Dresden - der Altmarkt

  • Quote from "Zitronenpresse"

    Der Hotelneubau am Altmarkt/Dr.Külz.Ring geht so gut wie in die Schlussphase.


    Passend dazu wird auch das Umfeld dem bekannten Dresdner Standart angepasst:


    Quote

    Im Einzelnen werden folgende Straßenbauarbeiten ausgeführt:
    Neubau der Straße An der Mauer zwischen Pfarrgasse und Schreibergasse, Komplettierung der Pfarrgasse zwischen An der Mauer und Dr.-Külz-Ring, Ergänzung der Oberflächenbefestigung mit Granitplatten westlich des Hotels an der Schreibergasse sowie Anpassungen zum Dr.-Külz-Ring. Für Material und Leistungen fallen rund 310 000 Euro an.


    Quelle: Landeshauptstadt Dresden

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Quote

    Glockenturm putzt sich
    Der Glockenstuhl der Kreuzkirche wurde erst gereinigt, nun kommt der Korrosionsschutz.
    Bis zum Ende der Woche wird der Glockenstuhl der Kreuzkirche mit Sandstrahl gereinigt. Dann wird ein Korrosionsschutz auf den rohen Stahl aufgetragen. Ein Außengerüst mit Lastenaufzug, das bis in 25 Meter Höhe reicht, hilft den Bauarbeitern, ihre Arbeit in luftiger Höhe auszuführen. Es wird noch bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten Ende Mai so stehen bleiben, kündigt Mario Krakowitzky, Verwaltungsleiter der Kreuzkirche, an.


    http://www.sz-online.de/Nachrichten/Dresden/

  • Nachdem dieser Tage der zweite Bauabschnitt der Umfelderneuerung rund um die Kreuzkirche begonnen wird, gönnt Dresden-Fernsehen der Altmarktgalerie rund einen Monat vor der geplanten Eröffnung freundlicherweise folgendes kurze (Werbe-)Video:


    http://www.dresden-fernsehen.d…x?ID=6090&showNews=934640


    Quote

    Denn bis zum 31. März ist noch einiges zu tun. Insbesondere, weil die Altmarktgalerie den Ansprüchen ihrer unzähligen Besucher gerecht werden möchte.


    Dieser Abschnitt hat im heimischen Arbeitszimmer für allerlei Heiterkeit gesorgt! Allerdings darf man nicht allzu harsch sein, denn bekanntermaßen halten die hiesigen Medienvertreter einen Zugewinn an bislang nicht vorhandenen Filialisten für den Beweis, dass Dresden eine ganz hippe Boom-Town ist. Aber vielleicht kann man sogar dankbar sein, wenn man so etwas ernstlich zu glauben vermag.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Laut SZ-online von heute öffnet demnächst ein Billig-Hotel (Etap-Hotel) im Anbau der Altmarktgalerie.


    Laut SZ sind die Hotelflure 170m (!) lang, die Zimmer 15qm groß, die meisten mit Doppelbett und noch einem Hochbett für ein Kind über dem Doppelbett. Dusche und Waschbecken befinden sich mitten im Zimmer.


    Ist das die Reinkarnation des KdF-Bades Prora auf Rügen?


    Und vielleicht bin ich etwas von Gestern, aber 43€ ohne Frühstück gelten als billig für so ein Zimmer? Man muss ja noch von Glück reden, dass wenigstens das WC abgetrennt sein soll.

  • Gestern war es nun soweit: die schon seit Monaten durch eine regelmäßig wiederkehrende Artikelflut der heimischen Printmedien, begleitet durch das Regionalfernsehen, herbeigesehnte Eröffnung des Altmarktgaleriezubaus feierte Einweihung! Und welch trauriges Bild bot die Journaille?! Beinahe als orgiastisch zu bezeichnen waren die einhelligen Jubelhymnen einer an Provinzialität kaum noch zu übertreffenden Schreibergilde, die sich aufgrund der Ansiedlung von Apple und Co. im siebten Weltstadthimmel wähnte und tatsächlich die Frechheit besaß, sich mit den großen Metropolen messen zu können.
    Wie verquer müssen die Wertemaßstäbe einer Gesellschaft sein, die sich allein über den Einkauf definiert und dabei die wirklichen bleibenden Werte, die auch in Dresden durchaus noch vorhanden sind, verkennt? Schockiert erinnerte ich mich an einen emotionslosen Dresden-Fernsehen-Beitrag, der einige Tage zurücklag und die verzögerte Fertigstellung des Riesensaales im Residenzschloss mit der Bemerkung abschloss, dass hier nach Beendigung der Bauarbeiten „eine Rüstungsausstellung“ einziehen soll, hinter der sich die auch im europäischen Vergleich durchaus sehenswerte Rüstkammer verbirgt. Insgesamt fällt auf, dass die weltberühmten Dresdner Sammlungen mehr und mehr zur Vermarktung der sächsischen Einkaufshauptstadt dienen und somit zum randständigen Thema einer entwurzelten Bürgerschaft werden, die meint, dass Fortschritt um jeden Preis die Gesellschaft tatsächlich voranbringen würde.


    Müßig erscheint es jetzt noch einige Worte über das siebte Einkaufswunder zu verlieren, das, wie gesagt, mit einhelliger Begeisterung aufgenommen wurde, hat man doch bereits die Centrum-Galerie, die gewiss mehr Qualitäten als dieses Scheusal entlang der Wilsdruffer Straße besitzt, in Grund und Boden geredet!



    Durch einen an Unterkühltheit kaum zu überbietenden Vorraum wird man direkt aus dem alten Centrum-Warenhaus in den engen Einkaufsschlauch gezwängt, der im leichten Gefälle zur Mall führt und durch seine goldigen Retro-Lämpchen noch so etwas wie Charme besitzt. Auf diesen Auftakt folgt die bekanntermaßen belanglos standardisierte ECE-Welt, die hier allerdings vollkommen ohne Tageslicht auskommen muss. Ein Rückschritt zum Altbau!
    Und dann folgt noch der enge Kellerschlauch, wo sich Billigladen an Billigladen reiht und man durchaus geneigt ist an die neumodischen Food-Courts zu denken, die man hier dem ordinären Dresdner Gaumen sicherlich zu Recht vorenthalten konnte. Was für eine Banalität!
    Müssen wir noch über Äußerlichkeiten reden? Da wir uns hier in einem Architekturforum befinden und es tatsächlich noch schlimmer als erwartet gekommen ist, habe ich mir doch den Charme der alten Ladenzeile im Linde-Haus zurückgewünscht, sollten wir das tatsächlich tun!
    Was wurde alles von Nachbesserungen geschrieben, die angeblich mit der Stadt ausgehandelt wurden und Eingänge entlang der Wilsdruffer Straße, Arkaden gar, versprachen? Letzteres, der Arkadenstummel, besteht aus fünf zugigen Achsen, deren Funktion kaum zu eruieren ist. Schlimmer ist allerdings die Tatsache der bewusst unauffälligen Gestaltung der sogenannten Ladeneingänge entlang der Straße, die durch einflüglige Schwungtüren und eine „sehr unauffällige Gestaltung“ in Kombination mit der Überwindung von Treppen, die zum Betreten der Geschäfte notwendig sind, dazu führen, dass diese, was bereits am Eröffnungstag geschah, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zeitnah flächendeckend verbarrikadiert werden. Damit verkommt der auf ein Mindestmaß reduzierte Bürgersteig zu einer bloßen Abstandsfläche des abweisenden Einkaufszentrums, das nicht einmal durch Bäume verdeckt werden kann.


    Bleibt abschließend zu fragen, ob sich die Stadt mit der ECE-Erweiterung einen Gefallen getan hat?! Aus städtebaulicher Sicht sicherlich nicht, verhindert doch die exzessive Massierung von Ladenflächen an einem Punkt Investitionen an anderen Leerflächen, wie etwa dem Ferdinandplatz oder dem Postplatz. Außerdem werden die südliche Prager Straße sowie die Hauptstraße weiter geschwächt. Aus fiskalischer Sicht ist auch nur bedingt mit höheren Steuereinahmen zu rechnen. Arbeitsplätze wird es erstmal mehr geben, aufgrund der aber zu erwartenden Kannibalisierungseffekte kann sich dieser Zuwachs bald verflüchtigen.


    Außer Spesen nichts gewesen?!



    Bilder sind von mir.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Das, was da entstanden ist, ist Marktwirtschaft pur und zeigt, daß die Stadt ihren städtebaulichen Gestaltungswillen weitgehend aufgegeben hat.
    Ob es im Sinne der Betreiber und der einkaufsfreudigen Konsumenten funktioniert, wird sich zeigen.

  • Tja, was soll man da noch sagen. Langweilige Architektur, die vollkommen austauschbar ist. So ein Einkaufszentrum kann man irgendwo auf die grüne Wiese stellen aber bitte doch nicht mitten ins Herz der Stadt. Eine Reihe von Patzschke-Baute à la Leipziger Straße hätte da perfekt hingepasst.

  • Ich hätte es noch nicht mal schlimm empfunden, wenn trotz netter, kleinteiliger Fassaden (und Eckbau bzw Eckportal) sich dahinter trotzdem der Einkaufstempel verbergen würde, der er jetzt ist. Aber diese Kilometerlange Wand im gegensatz zum Fürstenzug zB ohne Ästhetik ist einfach erbrechend. Nichtmal n Dach … …

  • Nachdem die Eröffnung der Altmarktgalerieerweiterung die volle Aufmerksamkeit des gemeinen Dresdners in Anspruch genommen hat, will ich einmal einige kleine Eindrücke der doch noch vorhandenen (Bau-) Gegeschehnisse rund um den Altmarktgroßraum präsentieren!



    Die Altmarktgalerie in ihrer ganzen Pracht!
    Natürlich ist es ungerecht, ein Bauwerk allein an seinen, dem Publikumsverkehr abgewandten Seiten zu messen. Aber wir haben ja nun schon zur Genüge den Bau auch von vorn gesehen!


    Am 2. Mai 2011 steht die Eröffnung des Holiday Inn Express an, das die die südliche Flanke des Altstadtkerns nunmehr abschließt und zum Großraum der Altmarkt-Südseite zu rechnen ist.



    Mit der unprätentiösen Fassade kann man durchaus leben. Allein für die lieblose Ausbildung so mancher Details (Portal mit Vordach) sollten sich die Architekten schämen!


    Wie es in Dresden mittlerweile Tradition ist, sind auch hier die Erdgeschossbereiche zu den Nebengassen hin vollkommen verschlossen und erzeugen statt der erhofften geschäftigen innerstädtischen Enge eher Angstgefühle!



    Ansicht der Schreibergasse.



    Ansicht An der Mauer.


    Kommen wir nun zum direkten Umfeld der Kreuzkirche, das, nachdem bereits der erste Bauabschnitt mit der Eröffnung des NH-Hotels in Angriff genommen wurde, nun auch zwischen Chor und Rathaus eine Aufwertung erfährt, die möglichst bis zum Kirchentag im Juni abgeschlossen sein soll.



    Bröckliger Asphalt und alte Schlackensteine werden gegen Großpflaster und Granit- und Sandsteinplatten ausgewechselt.


    Dem Strang gemäß darf natürlich auch ein Bild vom eigentlichen Altmarkt nicht fehlen, dessen Aufmarschplatz-Charakter uns nun wohl auf lange Sicht erhalten bleiben wird.



    "Unser die Straße - Unser der Sieg." - Blick Richtung Westen.


    Bilder sind von mir.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Zum zweiten Bild: Immerhin auf der Ring-Seite das fast perfekte Bild einer Lochfassade. Irgendwie wirkt der offensichtlich außermittige Eingang aber irritierend, er stört das Auge als einzige Abweichung von der ansonsten strengen Symmetrie.

  • Herzlichen Dank für die regelmäßigen fotografischen und textlichen Berichterstattungen aus Dresden.


    Zum" Holiday Inn Express" (http://www.hiexpress.com/hotel…dresden/drscc/hoteldetail):
    Immerhin besser als die Altmarkt-Galerie, aber das ist auch nicht wirklich schwer. Mit ein paar Gesimsen bei der ersten Fassadenrenovierung... :whistling:



    Quote from bilderbuch

    "Unser die Straße - Unser der Sieg."


    Ebendort.

    Bildquelle jeweils: Deutsche Fotothek, Autor: Richard Peter

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ich bin in Dresden vieles gewohnt, aber diese "baukünstlerische" Monströsität schlägt fast alles bisher dagewesene. Selbst das Legohaus scheint im Vergleich zu dieser Altmarkt-"Galerie" noch Qualität zu haben, immerhin ähnelt es wenigstens noch einem Haus, wenn auch hochgradig infantil. Aber dies hier schlägt dem Fass den Boden aus. Das ist kein normales City-Gebäude, was dort entstanden ist, das erinnert mich an eine Leichenhalle.


    Jeder Investor oder Architekt, und wenn er nur eine Toilette hier baute, müsste den Anspruch haben: "Ich baue hier in einem Weltkulturerbe (ob mit oder ohne Titel, es bleibt Kulturerbe), und gebe mir die allergrösste Mühe, dieseem Anspruch mit meinen modernen Bauten gerecht zu werden". In Arbeitszeugnissen heisst "er gab sich Mühe" dass er die völlige Niete war, doch immerhin gab er sich eben mühe. Aber die Investoren tun nicht mal das! Wenn sie wenigstens bereit wären, obigen Satz zu ihrer Maxime zu machen, dann könnte man wenigstens sagen, gut , sie sind Nieten, aber der ehrliche Wille zur Architektur war da, und man versuchte es zumindest. Aber nicht mal das! Diese ECE--Gruppe, die diese Katastrophe zu verantworten hat, hat nicht mal eine Sekunde lang versucht, einer weltberühmtem Kulturstadt die Innenstadt wieder gescheit aufzubauen. Diese Firma ist offensichtlich nicht in der Lage, einen Unterschied zu erkennen zwischen einem Weltkulturerbe und den Peepshows im Frankfurter Bahnhofsviertel. Jeder hochgradig langweilige Füllbau am Neumarkt ist besser. Apropos Füllbau - für mich sieht das neue Hotel am Külz-Ring aus wie ein riesiger Füllbau. Kein Meisterwerk, aber immerhin kein Anschlag auf die Stadt, so wie diese ECE-Attacke. Die Gebäude südlich vom Altmarkt sind keine Meisterwerke, aber zum Teil nicht schlecht. Wenn man wenigstens so etwas versucht hätte, wenn man wenigstens sich in ähnlicher Langeweile geübt hätte - dafür mit normalen Fenstern. (Architekten scheinen ja immer grössere Schwierigkeiten zu haben, einfachste Fenster zu arrangieren). Aber was sich diese unsägliche und kulturlose Firma hier geleistet hat, schlägt wirklich alle Rekorde an destruktivem Verhalten. Dieses Monstrum hat den Charme einer Kaserne, aber besonders schlimm sieht die Ansicht westlich vom Postplatz aus - Blick auf Kubus, Dr. Fessenmayr-Raumschifflandeplatz (euphemistisch "Schmetterling" genannt), und dann Blick auf den "Kopfbau". Welch Entrée in die Stadt, was für ein "point de vue"! Mal im Ernst, wo bin ich hier? Diese Leute wissen genau wo sie bauen und was hier für Maßstäbe angesetzt werden. Sowohl Architekt als auch die Firma sollten sich in Grund und Boden schämen.


    Leider gibt es wenig Möglichkeiten, gegen solche leute per Gericht vorzugehen. Das einzige, was Dresden vor weiterer Zerstörung retten könnte, wäre ein Gesetz das erlaubt, die Verantwortlichen solcher Taten vor Gericht zu stellen und zu bestrafen.


    Das hätte der Königliche Hof übrigens früher so getan.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Diese Firma ist offensichtlich nicht in der Lage, einen Unterschied zu erkennen zwischen einem Weltkulturerbe und den Peepshows im Frankfurter Bahnhofsviertel.


    Kurze Zwischenbemerkung. Die Strip-Läden in Frankfurt nennen sich zwar bisweilen noch "Peepshow", sind aber eigentlich keine. Richtige Peepshows (also mit Spannerkabinen) sind in der Stadt seit vielen Jahren verboten. Statt dessen gibt es Tabledance-Läden nach amerikanischem Vorbild. Und diese gastieren nicht in Gebäuden, die der Altmarkt-Galerie ähneln, sondern oft in den Erdgeschossen teils prächtiger Gründerzeit-Gebäude.

    http://farm1.static.flickr.com…882081_b9cb225dd4.jpg</a>


    http://assets1.qypecdn.net/upl…-10_013_gallery.JPG?40683


    Insofern hinkt der Vergleich.


    Ansonsten aber volle Zustimmung. Wenigstens ein wahrnehmbares schräges Dach hätte man der Shopping-Mall geben müssen. Das wäre schlicht das Minimal-Entgegenkommen gewesen.

  • @ Palantir


    Danke für die ausgesprochen gut passenden Fotos!


    Meine Bildunterschrift bezog sich tatsächlich auf Tilo Köhlers kleines Büchlein, das ich mit großem Vergnügen gelesen habe. Und da die Stalinallee ja der Prototyp für alle folgenden Projekte in den Wiederaufbaustädten war, erschien es mir durchaus passend. Allerdings hat die gebaute Wirklichkeit in Dresden nur die überbordende Breite mit Berlin gemein, die dorten aufgrund der "Randlage" nicht derart stört. In Dresden zerschlägt die Achse leider noch auf lange Sicht den Stadtkern, was in den 50'ern in Berlin entschieden wurde, heute aber leider auf das Versagen der hiesigen Politik/Planungsinstanzen zurückzuführen ist.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • @ Sankt-Petersburg: welches Interesse sollte denn ECE haben, "die Innenstadt wieder aufzubauen"? Wenn man dort seitens der Stadt halt ein Center will, wird man, ohne, dass man Druck ausübt, eben auch genau ein solches vor die Nase gesetzt bekommen. ECE und ihr Hausarchitekt haben hier nur da sgemacht, was sie auf der Grünen Wiese auch tun würden und wenn man ihnen da keine Handschellen anlegt, ist es nur legitim, dass sie das ausnutzen.


    Ähnliches gilt für das Holiday-Inn: der assymetrische Eingang ist eine völlig unnötige Spielerei, aber sei's drum. Viel schlimmer sind die Fake-Fenster bzw. die völlig ungenutzte Erdgeschosszone an der Seite. Hier hätte man seitens der Stadt den Investor verpflichten müssen, dort beispielsweise Gastronomie anzubieten. Ansonsten doch ein solides, wenn auch liebloses Gebäude.

  • Angenommen, man stehe vor dem Kulti mit Blick auf den Altmarkt. Rechter Hand nun der "Kommerzzug". Man stelle sich mal vor, genau dort würde man wie linker Hand die durchaus gelungene DDR-Frühzeitbebauung kopieren. Vor einem, also anstatt dem neu gebauten Hotel am Altmarkt und dem Legohaus daneben, hätte man auch sowas gemach. Und eben hinter einem an Stelle des Kulti würde der Kolhoffbau, zugegeben mit ein paar farblichen Anbpassungen, stehen. In der Mitte eine Germania-Statue. Wäre das nicht ein gutaussehender neuer Altmarkt gewesen? Zugegeben, der vor dem krieg ist allem erhaben, aber diese Überlegung hätte doch sicher einen durchaus sehenswerten Stadtraum schaffen können. Nun hat man eine Leichenhalle, Leghohaus, Nasenhotel, Fussballstadion-Gedenkflutlicht über Fischzuchtbecken und immernoch das Millionenloch Kulti …

  • Genau so sehe ich das auch. So wie man in München im Lauf der Nachkriegsjahrzehnte die Maximilianstraße durch Neubauten im Bürcklein-Stil komplettiert hat, hätte man am Dresdener Altmarkt die 50er-Jahre Bebauung komplettieren können. Aber der Bürcklein-Stil ist eben hundert Jahre älter als der Dresdener Wiederaufbaubarock. Was ansonsten für ein Geist die Dresdner geritten hat, um Zug um Zug die Altmarktumgebung ästhetisch zu ruinieren und Vorschläge zur Heilung abzuschmettern, ist schwer zu fassen. Das gehört zu den düsteren Kraftwirkungen im Gegenwartsdeutschland, denen an Dresden besonders gelegen ist.

  • Hallo Dresden Fans,


    Mit neuesten Bunker-Modernismus in der Wilsdrufferstrasse haben die Städtebehörden wieder einen Sieg auf das alte barocke Dresden errungen. Sie ärgern sich an Stuck und Schmuck oder Klassische, Barocke Formenpracht und wollen unbedingt nüchterne, sächliche Bauten schaffen um das Provinzgefühl los zu werden.
    Sie möchten nicht in einer Provinzstadt leben, doch aber in einer Stadt der zu modernen Welt gehört. Das Abseitz ist eben einer Verneinung ihrer Existenz.
    Dresden als gleich Kunstparadies (schon realisiert) UND hochmoderne Metropol. Das letzte, die hoch moderne Metropol, ist noch immer noch (und noch lange) nicht realisiert, deswegen wird alles daran gemacht um dieses Ziel näher zu kommen! So kann ich wenigstens verstehen warum in Dresden ein Legohaus gebaut wird oder ein langweiliger Kasten mit oder ohne schräges Dach. Es gibt noch genügend Raum um alle diese Wünsche zu realisieren. :thumbsup:

  • Relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit hat dieser Tage das 1-Stern-Etap-Hotel im Altmarkt-Galerie-Anbau seine Pforten dem geneigten Schlafgänger geöffnet und damit das Ausrufungszeichen unter ein Projekt gesetzt, das unverhohlen den weiteren Einzug der Peripherie in die "historische Altstadt" manifestiert hat.
    Nicht umsonst beschäftigten sich die DNN vor einigen Wochen auf einer ganzen Seite mit den Baulichkeiten, die bei einem Architekturkritiker und Stadtrat und Kunsthistoriker Thomas Löser auf massive Kritik stießen. Allein sie wurde mittels der Befragung durch das Institut für Kommunikationswissenschaften der TU Dresden konterkariert, in der die Dresdner sowohl dem Warenangebot, als auch der inneren- und äußeren Architektur Höchstnoten auswiesen. Wen wundert es also, wenn diese Stadt durch äußerst machtbewusste Tütenkrämer regiert wird, die Dresden langsam zu einer Ramschdestination mit Altstadtanschluss verkommen lassen?!


    Das 70. Etap Hotel deutschlandweit öffnet in Dresden City seine Türen | Tourism-Insider

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe