Stuttgart, Neubebauung Eberhardstraße 18 - 22

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    • Stuttgart, Neubebauung Eberhardstraße 18 - 22

      Die Ausstellung des ersten und zweiten Rangs zur Neubebauung Eberhardstraße 18-22 in Stuttgart konnte ich gerade noch am letzten Ausstellungstag im Foyer der Bank besichtigen. Die Qualität der Bilder bitte ich zu entschuldigen, da sie mit der Handykamera entstanden sind.

      Vom unglücklichen ersten Rang habe ich nur ein paar wenige Bilder gemacht auf Grund meines Zeitlimits. Das traurige Ergebnis ist soweit bekannt, ergänzend ein paar Bilder und Textmaterial hierzu.

      Auf den für das Forum interessanteren zweiten Rang richtete ich meinen Fokus verstärkt und schenke ihm hier mit Fotos auch entsprechend mehr Raum.

      Einleitungstext:


      Entwürfe:


      Presseinformation:




      Tarnzahl 1165 (1.Rang):











      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von zeitlos ()

    • Der zweitplatzierte Entwurf ist das, glaube ich. Für Stuttgarter Verhältnisse schon geradezu visionär. Giebeldächer in der Altstadt!



      Moderationshinweis (Riegel):
      Durch die komplette Veränderung des ersten Beitrages von zeitlos (offenbar war dort zuerst nur ein Bild vom zweitplatzierten Entwurf vorhanden) ist die Aussage dieses Beitrages natürlich obsolet geworden...
      In dubio pro reko
    • Zitat zur Gewinner-Begründung: "Insgesamt stellt die Arbeit einen überzeugenden Lösungsansatz zur schwierigen Bauaufgabe dar, der es schafft ohne historisierende Zitate einen prägnanten und zeitgemäßen Stadtbaustein an dieser für Stuttgart so wichtigen städebaulichen Situation zu platzieren."

      Da soll man keine Blutdruckkrise bekommen?

      Aber in dieser Stadt läuft man mit Einstellungen, die diesem Mainstream entgegenlaufen, eben komplett gegen Betonwände.

      Als ich den Artikel in der StZ vor zwei Wochen gelesen hatte, hab ich mich um Mitternacht noch hingesetzt und folgenden Leserbrief verfasst:

      "Als Stuttgarter ist man ja gewohnt, dass Baumaßnahmen im Bereich der Innenstadt (mit wenigen Ausnahmen) nur selten tatsächliche architektonische Verbesserungen mit sich bringen. Meistens ist es doch immer wieder nur eine neue Banalität, die eine alte ersetzt. Trotzdem: Als ich gehört habe, dass dort gegenüber dem Tagblatt eine Neuordnung geplant ist, regte sich in mir doch die leise Hoffnung, dass dort etwas gelingen könnte, das die kleinteilig-altstädtischen Strukturen des Geißstraßen- und Gerberviertels mit einer abwechslungsreichen Fassadenabfolge in ähnlichem Maßstab und Rhythmus fortschreibt und ein Stück echte Stadtreparatur leistet. Umso größer jetzt die Enttäuschung: Was sich der Investor hier im Bündnis mit der fügsamen Architektenschaft hat entwerfen lassen, ist – Kunststück! – noch hässlicher und abweisender als der Bestandsbau. Mit der komplett überraschungsarmen Strich-Code-Fassade erinnert es (wie passend für unsere Landes-Konsum-Metropole!) an die Gestaltung eines Preisschildes. Hinzu kommt die fürchterlich misslungene Höhenabwicklung. Dabei zeigt die Begründung der Jury die ganze Tragik, in der unsere innerstädtische Stadtbaukunst derzeit steckt: Als Argument, das FÜR diesen Entwurf spreche, wird von dort angeführt, dass er komplett ohne historisierende Zitate auskomme. Das stellt alles was die große Mehrheit der Bürgerschaft und (mittlerweile oft auch) deren Vertreter empfinden, komplett auf den Kopf: Natürlich geht es in einer solchen baulichen Situation gerade darum, umgebende gebaute Historie zu zitieren! Wie soll denn sonst ein harmonisches Stadtgefüge entstehen? Können es – Gott weiß warum und offenbar für Stuttgarter Architekten des Teufels – keine Rekonstruktionen sein, so könnte man sich doch zumindest erhoffen, dass sich Bauten auch mal kleinteilig in den Bestand einfügen – meinetwegen und sehr gerne mit modernem Inneren und moderner technischer Ausstattung, aber warum denn nicht mit Elementen altstädtischem Bauen, wie es Jahrhunderte unsere Städte prägte: abwechslungsreiche Fassaden, naturnahe Materialien, gerne Giebeldächer, Strukturen und Formen mit und in denen sich Menschen unwillkürlich wohlfühlen. Das Frankfurter Dom-Römer-Projekt, aber auch das sehr vorbildliche Projekt im Lübecker Gründerviertel zeigen, wie gut Ansätze funktionieren, die gleichermaßen modern UND traditionell sein kann. Ich werden weiter hoffen und warten, dass diese Erkenntnis vielleicht auch mal in der Wagenburg der mächtigen Stuttgarter Architektenschaft ankommt."

      Veröffentlicht wurde er - natürlich - nicht.
      Ist er so mies? Ja, gut ... Kann ja nicht alles veröffentlicht werden - und der Platz im Leserforum in der StZ ist schon arg begrenzt. Das versteh ich - und ich will den Leserbrief-Redakteuren wirklich keine Missgunst unterstellen ... Trotzdem. Das passt schon ins Bild.
      Ich kann mir durchaus die gönnerhaft verdrehten Augen vorstellen, als der Brief dort einging:
      Wieder so ein vertrottelter Traditionalist ... Das schieben wir mal ganz nach hinten in die Schublade ...

      Ich bin mal gespannt wie die Sache ausgeht.
      So sehr die Stadträte auch protestieren und den (wirklich gar nicht so schlechten) Zweitplatzieren nach vorne schieben wollen. Ich fürchte, die LBBW (+Architekten-Lobby) sitzen hier am längeren Hebel ...
    • Respekt für Deinen Leserbrief! Man muß solche Klartexte Architekten und Investoren so oft es geht "um die Ohren hauen", damit es mal ins Hirn eintaucht und ankommt!!!

      Selbst wenn der Zweitplatzierte ausgewählt wird: Sind da Fassaden und Dächer aus demselben Material? Wie lifestyle- modernisierte Zipfelmützenzwerge sehen sie aus. Alle gleichförmig stramm gestanden. Wenn wenigstens Variationen von Haus zu Haus angeboten werden würden. Na gut, Assoziation "Zwerge" weiter getrieben bleibt mir nur eine Reihe Kristalle in der Zwergenhöhle zu sehen. Das Material scheint mir Travertin zu sein. Immerhin ein regionaler Bezug. Den gibt es in Bad Cannstatt.
      Wie stehen denn die Chancen, daß der Zweitplatzierte nach vorne kommt? Protest der Stadträte hat es schon gegeben!??
    • Neubebauung Eberhardstraße 18-22: "Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Politik entscheide, welche Architektur in Stuttgart gebaut werde."

      Lokalpolitiker entmachten die Preisrichter
      Der Technikausschuss des Gemeinderats machte am Dienstagvormittag klar, dass der Gemeinderat darüber entscheiden wird – und nicht die Bauherrin und nicht das Preisgericht...
      Der Vorrang der Politik, den vor allem die CDU vertrat, ist in dieser Form etwas Neues.
      Prompt schwappte am Dienstagnachmittag im Städtebauausschuss Ärger der Planer hoch: Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Politik entscheide, welche Architektur in Stuttgart gebaut werde.
      Die Jury hatte Anfang Mai nur die weitere Verbesserung des Siegerentwurfs angestrebt, der in nicht öffentlicher Sitzung mit neun gegen vier Stimmen gekürt und seither leicht verändert worden war.
      Der Juryvorsitzende und frühere Architektenkammer-Präsident Wolfgang Riehle... ...wurmte es, dass unsere Zeitung nach der Entscheidung Anfang Mai nicht nur die Pressemitteilung der LBBW Immobilien GmbH wiedergegeben, sondern auch über die Zusammensetzung des Preisgerichts und das Abstimmungsverhalten berichtet hatte...
      Nach Juryentscheidungen, meinte er [Riehle], sollte es „guter demokratischer Brauch sein“, das Ergebnis zu akzeptieren. Er habe Sorge, dass der Vorgang Schule mache und das gute Instrument des Wettbewerbs Schaden nehme...
      ...Den Wettbewerbssieger verteidigte er. Der zweitplatzierte Entwurf dagegen ergänze mit seinen Giebeldächern zwei Nachbarhäuser „historisierend“, sei aber nicht historisch. Auf die Welt des Tagblatt-Turms und des Kaufhofs liefere er „keine zeitgemäße Antwort“.
      Die Kollegen der CDU... ....hätten einhellig die Nummer 2 favorisiert.

      ...die Grünen seien für beide Entwürfe offen.

      [Die SPD] fand „den zweiten Entwurf nicht besser“...

      ...Architekt Jürgen Zeeb (Freie Wähler) fand die Nummer 2 „mit dem aus Ratlosigkeit geborenen Spitzgiebelvorschlag etwas anbiedernd“.

      Dagegen gefiel Luigi Pantisano (SÖS) daran, dass dieser Entwurf mehr aus der Perspektive der Fußgänger heraus konzipiert sei. Im Entwurf von h4a wirke der Komplex trotz erster Korrekturen immer noch sakral.
      Frank Berlepp von der LBBW...
      ...Man mache solche aufwendigen Wettbewerbe... ...wegen fachlicher Qualität.
      Man habe den Siegerentwurf umsetzen wollen. Aber die Planungshoheit, sagte er unserer Zeitung, liege bei der Stadt.
      Quelle: stuttgarter-zeitung.de/inhalt.…cebook#Echobox=1529467862


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    • Neubebauung Eberhardstraße 18-22

      Ein Kommentar dazu von Josef Schunder, Stuttgarter Zeitung:

      Debatte um Entwurf für Neubauten in Stuttgart

      Die Jury hat nicht immer recht

      Der Gemeinderat ergreift das Heft des Handelns und zeigt einem Preisgericht die Grenzen auf. Das kann auch einmal gut sein, sagt Lokalredakteur Josef Schunder.
      Quelle: stuttgarter-zeitung.de/inhalt.…95-97b4-ccd24519dcbb.html


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    • Wirklich überzeugt hat mich keiner der Entwürfe. Doch der Zweitplatzierte hat mit etwas Überarbeitung das größte Potenzial für eine mit dem Umfeld verträgliche Stadtbildreparatur an dieser Stelle. Ich hoffe, man besinnt sich darauf.

      In anbiedernder, historisierender Ergänzung an das Stadtquartier um den Hans-im-Glück-Brunnen...


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    • zeitlos schrieb:

      Nach Juryentscheidungen, meinte er [Riehle], sollte es „guter demokratischer Brauch sein“, das Ergebnis zu akzeptieren. Er habe Sorge, dass der Vorgang Schule mache und das gute Instrument des Wettbewerbs Schaden nehme...

      Die Aussage ist ja der Koffer. Meint Herr Riehle allen Ernstes, das was handverlesene Architekten in Hinterzimmer-Jury-Sitzungen mit vorgefertigten Weltbildern entscheiden, sei demokratischer als das, was ein von der Bürgerschaft gewählter Gemeinderat an Bedenken vorbringt? Hallo? Artikel 20, Grundgesetz?

      Seine Sorge ist unsere Hoffnung ... denke ich ...

      Das "gute Instrument" des Architektur-Wettbewerbs gehört, wenn nicht gleich entsorgt, zumindest dringendst reformiert:
      1. Die Jurys sollten ÖFFENTLICH tagen
      2. Jeder Architekten-Jury sollte ein zahlenmäßig gleich große Gruppe von Bürgervertretern mit (mindestens) gleichem Stimmgewicht zugeordnet werden. Wenn die Architekten dann die Bürger davon überzeugen können, dass die von ihnen favorisierten "modernen" Entwürfe nach funktionalen UND ästhetischen Gesichtspunkten die überzeugenderen sind, soll's mir Recht sein ... Falls nicht könnte ich mir vorstellen, dass eingereichte Entwürfe sehr schnell, sehr viel anders aussehen würden ..