Quartier Plögerscher Gasthof / Kommandantur

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    • Tja. Das ist die Frage. Vielleicht hat man seitens der Autoren aber auch nicht genau hin gehört. Bei den Lokalthemen geht da ja nicht zum ersten Mal etwas durcheinander.

      Ich finde es jedenfalls sehr beachtlich, wie sich das ganze Quartier entwickelt hat. Wir haben die wichtigen Rekos an den Ecken und auch die restlichen Eckbauten sind den Vorgängern sehr ähnlich. Schön finde ich auch den modernen Einschub der an die FH erinnert. Ich finde das ein gutes Signal der Versöhnung.

      Zudem kommt das Quartier ohne die befürchteten Brüche aus. Die Rekos stehen absolut im Fokus und die restlichen Neubauten nehmen sich angenehm zurück und sind zum Teil sogar recht gut gelungen.

      Positiv ist auch das Signal, dass hier Wohnungen für die Mittelschicht entstehen und dass es keine toten Quartieren zur Kapitalanlage werden. Diese Art des Umgangs mit öffentlichem Baugrund kann man natürlich nicht überall machen. Ich halte solche partiellen Projekte aber für ein wichtiges Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

      Ich finde man hat in diesem Areal viel richtig gemacht. Es wird eine gute Mischung aus Partizipation der Menschen an ihrer Stadt gepaart mit Stadtreparatur und ästhetisch ansprechenden Ergebnissen bei der notwendigen Erinnerung an die Vergangenheit. Trotzdem verliert man die Zukunft nicht aus dem Blick und zeigt zugleich, dass Rekos auch möglich sind ohne dass die Stadt 100 Millionen wie in Frankfurt zuschießen muss. Das Potsdamer Beispiel zeigt wie flächendeckend Stadtreparatur zu tragbaren Kosten möglich ist.
      APH - am Puls der Zeit
    • Moment mal: die Brüche gibt es auf der Nordseite. Keine Legendenbildung. Hier zu besichtigen. Und die Fuge zum Plögerschen Gastfof wird uns auch noch beschäftigen.

      Und bitte nicht das Märchen übernehmen, dass die Stadt Frankfurt zur Altstadt "100 Millionen zuschiessen" musste.
      - Erstens sind 30 Millionen für das völlig unsinige Stadthaus ausgegeben worden, das kein Mensch braucht und mit der Altstadt nichts zu tun hat.
      - Zweitens war es Unsinn und teuer den archäologischen Garten zu überbauen.
      - Drittens ist es Irrsinn Fachwerk als Passivhaus erichten zu wollen, was der damaligen Schwarzroten-Mehrheit geschuldet war. Dass einem da die Kosten aus dem Ruder laufen - kein Wunder.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • @Konstantindegeer

      das sehe ich alles etwas anders.

      Konstantin schrieb:

      Moment mal: die Brüche gibt es auf der Nordseite. Keine Legendenbildung. Hier zu besichtigen. Und die Fuge zum Plögerschen Gastfof wird uns auch noch beschäftigen.
      Naja, ich sehe dies nicht unbedingt als Bruch, es ist eine extrem kleine Fassade, noch dazu nicht am Platz sondern in der Straße gelegen, die erstens niemandem weh tut und denen Rechung trägt, die an der FH gehangen haben. Ich denke, diese Geste des Entgegenkommens tut dem Projekt gut.
      Und ansonsten sind die weiteren Fassaden ausnahmslos sehr zurückhaltend. Das betrifft 95% der gesamten Fassadenabwicklung. Man muss auch aufpassen, dass man sich mit Maximalforderungen das Leben nicht schwerer macht als nötig. Ich kann jedenfalls mit diesem kleinen modernen Einschub gut leben.

      konstantin schrieb:

      Und bitte nicht das Märchen übernehmen, dass die Stadt Frankfurt zur Altstadt "100 Millionen zuschiessen" musste.


      - Erstens sind 30 Millionen für das völlig unsinige Stadthaus ausgegeben
      worden, das kein Mensch braucht und mit der Altstadt nichts zu tun hat.
      - Zweitens war es Unsinn und teuer den archäologischen Garten zu überbauen.
      - Drittens ist es Irrsinn Fachwerk als Passivhaus erichten zu wollen,
      was der damaligen Schwarzroten-Mehrheit geschuldet war. Dass einem da
      die Kosten aus dem Ruder laufen - kein Wunder.
      Das mag sein, dass durch das Stadthaus, die Tiefgarage, die Wertigkeit der Rekonstruktionen, die Energieeffizienz etc, die Kosten aus unterschiedlichen Gründen so hoch ausgefallen sind. Trotzdem, und da machen wir uns nichts vor, ist das Projekt der Frankfurter Altstadt ein teurer Leuchturm, den es in dieser Form auch braucht, weil er Qualität, öffentliche Funktionen und Stadtreparatur in einem zusammen bringt. Trotzdem ist das Projekt im weitesten Sinne ein Projekt, dass sich nur sehr wenige Menschen leisten können.

      Und daher ist aus meiner Sicht das Postdamer Projekt so wichtig, weil es zeigt, dass Stadtreparatur und Rekonstruktion bei deutlich geringeren Kosten zusammen gehen können. Dass Rekonstruktionen und sozialer Wohnungsbau zusammen gehen und darstellbar sind.

      Denn über Jahre wurde doch die Parole verbreitet, dass Rekos nur möglich sind, wenn man sehr teuer baut und es dann notgedrungen eine Gegend der oberen 10.000 wird. Für die Akzetanaz unseres Anliegens wird es daher sehr wichtig sein, dass man hier sieht, dass es eben auch anders geht. Teils aufwendige Fassadenrekos und gleichzeitig vertretbare Mieten für die breite Mittelschicht. Das ist das wichtige Signal dieses Projekts. Denn die Bürger da draußen, die nicht im Thema drin sind, denen ist es egal, wie welche Kosten in Frankfurt zustande kommen, die sehen, dass sie sich dort eine Wohnung nicht leisten können. Ähnliches git ja in etwas abgeschwächter Form auch am Neumarkt in Dresden.

      Potsdam könnte jetzt den Beweis antreten, dass bei umsichtiger Grundstücksvergabe Leben in der City und das zu vertretbaren Preisen in Rekonstruktionen möglich ist. Dies ist als grundsätzlicher Eigenwert für die Öffentlichkeitsarbeit der Rekonstruktionsbefürworter von nicht zu unterschätzender Tragweite!
      APH - am Puls der Zeit
    • Wissen.de schrieb:


      Naja, ich sehe dies nicht unbedingt als Bruch, es ist eine extrem kleine Fassade, noch dazu nicht am Platz sondern in der Straße gelegen, die erstens niemandem weh tut und denen Rechung trägt, die an der FH gehangen haben. Ich denke, diese Geste des Entgegenkommens tut dem Projekt gut.

      Ich bezweifele ganz, ganz stark, dass irgendwer, der an der FH gehangen hat und sich für deren Erhalt eingesetzt hat, sich jetzt von dieser winzigen Reminiszenz entgegengekommen oder gar versöhnt fühlt, wie du weiter oben geschrieben hast.

      Die neue Fassade zum Steubenpatz hin ist meiner Meinung nach eine große Verschlechterung zu dem was ursprunglich geplant war, und zu dem was kurzzeitig danach geplant war, aber umgearbeitet werden sollte. Mangelnde Gliederung/Kleinteiligkeit bei einer so langen Fassade, Sichtbetonplatten... *seufz*
    • Ich verstehe nicht ganz, was diese "Fuge" mit der FH zu tun hat? Wollte man eine Erinnerung an die FH schaffen, hätte man doch Spolien der Lamellen-Fassade verwenden können. Aber hier erkenne ich gar keinen Zusammenhang, außer dass die Fassade retro-modernistisch ist bzw. an die 60er/70er-Jahre erinnert. Wenn ich mich irre, wäre Aufklärung nett.
    • Dass man diese Hochglanz Siebziger Jahre Disko Fassade mit diesem kleinen, matten, weißen, in einer Rücklage liegenden Bereich der ehemaligen FH überhaupt assoziiert oder die Gegner des Abrisses gar "versöhnt" bezweifle ich ich allerdings auch ganz stark. Da hätte man tatsächlich einen Abschnitt der gelben Fassade übernehmen/wieder aufführen müssen, um wenigstens eine Erinnerung zu haben (auf was wir denke ich auch gut verzichten konnten). So ist es einfach wieder ein unnötiger Bruch, der es nicht einmal schafft, die ihm zugeschriebene Intention zu vermitteln.
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller

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    • Ich kann dieser sehr subjektiv-gefühligen Argumentation von Wissen.de nicht folgen, da sie von Stimmungen geprägt ist, nicht von Fakten.

      An Brüchen haben wir:
      - die Sternpannelfassade zum Achteckenplatz/Schwertfegerstraße hin
      - die hinterleuchtete Fuge zwischen Plögerschem Gasthof und Schloßstraße 5
      - die jetzt beschlossene Sichtbetonfassade Schloßstraße 1-3
      Dabei wird es aber nicht bleiben. Alle Fassaden gehen ja nochmal durch die Behandlung der Denkmalpflege. da hoffe ich noch auf Veränderung.

      Dass die Panneelfassade ein "Zugehen auf die FH-Freunde" ist halte ich für Unsinn. Das war ein naheliegender Trick, um das Grundstück zu bekommen - wir werden und alle später sehr ärgern. Und "Maximalforderung" wäre die vollständige Rekonstruktion der Straßenzüge und nicht der Verzicht auf modischen Quatsch.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Nochmal zurück zum scheußlichen Sichtbeton. Ist soetwas in den Vorgaben für den Block III überhaupt zulässig?

      Auch wenn Mitteschön den Entwurf B intern auf Platz 2 gewählt hat, bin ich nicht sehr glücklich mit der Auswahl der Kommission. Ungeachtet der absoluten Negierung des straßenräumlichen Anspruches und dem damit verbundenen Fehlen eines Mittelrisaliten, wurden bei Entwurf B schwere Fehler bei der Proportion gemacht.
      Die reduzierte Traufenhöhe ist zwar prinzipiell löblich zu erwähnen, da heutzutage Architekten und Stadtplaner auf Höhenprofile kaum noch Rücksicht nehmen, allerdings ist das hier fehl am Platz. Die niedrigere Traufe weisen eher kleinere Stadthäuser auf. In der logischen Konsequenz hätte ein Entwurf mit diesem Höhenprofil die Parzelle wieder in drei einzelne Häuser aufteilen müssen, bzw. man hätte die Fassade mit Lisenen in drei Sinnabschnitte gliedern müssen.
      Da die Vorgaben aber die Errichtung eines einzigen großen Gebäudes vorsehen, hätte man die Traufenhöhe von Entwurf C und D beibehalten müssen um den Neubau in Form eines innerstädtischen Palais auszuführen.
      Der jetzige Bau stellt einen Hybrid dar, der in seiner Unproportionalität irgendwie ungelenk wirkt. Das Attikageschoss ist eine nette Idee, andernorts vielleicht auch ganz reitzvoll, aber stilistisch irgendwie unangebracht.
      Des Weiteren ist die Begründung der Kommission, dass das Gebäude sich neben dem Leitbau zurücknehmen soll zwar ganz löblich aber ich sehe hier einen prinzipielle Denkfehler, den auch Mitglieder von Stadtbild Deutschland machen. Sinn der Leitbauten ist eine stilistische Richtung für das Quartier vorzugeben, dem die modernen Neubauten folgen sollen. Damit ist aber nicht gemeint, dass die klassisch moderne Neubauten bis zur Tristes abstrahiert werden müssen um die Leitbauten in Szene zu setzen. Viel mehr sollen sie mit den Rekos korrespondieren. Diese Gebäude dürfen ruhig auch Fassade zeigen, architektonische Ideen haben und für sich selbst stehen ohne den Charakter eines Füllbaus zu haben. Ich finde bei Los 6 potsdamermitte.de/index.php?id=127 und Los 8 potsdamermitte.de/index.php?id=167 ist das sehr gut gelungen. Bei Los 7 hätte man das mit Entwurf D auch super hinbekommen können. Aber jetzt kriegen wir nichts Halbes und nicht Ganzes :kopfschuetteln:
    • Mir würde bei Entwurf B schon genügen, wenn der Bau eine Putzfassade erhält, die in der Mitte einen farblich anderen Anstrich erhält. Dadurch würde der Bau wie durch einen Risaliten gegliedert wirken, oder gar wie drei Einzelbauten.
    • Und dann gibt es ja noch die herrliche Überfahrt des Fahrstuhlschachtes, die deutlich in der Mitte liegt.

      Die Fragen des Fassadenmaterials und des Anstriches werden sicher noch bis zum Jahresende mit der Denkmalpflege, die hier den Umgebungsdenkmalschutz des Denkmalbereiches "Stadtkern Potsdam" konsequent anwendet, diskutiert.

      Prinzipiell gibt es solche langen Gebäude im Klassizismus schon häufiger. Das Dachgeschoß spiegelt eine spätere Aufstockung vor (ist damit schon im Entwurf "unehrlich"). Die Fensteranordnung wollen gliedern.

      Als Beispiel für einen klassizistischen Bau ähnlicher Länge:



      Hier der Gewinner Springer Architekten:

      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft