Dresden - der Altmarkt

  • Mutmaßliche Beseitigung von Frostschäden, welche durch die untypische (Lego)Dachkonstruktion bedingt sein könnten, welche wiederum für einen unzureichenden Regenwasserablauf verantwortlich sein könnte. Rechte Winkel eignen sich nunmal nicht als Rutschbahn.

  • Dieses Lego-Haus könnte ein mehr als annehmbarer Bau sein, viel besser als sein Nachbar, wäre nur die Dachzone 'beruhigt'

    Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. - Friedrich Schiller -

  • Finde ich auch, das Gebäude an sich finde ich ganz gut. Der Bau ist klar modern gehalten, klare harte Formen aber doch mit einer Fassadengliederung. Das Dach gegen ist wohl die Idee eines lustigen Architektenkindes gewesen. Oder der Papi hat dem Sohn beim Spielen zugeschaut, man weiß es nicht.

  • Der Kasten mit seinen spiegelverglasten Erkern scheint hier wohl langsam einige Freunde zu finden?!


    Aber im Ernst: GMP würden wohl heute nicht mehr so bauen und im Falle eines Falles und unter einem gewissen Veränderungsdruck auch keine Urheberrechtsklage einreichen. Das Dach war - nun ja - damals wohl eine leicht kapriziöse Persiflage auf die Aufgabenstellung des Wettbewerbs. Jury und Auftraggeber aber müssen diese Art Humor wohl mit großer Architektur verwechselt haben und setzten den Blödsinn letztlich um. Vielleicht sollten GMP der Allianz mal einen Brief schreiben und dieses kleine Missverständnis aus der Welt räumen?!

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Obwohl ich schon ewig in dieser Stadt lebe und sie früher in ihrem Zentrum kaum mehr zu bieten hatte, als diese wenigen Gebäude, ist mir die Tafel am Eingang der Webergasse (Altmarkt-Westseite) nimmer aufgefallen.



    Kann jemand etwas mit dem "Kurs 80/20" anfangen?


    Vielleicht liegt es daran, dass sich schon seit Jahr und Tag eine Losbude davor befindet?!


    Bild ist von mir.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Danke, sehr interessant. Die sozialistische Ideologie als Religionsersatz.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Wahrscheinlich ist die Tafel auch sonst niemanden bis dato aufgefallen, denn sonst hätte man diese Platte vermutlich schon längst eingeschmolzen und einer anderen Verwendung zugeführt.


    Generell finde ich alle erhaltenen und erhaltungswürdigen Spuren und Symbole unserer Geschichte immer höchst interessant und finde es schade, wenn man diese aus welche Gründen auch immer tilgt. Auch wenn der Inhalt dieser konkreten Tafel ziemlich lächerlich wirkt und ich die Verherrlichung des Sozialismus abstoßend finde, sollten auch diese Tafel unbedingt erhalten werden - es ist unsere Geschichte. Deshalb finde ich es auch schade, dass am Reichsluftfahrtministerium nicht mehr alles erhalten ist oder man auch die - wie ich finde - imposante und hochwertigst ausgeführte Reichskanzlei nach dem Krieg dem Erdboden gleich gemacht wurde. Schlimm zu sehen, was heute für Mist dort steht.


    Danke, Bilderbuch für dieses Bild!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Solche Schilder gibt's doch vielerorts in den neuen Bundesländern, etwa zur Erklärung von in der DDR vergebenen Straßennamen. Da kann man dann auch aus heutiger Sicht eher unfreiwillig komische Erläuterungen wie „Proletarier“ oder „Kämpfer gegen den Kapitalismus“ lesen. Ich sehe das wie Exilwiener, genauso wie historische Werbung an Brandwänden ist das ein Teil von Geschichte und des Stadtbildes und sollte erhalten werden.

  • Danke für den Einwand mit den Werbungen auf den Brandwänden und ich möchte ergänzen - an den Fassaden und Portalen! In Wien findet man solche alten Aufschriften leider überhaupt nicht mehr. In Zittau und anderen kleineren Städten im Osten sieht man diese Schriftzüge noch in Mengen und selbst bei Sanierungen habe ich gesehen, dass man diese erhält.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ja, in Zittau ist es besonders augenfällig, dort fühlt man sich stellenweise wie in Fotos der Jahrhundertwende hineinversetzt. Leider sind diese Ecken geradezu geisterstadtmäßig und werden wohl in den nächsten Jahrzehnten vollständig dem Abriss anheim fallen.

  • Wahrscheinlich ist die Tafel auch sonst niemanden bis dato aufgefallen, denn sonst hätte man diese Platte vermutlich schon längst eingeschmolzen und einer anderen Verwendung zugeführt.


    Derartige und z.T. wesentlich auffälligere Tafeln gibt es schon noch. So wird etwa der geneigte Betrachter am Fürstenzug darüber informiert, dass die Attraktion ebenfalls zum Anlass des 20. Jahrestages der Republik eine Generalüberholung erhalten hat. Und am Neustädter Markt weisen vergoldete Wappenschilde und ein entsprechendes Sprüchlein auf die großen Errungenschaften anlässlich des 30. Geburtstages hin.
    Aber zurück zum Altmarkt: hier gibt es eine weitere hübsche Tafel, die uns an die Erstürmung des Rathauses im Jahre 1849 erinnert. Damals hatte man dort Waffen vermutet und wohl auch gefunden. In Analogie dazu gibt es eine weitere am Postplatz, die an die dortige, von Gottfried Semper konstruierte, Hauptbarrikade gemahnt.

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  • Stimmt, die Tafel beim Fürstenzug kenne ich sogar, aber an der kommt quasi auch niemand vorbei und ist zum Glück inhaltlich weniger peinlich. Ich glaube sogar, dass beim Fürstenzug auch offziell die Zerstörung der Stadt durch Briten und Amis angeprangert wird, aber diese Tafel, bilde ich mir ein ist aus Porzellan oder hängt knapp daneben (?).


    Alle anderen von Dir genannten Beispiele sagen mir natürlich nichts, weil ich diese Orte bei meinen häufigen Dresden Besuchen stets meide. Einzig den Neustädter Markt muss ich leider bei meinem Weg von der Altstadt kurz passieren, wenn ich in die Königsstraße herübereile. Aber das ändert sich vielleicht irgendwann einmal, wenn hoffentlich dieses verslumte Plattenbaugebiet einmal hochwertig bebaut wird - nach dem modernen Florana Plattenbau müssen wir uns da aber wahrscheinlich noch ein bisserl gedulden - aber eine Bronzetafel als Erinnerung an das Neustädter Rathaus könnte man derweil einmal anbringen, bis dieses wiedererrichtet ist.

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  • Was ist denn da los?



    GMP-Bau an der Altmarkt-Südseite


    Bild ist von mir.


    Nachdem nun seit dem Winter wieder einige Monate ins Land gegangen sind, erklären sich die nebulösen Bauarbeiten am Bürohaus der GMP-Architekten an der Südseite des Altmarktes durch die Abnahme der Gerüste fast von selbst. Es wurden zusätzliche Riesen-Gauben eingebaut, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die vermietbare Fläche signifikant vergrößern.



    Zum Vergleich:


    Geschftshaus am Altmarkt von Gerkan & Marg und Partner, 2000 - Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts


    Bild ist von mir.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Ich glaube, die Planverfasser dieses Gebäudes an der Südseite des Dresdner Altmarktes müssen viereckige Augen haben. Anders kann ich mir diesen manieristischen Hang zu rechtwinkligen Elementen nicht erklären. Dabei ist die Kubatur und die Fassadengliederung des Gebäudes gar nicht so schlecht, sie müsste nur noch im barocken Stil überkleidet werden, ähnlich wie die unmittelbar benachbarte Altmarkt-Galerie. Dann würden die Platzwände des Altmarktes eines stimmiges Bild ergeben.

  • Ich finde, es ist weit besser geworden. Die Durchdringung der Dachzone nimmt dem Bau etwas von seiner lähmenden Primitivität. Das Versatzstückartige wird auf die Spitze getrieben.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Der abgrundtief hässliche sogenannte Wochenmarkt auf dem Altmarkt wird endlich abgeschafft.


    Aus für Wochenmarkt auf dem Altmarkt - DRESDEN FERNSEHEN - Alle Videonachrichten für Dresden! > Zuschauernachricht


    Leider hat man es über die Jahre nicht geschafft, einen ähnlich attraktiven Händlerbesatz wie am Schillerplatz oder gar in Prohlis zu installieren. Vom Freitags-Markt an der Lingner Allee brauchen wir gar nicht anzufangen. Das ist nun also das Resultat.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Der Grund für die Gestaltung liegt nicht im "Hang zum Rechteckigen". Ich glaube eher, daß die Architekten Bürokosten einsparen müssen und daher die Modelle mit LEGO erstellt werden. Ist sehr günstig, kann aber im Detail eventuell zu dem ein oder anderen Missverständnis führen.


    Im Zuge der Kostensenkung ist es übrigens angedacht, generell bei Architekturmodellen aus der DIN die bisher üblichen Maßstabsrichtlinien zu ändern von 1:500, 1:200, 1:100, 1:50 etc. auf 1:240, 1:160, 1:87... Auf die Art und Weise könnten diejenigen, die bei Wettbewerben kein Preisgeld erhalten ihre Unkosten durch Angebot der Arbeiten z.B. beim Märklin-Online-Shop kompensieren...


    Habe ich gehört... :tongue:

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert...wenn das Schwert sehr stumpf ist und die Feder sehr spitz!


    -Terry Pratchett

  • So sieht übrigens der besagte Wochenmarkt aus:



    Der aktuelle Händlerbesatz:


    - "Lederwaren"
    - Strickwaren
    - Würstchen, Würstchen, Würstchen,...


    Bild ist von mir.

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  • Kardinal


    Ich hoffe, Du hast dich da verlesen.


    Als Besitzer einer TT-Modellbahnanlage verlange ich natürlich auch den Maßstab 1:120!!!


    Obwohl, wenn ich es mir genau überlege, wer würde sich solch einen Müll auf die Modellanlage stellen.


    Kenne zum Beispiel keinen, der als Modellvorlage moderne nordkoreanische Architektur gewählt hat. Und in anderen Umgebungen sind die meisten Entwürfe gar nicht integrierbar.




    Holger

  • Quote from Wikipedia

    Das siebengeschossige Gebäude des Café Prag wurde von Johannes Rascher entworfen und von 1953 bis 1956 im Stil des sozialistischen Klassizismus mit neobarocken Anklängen erbaut und in Anlehnung an Dresdner Bautradition mit einer Sandstein-Putzfassade versehen.

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