Quartier Plögerscher Gasthof / Kommandantur

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    • Eine richtig tolle Zusammenfassung der Begebenheiten Apollo! Ähnliche Gedanken durchtrieben mich schon häufiger; das Ganze würde sicher auch nochmal in die allgemeine Debatte passen. Wir kehren im Grunde zur städtebaulichen "Normalität" zurück, über 70 Jahre nach dem 2. WK, langsam und allmählich.
    • Ich kann dem für Dresden so nicht zustimmen.
      Die Aufbauleistung der Fassaden ist grandios.
      Und das Quartier, auf dem das passiert, ist ungleich viel größer als in FFM.
      Die Gesamtwirkung mit den historischen Gebäuden wird bei kompletter Fertigstellung einfach großartig sein.

      Wenn jetzt in Potsdam das Bindeglied zwischen der historischen Altstadt und dem Alten Markt geschlossen wird, bin ich auch schon gespannt, wie dann die Gesamtwahrnehmung sein wird.
    • Das Quartier verbindet nicht "die historische Altstadt" und den "Alten Markt". Das Quartier rund um den Alten Markt IST die historische Altstadt. Nördlich des ehem. Stadtkanals beginnt die historische Neustadt, in Potsdam in der Regel barocke Stadterweiterung genannt.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Nein, die Altstadt ist ja nicht verschwunden sondern einige historische Bauten sind noch da und andere nach ihrer Existenzpause zurückgekehrt. Demnächst kommen noch mehr zurück. Und nicht nur durch die Nikolaikirche, das Alte Rathaus und das Fortunaportal bleibt Altstadt eben Altstadt.

      Auch würde kein Potsdamer zur Brandenburger oder zum Bassinplatz "Altstadt" sagen, das ist eben barocke Stadterweiterung, Neustadt. Aber wenn Du das von wo aus auch immer anders siehst - bitte.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Ja Konstantin,die Altstadt ist der Bereich Alter Markt und eng drumherum.Dort ist die Keimzelle der Stadt.Wenn auch die Gebäude nicht mehr aus der Ursprungszeit stammen(Mitte/Ende 17.Jh Gr.Kurfürst)aber dieses Gebiet ist und bleibt für immer die Altstadt.
      Die barocke Stadterweiterung ist zwar auch Barock aber Entstehungszeit erst Mitte 18.Jh.unter Friedrich dem 2.
    • Genau, wobei man über die "Ursprungszeit" auch streiten kann - schließlich ist Potsdam 1000 Jahre alt. Aber die Stadtwerbung im modernen Sinn erfolgte mit der Wahl zur Residenzstadt durch den Großen Kurfürsten, das ist richtig. Hier haben wir, wenn auch unter FII umgebaut, immerhin nich den Marstall und den Fußboden im Schloß, auf dem der Große Kurfürst bei seinem Tode aufgebahrt war.

      Nach dem 30-jährigen Kriege gab es nach Angaben von Haeckel noch 79 Hausstellen, 1712 beim Regierungsantrtt des Soldatenkönigs waren es immerhin 199 und zu Beginn der Regierungszeit Friedrich II. 1740 über 1000. Das ist mehr als 10fache Vergrößerung in 100 Jahren.

      Mit der friderizianischen Zeit wird die Altstadt das erste Mal modernisiert und auf internationales künstlerisches Niveau der Zeit gebracht. Fast alle nennenswerten Palazzi, Kirchen- und Repräsentationsbauten sind in der Altstadt, nur wenige in der ersten barocken Stadterweiterung. In der zweiten barocken Stadterweiterung finden wir davon nichts mehr (bis auf die Stadttore). Somit ist der Schwerpunkt der Stadt klar - auch wenn die Brandenburger heute Einkaufsmeile und die Dortustraße Kneipenmeile ist. Und klar ist auch für manchen Touristen einfach alles "Altstadt", was vor Schinkel ist (es gibt ja in der barocken Stadterweiterung auch ein "Altstadthotel" mit der Zielgruppe).

      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Nein, die ältesten Funde sind viel älter - Jungsteinzeit. Da sind im Bereich der Feuerwache eindeutige Siedlungsspuren gefunden wurden. Und auch schon deutlich vor der umstrittenen ersten urkundlichen Erwähnung 993 war Potsdam slawisches Siedlungsgebiet und im Bereich des heutigen Heilig-Geist-Stiftes stand eine slavischen Burg zur Kontrolle des strategisch wichtigen Zusammenflußes von Nuthe und Havel.

      Richtig ist aber, daß die Entwicklung zu einer neuzeitlichen Stadt eben erst mit der Residenzwahl des Großen Kurfürsten ab 1660 einsetzte.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Hallo Konstantin,

      ich staune über diesen Stadtplan. Dieser ist mir gänzlich unbekannt. Was bedeutigen die gepunkteten Linien die von der Langen Brücke kommend, einmal geschwungen Richtung Berliner Neustadt weist und dann doch zum Heiligen See abbiegt und andererseits genau den Straßenverlauf nach Sanssouci folgt? Eine geplante Bahnlinie kann dies nicht sein...

      Grüße
      Luftpost
      Brandenburgische Bauordnung
      § 8
      Gestaltung
      (1) Bauliche Anlagen sind nach den anerkannten Regeln der Baukunst durchzubilden und so zu gestalten, dass sie nach Form, Maßstab, Verhältnis der Baumassen und Bauteile zueinander, Werkstoff und Farbe nicht verunstaltet wirken.
      (2) Bauliche Anlagen sind mit ihrer Umgebung derart in Einklang zu bringen, dass sie das Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild nicht verunstalten oder deren beabsichtigte Gestaltung nicht stören.
    • Deutscher Städteatlas 1993. Von meinem alten Professor Felix Escher mit Herrmann Fellin.

      Die gepunkteten Linien sind die Wegeführungen durch die Sümpfe vor Errichtung der Stadterweiterungen. Das Stadttor Richtung Sanssouci war am Neuen Markt.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Die Vergabe an die Potsdamer Genossenschaften zeitigt erste Kollateralschäden. Die WBG "Karl Marx" will eine gesellschaftskritische Politkitsch-Plastik auf dem Dach des Hellmundschen Hauses (Alter Markt 13/14) montieren, die die historische Abundantia (Göttin des Überflußes mit Füllhorn) ersetzen soll.

      maz-online.de/Lokales/Potsdam/…am-ehemaligen-FH-Gelaende

      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Da eine Bezahlschranke existiert, kann ich den Artikel nicht lesen. Aber, da hiesige Künstler zu 95% ideologisch gleich ticken, vermute ich mal in der Aussage des gezeigten Kunstwerks: Die eine Erdhälfte lebt im Überfluss und kippt ihren Müll in die Gegend, die andere Erdhälfte darbt... Und in dem Artikel sind am Fries noch Koffer bzw. eine Person mit Koffer zu sehen. Sollen das Flüchtlinge/Refugees sein?
      Ich weiß es nicht, "Konstantin" möge aufklären. Aber ich bin mal so paranoid, die Vermutung als Frage in den Raum zu stellen.
      Abgesehen davon versteht Wolf von Waldow durchaus gefällig zu arbeiten. Er bedient allerdings auch einen auf den ersten Blick nostalgischen Scherenschnitt-Stil.
    • Ich kann zu obengenannter Meinung nicht bewerten da ich den Artikel ebenfalls noch nicht gelesen habe. Allerdings war verständlich das die Wohnungsbaugesellschaft Änderungen einbringen möchte. Man muss bedenken das die WBG einer der größeren Bauherren im Quartier ist.

      Auf der einen Seite finde ich den Entwurf spannend, auf der anderen Seite muss er mit dem gesamten Ensemble harmonieren und da wird wieder einmal alles auf einen Kompromiss hinauslaufen. Nun sollten wir erst einmal warten, wenn dieser Bericht in ein paar Tagen freigegeben ist, was die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) berichtet.
    • Sorry, hier ohne Bezahlschranke.


      21:40 26.12.2018 Potsdam Alter Markt Moderne Kunst für Neubau am Alten Markt
      Der Berliner Künstler Wolf von Waldow hat den Kunstwettbewerb für die Fassade eines Neubaus gegenüber der Nikolaikirche gewonnen. Mit zahlreichen Symbolen, darunter auch dem Sternmuster der alten Fachhochschule, übt er Gesellschaftskritik.

      So sieht das Fries im Modell des Künstlers aus. Quelle: privat
      Innenstadt
      Der Berliner Künstler Wolf von Waldow soll die Fassade des Neubaus am Alten Markt 13/14 gestalten. Er wurde von der Jury der Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“ zum Sieger eines künstlerischen Wettbewerbs bestimmt, wie er auf Anfrage der MAZ bestätigte. Das Haus, das auf dem Areal der früheren Fachhochschule bis etwa 2022 entstehen soll, wird an der Ecke des Alten Markts und der dann bis zur Nikolaikirche verlängerten Schwertfegerstraße errichtet und die Fassade teilweise rekonstruiert.
      Der Schmuck erinnert an den 1945 zerstörten Vorgängerbau von 1797
      Von Waldow hat sich in seiner Arbeit am Schmuck des Vorgängerbaus von 1797 orientiert. Dieser war selbst mit Verweisen auf eine früheres Haus an dieser Stelle errichtet worden, das 1795 beim Brand der Nikolaikirche zerstört wurde.
      Das Haus wurde von einer Allegorie des Überflusses bekrönt, die ihr Füllhorn über der Stadt ausschüttete. Das Fries über dem Hauptportal war von feuerlöschenden Kindern geziert.
      An der oberen Gebäudekante soll diese Neuinterpretation der Allegorie des Überflusses angebracht werden. Quelle: privat
      „Es zeigt, wie vieles weggeschüttet wird und man darüber verzweifeln kann“
      Anstelle von Sandstein hat Wolf von Waldow scherenschnittartige und detailverliebte Metallskulpturen entwickelt: Oben auf der Traufe des Hauses schüttet erneut eine Frau wie im Überfluss aus einer Erdhalbkugel zahllose Objekte herab und hält eine lädierte Flagge mit einer Friedenstaube in den Wind. Neben ihr sitzt ein Mann hoffnungslos über Börsenkurse gebeugt. „Es zeigt, wie hier vieles weggeschüttet wird und man darüber verzweifeln kann“, erklärt von Waldow.
      Der mehrere Meter breite Fries über dem Haupteingang weist auch ein Fragment des Originalfrieses von 1797 auf. Quelle: privat
      Vieles, was von oben herab fällt, wird von Figuren in einem mehrere Meter breiten Fries über dem Eingang wieder aufgefangen. Die Flamme aus der Hand der New Yorker Freiheitsstatue, eine Plastikflasche und das Sternmuster von der Fassade der früheren Fachhochschule gehören zu den Symbolen. Eingearbeitet ist auch ein Fragment des Originalfrieses mit Kinderfiguren beim Löschen des Brands der Nikolaikirche.
      Eine neue Katastrophe kündigt sich im Kunstwerk bereits an
      Rechts davon schlagen bereits neue Flammen hervor. „Hier kündigt sich eine neue Katastrophe an, die von der Gesellschaft auf der linken Seite noch gar nicht bemerkt worden ist“, sagt von Waldow. Auf dieser Seite des Frieses nährt eine Figur das Feuer – oder versucht es auszuschlagen. Ein zweiter filmt das Geschehen mit einer Kamera. Eine alte Frau flüchtet mit einem Koffer aus der Szene.
      So sah das Haus von 1797 aus. Oben ist die Allegorie des Überflusses erkennbar, am Eingang der Sandsteinfries mit den feuerlöschenden Kinder. Quelle: Potsdam-Museum
      Wohnungsgenossenschaft will Arbeit im Januar vorstellen
      Die Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“ wollte das Wettbewerbsergebnis noch nicht kommentieren. „Anfang Januar werden wir den künstlerischen Entwurf gemeinsam mit der Stadt und dem Sanierungsträger öffentlich vorstellen“, kündigte Genossenschaftsvorstand Bodo Jablonowski an.


      Von Peter Degener
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Konstantindegeer schrieb:

      Rechts davon schlagen bereits neue Flammen hervor. „Hier kündigt sich eine neue Katastrophe an, die von der Gesellschaft auf der linken Seite noch gar nicht bemerkt worden ist“, sagt von Waldow.
      Vielleicht soll da irgendeine subtile Botschaft dahinter stehen, und Waldow äußert sich nur etwas unbedarft. Aber ich mutmaße mal, dass die Symbolik auch so politisch-platt gemeint sein könnte, wie Waldow das selbst ausdrückt. Passt aber zum Namen der Wohnungsgenossenschaft. :lachentuerkis:
    • Tolle Fassade....schlechte Kunst am Bau! Und die Botschaft ist weder unterschwellig noch subtil. Ähnlich wie die Pavillons im Hof des Stadtschlosses ist man hier auf Krawall gebürstet gegenüber einer Gesellschaft, die sich im Städtebau wieder auf ihre Wurzeln besinnt.
      Ich persönlich hätte die Figurengruppe auf der Dachkante beibehalten. Den Fires hätte ruhig eine moderne Szene schmücken können wie z.B. die Friedliche Revolution oder der "Kampf um die Mitte". Va au mit der FH als Motiv.
      Abgesehen von der Thematik finde ich die Idee eines Scherenschnittes doch recht lieblos. Kann oder will dieser "Künstler" nicht mal einen Naturstein bearbeiten???
    • Begründung der Juryentscheidung im Protokoll des Preisgerichts:
      "Wunderbar! Das ist es, was unsere Stadt Potsdam braucht. Eine gelungene Übersetzung der ursprünglichen Figurengruppe in eine zeitgemäße Silhouette. Die Verwandlung des Füllhorns und des Tränentuchs in das Bild der ungleichen, globalen Verteilung ist eine nicht zu übertreffende bildliche Metapher. Die Arbeit ist wirklich ein Wa(a)gnis. In mehrfacher Hinsicht. Die Technik, die so gar nichts mit der Schwere der Sandsteinskulpturen gemein hat. Die klare Aussage, die historischen Themen in die Gegenwart zu übertragen, sie zeitgemäß zu interpretieren, ohne die Bezüge zu den historischen Marken des alten Gebäudes zu verdrängen. Die Verwendung des historischen Teilreliefs im Fries fand besondere Beachtung. «Waagnis» ist eine überzeugende Zusammenführung von historischer und allen verständlicher Technik mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Inhalten, die sowohl die Menschen heute verstehen können als auch in seiner zeitübergreifenden Visualisierung die Menschen nachfolgender Generationen noch inspirieren wird. Das Gestaltungsmittel des Scherenschnitts erfreut durch seine Leichtigkeit, Frische und Vielfältigkeit. Die feingliedrigen Elemente lassen erwarten, dass Betrachter immer wieder Neues entdecken können. Die Darstellungen nehmen zwar Bezug auf die historischen Vorbilder, sind aber auch ohne Bewusstsein dieses Hintergrunds für die aktuelle Betrachtung verständlich und leisten so einen Beitrag für aktuelle und zukünftige gesellschaftliche Diskussion."
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft