Straßburger Architekten - Emile Salomon (1833-1913)

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    • Straßburger Architekten - Emile Salomon (1833-1913)

      Ein weiterer bedeutender Straßburger Architekt war Emile Salomon, der vor allem durch seine Arbeiten im Umfeld der Neukirche und der Thomaskirche in Straßburg bekannt wurde.

      Er wurde 1833 in unmittelbarer Nähe des Rabenplatzes geboren (also gleich südlich des Alten Zolls) und studierte nach seiner Schulzeit in Straßburg in München und Paris Architektur. Nach seiner Rückkehr nach Straßburg im Jahr 1859 wurde er zum Architekten des Konsistoriums im Straßburg ernannt (siehe Protestantische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses von Elsass und Lothringen), dessen Hauptsitz ja zwischen Thomaskirche und Ill in Straßburg liegt. Auch später blieb er Straßburg treu und wohnte in Finkweiler (also direkt südlich des Gerberviertels).

      Nach den Kriegszerstörungen 1870/71 ergaben sich zudem Möglichkeiten zum Wiederaufbau bzw. Umbau beschädigter Gebäude - er entwarf nicht nur die Neukirche, sondern auch noch eine ganze Reihe von Gebäuden in der Umgebung. Zudem prägte er das Umfeld des Konsistoriums mit dem Bau der Sparkasse direkt nördlich der Thomaskirche sowie mit dem Bau des Stiftungsgebäudes von St. Thomas, das sich stiltistisch nahtlos östlich an das eigentliche Konsistorium anschließt.

      Gegen Ende seiner Architektentätigkeit arbeitete er verstärkt mit seinem Sohn Henri zusammen, dessen Tochter Lena wiederum ebenfalls als Architektin tätig war und vor allem für das Maison des Aveugles ("Blindenheim") aus dem Jahr 1935 bekannt ist.

      Dieses Bauwerk möchte ich an dieser Stelle kurz präsentieren, auch wenn es natürlich nicht von Emile Salomon stammt.

      Es befindet sich am Anfang des Großen Straßendurchbruchs, in etwa auf halbem Weg zwischen der früheren Börse und der Nikolaikirche, an die Emile Salomon ja eben im Zuge dieses Durchbruchs eine neue Sakristei und Ostfassade angebaut hatte.

      Man beachte die Abbildung der Heiligen Odilia, Schutzpatronin des Elsaß und des Augenlichts:







      Das Erbauungsjahr ist übrigens in den Boden des Haupteingangs als Mosaik eingelassen.

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    • Salomon prägte mit seinen Bauten vor allem das Viertel zwischen Broglieplatz und Kleberplatz, genauer gesagt das Umfeld um die 1870 zerstörte vormalige Dominikanerkirche südlich des direkten Verbindungswegs zwischen beiden Plätzen (Schlauchgasse, Studentengasse).

      Hier errichtete er neben der Neukirche und dem Protestantischen Gymnasium auch noch äußerst elegante Wohn- und Geschäftshäuser.

      Das erste Gebäude an dieser Stelle war indes das 1862 errichtete Gymnasium, das bereits 1870 wieder zerstört und offensichtlich nach Originalplänen wieder aufgebaut wurde.

      Das Gebäude ist hier von Norden aus zu sehen (Studentengasse) und wird auch heute noch als "Gymnase Jean Sturm" genutzt:



      Haupteingang:



      Und die Hauptfassade in der anderen Richtung:



      Hier noch der Blick in Richtung Neukirchplatz, wo schon die Neukirche zu sehen ist:





      Bevor nun die Kirche vorgestellt werden soll, noch Eindrücke von der Studentengasse, mit der Bebauung und den charmanten Buchgeschäften trotz der recht monumentalen Fassade des Gymnasiums für mich eine der schönsten Gassen, die sich in der Mitte zu einem dreieckigen Platz erweitert:





      Die bemalte Fassade stammt übrigens von Edgar Mahler aus dem Jahr 1987, das Gebäude stammt wohl schon aus dem 16. Jahrhundert.

      Und hier nochmals die gesamte Straße mit dem kompletten Gymnasium und dem bemalten Haus:

    • Am heutigen Standort der Neukirche oder Neuen Kirche befand sich ursprünglich eine romanische Kirche, deren Ursprünge in das 13. Jahrhundert zurückreichten. Der Chor dieser Kirche wurde später als Zentralbibliothek der Stadt Straßburg genutzt, die Bücher waren zuvor unter anderem im heutigen Lycée Fustel untergebracht (dabei handelt es sich um den großen Anbau an das Münster schräg gegenüber dem Rohan-Palast).

      Bei der Belagerung Straßburgs 1870 wurde diese Kirche, die seit der Annexion Straßburgs 1681 bereits den Namen Neukirche trug, mitsamt der darin aufbewahrten Bücher zerstört, was auch zur sehr schnellen Gründung der Straßburger Universitäts- und Landesbibliothek inkl. umfassender Buchspenden aus dem ganzen Deutschen Reich führte.

      Die heutige Kirche wurde 1874 bis 1878 und befindet sich nach eine Reihe von Renovierungen in sehr gutem Zustand.

      Generell ist die Kirche schwer zu fotografieren, der halbkreisförmige Neukirchplatz vor der Kirche ist sehr klein, die Südfassade der Kirche zur Neukirchgasse momentan völlig eingerüstet.

      Hier eine Ansicht aus Richtung Schlauchgasse:



      Und vom Neukirchplatz aus:



      Gleich hinter dem Neukirchplatz befindet sich der Neue Markt, hier immerhin mit einem Blick auf den Kirchturm:



      Und der Blick durch die schmale Gasse vom Gewerbslauben aus:



      Und vom Kleberplatz aus ist ganz rechts noch der Kirchturm zu sehen:

    • Im unmittelbaren Umfeld der Neukirche realisierte Salomon noch bedeutende Wohn- bzw. Geschäftshäuser entlang der Neukirchgasse Richtung Münstergasse und Broglieplatz.

      Dazu zählen die Hausnummern 1 und 7 an der Neukirchgasse sowie der Gebäudekomplex mit dem charakteristischen Eckturm am Anfang der Münstergasse.

      Das charakteristische Gebäude an der Ecke Broglieplatz/Münstergasse 2 ist hier zu sehen:



      Das Gebäude ist weitgehend original erhalten, allerdings wurden Erdgeschoß und erster Stock in den 70er Jahren umgebaut und vereinfacht.

      Hinweis: Das Gebäude Münstergasse 1 gleich daneben erinnert zwar mit seinen runden Türmen etwas an das Gebäude von Salomon, stammt aber von Edouard Roederer, der ja schon im Zusammenhang mit der Kunstgewerbeschule und dem Pfarrhaus der Ludwigskirche angesprochen wurde:

      Hier der Vollständigkeit halber das Gebäude von Roederer, zuvor befand sich hier das Maison Gast, das Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissen und durch ein prächtiges Gebäude namens Maison Scheidecker ersetzt wurde, das wiederum beim Beschuß 1870 zerstört und danach abgerissen wurde:



      Das oben angesprochene Gebäude Neukirchgasse 7 von Salomon ist hier auf der linken Seite zu sehen, dahinter am Ende der Straße der zweite Turm des Gebäudes von Roederer:

    • Da Salomon ja auch Architekt des Konsistoriums war, ist es nicht erstaunlich, daß einige seiner Bauten im Umfeld der Thomaskirche realisiert wurden.

      Das Direktoriums- und Konsistoriumsgebäude liegt ja unmittelbar vor der Thomaskirche, direkt an der Ill. Allerdings wurde es bereits gegen 1772 errichtet, und zwar von Samuel Werner, dem damaligen Stadtarchitekten, dessen zweites Hauptwerk bereits im Rundgang zu Krutenau gezeigt wurde - das ebenfalls 1772 entstandene Heim für Findelkinder, das später und bis heute als Schule dient und auf alten deutschen Stadtplänen einfach als "Akademie" verzeichnet ist (Lage direkt neben der Kunstgewerbeschule).

      Nichtsdestoweniger möchte ich zur Abrundung hier auch Fotos dieses Gebäudes zeigen:

      Die klassische Ansicht mit der Ill:





      Und ein Blick in den Innenhof:



      Die Thomaskirche gleich dahinter:



      Hier nun das Gebäude von Salomon rechts neben dem Konsistorium:



      Es wurde 1877 im Auftrag der Stiftung der Thomaskirche errichtet:



    • Direkt hinter der Thomaskirche entstand 1903 das Gebäude der Sparkasse, für das zwei Gebäude aus dem 15. Jahrhundert abgerissen wurden (Zum Römer und Zum Hahnekrote).

      Das Gebäude im Neo-Renaissance-Stil wurde 2010 grundlegend renoviert, zum Glück blieb die Fassade unverändert erhalten:





      Von den diversen Umbau- und Rekonstruktionsprojekten von Salomon möchte ich mich auf drei Projekte konzentrieren.

      Zu nennen wäre hier zunächst der Wiederaufbau des 1805 errichteten und 1870 komplett ausgebrannten Gebäudes mit der Hausnummer 17 direkt am Münster und unmittelbar neben dem bekannten Haus Kammerzell:





      Die Fassade wurde bereits durch Salomon verändert, 1953 erfolgte eine weitere Veränderung, heute befindet sich darin die Touristeninformation. Glücklicherweise blieb das Haus Kammerzell trotz des Brandes im Nachbarhaus unversehrt ...

      Die beiden nächsten Umbauprojekte befinden sich beide direkt an der Rabenbrücke.

      Projekt Nummer eins war der Umbau der Nikolaikirche, während der westliche Teil der Kirche unverändert blieb ...



      ... ging der östliche Teil ja mehr oder weniger nahtlos in die angrenzende Bebauung über. Bereits 1905 wurde in Vorbereitung des Straßendurchbruchs nach entsprechenden Abrissen die Ostfassade neu gestaltet, mit Errichtung einer Sakristei und einem neuen Eingangsbereich.



      Randbemerkung: Der südliche Abschnitt des Großen Straßendurchbruchs wurde als letzte Phase ab 1930 mit groß angelegten Abrissen umgesetzt, die Bebauung gegenüber der Kirche wurde indes erst Ende der 1960er Jahre abgeschlossen und zeigt einen deutlichen Qualitätsverlust gegenüber Phasen eins (Kleberplatz Richtung Bahnhof, vor 1918) und zwei (Zwischenkriegszeit, zwischen Rabenbrücke und Kleberplatz).

      Hier eine Ansicht der Abrisse mit Blick auf die Nikolaikirche: Nikolaikirche

      Das zweite Umbauprojekt betrifft das Maison Lauth direkt nördlich der Rabenbrücke. Dieses Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, heute benannt nach dem Straßburger Bürgermeister 1871-73, wurde von diesem 1869 gekauft und ebenfalls umgebaut - nach Abrissen von Anbauten wurde nach Plänen von Salomon unter anderem der seitliche Giebel errichtet und die Terrasse mitsamt Arkaden angebaut:





      Exkurs:

      Dies ist ein gutes Beispiel dafür, daß auch im Prinzip erhaltene alte Bauten im 19. Jahrhundert völlig selbstverständlich umgebaut wurden und daß das heutige Straßburg auch in der Altstadt stärker durch die Gründerzeit geprägt ist, als man auf den ersten Blick meinen sollte.

      Dies zeigt sich z. B. auch am Gebäude der Alten Metzig aus dem 16. Jahrhundert, deren Fachwerkanbauten mit einer Ausnahme (am östlichen Ende - heute als Weinstube genutzt) allesamt im 19. Jahrhundert entfernt wurden, so daß das Gebäude prinzipiell noch existiert, allerdings mit seiner heutigen klaren Form kaum noch etwas mit dem Original zu tun hat.

      Man vergleiche: Alte Metzig 19. Jahrhundert und das heutige Gebäude:



      Der verbliebene Anbau: