Bremen - Am Brill / Sparkassenquartier

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    • Es gibt eben wie bei allen kontroversen Themen verschiedene Abstufungen der Meinungen. RaHaHe scheint an diesem Beispiel nun die kompromissloseste Haltung einzunehmen und lehnt Hochbauten -egal mit welcher Gestaltung- an dieser Stelle unter dem Hinweis auf die zu rekonstruierende Ansgariikirche und die entstehende Konkurrenzsituation grundsätzlich ab. Vollkommen in Ordnung.

      Dann gibt es diejenigen, die ganz grundsätzlich nichts gegen Hochbauten an dieser Stelle haben, wenn diese in einem gestalterisch gefälligeren Gewand daherkämen wie etwa in Spellenbergs Skizzen. Dann gibt es durchaus auch die aus meiner Sicht legitime Meinung (die ich aber nicht teile), dass der Brill und das Sparkassengelände so weit weg von den kritischen Punkten der Altstadt liegen, dass auch eine moderne Gestaltung der Türme kein grundsätzliches Problem darstelle und man sich eher auf den Kernbereich der Altstadt konzentrieren solle mit seinen Rekonstruktionsbemühungen, anstatt die Altstadtdefinition auch auf den im wesentlichen ohnehin verlorenen Bereich westlich des Brills zu "überdehnen" und sich somit selbst zu schwächen. Als Gegenposition könnte man hier völlig zurecht einwenden, dass wir uns ja schon auf die Altstadt reduzieren und nun auch noch ohne Not einen ehemals wichtigen Teil derselben einfach aufgeben würden, von den Problemen der Gestaltung der Türme mal ganz abgesehen.

      Bei skyscrapercity wiederum hat sich nun ein Forist neu angemeldet, der Rekonstruktionen grundsätzlich ablehnt - aber trotzdem auf keinen Fall die Altstadtsilhouette durch Hochhäuser beeinträchtigt sehen möchte und selbst den Wesertower klar ablehnt und die Altstadt durch kleinteilig-klassische Architektur ohne Rekos wieder erlebenswert gestalten möchte.

      Man sieht also mal wieder, dass es einfach sehr viele verschiedene und legitime Meinungen zum Thema gibt und hier auch keineswegs so getan werden sollte, als sei die Opposition gegen die Brillpläne per se der "Wille der Bevölkerung", der nur von der schreibenden Zunft und der modernistisch durchseuchten Elite gebrochen werden solle. Es ist im Gegenteil so, dass Opposition gegen Pläne immer besser mobilisiert als Zustimmung, weswegen man eine Überzahl an ablehnenden Leserbriefen keinesfalls mit dem "Mehrheitswillen" gleichsetzen sollte. Unter Hinrichs' Kommentar fanden sich im weiteren auch sehr viele zustimmende Kommentare.

      Was ich sagen will: It's complicated. Meine persönliche Meinung unduliert zwischen klarer Ablehnung und Neugier, was da eigentlich kommen soll, also eher Hinrichs' Meinung, erst zu schimpfen, wenn man genau weiß, worüber man schimpfen will. Grundsätzlich sehe ich die Sache aber genauso kritisch wie die meisten hier. An dieser Stelle sollte einfach keine Hochhäuser gebaut werden. Trotzdem denke ich auch, dass wir uns konzentrieren sollten auf den Ansgariikirchhof, die Obernstraße mit den nördlichen Parallelstraßen (also die Gegend um das Parkhaus Mitte), die Langenstraße bis zum Kornhaus inklusive der Altstadtweserfront und den Unort des Katharinenklosters mit Umgebung, um hier - wenn möglich - einen Kernbereich der Altstadt perspektivisch deutlich aufzuwerten. Das wäre schon wahnsinnig viel, wahrscheinlich zuviel.
    • Bei aller hier geäußerten Kritik – egal in welcher Richtung -, die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Turmbauten auf dem Sparkassen-Areal wirklich verhindern ließen, schätze ich persönlich auf unter 1 Prozent. - Zu groß ist allein der Investitionsdruck von 250 Millionen Euro, die hier im Gespräch sind und beim regierenden Senat für glänzende Augen sorgen – abgesehen vom klangvollen Namen des Star-Architekten und der Möglichkeit, in Bremen die sagenhaften „Libeskind'schen-hängenden-Gärten der Moderne“ neben den Bremer Stadtmusikanten zu installieren.

      Die Opposition wartet zudem erst einmal den 5. April ab – was politisch natürlich der richtige Weg ist, denn einen Geist, der nicht leibhaftig vor einem steht, kann man nur schwerlich bekämpfen – und in Verhandlungen mit ihm treten.

      Dennoch ist es wichtig, sich auf die Dinge vorzubereiten, sich zu wappnen und möglicherweise Strategien zu entwickeln, um mit Gewissheit seine Meinungen zu vertreten und Alternativen zu präsentieren, die weniger monströs wirken und das Bild der Innenstadt nachhaltiger verändern würden. Man sieht ja am Kühne-Solitär schmerzhaft, wie schnell das gehen kann, wenn allein mit einem berühmten Namen und Geld gewunken wird.
      So stimme ich zu, dass die Euphorie über den neuen Spellenberg „Dreiklang“ vielleicht etwas voreilig war – grundsätzlich, meiner Meinung nach, aber in die richtige Richtung ginge: Bremens Kraft, Geschichte und Tradition würde in Spellenbergs-Vorschlag eher fortgeführt und entwickelt werden – als die „Gärtnertürme“ von Libeskind – obwohl... - ich würde gerne mal sehen, wie die geplanten Rankengewächse bei Sturm in der Stadt wie Fahnen im Wind flattern: Die "wehenden Gärtnertürme von Bremen"!

      Und dabei möchte ich auch deine Worte aufgreifen, Heinzer. Du hast vor ein paar Tagen, mit dem Blick auf die alten Bilder der Faulenstraße gesagt, was Bremen hier doch nur alles verloren hätte. Mit einem behutsam entwickelten Sparkassen-Areal wie etwa mit Axel Spellenbergs ersten Entwurf, der den zunächst geforderten 45.000qm² entsprach, wäre das Quartier mit der besonderen Nähe zur Innenstadt – und zum bald entstehenden Anschari-Turm – besser aufgestellt.
      Und bei allem Wunsch nach Moderne möchte ich sagen: Auch Neo-Klassizismus oder Neo-Renaissance oder Neo-Art nouveau kann spannend und modern sein, wie der Landesbank-Neubau aufzeigt.
      Ein der Innenstadt schmeichelnder Neubau auf dem Sparkassen-Areal, würde dem einst vernichteten Faulen-Quartier wieder ein Gesicht geben – besonders mit einem rekonstruierten Kornhaus. Und ein Anker für eine eventuelle Auffrischung dieses so darbenden und hässlichen Stadtteils. - Mit einer angepassten Bamberger-Fassade?
    • Sehr schön zusammengefasst, Jakku. Und es ist ja auch richtig: Wie will man eine wirkliche Wende hinbekommen, wenn man sich künstlich immer kleiner macht, in vorauseilendem Gehorsam Teile der Altstadt aufgibt? Natürlich wäre mir an der Stelle eine neuklassische Bebauung im Stile des Spellenbergentwurfs unter Erhalt auch des Hauses Ittmann wesentlich lieber.

      Zusammen mit dem Kornhaus könnte hier also der "Sprung über die Bürgermeister-Smidt-Straße" gelingen, denn in der westlichen Langenstraße steht ja bis zum Fangturm noch überraschend viel Altes. Mit einem im Erbauungsstil renovierten Betten-Wührmann-Haus am Brill könnte zusammen mit dem postmodernen Backsteinversicherungsbau gegenüber da schon ein kleines Ensemble entstehen, bei dem selbst das elende "Brillissimo" kaum noch stören würde. Am schlimmsten in der Ecke ist eigentlich das früh ergraute, erst 2003/2004 erbaute Wohnhochhaus an der Schlachte. Ein Offenbarungseid der 2. Moderne, wie er schlimmer eigentlich nicht sein könnte.
    • Glanz der Hanse und Stolz der Kaufmannschaft



      Ich habe die Kritik an meinem ´usurpatorischen´ Brill-Entwurf im StadtbildD-Forum gelesen. Ich weiß nicht, was daran gesetzeswidrig ist, in die Höhe zu entwerfen.

      Ich kann aber auch nicht bei jeder Kritik ins Wanken geraten, sondern muß als Architekt glaubwürdig bleiben und meine Pläne verteidigen. Ich verstehe nicht, weshalb ein Kirchturm die absolute Dominanz in einer Stadt haben muß. Da waren die Engländer bei weitem lockerer, wie es das angehängte Foto (Bild 1) von den Houses of Parliament zeigt. Die Türme der Westminster-Abbey - der Königs-Krönungskirche! - verschwinden hinter der Dominanz des Victoria Tower mit seiner Höhe von 98,45 Metern. Sogar der Big Ben, Clock-Tower, ist dominanter als das Heiligtum der Monarchie, deren jahrhundertealter Bedeutung die höheren "Türme der Demokratie" keinerlei Abbruch tun. Leider wurde der neogotische Entwurf der Architekten Edward Lamb und John Seddon von 1904 mit einem 167 Meter hohen Turmbau direkt neben der Westminster Abbey (Bild 2) nie verwirklicht. Dieser wunderschön filigrane Turmbau hätte zumindest den heutigen, gigantischen Türmen in der City of London ("The Shard" = 310 m) baukünstlerisch Paroli geboten. Das war noch Baukunst- und Zeichnung vom Allerfeinsten! Und gegenüber einer solchen Kunstfertigkeit ist ein Libeskind doch nur ein allerämstes Würstchen.

      Warum sollte der Kirche im 21. Jahrhundert eine solche Dominanz eingeräumt werden? aber getrost, der Abstand eines wiederaufgebauten Ansgariiturms zu meinen Türmen wäre allemal groß genug, um sich gegenseitig zu respektieren. Es dominierte mit meinem Plan in der zukünftigen Zeit eben wieder die Kaufmannschaft, und das wäre doch typisch hanseatisch. Und Bremen würde endlich nicht mehr nur im Schatten Hamburgs mit seinen Attraktionen Elbphilharmonie (110! Meter hoch) und geplantem, künftigen 250!-Meter-Hochhaus in der Hafencity stehen.

      Die Realität gegenüber meinen Träumen und Fantasien sind die 4 Libeskind-Schornsteine in Beton, Stahl und Glas mit bis zu 100 Metern Höhe. Wie soll man denen anders entgegentreten, als sie mit den eigenen Waffen zu schlagen, hoch, und z. T. noch höher (Bild 3), zu bauen? Mein Schwager aus Flensburg meinte heute zu diesem ganz frisch gefertigten Bild: "Das sieht aus wie das Lloydgebäude". Ich meine, er hat insoweit recht, als der Entwurf den Glanz, die Würde, und den Stolz der Hansestadt und ihrer Bauwerke neu zu formen bestrebt ist.

      Axel Spellenberg

      Abbildung 01
      Victoria Tower und Westminster Abbey



      Abbildung 02
      Turmentwurf von Edward Lamb und John Seddon von 1904



      Abbildung 03
      Brill-Ansicht von (links) Brill-, (Mitte) Nagels- und (rechts) Hasenturm.



    • Rückkehr des ‚Heiligen Bremen’

      Das ‚Heilige Bremen’, die einstige Kapitale der größten Kirchenprovinz der lateinischen Christenheit, die vom Baltikum über Skandinavien bis nach Nordamerika reichte, war in viel größerem Umfang von vertikalen Akzenten geprägt, als selbst noch das Bremen von 1939 es erahnen ließ. Der – vorläufige – Verlust des ‚Königs der Stadtsilhouette’ 1944 war da nur der schmerzliche Höhepunkt, eines mit der Reformation einsetzenden kontinuierlichen Prozesses des Abgangs von stadtbildprägenden sakralen und profanen Türmen (wobei es während des Kaiserreichs durchaus erste gegenläufige Tendenzen mit dem Bau der Türme vom Lloyd und Baumwollbörse gab). Als Beleg für diese Aussage mag z.B. die älteste bekannte Ansicht der Weser-Seite Bremens dienen, welche im Jahre 1564 von Hans Weigel dem Älteren geschaffen wurde. Sie zeigt zwischen dem Turm von ‚S.Scharis’ (übrigens hier noch mit seinem ursprünglichen Pyramidenhelm dargestellt) und dem der ‚S.Stefanskirchen’ fünf weitere, heute nicht mehr existierende Türme, von denen zwei sogar näher bezeichnet werden und zwar als ‚De Natelen’ – das ist das Tor am Ende der Langenstraße, durch welches man aus der engeren Altstadt in die Steffenstadt gelangen konnte – und das ‚Scharis Dor – das ist der Stadtmauertorturm des Ansgaritores. Der Turm westlich der ‚Natel’ mag derjenige der Nicolaikirche gewesen sein (die selbstverständlich tatsächlich östlich des Nateltores lag). Die auf diesen bis zur Stephanikirche folgenden zwei Türme mögen weitere Stadtmauertürme gewesen sein.

      Vor diesem Hintergrund wären Axel Spellenbergs drei Türme auf dem Sparkassenareal somit gar nicht so unhistorisch. Sie würden vielmehr einen uralten ehrwürdigen Zustand wiederherstellen, der uns Heutigen den Glanz des ‚Heiligen Bremens’ wieder etwas mehr erfahrbar machen würde.

      Abbildung 01
      Stadtansicht von Hans Weigel von 1564.
      Die in etwa der Position der ‚Spellenberg-Türme’ in der Stadtsilhouette entsprechenden drei Bauten sind rot hervorgehoben. Der ‚König’ ist violett eingefärbt.



      Abbildung 02
      Visualisierung von Axel Spellenberg. Blick auf die Stadt vom Beluga-Gebäude auf dem Teerhof aus.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Pagentorn ()

    • Wenn nur 10% der herrlichen Ideen eines Axel Spellenberg umgesetzt würden, wäre Bremen schon einen Riesenschritt weiter. Ich liebe sein Spiel mit der Backsteinneogotik, im Prinzip eine Neuinterpretation backsteinexpressionistischer Stile... auch Leon Krier hatte ja ähnliche Ideen für eine Wiederauferstehung der Bremer Weserfront. Wie kriegen wir diesen Mann an die "Entscheider" ran?
    • Bremens Alleinstellungsmerkmal: Schnittpunkt zweier norddeutscher Bautraditionen

      Ihr Hinweis, Heinzer, auf den Aspekt der Backsteingotik ist sehr wichtig. Selbst bei der Rückkehr des von RaHaHe so treffend als 'gerade abwesenden König' (dieser so plastische Begriff, will mir einfach nicht aus dem Kopf, vielen Dank dafür RaHaHe !!!) bezeichneten Anschari wären nämlich die mit Naturstein verkleideten Türme in der absoluten Überzahl (lediglich St. Martini ist Vertreter der Backsteinfraktion). Natürlich kommt dadurch die starke Verwurzelung der Bremer Baukunst im westfälisch-rheinischen Raum zum Ausdruck. Aber die ebenso starke Verbindung in den Ostseeraum von Lübeck über Danzig und Königsberg bis nach Riga und Reval kommt momentan eindeutig zu kurz. Die backsteingotischen Türme von Axel Spellenberg würden hier die nötige zahlenmäßige Korrektur bewirken und damit Bremens Alleinstellungsmerkmal als Schnittpunkt zwischen rheinisch-westfälischen und wendisch-baltischen Traditionen in der gebotenen Weise betonen !
      Und an der von Ihnen, Heinzer, sehr zurecht aufgeworfenen, abschließenden Frage arbeiten wir ...
    • Man unterstellt uns 'Betulichkeit', Agieren mit 'Schreckensvisionen' und 'Aversion gegen moderne Architektur'

      Anbei einige Leserbriefe aus den 'Bremer Nachrichten' vom heutigen Tage (13.03.2019), in denen neben der Wirkung der Dudler-Bauten auch die geplanten Libeskind-Türme thematisiert werden. Unter den Leserbriefen ist einer, der das, was wir hier in Stadtbild anstreben als Wunsch nach 'Betulichkeit' charakterisiert. Zudem unterstellt uns dessen Autorin, wir würden mit Schreckensvisionen arbeiten, was wohl heißen soll, daß wir unter den Bürgern Angst schüren wollen. Schließlich behauptet sie, wir hätten eine 'Aversion gegen moderne Architektur', was vor dem Hintergrund unsere vielen Beiträge - auch in der Tagespresse - in denen wir der Moderne ihren Platz an Orten wie der Überseestadt in keiner Weise streitig machen und lediglich fordern, in der Altstadt wieder mehr traditionell zu bauen, geradezu grotesk erscheint. Ist es nicht vielmehr so, daß die Autorin und ihre Gleichgesinnten fürchten, daß jede umgesetzte Rekonstruktion ihnen die ganze Unzulänglichkeit der sog. 'Moderne' beweist, im historischen Altstadtkern urbane Qualitäten zu entwickeln. Sind es daher nicht diese Leute, die Aversionen haben und die das klassische Bauen wie der Teufel das Weihwasser fürchten ?





      Zur Autorin dieses Leserbriefes findet man im Netz u.a. den folgenden Artikel aus dem Jahre 1989. (Keine Sorge, diese Zeitung gehört nicht zu meiner Standardlektüre...):

      taz.de/!1795376/

      Die Dame ist offenbar gegenwärtig im hiesigen Bau-Establishment bestens etabliert, jedenfalls ist sie - zusammen mit Ihrem Ehemann - Autorin in einer Publikation des 'Bremer Zentrums für Baukultur' über das Bürgerschaftsgebäude von Wassili Luckhardt. Da weiß man, woher der Wind weht ...

      Siehe hier:



      Die gegenwärtigen Vertreter der 'Moderne' haben es sich in den letzten Jahrzehnten wohlig eingerichtet. Sie betrachten unsere Städte gewissermaßen als Ihre Erbhöfe, in denen sie sich das Recht der baulichen Alleinvertretung selbst zusprechen. Sehr demokratisch ist diese Monopolisierung nicht zu nennen. Aber wen schert schon die Meinung der Bürger wenn es um ertragreiche Pfründen geht...

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Pagentorn ()

    • Auch ich schätze Herrn Spellenbergs Händchen. Dennoch: Dort gehört keine Konkurrenz für Ansgarii hin! Und gleich in Jubel auszubrechen, weil ein paar Spitzen, Ornamente und Schnörkel daran sind, empfinde ich, mit Verlaub, als wenig reflektiert. Die Spellenberg-Türme sind ganz nett anzusehen, aber abzulehnen.
      Auch sie durchkreuzen die Absicht, die erhaltenswerte und in Teilen zu reparierende Silhouette der Altstadt historisch korrekt herzustellen. Überhöhte Turmspitzen uralter Stadtansichten als Begründung und als Beispiel heranzuziehen macht das Ganze dann nicht besser.
      Aber gut. Es gilt nicht Spellenbergs Entwurf zu verhindern, sondern den von Libeskind!
    • Spellenberg 1 und Spellenberg 2

      Der Drang in die Vertikale wurde allein von den Investoren in die Diskussion hineingetragen. Wenn man die Entwürfe von Axel Spellenberg zum Sparkassen-Areal, die jeweils vor bzw. nach Bekanntwerden der Libeskind-Planungen entstanden sind, im Vergleich betrachtet, dann wird man unschwer erkennen können, an welchem Entwurf das Herz des großen Worpsweder Baumeisters wirklich hängt und welcher aus der Not geboren wurde...

      Setzen wir Alles daran, daß wir in Bremen Herzensanliegen umsetzten können !





      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Pagentorn ()

    • "Weltlichen" Türmen sollte aber eine öffentliche Funktion vorbehalten bleiben. Solche gab es schon seit viel mehr als 100 Jahren. Es gab Rathaustürme, Uhrtürme, später Posttürme und auch Bahnhoftürme. Weshalb jetzt einfach Privatleuten mit Ellbogenmanier, viel Geld im Rucksack und einem vorgeschobenen "Stararchtekten" (welch grässliches Wort) auch Türme zugestanden werden sollten, finde ich sehr fragwürdig.

      Die Skizzen Spellenbergs, auch diese mit Türmen ( ;) ), sind aber sehr Stimmungsvoll und verlockend!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Riegel ()

    • Ich möchte hier dem lieben Pagentorn nicht vorgreifen, der sicherlich die kompletten Leserbriefe aus den Bremer Nachrichten bzw. dem Weser-Kurier noch einstellen wird.
      ich wähle hier bewusst auch nur den Leserbrief von Axel Spellenberg aus und verweise besonders auf seine gezeichnete Ansicht einer möglichen Stadt-Silhouette vom Fluss aus gesehen, so denn sein Vorschlag zum Sparkassen-Areal Wirklichkeit würde. Ich kann nicht sehen, wie der "König der Stadt" durch das neue "Trio" eingeengt, abgewertet oder dergleichen wird, zumal der "große Meister" hier den "König" bereits im Bilde plaziert hat. Ich sehe auf der Zeichnung vier Schönheiten (eigentlich fünf mit Stephani), die mit dem gegenüberliegenden "Quartett" aus Dom, Liebfrauen und Martini eine malerische Skyline darstellen.

      Leserbrief aus dem WK vom 15.03.19

      Das Stadtbild retten


      Der Architekt Axel Spellenberg hat skizziert, wie drei andere Türme auf dem Sparkassenareal aus unterschiedlichen Perspektiven wirken würden.


      In die Höhe zu bauen, ist nichts Neues. Auch der von Leser Nils Huschke visualisierte Turm der ehemaligen St. Ansgariikirche erreichte schon vor Jahrhunderten die 100-Meter-Grenze. Es kommt auf die Gestaltung an, wie es mein Ideenkonzept für drei Hochhäuser auf dem Sparkassenareal veranschaulicht. Die akzentuiert platzierten Turmgebäude sind unterschiedlich hoch, der Eckturm gegenüber Parkhaus Brill mit 125 Metern Gesamthöhe ist der höchste im Trio.
      Es geht mir um die Rettung des in Teilen noch vorhandenen, schönen Bremer Stadtbilds vor seiner dritten Zerstörung, nämlich nach der Kriegszerstörung, nachfolgend dem Wiederaufbau in der Nachkriegsmoderne nunmehr mit den beabsichtigten Bauplänen für das Sparkassengelände. Rettung durch eine neue hanseatische, explizit filigran gotisierende, Architektur und das Bewahren von Altbau- und Kunstsubstanz, wie das Ittmann-Haus am Brill, der an die Jacobistraße versetzten Portalachse des ehemaligen Hauptzollamts und von Schlusssteinen in der Grützmacherstraße. Der Investorenplan sieht – neben Bauten des 20. und 21. Jahrhunderts – auch für die historischen Bauten nur noch einen brachialen Abbruch vor.
      Reizvolle Architektur erfüllt zugleich die wirtschaftlichen Erfordernisse an die Gebäudenutzung: Das Ideenkonzept bietet neue Bruttogeschossflächen von insgesamt rund 55 000 Quadratmetern. Bremen bekäme nicht nur mehr Nutzflächen in der Innenstadt, sondern neben der Böttcherstraße auch eine neue architektonische Sehenswürdigkeit.
      Axel Spellenberg, Architekt, Worpswede
    • Der liebe Jakku Scum vermutete schon ganz richtig. Es hat leider etwas gedauert, da die ‚Bremer Nachrichten’ fast ihre komplette Leserbriefseite vom heutigen Tage (15. März 2019) der Thematik neuer Hochhäuser in Bremen gewidmet haben ! Von den zehn abgedruckten Leserbriefen beschäftigen sich drei mit den Libeskind-Türmen (zwei dagegen, einer dafür) und sieben mit den Hochhausplanungen auf dem Areal der ehemaligen Landeszentralbank an der Kohlhökerstraße (wo vor langer, langer Zeit einmal die Villa des ‚Königs von Bremen’ des legendären größten Mäzens der Stadt, des unvergessenen Franz Schütte, stand). Beim letzteren Thema ist das Verhältnis sechs zu eins, zugunsten der Hochhausgegner. Unter diesen befindet sich u.a. kein Geringerer als der Architekt Olaf Dinné !

      1. Gegen die Libeskind-Türme:





      2. Gegen das Hochhaus an der Kohlhökerstraße


      3. Für Libeskind bzw. Hochhaus an der Kohlhökerstraße

    • Der letzte Leserbrief des ehemaligen SPD-Beiratsmitgliedes Dirk Oelbermann strotzt doch nur so von Unsinnigkeiten und Beleidigungen unter der Gürtellinie.
      Er spricht von einer "selbsternannten Bürgerinitiative". Alle Bürgerinitiativen sind selbsternannt - das ist das Wesen von Bürgerinitiativen - oder meint das SPD-Mitglied Oelbermann, dass der Senat vorher seine Zustimmung geben muss, Sielingernannt sozusagen? Herr Oelbermann, nennen Sie mir eine rechtliche Grundlage, in der steht, dass Bürgerinitiativen nicht selbsternannt sein dürfen und worin die Alternative zur Selbsternanntheit besteht.
      Dann spricht er von ALTaktivisten, von nostalgischen Gefühlen (was ist daran kritikwürdig?) und vom Seniorenquartier Ostertor. Wenn ihm das nicht passt, kann er ja seine Wohnung für jüngere frei machen, eine Seniorenfamilie weniger im Ostertor. Alt, nostalgisch, Senioren - alles negativ konnotierte Begriffe. Nicht durch mich, sondern durch Herrn Oelbermann, " Oelbermann machts möglich" möchte man in Ableitung eines Werbespruchs wiedergeben.
      Schließlich unterstellt er den Gegenern der Hochhausbebauung, dass sie keine Gemeinwohlorientierung hätten. Genau das Gegenteil ist der Fall: Die Gegener sorgen sich um unser Stadtbild und zeigen damit eine hohe Gemeinwohlorientierng.
      Fasse ich diesen Unsinn zusammen, fällt mir nur ein Reim ein: Oelbermann, oh Oelbermann, Du bist der Mann, der wenig kann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von findorffer ()

    • Riegel schrieb:

      "Weltlichen" Türmen sollte aber eine öffentliche Funktion vorbehalten bleiben
      Nö, warum denn. Mit die interessantesten Bauten der Zeit waren doch die großen privaten Geschäftshäuser mit ihren teils herrlichen Türmen, ich sage nur Hamburger Speicherstadt (etwa mit dem Kaiserspeicher), die frühen deutschen Hochhäuser oder das Bremer Lloydgebäude!


      commons.wikimedia.org/wiki/Fil…hagen_-_Bremen_-_1911.jpg
    • Ich schrieb deshalb auch "sollte". Deine Beispiele entstammen alle der Epoche, die Heinzer ansprach.

      Heinzer schrieb:

      Auch schon vor 100 Jahren haben weltliche Türme begonnen, den kirchlichen Konkurrenz zu machen.
      Deine Beispiele sind meistens die Sitze von grossen Unternehmen, auf die eine Stadt damals noch stolz sein konnte.

      Und das ist meine Geringschätzung gegenüber heutigen Investoren, die einfach ihr Geld los werden (investieren) wollen. Null Bezug zu einer Stadt oder Stadtsilhouette. Da kommen einfach irgendwelche Investoren ohne Bezug zu einer Stadt. Und diese Türme würden mit grosser Wahrscheinlichkeit einfach vermietet. Und ein Renditeobjekt mit der gleichen städtebaulichen Bedeutung wie ein Kirch- oder Rathausturm? Dies entspricht nicht meinem Bild einer idealen Stadt in einem demokratischen Land.
    • Ich möchte noch auf einen anderen Aspekt hinweisen: Jedes Hochhaus dient als Folie für den nächsten Hochhausschritt. Wäre es überhaupt zu diesem Entwurf gekommen, hätte nicht vorher schon das Brillissimo zwischen Hutfilter- und Martinistraße so in die Höhe gebaut oder der überdimensionierte Kühne & Nagel-Bau? Der nächste Investor wird sich immer auf das höchste Gebäude beziehen wollen, bringt ihm das doch die meiste Fläche und belohnt sein Investment. Vielleicht gefällt dem einen oder anderen nicht meine Sichtweise und ich muss zugeben, dass mich der ständige Verweis auf den ökonomischen Aspekt auch stört - würde ich doch viel lieber über die Ästhetik eines Neubaus schreiben - aber leider ist die Ökonomie Realität und bestimmt heuzutage das Aussehen der Gebäude. Ich glaube, dass das in früheren Architekturepochen anders war, das Aussehen eines Gebäudes war eminent wichtig und bei Geschäftsgebäuden gehörte es sogar zum Markenkern.
    • Neu

      Auch in Bremen gab es zahlreiche Belege für die von findorffer in Erinnerung gerufenen Tatsache, daß von renommierten Firmen einst die Bauästhetik ihres Hauptsitzes zum unverzichtbaren Bestandteil des eigenen Markenkerns gezählt wurde, mit dem man gerne auch Werbung für sich betrieb. Als Beispiel mag hier das ehemalige, im Krieg total zerstörte 'Haus der Geschenke', der Firma Schlotte dienen, welches an der Südseite der Obernstraße gelegen war (heute befindet sich an selber Stelle die Thalia Buchhandlung).

      Abbildung:

      Ausschnitt aus einer historischen Werbeanzeige