Bremen - Am Brill / Sparkassenquartier

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    • Den meisten Foristen ist das Bonmot über die modern ausgerichteten Architekten, die selbst am liebsten in Gründerzeit- und Jugendstilvillen leben, sicherlich bekannt. Das gilt natürlich auch für andere Vertreter der Moderne, wie ich hier gleich beispielhaft aufzeigen werde.

      Ich gehe in diesem Zusammenhang noch mal auf die von Pagentorn eingestellten Leserbriefe von Christine Krause- Plagemann (lf. Dr. 129) und Dirk Oelbermann (lf. Nr. 135) ein, die ja die Hochhaus-Bebauung mit modernen Gebäuden am Brill und in der Kohlkökerstraße gefeiert und die ablehnende Äußerungen kritisiert haben. Beide wohnen im Viertel und natürlich attraktiv und schön in Stadtvillen aus der Zeit des Historismus.

      Krause-Plagemann:



      Dirk Oelbermann:



      Ich vermute, beide sind Hauseigentümer - in erstklassiger Lage. Frau Krause-Plagemann wirft den Kritikern vor, ihrer Aversion gegen moderne Architektur wort- und klagereich Ausdruck zu geben. Herr Oelbermann kritisiert die nostalgischen Gefühle des Wohnens in der Komfortzone Ostertor. Wer so wohnt, kann große Töne spucken. Herr Oelbermanns eigene nostalgischen Gefühle lassen ihn schließlich in diesem historischen Prachtbau leben und Frau Krause-Plagemanns Haus erinnert mich auch nicht gerade an eine Aversion gegen moderne Architektur.

      Da hätte ich dann noch einen Vorschlag : Verkauft Eure histoischen Stadtvillen und zieht in die von der Moderne dominierte Überseestadt oder besser noch, reißt eure Gebäude ab und setzt dort ne´Bauhauskiste hin - allein deswegen, um Glaubwürdigkeit zu signalisieren.

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    • Das! ist! ja! der! absolute! Hammer!


      Das erinnert mich an den berühmten Ausspruch von Marie Antoinette: "Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen ("Brioche")
      essen."

      In einem schicken Bremer Haus residieren und dem gemeinen Volk den Spartanismus des 21. Jahrhunderts predigen.

      Das nenne ich lässig, Frau Krause-Plagemann und Herr Oelbermanns.

      Wie einst Ludwig XXVI. und seine Gattin, Marie Antoinette, sitzen sie in ihrem Bremer "Schloss" und winken huldvoll dem Volke in seinen Bauhaus-Hütten!
    • Die unter Denkmalschutz stehende Stadtvilla in der Kohlhökerstraße liegt außerdem im östlichen Teil der Straße und wird vom Neubau natürlich gar nicht beeinträchtigt. Wobei ich doch nochmals darauf hinweisen möchte, dass auch die Gegner hier nicht ganz sauber spielen. Ich ärgere mich v.a. über die Vergleiche mit der Mozarttrassenplanung maßlos, weil sie eine Gleichwertigkeit suggerieren, die nichtmal der flammendste Gegner des Projekts Kohlhökerstraße bei nüchterner Betrachtung wird aufrecht erhalten können.

      Bei dem einen Projekt sollte ein ganzer Stadtteil "flächensaniert" (=abgerissen) werden und von einer von Hochhäusern umstandenen aufgeständerten Hochstraße zerstört werden, beim anderen wird ein bereits atemberaubend hässlicher 70er Klotz nur durch einen moderneren Klotz ersetzt. Das Hauptproblem des Entwurfs liegt meiner bescheidenen Meinung nach auch weiterhin nicht im Hochhaus, sondern in der fürchterlichen Straßenfassade, die die Gegner aber gar nicht zu stören scheint, obwohl diese es ist, die die meisten direkten Anrainer nun jeden Tag sehen werden müssen.

      Ich finde, durch solche Vergleiche disqualifiziert man sich selbst und schadet dem eigenen, durchaus legitimen Anliegen mehr als dass man ihm nützt. Es erinnert mich ein wenig an die Mode, die zu den Hochzeiten der Konflikte um die schwachsinnige "Stuttgart21"-Planung aufgekommen war, jedes missliebige Neubau- oder Infrastrukturprojekt mit dem Kürzel "-21" zu belegen. In Bremen habe ich hier unter anderem "Huchting21" bei einer lumpigen, seit 40 Jahren geplanten Straßenbahnverlängerung gesehen. Auch das ist aus meiner Sicht ein polemisches, unlauteres Spiel.

      Auch Scheinheiligkeit ist nun kein exklusives Merkmal der Befürworter in ihren schick sanierten Stadtvillen (wo wohnen denn die Gründer der BI? Sicher nicht in den Sozialwohnungen zum Rembertikreisel hin), sondern auch der Gegner, die natürlich in Sonntagsreden auch den Bedarf an neuen Wohnungen sehen, aber eben bitte nicht in ihrem kleinen Idyll, sondern irgendwo anders. Klassische "Not-in-my-backyard"-Attitüde eben. Auch als es um die Verteilung der Flüchtlinge im Herbst 2015 ging, waren diese ehemaligen Aktivisten im Ostertor plötzlich in Sorge um die Immobilienpreise ihrer Häuser und konnten -natürlich auch, weil sie viel besser organisiert, vernetzt und ausgebildet sind und verdammt viel Zeit haben- sich erfolgreich gegen derartige Ansinnen wehren mit dem Ergebnis, dass diese Einrichtungen deutlich häufiger in den ohnehin schon sozioökonomisch herausgeforderten Gebieten gelandet sind, wo eben keine Ärzte, Anwälte und Lehrer wohnen mit zu viel Zeit.

      War jetzt vielleicht ebenso polemisch, aber soll nur mal die Gegenposition darstellen, für die es ebenso viele gute Argumente gibt. In der Summe bin ich ja auch der Meinung, dass die Planung geändert werden muss. Ich glaube nur nicht, dass das Hochhaus das Hauptproblem ist. Dann gibt es einen Kompromiss, der Investor baut nur 10 Geschosse - aber mit dem viel sichtbareren Schrott zur Straße muss man sich dann wieder 50 Jahre plus ärgern?
    • Die höhenreduzierte Variante ist schon besser. Ich fände sie noch niedriger jedoch noch besser. In etwa in ein Verhältnis von Dom zu ULF und Martini gesetzt.

      Aber es ist müßig über alternative Vorschläge zu debattieren, derweil "Investoren" daran Arbeiten unsere Altstadt nachhaltig zu zerstören.

      Um es mal zu fassen: Wir stehen an einem Punkt, an dem sehr viele Gebäude der Innenstadt starken Modernisierungsbedarf aufweisen. Tendenziell viele abgebrochen gehören. Jetzt kann man die Fehler der Nachkriegszeit korrigieren. Der eingeschlagene Weg führt leider in die Gegenrichtung.
    • Der Vorhang beginnt sich zu heben

      Über die morgige offizielle Vorstellung der Libeskind-Pläne, zu der nur geladen Gäste Einlaß erhalten werden (!), schreibt der Weser-Kurier Reporter Jürgen Hinrichs auf seiner Twitter-Seite:

      "So lädt Daniel Libeskind für Freitag die Presse ein, wenn er seine Pläne für das Sparkassengelände vorstellt."

      Und läßt dann etwas folgen, was - wohl- das Deckblatt der offiziellen Einladungskarte darstellt:



      Hier der zugehörige 'Link':
      twitter.com/wk_hinrichs?lang=de

      disgust:) :--) :kopfschuetteln:

      Ja, morgen ist es also soweit...
    • Abgeschrägte Hochhäuser...

      Nun ja, so sonderlich originell ist das ja gerade nicht. Schon seit langen Jahren steht am Grant Park in Chicago, neben dem Prudential Building, ein solcher 'schräger Vogel' und schaut auf das 'Cloud Gate'.

      sleep:)




      Aber in Bremen kann man derart angestaubte 'Neuheiten' immer noch als brandaktuell verkaufen.

      Mann, Mann, Mann,,,,, wie tief sind wir gesunken !

      The post was edited 2 times, last by Pagentorn ().

    • Na ja, wenn da noch ein paar Applikationen im Stile von Friedensreich Hundertwasser dazukommen, wird die Mehrzahl der Foristen auf dem einschlägigen Themenstrang von 'SkyscraperCity.com' vor Freude sicherlich wahre Purzelbäume schlagen. baby2000:)
      (Heinzer und einige wenige Andere halten demgegenüber dort ja in bewundernswerter Weise das Banner der Vernunft aufrecht.)

      (Hier der Link: skyscrapercity.com/showthread.php?t=2153404&page=5)

      Gönnen wir Ihnen die Freude, aber sein wir uns gleichzeitig bewußt, daß wir, wenn das, was sich hier anzudeuten scheint, durchkommen sollte, nicht nur die mittlere, sondern die gesamte Bremer Altstadt vergessen können.

      Langsam drängt sich einem der Eindruck auf, daß jetzt, wo sich mehr und mehr Menschen für die Heilung unserer geschundenen Stadtbilder zu interessieren und zu begeistern beginnen, die bisher unumschränkt dominierenden Modernisten noch einmal so richtig loslegen, um uns allen ihren Gestaltungwillen für weitere Jahrzehnten aufzuoktroyieren ! :daumenunten:

      Denn die 'Experten' wissen ja immer besser, was gut für 'Otto Normalverbraucher' ist. Auf jeden Fall besser, als der naive, kleine Otto selber...
    • Die Katze ist aus dem Sack:

      Mit einer Veranstaltung, die nur per 'Eintrittskarte' zu besuchen war, wurde die Schapira/Libeskind-Pläne der Bremer Öffentlichkeit vorgestellt. Hier eine Kopie des Weser-Kurier Artikels aus dem Internet vom 05.04.2019.

      Lasst es auf euch wirken.

      Ich selbst gehe jetzt mal ins Wohnzimmer und gucke mal, was die Bar so für mich zu bieten hat und gehe in mich.


      So sehen die Libeskind-Pläne für das Sparkassen-Areal am Brill aus

      Architekt Daniel Libeskind hat eine kühne Vision für das Sparkassen-Areal: Es soll eine internationale Attraktion und ein sozialer Treffpunkt mit großzügigen Innenhöfen werden. Am Freitag wurden die Pläne vorgestellt.
      (Studio Libeskind)
      Daniel Libeskind hat am Freitag seine Pläne für das Bremer Sparkassen-Areal am Brill vorgestellt. Der US-amerikanische Architekt, weltweit einer der renommiertesten seiner Zunft, will auf dem 11.000 Quadratmeter großen Areal unter anderem vier Türme errichten. Sie sollen gestaffelt bis zu 98 Meter aufragen. Auftraggeber der spektakulären Bauten sind die Brüder Pinchas und Samuel Schapira aus Israel. Sie haben das Grundstück von der Sparkasse Bremen übernommen. Die Bank zieht mit ihrer Zentrale Ende 2020 an die Universität.
      "Ich habe mich sehr von Bremen inspirieren lassen, einer Stadt der Architektur, Musik und Kultur", sagte Libeskind bei der Präsentation. Die Entwicklung des Areals am Brill werde ein zukunftsweisendes Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts vermitteln. Der Architekt hat in Deutschland unter anderem das Jüdische Museum in Berlin entworfen, das Zentralgebäude der Leuphana-Universität in Lüneburg und das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück.
      (Studio Libeskind)
      Bis auf das denkmalgeschützte Sparkassengebäude mit der historischen Kassenhalle werden auf der Fläche zwischen Brill, Hankenstraße, Jakobistraße und Bürgermeister-Smidt-Straße sämtliche Gebäude abgerissen. Das 113 Jahre alte Haus mit seinen Stilelementen aus Barock, Renaissance und Jugendstil soll nach den Umbauten unter anderem ein Hotel beherbergen. Die Kassenhalle wird nach den Vorstellungen von Libeskind für den Publikumsverkehr geöffnet, um, wie der Architekt sagt, einen öffentlichen Platz in der Mitte des Objekts zu schaffen. In den neuen Gebäuden mit niedriger Fassadenhöhe sind Büros, Bildungseinrichtungen, ein Fünf-Sterne-Hotel und Studentenwohnheime vorgesehen. Zu den Plänen gehört ein Haus, das von Kulturschaffenden genutzt werden soll. Entlang der Bürgermeister-Smidt-Straße und der Straße Am Brill stellen sich der Architekt und seine Auftraggeber Einzelhandel vor.
      (Studio Libeskind)
      Eigentlicher Clou der Entwürfe sind die vier Türme. Libeskind, der sein Büro in New York City betreibt, bezeichnet sie als niedrig bis mittelhoch. In den Hochhäusern soll es Seniorenwohnungen, voll möblierte Appartements und weiter oben auch Luxuswohnungen geben. Außerdem ist ein Drei-Sterne-Hotel geplant. Die Dächer sind terrassenförmig angelegt und werden bepflanzt. Von einem sogenannten Sky-Café aus blicken die Gäste über den historischen Kern der Stadt. Viel Grün auch auf den geschwungen angelegten Balkonen, sodass aus Sicht des Architekten in den oberen Etage der Anlage eine parkähnliche Atmosphäre entsteht, die den Komplex auflockern soll.
    • "…. Anschari,
      Dir künd ich auf ewig Hohn, ich bin der König am Weserstrom !"

      (frei nach Heinrich Heine)


      (Auschnitt aus dem Rembrandt-Gemälde 'Belsazar')


      Nun, nachdem vor dem 'elitären Troß’ der geladenen Gäste die Pläne veröffentlicht worden sind, die bereits jetzt einen lärmenden Sturm der Begeisterung im Blätterwald entfachen und ihre Lobgesänge in den Äther hinausposaunen, wird es nicht mehr lange dauern bis es heißen wird: Diese so wunderbaren vertikalen Solitäre dürfen durch Nichts in ihrer Wirkung und Entfaltung gestört werden. Ein wiederaufgebauter Anschari wäre eine unbotmäßige Lästerung dieser heiligen ‚Vierheit’.
      Denken Sie an meine Worte, verehrte Mitforisten. So wird es kommen, wenn wir nicht massiv Gegendruck aufzubauen beginnen !

      Diesen Lippenstiften mit Kiemen müssen daher unsererseits die folgenden Forderungen entgegengestellt werden:
      1. Umgehender originalgetreuer Wiederaufbau des Anschari-Turms als Gegengewicht zu der entstehenden modernistischen Wüste. Feste Zusage zur späteren Rekonstruktion des Kirchenschiffs.
      2. Da die Rückkehr der Kirche die zerstörerische Wirkung der Lippenstifte nicht wird eindämmen können wird man - frei nach dem Talionsprinzip - zudem unerbittlich darauf dringen müssen, daß an all den Orten, in denen die Modernisten ja so gerne Urlaub von ihren ‚Erzeugnissen’ machen (Stichwort Toskana-Südfrankreich-Fraktion), eben solche baulichen Zumutungen – und zwar schön zentral, das Stadtbild zerstörend – platziert werden, damit den Modernisten kein Eskapismus mehr möglich ist. Denn, was sie uns hier vor Ort nicht zubilligen wollen, sollen sie andernorts ebenfalls nicht mehr genießen dürfen !

      Schon der alte Belsazar hat doch auch zu spüren bekommen, daß man einen derzeit abwesenden, unsichtbaren Herrscher nicht ungestraft dem Gespött preisgibt !

      Also, verhindern wir gemeinsam BAB (Belsazar am Brill) !