Bremen - Am Brill / Sparkassenquartier

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    • Dieser Themenstrang soll die seit 2017 entstehenden Neubauplanungen hinsichtlich des bisherigen Hauptsitzes der Sparkasse Bremen im Areal zwischen 'Am Brill', Bürgermeister-Smidt-, Jakobi- und Hankenstraße kritisch begleiten. Zugleich soll es konstruktive Vorschläge zum Erhalt der in diesem Bereich vorhandenen historischen Bausubstanz, vor allem also der Sparkassengebäude von 1906 und 1934/35, der Portalachse des ehemaligen Hauptzollamtes und des ehemaligen Möbelhauses Ittmann, unterbreiten.
    • Videobeitrag von Buten & Binnen zur Zukunft des Areals der Bremer Sparkasse, es wurde ein freier Wettbewerb für Denkanstöße angeschoben - leider nicht wirklich etwas dabei, was das APH-Herz höher schlagen lassen dürfte (bis auf den -selbstverständlichen- Erhalt der historischen Bauten):

      butenunbinnen.de/videos/sparkassenareal106.html
    • Schachtel, Klotz, Pyramide ad infinitum

      Die Entwürfe für den Brill lassen einen zunächst in sprachlosem Entsetzen zurück.

      Wenn man sich dann etwas erholt hat, ringt man um Worte und es fällt einem zunächst nur der alte ostpreußische Ausruf

      'ERBARMUNG !!!'

      ein.

      In der Tat, kann man nur noch den Herrn anflehen und ihn um Erbarmung für das arme alte, geschundene Bremen bitten.

      Mit den hiesigen 'Verantwortungsträgern', die aus - zuhauf - gemachten städtebaulichen Fehlern nichts aber auch wirklich rein gar nichts gelernt haben, die geradezu bösartig darauf erpicht sind, auf Kosten des Stadtbildes die Rendite zu erhöhen bzw. ihr bauidiologisches Bauhaus-Mütchen zu kühlen, ist wirklich architektonisch kein Blumentopf mehr zu gewinnen.
      Möglicherweise liegt es auch daran, daß nur durch städtebauliche Häßlichkeit unzufrieden gemachte Bürger bestimmte Parteien wählen... Und vielleicht plant und baut man ja deshalb ganz bewußt so häßlich, um auf ewig an den Futtertrögen der Macht zu bleiben...

      Bis eine neue Garde in Politik, Wirtschaft, Baukunst und Denkmalpflege antritt wird sich hier nur noch alles verschlimmern. Das jetzige Personal hat mit diesen Schauder-Entwürfen seinen absoluten Bankrott, seinen Offenbarungseid erklärt !

      Sollten diese Entwürfe tatsächlich zur Grundlage der Neugestaltung gemacht werden, 'Hat Bremen fertig'.

      Pfui Deibel !!!
    • Die Entwürfe lassen einen in der Tat sprachlos zurück.... Westphal mit einer Kleinstadteinkaufspassage, die auf der Mittellinie des momentanen generisch bundesdeutschen Modernistengeschmacks steht und genau so auch in Marktredwitz oder Aurich gebaut werden könnte. Die Pyramide kann eigentlich nur ein Scherz sein. Und die Berliner wollen anscheinend dort niemals gebaute Bunker verklinkern... 0,0 Gefühl für den Ort bei allen dreien.

      Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die beiden auswärtigen Büros sich nicht vor Lachen in die Hose gemacht haben, nachdem sie diesen hingeklierten Schrott mit bierernster Miene auch noch erläutern sollten auf der gestrigen Veranstaltung. Dürfte ein guter Vorgeschmack sein auf das, was uns bei Zech noch blüht, dort aber wohl auf Westphal-Niveau.

      Als hätten die letzten 70 Jahre mit ihren offenkundigen städtebaulichen und architektonischen Sackgassen einfach nicht stattgefunden. Nur gut, dass diese Sache keine echte Vorentscheidung sein soll, die sich die neuen Eigentümer selbst vorbehalten (sie arbeiten für gewöhnlich mit dem Düsseldorfer Büro Chapman Taylor zusammen, die sind aber auch Speerspitzenmodernisten), sondern nur ein "Ideenwettbewerb" war. Wollen mal ganz dringend hoffen, dass alle diese Ideen ganz schnell wieder im Papierkorb landen.
    • Die Entscheidung ist bereits gefallen, wie der Weser-Kurier berichtet. Gewonnen hat der Entwurf aus Berlin, also der "Bunker". Da der Entwurf lediglich eine Gebäudeanordnung umfasst, jedoch keine Fassade, dürfen wir wohl noch mit Fenstern rechnen. Es ist also noch nichts verloren, vielleicht wird die Fassade ja am Ende doch ganz in Ordnung...

      weser-kurier.de/bremen/bremen-…ssehen-_arid,1690670.html
    • Hauptzollamt und Haus Ittmann brauchen unsere Hilfe !

      Nach den Abrißorgien der Nachkriegszeit, denen an vorderster Stelle St. Ansgarii, Kornhaus, Katharinenkoster, Jacobihalle, Lloydgebäude und die Neue Börse zum Opfer fielen, rast seit Ende des letzten Jahrtausends eine neue Abbruchwelle durch die Stadt: Es begann mit dem Jugendstil Wohn- und Geschäftshaus Am Wall 137, führte über den Abbruch des Harms-Gebäudes, den Teilabbruch der ehemaligen Polizeiwache 2 (An der Schleifmühle), die projektierte Vernichtung der Villa Groß an der Schwachhauser Heerstraße und endet nun – vorläufig – mit dem zur Disposition-Stellen von zwei historischen Bauten im Baublock zwischen ‚Am Brill’, Hankenstraße, Jakobistraße und Kaiserstraße (aktuell Bürgermeister Smidt Straße). Denn aktuell werden – nachdem zumindest das historische Sparkassengebäude mit seiner von Seiner Majestät dem Kaiser vermittelten Innendekoration aus Majolika-Kacheln aus dem westpreußischen Cadinen ja wohl unantastbar sein sollte ?!? - das ehemalige Möbelhaus Ittmann (Am Brill Nr. 11) und die seinerzeit - mit viel Heimatliebe und Aufwand von dem legendären und um Bremen sehr verdienten Sparkassendirektor Friedrich Rebers – in die Jakobistraße translozierte zentrale Portalachse des ehemaligen Bremischen Hauptzollamtes an der Kaiserstraße, von den Planungen des siegreichen Berliner Architekturbüros wohl nicht mehr berücksichtigt.
      Bremen, welches dank Bombenkrieg und absolut verfehltem Wiederaufbau eh schon äußerst wenig historische (d.h. vor 1918 entstandene Bausubstanz) in seinem Stadtkern aufzuweisen hat, opfert somit ohne Not zwei der wenigen noch erhaltenen Bauten in diesem Teil der Altstadt. Und was erhält es dafür: Die Ausgeburt einer überhitzten Architektenphantasie, die gleichzeitig von Banalität und Unsensiblität für den konkreten Standort nur so strotzt.
      Wenn wir dies noch verhindern wollen, ist es Zeit, die Glaceehandschuhe abzulegen und mit harten Bandagen dagegen zu kämpfen. Auch ich habe viel zu lange mit bürgerlicher Zurückhaltung auf derartige Zumutungen reagiert. Dafür läuft die Zeit aber nun ab, ansonsten können wir Städte wie Bremen endgültig abschreiben !

      Anbei einige Illustrationen, die zeigen, was uns verloren gehen könnte:

      Stadtkarte von 1938 mit Lage der in Rede stehenden Gebäude bzw. Gebäudeteile.


      Ansicht des Brills vom Dach des Gebäudes des Kaiserkabaretts. Das elegante Gebäude Nr. 11 des Möbelhauses Ittmann ist gekennzeichnet. Von all den auf diesem Bilde zu sehenden Gebäuden ist neben dem Turm von St. Stephani und der Gebäudekante des Hauptbaus der Sparkasse (ganz rechts) nur noch das Haus Ittmann vorhanden ! Und dies soll nun weichen. Man faßt es nicth !!


      Aktuelles Luftbild des Brill.


      Aktuelles Luftbild der Jakobistraße.


      Die harmonische Fassade des Hauses Ittmann mit ihren eleganten Säulenstellungen.


      Luftbild der mittleren Altstadt vor 1959 mit dem Hauptzollamt an der Kaiserstraße.


      Die zentrale Portalachse des Hauptzollamtes nach der Translozierung in die Jakobistraße.


      Unterer Teil der Portalachse.


      Linker Zwickel oberhalb des Portalbogens mit der ‚BREMA’.


      Der Schlußstein des Portalbogens.


      Rechter Zwickel oberhlab des Portalbogens mit der ‚GERMANIA’.


      Der Bogen unterhalb des Hauptgesimses.


      Gedenkstein am Jakobiplatz.


      Pilgermuschel im Bodenpflaster vor dem Portal.


      (Detailphotos des Portals von mir).


      Soll all dies aufgegeben werden ?

      Oh je, nicht nur, daß in Bremen in keiner Weise rekonstruiert wird, nun muß man sich auch noch um bisher als ‚sicher’ geglaubte Gebäude kümmern, um das ohnehin schon kümmerliche Niveau (im Vergleich zu Dresden oder Berlin) zu halten.

      Ach was soll’s. Es muß ja getan werden !!

      Und liebe Sparkasse Bremen, denk an Friedrich Rebers, unsern guten alten 'Frido'. Zu seiner Zeit konntest Du es wirklich besser !

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Pagentorn ()

    • Anbei noch eine Ansicht von Sparkassen-Gebäude und (dahinter) Hauptzollamt von ca. 1910. Diese belegt, daß seither nicht nur das Sparkassengebäude hinsichtlich seines Hauptgesimses und seiner Portalzone massiv verändert wurde (dies müßte ja eigentlich wenn man die ehernen Grundsätze unseres Landesdenkmalpflegers zugrunde legt, die Denkmalswürdigkeit dieses Gebäudes beenden !?! - siehe Villa Groß...), sondern daß auch Giebel und Dach des Zollamtes (wahrscheinlich durch den Krieg) 'Federn lassen' mußten.

    • Pyramiden und Bunker sind nicht 'ALTERNATIVLOS'

      Statt sich im Norden mit Pyramiden und im Westen mit Bunkern zu umgeben und dadurch wertvolle - natürlich nicht denkmalgeschützte (ein Blick auf die interaktive Denkmals-Karte des Landesamt für Denkmalpflege gibt hierüber leider die nicht unerwartete, eindeutige Auskunft: osm.nkbre.net/lfd-denkmal.html ) - Bausubstanz zu vernichten, sollte die Sparkasse Bremen lieber dafür sorgen, daß ihr Stammsitz im Osten wieder von einem Turm benachbart wird... :rolleyes:

      Das wäre in der Tat ein besseres Abschiedsgeschenk, als das nun diskutierte. Denn wenn die Sparkasse Bremen nun wirklich partout Ihren Hauptsitz von der Innenstadt an den Stadtrand (sic !) - Technologiepark bei der Uni ( :schockiert: 8| ) / hat man Ähnliches schon je aus anderen Städten gehört ?? :kopfschuetteln: -verlegen will, dann sollte sie der Altstadt tatsächlich eine generöse Gabe darbringen ...

      Also etwa in der Art:

      Blick vom Brill (links: Sparkassen-Hauptgebäude) in die Hutfilterstraße.



      Nein, ich kann es nicht sein lassen... :D

      :gutenacht:
    • Vielen Dank, Pagentorn, v.a. für die Informationen zum alten Hauptzollamt. Dieses war mir bislang unbekannt, ein weiteres Juwel, welches erst tief in der Nachkriegszeit abgerissen wurde. Mein Eindruck verfestigt sich weiter: Die schlimmste Zeit begann erst ca. 15 Jahre nach Kriegsende, als für 15 Jahre alles, was nicht bei 3 auf dem Baum war, abgerissen wurde. Ich hätte es wissen können und müssen: Eine solche Monstrosität in solcher Lage wird nicht auf einer 25 Jahre unbebaut gebliebenen Kriegsbrache errichtet worden sein:



      Danach wurden die Abrisse wieder sporadischer, bis wir jetzt mit dem langsam Blasencharakter annehmenden Immobilienboom erneut in eine brutale Abrissphase zu laufen scheinen, die vom Landesdenkmalpfleger aber immerhin auch so erkannt wurde.

      Allerdings besteht imho durchaus die Chance, zumindest das Ittmann-Haus auch bei Realisierung des robertneun-Entwurfs zu erhalten, steht es doch genau dort, wo der Baukörper Richtung Brill (Esel oder Katze?) beginnen soll und ein kleiner Platz zwischen dem Eckgebäude und der wiederhergestellten Grützmacherstraße entstehen soll durch Abriss des 2001er-Neubaus. Hier müssen wir jetzt Druck machen.

      Nochmal eine kleine Gruseltour in die 2. Zerstörung Bremens, auf der Website des Delikatessenhändlers Grashoff fand ich diesen schönen Schnappschuss vom Schüsselkorb, der mit "ca. 1960" datiert ist (müsste auch passen, da die neuen Kennzeichen um diese Zeit eingeführt wurden und am LKW am rechten Bildrand zu erkennen sind):


      Man sieht rechts das Eckgebäude zur Sögestraße, sonst auf beiden Straßenseiten eine völlig intakte und offenkundig "funktionierende" gründerzeitliche Geschäftsstraße. Blick heute aus ähnlicher Position:



      Auch wenn Bremen mit diesem Schicksal nicht alleine ist, macht es doch immer wieder fassungslos, was der Zeitgeist mit unseren Städten angestellt hat. Dass auch diese wichtige Eingangssituation vom Herdentorsteinweg/Bahnhof kommend -von mir immer als Bombenkriegsfolge gewertet- erst in den 60er Jahren in den gegenwärtigen Zustand gebracht wurde, lässt mich sprachlos zurück. Wir rätseln ja häufig, wie unsere Städte aussehen würden ohne Bombenkrieg. Mich würde mittlerweile fast mehr interessieren, wie unsere Städte ohne die 15 Jahre zwischen 1960 und 1975 aussähen.
    • Fassaden-Entdekorierung in den 60er Jahren

      Die Fassade des 1904-1906 nach den Plänen des Architekten Wilhelm Martens errichteten – bisherigen – Hauptsitzes der Sparkasse Bremen hat in den 1960er Jahren gravierende Veränderungen erfahren, die ihrem optisches Erscheinungsbild nicht sonderlich förderlich gewesen sind – wie es ja leider die Regel ist, wenn man nachträglich in einen einheitlich konzipierten und ‚aus einem Guß’ entstandenen Bauorganismus eingreift.



      Der direkte Vergleich an der Eingangsseite des Gebäudes belegt, was alles verloren gegangen ist: Der Giebel mit seinen beiden markanten Obelisken ist verschwunden. Die den Kuppelaufbau begleitenden vier Puttengruppen sind ebenfalls nicht mehr vorhanden. Die Portalumrahmung mit ihren beiden Männerhermen wurden leider auch entfernt. Schließlich hat man die das Portal auf beiden Seiten begleitenden Brüstungsfelder mit den für die Sparkasse Bremen bedeutenden Jahreszahlen ‚1825’ (dem Jahr der Gründung des Instituts) und ‚1906’ (dem Jahr der Fertigstellung der Firmenzentrale am Brill) durch die Reliefs von Sämann und Erntearbeiterin ersetzt, die in ihrer Machart nicht wirklich zum Stil der Fassade passen wollen. Das von den neuen Reliefplatten und der zentralen Fläche mit der Inschrift ‚Sparkasse Bremen’ gebildete, quasi durchgehende horizontale Band zwischen Erd- und Erstem Obergeschoß wirkt wie ein Knebel auf der Fassade, der diese einzuschnüren scheint. Ingesamt hat die letztere durch all diese Maßnahmen ihre ursprünglich ausgewogenen Proportionen eingebüßt.
      Man fragt sich unwillkürlich: Wie konnte man das der Fassade nur antun ?

      Im Folgenden noch einige Hinweise zu den beseitigten Baudetails:

      Portal mit den beiden Männerhermen. Diese sind wohl als Handwerker (links, mit Hammer und Gliederkette), der sich um finanzielle Hilfe an einen Bankier (rechts, mit Rechnungsbuch) wendet, zu deuten.


      Die Kindergruppen am Kuppelaufbau, die wohl die gesellschaftlichen Bereiche versinnbildlichen sollen, denen sich die Sparkasse Bremen besonders verpflichtet fühlte (von links [Westen] nach rechts [Osten] : )

      Kunst
      (Mit Malerwappen und - palette)


      Schiffahrt und Handel
      (Mit Anker, Netz, Warenballen und Merkurstab)


      Handwerk und Industrie
      (Mit Juwelen, Schatulle, Hammer, Amboß und Zahnrad)


      Bildung und Wissenschaft
      (Mit Buch, Globus und Eule)


      Das folgende Luftbild belegt, daß alle diese Details den 2. Weltkrieg überdauert hatten und noch in den späten 1950er Jahren existierten ! (Selbstredend gilt das auch für die hier nicht näher beschriebenen, ebenfalls beseitigten Baudetails an der Seite zur Kaiserstraße (Bürgermeister Smidt Straße).



      Vielleicht sollte man der Sparkasse zur Auflage machen, die genannten Entstellungen rückgängig zu machen und den Originalzustand wiederherzustellen…
      Immerhin könnt die Bauplastik ja vielleicht in den Kellergewölben des Gebäudes eingelagert worden sein...?!

      @ Heinzer: Vielen Dank für Ihre Ergänzungen und die Hinweise auf Schüsselkorb und das Jakobs-Areal.

      @Moderation: Könnte man die Themen Am Brill/Sparkasse und Obernstraße in zwei neue bremische Themenstränge verschieben. Sie haben das Potential umfangreicher zu werden, was hier auf der allgemeinen Seite durch die Einschübe anderer Themen unübersichtlich werden könnte. Vielen Dank !
    • Re-Translozierung der Portalachse des Hauptzollamtes – Teil 1

      Der folgende Beitrag möchte die für die Neugestaltung des Sparkassenareals am Brill Verantwortlichen – insbesondere das siegreiche Berliner Architekturbüro – dafür gewinnen, bei der Konzipierung des - anstelle des von Gerhard Müller-Menckens 1980 entworfenen LBS-Komplexes - an der Bürgermeister-Smidt-Straße zu errichtenden Neubaus, einen Einbau der Portalachse des Hauptzollamtes exakt an ihrem ursprünglichen Standort einzuplanen.

      Teil 1 soll dafür mit der stadthistorischen Relevanz dieses veritablen Gebäudereliktes argumentieren.

      Als sich in den auf die Reichsgründung 1871 folgenden Jahren langsam das ankündigte, was man in der Retrospektive, als die - nach der ersten Glanzeit im 16. und 17. Jahrhundert -zweite Hochblüte in der Bremischen Stadtgeschichte bezeichnen kann, begann sich diese dynamische Aufwärtsbewegung auch im Stadtbild zu manifestieren: Nachdem die absehbare Verlegung der stadtbremischen Häfen von der altstädtischen Schachte auf die Stephanikirchweide in Utbremen eine wegen des immer mehr anwachsenden innerstädtischen Verkehrs dringend nötige zweite Weserquerung möglich machte, wurde eine vom Bahnhof ausgehende Straßentrasse quer durch den westlichen Rand der engeren Altstadt (hart an der Grenze zur Steffenstadt) gezogen. In der Bahnhofsvorstadt erhielt diese Trasse den Namen Georgstraße und in der Altstadt wurde sie – genau wie die neu errichtete Brücke – nach Wilhelm I. benannt: also Kaiserstraße und Kaiserbrücke. Das größte Opfer, welches das Stadtbild für diesen Straßendurchbruch bringen mußte, war die Beseitigung des ursprünglichen ‚Hauses Seefahrt’, einer seit 1545 bestehenden Wohnanlage für alte Seeleute und deren Frauen bzw. Witwen, in dessen Festsaal jedes Jahr die Schaffermahlzeit abgehalten wurde, deren Erlös dem genannten Personenkreis zugute kam (und bis heute noch kommt). Der Festsaal lag genau in der Mitte der projektierten Straße und konnte somit nicht erhalten bleiben. Deshalb entschloß man sich auch den Eingangsbau an der Hutfilterstraße mit seinem prägnanten Portal – der durch die Trasse eigentlich nicht tangiert war – aufzugeben und eine in der Utbremer Vorstadt, an der Lützower Straße, belegene Dependance zum neuen Hauptsitz zu machen. Dorthin wurde das historische Portal versetzt und ein neuer Festsaalbau (geschmückt mit großformatigen Gemälden des Bremer Malerfürsten Arthur Fitger) errichtet.
      Während auf dem Grundstück der späteren Sparkasse an der Ecke zum Brill noch bis 1904 das schlichte Gebäude des ehemaligen calvinistischen Waisenhauses stand, wurden an der Kaisestraße seit 1875 repräsentative Neubauten errichtet, die die wachsende – auch nationale – Bedeutung Bremens dokumentieren sollten. Neben mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftsbauten waren es vor allem das Gewerbemuseum, das Gebäude von Generalsteueramt und Zolldirektion, sowie schließlich das Hauptzollamt. Bis auf die zentrale Portalachse des Hauptzollamtes hat keines der genannten Gebäude bis in unsere Tage überlebt. Es sollte daher unbedingt vermieden werden, daß diese nun im Zuge der Neubaupläne auseinandergerissen wird und einzelne Spolien, wie etwa die BREMA oder die GERMANIA in der Stadt verteilt werden. Vielmehr sollte sie als letzter Zeuge der Kaiserstraße und all dessen für das diese Straße stand (also wirtschaftliche Prosperität, städtebauliche und architektonische Glanzzeit der Stadt) an ihren originalen Standort zurückkehren dürfen !

      Karte, die die Situation vor dem Durchbruch der Kaiserstraße illustriert. Man erkennt sowohl die Lage des Hauses Seefahrt und auch die des Calvinistischen Waisenhauses. Interessant dürfte darüberhinaus sein, daß der heutige - dreieckige Platz ‚Am Brill’ ursprünglich mit der schon lange aus dem Stadtbild verschwundenen, kleinen Nicolaikirche bestanden war.


      Nordseite der Hutfilterstraße mit dem Portal von ‚Haus Seefahrt’ an seinem ursprünglichen Standort (ganz rechts).


      Portal des Hauses Seefahrt. Hinten am Hof erblickt man den Eingang zum Festaalgebäude


      Einzeichnung der Lage von ‚Haus Seefahrt’ in einem gegenwärtigen Luftbild. Man erkennt wie der Festsaal in der Mitte des Straßendurchbruchs liegen würde.


      Luftbild aus der Zwischenkriegszeit. In der Bildmitte das Sparkassengebäude. Man erkennt sehr gut den Durchbruch der Trasse der Kaiserstraße. Bemerkenswert auch die Altstadt-adäquate Kleinteiligkeit der Bebauung. Diesem Zustand sollten sich die Planer wieder annähern, statt ständig in immer größeren Einheiten zu denken… !!!
      (Ganz rechts ist übrigens St. Ansgarii zu sehen).


      Stadtkarte von 1938 mit Markierung der Repräsentationsbauten an der Kaiserstraße.


      Ansicht des ‚Palastes’ des Generalsteueramtes (Kaiserstraße Nr. 6) vom Wall aus. Leider sind mir keine Vorkriegsbilder bekannt, die das Gebäude noch unzerstört zeigen. Dieses Kriegsschadensfoto stammt wie alle nun folgenden Schadensbildern aus den online-Beständen des Staatsarchivs Bremen.


      Wappenkartusche mit dem Bremer Schlüssel am rustizierten Erdgeschoß des Generalsteueramtes.


      Dem Generalsteueramt benachbart, befand sich in der Kaisertraße Nr. 8 das Haus der Druckerei Engelke. Historische Postkarte.


      Blick von Norden in die Kaiserstraße. Links das Generalsteueramt. Rechts im Hintergrund die Brandmauer des Hauptzollamtes, dessen nördlich angrenzende Nachbarhäuser schon zerstört sind.


      Das Gebäude des Gewerbemuseums, Kaiserstraße 20- 22 (linke Bildhälfte).


      Auf diesem Foto wird rechts der Gartenbereich zwischen Hauptzollamt und Sparkasssengebäude sichtbar, der 1980 bei der Errichtung des LSB-Baus von Müller-Menckens wegfiel.


      Mal ein ‚Starporträt’ des Hauptzollamtes, Kaiserstraße Nr.5. Es wäre schön, wenn die Portalachse im Rahmen des nun zu planenden Neubaus, hierher zurückkehren könnte !


    • Vielen, vielen Dank für die schöne Arbeit! Wahnsinn, was Sie alles für Material zur Verfügung haben. Und wiedermal Wahnsinn, was alles noch stand in diesem exponierten Bereich.

      Nun waren die straßenseitigen Fassaden dieser repräsentativen Bauten sicher auch der stabilste Teil der Gebäude, dahinter reichlich "Platz" für Zerstörungen und diese Straße natürlich nicht zu vergleichen mit den älteren kleinen Häusern im Stephaniviertel, die wirklich zum großen Teil komplett zerstört waren, aber dass eine ganze Straße in diesem vom Bombenkrieg mit am härtesten getroffenen Teil der Altstadt 1946 auf den ersten Blick noch fast so aussah wie 1939, man mag es kaum glauben. Die gesamte Straße hätte ja ohne riesigen Aufwand wieder in ihren Vorkriegszustand versetzt werden können, nahezu alle entscheidenden Gebäude wären wiederherstellbar gewesen.

      Ein kleines P.S.: Wenn Sie einen entsprechenden Strang "Am Brill" eröffnen und Ihre ersten Beiträge dorthin kopieren, können wir quasi selbst die Verschiebung machen. Ich kopiere dann meinen obigen zwischen Ihre Beiträge und dann können Sie die letzten beiden kopieren und ich wieder dieses vorläufige Finale.
    • Lieber Heinzer,

      sie haben vollkommen Recht ! Vieles wäre mit dem entsprechenden guten Willen wieder herstellbar gewesen. Nur dieser war eben nicht vorhanden. Der Zeitgeist war vielmehr - und das schon seit spätestens 1918 - gegen alles eingestellt was nur irgendwie 'historistisch' anmutete...

      Und so wurde halt geprengt 'was das Zeug' hielt:




      Als Ergebnis dieser 'Architektur-Ethik' können wir dann solche bezeichnenden Vergleiche ziehen:




      Eine an die Berliner Wilhelmstraße erinnernde, elegant-großstädtische Magistrale wurde durch eine zugige Schlucht ersetzt !





      Welch eine Verbesserung des Stadtbildes ...?!?!

      Und gerade darum ist es so wichtig, daß die Portalachse nicht nur nicht aus dem Baublock entfernt wird, sondern auch an ihren originalen Standort an der Kaiserstraße zurückkehrt. Die Chance tut sich jetzt auf.

      P.S.: Ich werde mich im Laufe des Tages um das von Ihnen vorgeschlagene Prozedere hinsichtlich der neuen Themenstränge kümmern.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Pagentorn ()

    • Die Stadt sah in Trümmern besser aus als jetzt, ich kenne die Ecke nur zu gut.......da bleibt man nur stehen wenn man eine rote Ampel vor sich hat. Eigentlich müsste das ganze Viertel abgerissen und wieder aufgebaut werden. Aber was derzeit in Bremen so an Architekten von der Leine gelassen werden, ist es besser vielleicht noch 10 Jahre zu warten bis dahin hat sich die SPD wohl auch in Bremen zerlegt und dann kann man mit frischen konservativen/nationalen Wind den 68er Mief auch in Bremen mal herausblasen.
    • Axel Spellenberg hat Recht

      An den beiden obigen Bildvergleichen, die illustrieren, wie man im Rahmen des sog. 'Wiederaufbaus' die ehemalige Vielgestaltigkeit der Ostseite der Kaiserstraße durch den monolithischen Block des 'Parkhauses am Brill' ersetzt hat, wird deutlich, wie Recht der Stuttgarter/Worpsweder Architekt Axel Spellenberg hat, wenn er fordert, die Parkplatzkapazität in Altstädten zukünftig vornehmlich unterirdisch vorzuhalten. Die aktuellen Planungen des Berliner Architektenbüros gehen ja wohl hinsichtlich des an der Jakobistraße gelegenen Parkhauses für die Sparkassenmitarbeiter genau in diese Richtung. Das wäre ein guter erster Schritt. Wie sehr könnte das Stadtbild aber darüberhinaus noch zusätzlich an Lebendigkeit gewinnen, wenn auch das Brill-Parkhaus 'im Erdboden versinken' würde...

      (Wohlgemerkt, die Zahl der Stellflächen für PKW's dürfte durch diese Maßnahmen nicht verringert werden, sonst würde man den innerstädtischen Einzelhandel nie mit ins Boot holen können.)
    • Re-Translozierung der Portalachse des Hauptzollamtes – Teil 2

      Der folgende Beitrag möchte die für die Neugestaltung des Sparkassenareals am Brill Verantwortlichen – insbesondere das siegreiche Berliner Architekturbüro – dafür gewinnen, bei der Konzipierung des - anstelle des von Gerhard Müller-Menckens 1980 entworfenen LBS-Komplexes - an der Bürgermeister-Smidt-Straße zu errichtenden Neubaus, einen Einbau der Portalachse des Hauptzollamtes exakt an ihrem ursprünglichen Standort einzuplanen.

      Teil 2 soll dafür mit der Erinnerung daran werben, daß bereits schon einmal in Bremen eine Re-Translozierung erfolgreich durchgeführt wurde.

      Beispiele für Translozierungen lassen sich in Bremen viele finden und diese Frühform der ‚schöpferischen Denkmalpflege’ setzt hier bereits kurz nach der Jahrhundertwende mit der Errichtung der Ratsstuben am Markt ein, bei denen auf Initiative des Architekten Rudolph Jacobs großflächig auf Fassadenteile von historischen Abbruchhäusern in der Altstadt zurückgegriffen wurde. Am bekanntesten dürfte die Versetzung der kompletten Rokoko-Fassade des Hoffschlaeger'schen Hauses von der Schlachte an den Marktplatz während der 50er Jahre sein.
      Weniger bekannt hingegen ist das Beispiel, um das es im Folgenden gehen soll: Die gleich mehrfache Wanderung einer Rokoko-Fassade und eines Barock-Giebels durch das Gebiet der Altstadt.
      Um die Jahrhundertwende mußte daß Renaissance-zeitliche Haus Martinistraße 11 mit seiner sich über Erd- und Erstes Obergeschoß erstreckenden und eine zweistöckige Utlucht enthaltenden Rokoko-Fassade einem Neubau weichen. Ungefähr zur selben Zeit wurde das Wrissenberg’sche Haus in der Langenstraße 34 zugunsten eines neuen großen Kontorhauses abgerissen. Sein Barockgiebel wanderte die Langenstraße hinunter und bildete dort zusammen mit der Rokoko-Fassade von der Martinistraße 11 die ‚Komposit’-Fassade des neuen Kontorhauses Langenstraße 70. Dieses Gebäude wurde im 2. Weltkrieg ausgebombt, wobei die Fassade nahezu unbeschadet blieb. Landesdenkmalpfleger Rudolf Stein machte sich in den frühen 50er Jahren dafür stark, den Giebel von der Langenstraße 70 an den Ansgarikirchhof 24 zu versetzten und dort als neuen Südgiebel des Gewerbehauses zu verwenden, da es für die Rekonstruktion des ehemaligen Südgiebels des Gewerbehauses, der immer durch die südlichen Nachbargebäude (zuletzt durch das Stammhaus des Herrenmodegschäftes Finke) zugebaut gewesen und daher nur schlecht dokumentiert war, kein ausreichendes Bildmaterial gab. Für die an der Langenstraße 70 verbliebene Rokoko-Fassade fand sich bald darauf – allerdings ohne die auf ihr noch thronenden Zwischengeschoßfenster eine Verwendung am Neubau des Bürogebäudes Martinistraße 27 (nach alter Haunummerierung die Nr. 14). Sie kehrte somit – wenn auch drei Häuser weiter westlich, fast genau an ihren Ursprungsort gegenüber der Martini-Kirche zurück. Die Fassade ist somit nicht nur bloß zweimal ‚auf Wanderschaft gegangen’, sondern sie ist sozugagen ‚remigriert’.
      Dieses Beispiel einer erfolgreichen Re-Translation, sollte wegweisend auch für die wertvolle Portalachse des Hauptzollamtes sein. Denn andernfalls müssten sich die städtischen Planer den Vorwurf gefallen lassen, daß die Rokoko-Fassade nur deshalb so pietätvoll an ihren Ursprungsort zurückversetzt worden ist, weil ein geistiger Ahnherr der in Bremen seit über 70 Jahren ununterbrochen regierenden Sozialdemokraten hinter dieser Fassade ab 1838 bei einem Geschäftsfreund seines Vaters für einige Zeit sein kaufmännisches Berufspraktikum absolvierte: Ein gewisser Friedrich Engels aus Barmen…

      (P.S.: Gott sei Dank ist das Wohnhaus des aus dem niederlausitz’schen Guben stammenden Wilhelm Pieck, der um die Jahrhundertwende einige Jahre in der Bremer Alwinenstraße im Steintorviertel lebte, lediglich ein typisches ‚Bremer Haus’ und von keiner übergroßen kunsthistorischen Bedeutung…)


      Übersichtskarte der geschilderten Translozierungen und der einen ‚Re-Translozierung’.


      Karte von Martinikirchhof und Martinistraße mit Einzeichnung der Lage der Häuser Nr. 11 (originaler Standort der Rokoko-Fassade) und Nr 14 (heute Nr.27 – der jetzige Standort der Fassade). Rechts neben der Nr. 9 der Ausgang der berühmten Böttcherstraße von Ludwig Roselius (Kaffee HAG).


      Haus Martinistraße 11 vor dem Abbruch mit Renaissance-Giebel und Rokoko-Fassade. Rechts daneben Martinistraße Nr.10.


      Luftbild von Martinikirchhof und mittlerem Teil der Martinistraße aus der Zwischenkriegszeit. Eingezeichnet sind das neue Kontorhaus Nr. 11 und das Gebäude Nr.14.


      Farbfoto mit Blick vom Teerhof über die Weser. Zwischen Chor der Martinkirche (links neben dem Baum) und dem Predigerhaus von St. Martini (rechts), werden die Oberkante des Kontorhausneubaus von Nr. 11, ein Teil des Giebels der Nr. 10, sowie der hohe Backsteingiebel des südwestlichsten Kopfbaus der Böttcherstraße, des Robinson-Crusoe-Hauses, sichtbar. Im Hintergrund die majestätischen Türme von Dom und Baumwollbörse.


      Ansicht des Mittelteils der Martinistraße nach der Jahrtausendwende. Links St. Martini. Rechts das Robinson-Crusoe-Haus. Links (westlich) an dieses anschließend, das Gebäude der Reederei Oltmann, welches – neben anderen – auch das Grundstück der ehemaligen Nr. 11 überbaut. Man erkennt, daß - im Vergleich zum Vorkriegszustand - die Bauflucht der angrenzenden Häuser an die des Robinson-Crusoe-Hauses angepaßt wurde (im Zuge der Verbreiterung der Martinistraße).Das Oltmann-Gebäude wurde allerdings selbst vor einiger Zeit zugunsten der Erweiterung eines angrenzenden Hotels abgerissen, welche momentan im Entstehen begriffen ist.


      Unser Forums-Freund findorffer war so freundlich, mir die beiden folgenden, am 23.01.2018 entstandenen Fotos von dem emporwachsenden Nachfolgebau der Reederei Oltmann (der damit auch ein mehrfacher Nachfolgebau der alten Nr. 11 ist) zur Verfügung zu stellen. Im Unterschied zum Oltmann Bau, weist dieser Hotel-Neubau wieder den Versatz der Baukante auf, der vor dem Krieg für diesen Teil der Martinistraße charakteristisch war. Dies ist aber auch der einzige Vorteil dieses unförmigen Gebäude-Kolosses !

      (Links Nr. 27 - ehem. Nr.14, rechts der Neubau)


      (An der linken Bildkante das Grundtück der ehem. Nr. 11, rechts das nun zwergenhafte Robinson-Crusoe-Haus.



      Plan der Nordseite der Langenstraße zwischen Marktplatz (rechts) und der Straße ‚Kurze Wallfahrt’ (links) aus dem 18. Jahrhundert, welches eine lückenlose Reihe von großkaufmännischen Giebelhäusern zeigt. Diese ‚Perlenkette’ an stattlichen Fassaden aus Gotik, Renaissance, Barock und Rokoko mußte sich wahrlich nicht vor so legendären Straßen wie der Lübecker Mengstraße verstecken… Alt-Bremen halt. Von dieser Pracht hat sich bis heute nur ein einziges Gebäude erhalten: Das der Firma Suding & Soeken.


      Ausschnitt aus derselben Karte, in welchem das Haus ‚Wrissenberg’ (Langenstraße Nr.34) und dessen Giebel rot umrandet sind.


      Lage des Grundstücks des ehemaligen Hauses Wrissenberg zwischen Langenstraße und Jacobikirchhof auf der Stadtkarte von 1938.


      Ansicht von der Ostseite der Einmündung der Straße ‚Kurze Wallfahrt’ (links) in die Langenstraße. Im Vordergrund das Verlagshaus der Großherzoglich Oldenburgischen Hofbuchdruckerei H.M. Hauschild. Im Hintergrund der Neubau der Langenstraße Nr. 34, für den das Haus Wrissenberg und sein Giebel weichen mußte.


      Das Erdgeschoß des Neubaus der Nr. 34 (der auch das Grundstück Nr.33 umfaßte – daher die Gebäudebreite).


      Auf diesem Vergleichsbild sieht man auf der historischen Postkarte links das Haus Nr. 34 – sogar dessen kleiner Giebel ist erkennbar - und rechts (als zweiten Giebel von rechts) das Haus der Firma von Suding & Soeken. Das Gegenwartsbild zeigt, daß von dieser hanseatischen Atmosphäre nichts mehr geblieben ist. Lediglich das Haus von Suding & Soeken hält die Stellung. Es ist tatsächlich der letzte Repräsentant der großbürgerlichen und großkaufmännischen Baukultur in der gesamten Bremer Altstadt – was für ein Drama ! Denn die Häuser im Schnoor wurden von Kleinbürgern bewohnt, sind also für die Bremen ehedem prägenden Schichten in keiner Weise aussagekräftig !


      Lage des Kontorneubaus Langenstraße Nr. 70 – schräg gegenüber vom Kornhaus. (Grob gestricheltes Gebäude an der linken Bildkante – neben der Straße ‚Fangturm’).


      Haus Nr. 70 auf einem Luftbild der Zwischenkriegszeit.


      Übersicht zur Entwicklung des Kontorhauses Langenstraße Nr.70
      A: Ansicht von Westen mit Rokoko-Fassade, Fenstern des Zwischengeschosses und Giebelansatz.
      B: Gesamtschau der östlichen Gebäudehälfte von Erdgeschoß bis Giebelspitze (linke Bildkante).
      C: Nachkriegsbild, das den Zustand nach der Verlegung des Giebels zum Gewerbehaus zeigt.
      D: Der nach der Rückversetzung der Rokoko-Fassade an die Martinistraße entstandene Nachfolgebau. Mittlerweile hat auch diese ‚Nr.70’ zusammen mit dem Nachkriegs-Flachbau der Nr.69 einem großen Baukomplex weichen müssen.


      Der Wrissenberg’sche Giebel an der Langenstraße Nr.70 mit Zwischengeschoß-Fenstern (links) und als Südgiebel des Gewerbeshauses, Ansgarikirchhof Nr.24 (rechts).


      Luftbild vor 1959 mit dem neuen Südgiebel des Gewerbehauses, der der Rekonstruktion der beiden Ostgiebel vorausging.


      Der Wrissenberg’sche Giebel am - leider nur äußerlich - komplett rekonstruierten Gewerbehaus.


      Der Neubau Martinistraße Nr. 27 (ehemals Nr.14) mit der verballhornt eingebauten Rokoko-Fassade der ehemaligen Nr. 11. Verballhornt deshalb, weil die Utlucht nun in der Mitte, statt vordem an der rechten Seite, liegt. Die Mitte bildete ursprünglich die Portalachse.
      Pikant ist, daß man an diesem Gebäude die – vollkommen begrüßenswerte – Erinnerung an den deutschen Osten mit der an Friedrich Engels kombiniert, der hinter der Rokoko-Fassade ab 1838 seine Praktikumszeit absolvierte.


      Friedrich Engels in den 1840er Jahren - so wie er wohl auch in Bremen ausgesehen hat.




      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von Pagentorn ()

    • Das sind alles hochspannende Einzelaspekte in der Bremer Innenstadt. Aber gibt es auch irgendetwas, worauf man jetzt den Fokus legen müsste? Irgendwo muss man ja erstmal anfangen und Erfolg haben, bevor man sich mit kleinteiligen Projekten noch und nöcher total verzettelt. Aus Sicht einer Bürgerinitiative wie Stadtbild-Ortsverband Bremen (gibts schon?) meine ich jetzt.
    • Liebe 'erbse',

      Ihnen ist vollkommen zuzustimmen, wenn Sie vor einer Verzettelung warnen. Selbstverständlich wird der zentrale Fokus auch weiterhin auf dem schon 1991 von Nils Aschenbeck benannten 'Dreigestirn' St. Ansgarii - Kornhaus - Essighaus liegen, wobei des Kornhaus momentan, das größte Realisierungspotential zu haben scheint.

      Nur leider kommen hier in Bremen - fast im Monatstakt - Hiobsbotschaften an die Öffentlichkeit, hinsichtlich des Abrisses von historischer Bausubstanz, die bisher 'durchgehalten hatte' - ich darf nur an das Drama um den rechten Seitenflügel der ehemaligen Polizeiwache 2 an der Schleifmühle oder die drohende Katastrophe mit der Villa Groß erinnern - auf die reagiert werden muß. All das zieht natürlich Zeit und Engagement von den großen Zielen ab - und daher ja auch mein schroff geäußerter Ärger über die Bremer Bausituation - nach ihrem verdienstvollen Hinweis auf den einschlägigen Beitrag von Buten und Binnen zu den Brill-Planungen. Zu der hier drohenden Vernichtung weitere Teile des - in der Altstadt ohnehin nur noch fragmentarisch erhaltenen - 'alten Bremens' können wir aber einfach nicht schweigen. Wir müssen im Gegenteil eine breitere Öffentlichkeit für den drohenden Verlust sensibilisieren. Für mich war es ein 'Aha-Erlebnis', daß selbst unser werter Forums-Kollege HEINZER die Portalachse bisher nicht kannte. Wenn schon ein so interessierter Mitstreiter hier noch etwas Neues entdecken konnte, um wie viel weniger werden dann weite Bevölkerungskreise überhaupt von der Portalachse wissen. Daher mein Argumentieren und Appellieren ...

      Die Portalachse tauchte übrigens kurz in einem schon etwas älteren Buten und Binnen Beitrag auf (min. 01.36), in dem der Sparkassenvorstand Dr. Nesemann über einige Hintergründe des Verkaufs des Areals berichtet.

      Hier der 'Screenshot' der Portalachse in dem Buten und Binnen Beitrag:
      (Seitdem ich meine Fotos im Jahre 2000 geschossen hatte, hat man offensichtlich das Efeu neben dem Portal deutlich gekappt...)



      Und hier nun der 'Bu-Bi'-Beitrag:


    • Zur Illustration dessen, daß wir uns mit der Sorge um das 'Sparkassenquartier' nicht von unseren eigentlichen Hauptanliegen abbringen lassen, möchte ich die folgende historische Ansichtskarte hinzuziehen. Sie ist zwar teilweise schluderig koloriert (man beachte z.B. das fälschlicherweise hineingemalte Giebeldreieck am Turmhelm von St. Ansgarii), zeigt aber dennoch sehr schön, daß man die Kaiserstraße und das unvergessene Gotteshaus gleichzeitig im Auge haben kann... 8o .
      Der Blick geht hier vom Südende der Georgstraße auf die Einmündung der - neuen - Kaiserstraße in die aus Richtung St. Ansgarii kommende Ansgaritorstraße. Letztere wird von dem alten - noch heute bestehenden - Akzise-Häuschen begleitet. Der 'Palast' des Generalsteueramtes an der Kaiserstraße ist ihm Hintergrund gut erkennbar.

    • Anbei noch zwei - bereits vor einiger Zeit schon einmal auf dem Themenstrang zu St. Ansgarii veröffentlichte - Fotos, die die enge räumliche Nähe von Sparkassen-Areal und Kirche belegen.

      Blick vom Kirchturm auf Hutfilterstraße und Brill. Hinter der Eckkuppel der Sparkasse erkennt man Haus Ittmann.


      Blick vom Kirchturm auf die Bauten an der Kaiserstraße. Links die Dachaufbauten des Hauptzollamts. Rechts Seitenflügel, Giebelrückseite, Fahnenmast und rundes Glaszeltdach vom Treppenhaus des Generalsteueramtes.