Potsdam - Neubauquartier III am Alten Markt

  • Ich war heute die sehr gute Ausstellung zu den russischen Impressionisten im Barberini besuchen. Dort hat man von den oberen Etagen einen guten Blick auf den Alten Markt. Derzeit sieht der Baufortschritt beim Quartier III so aus:



    Die Bilder sind von mir und dürfen verwendet werden.

  • Das Gebäude was rechts von der Kirche zu sehen ist wird immer mehr ein Fremdkörper..........es soll auf der Dauer verschwinden.

  • "Klassiker", das ist doch der Staudenhof, der auch verschwinden soll. Es wird allerdings wieder Zirkus geben, wegen der Vernichtung günstigen Wohnraums in der Innenstadt. Dann aber wird vermutlich niemand die Sanierungskosten tragen wollen, und es wird zum Abriss kommen. Und wenn nicht, würde es mich eigentlich auch nicht so sehr stören, denn vom Alten Markt sieht man den Block doch kaum.

  • Heimdall Erstens wird kein günstiger Wohnraum zerstört, das ist rin Mythos. Es entsteht sogar mehr bezahlbarer Wohnraum, da die Neubauten alle von der ProPotsdam realisiert werden und mit Mitteln der Städtebauförderung Mietpreisbindung von 30 Jahren ermöglichen. Außerdem wird der Neubau flächennutzungstechnisch erheblich besser da der Staudenhof zu 50% aus Treppenhäusern und Fluren besteht. Es entsteht also mehr Wohnraum.


    Außerdem sieht man den Staudenhof sehr wohl vom Alten Markt. Denn er grenzt an den Alten Markt. Es ist ein Trugschluss, dass sich der Alte Markt nur zwischen Nikolaikirche, Stadtschloss und Barberini erstreckt. Im Gegenteil, denn die Nikolaikirche stand mitten auf dem Alten Markt.

    Wenn es jemand kann, dann ist es keine Kunst. Und wenn es jemand nicht kann, dann ist es erst recht keine Kunst!

  • "Knobbelsdorff", womöglich habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich meinte, dass das mit dem günstigen Wohnraum das Argument derer sein wird, die sich für den Erhalt des Gebäudes einsetzen.


    Bezüglich des Sehens des Gebäudes ist das wohl eine persönliche Sache. Kann man es wegblenden oder sticht es einem ins Auge? Mich persönlich stört es am Alten Markt kaum. (Ansicht siehe hier) Mein Auge verweilt auf ganz anderen Gebäuden und ist von diesen eingenommen. Aber selbstverständlich kann das anderen Menschen ganz anders gehen.

  • Für die meisten Menschen liegt der Staudenhof, dessen Abriß im Mai 2021 von der Potsdamer SVV beschlossen wurde, im Niemandsland hinter der Nikolaikirche. Die meisten Besucher, da hat Knobelsdorff völlig recht, denken auch die Kirche sei die nördliche Begrenzung des Marktes.


    Schon mit der Fertigstellung der Schwertfegerstraße, spätestens aber mit der Umsetzung des Blocks IV und der Kaiserstraße wird sich das fundamental ändern und die alte Platzform - bis auf den Durchbruch an der heutigen Straße "Am Alten Markt" - wieder erkennbar werden.


    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Auf dem alten Stadtplan wird deutlich, wie wichtig es wäre zukünftig auch den Block wieder entstehen zu lassen, der mit römisch 2 gekennzeichnet ist und von der Kirche Straße und Scharren Straße eingerahmt wird. Leider wurde das Areal zu DDR Zeiten zum Teil mit schlichten Wohnblöcken, die den historischen Stadtgrundriss negieren, bebaut, die von Altkommunisten, Linksradikalen und DDR-Nostalgikern wahrscheinlich erbittert verteidigt werden würden, stünden sie zur Disposition. Aber man sollte sich von diesen Umstand nicht entmutigen lassen und die Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses langfristig und ausdauernd verfolgen.

  • Das hat weder mit Altkommunisten noch mit Linksradikalen noch mit DDR-Nostalgikern zu tun sondern mit der Wohnungssituation in Potsdam. Keiner reißt funktionierenden Wohnraum ab, der nach 1990 grundsaniert wurde. Und das ist auch verständlich angesichts der Tatsache, daß die Durchschnittsnettokaltmiete in Potsdam inkl. Bestand bei über 10 Euro/qm liegt. Solche Äußerungen sind wirklich von einer sehr schlichten Weltsicht geprägt.


    Ich finde, wenn nach den Blöcken I (Barberini & Co), II (Stadtschloß) nun auch die im Bau befindlichen Böcke III (Einsiedler) und III (Plögerscher Gasthof/Klingnersches Haus) wie geplant umgesetzt werden und die Blöcke IV (Bilbliothek) und V (Staudenhof) architektonisch überzeugend werden ist mehr gewonnen als in fast jeder anderen Stadt in Deutschland. Der Block VI (Genossenschaftswohnungen) wird der letzte Block sein, der architektonisch nach unten heraussticht. Aber auch hier gibt es schon Ideen, z.B. im EG eine Gewerbezeile als Arkade oder Kolonnade davorzusetzen.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

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    Bezüglich des Sehens des Gebäudes ist das wohl eine persönliche Sache. Kann man es wegblenden oder sticht es einem ins Auge? Mich persönlich stört es am Alten Markt kaum. (Ansicht siehe hier) Mein Auge verweilt auf ganz anderen Gebäuden und ist von diesen eingenommen. Aber selbstverständlich kann das anderen Menschen ganz anders gehen.

    Ich war das letzte Jahr zum ersten Mal in Potsdam. Der Staudenhof und das sich östlich anschließende Quartier waren im Grunde genommen das, was mir am übelsten aufstieß, noch vor den Hochhäusern am Havelufer und dem Mercure-Hotel.


    Man kommt auf den alten Markt, ganz eingenommen von der Schönheit des wiederaufgebauten Stadtschlosses, des Barberini und der Nicolaikirche, um unvermittelt vor einem heruntergekommenen, billigen Vorstadt-Quartier zu stehen (so hat es auf mich jedenfalls gewirkt). Jegliches Altstadt-Gefühl findet hier ein abruptes Ende. Es ist nicht nur die Architektur, es ist auch die städtebauliche Ausgestaltung mit vorgartenähnlichem Grünstreifen und davor die recht breite Straße mit Baumbewuchs, die dem Eindruck, altstädtischer, urbaner Dichte unvermittelt völlig zuwiderläuft.

    Die Negativ-Überraschung wiegt umso schwerer, als das ich als fleißiger Mitleser in den wichtigsten Potsdam-Themen hier im Forum ja schon wusste, wie es dort aussieht.


    Was mich zusätzlich etwas irritierte, war die Leblosigkeit des Alten Marktes. Der Kölner Alter Markt zum Beispiel ist zwar deutlich hässlicher (wenn man den Staudenhof in Potsdam ausklammert :wink:), aber eigentlich zu allen Tageszeiten belebt. Er fühlt sich auch heute noch an, wie das alte Zentrum der Stadt, dem Potsdamer Alter Markt merkt man dagegen sehr deutlich an, dass es ihn zwischenzeitlich im Grunde genommen überhaupt nicht gegeben hat .

    Ich denke, dass der Staudenhof und die östlichen Gebäude hier einen entscheidenden Anteil haben, weil sie außer Wohnen keine Funktion erfüllen und Touristen sofort in die schöneren westlichen Stadtbereiche vergraulen.

    Dazu kommt natürlich der recht neue Zustand der Brauerstraße, in der letztes Jahr ja noch der Straßenbelag verlegt wurde.


    Ich bin jedenfalls gespannt, wie die Neubaublöcke III und IV (um mal auf das Thema zurückzukommen) diesen leblosen Eindruck schon verbessern werden. Ich habe die Hoffnung, dass hier innerhalb von wenigen Jahrzehnten alles wieder zusammenheilen kann. Dazu kommt, dass der Punkt, der mir ebenfalls negativ an Potsdam auffiel, nämlich eine fehlende Höhendominante, mit der Rekonstruktion des Garnisonkirchenturms ebenfalls aktuell behoben wird.


    Potsdam ist jedenfalls auf einem sehr guten Weg, hat allerdings noch einige Arbeit vor sich. Aber immerhin passiert dort enorm viel, was einen als Einwohner gewisser anderer Städte doch auch ein wenig neidisch werden lässt.

  • Ein paar Bilder von heute. Es schön mit anzusehen, wie das Quartier immer weiter in die Höhe wächst.



    Plögerscher Gasthof:



    Durch den Abriss der Fachhochschule, welche zu nah an dem Stadtschloss stand, und den Wiederaufbau auf der historischen Parzelle, befindet sich auch der Obelisk wieder in der Mitte der Straße.


    Die Bilder sind von mir und dürfen verwendet werden.

  • Den Verlauf der Schloßstraße zu erkennen, mit dem Alten Rathaus (nach dem Palazzo Angarano von Andrea Palladio) im Hintergrund und der erst kürzlich erfolgten DDR-Rekonstruktion vo, 1978/9 aus weißem mazedonischem und rotem sibirischem Marmor.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Erstaunlich wie gut die Fassade erhalten war. Die hätte man wirklich als Ruine stehen lassen können.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Sind noch irgendwelche der Statuen erhalten? Wenn nicht, dann ist das sicherlich ein enormer Aufwand diese wiederherzustellen.