Bremen - Peterswerder (Galerie)

  • An einem sonnigen Sonntag - Nomen est Omen - war ich wieder im Peterswerder, angeregt durch Heizers Bildergalerie, und habe einige Fotos gemacht. Ich hoffe nicht, dass sie hier vorher schon eingestellt wurden. Wenn, dann habe ich sie übersehen.


    Vorweg noch eine Frage: Ich habe die Galerie nie richtig verstanden. Wann stelle ich beispielsweise Bilder unter "Galerie Schwachhausen" ein und wann nur unter Schwachhausen? Gibt es da eine Regel? Die Bilder unten sind wohl mein erster Beitrag unter der Rubrik "Galerie".


    Ich docke jetzt gewissermaßen direkt an das Thema mit Bilderfolge Stader Straße an. Gegenüber der ehemaligen Polizeikaserne fiel mir in der Vergangenheit immer wieder dieses Gebäude ins Auge:



    Es scheint mir, als handele es sich hier um ein Gebäude mit kubistischem Einschlag. In Tschechien gibt es eine gewisse Tradition mit kubistischer Architektur. Hier noch eine Nahaufnahme:



    Daneben diese riesige ehemalige Waisenhaus. Beeindruckend:



    In der Hamburger Straße fand ich noch dieses schöne Eckhaus, von Heinzer, glaube ich, schon dargestellt....



    aber mit folgender Geschichte: Das Haus gehört oder gehörte einem Bremer, der auch mehrere Kneipen betreibt, auch die im Gebäude. Als er vor etwa 20 Jahren den Eckbau kaufte, war der Turm noch ohne Haube. Diese hat er dann originalgetreu wieder aufgebaut. Der Mann hatte schon mehrere Alt-Bremer Häuser renoviert, sie sind in sein Eigentum übergegangen, aber die Wiederherstellung in den Originalzustand ist bei ihm eine Herzenssache (gewesen?). Wir verdanken ihm wirklich den Erhalt mehrerer historischer Gebäude.


    Celler Straße. Da hätte ich noch ein Paar Ergänzungen. Eines der beeindruckendsten und auffälligsten Altbauten im Peterswerder ist dieser hier:



    Ein bisschen Jugendstil, ein bisschen verwunschenes Hexenhäuschen, ein bisschen Gotik über dem Eingang.......ein wirklich ungewöhnliches Gebäude......


    Rechts daneben dann toller Jugenstil:



    Detailaufnahmen:



  • Eine wirklich sehenswerte Stadt mit ihrem kleinstädtischen Charakter. In Bremen scheint es sich wirklich gemütlich wohnen zu lassen. :thumbup:

  • Es ist eine zutiefst menschliche Architektur, die in den von Bremer Häusern geprägten Stadtteilen dominiert. Kleinstädtisch trifft es gar nicht schlecht, denn man lebt viel mehr zur Straße als in den meisten anderen Städten, sitzt auf der Bank vorm Haus oder im Wintergarten oder auf der Treppe in der Sonne, trinkt einen Kaffee mit den Nachbarn, irgendwo rennen die Kinder rum und irgendjemand hat einen Blick auf sie. Das ist in der warmen Jahreszeit wirklich etwas ganz Besonderes.


    Für mich ein idealer Kompromiss, für den echten Städter aber vielleicht etwas piefig und intim und für jemanden vom Land dann doch zu wild und eng vielleicht. Es ist aber wirklich so, dass die Straßen hinreißend sind tlw., gerade im Frühling. Ich wohne in einer der Straßen, die auch von Auswärtigen auf Parkplatzsuche vor Spielen des SV Werder aufgesucht werden, und nicht erst einmal habe ich Leute mit auswärtigen Kennzeichen aus dem Auto steigen sehen und erkennbar staunen. Dann werden Fotos gemacht von den schönen Häusern und den blühenden Glyzinien oder Clematis, die an den Häusern ranken....



    Ein typischer Hauseingang:


  • Eine wirklich sehenswerte Stadt mit ihrem kleinstädtischen Charakter. In Bremen scheint es sich wirklich gemütlich wohnen zu lassen. :thumbup:

    Das gilt allerdings nur für bestimmte Stadt-/Ortsteile. Im Peterswerder, Viertel, in Schwachhausen und in der Neustadt ist die Welt sicherlich noch größtenteils in Ordnung. Aber die meisten Stadteile sind doch zum Abwinken und durch die moderne Architektur, die sich immer weiter vordrängt und den ursprünglichen Charakter der Stadtteile zerstört, schon sehr entstellt. Schau Dir mal die Überseestadt unter: "Die Zweite Moderne in Bremen und Bremerhaven" an.

    Die durch ihre historische Architektur geprägten Stadtteile dagegen sind hochattraktiv, weil sie schön sind. Schönheit ist anziehend. Dort möchten viele wohnen. Aber dort, wo viele wohnen wollen, scharren auch die Investoren - immer mit Unterstützung der Politik - mit den Hufen und beginnen, Ausschau nach geeigneten Grundstücken zu halten. Wenn sie dann was haben, wird abgerissen und mit einem Neubau mehr Fläche generiert. Ich nenne hier nur als warnendes Beispiel das Medienhaus in Schwachhausen. Wehret den Anfängen kann man da aber nicht mehr sagen, denn die Anfänge sind schon seit 50 Jahren vorbei. Ich verweise hier auf meine Beiträge zur Parkallee und zum Osterdeich. Dieser Prozess nennt sich dann: wir müssen zeitgenössisch bauen. Durch ihre Attraktivität schaffen sich dann die Stadtteile ganz langsam selbst ab, denn durch die Investorenplage verändern sie immer mehr ihr einst mal so schönes Gesicht.


    "Schönheit ist anziehend"! Das gilt auch für den Wirtschaftsfaktor Tourismus. Eine Stadt, die sich wirtschaftlich entwickeln will, setzt auf die Schönheit der Stadt und zieht damit - wirtschaftlich erfolgreich - Touristen an. Eine Stadt die dumm ist, vernichtet ihre attraktiven Altbauten und ersetzt sie durch moderne Gebäude. Wie wichtig die Schönheit einer Stadt ist, zeigt nachfolgender Link, der einen Bericht des Regionalmagazins buten un binnen über das Tourismus-Geschäft in Bremen wiedergibt. Eine Touristin sagt, das kleine Interview dauert nur 4 Sekunden, soll aber beweispflichtig trotzdem hier wiedergegeben werden:

    "Wir kommen aus Bielefeld und wollten eine schöne Stadt sehen"(0,18 - 0,22 Sekunden).


    https://www.butenunbinnen.de/v…-reisende-urlaub-100.html

  • Das gilt allerdings nur für bestimmte Stadt-/Ortsteile. Im Peterswerder, Viertel, in Schwachhausen und in der Neustadt ist die Welt sicherlich noch größtenteils in Ordnung. [...] Die durch ihre historische Architektur geprägten Stadtteile dagegen sind hochattraktiv, weil sie schön sind. Schönheit ist anziehend. Dort möchten viele wohnen. Aber dort, wo viele wohnen wollen, scharren auch die Investoren - immer mit Unterstützung der Politik - mit den Hufen und beginnen, Ausschau nach geeigneten Grundstücken zu halten. Wenn sie dann was haben, wird abgerissen und mit einem Neubau mehr Fläche generiert. [...] Durch ihre Attraktivität schaffen sich dann die Stadtteile ganz langsam selbst ab, denn durch die Investorenplage verändern sie immer mehr ihr einst mal so schönes Gesicht.

    Jein würde ich mal leicht widersprechen. Denn Du erwähnst es nur, lässt aber die Konsequenz aus, was aber erst recht für Unsere Ziele spricht: Die schönen Viertel werden von sozial besseren Schichten bewohnt. Die besseren Schichten können sich in ganz Deutschland ein ,,ästhetisches Umfeld leisten". Oft im Forum zugespitzt auf die Formel, der erfolgreiche moderne Architekt wohnt und arbeitet im Altbau. Diese soziale Schichten sind aber gleichzeitig bekannt dafür ihr Umfeld sehr stark zu schützen. Da wird im Zweifel sogar gegen einen Flüchtlingscontainer sturmgelaufen, obwohl man sich sonst viel lieber liberal gibt, und erst recht gegen irgendwelche Verdichtungsprojekte. Das ist keine Fantasie, sondern real so und ähnlich erlebt. Auch kein Wunder, diese Leute sind informiert und sie haben die Möglichkeit sich zu wehren.

    Das führt dann in der Tendenz zu einer sozialen Segregierung. Die Betuchten wohnen in gepflegten Quartieren, gerne historisch, verkehrsberuhigt, und gängigerweise schön, der restliche Pöbel soll doch bitte die ganze Unästhetik bewohnen, ab und zu mit paar Brosamen beehrt, damit nicht der Eindruck von Ungleichbehandlung zu präsent wird. ,,Die schätzen sowas ja eh nicht". So geht wohl menschenfreundliche Stadt in den Augen der praktizierten Moderne.

  • Wobei zumindest für Bremen noch zwei Besonderheiten zu bedenken sind:


    1. sind auch weiterhin zahlreiche Altbaugebiete im Westen und Süden der Stadt vorhanden, die vom Milieu her eindeutig Arbeiterstadtteile geblieben sind. Es wohnen also keineswegs überall in Bremen die Armen in Hochhäusern und die Reichen in schicken Altbauten. Das war ja gerade das Geniale an den Bremer Häusern, ihre Flexibilität, von einstöckig bis herrschaftlich.


    2., und das ist tatsächlich tragisch, waren die Häuser in den Arbeiterstadtteilen auch viel mehr den negativen Renovierungen nach dem Krieg ausgesetzt. Gröpelingen und Walle haben in den 60er Jahren noch ganze Straßenzüge quasi ästhetisch verloren, weil entstuckt wurde, grau verfliest, Rollläden angebracht wurden und eine Plastik- oder Aluhaustür. Die Menschen dachten damals, dass das modern wäre und ihre Häuser aufwerten würde - dabei hat es sie massiv entstellt und entwertet. In den besser gestellten Stadtteilen waren diese Sanierungen zwar ebenfalls verbreitet, konnten sich aber nicht so überwältigend durchsetzen, in einer "schlechten" Straße in Peterswerder sind vielleicht 20, 25% der Häuser entstuckt, in Gröpelingen 75%. So haben die Arbeiter leider selbst zu einer weiteren Abwertung ihrer Immobilien beigetragen und somit auch die Abwärtsbewegung der Stadtteile zumindest nicht gebremst.


    Eine typische Straßenszene im Westen der Stadt:



    Alle Häuser haben den Krieg überlebt, aber fast keines ist in einem guten Zustand, aufgestockt, entstuckt, verklinkert, alles dabei. Die "besten" Straßen sehen so aus, und auch die sind ja nicht gut bzw. schöpfen das Potenzial, das hier schlummert, immer noch nicht aus:



    Plastikfenster und -haustüren, unpassende Anstriche, aber wenigstens der Stuck ist (weitgehend) noch dran. Was man aus einer solchen Straße alles machen könnte bei gut gemachten Renovierungen.


    Entmischung findet auch in Bremen statt, aber leider haben viele Hausbesitzer in den sozioökonomisch schwierigeren Gegenden auch selbst dazu beigetragen, dass ihre Gegend keine großen Sprünge mehr macht.

  • Heinzer Danke für die regionalkenntliche Einordnung. Die Bilder bestätigen - bei aller Bremer Besonderheit - dennoch recht gut, was ich auszudrücken versucht hatte. Es geht nur höchstens indirekt um das Alter der Häuser, der Erhaltungszustand, Baulücken etc. Faktisch kann man denke ich ohne viel Hineininterpretierung feststellen, dass die letzten beiden Bilder im Vergleich zu allen vorherigen unästhetisch sind. Das fängt beim vernachlässigteren Straßenraum an, der auch noch einen Tick für mich autozentrischer erscheint, wenn man die Autos so nah an die Fassaden lässt. Und dann auch vornehmlich die Gebäude selbst. Es kommt alles zusammen, Du hast es ja schon erwähnt, billige Ersatzmaterialien, hemdsärmelige Aufstockungen, Kenntnislosigkeit, und sonstige Geschmacklosigkeiten. Zum Glück nicht ungepflegt, wie man es aber anderswo auch finden kann, aber doch ganz überwiegend besonders lieblos.

    Damit haben die Menschen dort, ob selbstverschuldet oder nicht ist eigentlich beim Stadtbild doch kein Maßstab (?), ein unästhetisches Lebensumfeld.


    Ergänzend zum Thema Selbstverschuldung: Dem Stadtbild kann es völlig egal sein, wer oder aus welchen Gründen es verunstaltet. Insofern muss es meiner Meinung nach immer das Ziel sein, das Stadtbild zuvorderst zu schützen, sogar noch vor soziologischen Ursachen bedingte Ergebnisse. Wenn ein kleiner Hausbesitzer nicht fähig ist, einen ansprechenden Entwurf für seinen Ausbau vorzulegen, dann kann man entweder Hilfe anbieten, oder aber man muss den Wunsch ablehnen. Einfach machen lassen und dann nachher sich hinstellen, ja die Bewohner schaffen sich die Abwärtsspirale ja selbst, ist zu einfach und kennt letztlich nur Verlierer. Die Hauspreise steigen dann nicht vergleichbar, die Stadtgesellschaft verliert Baukultur, die Menschen leben segregierter als nötig, ganze Bevölkerungsgruppen wachsen auf mit der Erfahrung, dass Ästhetik keine Relevanz hätte (und werden dann vielleicht auch mal Architekt ?!), Verantwortungslosigkeit greift um sich, kurz, Potential bleibt unausgeschöpft, wie Du es ja so trefflich formuliert hast.

  • Jein würde ich mal leicht widersprechen. Denn Du erwähnst es nur, lässt aber die Konsequenz aus, was aber erst recht für Unsere Ziele spricht: Die schönen Viertel werden von sozial besseren Schichten bewohnt. Die besseren Schichten können sich in ganz Deutschland ein ,,ästhetisches Umfeld leisten". Oft im Forum zugespitzt auf die Formel, der erfolgreiche moderne Architekt wohnt und arbeitet im Altbau. Diese soziale Schichten sind aber gleichzeitig bekannt dafür ihr Umfeld sehr stark zu schützen. Da wird im Zweifel sogar gegen einen Flüchtlingscontainer sturmgelaufen, obwohl man sich sonst viel lieber liberal gibt, und erst recht gegen irgendwelche Verdichtungsprojekte. Das ist keine Fantasie, sondern real so und ähnlich erlebt. Auch kein Wunder, diese Leute sind informiert und sie haben die Möglichkeit sich zu wehren.

    Das führt dann in der Tendenz zu einer sozialen Segregierung. Die Betuchten wohnen in gepflegten Quartieren, gerne historisch, verkehrsberuhigt, und gängigerweise schön, der restliche Pöbel soll doch bitte die ganze Unästhetik bewohnen, ab und zu mit paar Brosamen beehrt, damit nicht der Eindruck von Ungleichbehandlung zu präsent wird. ,,Die schätzen sowas ja eh nicht". So geht wohl menschenfreundliche Stadt in den Augen der praktizierten Moderne.

    Auch ich würde Dir hier mit einem klarem Jein leicht widersprechen. Natürlich gibt es dieses soziale Gefälle mit den von Dir geschilderten Schutzreflexen. Und zu den widersprüchlichen modernen Architekten, die selbst lieber in einem Gründerzeit- oder Jugendstilbauten wohnen, habe ich mich hier im Forum bestimmt schon mindestens 5-10-mal kritisch geäußert. Aber:


    Was wäre die Alternative? Sollten Leute mit mehr Geld etwa nicht in die schönen Stadtteile ziehen? Das könnte auf eine diktatorische Wohnungsplanung hinauslaufen. Um die mehr als 100 Jahre alten Gebäude zu sanieren, braucht man viel Geld. Das können sich Bürger mit einem geringen Gehalt gar nicht leisten. Um alte Viertel zu erhalten, bedarf es zweierlei: einmal Geld und dann noch ein entsprechendes Bewusstsein. Dabei folgt das Geld dem Bewusstsein, nicht umgekehrt. Heinzer hat doch dargelegt, wie in den Arbeiterstadtteilen die Häuser verschandelt wurden, oder....


    Ich freue mich, wenn Leute Häuser kaufen und die wieder stilecht renovieren. Ich habe ja oben mit dem Gastwirt, der den Turmhelm plus Laterne eines Eckhauses wiederhergestellt hat, ein Beispiel gebracht (#21). Das ist ein Glücksfall für den Stadtteil. Mit dem Turmhelm wurde ja nicht nur der Eckturm vervollständigt, sondern der ganze Bau kommt dadurch wieder ins Lot. Und nicht nur das, es strahlt ja auch auf die Umgebung aus und hebt deren nicht-materiellen Wert. Ich kenne noch den Zustand ohne Turmhelm, das war oben wie abgeschnitten, der Bau wirkte, als wenn er nicht GANZ, nicht vollständig war. Für Flaneure sind intakte Fassadengestaltungen ein Glücksfall. Man geht gerne durch diese Stadtteile, um sie zu besichtigen.


    Aber Du wirfst - vielleicht ungewollt - mit Deiner kritischen Beschreibung ja auch ein Dilemma auf, in der sich Städte befinden: Kann man Betuchten die schönen Stadtteile überlassen die durch aufwändige Renovierungen, die andere Gruppen vermutlich nicht machen würden, deren ursprünglichen Charakter erhalten? Aber nochmal: was wäre die Alternative? Zwangsdeportationen der Waller und Gröpelinger Arbeiterschaft in die schönen Stadtteile, weit weg von ihrem Arbeitsplatz? Oder Unterstützung der Eigentümer in den Arbeitervierteln für stilgerechte Renovierungen. Wäre schön, aber da macht die Politik nicht mit, denn wie gesagt: es geht auch um Bewusstsein und das fehlt doch im politischen Betrieb, wenn es um das Stadtbild geht.

  • Zwangsdeportationen der Waller und Gröpelinger Arbeiterschaft in die schönen Stadtteile, weit weg von ihrem Arbeitsplatz?

    Das wäre quatsch. Aber das woke urbane Bürgertum soll mit den eigenen präferierten politischen Entscheidungen viel direkter im eigenen Wohnumfeld konfrontiert werden, statt die Folgen der eigenen Entscheidungen immer outsourcen zu können. Somit wäre eine ausgeglichene städtische Förderung und Investition vonnöten.

    - Gelder für Platzgestaltungen, Grünanlagen, Straßensanierungen, Schulen/Kindergärten/Kultureinrichtungen werden gleichmäßig verteilt. Das bedeutet im Ernstfall mehr Gelder für die Wohnviertel ärmerer Menschen und weniger für das urbane hippe Besserverdiener-Publikum.

    - Keine weitere soziale Schonung innerstädtischer Wohnquartiere und deren besserverdienender Wohnklientel. Flüchtlingscontainer gleichmäßig verteilen. Zudem städtische Sozialwohnungen verstärkt in solchen innerstädtischen Wohngebieten einrichten. Drogenzentren und Obdachlosenquartiere gleichmäßig auch in den Besserverdiener-Stadtteilen planen.

  • Auch ich würde Dir hier mit einem klarem Jein leicht widersprechen. Natürlich gibt es dieses soziale Gefälle mit den von Dir geschilderten Schutzreflexen. [...] Aber: Was wäre die Alternative? Sollten Leute mit mehr Geld etwa nicht in die schönen Stadtteile ziehen? Das könnte auf eine diktatorische Wohnungsplanung hinauslaufen. Um die mehr als 100 Jahre alten Gebäude zu sanieren, braucht man viel Geld. Das können sich Bürger mit einem geringen Gehalt gar nicht leisten. Um alte Viertel zu erhalten, bedarf es zweierlei: einmal Geld und dann noch ein entsprechendes Bewusstsein. Dabei folgt das Geld dem Bewusstsein, nicht umgekehrt. Heinzer hat doch dargelegt, wie in den Arbeiterstadtteilen die Häuser verschandelt wurden, oder....

    [Oder aber:] Kann man Betuchten die schönen Stadtteile überlassen die durch aufwändige Renovierungen, die andere Gruppen vermutlich nicht machen würden, deren ursprünglichen Charakter erhalten?

    Zwangsdeportationen der Waller und Gröpelinger Arbeiterschaft in die schönen Stadtteile, weit weg von ihrem Arbeitsplatz? Oder Unterstützung der Eigentümer in den Arbeitervierteln für stilgerechte Renovierungen. Wäre schön, aber da macht die Politik nicht mit, denn wie gesagt: es geht auch um Bewusstsein und das fehlt doch im politischen Betrieb, wenn es um das Stadtbild geht. [gekürzt Anm.]

    Mit dem durchgehen der Alternativen warst Du an einem Punkt recht nahe an einer realistischen Vision.

    In Deutschland leben rund 54 Prozent der Haushalte zur Miete – ein im europäischen Vergleich hoher Wert.

    und weiter:

    Quote

    Generell ist der Anteil der zur Miete lebenden Haushalte in den Städten deutlich höher als in sub­urbanen und vor allem länd­lichen Räumen, da hier der Eigen­heimanteil höher ist

    Sprich womöglich ist Bremen hier nicht das beste Anschauungsobjekt, um diese Thematik zu bearbeiten, wenn es hier nahezu ausschließlich um Häuser im Eigentum geht und nicht um wohlhabende Großimmobilienbesitzer. Aber ich versuche es dennoch auch mit diesem erschwerten Beispiel hier, denn meine Argumentation ist analog: Auch wenn die Leute ggf. nicht so viel Geld haben, was sie haben ist eine Immobilie. Und als Immobilienbesitzer ist man gerade in den vergangenen Jahrzehnten niemals arm gewesen. Auch ein Arbeiter in Immobilienbesitz kann sich eine hochwertige und vor allem passend eingefügte Sanierung leisten. Das liegt schon allein daran, dass hochwertigere Sanierungen ja ganz real dann in dem Gebäude stecken, statt billiger Pfusch. Dazu muss aber eine gewisse Kenntnis zu wertstabilem Investieren und unserem Steuersystem vorliegen, das bewusst Hypotheken und Sanierungen daraus bevorteilt. Man könnte nun, wie Du vorschlägst, auch dieses System umbauen, und statt auf Milliarden bei den Steuereinnahmen zu verzichten einfach die Gelder an Ärmere ausschütten für gute Sanierungen. Jedoch halte ich das jetzige System durchaus für leistungsfähiger, nur haben das einfache Schichten noch nicht verstanden, nimmt man zumindest so wie es hier im Strang geschrieben wurde tatsächlich finanziellen Mangel als Ursache für die schlechten Sanierungen an. Gleichzeitig müsste man jedoch - ich wiederhole mich - restriktiver vorgehen gegen Personen, die das Kulturgut beschädigen. Wer es nicht besser machen will, muss im Zweifelsfall eben in ein Neubaugebiet umziehen. Ich glaube nicht, dass dies zu einer sozialen Spaltung führt, denn wie Du richtig schreibst, es ist eine Frage des Bewusstseins. So machen viele wohlhabende Investoren mehr kaputt als der kleine Mann.

    Mein Vorschlag verlegt sich darauf, wie ich bereits früher schrieb, den Besitzern Bewusstsein zu schaffen, ggf. eben auch für deren finanzielle Spielräume, sie dabei stark fachlich zu begleiten, aber eben auch die verdrängt, die dieses Bewusstsein nicht respektieren und erlangen möchten. Das wäre schon allein deshalb ratsam, weil die Eigentumsquote in Deutschland soweit ich weiß seit mindestens 25 Jahren steigt, man also viele unerfahrene Immobilienbesitzer hat.

    Mit meinem Vorschlag würde man also nicht nach finanziellen Möglichkeiten in eher schöne Viertel und eher weniger schöne Viertel teilen, sondern nach Bewusstsein für die Qualitäten. Ob man das dann noch verstärkt durch entsprechende Sozialprogramme, z.B. ein Arbeiterbaukultureigentumsförderung, das müsste man eben erst eruieren (also ob es finanziell tatsächlich nicht anders geht, oder eben nur Bewusstsein).