Die großen Berliner Warenhäuser vor der Zerstörung

  • Diese zwei kubischen Bauten (Alexanderhaus und Berolinahaus) aus den 20ern waren auch die einzigsten Gebäude, die die DDR nach 1945 konservieren ließ, weil sie sich besser mit den neuen Betonburgen “integrieren“ ließen... Sie stehen unter Denkmalschutz :wuetenspringen:

  • Ähnlich wie am Potsdamer Platz, das maßstabsprengende moderne Columbushaus stand noch bis 1957, während alles andere schon abgeräumt war. Nur wegen der Nähe zur Mauer machte man auch hier letztlich keine Ausnahme, wahrscheinlich wäre es sonst das einzig verbliebene historische Gebäude. Jedenfalls bedauere ich dessen Verlust am wenigsten.

  • Kaiser Karl, danke für die interessanten Gegenüberstellungen und die Fotomontagen mit dem eingefügten Tietz! Leider würde das Tietz heute völlig deplatziert in der gigantomanischen modernen Umgebung wirken und würde den Platz in keinster Weise retten, von daher wäre das vergebene Liebesmüh..

    Wäre das wirklich vergebene Liebesmüh?




    Ich finde, dass diese Fassade diesem gruseligen Platz etwas von der Trostlosigkeit und Depression nimmt.

  • Noch ein paar Eindrücke von verschiedenen Warenhäusern:


    Belle-Alliance-Straße 1, 'Hamburger Warenhaus' von Adolf Jandorf, um 1900:




    Dann geführt als Haus von Hermann Tietz nach 1925:




    In der Nazizeit als 'Hertie'



    Nach dem 2. Weltkrieg 'modernisiert:






    Warenhaus Jandorf, Gr Frankfurter Ecke Andreasstr, um 1903:





    Als Union-Kaufhaus, um 1930:


  • Der Bildersturm auf die Gründerzeitfassaden setzte offensichtlich schon lange vor dem Krieg ein. Wahrscheinlich war man der ganzen Masse der überladenen Fassaden einfach überdrüssig. Heute ist es genau umgekehrt. Ein gutes Mittelmaß scheint unmöglich.

  • Wäre das wirklich vergebene Liebesmüh?



    Ich finde, dass diese Fassade diesem gruseligen Platz etwas von der Trostlosigkeit und Depression nimmt.

    Ja, da hast du schon recht, vor allem auf deiner Fotomontage, die nur den einen Teil des Platzes zeigt, wirkt es schon besser. Wenn man aber die Gesamtsituation wie auf dem Luftbild betrachtet und z.B. das schwarze Hochhaus mit einbezieht, dann glaube ich, dass die eine schöne Fassade leider nicht viel ausmachen würde. Aber sei es wie es sei, es ist ja sowieso völlig illusorisch... vielen Dank trotzdem für die tollen Ansichten!

  • Bei aller Sympathie für Kreativität wäre mein erster Vorschlag an die Marke Brenninkmeijer, das Erscheinungsbild des C&A-Hauses am Alexanderplatz konsequent auf die 20er Jahre umzustellen. Der Zauber von Kauf- und Warenhäusern muss zurückkehren! Durch eine komplett geänderte Sortimentspolitik. Mittleres Segment bei hoher Qualität, Biotextilien und das ganze als Erlebnishaus im Art-Deco-Stil. Vom Preisschild bis zur Rolltreppe. Es muss spannend sein, zum C&A Alexanderplatz zu fahren.


    Gleichzeitig bietet sich so einmalig die Chance, die bisher in Deutschland praktizierten Billig-Hausmarken zu Highquality-Alleinstellungshausmarken umzukrempeln. Heißt, diese interessante Kollektion hoher Qualität gibt es nur bei uns.


    Momentan bekommen die meisten bei C&A vom Billigramsch ein langes Gähnen und Kopfschmerzen.

  • Am Märkischen Platz am südlichen Kopf der Waisenbrücke stand für einige Zeit das "Kaufhaus Neukölln am Wasser".



    http://www.bildindex.de




    Eigene Sammlung


    Im Zusammenhang - das Kaufhaus am linken Bildrand:

    Bild: Waldemar Titzenthaler


    Links anschließend das zu dem Zeitpunkt im Bau befindliche Märkische Museum.

    Bild: Waldemar Titzenthaler

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Einfach nur zum Staunen!!! :blink::)smile:)
    Bauen die ein Schloß/Rathaus mit Turm und Haube in westfälischer/niederländischer Renaissance für'n Kaufhaus. Das ist Einkaufserlebnis!!! Was für eine Zeit, diese Kaiserzeit, denke ich dabei immer wieder! Was für eine Prosperität und liquide Finanzmittel und das alles real, mit echten Werten bezahlt und hochgezogen!!! Welch' eine stetige Veränderung und Verbesserung des städtischen Lebensumfeldes in ständiger Zunahme der gebauten Schönheit. Mir würden die Augen überquellen, würde ich per Zeitmaschine durch das alte Berlin wandeln, wie es hier am Märkischen Ufer gezeigt wird! Einfach umwerfend.
    Danke an alle fleißigen Bildersammler und für's Reinstellen!

  • @Vulgow:


    Weißt Du mehr über die Geschichte dieses Kaufhauses? War es nicht nur eine Ansammlung von Konfektionsbetrieben, die unten in den Läden ihre Waren èn detail verkauften? Kann im Augenblick nichts darüber finden.

  • Noch einige Kaufhäuser die weniger bekannt sind:


    Kaufhaus Massen in der Leipziger Straße:





    Kaufhaus Maaßen am Oranienplatz, welches baulich noch existiert:




    Heute:






    Kaufhaus Brenninckmeyer am Oranienplatz, jetzt Hotel 'Orania':




    Warenhaus Jandorf an der Brunnenstraße / Ecke Veteranenstraße, das baulich noch existiert:






    Heutezeit:






    Hier findet man mehr Informationen:



    Jandorf



    Man erkennt, dass die Kauf- und Warenhäuser im Westteil der Stadt, so sie nicht zerstört waren, weiter genutzt wurden. Im Ostteil der Stadt wurden die meisten abgeräumt. Lediglich das Haus Jandorf in der Brunnenstraße, dass komplett erhalten blieb überlebte und wurde auch bis 1990 ständig genutzt.


    Aktuelle Fotos von mir.

  • Quote from Spreetunnel

    @Vulgow:
    Weißt Du mehr über die Geschichte dieses Kaufhauses? War es nicht nur eine Ansammlung von Konfektionsbetrieben, die unten in den Läden ihre Waren èn detail verkauften? Kann im Augenblick nichts darüber finden.


    Ich habe keine Ahnung.


    Schau doch mal hier:
    Berliner Architekturwelt 4.1902, Heft 1, Seite 7 ff. (Bilder)
    Berliner Architekturwelt 4.1902, Heft 1, Seite 26 ff. (Text, unterbrochen von Bildseiten)


    EDIT: Eine Aufnahme vom Rolandufer über die Spree aus dem Jahr 1945.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Danke, aber da hatte ich schon geschaut, auch den Artikel zu den BIldern gefunden. Aus dem Text geht auch nur hervor, dass es sich um ein Geschäftshaus handelt, das an einzelne Nutzer vermietet wird.


    Hier die Bilder im Heft Januar 1902:








    Ich denke aber, aus dem Grundriss kann man ersehen, dass es sich hier um ein Geschäftshaus handelte und weniger ein Kaufhaus im klassischen Sinn mit einem Betreiber.

  • Das Kaufhaus an der Brunnenstraße sollte wiedereröffnen als "Kaufhaus 1900".


    EG: Lebensmittel, Souvenirs, Bücher, Schreibwaren (sämtliche Artikel in exklusiver historischer Aufmachung)
    1. OG Bekleidung im Retrostil (inklusive Reminiszenz an das DDR-Modeinstitut)
    2. OG Non-Food vor 1945 (ohne Bekleidung)
    3. OG aktuelle Artikel aus der DDR-Zeit (dauerhafte Ostpro)
    4. OG Spezialitätenrestaurant


    Ich wette, dieses Konzept wäre unerwartet erfolgreich.

  • Hier erscheint es sinnvoll, diese (nahezu vollständige) Warenhausliste zu zitieren:


    Aus: Farbfotos vom alten Berlin

  • Schön, dass sich jemand an die Liste erinnert.


    Heute bin ich zufällig am alten Warenhaus Jandorf an der Brunnenstraße vorbeigelaufen und welch' Wunder, es tut sich was. Gerüste werden gerade aufgestellt:


  • Schön, dass sich jemand an die Liste erinnert.


    Heute bin ich zufällig am alten Warenhaus Jandorf an der Brunnenstraße vorbeigelaufen und welch' Wunder, es tut sich was. Gerüste werden gerade aufgestellt:



    Ja, das gute alte Modeinstitut, da wurden mir als 4 oder 5 Jähriger Bub greissliche Sachen angezogen, und ich mußt über den Steg wandern. Einmal stand (wahrscheinlich zu Dekorationszwecken) eine Schüssel miut Bananen , Weintrauben und Orangen dort.....hätt ja gern was da von gehabt - aber nö, ich wurd mit einem Stück Schokolade abgespeist. Das dies einst ein Kaufhaus war, erfuhr ich erst in diesem Thema hier. Danke :daumenoben:

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.