Bremen - Am Brill / Sparkassenquartier

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    • Jakku Scum

      Du schreibt von einer fachkompetenten Meinungsäußerung durch Herrn Pampus. Die meisten Foristen hier sind keine Architekten, haben aber das, was Herr Pampus schreibt, schon längst von sich gegeben. Werden deren - unsere -Meinungsäußerungen nun durch den Betrag von Herrn Pampus veredelt oder besser: bekommen erst dadurch einen "Wahrheitsgehalt"? Einem Architekten - nur weil er Architekt ist - Fachkompetenz in ästhetischen oder stadtbildprägenden Fragen zuzugestehen, ist für mich nur noch ein Witz. Architekten haben die letzten 70 Jahre unsere Städte bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet und verhässlicht.
      Ich finde die Äußerungen von Herrn Pampus wichtig, auch weil er Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten im Lande Bremen ist und damit von der Politik ernster genommen wird als wir hier bei Stadtbild. Aber mich interessiert an seiner Feststellung zu den Libeskindbauten hauptsächlich sein ästhetischen Empfinden als PRIVATPERSON und nicht als Architekt.
    • findorffer


      Fachkompetente Meinung, die sich gegen die Libeskind-Pläne stellen, gibt es in vielfältiger Form – das meiste dieser Vielfältigkeit findet eben nur hier im Forum statt.

      Dass sich neben der fachkompetenten Meinung des Landeskonservators nun der Vorstand des BDA Bremens gegen die gehypte Star-Architektur in der Hansestadt stellt, und dass dazu dieser Meinung im Weser-Kurier mehrspaltiger Platz geboten wird, ist quasi eine Sensation!

      Du magst die gedruckten Worte des Herrn Plampus als PRIVATPERSON sehen.
      Die Leser des Weser-Kuriers, und damit die Leser dieses Gastbeitrages, werden in Herrn Plampus nur den VORSITZENDEN DES BDA sehen – und damit die Meinung als fachlich qualifiziert konsumieren.

      In diesem Sinne spreche ich wohl wahr von einer fachlichen Meinung, die den Köpfen der Bremer Zeitungsleser endlich auch abseits dieses Forums aufgezeigt wird.

      Dass sich endlich auch die Journaille mit der weitreichenden Meinung des Forums beschäftigt und dieser in ihren Seiten eine Plattform gibt, ist ein Erfolg.

      PRIVATPERSON hin – FACHKOMPETENZ hin.

      Übrigens, es wird dich hier niemand aufhalten, einen gleichförmigen Gastbeitrag im Weser-Kurier zu platzieren.

      Mal sehen, ob ich dich dann als PRIVATPERSON oder als FACHKOMPETENZ wahrnehme! ;) :D

    • Um die Worte gleich etwas abzumildern:

      Wenn in der BRD eine Person ohne nennenswert bekannten Lebenslauf etwas zu einem Thema äußert, wird sie vom breitgefächerten Publikum kaum wahrgenommen.

      Äußert sich allerdings ein Sachverständiger zum gleichen Thema, wird er allein durch seine Qualifizierung als Sachverständiger besser wahrgenommen.

      Wir sind – so könnte man meinen – sachverständigenhörig.

      So ist das eben.

      Leider.

      Und so wird ein Vorsitzender des BDA Bremen eben besser wahrgenommen, als unsere zahlenmäßig größere Meinungsbandbreite, die seit Jahren versucht, die Öffentlichkeit wachzurütteln.

      Leider.

      Wenn du also der Öffentlichkeit ein Problem näher bringen möchtest, ist es vorteilhafter, wenn da gleich ein Sachverständiger mit am Pult steht, der deine Meinung sachkundig und fachkundig untermauert.
    • New

      Nanu, in Bremen scheint sich langsam eine breitere Front gegen die Libeskind-Schapira-Pläne zu bilden - das dürfte dem künftigen ich-halte-an-meinem-Stuhl-fest-Bürgermeister nicht gefallen, ist er doch ein leidenschaftlicher Befürworter der 'Horizontverschmutzung' im heiligen Bereich der Innenstadt, wie Landesdenkmalpfleger Skalecki jüngst die burgähnlichen Türme Mordors titulierte und prompt von seiner Vorgesetzten, Staatsrätin Frau Emigholz, zum Schweigen verurteilt wurde.

      Nach dem Vorsitzenden des BDA, Herrn Pampus, folgt nun die des Präsidenten der Bremer Architektenkammer, Herr Oliver Platz, der kritische Töne in Richtung Libeskind-Schapira anmerkt.


      Libeskind-Türme
      Tauziehen um die vier Türme
      Während die Stadt über den Libeskind-Entwurf verhandelt, sagen die Bremer Architekten klar Nein


      Oliver Platz, Präsident der Bremer Architektenkammer. Foto: Karsten Klama
      Bremen. Bei den Plänen für den Bau von vier Türmen auf dem Sparkassengelände am Brill hat es nach zwei Monaten Stillstand wieder etwas Bewegung gegeben. Die Vertreter des Investors trafen sich jetzt mit hochrangigen Abgesandten aus dem Bau- und dem Wirtschaftsressort, um das weitere Vorgehen zu beraten. "Es geht dabei insbesondere um die Frage, wie verbindlich das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs ist, den wir vor anderthalb Jahren für das Areal veranstaltet haben", erklärt Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde, auf Anfrage des WESER-KURIER. Damals war mit einer Bruttogeschossfläche von maximal 40 000 Quadratmetern geplant worden. Mittlerweile ruft der Investor fast das Doppelte auf und lässt auch in anderer Hinsicht den Wettbewerb außer acht. Planen soll nicht der Gewinner, das Architekturbüro Robertneun aus Berlin, sondern der US-amerikanische Star-Architekt Daniel Libeskind.
      Der Entwurf von Libeskind enthält Häuser, die wie Orgelpfeifen aufgestellt sind. Die Höhen reichen bis zu 98 Meter, ein Maß, das in der Innenstadt bisher nur vom Dom erreicht wird. Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki, ein entschiedener Gegner der Pläne, spricht von "Horizontverschmutzung". Nach Weisung der Kulturbehörde, der Skalecki untersteht, muss er solche Äußerungen künftig unterlassen.
      Die Investoren auf dem Sparkassengelände sind zwei Brüder aus Israel. Pinchas und Samuel Schapira hatten angekündigt, sofort nach der Übernahme des 11 000 Quadratmeter großen Grundstücks mit Abriss und Neubau zu beginnen. Stehen bleiben soll lediglich das historische und denkmalgeschützte Sparkassengebäude mit der imposanten Kassenhalle. Der deutsche Projektentwickler, den die Schapiras beauftragt haben, möchte vom Bremer Senat am liebsten noch in diesem Jahr eine Grundsatzentscheidung, ob die vier Türme nun gebaut werden dürfen. Noch fehlen dafür allerdings die Details der Planung, es gibt bislang nur die Skizzen von Libeskind. Deshalb hat sich für das mehrere Hundert Millionen Euro teure Projekt auch noch kein Gestaltungsbeirat gebildet, wie es vorgesehen ist.
      "Dafür, dass der Investor die Messlatte beim Zeitplan so hoch gehängt hat, ist der Prozess bisher ein bisschen langsam vorangekommen", sagt Tittmann. Es sei deshalb wohltuend, dass der Termin für weitere Absprachen endlich stattgefunden habe. Die Teilnehmer hätten auch darüber gesprochen, in welcher Form die Bevölkerung in die Planung eingebunden werden könne. Der Gestaltungsbeirat allein reiche dafür nicht aus.
      Die Bremer Architektenkammer hat unterdessen ausgeschlossen, sich an solch einem Beratergremium zu beteiligen. Sie lehnt den Libeskind-Entwurf rundweg ab. "Der Ruf nach Stararchitektur hat sich leider zu oft als Ruf nach einfachen Wahrheiten herausgestellt", schreibt Kammerpräsident Oliver Platz in seiner Stellungnahme. Besser sei es, kollektive Intelligenz zu nutzen, mit der Beteiligung der Bürger und einem weiteren Architekturwettbewerb.
      "Schwierig finde ich zudem, dass die im damaligen Werkstattverfahren erarbeitete Ausnutzung des Grundstücks in dem nunmehr vorgeschlagenen Entwurf deutlich überschritten wird", erklärt Platz. Falls es klappen sollte, der Stadt so viel Nutzfläche abzuringen, habe der Investor ein gutes Geschäft gemacht. "Wenn nicht, gibt man das Grundstück zurück, und der, der so gepokert hat, hat nichts verloren."
      Der Kammerpräsident erlebt in der Diskussion über die Libeskind-Türme nach eigener Aussage oft eine Haltung, die er mit "Mal was anderes" beschreibt. "In meinen Ohren klingt das aber nicht nach einer Eins mit Sternchen, sondern nach einer allgemeinen Unzufriedenheit gegenüber der derzeitigen Architekturproduktion", so Platz. Nichts Neues, meint er, die Zunft kenne das. "Wenn wir gewöhnlich bauen, sind wir zu langweilig. Wenn wir außergewöhnlich bauen, sind wir zu exaltiert." Eine Diskussion, die notwendig sei und seine Kollegen immer wieder antreibe, Qualität zu liefern.
      Die Sparkasse wird ihr Gelände am Brill im Oktober kommenden Jahres räumen und in den neuen Hauptsitz der Bank an der Universität umziehen. Bis dahin müsste nach den Vorstellungen des Investors von der Bürgerschaft ein neuer Bebauungsplan verabschiedet und der Bauantrag genehmigt worden sein. So oder so sind die Schapiras aber auf der sicheren Seite, wie Oliver Platz richtig annimmt. Die Sparkasse hat den beiden Brüdern bis Ende 2020 das Recht eingeräumt, vom Kauf zurückzutreten.