Leipzig - Bundesverwaltungsgericht und Musikviertel (Galerie)

  • In den dankensreichen Galerien möchte ich eigentlich nicht präsent sein, sondern nur im Forum, wenn es um genauere Themen und Informationen im Detail geht. Wenn hier eine Zwischenbemerkung erfolgt, dann nur mit der Bitte, vielleicht im zweiten Blick genauer hinzuschauen, nachzulesen oder an Erstquellen zu gelangen. Denn alles sollte im Zusammenhang erfaßbar werden und eben nicht nur, wie es gerade zu sehen ist.



    Und nicht alles wurde im Krieg zerstört. Auch beim Saal hätte man wieder an dem einstigen Niveau anknüpfen können ...


    Bestimmte Plastiken wurden erst nach dem Krieg aus ideologischen Gründen entfernt (am ehemaligen Reichsgericht) oder eben sogar noch in späten DDR-Zeiten (wie hier rechts an dem jetzigen Gebäude der HTWK)



    Es geht also nicht um die Menge, sondern um die Erfassung der einst von den Altvorderen geschaffenen städtebaulichen Qualitäten, die an vielen Stellen stark verstümmelt wurden und werden ...

  • Das waren doch sicherlich Skulpturen. Was waren das denn für "ideologischen Gründe"?


    Ansonsten ist der Wiederaufbau dieser zerstörten Gebäude gelungen. Andere haben dann im Stile der Zeit und Dank ihrer Beziehungen neue Gebäude errichtet.



    Dr.phil. Karl Zumpe war Gewandhaus­direktor in Leipzig.


    Nach einem Musikstudium an der Musikhochschule Leipzig (von 1951 bis 1956) wurde er im Jahr 1958 zum Leiter der Gewandhaus­kanzlei bestellt. Hier war er - neben dem Gewandhaus-Kapell­meister, der die künstlerische und auch staatliche Leitung hatte - für Organisation und Verwaltung zuständig.
    ...
    Nach dem Ausscheiden des Gewandhaus-Kapellmeisters V. Neumann (1920-1995) im Jahr 1968 wurde ein dem Kapell­meister gleichgestellter Intendant eingesetzt. K. Zumpe wurde als »Beauftragter für den Neubau des Gewand­hauses« von der Organisation und Verwaltung des laufenden Orchester­betriebs abgezogen.

    Zu Zumpe sollte hier auch einmal berichtet werden.

  • Also am Reichsgericht wurden die beiden flankierenden Portalfiguren von Wilhelm I. und Wilhelm II. entfernt. Das geschah im Rahmen des Umbaus zum Georgi-Dimitroff-Museum. BautzenFan hat das hier sehr schön dokumentiert.

  • @Stahlbauer


    Witzig, in diesem Eckhaus Schwägrichenstrasse habe ich um ca 2004 einmal kurz gewohnt! Wunderbare Häuser in der Strasse, wenn auch das Musikviertel leider im Krieg sehr viel gelitten haben muss. Meiner Meinung nach, wäre das unzerstörte Musikviertel noch prachtvoller als das heute unvergleichliche Waldstrassenviertel.


    Leider war ich schon sehr lange nimmermehr in L, aber schräg vis-a-vis stand zum damaligen Zeitpunkt so ein hässlicher DDR Kasten, der mit Bauzäunen komplett abgeriegelt war. Steht das Ding noch oder hat man es mittlerweile abgerissen? Bzw ich traue mich erst nicht zu fragen, ob dort ev schon etwas Neues entstanden ist, denn in dieser Ecke wäre vermutlich jede "moderne" Bebauung schlimmer als eine Nichtbebauung. Wenn man wenigstens nur annährend die Fassaden noch so qualitätvoll bauen könnte wie unsere seeligen Vorfahren - hach.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








  • Quote

    Leider war ich schon sehr lange nimmermehr in L, aber schräg vis-a-vis stand zum damaligen Zeitpunkt so ein hässlicher DDR Kasten, der mit Bauzäunen komplett abgeriegelt war. Steht das Ding noch oder hat man es mittlerweile abgerissen? Bzw ich traue mich erst nicht zu fragen, ob dort ev schon etwas Neues entstanden ist, denn in dieser Ecke wäre vermutlich jede "moderne" Bebauung schlimmer als eine Nichtbebauung. Wenn man wenigstens nur annährend die Fassaden noch so qualitätvoll bauen könnte wie unsere seeligen Vorfahren - hach.

    Du meinst bestimmt das Honecker'sche Gästehaus. Das ist denkmalgeschützt und soll, wenn ich mich recht entsinne, nun saniert und umgebaut werden. Gab da eine längere Diskussion drüber. Aber ich glaube, das war der letzte Stand.
    http://www.lvz.de/Leipzig/Loka…erge-in-Leipzig-bald-sein

  • @Saxonia


    Danke für Deine Antwort! Ich wusste nimmermehr, welche Funktion diese Platte hatte...Denkmalschutz...oje. Nur weil Honecker seine Gäste dort besser abhören konnte, stellt man die Platte gleich unter Schutz? Wenn man das Teil saniert, dann bleibt vermutlich eh nur noch der nackerte Beton über. Das Teil sah vor 15 Jahren schon übelst zugerichtet aus und wird heute vermutlich noch kaputter sein. Schade um die ansonsten wirklich wunderschöne Gegend. Herrlich war auch der große Park daneben. Alles in allem eine der lebenswertesten Städten in denen ich wohnen durfte. Hoffentlich heute auch noch.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








  • Nach der suboptimalen Waffenbrüderschaft mit den Österreichern 1866 musste man sich in Sachsen mit den "Freunden" im Norden gut stellen. Dazu zählten bisweilen auch solche symbolischen Ehrbekundungen. Allerdings waren die Sachsen später, nach 1871, durchaus ehrliche Bismarckjünger.
    Das große Bismarckdenkmal stand gegenüber im Johannapark. Eine seltene Ausführung in zivil. Die Nebenfigur wurde im Krieg der "Metallspende" zugeführt und 1946 der Rest in einer Nacht- und Nebelaktion vermutlich von eifrigen Jungkommunisten beseitigt.

  • ...ich wäre mit einer Spende von 100 € für die Reko des Denkmals dort einmal schon fix dabei ;-). Das bündelt in eventu zumindest die Kräfte der heutigen (grünen) Jungkommunisten und lässt sie von deren Umbenennungswahn in West (Hindenburgdamm) und Ost (Berlin Kreuzberg) womöglich abhalten. Im preussischen Offiziersjargon auch Scheingefecht genannt...:-)))


    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








  • Vielleicht sollte man jetzt wirklich mal über flächendeckende Videoüberwachung nachdenken. Selbst wenn es die idiotischen Täter nicht abschreckt, hätte die Polizei wenigstens die Möglichkeit den Verbrecher zu sehen, den Tathergang zu beobachten und den Fluchtweg zu verfolgen. So kann es auf jeden Fall nicht weitergehen.

  • Deutschland sollte doch besser seine wenige verbleibene Schätzen (Bauten) schützen!!


    Was in Dresden gestolen wurde ist fast nicht zu fassen.


    Mehr Video Bewachung und (viel) höhere Strafen für (fast endemische) Schmierereien, Brandstiftung, Diebstal usw.

  • Zum Brandanschlag auf das Bundesverwaltungsgericht.


    Ich habe mir die Situation vor Ort angesehen und kann dazu Folgendes berichten:


    Der Haupteingang des Gerichtsgebäudes wird durch einen Säulenportikus hervorgehoben.


    Bundesverwaltungsgericht, Haupteingang Simsonplatz 1 (Foto: Fred Romero, August 2015, CC-BY-2.0)


    Hinter jeder Säule wurde der Wand ein Pilaster von gleichem Aufbau vorgelegt. Säule und Pilaster stehen auf einem gemeinsamen Sockel.



    Bundesverwaltungsgericht, Auffahrt und Portikus des Haupteingangs (Foto: Appaloosa, Januar 2011, CC-BY-SA-3.0)


    Gebrannt hat es hinter der zweiten Säule von rechts (also unter den Buchstaben "CH"), und zwar auf dem Sockel zwischen Säule und Pilaster. Nach den Medienberichten brannte eine Flüssigkeit. Die Rückseite der Säule, vor allem aber der Pilaster zeigt eine starke Schwärzung, wie sie für Brandschäden typisch ist. Die Schwärzung reicht in der Höhe bis an den Balkon des Obergeschosses heran. Seitlich greift die Schwärzung nur nach rechts etwas über den Pilaster hinaus. In der frontalen Ansicht von der Platzfläche aus ist von dem Schaden praktisch nichts zu sehen, da er von der Säule verdeckt wird. Durch den Brand ist es zu Gesteinsabplatzungen gekommen, hauptsächlich an der Basis des Pilasters und an der rechten Kante seines Schaftes. Die frischen Bruchstellen sehen weiß aus. Es handelt sich wohl um Sandstein. Mehrere Gesteinsbrocken wurden auf dem Sockel zwischen Säule und Pilaster abgelegt.


    Links von der Säule ist eine Tür, die aber nicht die Haupteingangstür ist. Rechts von der Säule befindet sich der Nachtbriefkasten. Beide völlig unbeschädigt. Ein Absperrband reicht von der Tür um die Säule herum bis zum Briefkasten. Zum Glück wurde das Feuer schnell gelöscht. Die recht starken Gesteinsabplatzungen und Schwärzungen am Pilaster stimmen dennoch traurig.