Dresden - der Altmarkt

  • Ein Markt ist nunmal, was ein Markt ist: ein Handelsplatz. Was ist daran also so verwunderlich, dass man ihn auch so genutzt sehen möchte?

    I second that!



    Gerne kann man den Platz in den Sommermonaten ja als Platz nutzen, ein paar Café-Stühle hinstellen, ein kleines Café etc. pp. - aber für Herbst, Winter und Frühjahr bleibt es entweder ein großes leeres Feld oder man nutzt es dementsprechend.


    Zum Germaniadenkmal: Denkmal für den Sieg über Frankreich 1871 - Wiederaufbau? Really? Wenn es noch da stehen würde in voller "Pracht" und historisch wertvoll wäre - ok. Aber doch kein Wiederaufbau eines Kriegsdenkmals.


    50r/60er/Kulti: Weil halt alles, fast alles, was in dieser Zeit gebaut wurde, nun mal Sch***e war? Auch eine 50er Jahre Wohnung in Köln ist nicht unbedingt erhaltenswert... Bauliche Zeitzeugen sind es, damals musste Wohnraum geschaffen werden und zwar viel, schnell und billig. So sieht das dann aus; So ist dann die Qualität.


  • Das ist natürlich eine Geschmacksfrage. Ich finde diese Platzansicht schon sehr ansprechend. Aber auch den aktuellen Altmarkt sehe ich nicht so tragisch. Mir fehlt da allerdings ein fettes Monument oder ein plätschernder Brunnen in der Mitte.

    Die Ansicht ist doch garnicht die Vorkriegsansicht! So sah der Platz um die Jahrhundertwende aus.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Darüber hinaus, auch auf die Gefahr mich zu wiederholen, war der Altmarkt auch vor dem Krieg kein Juwel.


    Bisweilen kommt es vor, daß man einmal eine Fassade neu streichen muß. Wenn der letzte Anstrich schon etwas zurückliegt, muß man deswegen nicht gleich das ganze Haus abreißen. Ansonsten war der Altmarkt ein wertvolles und wichtiges Beispiel für einen gewachsenen Sächsischen Marktplatz; und man sollte nicht vergessen, daß mit Knöffels Altstädter Rathaus ein herausragendes Bauwerk den Altmarkt zierte.
    Was die Germania betrifft, ist es m.E. wohl so, daß sie als Rekonstruktion einfach nicht mehr vertretbar ist, weil die Grundhaltung der damaligen Zeit erledigt ist. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, daß man in Dresden heute einen Konsens für eine neue Germania finden würde. Vielleicht sollte man sich stattdessen einmal die Frage stellen, ob es in der Dresdner Stadtgeschichte eine Persönlichkeit gibt, die vielleicht noch nicht entsprechend gewürdigt wurde und ein Denkmal verdient hätte. Es ist auch sicherlich abwegig zu denken, daß eine Stadtverwaltung, die die Keller des Alten Rathauses ausbaggern läßt, sich nun auf dem gleichen Platz mit den Diskussionen über eine neue Germania beschäftigen würde.

  • 50r/60er/Kulti: Weil halt alles, fast alles, was in dieser Zeit gebaut wurde, nun mal Sch***e war? Auch eine 50er Jahre Wohnung in Köln ist nicht unbedingt erhaltenswert... Bauliche Zeitzeugen sind es, damals musste Wohnraum geschaffen werden und zwar viel, schnell und billig. So sieht das dann aus; So ist dann die Qualität.[/quote]


    Nicht alles muß unbedingt von schlechter Qualität sein, nur weil es aus den 50er Jahren stammt. Ob in Ost oder West.

    In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

  • Alles schaut danach aus, dass die Revitalis das letzte freie Grundstück an der Südseite des Altmarktes mit einem Wohn- und Geschäftshaus bebauen wird.


    Zumindest deutet die Meldung, dass das "Hausbüro" der Revitalis siegreich aus einem entsprechenden Gutachterverfahren zur Fassadengestaltung hervorgegangen ist, stark darauf hin.


    http://www.mpp.de/projekt/altm…hnungsbauprojekt-dresden/



    Bild: MPP


    Damit wäre das Viertel an der Altmarkt-Südseite 25 Jahre nach dem Beginn der Planung endlich geschlossen. Die Innenstadtentwicklung Dresdens war und ist eben leider kein Selbstläufer.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Wow, 7 volle Geschosse plus ein genutztes Dachgeschoss. Die Fassaden können - trotz spärlichen Bemühungen um eine Gliederung - nicht verheimlichen, dass es sich hier um einen reinen Renditebunker handelt. Ist die Lage so unattraktiv, dass man nicht dieselben Einnahmen mit einer Etage weniger und dafür herausragender, sich einfügender Architektur generieren können? Patschkes Charlotten- und Dompalais sind doch sicherlich auch exklusiver als nebenstehende 08/15-Bauten.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Mein erster Gedanke war auch, dass es sehr gedrungen ausschaut. Auch scheint es wieder so ein Lego-Dach zu werden ähnlich den anderen Neubauten an der Altmarktsüdseite

  • Das wirkt nur so gedrungen durch die verzerrte Perspektive der Visualisierung.


    Es hat die selbe Geschosszahl wie das Nachbargebäude zum Altmarkt hin.
    Nur hat man darauf verzichtet, das 1.OG fassadentechnisch ins EG zu integrieren und man statt einem Staffelgeschoss unterhalb des Dachgeschosses ein normales Vollgeschoss verwendet.


    Aber insgesamt sehen die MPP Entwürfe doch alle schon recht ähnlich aus vom Grundaufbau.

    Wenn nicht anders angegeben, sind alle Bilder von mir.

  • Boah, is dat langweilich....
    Reine Gebrauchsarchitektur ohne gestalterischen Anspruch. Eins muss man allerdings sagen: es fügt sich perfekt in die Umgebung ein - die anderen Kisten ringsum sind auch nicht besser. Die ganzen Bauten zwischen Rathaus, Seestraße und Altmarkt sind irgendwie belanglos.

  • Dresden gibt sich wirklich alle Mühe, den Mythos Elbflorenz unter schrecklich kleingeistiger Stadtplanung zu begraben. Selbst der Neumarkt scheint irgendwie wie ein verlogenes Versprechen angesichts des städtischen Umfelds. Ich kann mit diesem Dresden nichts mehr anfangen.

    In dubio pro reko

  • Servus,


    einige bitte ich wirklich mal in der Realität dieser Welt anzukommen... Wir haben es hier mit einer 2B Lage zu tun würde ich denken. Richtung Külz-Ring steht noch viel Banaleres herum. Auch wenn ich jetzt gesteinigt werden sollte: In erster Linie geht es hier darum, das Raster der Straßen inmitten einer Region mit ca. 750.000 Einwohnern wieder herzustellen. Die Architektur, die sich hier ergibt, ist genauso wie in allen anderen deutschen Großstädten an einem solchen Standort. Nicht besser und nicht schlechter. Ob in 50 Jahren alle dieser Bauten noch in dieser Form Bestand haben, ist eher anzuzweifeln. Das Problem ist hier keines irgendwelcher Stadtplanung, sonder der heutiger Wirkmechanismen. Man hat es mit großen Gesellschaften zu tun, die das Geld ihrer Anleger vermehren sollen. Erstklassige Architektur spielt da keine Rolle. Für diese ist nun mal ein Bauherr von Nöten, der sich mit diesem Bau zeigen will, eigene Ansprüche und Vorstellungen hat und diese von einem im Idealfall sehr guten Architekten umsetzen lässt. Das ist in deutschen Großstädten leider kaum noch der Fall und deswegen sehen deutsche Großstädte so aus, wie sie aussehen, was man in Stuttgart oder Köln oder Berlin oder München oder eben Dresden studieren kann. Wer hier davon träumt, dass an solchen Standorten das Alte Dresden wieder aufersteht... Gebe ja zu - es ist nicht die Beste Architektur - Gründe siehe oben - aber der Untergang des Abendlandes ist nun auch was anderes. Der hat in Dresden vor allem am 13.2.1945 stattgefunden und in der nachfolgenden Großflächenentrümmerung.


    Wer sich vor Ort umsehen will, kann dass im Panorundgang hinter der Kreuzkirche oder vom Külz-Ring kommend bei uns gern tun. Aber es ist definitiv nicht das Alte Dresden (würde ich Gästen nun nicht unbedingt zeigen - aber es ist besser als grüne Wiese) und auch vor 1945 standen da eher Bauten, wo man sich trefflich darüber streiten könnte, was wirklich schön ist.


    PS - Wie man die allgemeine Baukultur wieder heben könnte - dies ist mir vor allem an solchen Standorten auch ein Rätsel.

  • aber der Untergang des Abendlandes ist nun auch was anderes.


    Oh doch. Er zeigt sich auch beim Verfall im Kleinen.


    Ansonsten gebe ich Dir recht, dass der Bau kaum weh tut und immerhin eine innerstädtische Brache füllt. Architektonisch aber zeigt er, dass von der abendländischen Tradition auch an dieser Stelle kaum noch etwas zu spüren ist. Es sind Renditekisten, die das Gesicht der globalen neuen Weltordnung zeigen und verstetigen.

  • 1991 hatte man die Wahl, ob man sich an der Altmarkt-Südseite für außergewöhnliche Architektur (man denke an den Solitär von Storch, Ehlers und Partner) oder soliden Städtebau entscheiden sollte. In Anbetracht der "Unbehaustheit" der Dresdner Innenstadt entschied man sich damals für Letzteres.
    Natürlich ist auf den Altmarkt-Baufeldern keine außergewöhnliche Architektur entstanden. Stattdessen sehen wir hier heute gebaute Langeweile oder besser: Normalität. Dass das ein riesiger Fortschritt für den geschundenen Dresdner Stadtorganismus ist, kann wohl nur der empfinden, der die Brachen des nicht vorhandenen Stadtzentrums im Jahre 1990 gesehen hat.
    Deshalb schafft sich Dresden hier auch nicht ab oder verspielt seinen Mythos, der mit dem Altmarkt nun so überhaupt nichts zu tun hat, sondern wird einfach wieder Stadt - auf die solide Art.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Danke für deinen Beitrag durch die Dresdner Brille, Bilderbuch. Auch als Auswärtiger sehe ich das so.


    Exzellentes konnte man hier wohl kaum erwarten, aber auch deutlich schlimmeres. Ich bin froh, dass hier Architektur entsteht, die den Stadtkörper nicht stört, das Zentrum wieder urbanisiert und zugleich Sehenswürdigkeiten wie die Kreuzkirche recht angenehm rahmt. Am wichtigsten ist für Dresden wirklich die Urbanisierung, das Zentrum ist noch immer wie eine halbe Mondlandschaft. Und das in einer wachsenden, aufblühenden Stadt!

  • Aber trotzdem bitte nicht nur mit 08/15 Bauten vollstellen.

    In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

  • Also fuer den Mist, den man sonst so ausserhalb des Neumarkts in der Altstadt so vorfindet, ist diese Gebaeude eine richtige Wohltat. Mir gefaellt es gut und auch durch so manche andere Gebaeude, die derzeit geplant werden (zB am Postplatz) gibt es eine kleine Hoffnung, dass es ein wenig besser wird. Das Dresden von frueher wird diese Stadt ohnedies nie wieder werden koennen, aber jede Reko und jedes Gebaeude, wie das hier gezeigte, helfen ungemein.

  • MK4 Altmarkt


    Die Revitalis will MK4 für 7,5 Mio kaufen, was durch den MPP Entwurf vor geraumer Zeit schon wahrscheinlich war.
    50 Mio sollen investiert werden.
    Den Entwurf sieht man nochmal gut in der Ratsvorlage.
    http://ratsinfo.dresden.de/vo0050.php?__kvonr=11909


    Wenn alles durch ist, geht es dann ganz fix, denn die Stadt hat eine gewaltige Klausel im Kaufvertrag drin. Sowas etwas hätten viele andere Grundstücke im Zentrum auch benötigt.


    Quote

    Nach der Beurkundung muss der neue Eigentümer innerhalb von acht Wochen archäologische Grabungen auf dem Grundstück durchführen lassen. Binnen sechs Monaten muss dann der Bauantrag gestellt werden. Ist dieser erteilt, muss die Revitalis binnen weiterer sechs Monate mit dem Bau beginnen und 36 Monate später fertig werden. Hält die Firma das nicht ein, muss die Grube verfüllt werden. Die Grundstücke dürfen nur mit Zustimmung der Stadt weiterverkauft werden. Verletzt die Revitalis diese Pflichten, sind 300 000 Euro Vertragsstrafe an die Stadt fällig.


    http://www.sz-online.de/nachri…kauft-werden-3354868.html



    Dafür ist die Stadt verpflichtet die Bohrpfahlwand zu entfernen, die Straßen um das Quartier fertigzustellen und den Tunnel zum nh-Hotel samt Beleuchtung zu ertüchtigen. Das Geld dafür kommt vom Kaufpreis.

    Wenn nicht anders angegeben, sind alle Bilder von mir.

  • Was bei diesem Vorhaben wirklich schade, aber leider im Quartier keine Ausnahme ist, sind die abgeschlossenen Erdgeschosszonen, die nur entlang der Pfarrgasse einige wenige Geschäfte erhält, ansonsten aber ein schnödes Hochparterre hat.



    So stellt sich die Situation aktuell dar.



    Durch die interessante Geometrie des GMP-Hauses kommt immerhin etwas Abwechslung in die Gasse.



    Trotz der wenig spektakulären aber durchaus soliden Architektur kann ich gut mit dem Quartier an der Südseite des Altmarktes leben. Es schafft ein Stück städtische Normalität im Dresdner Zentrum, die nun an dieser Stelle durch den Neubau eine gewisse Abrundung erfährt.


    Bilder sind von mir.

  • Ich hab schon mal im DAF gefragt aber keine Antwort bekommen, weiß jemand, warum man sich hier mit der neuen Kramergasse entschieden hat, die beiden Quartiere an der Südseite des Altmarkts noch mal zu teilen? Ich sehe da keinen wirklich Sinn drinn. Klar man müsste dann Richtung Kreuzkirche einen kleinen Umweg über den Altmarkt nehmen, aber das hätte den ja ohnehin überdimensioniert Platz vielleicht sogar zusätzlich belebt. Bei zusammenhängenden Quartieren hätte man dann sogar ähnlich der Vorgehensweise am Neumarkt für eine kleinteiligere Bebauung sorgen können.

  • Nachdem der Wettbewerbssieger für die Gestaltung der Südseite des Altmarktes auf keine allgemeine Akzeptanz gestoßen war, machte sich eine Gruppe des BDA ans Werk, einen praktikalben Plan für die Bebauung zu erarbeiten. In der Quintessenz hat man sich für einen Entwurf entschieden, der eine möglichst wirtschaftlich sinnvolle Einteilung der Quartiere mit dem verband, was Dresden damals - und auch noch heute - unbedingt brauchte: kleinteilige Gassenfolgen. In diesem Sinne schien die Anlage der Kramergasse sinn- und als Verbindung zur Kreuzkirche mit Blick zum Rathausturm auch durchaus reizvoll.