Bremen - Neustadt

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    • Lernen über die Weser hinweg

      Die drei neuen - zeitgenössisch interpretierten - Giebelhäuser auf dem ersten Foto Ihres obigen Beitrags, findorffer, weisen, ganz ähnlich wie die Neubauten an der ehemaligen Wichelnburg (in der Wasserseite der Steffenstadt) durchaus in die richtige Richtung. Auch wenn sie - in unseren Augen - noch zu zaghaft hinsichtlich der Verwendung von Elementen klassischen Bauens sind, so hätten man sich dennoch glücklich geschätzt, statt der überdimensionierten Unsensibilität von 'Kuh-Nagel' an der Großen Weserbrücke, solche Bauten auf dem Areal des Stammhauses von Ludwig von Kapff entstehen zu sehen. Insofern sollten die Bremer rechts der Weser einmal ihre - schon immer unberechtigte - Attitüde der Geringschätzung von 'Neustadt bei Bremen' ablegen und mit Anerkennung feststellen: 'Von der Neustadt lernen, heißt siegen lernen'... ;)
    • Bilderfolge zum Grundstück 'Am Deich 57 / 58

      Abbildung 01
      Das von findorffer eingestellte, aktuelle Foto des ab 2018 entstandenen Neubaus.



      Abbildung 02
      Luftbild des Areals aus dem Jahre 2018 (Blick nach Süd). Das Grundstück ist rot eingekreist. Man erkennt die laufenden Bauarbeiten. Rechts von der Baustelle die ehemalige Hauptverwaltung von Jacobs Kaffee (die mit der 'Krönung') und weiter rechts - jenseits der Grossen Allee (heute: Langemarckstraße) - der Beginn des Firmenareals der Haake Beck Brauerei (Beck's Bier / heute Inbev).



      Abbildung 03
      Luftbild des Areals aus dem Jahre 2018 (Blick nach Nord).



      Abbildung 04
      Luftbild des Areals in der Vorkriegszeit. Grundstück und damalige Bebauung sind rot eingekreist.



      Abbildung 05
      Vergleich der Luftbilder.



      Abbildung 06
      Das von 1902 bis zur Zerstörung im Bombenkrieg auf dem Grundstück 'Am Deich Nr. 57 / 58 stehende Speichergebäude. Zum Aufnahmezeitpunkt des Fotos (1939) wurde es von der Firma Roselius genutzt. Erbauer des Gebäudes war die Firma aber nicht. Die Fassade ist in ihrer Gestaltung offensichtlich an diejenige des Ratshauses in Stralsund angelehnt (wobei beim zentralen Mittelgiebel auch ein Hauch von Rostock mit hineinspielt).
      Einen posthumen Dank an den unvergessenen Klaus upper Borg, der mir freundlicherweise dieses originale Foto überlassen hat.


      Abbildung 07
      Das Grundstück 'Am Deich 57 / 58 auf einem Ausschnitt aus der Stadtkarte von 1938 rot hervorgehoben.



      Abbildung 08
      Lage des Grundstücks innerhalb der weiteren Neustadt (Stadtkarte 1938).




      Abbildung 09
      Ludwig Roselius, der Gründer der Firma Kaffee HAG, die ihren Hauptsitz allerdings nicht in diesem Speichergebäude, sondern am Holz-und Fabrikenhafen im Hafengebiet auf der rechten Weserseite hatte.



      Abbildung 10
      Vergleich des Neubaus an der Ecke Häschenstraße / Am Deich von 2018 / 2019 mit dem dem Speicher von 1902.

      The post was edited 2 times, last by Pagentorn ().

    • Vielen Dank für die Bilder, findorffer und danke mal wieder für die grandiosen Hintergrundinfos, die Sie immer so aus dem Ärmel schütteln, Pagentorn!

      Grundsätzlich natürlich immer gut, das Giebelständige zur Weser, aber wie Sie beide sehe ich den Bau ziemlich kritisch. Außer der erwähnten Giebelständigkeit und meinetwegen dem Material (hier allerdings in Form billigster Riemchen nur aufgeklebt, entsprechend hohl im Klang) und dem rot gedeckten Dach stimmt an diesen Häusern leider nicht viel. Die Fassade hat in etwa den Charme eines 80er-Jahre-Arbeitsamt/Behörden- oder Sparkassenneubaus, wie sie zu hunderten in Niedersachsen von den Staatshochbauämtern und ihren Ingenieurbüros hochgezogen wurden damals.

      Zwanghafte Asymmetrie der Fassade und der Fenstergliederung, absolut GAR KEINE über Fensteröffnungen hinausgehende Fassadengestaltung, also da wurde sich hier aber schon über wesentlich bessere Bauten aufgeregt. Jeder einzelne der Neubauten auf dem Teerhof hat eine wertigere und ausgefeiltere Fassade, hat echten Vollklinker, der zudem wesentlich lebendiger aussieht und Holzfenster statt dieses Alukunststoffgrauens. Sogar der elende Lloydhof hat eine pfiffigere Fassade, könnte hiergegen mit neuer filigranerer als der momentanen typisch klobigen 80er-Plastik-Fenstergliederung fast elegant werden.

      Von weitem, Zustimmung, mag sich hier ähnlich wie bei den ebenfalls giebelständigen Häusern "Vor Stephani" die Ahnung einer giebelständigen Weserfront einstellen. Dort ist die Fassade minimal besser gelungen mit angedeuteten Simsen (aber natürlich auch asymmetrisch), dafür aber ohne Not ein völlig unpassender Farbton des Klinkers gewählt worden. Also ganz zweifellos zwei Schritte in die richtige Richtung, zwar am Rollator, aber immerhin nicht rückwärts.

      Grosse möchte nun aber direkt nebenan seinen brutalen Kistenklotz "Weserhöfe" hinknallen, der das, was ein schöner Beginn einer neuen giebelständigen Tradition am Weserufer hätte werden können, durch 9 Stockwerke Kistenraster wieder zerstört.

      (archisurf.de)

      Ganz links im Bild die oben gezeigten Häuser. Und gleichzeitig eines der größten Probleme moderner Architektur. Zufällig hat der Bauherr sich für eine gute Sache, Giebelständigkeit zur Weser entschieden. Derselbe Bauherr ergänzt diesen zarten Hauch dann aber gleich um einen schönen Rasterklotz mit nixe Giebel. Beide Gebäude mögen für sich genommen eine minimale Qualität haben, letzteren Klotz könnte man sehr benevolent als Reminiszenz auf die von Pagentorn gezeigten Lagerhäuser werten, so ein bisschen begrenzter postindustrieller Charme, meinetwegen in der Überseestadt - aber ein Ensemble entsteht natürlich nicht, beide aspergern da so nebeneinander her, als wären die jeweiligen Nachbarn den Gebäuden peinlich. Wie gesagt, derselbe Bauherr, zwei Jahre Abstand in der Bauzeit.

      Een' heff ik man ook noch: Am Hohentor soll folgender Neubau der Gewoba entstehen:

      (gewoba.de)

      Finde ich ehrlich gesagt ganz witzig. Hat etwas von einem verstümmelten 20er-Jahre-Wolkenkratzer in Chicago. Passt also top nach Bremen ;). Trotzdem wirkt in diesem zerschossenen Umfeld alles gut und gibt dem "Hohentorsplatz" genannten diffusen Raum tatsächlich einen Rand, bei dem man sich fast vorstellen könnte, mal im visualisierten Café zu sitzen. Gab noch irgendein Beiratsgeplänkel, so von wegen Schattenwurf auf die Verkehrsinseln oder so, aber das scheint durch zu sein.

      Auch hier wieder: Man muss das nicht mögen, Geschmäcker sind verschieden und das ist gut so. Dieses Gebäude aber hat ganz offensichtlich einen gestalterischen Anspruch, es hat sich jemand Gedanken zur Fassade gemacht, das Grün der Fassade könnte super mit den geplanten blassgoldenen Fensterrahmen und Türen harmonieren. Das EG ist zudem offen mit öffentlicher Nutzung und keine durchgezogene Mauer. Nur so kann es gehen, wenn wir das ernst meinen mit "Architectura pro Homine".
    • Point de vue der Neutstadt-Contrescarpe

      Lieber Heinzer, es ist dem neuen Gebäude am Hohentor in der Tat zu wünschen, daß es die Rolle seines direkten Vorgängers, des Schlauchturms der Feuerwache II. ausfüllen kann. Letzterer war bis zu seiner Zerstörung im Bombenkrieg ein überaus populärer und oft photographierter Zielpunkt einer interessanten Sichtachse, wie durch die anliegende Folge historischer Ansichtskarten bewiesen wird. Man kann förmlich dem Photographen folgen, der bei seinem Weg von Ost nach West an jeder neuen, von Links einmündenden Seitenstraße sein Stativ aufgestellt zu haben scheint.






    • Seitenansicht aus Richtung Hohentorsplatz.



      Allerdings wurde der Turm leider schon in der Zwischenkriegszeit seiner pittoresken Galerie im obersten Geschoß sowie seines markanten Helms beraubt, wie das folgende Foto, welches ebenfalls über den Hohentors-Platz hinweg aufgenommen wurde, illustriert.



      Lage der Feuerwache II an der Woltmershauser Allee am Übergang von Neustadt zu Süder-Vorstadt (auf der Stadtkarte von 1938).



      Vergrößerte Kartenansicht des engeren Areals um die Feuerwache.



      Direkter Vergleich von Schlauchturm und dahinterliegendem Feuerwachengebäude mit dem geplanten Neubau an der gleichen Stelle (aus fast gleicher Perspektive).



      Das Luftbild aus der Gegenwart offenbart, daß man beim Wiederaufbau der Feurwache nach dem Krieg die Spitze des dreiecksförmigen Grundstücks unbebaut gelassen und die Wache förmlich nach westen verschoben hat.



      Das Luftbild, welches den größeren stadträumlichen Kontext abbildet zeigt, daß in diesem 'Dreieck' viel ungenutztes stadtbildnerisches Potential schlummert. Der zurückversetzt errichtete Schlauchturm aus der Wiederaufbauzeit nutz dieses aber in keiner Weise und will auch gar nicht Zielpunkt der Sichtachse sein.



      Der direkte Vergleich offenbart die momentan 'verschüttete' Sichtachse.


      The post was edited 1 time, last by Pagentorn ().

    • Farbgebung überdenken

      Es wäre vielleicht noch einmal zu überdenken, ob der für den Neubau geplante dunkelgrüne Fassadenanstrich sichtachsentauglich ist, denn ein solcher könnte ja dazu führen, daß das Gebäude, von größerer Distanz aus betrachtet, mit seinem Hintergrund und dem Bereich an seinen Flanken (insbesondere dem üppigen Grün der Neustadtswall-Anlagen) optisch verschmilzt. Der cremefarbene Anstrich der oberen Etagen des alten Schlauchturms war demgegenüber regelrecht ein 'Leuchtsignal'. Chamoise und Gold, statt Dunkelgrün und Gold - warum eigentlich nicht ?



    • Wie edel die Neustadtscontrescarpe damals war! Insgesamt wirklich traurig, dass wir von der Contrescarpebebauung bds. der Weser nur noch die Reste im Ostertor haben. Das muss ein sehr lauschiger Boulevard gewesen sein, der sich praktisch um die gesamte Alt- und Neustadt gezogen hat. In der Neustadt ist die grobe bauliche Struktur zwar noch erhalten, aber viele Neubauten zerstören das Ensemblegefühl dann einfach zu sehr, außerdem wird es (wie überall in Bremen) nach Westen zu dann auch relativ schmuddelig/runtergekommen. Das Hohentor ist z.B. nur noch ein Schatten seiner selbst, die alte Neustadt westlich der Langemarckstraße nur noch eine Ansammlung von Abrisskandidaten. In der Altstadt (oder besser in der Bahnhofsvorstadt) ist die bauliche Struktur westlich des Herdentors vollkommen zerschossen und nicht einmal ansatzweise in ihrer ursprünglichen Idee erlebbar.

      @BremerMann, ja das Gebiet ist auch für mich, der eine recht hohe Toleranzschwelle gegenüber Neubauten hat, eine der größeren Enttäuschungen der letzten Jahre. Wobei das Hochhaus rechts ja jetzt schon steht und die Umwandlung mit der gezeigten Klinkerverkleidung absolut in den Sternen steht (und aus meiner Sicht gegenüber dem Jetztzustand auch eine klare Verbesserung wäre). Aber gerade nach den vom findorffer gezeigten recht vielversprechenden Ansätzen der Neubauten in der Häschenstraße musste da dann so eine wahnsinnige Klotzbaumasse reingedrückt werden. Dabei gab es im städtebaulichen Wettbewerb letztes Jahr durchaus sehr interessante Beiträge mit einem bds. Blockrand und deutlich expressionistischeren Entwürfen, selbst das Chilehaus in Hamburg wurde als Referenz von einem Büro zitiert. Nun ist es wieder dieser generische postindustrielle Klinkerstil geworden, mit dem Überseestadt zugepflastert wurde. Auch die geplante Fällung der Platanen wird die Straße sicherlich nicht aufwerten, obwohl ich nicht weiß, wie da der aktuelle Stand ist.

      @findorffer: Ja, daran habe ich auch schon gedacht ;). Mein Beitrag war ursprünglicher sogar noch vernichtender formuliert, aber dann dachte ich an meine eigene Kritik vor ein paar Tagen und habe deutlich entschärft, so von wegen Glaubwürdigkeit und so. Und obwohl ein Rollentausch einen gewissen Pfiff hätte, Du noch in den mauesten Neubauten das Positive sehend und ich an keinem Neubau ein gutes Haar lassend ist es am Ende doch wohl alles ganz gut so, wie es ist.

      Noch ein Post Scriptum zu Pagentorns Beitrag: Obwohl ich die Farbgebung des Neubaus gerade ganz gut finde, Zustimmung zu Ihrer Idee, das würde das Gebäude deutlich sichtbarer machen. Noch eine Frage zu der Karte: Das rechts im Vordergrund neben dem Feuerwehrturm stehende, neogotisch inspirierte Gebäude muss auf Ihrer Karte von 1939 aber schon abgerissen gewesen sein für die breitere Zufahrt Richtung Oldenburger Straße, oder bin ich völlig falsch orientiert?
    • Lieber Heinzer, Sie haben vollkommen recht ! Das von Ihnen genannte neugotische Gebäude, bei welchem es sich um ein ehemaliges Zollamt (aus der Zeit, als die bremischen Häfen noch Zollausland waren) handelte, wurde ebenso ein Opfer der neuen, 1939 eröffneten Weserquerung (Westbrücke / Adolf-Hitler-Brücke) und deren breiten Zufahrtstraßen, wie es das auf der Altstadtseite das äußerste westliche Ende der historischen Steffenstadt (mit Ausnahme des Armenhauses / Focke Museums) wurde. Über das Grundstück des Zollamtes wurde eine Wegeverbindung – sogar für die Straßenbahn – zwischen Hohentors-Heerstraße und Kolonnenstraße geführt und dadurch auch eine gerade Anbindung zum ‚Pusdorfer’ Tunnel ermöglicht. Das Stadtbild hat sich durch diese neuen Verkehrswege leider nicht verbessert.
    • Auch die Woltmershauser Straße, die auf der anliegenden Ansichtskarte rechts von der Hohentorstraße abzweigt, wurde im Zuge der Brückenerrichtung aufgelassen. An der linken Bildkante ist - hinter dicht belaubten Bäumen - das alte Zollamt mit seinem rückwärtigen Giebel noch so gerade eben erkannbar. Rechts neben dem Schlauchturm ist eines der beiden klassizistischen Torhäuser des Hohentors zu sehen - beide sind ebenfalls infolge des Krieges abgängig - und ganz rechts ist das große Schulgebäude (mit zwei Dachreitern) an der Woltmershauser Allee auszumachen.

      Das Bild darunter zeigt das völlig veränderte Straßenbild der Gegenwart (aus fast identischer Perspektive).

      Ankor Wat ? Nein, Bremen ! Aber auch hier scheint die Natur die Stadt wieder übernommen zu haben... ;)



    • Hohentorsplatz - vor und nach der Begrünung

      Wobei man nicht ungerecht sein darf: Der Hohentorsplatz war – als letzter nicht wieder urbanisierter Bereich der frühneuzeitichen Bremer Stadtbefestitung – bis über den 2. Weltkrieg hinaus eine eigentlich unwirtliche Freifläche, auf der ab 1890 Teile des Freimarktes stattfanden und ab und an mal ein Zirkus gastierte. Erst mit der Aufforstung der gegenwärtigen sog. ‚Hohentors-Anlage’ (das üppige Grün von ‚Ankor Wat’ ist deren östliche Begrenzung) wurde der von Isaak Altmann im frühen 19. Jahrhundert begonnene grüne Kranz um die Stadt geschlossen, war die Bremer ‚Ringstraße’ sozusagen komplett.

      Anbei ein Luftbild des – noch weitestgehend unbegrünten – Hohentorsplatzes aus dem Jahre 1928. Auf dem Platz gastiert gerade der Zirkus Sarrasani aus Dresden.
      Sichtbare Gebäude (von links nach rechts): Schule an der Woltmershauser Allee, Feuerwache II. mit Schlauchturm, Zollamt, Wachhäuser des Hohentores, Baukante der ‚alten’ Neustadt.
      Im Hintergrund der ‚Pusdorfer’ (Woltmershauser) Tunnel unter der Eisenbahnstrecke nach Oldenburg, der im Bau befindliche neue Neustadtsbahnhof und der Hohentors-Hafen.
      (Bild-Quelle: Stadtteil Archiv Neustadt [Hrsg.]: Neustadt 1860-1945. Ein Photographischer Streifzug. Bremen, 1998. Edition Temmen, S. 104 [ohne weiteren Bildquellennachweis].)

      Zum Vergleich noch ein aktuelles Luftbild.



    • Hat man ‚Fidi’ vergessen ?

      Unser Mitforist findorffer hatte seinerzeit diesen Themenstrang zur Bremer Neustadt mit einem Bericht über die drei prachtvollen barocken Perückengiebel an der Ostseite der Brautstraße begonnen. Im Folgenden soll hingegen ein Haus auf der Westseite dieser Straße, an der Ecke zur Westerstraße, im Mittelpunkt stehen.

      Wer heute an diesem unscheinbaren Nachkriegsbau vorbeigeht, dem erschließt sich die historische Bedeutung dieses Ortes in keiner Weise. Auch der im Kriege zerstörte Vorgängerbau, der die Hausnummer 16 trug, machte hinsichtlich seiner Bausubstanz nicht sonderlich viel her: Er war ein ca. zwischen 1860 und 1875 errichteter viergeschossiger, äußerst schlichter Wohnbau mit einer Gewerbefläche im Erdgeschoß. 1894 befand sich in Letzterer die Gastwirtschaft ‚Zur guten Hilfe’, die in diesem Jahr von einem gewissen, 1891 nach Bremen zugewanderten, Friedrich Ebert übernommen wurde, der hier auch privat mit seiner mit ihm im selben Jahr verehelichten Frau – Louise Rump – einzog. Der gemeinsame älteste Sohn Friedrich, der als späterer SED-Oberbürgermeister von Ost-Berlin 1950 für die Sprengung des dortigen Stadtschlosses mitverantwortlich sein sollte, verlebte hier seine ersten fünf Lebensjahre. Im Jahre 1900 siedelte die Familie in die Neckarstraße im Hohentorviertel über; ihrer letzten Bremer Adresse vor dem Fortzug aus Bremen im Jahre 1905.

      Sonderlich stolz scheint Ebert auf diese berufliche Phase nicht gewesen zu sein, denn er gab sie später in seiner publizierten Vita nicht an. Die politische Konkurrenz versuchte hingegen, ihn mit diesem Aspekte seiner Biographie zu diskreditieren. So taucht die Brautstraße Nr. 16 sogar indirekt in Hitlers ‚Mein Kampf’ auf (Zitat): „Solange zum Beispiel die geschichtliche Erinnerung an Friedrich den Großen nicht erstorben ist, vermag Friedrich Ebert nur bedingtes Erstaunen hervorzurufen. Der Held von Sanssouci verhält sich zum ehemaligen Bremenser Kneipenwirt ungefähr wie die Sonne zum Mond; erst wenn die Strahlen der Sonne verlöschen, vermag der Mond zu glänzen.“

      Nach der Wahl Eberts in das höchste Amt, welches die Weimarer Republik zu vergeben hatte, gab der – sich wohl der Werbewirksamkeit bewußte – seinerzeitige Pächter der Restauration dieser den neuen Namen ‚Zum Reichspräsidenten’. Nach dem Tode Eberts und der Wahl Hindenburgs wurde der Name in ‚Zum 1. Reichspräsidenten’ abgeändert.

      Es ist ganz erstaunlich, daß in der sozialdemokratischen Hochburg Bremen keinerlei Hinweistafel auf Eberts Wirken an dieser Stelle erinnert. Denn anders als für den einige Jahre gemeinsam mit Ebert innerhalb der Bremer Sozialdemokratie tätigen Wilhelm Pieck, bräuchte man sich für ‚Fidi’ – wie er in Bremen genannt wurde – ja eigentlich nicht zu schämen. Aber vielleicht nehmen ihm die Genossen an der Weser ja übel, daß er sich in den entscheidenden Wochen von Ende Oktober bis Anfang November 1918 für den Erhalt der Hohenzollern-Monarchie – wenn auch letztlich erfolglos – einsetzte. Das wäre zumindest eine Erklärung für das ‚dröhnende Schweigen’ am Hause Brautstraße 16 (heute 15).

      Nach allem wäre zwar keine Reko des schmucklosen Altbaus der Nr.16, wohl aber eine Gedenktafel an der Nr.15 durchaus wünschenswert !
      Denn es dürfte nicht so sonderlich häufig vorgekommen, daß man von einem zukünftigen Staatsoberhaupt ein selbstgezapftes 'kühles Blondes' serviert bekommt.
      Man kann somit konstatieren: Ein Reichspräsident am Zapfhahn ist ein weiteres der vielen ungenutzten Alleinstellungsmerkmale Bremens...


      Abbildung 01
      Luftbild des Hauses Brautstraße Nr.15 / Ecke Westerstraße in der Gegenwart.




      Abbildung 02
      Luftbild der weiteren Umgebung der Nr.15 (mit rotem Pfeil markiert).




      Abbildung 03
      Stadtkarte von 1938 mit dem rot markierten Vorgängerbau der Nr.15: der Nr.16.




      Abbildung 04
      Lage der Nr.16 innerhalb der weiteren Neustadt.




      Abbildung 05
      Blick über den Neuen Markt nach Norden. Im Hintergrund sind die Turmhelme der altstädtischen Kirchen St.Martini und Unser Lieben Frauen zu erkennen. Der rote Pfeil markiert die Brautstraße Nr. 16.




      Abbildung 06
      Aufnahme von Ebert, seiner Frau und seinen Kindern aus dem Jahre 1898, also zu einer Zeit, während der die Familie in der Brautstraße Nr. 16 wohnte und arbeitete.



      Abbildung 07
      Ansichtskarte der Nr.16, welche nach dem Februar 1925, also nach Eberts Tod, erschienen sein muß, da hier im Namen der Gaststätte schon vom ‚1.’ Reichspräsidenten die Rede ist. Diese Ziffer ist offensichtlich nachträglich in den schon bestehenden Schriftzug eingefügt worden, was durch ihre gestauchte Stellung zwischen den breiteren benachbarten Buchstaben und ihren insgesamt dünneren Schrifttyp bewiesen wird.
      In der Gaststube hängt ein Bild von Ebert an der Wand.




      Abbildung 08
      Collage zweier historischer Postkarten, die einen Blick in die Westerstraße gewährt. Ebert wird beim Heraustreten aus seinem Lokal immer auf den kleinen Miniatur-Roland auf dem Brunnen des Neuen Marktes geblickt haben.




      Abbildung 09
      Der gleiche Blick in die Westerstraße in der Gegenwart.

      The post was edited 3 times, last by Pagentorn ().

    • Der Teerhof (siehe auch Pagentorns Luftbild hier im Strang, Nr. 22), auf einer Halbinsel in der Weser gelegen und zum Stadtteil Neustadt gehörend, war aufgrund von Kriegszerstörungen jahrzehntelang nichts weiter als ein Parkplatz für Behördenmitarbeiter und Kunden der Innenstadtkaufhäuser, bis man sich zur Bebauung entschloss. Ein Architektenwettbewerb wurde in die Wege geleitet, an dem sich auch der Bremer Architekt Thomas Klumpp beteiligte. Klumpp erzählte mir mal, dass er mit der Vorgabe, Ein-und Zweifamilienhäuser zu entwerfen, den ersten oder zweiten Preis gewonnen hatte. Danach änderte dann aber die Stadt die Regeln. Diese Vorgabe galt plötzlich nicht mehr und Klumpps Entwurf war Makulatur. Nun waren zu seinem Erstaunen Mehrfamilienreihenhäuser angesagt. Hätte man ihm das mal vorher gesagt. Und so kam - als zweiter Preis - der Entwurf eines dänischen Architektenbüros, hinter dem besonders Senatsbaudirektor Kulenkampff stand, zum Zuge. Hier eine Zeichnung aus den Bremer Nachrichten vom März 1986:



      Was hier im Vergleich zur heutigen Bebauung auffällt, sind drei Dinge. Das Fresehaus, oben rechts im Bild, war Bestandteil des Entwurfs ebenso wie zwei südlich gelegene Grünanlagen sowie die Errichtung eines Rundbogens etwa in der Mitte des Platzes. Die Grünanlagen gibt es heute zwar, aber sie sind erheblich geschrumpft, etwa auf ein Fünftel der ursprünglichen Planung. Wo Grün hin sollte, stehen heute Gebäude. Auf die Wiederherstellung der historischen Brautbrücke warten wir heute noch.
      Das Bremer Architektenteam Gerhard Müller-Menckens und Wilhelm Wortmann lieferte dann dazu einen Gegenentwurf, der mir besonders gut gefällt, aber leider von der Baubehörde abgelehnt wurde. Die hatte sich nun, besonders aber Senatsbaudirektor Kulenkampff, auf die Dänen eingeschossen. Schauen wir uns diesen Entwurf einmal an:



      Wir sehen rechts giebelständige Reihenhausbebauung, ein zentraler Platz lockert auf und schafft Begegnung an einer Brücke, die zur Altstadt führt, daneben sind links und rechts zwei weitere Plätze sichtbar. Ergebnis: ABGELEHNT! Und so bekamen die beiden Architekten eine Ahnung, was ihr Kollege Klumpp mit der Baubehörde einst erfahren hatte.

      Die heutige Bebauung hat sich dann aber auch wieder zu den hier abgebildeten dänischen Vorstellungen geändert. Hier einige Fotos im Gegenlicht aufgenommen, zuerst Blick nach Südosten:



      Blick auf einen Block:



      Von dem Architekten dieses Gebäudes gab es mal eine Ausstellung seiner Werke. Seinen oben abgebildeten Block gab er die Note "Mittlemäßig". Na ja, "Sehr gut" konnte er nicht sagen, das hätte Lachanfälle gegeben und die Note 6 wollte er sich selbst wohl nicht geben.

      Nun der Blick nach Südwest:

      Bei den beiden Gebäuden links kam dann Müller-Menckens doch noch zum Zug. Er hat zumindest versucht, etwas giebelig zu bauen. Schauen wir uns das auch noch mal aus der Nähe an:

    • findorffer wrote:

      und die Note 6 wollte er sich selbst wohl nicht geben
      Das wäre aber auch ein Fall von "Sich-selbst-schlechter-machen-als-man-ist" gewesen. So mies finde ich die Häuser nun wirklich nicht. "Mittelmäßig" vermutlich insofern, als die Häuser etwas zu einförmig und abwechslungsarm konzipiert sind. Wobei mich eher wundert, dass ein Architekt sein eigenes Werk als "mittelmäßig" klassifiziert. Nichts desto trotz, mit dieser Bebauung könnte ich durchaus leben.
    • Vom schönsten Fachwerkhaus Bremens blieb nur der Sockel




      Beschreibung des Werdeganges des Hauses Kirchstraße / Brückenstraße 12.
      (Quelle: Stein, Rudolf: Romanische, Gotische und Renaissance-Baukunst in Bremen. Bremen 1962. Hauschild. S.448.)



      Lage des Hauses an der Kirchstraße auf der Stadtkarte von 1882.





      Lage des Neubaus an der Osterstraße Nr.36 mit dem partiell translozierten Giebel auf der Stadtkarte von 1938.





      Luftbild aus der Gegenwart mit der rot eingekastelten Osterstraße Nr.36.





      Der 1899 freigelegte Fachwerkgiebel an der Kirchstraße. Im Hintergrund rechts ist das klassizistische Eckhaus Osterstraße / Pferdegasse (heute verlängerte Rolandstraße) zu erkennen.



      Das von Karl Dillschneider rekonstruierte Aussehen des kompletten Fachwerkiebels zur Zeit seiner Entstehung.




      Details des Giebeldreiecks mit den überreichen Zierelementen.





      Details der unteren Geschosse.




      Der Weg der Translozierung der Giebelteile.



    • Blick aus der Güntherstraße auf die Fassade des von 1906-07 von Diedrich Bollmann errichtet Geschäftshaus Soltmann (OsterstraßeNr.36), für welche Teile des historischen Fachwerkgiebels wiederverwendet wurden.


      Haus Soltmann und seine Nachbarn.



      Blick von der Ecke Pferdegasse (mit dem klassizistischen Eckbau) nach Westen in die Osterstraße. Der vorkragende Fachwerkgiebel des Hauses Soltmann ist auf der linken Straßenseite deutlich zu erkennen.(Im Mittelpunkt des Fotos und Zielpunkt der Sichtachse befindet sich übrigens das Eckhaus Brautstraße 16 mit der Gastwirtschaft von Friedrich Ebert.)



      Der gleiche Blick in der Gegenwart. Die vier weißen Dacherker des nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg neu erbauten Hauses Soltmann sind auf der linken Straßenseite oberhalb der Baumkrone gut auszumachen.



      Luftbild des wiederaufgebauten Hauses Soltmann in seinem stadträumlichen Kontext.



      Das Aussehen, welches der Architekt Werner Gimpel dem Haus beim Wiederaufbau 1955 gab. Nur das untere Sockelgeschoß von 1906 blieb erhalten. Das historische Fachwerk wurde hingegen nicht rekonstruiert.

      An dieses erinnert nur eine Bauinschrift von 1906, an der rechten Flanke des Sockelgeschosses.
      (Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege Bremen)

    • Heimdall schrieb:

      Das wäre aber auch ein Fall von "Sich-selbst-schlechter-machen-als-man-ist" gewesen. So mies finde ich die Häuser nun wirklich nicht. "Mittelmäßig" vermutlich insofern, als die Häuser etwas zu einförmig und abwechslungsarm konzipiert sind. Wobei mich eher wundert, dass ein Architekt sein eigenes Werk als "mittelmäßig" klassifiziert. Nichts desto trotz, mit dieser Bebauung könnte ich durchaus leben.


      Ach, Heimdall, ich hänge eigentlich nur dem Müller-Menckens-Entwurf nach. Drei kleine Plätze, das versprach eine hohe Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung, vielleicht mit Restaurant/Café. Jetzt empfängt den neugierigen Besucher dort nur noch eine schlauchartige Mischung aus Patz und Straße, die von Fußgängern und Fahrradfahrern genutzt wird, um aus der Neustadt in die Altstadt und zurück zu gelangen. Aufenthaltsqualität: Null. Dort gibt es nichts. Entstanden ist ein langweiliger Innenhof, der mal von dem verantwortlichen Senatsbaudirektor Kulenkampff bei einer Vorstellung als ein von Italienischer Stadtplanung vergangener Zeiten inspiriert dargestellt wurde.

      Dann ärgert mich die Strategie bestimmter Versprechungen, die scheibchenweise wieder zurückgenommen werden. Der südliche Grünstreifen, nichts von übrig geblieben. Auf dem Gesamtareal sollte erst ein Park als Scharnier zwischen Neu- und Altstadt entstehen. Und das historische Fresehaus, dessen Originalfassadenteile im Magazin der Landesdenkmalpflege lagern, wurde trotz Versprechungen auch nicht mehr seinem angestammten Platz errichtet. Dort verläuft jetzt eine Straße, um in die Tiefgarage zu kommen.

      Zum mittelmäßigen Bau des Bremer Architekten: Der hat ein Modul geplant und dann zigmal wiederholt. Wir sehen 6 ineinander gesteckte Module. Hat das noch was mit Schöpfungskraft zu tun? Ich hätte mir hier beispielsweise eine gegliederte Fassade gewünscht, vielleicht mit einen breiten Mittelrisalit, der oben mit einem Tympanon abschließt. Ganz weit hinten in meinem Gedächtnis ist noch die Erinnerung abgespeichert, dass die Baubehörde dort keine Giebel zur Weser hin wollte. Müller-Menckens kritisierte damals auch diese parallel zum Fluss verlaufende Dachfirsten als "monoton und langweilig". Weiter kritisierte er: "Das letzte Bremer Kleinod sollte man jedoch nicht so einfach aus der Hand geben. Senatsdirektor Kulenkampff steht mit seiner Meinung wieder mal ganz einsam da - wie bei so vielen Dingen."
      Müller-Menckens Bau hat diese "Giebelproblematik" dann mit zwei Giebeln in östlicher Richtung und Giebelandeutungen Richtung Weser gelöst.

      Diese drei geschilderten Aspekte stellen den Hintergrundkontext dar, aus dem heraus ich meine Bewertung vornehme.

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    • "findorffer", Du kennst den Kontext und die Projektgeschichte weit besser als ich. Ich habe nur den Einzelbau beurteilt, nicht aber die Verschlechterung der städtebaulichen Planung in deren Entwicklungsprozess. Als Einzelgebäude finde ich das Haus nicht so mies. Aber natürlich wirst Du vollkommen recht haben, dass städtebaulich weit besser hätte geplant werden können, als es jetzt der Fall ist. Vermutlich haben Rendite-Aspekte, also die effektivere Flächenausnutzung, den Ausschlag gegeben, die sicherlich wünschenswerten Freiplätze zu streichen. Das ist ja leider häufig der Fall.
    • Ohne Fitger müssen die Platanen bleiben !




      In Bremen wird schon seit mehreren Jahren für den Erhalt einer fast lückenlosen, in der Nachkriegszeit angepflanzten Reihe großer Platanen gekämpft, welche der -die Neustadt nach Norden zur kleinen und großen Weser abschließenden -Straße ‚Am Deich’ ein besonderes Gepräge verleihen. Gerade auf der Strecke zwischen der Bürgermeister-Smidt-Brücke (der ehem. Kaiserbrücke) und der Stephanibrücke ist der Erhalt der Baumreihe ganz besonders wünschenswert, denn dieser - von der Altstadtseite her betrachtet, ein ländlich romantisches Bild abgebende - Grünstreifen verdeckt eine schauerlich inhomogene Ansammlung von nüchternsten Zweckbauten der Brauerei Beck & Co. Wenn die Baumreihe tatsächlich zugunsten eines verbesserten Hochwasserschutzes geopfert werden muß, dann wird der Blick des Betrachters direkt auf diese triste Industrielandschaft fallen.

      Aber dies hätte so nicht kommen müssen !

      Zu Zeiten, als die heute zum belgischen Inbev-Konzern gehörende Firma noch als ‚Kaiserbrauerei’ bekannt und inhabergeführt war, hatte man dafür Sorge getragen, daß diese bauliche Visitenkarte der Firma dem auf der anderen Weserseite liegenden Kornhaus-Ensemble keine Schande machte, sondern im Gegenteil mit diesem gemeinsam, das Stadtbild der alten Hansestadt weiter emporhob. Für die Gestaltung der mächtigen, zur Weser hin gelegenen Giebelwand des Eiskellers der Brauerei engagierte man nämlich keinen Geringeren als Bremens seinerzeitigen ‚Maler-Fürsten’ – Arthur Fitger –, welcher Entwürfe für fünf große Mosaikbilder entwarf, die das Thema ‚Trinken’ zum Inhalt hatten. Umgesetzt wurden die Entwürfe von der Firma Villeroy & Boch in Mettlach. Diese an Tapisserien erinnernden, hochrechteckigen und etwas vertieft angebrachten Kunstwerke waren grandiose Hingucker und würden auch heute noch den allermeisten der in Bremen ja so populären Wandbilder der späten 1960er bis 70er Jahre mit Leichtigkeit den Rang ablaufen. Allein dies ist nicht mehr möglich, denn nachdem sie den Bombenkrieg glücklich überstanden hatten, fielen sie einem sie nicht mehr verstehen wollenden Zeitgeist und einem reinen Zweckmäßigkeitsdenken zum Opfer. Der expandierende Brauereibetrieb verlangte Ende der 60er Jahre nach erweiterten Kühl-Lager-Kapazitäten und man meinte, diese genau an dieser Stelle herstellen zu müssen. So wich dann der alte Eiskeller mit seiner famosen Fassadenkunst einem nüchternen vierzig Meter hohen Lagergebäude, dem sog. 'Weser-Turm'. Letztere wurde allerdings nur knapp vierzig Jahre alt, denn im Jahre 2008 mußte er seinerseits einem wesentlich niedrigeren Logistikzentrum weichen, welches noch nicht einmal die Baumkronen der Platanen überragt. Wirklich bitter und traurig, wie hier – wieder einmal – in letztlich kurzsichtiger Weise unverwechselbare Identität vernichtet wurde.

      Insofern sollte man die Zustimmung zur Fällung der Platanen an die Rekonstruktion der Giebelwand mit den Fitger-Mosaiken knüpfen !! (Ja ich weiß, ein Wunsch-Traum…)

      Abbildung 01
      Der Ist-Zustand.
      Die Platanen-Reihe von Höhe des Kornhauses auf der Altstadtseite aus betrachtet. Es wäre fast als ‚ländliche Idylle’ mitten in der Stadt zu bezeichnen, wenn man nicht wissen würde, welche Häßlichkeit sich dahinter verbirgt.



      Abbildung 02
      Der gleiche Blick in den frühen 1930er Jahren. In der Bildmitte ist die Giebelwand des Eiskellers mit den Fitger-Mosaiken zu sehen. Man scheint auf eine eigene kleine Brauerei-Stadt mit Giebel, Türmen und Zinnen zu blicken. Welche spezielle, aber dennoch hochurbane Atmosphäre !
      (Quelle: Beck & Co. Bremen [Hrsg.]: Beck & Co. Bremen – 1873 – 1933 – Export-Brauerei)



      Abbildung 03
      Lage des Eiskeller-Gebäudes innerhalb der Neustadt auf der Stadtkarte von 1938.



      Abbildung 04
      Gedrehter Ausschnitt aus der Stadtkarte, der die Lage des Eiskeller innerhalb des Brauerei-Areals und direkt an der Weser illustriert.



      Abbildung 05
      Eine gezeichnete Ansicht des – wohl gerade vollendeten – Eiskellers aus den frühen Jahren der Brauerei Beck & Co. (lange vor dem Zusammenschluß mit der benachbarten Haake Brauerei).




      Abbildung 06
      Diese frühe Fotografie des Eiskellers macht seine dominierende – visitenkartenartige Rolle deutlich. Gut erkennbar ist auch der dezente Giebelschmuck oberhalb der fünf Mosaiken.
      (Quelle: Schwarzwälder, Herbert: Bremen im Wandel der Zeiten. Die Neustadt und ihre Vororte. Bremen, 1973: Carl Schünemann Verlag, S.72.)



      Abbildung 07
      Historische Ansichtskarte, auf der der Blick der Straße ‚Am Deich’ weserabwärts folgen kann. Ganz links im Bild: Die Eiskeller-Fassade.



      Abbildung 08
      Der Eiskeller in den frühen 1930er Jahren.
      (Quelle: Beck & Co. Bremen [Hrsg.]: Beck & Co. Bremen – 1873 – 1933 – Export-Brauerei)



      Abbildung 09
      Farbfoto der Fassade vor dem Abriß in den 1960er Jahren aufgenommen. Unterhalb der fünf – auf Konsolen in Konchen positionierte Figuren darstellenden – Mosaiken ist der Schriftzug „KAI SER 1883 BRAU EREI“ zu lesen. Darunter sind noch zwei Adler des Deutschen Kaiserreichs und – allerdings wesentlich kleiner - Bremer Schlüssel-Wappen zu erkennen. Schriftzug und Wappen sind ebenfalls in Mosaik ausgeführt.
      (Quelle:Vatsella, Katerina: Bremer Handelsgüter. Bier. Bremen, 1998:Verlag H.M. Hauschild,S.64.)