Bedeutende Bauten in Straßburg (1871 bis 1960)

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    • Bedeutende Bauten in Straßburg (1871 bis 1960)

      In dieser Rubrik möchte ich die wichtigsten (meist öffentlichen) Bauten vorstellen, die in Straßburg ab der Kaiserzeit bis Ende der fünfziger Jahre errichtet wurden und die nicht im Rahmen der Stadtrundgänge oder Stränge zu einzelnen Architekten vorgestellt werden können:

      Einerseits aufgrund ihrer isolierten Lage, andererseits weil es sich um Werke von Architekten handelt, die in Straßburg nur sehr wenig gebaut haben und daher nicht separat vorgestellt werden sollen. Ich habe mich vorläufig auf diesen Zeitraum beschränkt, weil mich die Gründerzeit am meisten interessiert und die Weltkriege in Frankreich offensichtlich nicht wie in Deutschland eine Zäsur in der Architektur bewirkten - tatsächlich entstanden noch Ende der fünfziger Jahre Bauten, bei denen eben nicht auf Kontraste, sondern auf harmonische Ergänzung von bestehenden Ensembles geachtet wurde.
    • Beginnen möchte ich mit einem weithin unbekannten Gebäude, dem Bezirksarchiv, direkt an der Schwarzwaldstraße gelegen, in etwa auf Höhe des Chemischen Instituts der Universität. Das Gebäude stammt von Max Metzenthin und wurde 1896 errichtet - einen Brandenburger Architekten, der unter anderem auch für das Bürogebäude der bischöflichen Verwaltung gleich neben dem Sitz des Erzbischofs bekannt ist (Lage: Rue Brûlée, gleich hinter dem Broglieplatz).





      Auf meinem alten Stadtplan von 1910 ist nur das Gebäude Richtung Schwarzwaldstraße und der kleinere Anbau gleich daneben eingezeichnet.

      Hier der Anbau, der fast an eine kleine Villa erinnert:



      Interessanterweise stammt der große Anbau, der praktisch symmetrisch zum Hauptgebäude gestaltet ist, aus dem Jahr 1932:



      Erst die Erweiterung von 1971 ist tatsächlich sofort als nachträglicher Anbau zu erkennen:

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    • Deutlich bekannter, aber aufgrund der etwas abgelegenen Position wohl auch nicht übermäßig häufig durch Touristen besucht, ist das Sängerhaus aus dem Jahr 1903, das bis zur Errichtung des Palais de la Musique et des Congrès im Jahr 1975 (gezeigt u. a. im Rundgang zu den Parks) die wichtigste Veranstaltungsbühne für Musik in Straßburg bot.

      Das Gebäude befindet sich am Anfang der Vogesenstraße, gleich in Nähe des Hagenauer Platzes, und erstreckt sich von dort bis zum Steinring (heute: Boulevard Clemenceau).

      Am bekanntesten ist sicherlich die Ansicht von der Vogesenstraße aus:



      Hier der Blick entlang der Vogesenstraße, die ja unter dem neuen Namen Schwarzwaldstraße in direkter Linie zum Arnoldplatz und somit am obigen Archiv vorbeiführt.



      Hier ist der heutige Name "Palais des Fêtes" zu sehen:



      Und hier das komplette Gebäude bis zum Steinring:





      Gleich daneben befindet sich übrigens die größte und damals modernste Straßburger Kaserne, die Manteuffel-Kaserne (heute: Caserne Stirn) von 1887, die allein schon aufgrund ihrer Größe auch nicht unerwähnt bleiben soll:





    • Als letzte Gebäude für heute möchte ich noch das Gymnasium St. Clotilde vorstellen, das sich unmittelbar nordöstlich des Arnoldplatzes befindet (der Platz mit dem charakteristischen "Knick" in der Schwarzwaldstraße, wo sich auch die katholische Garnisonkirche befindet).

      Hier zur Erinnerung nochmals Fotos des Platzes mit der Garnisonkirche und dem Pharmazeutischen Institut, die bereits beim Rundgang durch den Fünfzehnerwörth vorgestellt wurden. Die Fotos sind aber neu:





      Pharmazeutisches Institut:



      Und eine sehr ungewöhnliche Ansicht der Kirche von der Rückseite:



      Kleiner Tipp:

      Unbedingt mal die Rue de Reims (früher: Ludwigshafener Straße) gleich nördlich des Platzes entlang gehen, die begrünten Vorgärten gehen auf eine spezielle Vorgartenverordnung zurück und sollten gewissermaßen den benachbarten botanischen Garten fortführen:



    • Hier nun Fotos des Gymnasiums St. Clotilde, dem Hauptwerk des Architekten Camille Claus. Die Schule wurde 1934 eröffnet und präsentiert sich in historistischem Stil, vielleicht neobarock?





      Genauso bemerkenswert finde ich die gelungene Bebauung aus der gleichen Zeit (Rue Chopin) - östlich des Antwerpener Rings blieb der Osten der Neustadt ja fast vollständig unbebaut:





      Als Eckgebäude eines der zahlreichen Straßburger Gebäude von Ernest Misbach (von 1933):

    • Ein weiteres Gebäude, das aufgrund seiner exponierten Lage direkt an der Ill und etwas südlich der Universität wohl jeder Straßburg-Besucher schon einmal gesehen hat, ist das Germania-Gebäude von 1885, ursprünglich errichtet für die gleichnamige Versicherung.



      Das Gebäude wurde ab 1918 nicht ohne einen gewissen Sinn für Humor in "Gallia" umbenannt und präsentiert sich nach Kriegszerstörungen 1944, dem Wiederaufbau und einer Komplettsanierung ab 2015 heute wieder ziemlich ansprechend, wenngleich deutlich schlichter als das Original - Fassade und Dachaufbauten sind stark vereinfacht, außerdem fehlt der Turm in der Mitte völlig.

      Zum Vergleich hier das ursprüngliche Gebäude.
    • Kommen wir nun zu zwei Ensembles, einmal der Villa Massol und einmal den prächtigen Villen gleich zu Beginn der Schwarzwaldstraße.

      Die Villa Massol wurde 1896 durch Salomon Revel erbaut, einen zwar im Elsass geborenen, aber überwiegend in Paris tätigen Architekten. Sie besteht aus zwei miteinander verbundenen Villen, die für die Brüder Ritleng erbaut wurden, beide als Notar tätig, wobei Alfred Ritleng zudem ein sehr bedeutender Kunstsammler und ab 1902 auch Präsident der Stiftung des Elsässischen Museums war.

      Der Bau liegt gleich neben der Höheren Töchterschule (siehe Strang zu Ott) in Richtung Kaiserplatz. In der hinteren Villa Richtung Kaiserplatz/Hohenloher Ring ist heute das Museum Tomi Ungerer untergebracht.

      Ansicht mit der älteren Villa Ritleng rechts der Postbrücke, die bereits 1884 durch Gustav Ziegler erbaut wurde und sich ebenfalls im Besitz von Alfred Ritleng befand:



      Die alte Villa:







      Blick auf die Hauptpost mit allen drei Villen - rechts die alte Villa, links die beiden neuen (von der hinteren mit dem Museum ist nur ein Teil des Dachs zu sehen):



      Und hier die Villen von Revel:





      Und nochmals beide aus Richtung Hôtel du Klinglin:

    • Das zweite Ensemble besteht aus der Villa Back, die der gleichnamige Architekt und Bauunternehmer für sich selbst 1907 errichten ließ - ein sehr aktiver Unternehmer, dessen spektakulärsten Bauwerk, das Luxushotel "Rothes Haus" (damalige Schreibung) am Kleberplatz ja leider 1973 abgerissen wurde - das wurde im Rundgang Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 13, vom Schiltigheimer Platz über den Parc des Contades zur nordöstlichen Altstadtinsel ja ziemlich am Ende schon erwähnt, hier dennoch eine Abbildung.

      Die Villa mit ihrer attraktiven Lage direkt an der Ill gleich hinter der Paulskirche sehen wir hier:



      Sie bildet mit den beiden Villen von Armand Richshoffer aus den Jahren 1904 ein sehr schönes Ensemble, das mittlere Gebäude wird heute nach einem Umbau 2006 als russisches Konsulat genutzt.





      Und der Blick über den zugehörigen Platz, den Sebastian Brant Platz, zur Paulskirche: