Berlin - Gendarmenmarkt und Umgebung

  • Der Gendarmenmarkt - oft als der schönste Platz Berlins oder gar einer der schönsten Plätze der Welt betitelt, sieht ja bekanntlich so aus:



    Quelle: http://www.el-mundo.es


    Gesäumt von einem prachtvollen Gebäudeensemble, aber ansonsten eigentlich eine Steinwüste.


    Früher hingegen sah der Platz so aus:



    Ich finde, mit den bepflanzten Grünflächen samt Springbrunnen war der Platz doppelt so schön wie heute. Daher interessiert mich folgendes:


    Ist oder war eine Wiederherstellung des früheren Zustands eigentlich ein Thema in Berlin? Immerhin hat man ja dem Pariser Platz und dem Lustgarten ebenfalls sein historisches Erscheinungsbild zumindest teilweise wiedergegeben. Bei letzterem war die Umwandlung von der Steinwüste zur Grünanlage nur durch Sponsorengelder möglich, aber ich meine unabhängig von dem finanziellen Aspekt - erscheint eine Umgestaltung politisch möglich? Gibt es da irgendwelche Absichten oder Überlegungen?

  • Quote from "Schloßgespenst"

    Gibt es da irgendwelche Absichten oder Überlegungen?

    Nein, weder in der "Gesellschaft Historisches Berlin" noch sonstwo habe ich von solchen Plänen gehört.
    Wenn man sich die nach dem Tiefgaragenbau erneut öde Gestaltung des Bebel-Platzes zwischen Königlicher Bibliothek und Staatsoper und (demnächst) dem Hotel de Rome anschaut, dann weiß man auch um die Aussichten für eine Änderung des Gendarmenmarkts.
    Es fehlt einfach am Geld.


    Es ist halt billiger, einen gepflasterten Platz gelegentlich zu fegen als eine schöne Grünalage samt Springbrunnen in Ordnung zu halten... :(

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!

  • ich hab mal was gehört; ist aber schon ein paar jahre her! die geschäfte/restaurants am platz wollten sich mal für eine reko einsetzten; sie wollten damit bezwecken, dass der platz nicht mehr für grossveranstaltungen genutzt werden kann (z.b. klassik open-air).

  • da der geist in berlin voll auf pflaster geprägt ist, dürfte da vorerst nichts zu machen sein.
    mit persönlich gefallen begrünte plätze aber wesentlich besser.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Quote from "Antiquitus"

    da der geist in berlin voll auf pflaster geprägt ist, dürfte da vorerst nichts zu machen sein.


    Ist das denn so? Der Lustgarten ist ja auch wieder grün geworden. Vielleicht liegt's doch nur am Geld. Oder man will nicht sich nicht die vielen lukrativen Show-Veranstaltungen entgehen lassen, die auf einem begrünten Platz nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich wären.

  • Generell vermisse ich auf vielen Plätzen Bäume. Aktuell hier in Dresden auf dem Wiener Platz: nur Steine und Glas und keine vor der Sonne schützende Platane. Furchtbar, denn gerade Grünanlagen machen große Plätze erst freundlich. Aber ich kann auch die Stadt verstehen: der immer größer werdende Sparzwang macht eben auch vor dem Grünflächenamt nicht halt. Es müssen sogar Sponsoren für einige Brunnen gewonnen werden, sonst blieben diese trocken.

  • "ist das denn so? Der Lustgarten ist ja auch wieder grün geworden."


    naja, eine gewisse baum- und rasenfeindlicheit meine ich schon erkennen zu können, aber du hast recht, ganz so eindeutig ist die sachlage nicht. da war meine äußerung wohl durch den ärger vom opernplatz ausgelöst. unterm strich gibt es aber einiges grün: pariser und leipziger platz nach historischen vorbild, lustgarten mit etwas gras. und selbst dieser peinliche platz der republik hat etwas kraut wuchern.
    ich ziehe das harsche spontanurteil hiermit zurück. ;)

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Quote from "Antiquitus"

    " und selbst dieser peinliche platz der republik hat etwas kraut wuchern.
    ich ziehe das harsche spontanurteil hiermit zurück. ;)


    Da stimm ich dir nur zu. Beim Platz der Republik ist dringend eine Wiederherstellung des Vorkriegszustands nötig. Die Wiese ist ziemlig trostlos und die Hecken sind sehr mickrig.

  • Quote from "campus solis"

    ich hab mal was gehört; ist aber schon ein paar jahre her! die geschäfte/restaurants am platz wollten sich mal für eine reko einsetzten; sie wollten damit bezwecken, dass der platz nicht mehr für grossveranstaltungen genutzt werden kann (z.b. klassik open-air).


    Das macht doch keinen Sinn...Wenn Großveranstaltungen stattfinden, können die doch erst recht davon profitieren, wenn die Zuschauer davor/dabei/danach was essen gehn oder etw. schoppen würden...


    Es sieht zwar sehr schön aus, aber irgendwie würde es doch auch den menschenstrom etw. stark beeinflussen...Vielleicht könnte man die beiden Flächen an den Ecken des Schauspielhauses und auf der selben höhe an der Straße wiederbegrünen. Wär zwar nicht original, aber man könnte Platz überqueren, ohne ein mal um die ganzen Beete herum laufen zu müssen. Und um die dome herum stehen ja schon Bäume. Mir wär lieber, wenn die Laternen, die den ganzen Platz umrahmen ausgetauscht würden. Die sehen zwar nicht ganz OK aus, aber haben irgendwie auch was billiges...Aber da würden die Ostalgiker bestimmt wieder Stress machen bzw. die modernisten was modernes hinhaben wollen.


    Immerhin wurde ein neues hist. "Café Achteck" wiedererrichtet...Ist ja schon mal ein Anfang.

  • Natürlich muss man aufpassen, dass ein großstädtischer Platz nicht zum Vorgarten wird, aber ich glaube schon, dass etwas mehr Grün nicht schaden würde.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Quote

    aber ich glaube schon, dass etwas mehr Grün nicht schaden würde.


    Das zweifel ich ja auch gar nicht an! Natürlich kann etw. mehr nicht schaden.

  • Sah soeben 2 Luftbildfer von Gendarmenmarkt von 1995 und 2005.
    Die Südseite mit Mohrenstrasse ist in 2005 wiederaufgebaut.
    Die Ostseite aber verzeigt schon Abrissen von DDR-wiederaufbau in der 80-er Jahren: am Südlichen Eck der Taubenstrasse/ Gendarmenmarkt ist eine historisierende Wiederaufbau der DDR mit Rotem Ziegeldach und Sandstein Fassade abgebrochen zur Günste ein hellweisses Gebäude mit grauen schrägen Dach und viel grössere Fenster!! Ich finde diesen Ersatz optisch weniger gelungen!!!
    Aber was mich schockiert ist warum ein gelungenen Wiederaufbau abgerissen wird für ein sächliche Kasten mit viel weniger Ausstrahlung. Eine reine Verschlechterung!! Was könnte dafür die Ursache sein???


    Dasselbe Phänomen ist auch an der Nordseite entlang der Französische Strasse zu "bewundern": auch hier Abbruch gegen mehr sächliche Konstruktion.


    Also sind nach der Wende einige gelungenen historisierende DDR-Bauten von neue weniger historisierende Bauten ersetzt!!!

  • Quote from "uaoj36"

    Eine reine Verschlechterung!! Was könnte dafür die Ursache sein???


    Nutzflächenoptimierung?

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!

  • Quote

    Restaurierung der Bronzen vor dem Konzerthaus abgeschlossen


    kann jemand Bilder machen? (von der Synagoge natuerlich auch)

  • Kleiner historischer Ausflug in die heiße Wiederaufbauphase des Deutschen Domes: Zeitungsmeldung vom August 1986.
    Dürfte recht selten passieren, dass man Statuen per Hubschrauber an ihre Position bringt.
    Der Wiederaufbau des Deutschen Domes begann übrigens 1982.



    Damit man sich ein Bild vom Zerstörungsgrad des Domes (und speziell der Kuppel) machen kann, hier noch ein Foto von 1958:



    Bildquelle: bildindex

  • Dieser Statue konnte man bei ihrem Jungfernflug nur wünschen, dass ihr nicht dasselbe Schicksal passierte wie hier oder hier...

  • Ich bin dafür, ein wenig mehr Grün zuzulassen, die miserabel ausgeführte Pflasterung mit Fachkräften neu durchzuführen und darüber hinaus das farblich völlig deplazierte und sagenhaft schmutzempfindliche Schiller-Denkmal zu versetzen. Aufgrund der nicht mehr historischen primären Nutzung als Konzerthaus böte sich ein sandsteinernes oder gusseisernes Musikerdenkmal an.
    Ach ja: Und die beiden Häuser rechts der östl. Taubenstraße könnten eine neue Fassadengestaltung vertragen. :o


    Quelle: mal wieder Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)