Dresden - der Altmarkt

  • ^ Das mag sein, mir ging es aber um die Form. Und ein Schrägdach (mit Gauben) ist ja das, was hier Strang auf, Strang ab propagiert wird, non?

  • Es stimmt irgendwie, die pure Anordnung der fenster und deren Dimension ist okay. Was mir fehlt ist etwas mehr "Witz" an der Fassade. Ein Hauch von Stuck und Ornamentik – es muss ja nicht ausladend sein – bei ein, zwei vertikalen Fensterreihen und unterm Dach oder so bringt das Investitionssäckl nicht um und steigert den Wert und das Ansehen/den Wohlfühlfaktor der Immobilie enorm. Wünschenswert wäre auch noch ein Dresden typisches Portal und schwupps, hat man keinerlei Probleme mit der Anpreisung des Gebäudes, weder in der Öffentlichkeit, noch bei der Vermietung/dem Verkauf. Vlt noch gute Fester … Verdammt nochmal, es würde gehen, man will nur nicht, aus Geldgier. Hauptsache was bauen und Fläche schaffen …

  • Korrektur: Ich muss mich verbessern, ich habe auf Bilderbuchs Foto nicht erkannt, dass es das Gebäude am Dr.Külz - Ring ist! Hatte es fehlerhafterweise für Teil der Wilsdruffer gehalten und mich schon gewundert, warum die Hinterfront der Wilsdruffer so gut aussieht.....


    :?


    Zum Hotel von Wörner & Partner am Dr.Külz-Ring kann ich ganz klar sagen: Etwas arg schlicht, aber für mich aktzeptabel. Würde man mehrere solcher schlichten Gebäude in der Dresdner Innenstadt errichten, wäre das bereits ein Fortschritt. Das Gebäude ist keine Glanzleistung, aber ich finde es bereits um Welten besser als das Ding in der Wilsdruffer. Es hat Ansätze zu einem konventionellen Europäischen Stadthaus, also genau das, was die zum Teil noch immer leergefegte Dresdner Innenstadt dringend benötigt. Das Ding in der Wilsdruffer ist der falsche Ansatz, ich finde sowieso dass man in einer Innenstadt nicht eine US-Style Shopping Mall neben die anderen pflanzen kann, ohne den Europäischen Stadtcharacter zu zerstören. Das Schlimme an dem ECE-Gebäude aber ist nicht die Funktion als Einkaufszentrum, sondern dass es bereits jetzt den Charme eines 1960er Jahre Parkhauses hat. Armselig.


    Besser ein langweiliges Bürogebäude (so sieht es jedenfalls aus) wie von Wörner & Partner am Dr.Külz-Ring, als Shopping-Mall mit Parkhaus-Charme und Kassenbon-Fenstern wie beim ECE-Gebäude.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Quote from "Sankt Petersburg"

    ...ich finde sowieso dass man in einer Innenstadt nicht eine US-Style Shopping Mall neben die anderen pflanzen kann, ohne den Europäischen Stadtcharacter zu zerstören.


    Doch, kann man. Der Europäische Stadtcharakter wurde in Dresdens Innenstadt mit dem sozialistischen Vorzeigewiederaufbau ohnehin schon zerstört, dagegen wirken selbst viele US-Städte europäischer. Und es existieren noch so viele Brachflächen, worauf etliche Shopping-Center Platz fänden. Nicht nur User Reikianer träumt in Dresden vom großen Shopping-Paradies und sieht im nahen Osteuropa neue Käuferschichten. In einer kleinteiligen, guterhaltenen Innenstadt, also beispielsweise drüben in Prag, wäre sowas freilich völlig undenkbar. Dort müssen gigantische und "zugeknöpfte" Shopping Malls mit dem Stadtrand vorliebnehmen.

  • Quote from "spacecowboy"

    Der Europäische Stadtcharakter wurde in Dresdens Innenstadt mit dem sozialistischen Vorzeigewiederaufbau ohnehin schon zerstört,


    Erst einmal fand die Zerstörung des Stadtcharakters etwas fürher statt, und sodann stellt sich die Frage, ob dieser Vorzeigewiederauf bau nicht europäischer als das, was zB im Westen geschah, war. Immerhin war es so etwas wie eine planmäßige Stadtgründung mit gewissen ästhetischen und nicht rein kommerziellen Bedachtnahmen.
    Gerade am Altmarkt. Man schaue sich damals entstandene vergleichbare Plätze in der Westzone an.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • ^ Mit sozialistischem Vorzeigewiederaufbau beziehe ich mich ironisch auf die strukturelle Zerstörung des Dresdner Zentrums nach dem WKII, als Gassen, Straßen und Plätze großangelegten Arealen wichen. Das gilt auch für das Gebiet rund um den Altmarkt. Diese Zerstörung gab es in dem Umfang nicht einmal in westdeutschen Großstädten. Dieser Fehlplanung sowie der Tatsache, dass bis 1989 noch nicht alle Areale vollständig bebaut wurden (Stichpunkt Brachflächen), begünstigst das Ausbreiten der Shopping Malls. Welch ein Glück, dass wenigstens der Neumarkt davon verschont blieb und dort heute keine überdachte Neumarkt-Galerie mit integrierter Ruine der Frauenkirche steht.

  • In der Westzone wäre dem Altmarkt vermutlich ähnliches drübergelegt worden wie seinen Gegenstücken in Mannheim oder Gießen (vllt. sogar Würzburg) - nicht die schlechte Güte wie Ludwigshafen, diversen Ruhrstädten oder Pforzheim, aber eben "verlebt" und belanglos in seinen Füllbauten und abgestuckten Restbeständen.


    Nun, belanglos ist der Arbeiterbarock auf keinen Fall - seine sowjetische, etwas befremdliche Wirkung trotz goldrichtiger Einzelformen beruht auf seiner Unvollständigkeit. Darauf müssen sich die Architekten einlassen - und können es bis heute nicht, weil sie vielleicht die sowjetische Sprache verstehen (d.h. das Neue in jedem Fall groß und plastesäulenpusselig), aber nicht den einstigen Planungszusammenhang (trotz der widerlichen politischen Vorzeichen gehören diese Pläne zum Eindrucksvollsten, was an Wiederaufbau verglichen werden kann) aus sehr heimischen Gesichtspunken. Seit etwa 1960 wollte das auch keiner mehr in der Ostzone. Die diversen Generalpläne zeugen IMO vor allem von immer größerer Hilfslosigkeit gegenüber dem bildgewaltigen Anfang.


    Daran anzuknüpfen wird immer schwieriger, je weiter jene düsteren (und barbarischen!), aber auch sehr gedankenvollen Zeiten zurückliegen. Um zu antworten und weiterzuführen, müßte entsprechend gedacht werden; in der heutigen Zeit eine fast unmögliche Aufgabe. Finanziell scheinbar nur durch die großen Ketten zu bewerkstelligen, die ihre Firmenikonographie dem lokalen Formenfundus vorziehen bzw. nicht mal wissen, daß was derartiges auch für Profanbauten existiert.

    Nein, die werden gedünstet

  • Quote from "spacecowboy"

    Doch, kann man. Der Europäische Stadtcharakter wurde in Dresdens Innenstadt mit dem sozialistischen Vorzeigewiederaufbau ohnehin schon zerstört, dagegen wirken selbst viele US-Städte europäischer.


    Wie? Der Europäische Charakter wurde in Dresdens Innenstadt ohnehin zerstört, also kann man es ruhig mit noch mehr US-Shoppingmalls zuknallen? Interessante Sichtweise, zwar nicht die meine - nach dem Motto ist alles sowieso futsch, daher egal - aber zumindest eine gewisse Logik darin.


    Übrigens, die US-Städte die du meintest (z.B. Richmond/VA, das durch von Hessen erbauten Gassen an das alte Frankfurt erinnert) sind genau die, die eben noch nicht durch Shoppingmalls zugestellt sind. Insofern kannst du kaum die Shoppingmallisierung Dresdens durch "europäische US-Städte" rechtfertigen, wenn diese gar keine Shoppingmalls haben. Richmond bspw. sieht tatsächlich aus wie eine Europäische Stadt - eben weil man hier gerade das nicht zugelassen hat, was Spekulanten, Finanzlobby und Stadtplanung zur Zeit in Dresden aggressiv vorantreiben. Dresden sieht an Postplatz, Prager Str. und Altmarkt (ECE) bereits jetzt amerikanisierter aus als das eher ans victorianische England erinnernde Richmond.


    Wieso Du dich für noch mehr US-Shopping Malls in Dresden einstetzt, ist mir zwar unverständlich, aber ich akzeptiere Deine Meinung. Ich habe übrigens nichts gegen Shoppingmalls, aber ich stelle mir die Frage: Wieviele davon verträgt eine kriegszerstörte Innenstadt? Die Dresdner City bereits jetzt mehr Shoppingmalls als Frankfurt am Main. Allerdings bei weitem nicht die Kaufkraft.


    Man muss nicht BWL studiert haben sondern kann sich an 10 Fingern ausrechnen um zu sehen, dass die Amerikanisierung Dresdens durch immer mehr Shoppingmalls eine Fehlplanung ist, und zwar eine höchst fatale. Vom Schaden für das Stadtbild ganz zu schweigen.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • ^ Ich bin ganz sicher kein Verfechter von Shopping Malls. Wo willst du das von mir gelesen haben? Ich habe dir lediglich zu verstehen gegeben, dass der europäische Stadtcharakter Dresdens schon viel früher zerstört wurde. Die Shopping Malls heute sind nicht Ursache, sondern Folge dieser Stadtzerstörung. Jetzt verständlicher?

  • Gut, dann hatten wir uns missverstanden. Ich jedenfalls finde es bedenklich, wie Politiker und Stadtplanung sich auf Shoppingmalls versteifen, obwohl Dresden bereits jetzt zu viele davon hat. Wenn du das in klaren Worten Stadtzerstörung nennst, stimme ich Dir zu.


    Schockierend finde ich an Dresden nicht nur, dass es immer mehr US-Städten gleicht - was auch nicht verwundert, da ja ein Großteil Dresdens vor 4 Jahren an den [url=http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,448992,00.html]US-Konzern Fortress[/url] verkauft wurde und man daher auch architektonisch immer deutlicher sieht, wer hier das Sagen hat.


    Aber es ist nicht nur der US-Einfluss. Vor allem sind einige Planungen einfach unglaublich hässlich, bsp. kommende Projekte in der Bürgerwiese, am Straßburger Platz (FLORANA Gmbh) et cetera. Ich weiß nicht, nach welchen Strategien die Dresdner Stadtplanung vorgeht. Aber nach denen der Vernunft und der Ästhetik sicherlich nicht.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Beim Wettbewerb für die Altmarkt-Südseite hatten sich 1991 Storch Ehlers und Partner durchgesetzt.


    http://www.s-e-p.de/projekte/altmarkt_dresden.php


    Auch bei diesem Entwurf handelte es sich um eine Großstruktur, die letztlich eine Einkaufsgalerie aufgenommen hätte. In der Politik konnten sich diese Planungen damals nicht durchsetzen, weshalb es zur Umsetzung des unspektakulären Kompromissvorschlags der Dresdner Architektenkammer kam.
    In den frühen 90'er Jahren hatte man noch Ambitionen, Dresdens Innenstadt in einer europäisch-kleinmaßstäblichen Form zu komplettieren, was dann in solch unspektakulären aber doch sehr tragfähigen Konzepten, wie der Südseite des Altmarktes gipfelte. Aufgrund der allgemeinen Baukrise und der damit einsetzenden Erlahmung des Wiederaufbaus der Innenstadt ab Mitte des Jahrzehnts, ließ man alle Hemmungen fahren und gab den Weg für die großen Center frei. Dabei war aber selbst die Altmarktgalerie noch recht gut integriert. Die jüngsten Entwicklungen zeigen leider, dass jetzt scheinbar jeder Mist genehmigungsfähig zu sein scheint.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Quote

    Diese Zerstörung gab es in dem Umfang nicht einmal in westdeutschen Großstädten. Dieser Fehlplanung sowie der Tatsache, dass bis 1989 noch nicht alle Areale vollständig bebaut wurden (Stichpunkt Brachflächen), begünstigst das Ausbreiten der Shopping Malls.


    Hier spricht endlich jemand mein Problem mit den Stalinbauten ganz genau aus. Die gleiche Situation ergibt sich in Magdeburg (und potenziell auch in Berlin). Sie begünstigt den Bau maßstabsloser Shopping-Malls, und nur dieser.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Am Altmakt geht es dieser Tage wieder stramm voran.



    Mit Sicherheit fiebert bereits die ganze Stadt der Eröffnung von NH-Hotel, Starbucks und Co. entgegen.



    Aber auch das Holiday Inn hat nun die Traufkante erreicht. Mittlerweile haben die Fensterbauer ihre Arbeit aufgenommen.


    Rund um die Kreuzkirche gehen die Umgestaltungsarbeiten langsam dem Ende des ersten Bauabschnitts entgegen. Am großen Südportal hat man nun ein weiteres Denkmal aufgestellt, das an das in der Kreuzkirche abgehaltene Friedensforum vom 13. Februar 1982 erinnern soll. Damals zogen erstmals Tausende singend und "mit Kerzen bewaffnet" zur Frauenkirche, gedachten der Opfer des II. Weltkrieges und demonstrierten ihren Willen zu Frieden und Abrüstung.


    Hierzu gibt es einen sehr zu empfehlenden Text:


    Geschichte FB: B.Röder Dresden 1945/1982



    Die zwei Granitblöcke erinnern an die bis zu Beginn der Umbaumaßnahme vor dem Portal befindlichen Sockel, die nach der Erneuerung durch Schilling und Graebner von 1900 bis 1945 ein Vordach trugen. Auf dem unteren Stein ist das Datum des 13.Februar 1982 eingraviert. Darüber befindet sich eine Bronze-Plakette mit dem bekannten Symbol "Schwerter zu Pflugscharen", das nach einer Skulptur von Jewgeni Wutschetitsch gestaltet wurde.


    Bilder sind von mir.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Jetzt bestehen Denkmäler auch schon aus Kuben …


    Und noch ein Starbucks? Naja … Ich werde die bei meinen nächsten Dresdenbesuchen meiden und in richtige Cafes gehen.

  • Da wären wir uns ja fast über den Weg gelaufen.


    Leider vermag man bei diesen Ansichten kaum zu erkennen, dass man sich in einer europäischen Altstadt befindet. Fast trauriger allerdings ist, dass dies eh kaum einem auffallen wird.


    Aber letztlich wird die Zukunft über diese Gebäude richten. Das Centrum-Warenhaus etwa stand keine dreißig Jahre!

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • SZ vom 11.08.10 - Neues Denkmal vor der Kreuzkirche enthüllt


    Quote

    Ernst Julius Otto war ein bedeutender Musiker, der von 1828 bis 1875 den Dresdner Kreuzchor leitete. Sein Denkmal wurde jetzt neu gestaltet.[...] Zur historischen Vorlage gesellte der Künstler einen heutigen Kruzianer.[...] Gestaltet wurde die Figurengruppe ursprünglich 1886 zur Erinnerung an den 22. Kreuzkantor von Gustav Kietz, einem Schüler des Bildhauers Ernst Rietschel. Das Denkmal befand sich vor der einstigen Kreuzschule.[...] 1942 wurden die Bronzefiguren zu militärischen Zwecken eingeschmolzen. Zuvor waren aber Gipsabgüsse entstanden. Diese blieben erhalten, sie wurden 1945 geborgen und in den 1980er-Jahren konservatorisch behandelt.


    [...]„Um einen Bezug zur Gegenwart zu schaffen, hat er einen zeitgenössischen Kruzianer zum Ensemble gestellt“, erläutert Lunau. Die Knabenfigur besteht aus Aluminium.[...]


    Quelle: Schsische Zeitung [online]


    Und ein Foto gibts hier: Schsische Zeitung [online]

  • Naja, da muss man dran denken, dass ein anderer, etwas bedeutenderer Musiker als jener Ernst Julius Otto in den 1820ern Kreuzschüler war und hier entscheidende Anregungen empfing, die bis in sein Spätwerk nachweisbar sind (zB Dresdner Amen).
    Dazu hat dieser eine lange und höchst interessante Wirkungsgeschichte in dieser Stadt, bis zur führenden Teilnahme am Maiaufstand 1849.
    Gibt es für den eigentlich in ganz DD ein Denkmal?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Tja, die wiedererrichteten Zentren in Polen (Breslau...) haben da eine ganz andere Qualität.

    MODERNExit