der Giebel "umgedreht" werden und die Schaufront mit einem Dacherker, einem Chörlein und einer neuen Fenstergliederung (drei statt vier Achsen) versehen werden. Das wäre schon ein gewaltiger Umbau, der da vonnöten wäre.
    Angesichts dieser Details fällt einem erst auf, wie minderwertig der Nachkriegsbau im Vergleich zum Vorkriegsbau ist.

  • Wir entfernen von uns vom Obstmarkt



    Hier entlang würde es zum Hans-Sachs-Platz gehen. (Aber nicht heute, man verpasst nichts).



    Die Museumsbrücke. Da gibt es ein Motiv, das ununterbrochen fotografiert wird. Hier blicken wir mal nach links und nach rechts.




  • Blick zum Hauptmarkt (da komme ich später nochmal zurück)



    Links das Viatishaus :weinenstroemen:



    :weinenstroemen::weinenstroemen::weinenstroemen:



    So ein Hinweis wäre heute verboten.



    Jetzt die Lorenzkirche... (ich kann mich noch gut erinnern, als man links das Kino baute)


  • Die Perspektive dieser Aufnahme von Franka


    entspricht weitgehend der Perspektive, aus der dieses Foto hier gemacht wurde:

    Die Gasse wurde "verbreitert", indem einfach die rechte Straßenseite nicht wiederaufgebaut wurde. Das Fachwerkhaus mit der Fahne stand da, wo jetzt der brechreizezeugende Klotz links in Frankas Foto steht:


  • Klar, diese Ecken gibt es und sie sind banal bis grausig. Gerade die Klötze unter an der Pegnitz stören mich, da sie so zentral gelegen sind. Ich bleibe dabei: Franka fotographiert schon so, daß das Häßliche betont wird.
    Und: Es gibt in Nürnberg zum Glück viele schöne Ecken, so daß man dieses Gruselkabinett umgehen kann. Ich z.B. gehe kaum in den östlichen Teil der Innenstadt. Dieser ist für mich tot. Man muß sich mit dem Rest vergnügen.

  • Ich bleibe dabei: Franka fotographiert schon so, daß das Häßliche betont wird.

    Nein, das tut sie nicht. Von ungefähr 70% der Nürnberger Altstadt kann man gar keine schönen Fotos machen, weil sie zu 70% einfach abgrundtief häßlich ist.

  • Und wenn es so wäre, wären diese 30% immer noch mehr, als z.B. Köln, Dresden oder Frankfurt haben.
    Ich halte nicht 70% für "abgrundtief häßlich". Einiges ist banal, anderes auch wieder durchschnittlich.
    Warst du mal in Heilbronn, Stuttgart oder Pforzheim? Da erlebst weiträumig einen antiurbanistischen Albtraum, der dich in die Sebalder Steppe wünschen läßt...

  • @ Eduard:
    Na ja, wenn Peter häßlich ist, dann wird er nicht dadurch schön, dass Paul noch häßlicher ist.