Bremen - Altstadt - Obernstraße

  • Schlotte und 'Werder Bremen'


    Anbei ein Link zu einem Artikel von Peter Strotmann, der nicht nur aufzeigt, daß der Inhaber des 'Hauses der Geschenke' eine nicht unwesentliche Rolle in der Geschichte des heutigen Bundesligisten S.V. Werder Bremen gespielt hat, sondern daß das Haus an der Obernstraße 44-54 vom Architekten und Bauunternehmer Wilhelm Blanke errichtet wurde, welcher auch das schöne Parkviertel zwischen Hauptbahnhof und Bürgerpark geplant und entwickelt hatte.


    https://wkgeschichte.weser-kur…ktator-bei-werder-bremen/

  • Einige Hüllen sind gefallen. Möchte mir noch kein Urteil bilden, da wichtige Teile bedeckt sind, es dunkel war und es sich nur um walk-by Handybilder handelt. Man achte auf die Aussparungen für die Figuren. Und was jetzt bereits klar ist: es ist ein ziemlicher Koloss.


  • Ich bin hin- und hergerissen. Ist schon ein ziemlicher Trumm, und jetzt im Abendlicht auch recht dunkel wirkend. Der Klinker passt auch nicht auf den helleren Klinker der Nachbargebäude und den Ziegelton der Stadtwaage... die haben -wie auch die Böttcherstraße- alle diesen wie ich finde sehr schönen, warmen Rotton, während dieses Gebäude vom Farbton eher in die Richtung der expressionistischen Gebäude aus den 1920er Jahren geht, in Bremen etwa die Glocke. Nicht grundsätzlich schlecht, aber gerade im Zusammenhang mit der sehr schmucklosen, modernen Fassade relativ "gewaltig".


    Mal sehen, wie es vollständig abgerüstet und mit den translozierten Figuren wirkt. Grundsätzlich habe ich ja nichts gegen die Massivität, es handelt sich immerhin um die Haupteinkaufsstraße der Stadt, und die Geschosshöhen der Nachbargebäude haben schon etwas frugal-Nachkriegshaftes.

  • 2. Nachtrag zu Haus Rohlandseck


    Zur Untermauerung der These von 'Frau Holle' als Symbol für die das Gebäude nutzende Aussteuer- und Bettenfirma, hier noch Fotos der erwähnten Goldschmied-Statue, die für das Juwelier-Geschäft Brinkmann und Lange an dem von Heinrich Wilhelm Behrens und Friedrich Neumark 1928 errichteten Nachbargebäude (Obernstraße 3) angebracht wurde - und zwar genau an der Stelle, die spiegelbildlich der Position der 'Frau Holle' am Haus Rohlandseck entspricht.


    (vom mir aufgenommen am 25.12.2019)





    Zur Illustration der Position der Statue am Gebäude hier noch ein von Quarz aufgenommenes Foto der Obernstraße 3.



  • Darstellung des Vulcanus ?


    Möglicherweise ist hier Vulcanus, der römische Gott der Schmiede und aller Metallhandwerker dargestellt, der die Kette (in Form der zwei ineinander verschlugenen goldenen Ringe) betrachtet, mit der er Venus (hier symbolisiert durch ihr Attribut die ‚Taube’, welche an der linken Hüfte der Statue positioniert, diese durch die beiden Ringe hindurch anblickt) und Mars eine Falle stellen will (siehe hierzu die Metamorphosen des Ovid: https://www.grin.com/document/137648 ).


    Vulcanus, hier mit einem ebensolchen blankem Oberkörper dargestellt, wie die Statue am Hause Obernstraße Nr.3.



    Venus in Ihrem von Tauben gezogenen Gefährt.



    Vulcanus hat Venus und Mars mit seiner Kette eine Falle gestellt, aus der sich die beiden nicht mehr selber befreien können. Hier eine Illustration der Szene, in der er die beiden überrascht und die Kette - in diesem Falle eher wie ein 'Kettennetz' dargestellt- aufhebt.


  • Erdteile-Darstellungen am Hause Obernstraße 2- 12 (Bankhaus Schröder)


    Als Beifang – wie Heinzer es formulieren würde – der gestrigen kleinen Exkursion, hier noch Fotos von vier ‚Kartuschen’ am von 1917 bis 1922 nach Plänen von Friedrich Wellermann und Paul Frölich errichteten Bankhaus Schröder an der Obernstraße Nr.2 bis 12. Diese Kartuschen enthalten jeweils Symbole für einen der vier außereuropäischen Kontinente. Damit sollte wohl auf die weltumspannende Tätigkeit des Bankhauses hingewiesen werden.


    Ansichten der Schröder-Bank auf historischen Ansichtskarten. Die Kartuschen sind jeweils rot eingekreist.





    (alle folgenden Fotos von mir am 25.12.2019 aufgenommen)


    Ansicht der Fassade (hinter Weihnachtsbeleuchtung).




    Australien (östlichste Kartusche).
    Altertümliches Segelschiff (für Abel Tasman, der als erster Europäer 1642 Neuseeland erreichte) und Widderkopf (für die Schafzucht in Australien).



    Asien.
    Buddha im Lotussitz (für China) vor aufgehender Sonne (für Japan) über dem Kopf eines indischen Elefanten (für Indien).



    Afrika.
    Mit Gepäck beladenes Kamel zwischen Kakteen (für Afrika nördlich der Sahara) über dem Kopf eines Löwen (für Schwarzafrika).



    Amerika (westlichste Kartusche).
    Die Fackel der Freiheitsstatue zwischen den Sternen von ‚Old Glory’ (US-amerikanische Fahne) für die Ostküste der USA, über einem Bisonkopf für die Prärie-Gebiete. Beide US-Symbole stehen pars pro toto für ganz Nord- und Südamerika.


  • Lieber Heimdall,


    vielen Dank für Ihre Frage, die mich veranlaßte meine Bestände zur Obernstraße zur Hand zu nehmen, weil ich davon ausging, daß ich Fotos der in Rede stehenden Kartusche - und noch einiges mehr von der Fassade des Gebäudes zur Hakenstraße hin - dort einfach griffbereit finden würde. Leider muß ich die Fotos wohl andernorts abgelegt haben. Sofern ich diese nicht schnell auffinden sollte, werde ich nochmal mit meiner Kamera losziehen und aktuelle Bilder anfertigen.


    Ich bin Ihnen für Ihre Frage aber auch aus einem anderen Grunde ganz besonders dankbar: In der Obernstraßen-Foto-Akte stieß ich nämlich auf ein von mir intensiv gesuchtes Bild, welches ich schon längst auf dem Ansgari-Strang hatte hochladen wollen, aber bisher nie finden konnte....
    Sie werden es nun bald auf dem Ansgari-Strang sehen können - dank Ihnen !

  • Kartusche Australien in der Hakenstraße


    Die alten analogen Fotos aus dem Jahre 2000 ließen sich nun doch schneller als erwartet finden. Heimdalls Frage war nun auch insofern wertvoll, als sie vermeiden half, einen Fehler unerkannt stehen zu lassen. Denn die alleinstehende Kartusche an der Hakenstraßen-Fassade der Schröder-Bank zeigt den Kontinent Australien und nicht - wie ich oben fälschlicherweise angab - eine der Kartuschen an der Obernstraßen-Seite. Dort ist vielmehr Europa zu sehen.


    Australien
    Emu und Widderkopf (letzterer für die Schafzucht).



    Europa
    Stier (Verweis auf den die phönizische Königstochter Europa entführenden Zeus) und Segelschiff (Bezug zu den europäischen Entdeckern).


  • Nur die Fassaden der Schröder-Bank blieben – modifiziert - erhalten


    Das Gebäude der Schröder Bank wurde nach der Jahrtausendwende – nach dem Auszug der Bremer Wertpapierbörse – für die Firma Peek & Cloppenburg umgebaut. Das Haus wurde dabei total entkernt (unter Wegfall der historischen Schalterhalle) und nur die Fassaden blieben stehen. Aber auch letztere wurden im Erdgeschoßbereich umgestaltet. Je zwei der dortigen Rundbogenfenster wurden zu einem großen rechteckigen bis zum Straßenniveau herabreichenden Schaufenster ersetzt. Selbstredend entfielen dabei auch die Baluster der alten Fensterbrüstungen…


    Der direkte Vergleich:
    (links: Vorkriegspostkarte, mittig: Foto von mir – aufgenommen im Jahr 2000, rechts: aktuelle Aufnahme von Quarz.)


  • Auch die Südwestecke des Gebäudes zur Stadtwaage hin, wurde in den oberen Etagen grundlegend umgestaltet:


    (Fotos von mir: links aus dem Jahr 2000, rechts von 2019 - auf letzterem ist nur der 'graue Kasten' einschlägig, da sich vor die unteren Etagen der Schröder Bank das Hintergebäude des Essighauses schiebt, infolge der unterschiedlichen Standorte von denen aus die beiden Fotos aufgenommen wurden.)



  • Schalterhalle für Markenkleidung geopfert...


    Und hier noch eine Ansicht der historischen Schalterhalle der Bank (zuletzt als Börsenparkett der Bremer Wertpapier Börse verwendet. (Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege.)


  • Und das hat man vor nicht mal 20 Jahren zerstört und nicht in das neue Kaufhaus-Konzept integriert? Nur um daraus einen 08/15- Peek & Cloppenburg zu machen (von dem man nicht weiß, wie lange es ihn angesichts des Online-Handels noch gibt)?
    :kopfschuetteln:

  • Ein Feuerdrache in der Obernstraße ?




    oder: Fassadenschmuck am Bankhaus Schröder – Teil 1


    Liebe Bremer, Hand auf Herz ! Ich denke, die wenigsten von Euch werden den Feuerdrachen an der Fassade der Schröderbank bisher bewußt wahrgenommen haben. Meine Wenigkeit schließt sich dabei selber gar nicht aus - dieser 'Smaug' war auch mir lange nicht aufgefallen. Wo er sich befindet, geht aus den folgenden Zeilen hervor:
    (alle folgenden Fotos von mir im Jahre 2000 aufgenommen)


    Das Hauptportal des Bankhauses Schröder – an der Nordseite des Gebäudes zur Obernstraße hin gelegen – wird durch drei auf Konsolen stehende, fast vollplastische Statuen bekrönt, die auf wichtige Teilnehmer am Wirtschaftsleben verweisen.


    Gesamtansicht der Portalzone.





    Die westliche Figur – wohl eine Interpretation von ‚Ceres’ – stellt mit dem zu ihren Füßen sich ergießenden Füllhorn an Früchten und ihren üppigen weiblichen Formen eine Personifikation der fruchtbaren Landwirtschaft, also des unverzichtbaren Nährstandes der Gesellschaft, dar.




    Die mittlere Figur eines kräftigen Mannes mit Reiseumhang über seinen Schultern und Adler zu seinen Füßen dürfte den flink alle Himmelsrichtungen erreichenden Handelsstand symbolisieren.




    Die östliche weibliche Figur schließlich wird mit ihrem über die Schulter gelegten großen Hammer sowie feuerspeiendem Kopf und Klaue des Feuerdrachen zu ihren Füßen (sieh, da ist er !), die moderne Industrie personifizieren sollen. Rumpf und sich schlängelnder Schwanz des Drachen sind im Übrigen noch hinter der Figur zu sehen (siehe die Gesamtansicht weiter oben).




    Industrie und Landwirtschaft stehen auf Konsolen, die von je zwei männlichen bzw. weiblichen Figuren getragen werden, die gleichzeitig einen Ausschnitt aus einem Globus zwischen sich halten. Wenn wir es hier mit Atlanten-artigen Wesen zu tun haben sollten, dann sollen sie wohl auf den weltumspannenden Charakter, der von Bremen ausgehenden Wirtschaftsaktivitäten verweisen.


    Konsolfiguren der 'Industrie'.


    Konsolfiguren der Landwirtschaft.



    Die Konsolfigur des Handels schließlich streut aus einem ihr um die Schulter hängenden Sack einen reiche Geldsegen aus – wohl als Hinweis auf das ertragreiche Wirken des Bankhauses Schröders gedacht.



    Links und rechts der Eingangstür des Portals befanden sich noch zwei wunderbar patinierte Leuchten, die beim Umbau in den frühen 2000er Jahren leider abmontiert wurden…


  • Fassadenschmuck am Bankhaus Schröder – Teil 2: Obernstraße


    Das markanteste Schmuckelement an der Obernstraßenfassade des Gebäudes ist das von zwei Löwen gehaltene Bremer Stadtwappen zwischen den beiden Giebel.



    Das die beiden Giebel begleitetende Rollwerk weist Blumengehänge (für durch Handel vermittelten Wohlstand), Tauben (für den friedlichen) und Eulen (für den weisen Handel) auf.





    Taube:



    Eule:



    Das knapp unter dem Scheitel in beiden Giebel angebrachte Oculus-Fenster weist als oberen Abschluß einen geflügelten Merkurstab auf.



    (Alle Fotos wurden von mir im Jahre 2000 analog fotografiert. So erklärt sich - in der Vergrößerung - die miserable Qualität, die ich zu entschuldigen bitte.)

  • Fassadenschmuck am Bankhaus Schröder – Teil 3: Obernstraße / Hakenstraße

    An der kurzen Diagonalen Nordostecke des Gebäudes zwischen Obern- und Hakenstraße sitzt auf Höhe der vierten Etage ein Putto-artiger Merkur auf einer Welkugel, die von Delphinen gestützt wird:


  • Fassadenschmuck am Bankhaus Schröder – Teil 4: Kleine Waagstraße


    Wie das folgende Luftbild beweist, ist die historische Westfassade des Bankhauses Schröder bei dem Umbau in den frühen 2000er Jahren leider vernichtet worden. Zumindest von der Portalzone des Westeingangs (rot eingekastelt) ist nichts mehr vorhanden:



    Hier, als Erinnerung, das Aussehen des gleichen Bereichs im Jahre 2000:



    Oberer Abschluß der Fassade:



    Der Fenstergiebel-artige Aufsatz über dem Hauptgesims enthielt zwei Früchte pickende Vögel:



    Und der Schlußsstein des Westportals wurde von diesem ein Joch mit daranhängenden Wasserschalen tragenden Putto geschmückt, der auf einem Fledermauskopf steht:




    Ob und wo diese beiden Sandsteinarbeiten heute wohl existieren mögen ?

  • Fassadenschmuck am Bankhaus Schröder – Teil 5: Hakenstraße


    Das heute noch erhaltene Westportal an der Hakenstraße wird von einer auf einem Merkur-Kopf (Helm mit Schwingen) stehenden Frau mit einem Füllhorn geschmückt:





    Einige Schritte rechts daneben findet sich ein altbekannter Bauleute- und Bauherren-Spruch in den Stein der Fassade gemeißelt:


  • Und der Vollständigkeit halber hier noch die Lage des Bankhauses Schröder (Obernstraße Nr. 2 - 12) auf der Stadtkarte von 1938:



    Auf diesem vergrößerten Ausschnitt zeichnet sich der Lichtschacht für die Kassenhalle deutlich ab: