Bremen - Neustadt

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Bremen - Neustadt

      In einem neuen Themenstrang möchte ich den bisher unterbelichteten Stadtteil Neustadt in den Fokus rücken.

      Bis 1978 gab es in der Mainstraße/Ecke Moselstraße eine Mädchenschule, die in einem 1903 errichteten Haus untergebracht war. Das schlanke hohe Gebäude war mit einer auffälligen Jugendstilornamentik verziert. Ab 1977 ging´s dann richtig zur Sache: Zuerst wurde das 1896 erbaute Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite abgerissen, dann die nach vorher vergeblichen Anläufen zwischenzeitlich als Jugendzentrum genutzte Mädchenschule.



      Dafür entstanden die bis in den letzten Winkel genutzen Neubauten, die das ganze Quartier zerstören und wie Fremdkörper wirken.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von findorffer ()

    • Neu

      Oh alte Burschenherrlichkeit wohin bist du entschwunden ?

      Anbei einige Bilder, die das traurige Schicksal des von 1903 bis 1906 unter der Leitung des Architekten Hugo Weber an der ‚Kleinen Allee’ in der Neustadt errichteten neuen ‚Technikums’ (des heutigen Kernbaus der ‚Hochschule Bremen’ – bitte nicht mit der Universität Bremen zu verwechseln !) illustrieren sollen:

      Abbildung 01
      Das rot markierte Technikum auf der Stadtkarte von 1938.



      Abbildung 02
      Ansicht des Technikums von Südwest vor 1914. Ein schöner Turmzweiklang mit St. Ansgarii !



      Abbildung 03
      Das Technikum während des Zweiten Weltkriegs. Turm und Mittelgiebel stehen noch - trotz Bombenschadens im Dachbereich. (Roter Pfeil NICHT von mir.)



      Abbildung 04
      Luftbild des Technikums aus Richtung Südwest in der Gegenwart.



      Abbildung 05
      Technikum von Nordwest vor 1914



      Abbildung 06
      Technikum von West in der Gegenwart. Eine buchstäbliche Verflachung !



      Darauf einen Trauersalamander:
      Ad exercitium salamandri in honorem et pro laude !
    • Neu

      St. Pauli

      Das 1679 bis 1682 an der Osterstraße in der Neustadt errichtete Gotteshaus war die erste Kirche, welche nach der Reformation in Bremen neu erbaut wurde. Sie spiegelte die Bedürfnisse des reformiert-calvinistischen Gottesdienstes wieder: Kein wesentlicher Schmuck und alleinige Ausrichtung auf das Wort Gottes und damit auf die Kanzel. Dieser reformierte Predigtsaal war nicht nur die Mutterkirche vieler Gemeinden im Bremer Süden, sondern auch der Prototyp vieler gleichartiger rechteckiger Kirchen im Bremer Lande, wie der alten Michaeliskirche beim Doventor, der alten Rembertikirche, sowie der Kirchen von Rablinghausen und Grambke. Entfernt läßt sich auch eine Ähnlichkeit des Kirchenschiffs zu denjenigen der (natürlich jüngeren) Garnisonkirchen in Berlin und Potsdam erahnen. Mit dem Verzicht auf den möglichen Wiederaufbau hat die Bremische Evangelische Kirche - neben St. Ansgarii - eine weitere ihrer baulichen Wurzeln verloren. Unser Forums freund Prianteltix hatte im Übrigen ja schon in dem von ihm begründeten Themenstrang zu den verschwundenen Kirchen Bremens kurz auf dieses Gotteshaus hingewiesen.

      Abbildung 01
      St. Pauli auf der Stadtkarte von 1938 (rot markiert).



      Abbildung 02
      Blick nach Osten in die Osterstraße mit dem Giebelhaus des ‚Marthasheims’ (links) und der Kirche St. Pauli (rechts).



      Abbildung 03
      Ansicht der Kirche von Westen (vor dem Bau der neuen Brücke über die kleine Weser).



      Abbildung 04
      Südseite der Kirche mit den beiden Eingangsportalen (gezeichnet von Rudolf Stein).



      Abbildung 05
      Grundriß der Kirche.



      Abbildung 06
      Innenansicht der Kirche nach Südost. Rechts im Bild der Kanzelaltar.



      Abbildung 07
      Eines der beiden Portale der Kirche.



      Abbildung 08
      Der Dachreiter der Kirche. Blick nach Westen.



      Abbildung 09
      Blick vom Dachreiter auf die Altstadt und die neue Brücke über die kleine Weser.



      Abbildung 10
      Die alte – östlich der Kirche anlandende – Brücke über die kleine Weser um 1905.



      Abbildung 11
      Die neue – westlich der Kirche anlandende – Brücke über die kleine Weser nach 1905.



      Abbildung 12
      Die Neuplanung der Weserquerung nach dem Krieg. Sie machte den Abriß der Kirchenruine erforderlich.



      Abbildung 13
      Vergleich der Luftbilder aus der unmittelbaren Nachkriegszeit und der Gegenwart. Als Ausgangspunkt des Vergleichs fungiert das einzig erhalten gebliebene Vorkriegshaus in diesem Bereich, welches mit einem roten Punkt gekennzeichnet ist (links unten auf den Fotos).



      Abbildung 14
      Vergleich des Blicks aus der Osterstraße in Richtung des Kirchengrundstücks.



      Abbildung 15
      Entwicklung der Bebauung des Kirchengrundstücks im 20. Jahrhundert. Auf dem östlichen Drittel erhebt sich heute, das sich noch weiter nach Osten erstreckende ‚St.Pauli-Stift’, welches auch die Bremische Schwesternschaft vom Roten Kreuz beherbergt.

    • Neu

      Zu der St. Pauli - Kirche in Bremen -Neustadt kann ich sogar gerne noch etwas ergänzen:

      Die Orgel ging in ihrer ursprünglichen Substanz auf den berühmten Orgelbauer Arp Schnitger zurück. Dieser hatte neben dieser Orgel ja auch die Instrumente im Dom und St. Stephani erbaut.
      Die Orgel in St. Pauli wurde leider im zweiten Weltkrieg zerstört, bis auf das große Schnitzwerk, welches sich bis dahin unterhalb des Orgelprospektes befand. Dieses hängt heute in der neuen St. Pauli - Kirche!

      Zu dieser Orgel gibt es die folgenden Bild. Diese stammen aus einem Buch, welches im Hausschlid Verlag erschienen ist. Die Autoren des Buches sind Cornelius H. Edskes und Harald Vogel. Das erste Bild ist aus dem Archiv Fock, das zweite Bild ist von Reinhardt Menger.
      Bilder
      • Bremen St_Pauli Orgel_1.pdf

        453,36 kB, 450×600, 10 mal angesehen
      • Bremen St_Pauli Orgel_2.pdf

        590,48 kB, 605×454, 8 mal angesehen
    • Neu

      Das Arbeitshaus

      Auf dem Areal des 1739 infolge Blitzschlages explodierten und als Pulvermagazin genutzten ‚Braut-Kastells’ entstand in den Jahren 1830 bis 1831 nach den Plänen von Friedrich Moritz Stamm das sog. ‚Arbeitshaus’ welches die Aufgabe hatte, verdienstlose alte Menschen in Brot zu bringen aber auch Arbeitsscheue zwangszubeschäftigen. 1922 wurde es geschlossen und zum städtischen Bauhof umgebaut, also dem Sitz der Bauverwaltung. 1944 brannte es infolge Bombentreffers aus. Nach 1948 wurde es niedergelegt.
      Die Sandsteinmedaillons von der Nord-Fassade wurden beim Abbruch geborgen und befinden sich gegenwärtig im neuen Dienstgebäude des Bausenators. Die Figur der ‚Brema’ (der Personifikation der Stadt) vom Giebelfirst wurde nach Bremen-Grohn, in den Park des dritten Seefahrtshofs versetzt.
      Die ‚Herrlichkeit’ hat mit diesem edlen klassizistischen Gebäude ihr individuelles Gesicht verloren. Und die Altstadt entbehrt dieses würdigen Pendants auf der anderen Weserseite !

      Abbildung 01
      Das Arbeitshaus auf der Stadtkarte von 1938 (rot markiert)



      Abbildung 02
      Luftbild aus der Vorkriegszeit. Das Arbeitshaus ist rot eingekreist.



      Abbildung 03
      Luftbild welches die Ostseite des Arbeitshauses noch deutlicher erkennen läßt.



      Abbildung 04
      Grundriß des Ergeschosses des Arbeitshauses.



      Abbildung 05
      Ansicht der Nordfassade des Arbeitshauses, welches auch seine Schauseite war, auf der Entwurfs-Zeichnung von Friedrich Moritz Stamm.



      Abbildung 06
      Die von 1839 bis 1841 erbaute Große Weserbrücke war in ihrem Verlauf direkt auf die Mittelachse des Arbeitshauses ausgerichtet.



      Abbildung 07
      Das Arbeitshaus mit seinen Nachbarhäusern an der Straße ‚Herrlichkeit’.



      Abbildung 08
      Der giebelbekrönte, ganz minimal vorkragende Mittelrisalit des Arbeitshauses. Auf dem Giebelfirst thronte die von einem Löwen begleitete ‚Brema’. Zwischen den Rundbögen von Portal und Erdgeschoßfenstern waren Medaillons mit Porträtköpfen griechischer Gottheiten eingelassen.



      Abbildung 09
      Artemis und Zeus.



      Abbildung 10
      Aphrodite und Poseidon.



      Abbildung 11
      Die beim Abbruch der Fassade ausgebauten Medaillons in der heutigen Baubehörde. (Fotos von Quarz.)



      Abbildung 12
      Die Große Weserbrücke von 1895 und das Arbeitshaus. Die Brücke war stromaufwärts verlegt worden, sodaß die neue Straßenverbindung nun östlich am Arbeitshaus vorbei in die Neustadt führte.



      Abbildung 13
      Farbfoto mit dem Blick von der Altstadt über die Weser auf die Herrlichkeit und das Arbeitshaus (oberhalb des Schlepper-Schornsteins).



      Abbildung 14
      Die Rückseite des Arbeitshauses (langes rotes Dach) an der kleinen Weser. Blick auf die Brautbrücke vor dem Bau der Kleinen Weserbrücke.



      Abbildung 15
      Blick vom Dachreiter der St. Pauli Kirche nach dem Bau der Kleinen Weserbrücke über die Rückseite des Arbeitshauses auf die Türme der Altstadt.



      Abbildung 16
      Blick durch das südliche Brückenportal der Kleinen Weserbrücke auf die Rückseite des Arbeitshauses (Sorger-Farb-Dia, September 1939).



      Abbildung 17
      Blick von der Altstadt auf die ‚Herrlichkeit’: Links: Arbeitshaus vor 1914. Mitte: Arbeitshaus 1948. Rechts: Die neue Bebauung des Areals nach 1960.



      Abbildung 18
      Blick über die Große Weserbrücke auf das leere Areal des abgeräumten Arbeitshauses.



      Abbildung 19
      Die Giebelfigur der ‚Brema’. Links im beschädigten Zustand in der Nachkriegszeit (wohl noch auf dem Areal des Arbeitshauses stehend). Die Renovierte Brema (allerdings ohne den nicht rekonstruierten Löwen) in Bremen Grohn, im dortigen (dritten) Seefahrtshof.



      Abbildung 20
      Wo einst das Arbeitshaus stand…







    • Neu

      Hagensburg



      Die Hagensburg, fast an der Spitze der Teerhofhalbinsel zwischen kleiner und großer Weser gelegen, wurde 1897/98 vom Architekten Johann Rippe (dem Erbauer der Friedenskirche in der Humboldtstraße) als Kontorhaus für die Firma A. Hagens errichtet. Beim 137. Luftangriff auf Bremen, am 6. Oktober 1944, schwer getroffen, wurde das Gebäude nach dem Kriege – nun für die Firma Kaffee Schilling – offenbar komplett neu errichtet, wobei die eigentümlichen, erkerartig fundierten Flankentürme des Tores wegfielen und auch die Geschoßzahl reduziert wurde. Gegenwärtig beherbergt das Gebäude, wie auch die östlich anschließenden, zuletzt ebenfalls von der Firma Schilling genutzten, ehemaligen Packhäuser, das ‚Museum Weserburg’ für zeitgenössische moderne Kunst. Die Unzufriedenheit mit dem aktuellen Bauzustand hat zu Überlegungen einer Modifizierung des Erscheinungsbildes geführt, an denen sich auch Baumeister Axel Spellenberg beteiligt hat.

      Abbildung 01
      Die Hagensburg auf der Stadtkarte von 1938 (rot markiert).



      Abbildung 02
      Luftbild der Hagensburg und der anschließenden Packhäuser (Blick nach Osten).



      Abbildungen 03 und 04
      Beitrag in ‚Bremen und seine Bauten 1900’ zur Hagensburg.





      Abbildung 05
      Blick auf die Westfront der Hagensburg, die ihren torartigen Charakter, als westliche Einfahrt zum Teerhof, deutlich macht.




      Abbildung 06
      Blick von der Neustadt über die (zweite) Kaiserbrücke und die Hagensburg auf den Turm von St. Ansgarii.



      Abbildung 07
      Blick aus einer sehr ähnlichen Perspektive in der Nachkriegszeit. Nicht nur die Flankentürme der Hagensburg sind verschwunden.



      Abbildung 08
      Blick auf das nun ‚Weserburg’ genannte, unscheinbare Nachkriegs-Gebäude. Im Hintergrund der St. Petri Dom.


      Abbildung 09
      Die Hagensburg im Wandel der Zeiten(von links nach rechts):
      Vorkrieg; nach dem 137. Luftangriff auf Bremen vom 6. Oktober 1944 (Quelle: Online Kriegsschadens-Dokumentation des Staatsarchivs Bremen); gegenwärtiger Zustand; Entwurf Axel Spellenbergs für eine Wiederannäherung an das historische Erscheinungsbild.



      Abbildung 10
      Der Spellenberg-Entwurf für die revitalisierte Hagensburg.