Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 14, vom Gutenbergplatz über die Lange Straße zu Alt-Sankt-Peter

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    • Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 14, vom Gutenbergplatz über die Lange Straße zu Alt-Sankt-Peter

      Auch wenn die bisherigen Rundgänge schon fast die gesamte Altstadtinsel abdeckten, so fehlt doch noch eine der wichtigsten Straßen: die Lange Straße (als Lang Stross ausgeschildert) oder Grand'Rue, die den westlichen Teil der Altstadt in Ost-West-Richtung durchzieht.

      In Verbindung mit den weiter östlich anschließenden Gassen (Spieß- und Judengasse), die unmittelbar nördlich des Münsters verlaufen, wird die gesamte Altstadtinsel in einer durchgehenden Linie durchquert, während es ja in Nord-Süd-Richtung erst seit dem Großen Straßendurchbruch eine ähnlich durchgehende Verbindung gibt (zwar endet der Straßendurchbruch am Kleberplatz, nicht zuletzt durch diverse Abrißaktionen der Nachkriegszeit entstand aber eine Verbindung über den Eisernen Mann bis zum nördlichen Ende der Altstadt).

      Die Lange Straße beginnt eigentlich direkt am Gutenbergplatz, allerdings wurde der östliche Anfang der Straße nachträglich in Gutenbergstraße umbenannt, da die Lange Straße seit dem Großen Straßendurchbruch geteilt ist (allerdings entfallen auf die Gutenbergstraße nur in etwa 15 % der Gesamtlänge).

      Zur groben Orientierung: Der Gutenbergplatz liegt unmittelbar westlich des Münsters, die Straße verläuft dann parallel zur Ill nördlich des Gerberviertels (heute meist als Petite France bezeichnet).

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    • Wir beginnen wie angesprochen auf dem Gutenbergplatz, hier der Blick nach Norden zum Kleberplatz:



      Hier der Blick zum westlichen Rand des Platzes, wo sich mit dem Neubau das bedeutendste Gebäudes des Platzes befindet:



      Es stammt ebenso wie die Alte Metzig des damaligen Stadtbaumeisters (oder Lohnherr) Hans Schoch und wurde im 16. Jahrhundert als neuer Verwaltungsbau errichtet, daher auch der Name. Nach einer kurzen Nutzung als Rathaus wurde es nach der Plünderung während der französischen Revolution auf ausdrücklichen Wunsch Napoleons neu aufgebaut, mit einer neuen Innenausstattung versehen und seitdem nach diversen Umbauten als Handelskammer genutzt.

      Hier der Blick in der anderen Richtung, die Bauten am Platzrand sind nach den schweren Kriegszerstörungen gelungene, aber vereinfachte Aufbauprojekte.



      Hier der Blick in die Lange Straße, die seit der Umsetzung des großen Straßendurchbruchs zu Anfang als Rue Gutenberg bezeichnet wird. Das Kanzleigebäude, von dem ich ungünstigerweise nur den rechten Rand aufgenommen habe, ist ebenfalls eine fast vollständige Rekonstruktion:



      Hier nun der erste Straßenabschnitt bis zum Straßendurchbruch (Rue de la Division Leclerc):







    • Hier die betont großstädtische Architektur am großen Straßendurchbruch bzw. der Kreuzung der Langen Straße mit der rue des Francs-Bourgeois, wie die Rue de la Division Leclerc nördlich dieser Kreuzung heißt.

      Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1930:



      Blick nach Norden zur Straßenbahnhaltestelle Grand Rue/Lange Straße:



      Und der Blick zurück zum Münster von der Straßenkreuzung aus:



      Und von der Langen Straße aus, einige Meter weiter Richtung Westen:



      Hier nun das eigentliche Herzstück der Straße bis zur "Doppelkirche" Alt-Sankt-Peter am Ende, genauer gesagt bis zum älteren Teil dieser Kirche:



      Impressionen entlang der Straße - wie befinden uns unmittelbar nördlich der allseits bekannten Fachwerkhäuser von Petite France:







      Dieses Gebäude stammt wohl von Mitte des 16. Jahrhunderts:

    • Auch hier ist die Beschilderung zweisprachig, das "Muellergässel" führt direkt zu den bekannten Fachwerkensembles von Petite France (unmittelbar westlich des Zixplätzel):



      Eine der wenigen Bausünden, laut Archi-Wiki von 1973:



      Generell ist die südwestliche Altstadtinsel unmittelbar nördlich von Petite France für Straßburger Verhältnisse relativ unschön - es gibt einen großen Parkplatz und einige Abrisse aus den 60er Jahren.

      Um so schöner der Blick zurück Richtung Osten:



      Somit haben wir auch schon das Ende der Langen Straße erreicht, ein Neubau von 1950 verunstaltet etwas die Ansicht der Kirche Alt-Sankt-Peter Protestantisch:





      Im Folgenden noch einige Fotos und Anmerkungen zur Kirche:



      Blick von Westen:



      Wie schon bei den Rundgängen kurz angesprochen, handelt es sich um eine "Doppelkirche":

      Die vielfach umgebaute Kirche aus dem 14. Jahrhundert wurde wie manche andere Straßburger Kirchen auch (z. B. Jung-Sankt-Peter Protestantisch) durch Einziehen einer Mauer in einen protestantischen und einen katholischen Teil unterteilt.

      Im Jahr 1867 wurde nun der gothische Chor abgerissen, um Platz für den Neubau von Alt-Sankt-Peter Katholisch zu schaffen, die durch Jean Conrath entworfen wurde.

      Diese katholische Kirche wurde nun aber schon wieder für die Realisierung des großen Straßendurchbruchs umgebaut, im Jahr 1912 wurden rund 10 Meter der Kirche abgerissen, und es wurde ein neuer Turm direkt an der neu errichteten Straße gebaut. Diesen Turm, der von Fritz Beblo entworfen, aber erst nach seiner Ausweisung 1920 vervollständigt wurde, sehen wir hier:





      Und noch ein kleiner Exkurs:

      Die angrenzenden Gebäude wurden ebenfalls von Fritz Beblo entworfen und waren das letzte Projekt, das er bis 1916 aufgrund der späteren Ausweisung der "Reichsdeutschen" noch selbst realisieren konnte:





      Auf Luftaufnahmen ist zu sehen, dass das letzte Gebäude und die gebogene Fassade eigentlich gar keine richtigen Gebäude sind, sondern wohl nur aufgrund der Fassadenwirkung errichtet wurden, unmittelbar der Dachhälfte kommen fensterlose Mauern zur Rückseite.
    • In weiten Teilen ist das sicherlich richtig, hier gibt es Fotos der "Notbebauung" nach dem Krieg mit dem ausgebrannten Kanzleigebäude und noch diverse Fotos von 1944 zum Durchklicken:

      Gutenbergplatz ab 1944

      Heute sieht die Häuserzeile so aus - man sieht zwar, daß es ein Neubau ist, aber er fügt sich harmonisch ein:



      Überhaupt war diese Ecke 1944 stark in Mitleidenschaft gezogen worden, die Schäden betrafen auch den nahen Münsterplatz sowie z. B. den Alten Zoll, der komplett wiederaufgebaut wurde.

      Ebenfalls unbekannt ist vermutlich, daß das Kammerzellhaus auch nur mit viel Glück den Beschuß im Krieg 1870/71 überstanden hat, das unmittelbar daneben befindliche Haus brannte komplett aus und wurde von Emile Salomon ab 1872 wieder neu aufgebaut: