Bremen - Neustadt

  • In einem neuen Themenstrang möchte ich den bisher unterbelichteten Stadtteil Neustadt in den Fokus rücken.


    Bis 1978 gab es in der Mainstraße/Ecke Moselstraße eine Mädchenschule, die in einem 1903 errichteten Haus untergebracht war. Das schlanke hohe Gebäude war mit einer auffälligen Jugendstilornamentik verziert. Ab 1977 ging´s dann richtig zur Sache: Zuerst wurde das 1896 erbaute Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite abgerissen, dann die nach vorher vergeblichen Anläufen zwischenzeitlich als Jugendzentrum genutzte Mädchenschule.



    Dafür entstanden die bis in den letzten Winkel genutzen Neubauten, die das ganze Quartier zerstören und wie Fremdkörper wirken.


  • Brautstraße 18 - 21 in der vorderen Neustadt

    Wir sehen unten den Zustand der Brautstraße vor dem Krieg




    und dann, was daraus gemacht wurde:

  • Oh alte Burschenherrlichkeit wohin bist du entschwunden ?


    Anbei einige Bilder, die das traurige Schicksal des von 1903 bis 1906 unter der Leitung des Architekten Hugo Weber an der ‚Kleinen Allee’ in der Neustadt errichteten neuen ‚Technikums’ (des heutigen Kernbaus der ‚Hochschule Bremen’ – bitte nicht mit der Universität Bremen zu verwechseln !) illustrieren sollen:


    Abbildung 01
    Das rot markierte Technikum auf der Stadtkarte von 1938.



    Abbildung 02
    Ansicht des Technikums von Südwest vor 1914. Ein schöner Turmzweiklang mit St. Ansgarii !



    Abbildung 03
    Das Technikum während des Zweiten Weltkriegs. Turm und Mittelgiebel stehen noch - trotz Bombenschadens im Dachbereich. (Roter Pfeil NICHT von mir.)



    Abbildung 04
    Luftbild des Technikums aus Richtung Südwest in der Gegenwart.



    Abbildung 05
    Technikum von Nordwest vor 1914



    Abbildung 06
    Technikum von West in der Gegenwart. Eine buchstäbliche Verflachung !



    Darauf einen Trauersalamander:

    Ad exercitium salamandri in honorem et pro laude !

  • St. Pauli


    Das 1679 bis 1682 an der Osterstraße in der Neustadt errichtete Gotteshaus war die erste Kirche, welche nach der Reformation in Bremen neu erbaut wurde. Sie spiegelte die Bedürfnisse des reformiert-calvinistischen Gottesdienstes wieder: Kein wesentlicher Schmuck und alleinige Ausrichtung auf das Wort Gottes und damit auf die Kanzel. Dieser reformierte Predigtsaal war nicht nur die Mutterkirche vieler Gemeinden im Bremer Süden, sondern auch der Prototyp vieler gleichartiger rechteckiger Kirchen im Bremer Lande, wie der alten Michaeliskirche beim Doventor, der alten Rembertikirche, sowie der Kirchen von Rablinghausen und Grambke. Entfernt läßt sich auch eine Ähnlichkeit des Kirchenschiffs zu denjenigen der (natürlich jüngeren) Garnisonkirchen in Berlin und Potsdam erahnen. Mit dem Verzicht auf den möglichen Wiederaufbau hat die Bremische Evangelische Kirche - neben St. Ansgarii - eine weitere ihrer baulichen Wurzeln verloren. Unser Forums freund Prianteltix hatte im Übrigen ja schon in dem von ihm begründeten Themenstrang zu den verschwundenen Kirchen Bremens kurz auf dieses Gotteshaus hingewiesen.


    Abbildung 01
    St. Pauli auf der Stadtkarte von 1938 (rot markiert).



    Abbildung 02
    Blick nach Osten in die Osterstraße mit dem Giebelhaus des ‚Marthasheims’ (links) und der Kirche St. Pauli (rechts).



    Abbildung 03
    Ansicht der Kirche von Westen (vor dem Bau der neuen Brücke über die kleine Weser).



    Abbildung 04
    Südseite der Kirche mit den beiden Eingangsportalen (gezeichnet von Rudolf Stein).



    Abbildung 05
    Grundriß der Kirche.



    Abbildung 06
    Innenansicht der Kirche nach Südost. Rechts im Bild der Kanzelaltar.



    Abbildung 07
    Eines der beiden Portale der Kirche.



    Abbildung 08
    Der Dachreiter der Kirche. Blick nach Westen.



    Abbildung 09
    Blick vom Dachreiter auf die Altstadt und die neue Brücke über die kleine Weser.



    Abbildung 10
    Die alte – östlich der Kirche anlandende – Brücke über die kleine Weser um 1905.



    Abbildung 11
    Die neue – westlich der Kirche anlandende – Brücke über die kleine Weser nach 1905.



    Abbildung 12
    Die Neuplanung der Weserquerung nach dem Krieg. Sie machte den Abriß der Kirchenruine erforderlich.



    Abbildung 13
    Vergleich der Luftbilder aus der unmittelbaren Nachkriegszeit und der Gegenwart. Als Ausgangspunkt des Vergleichs fungiert das einzig erhalten gebliebene Vorkriegshaus in diesem Bereich, welches mit einem roten Punkt gekennzeichnet ist (links unten auf den Fotos).



    Abbildung 14
    Vergleich des Blicks aus der Osterstraße in Richtung des Kirchengrundstücks.



    Abbildung 15
    Entwicklung der Bebauung des Kirchengrundstücks im 20. Jahrhundert. Auf dem östlichen Drittel erhebt sich heute, das sich noch weiter nach Osten erstreckende ‚St.Pauli-Stift’, welches auch die Bremische Schwesternschaft vom Roten Kreuz beherbergt.


  • Zu der St. Pauli - Kirche in Bremen -Neustadt kann ich sogar gerne noch etwas ergänzen:


    Die Orgel ging in ihrer ursprünglichen Substanz auf den berühmten Orgelbauer Arp Schnitger zurück. Dieser hatte neben dieser Orgel ja auch die Instrumente im Dom und St. Stephani erbaut.
    Die Orgel in St. Pauli wurde leider im zweiten Weltkrieg zerstört, bis auf das große Schnitzwerk, welches sich bis dahin unterhalb des Orgelprospektes befand. Dieses hängt heute in der neuen St. Pauli - Kirche!


    Zu dieser Orgel gibt es die folgenden Bild. Diese stammen aus einem Buch, welches im Hausschlid Verlag erschienen ist. Die Autoren des Buches sind Cornelius H. Edskes und Harald Vogel. Das erste Bild ist aus dem Archiv Fock, das zweite Bild ist von Reinhardt Menger.

  • Das Arbeitshaus


    Auf dem Areal des 1739 infolge Blitzschlages explodierten und als Pulvermagazin genutzten ‚Braut-Kastells’ entstand in den Jahren 1830 bis 1831 nach den Plänen von Friedrich Moritz Stamm das sog. ‚Arbeitshaus’ welches die Aufgabe hatte, verdienstlose alte Menschen in Brot zu bringen aber auch Arbeitsscheue zwangszubeschäftigen. 1922 wurde es geschlossen und zum städtischen Bauhof umgebaut, also dem Sitz der Bauverwaltung. 1944 brannte es infolge Bombentreffers aus. Nach 1948 wurde es niedergelegt.
    Die Sandsteinmedaillons von der Nord-Fassade wurden beim Abbruch geborgen und befinden sich gegenwärtig im neuen Dienstgebäude des Bausenators. Die Figur der ‚Brema’ (der Personifikation der Stadt) vom Giebelfirst wurde nach Bremen-Grohn, in den Park des dritten Seefahrtshofs versetzt.
    Die ‚Herrlichkeit’ hat mit diesem edlen klassizistischen Gebäude ihr individuelles Gesicht verloren. Und die Altstadt entbehrt dieses würdigen Pendants auf der anderen Weserseite !


    Abbildung 01
    Das Arbeitshaus auf der Stadtkarte von 1938 (rot markiert)



    Abbildung 02
    Luftbild aus der Vorkriegszeit. Das Arbeitshaus ist rot eingekreist.



    Abbildung 03
    Luftbild welches die Ostseite des Arbeitshauses noch deutlicher erkennen läßt.



    Abbildung 04
    Grundriß des Ergeschosses des Arbeitshauses.



    Abbildung 05
    Ansicht der Nordfassade des Arbeitshauses, welches auch seine Schauseite war, auf der Entwurfs-Zeichnung von Friedrich Moritz Stamm.



    Abbildung 06
    Die von 1839 bis 1841 erbaute Große Weserbrücke war in ihrem Verlauf direkt auf die Mittelachse des Arbeitshauses ausgerichtet.



    Abbildung 07
    Das Arbeitshaus mit seinen Nachbarhäusern an der Straße ‚Herrlichkeit’.



    Abbildung 08
    Der giebelbekrönte, ganz minimal vorkragende Mittelrisalit des Arbeitshauses. Auf dem Giebelfirst thronte die von einem Löwen begleitete ‚Brema’. Zwischen den Rundbögen von Portal und Erdgeschoßfenstern waren Medaillons mit Porträtköpfen griechischer Gottheiten eingelassen.



    Abbildung 09
    Artemis und Zeus.



    Abbildung 10
    Aphrodite und Poseidon.



    Abbildung 11
    Die beim Abbruch der Fassade ausgebauten Medaillons in der heutigen Baubehörde. (Fotos von Quarz.)



    Abbildung 12
    Die Große Weserbrücke von 1895 und das Arbeitshaus. Die Brücke war stromaufwärts verlegt worden, sodaß die neue Straßenverbindung nun östlich am Arbeitshaus vorbei in die Neustadt führte.



    Abbildung 13
    Farbfoto mit dem Blick von der Altstadt über die Weser auf die Herrlichkeit und das Arbeitshaus (oberhalb des Schlepper-Schornsteins).



    Abbildung 14
    Die Rückseite des Arbeitshauses (langes rotes Dach) an der kleinen Weser. Blick auf die Brautbrücke vor dem Bau der Kleinen Weserbrücke.



    Abbildung 15
    Blick vom Dachreiter der St. Pauli Kirche nach dem Bau der Kleinen Weserbrücke über die Rückseite des Arbeitshauses auf die Türme der Altstadt.



    Abbildung 16
    Blick durch das südliche Brückenportal der Kleinen Weserbrücke auf die Rückseite des Arbeitshauses (Sorger-Farb-Dia, September 1939).



    Abbildung 17
    Blick von der Altstadt auf die ‚Herrlichkeit’: Links: Arbeitshaus vor 1914. Mitte: Arbeitshaus 1948. Rechts: Die neue Bebauung des Areals nach 1960.



    Abbildung 18
    Blick über die Große Weserbrücke auf das leere Areal des abgeräumten Arbeitshauses.



    Abbildung 19
    Die Giebelfigur der ‚Brema’. Links im beschädigten Zustand in der Nachkriegszeit (wohl noch auf dem Areal des Arbeitshauses stehend). Die Renovierte Brema (allerdings ohne den nicht rekonstruierten Löwen) in Bremen Grohn, im dortigen (dritten) Seefahrtshof.



    Abbildung 20
    Wo einst das Arbeitshaus stand…







  • Hagensburg



    Die Hagensburg, fast an der Spitze der Teerhofhalbinsel zwischen kleiner und großer Weser gelegen, wurde 1897/98 vom Architekten Johann Rippe (dem Erbauer der Friedenskirche in der Humboldtstraße) als Kontorhaus für die Firma A. Hagens errichtet. Beim 137. Luftangriff auf Bremen, am 6. Oktober 1944, schwer getroffen, wurde das Gebäude nach dem Kriege – nun für die Firma Kaffee Schilling – offenbar komplett neu errichtet, wobei die eigentümlichen, erkerartig fundierten Flankentürme des Tores wegfielen und auch die Geschoßzahl reduziert wurde. Gegenwärtig beherbergt das Gebäude, wie auch die östlich anschließenden, zuletzt ebenfalls von der Firma Schilling genutzten, ehemaligen Packhäuser, das ‚Museum Weserburg’ für zeitgenössische moderne Kunst. Die Unzufriedenheit mit dem aktuellen Bauzustand hat zu Überlegungen einer Modifizierung des Erscheinungsbildes geführt, an denen sich auch Baumeister Axel Spellenberg beteiligt hat.


    Abbildung 01
    Die Hagensburg auf der Stadtkarte von 1938 (rot markiert).



    Abbildung 02
    Luftbild der Hagensburg und der anschließenden Packhäuser (Blick nach Osten).



    Abbildungen 03 und 04
    Beitrag in ‚Bremen und seine Bauten 1900’ zur Hagensburg.




    Abbildung 05
    Blick auf die Westfront der Hagensburg, die ihren torartigen Charakter, als westliche Einfahrt zum Teerhof, deutlich macht.




    Abbildung 06
    Blick von der Neustadt über die (zweite) Kaiserbrücke und die Hagensburg auf den Turm von St. Ansgarii.



    Abbildung 07
    Blick aus einer sehr ähnlichen Perspektive in der Nachkriegszeit. Nicht nur die Flankentürme der Hagensburg sind verschwunden.



    Abbildung 08
    Blick auf das nun ‚Weserburg’ genannte, unscheinbare Nachkriegs-Gebäude. Im Hintergrund der St. Petri Dom.


    Abbildung 09
    Die Hagensburg im Wandel der Zeiten(von links nach rechts):
    Vorkrieg; nach dem 137. Luftangriff auf Bremen vom 6. Oktober 1944 (Quelle: Online Kriegsschadens-Dokumentation des Staatsarchivs Bremen); gegenwärtiger Zustand; Entwurf Axel Spellenbergs für eine Wiederannäherung an das historische Erscheinungsbild.



    Abbildung 10
    Der Spellenberg-Entwurf für die revitalisierte Hagensburg.





  • Da einige jetzt sicher und zurecht neugierig geworden sind, anbei das komplette, sehr überzeugende Exposee von Architekt Axel Spellenberg:



    MUSEUM WESERBURG
    Die Hagensburg. Eine Neugestaltung.



    Weserburg


    Wiederherstellung des nordwestlichen, burgartigen Torbaus in architektonisch neuer, reizvoller Interpretation, der „Hagensburg“, die 1897-98 durch den Bremer Architekten Johannes Rippe für die Tabak- und Zigarrenfirma Hagens & Co. erbaut wurde.




    Bild oben: die Wiederherstellung des Burgcharakters ist mit relativ wenigen Mitteln möglich. Der heutige Torbau wird um 1 Geschoß aufgestockt, die runden Tortürme werden vorgemauert, mit einem steilen Dach gedeckt und 2 neue, separate Dachgeschoße mit Steildächern errichtet. Eine Rekonstruktion der ursprünglichen, in flämischer Gotik erbauten Hagensburg ist nicht vorgesehen. Lediglich Teile der ehemaligen Torausschmückung werden zitiert.



    Die beiden weseraufwärts stehenden, stark modernisierten Speicher werden in den ursprünglichen Fassaden wiederhergestellt, die Fensterverglasungen auf die Museumsnutzung abgestimmt
    (Bild oben).




    Grundriss Erdgeschoß, Plan oben: der heutige Grundriss wird in Teilen verändert und neu gestaltet. Eine entscheidende Veränderung ist der neue Haupteingang, der nahe zum nordwestlichen Torzugang liegt und – zudem durch die Belichtung des Innenhofs - attraktiver wird. Das Café bleibt am bisherigen Ort und wird als Burg-Café neu gestaltet. Neu ist auch das Restaurant Weserburg im südöstlichen Speicherbau mit reizvoller Weser-Aussenterrasse. In der Kinder-Burg zwischen den gastronomischen Einrichtungen können Eltern ihre Kinder in betreuende Hände geben und in Ruhe Kunst genießen. Die Kinder können malen, zeichnen, spielen, lesen und Vorführungen lauschen. Die heute abseitig dunkle und unwirtliche Passage wird an Wänden und Decke neu und heller gestaltet, geschoßhohe Glaswände geben reizvolle Einblicke in die Museumsräume und Licht in die ca. 50 Meter lange Passage.


    Eingangsfoyer


    Im umgebauten, nordwestlichen Torflügel sind der neue, mit Aufzug barrierefreie Haupteingang und das Eingangsfoyer attraktiv gelegen (Grundriss oben, Bild unten). Empfang und Information sind rechterhand, die Treppe im neuen Torturm und der Aufzug führen zum Museums-Shop im 1. Obergeschoß. Toiletten und Garderoben sind bequem erreichbar. Die Ausstellung beginnt bereits dort, wo sich heute das Treppenfoyer mit Museum-Shop befindet.



    Es gibt gänzlich neue, reizvolle Durchblicke und Raumsituationen (Bild oben und unten).


    Der perspektivische Blick vom Garderobenfoyer zum Eingangsfoyer und – durch die offene Galerie – zu den Ausstellungsräumen des 1. Obergeschoßes (Bild oben). Die Galeriebrücke, links oben, führt zum Museums-Shop.



    Grundriss 1. Obergeschoß, Plan oben: hier sind einige Änderungen zu sehen. Die Ausstellungsräume sind mit offenen Galerien attraktiv gestaltet, die Ausstellungswände zum Teil verändert. Vom Treppenfoyer gelangt man nach dem
    Rundgang durch das Haus über die Galeriebrücke in den neuen Museums-Shop (Bild unten, Blick aus dem Museums-Shop).




    Der neue Museums-Shop mit den Treppentürmen. Vom Museums-Shop gelangt man über die im Plan untere Turmtreppe 1 Stockwerk tiefer direkt in das Burg-Café. Die 2. Turmtreppe führt nach unten in das Eingangsfoyer, nach oben in die Verwaltungs- und Büroräume (Plan unten).




    Im aufgestockten 2. Obergeschoß sind die Leitungs- und Verwaltungsräume mit Konferenzraum und Aufenthaltszone/WC/Teeküche geplant. Die Turmtreppen führen in die Dachgeschoße, die separiert sind (Plan unten).



    Im, im Plan unteren, Dachgeschoß sind zusätzliche Büro- und Lagerräume geplant. Im gegenüberliegenden, separaten Dachgeschoß ist ein hoher, heller Saal für Kunstvorträge, Multi-Mediazwecke, Fortbildung usw. eingerichtet (Bild unten).




    Zusammenfassung.

    Das spektakuläre Tor-Bauwerk von Architekt Johannes Rippe auf dem Teerhof wurde nach der Kriegszerstörung schwer beschädigt, stand aber in wesentlichen Teilen noch. Wie in vielen Fällen, wurde auch dieses eindrucksvolle Bauwerk nach dem Krieg vollends abgeräumt, der Wiederaufbau erfolgte in erheblich reduzierter, bauhistorisch nicht mehr authentischer Form. Die beiden neogotischen Türme sorgten an der damaligen Kaiserbrücke (heute Bürgermeister-Smidt-Brücke) für Aufsehen. Durch das Tor und die Türme wirkten der Bau und die sich anschließenden Kontor- und Speicherbauten tatsächlich wie eine Burg. Aufsehen könnte der wiederhergestellte Torbau mit den markanten Türmen auch nach einer architektonisch neuen Interpretation wieder erregen. Die Burg wird ganz sicherlich eine neue Sehenswürdigkeit am Teerhof werden – sie wird Besucher, Bremer, ihre Gäste und viele Touristen als ein gänzlich neuer Hingucker in den Bann ziehen - und auch das neue Museum Weserburg wird in einem hohen Maße von der Burg profitieren. Burgen sind immer ein Besuchermagnet.

    Idee und Entwurfskonzept: axel spellenberg dipl. ing. architect Bauernreihe 4 27726 Worpswede


    tel.: 04792-9564343 e-mail: axel.spellenberg@ewe.net

  • Anbei noch den Forums-Freunden das folgende - auszugsweise - Schreiben von Axel Spellenberg:


    Lieber Pagentorn,


    [...]


    Traurig ist, dass sich das Museum Weserburg und Bauämter, bislang nicht zu diesem Vorschlag geäußert haben, aber das bin ich von den Verantwortlichen inzwischen mehr als gewohnt. Je mehr digitales Zeitalter, desto weniger Interesse, Resonanz, Antwort, desto mehr Ignoranz. Nicht einmal eine Dankantwort als Form der Höflichkeit für die aufgebrachte Leistung findet man i. d. R. heute noch. Es ist nur noch zum Heulen. Womit ich nicht mich meine, sondern die interesselosen Adressaten sollen über sich selber heulen.


    [...]


    Herzlichen Gruß, Ihr


    Axel Spellenberg

  • Auch wenn ich mich hier wiederhole: Es ist mitunter grotesk, was diese Stränge hier so alles ans Tageslicht bringen.


    Jüngster Spross dieses nie enden wollenden Absurditätenkabinetts ist die Weserburg bzw. die ehemalige Hagensburg, die du, mein lieber Pagentorn, hier so wunderbar thematisierst.


    Ich frage mich schon seit meiner Kindheit, warum die Weserburg eigentlich den Namen Weserburg trägt, da sie doch so wenig von einer Burg zeigt, wie man sich als Kind eben eine Burg vorstellt: Burggraben, Zugbrücke, runder, mächtiger Wehrturm, kleine, filigrane und runde Türme, aus denen gleich das holde Burgfräulein winkt.
    Die Weserburg hat aber so gar nichts, was einem romantischen, kindlichen Vorstellungsvermögen gleichzusetzen wäre.
    Erst mit dem heutigen Tage, als ich die alten Fotos von der Hagenburg sah, verstehe ich, wieso die Bremer noch immer verklärt von einer "Burg" sprechen: Es war tatsächlich mal eine Burg, eine Wasserburg (von der großen und der kleinen Weser umspült), mit filigranen Türmen und einem Tor, das einer Zugbrücke gleichzusetzen war.


    Wenn man das heutige Ergebnis des Wiederaufbaus und die alten Fotos von damals vergleicht, fragt man sich, weshalb die Stadt bzw. die zuständige Behörde diese offensichtliche Amputation am Stadtbild zugestanden bzw. gebilligt hat. Angesichts des "Ist-Zustandes" wäre es vielleicht besser gewesen, den entstellten Rumpf gleich ganz zu entfernen, ansonsten verbleibt nur eine skurile Karikartur vor Ort, die das Stadtbild entstellt - und in späteren Jahrzehnten unangenehme Fragen aufwirft; wie heute.
    Dass diese Selbstamputation in Bremen groß in Mode war, bewies uns Pagentorn ja schon am Polizeihaus am Wall, sowie am Ostturm des Gerichtsgebäudes. Diese Selbstverstümmelung hier an der Weserburg löst bei mir das größte Kopfschütteln aus.


    Kopfschütteln auch in einem anderen Fall, und da ich mir sicher bin, dass Axel Spellenberg hier regelmäßig als Besucher mitliest, sage ich ihm: Es ist anscheinend ein Bild der Zeit, in der Integrität und Anstand längst vergessene Tugende sind. Ich habe das jüngst bei Bewerbungen, selbst bei Initiativbewerbungen (heute meist alles bitte online), zu spüren bekommen. Die Firmen, die eine Rückmeldung schicken, die Bewerbung sei angekommen, sind rar gezählt. Ich untertreibe nicht, wenn man sich die Anzahl solcher Firmen an einem Finger abzählen kann. Die, die es dennoch tut, ist als kostbar anzusehen. Die, die es nicht tun, sind es nicht wert weiter Beachtung zu bekommen. Also grämen Sie sich nicht, Herr Spellenberg. Ihre Zeit wird noch kommen. In Bremen halten sich Staaträte nicht einmal länger als achtzehn Monate. Da können Sie sich ja ausrechnen, wie lange sich die Leitung der "Weserburg" in Bremen halten wird...

  • Historischer Hintergrund der 'Alten Neustadt'


    Für die auswärtigen Foristen ist der folgende Filmbeitrag vielleicht ganz informativ, da er den historischen Hintergrund des Areals erläutert, in dem die hier im Strang thematisierten Gebäude errichtet wurden:


  • Nachtrag zur Hagensburg:


    (Auf dieser Vorkriegs-Ansicht wird die Hagensburg schon von der Firma 'Kaffee Schilling' genutzt, die später auch für den unscheinbaren Wiederaufbau in der Nachkriegszeit verantwortlich war.)


  • Ja, und es hat nur am Willen gelegen! Man wollte eben einfach nicht und man will nach wie vor nicht - um sich ja keinen Fehler einzugestehen! Dabei haben die großen Fehler die gemacht, die längst unter der Erde sind oder bereits auf dem Wege dorthin!


    Warum nur am Willen? Wenn man sich das wesentlich finanzschwächere Polen nach 45 ansieht, so haben sie dort so vieles wieder errichtet... Nicht überall aber doch in wichtigen Städten!


    Wie gesagt - hier WOLLTE man nicht. Bremen wollte modern sein! Ist aber auch dabei auf halben Wege verreckt!

  • Früher habe ich mal im Viertel gewohnt und hatte den Eindruck, dass sich die Sprayer vorwiegend Altbremer Häuser vornehmen, um ihre für die übrige Welt unwichtigen Botschaften in die Öffentlichkeit zu bringen. Irgendwelche, nicht identifizierbare Namenszüge galten plötzlich als Graffity-Kunst. Mich hatte die Verunstaltung der schönen, mehr als hundert Jahre alten Gebäude, die mit viel Aufwand hergerichtet worden waren, immer wütend gemacht. Kunst?


    Als ich mich kürzlich im aufstrebenden Buntentorviertel befand, erinnerte ich mich an meine Wohnzeit im Ostertor und die Schmierereien an den Gebäuden. Auf den Bildern ein Beispiel vom Buntentorsteinweg/Ecke Yorckstraße. Das abgebildete Haus hat gerade einen Anstrich hinter sich, auf der Rückseite steht noch das Gerüst, dort sind die Malerarbeiten noch nicht abgeschlossen.



  • Ein Resultat von Langeweile und fehlgeleiteten Energien gepaart mit Geltungsdrang. Dazu Entfremdung von den Bedürfnissen der Allgemeinheit und der Eigentümer zugunsten des eigenen Egoismus. Zugleich zu wenig soziale Kontrolle und Strafe seitens der Gesellschaft.

  • Fundstück zur Hagensburg


    Anbei eine Auswahl an Abbildungen aus einer historischen Firmenschrift von 'Kaffee Schilling' aus den 1920er Jahren, welche die Hagensburg nach ihrem Umbau zur 'Weserburg' zeigt. Die interessanten Ausblicke auf die Stadt und die Einblicke in das Innenleben des Gebäudes wollte ich den Mitforisten nicht vorenthalten.













  • Lieber Heimdall,


    in der Tat haben die fundierten - nicht nur das Kopfgebäude betreffenden - Planungen von Axel Spellenberg bisher keine öffentliche Resonanz gefunden. Leider !

  • Letzte Woche hatte ich mich mal wieder auf den Weg in die Neustadt gemacht und bin dann fotografisch an der Ecke "Am Deich"/"Häschenstraße" hängengeblieben. Hier stehen nur Neubauten, manche halb gelungen, manche gehören wohl in die Rubrik Zweite Moderne.
    Zuerst ein gelungener Neubau, der nicht soviel Ärger hervorruft wie viele anderen Gebäude der jüngsten Zeit. Man fühlt sich an die alten Packhäuser auf dem gegenüberliegenden Teerhof erinnert. Und man sieht, welch starke ästhetische Wirkung Rotklinker mit roten Satteldächern entfachen können. Zwar keine Hochhäuser, aber immerhin 6 Etagen bis zur Spitze. Da kommen die etwa gleichhohen Flachdachcontainer in der Überseestadt nicht mit. Und ein Kellergeschoss - vielleicht auch Tiefgarage - erhöht die erste Etage zur Hochpaterre, auch das ist schön anzusehen.



    Über die beiden Nachfolgebauten in der sich anschließenden Häschenstraße lässt sich streiten.....




    über die beiden dann folgenden (ebenfalls Häschenstr.) wohl eher nicht!