Bremen - Am Brill / Sparkassenquartier

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    • Noch ein paar Ansichten des Sparkassengebäudes:

      Mit fehlerhafter Ortsangabe.
      (Zu sehen ist natürlich die Hauptstelle am Brill und nicht die Filiale Nr.2 am Fehrfeld im Steintorviertel).
      Blick aus der Hutfilterstraße über den Brill in die Faulenstraße.



      Mit schauderhafter Verunstaltung.
      (Nicht von mir).
      Blick aus dem südlichen Teil der Kaiserstraße über den Brill in den nördlichen Teil und die Wallanlagen.



      Mit witziger Beschriftung.



      Deckblatt eines Sammelbandes mit fünf Jahres-Geschäftsberichten des Sparkasse Bremen von 1953.
      (Die Fassade von 1906 ist noch unverändert erhalten - wie konnte man diese später nur so verhunzen ?!).

    • Der Architekt des Sparkassengebäudes, der in Berlin ansässige Wilhelm Martens, der dort u.a. für das Gebäude der ehmaligen Berliner Bank AK (Behrenstraße 46 / Charlottenstraße 47 / Rosmarinstraße 10 - heute Sitz des deutschen Sparkassen- und Giroverbandes) verantwortlich zeichnete, mag sich bei dem Entwurf der Fassade zur Kaiserstraße (Bürgermeister-Smidt-Straße) an der Front des 1904 fertiggestellten Kaiser-Friedrich-Museums (Bode Museum) zum Kupfergraben hin orientiert haben. Optische haben diese beide Fassaden jedenfalls eine auffällige Ähnlichkeit. Dies ist aber nur eine - vorläufig nicht zu verifizierende - Vermutung von mir ...

    • Spellenberg-Plan

      Auch Architekt und Baumeister Axel Spellenberg hat sich nun des Themas angenommen und einen - wie ich finde - wesentlich überzeugenderen Entwurf vorgelegt, als es das - beim Wettbewerb siegreiche - Berliner Architekturbüro 'Robertneun' getan hat.
      Der Entwurf besticht nicht nur durch das eindeutige Bekenntnis zu Haus Ittmann und zur Portalachse des Hauptzollamtes (welche allerdings an der Jakobistraße verbleiben soll), sondern bindet das Sparkassenquartier geschickt an die aktuellen Planungen östlich der Bürgermeister-Smidt-Straße an. Dies erreicht er vor allem durch den Turm-begleiteten Neubau der AOK, welcher sozusagen das Motiv des 1822 abgebrochenen Ansgaritorturms der mittelalterlichen Stadtmauer aufgreift und zusammen mit dem rekonstruierten Kirchturm ein optisches 'Stadttor' ganz eigener, neuer Art bilden würde. Die Anbindung des Sparkassen- an das Ansgari-Quartier wird aber auch mithilfe der neuen Baumreihe erreicht, die - nachdem die historische Kaiserstraße leider auf dieses belebende Element immer verzichten mußte - der Bürgermeister-Smidt-Straße einen Boulevard-artigen Charakter verleihen und die Aufenthaltsqualität dortselbst spürbar verbessern würde.

      Ich würde mich jedenfalls über Rückmeldungen hinsichtlich dieses schönen Entwurfs sehr freuen !

      Plan von Sparkassen- und Ansgari-Quartier.


      Vogelschau des engeren Sparkassen-Areals.


      Straßenansicht vom Brill aus. Hier ist ein das Stadtbild auflockernder Brunnen vorgesehen.
    • Was soll man sagen, außer danke? Herr Spellenberg hat mit seinen Ideen und seinem Talent sicherlich das Zeug dazu, hier in Bremen vielleicht etwas zernagend zu wirken auf die Modernistenfront.

      Wir müssen ihn mit aller Kraft in die vielbeachteten Publikationen in Bremen bekommen, so dass vielleicht mehr Menschen und auch ein paar Entscheidern deutlicher wird, dass man sich bei der architektonischen Moderne viel zu häufig nicht für den besten, sondern für den am wenigsten schlimmen Entwurf entscheiden muss. Dabei wäre gute Architektur ja wahrlich kein Hexenwerk. Klassische Fassadengliederungen, Klinker als Material, Kupferdächer - und schon sieht es gut aus, besser jedenfalls als das Gewürfel, dass uns wohl dort erwarten wird.

      Man kann langsam so etwas wie einen "Masterplan" für die mittlere und westliche Altstadt erkennen in seinen Zeichnungen, wäre doch alles ein rundes Ding und alles andere als unrealistisch und überambitioniert, da es ja nur punktuell Rekonstruktionen vorsieht, letztlich geht es zunächst "nur" um Ansgariikirche und Kornhaus. Der Rest wäre einfach qualitativ ansprechende Stadtreparatur.
    • Lieber HEINZER, Sie haben vollkommen recht. Herrn Spellenbergs unglaublicher Schaffenskraft verdanken wir in der Tat etwas, was den Titel 'Masterplan' mehr als verdient. Die weitere Öffentlichkeit hat ja bisher schon mehrfach Teile davon in der Lokalpresse - Bremer Nachrichten / Weser Kurier - zu Gesicht bekommen.
      Nun wäre es wirklich an der Zeit, ihm z.B. das Bremische Jahrbuch oder die Schriftenreihe der hiesigen Denkmalpflege zu eröffnen. Und wenn sich Schünemann, Temmen, Kellner oder Döll für eine Monographie begeistern lassen könnten, hätte man auch etwas, was sich viele Bremer Weihnachten 2018 neben die Krippe auf den Gabentisch unter den Christbaum legen könnten... Das wäre dann wirklich eine Breitenwirkung, so wie wir sie uns erhoffen !
    • Die Fassade des Erweiterungsbaus von 1934/35 und die Innenräume

      Ein bisher noch unerwähntes Detail, die an der Grützmacherstraße noch sichtbaren Teile der Außenfassade des aus den Jahren 1934 und 1935 stammenden Erweiterungsbaus von Rudolph Jacobs, gibt den willkommenen Anlaß, nicht nur diese hier kurz vorzustellen, sondern auch noch einen Blick hinter die Fassaden, auf die denkmalgeschützten Räumlichkeiten im Innern der Sparkasse zu werfen.

      Blick vom Dach des Kaufhauses von Julius Bamberger auf die Bauten an der Kaiserstraße – vor Errichtung der Erweiterungsbauten der Sparkasse, also vor 1934.


      Zwischen 1935 und 1939 entstandenes Luftbild, welches in Rot den Altbau von Wilhelm Martens und in Violett den Neubau von Rudolph Jacobs zeigt. Dieser umfaßt nicht nur die neue – die alte verlängernde - Kassenhalle, sondern auch einen langgestreckten Kopfbau an der Grützmacherstraße, der damals mit seinen Dreiecksgiebeln und dem hohen Satteldach die Anmutung eines Packhauses besaß. Dach und Giebel sind seither leider durch Aufstockungen verschwunden.


      Markierung der wichtigsten öffentlich zugänglichen denkmalgeschützten Innenräume (die gediegenen historischen Vorstandszimmer im Kuppeltrakt waren bisher nur in Ausnahmefällen zu besichtigen).


      Historisches Foto der Eingangshalle hinter dem Hauptportal am Brill.


      Gegenwärtiger Zustand der Rotunde zwischen Eingangs- und Kassenhalle. Die ehemalige – und seinerzeit unter Friedrich Rebers wiederhergestellte - Glaskuppel dieses Raumes wurde bei den Umbauarbeiten 1999/2001 – in wirklich unsensibler Weise – beseitigt (und es wurde sogar noch ein Steg über ihren alten Platz hinweggeführt !. Hier muß in Zukunft unbedingt eine Rekonstruktion Abhilfe schaffen !


      Gegenwärtiger Blick aus der Kassenhalle von 1906 in die Rotunde.


      Gegenwärtiger Blick von der Kassenhalle von 1906 durch die Rotunde in die Eingangshalle.


      Die die Kassenhalle von 1906 schmückenden Wandkacheln aus dem westpreußischen Cadinen. Kaiser Wilhelm II. – der ja Initiator und Eigentümer der Majolikaproduktion dortselbst war – hatte durch Vermittlung des Generaldirektors des Norddeutschen Lloyd, Heinrich Wiegand, diese Kacheln der Sparkasse Bremen verkaufen können.


      Die Kassenhalle von 1906 (links) vor und (rechts) nach dem Anbau der zweiten Halle 1934 / 35. Die ganz im Hintergrund – noch jenseits der zweiten Kassenhalle – diagonal verlaufenden Fenster gehören schon zur Außenwand des Erweiterungsbaus und damit zu der Fassade an der Grützmacherstraße, die es zu erhalten gilt !


      Durchblick aus der neuen in die alte Kassenhalle.


      Luftbild der Grützmacherstraße mit Markierung der in Rede stehenden Fassadenteile.


      Die trotz der Aufstockung noch gut erkennbaren Fenster des Hauptgeschosses des Erweiterungsbaus von 1934/35 mit ihren markanten Schlusssteinen. Diese müssen unbedingt – und zwar in situ ! – erhalten bleiben.

    • Unglaublich und ein riesiges Danke an das Bremen Forum! Hier geht richtig die Post ab!


      Also: Wenn ich von Pagentorn und den Anderen das richtig verstanden habe, gehoeren viele Einzelbauten den selben 2-3 Besitzern. Das erklaert das fehlen von Inhaber gefuehrten Laeden. Wenn ich das richtig verstehe, wollen alle Ihre Bauten abreissen und dadurch entsteht eine riesige weite Flaeche. Wie ein miniatur Neumarkt in Dresden! Oder wie in Frankfurt.
      Waere es moeglich, das wir hier (andere Mitglieder, leider nicht mich weil ich das nicht kann) uns selbst an Modellen versuchen?
      Es gibt doch Beitraege hier im Forum wo eigene Architektur gezeichnet werden konnte.
      Ist das eine Idee? Koennen wir die Teilnehmer kontaktieren die hier schon eigene Zeichnungen vorgestellt haben?
    • Liebe Bohnenstange,

      für meinen Teil darf ich Ihnen herzlich für Ihre Zustimmung und die aufmunternden Worte danken.

      Diese sind sehr wohltuend, denn bis auf die Gleichgesinnten hier im Forum und einen harten Kern von Engagierten im 'realen Leben' hier in der Stadt, ist das Feld der Interessenten an unseren Thematiken leider immer noch sehr überschaubar. Man kann nur hoffen, daß die Vereinsgründung und ein eigener Internetauftritt neue Kreise erschließen werden. Momentan heißt es aber Realist bleiben und das heißt in Bremen, sich immer der Tatsache bewußt zu bleiben, daß man aus Politik und Wirtschaft - und schon gar nicht aus den Kreisen der 'Kulturschaffenden' - auf absehbare Zeit keine nennenswerte Unterstützung bekommen wird.
      Ich habe manchmal den Eindruck, daß die Trendwende für Bremen von außerhalb kommen muß - nicht nur durch Kontakt zu erfolgreichen 'Rekonstrukteuren' wie z.B. Wilhelm von Boddien, Professor Güttler, Günther Jauch oder Bischof Huber, sondern auch durch begeisterungsfähige Mitstreiter in der ganzen Welt. Ich weiß nicht, inwieweit Bremer Politik, Wirtschaft und Kultur hier im Forum mitlesen - zumindest kommt von dieser Seite so gut wie überhaupt keine Resonanz. Was ich aber weiß ist, daß solche Freunde, wie Sie in Nova Scotia, wertvoll sind und vielleicht auch eines Tages als Multiplikatoren in Übersee fungieren können, um dem lieben alten Bremen in stadtbildnerischer Hinsicht wieder auf die Beine zu helfen !

      Hinsichtlich Ihrer konkreten Fragen:
      Sie beziehen sich, wenn ich Sie richtig verstanden habe, nicht auf das Sparkassenareal, welches ja als Komplett-Paket von dem Geldinstitut an die Investorenfamilie Schapira verkauft wurde und von der ich eine Offenheit für unsere Belange (Haus Ittmann, Hauptzollamt, Jacobs-Fassade von 1935) erhoffe, sondern auf die von Kurt Zech erworbenen, zusammenhängenden Flächen östlich vom Ansgarikirchhof, sowie auf die Eigentümerwechsel am Bremer Carree, dem Standort der ehemaligen Ansgarikirche.
      In der Tat will Herr Zech das Parkhaus Mitte abreißen und ein ganz neues Stadtquartier zwischen Carl-Ronning-Straße und Papenstraße errichten. Gerade dazu hat Axel Spellenberg ja bereits wunderbar altstadtgerechte - da kleinteilig aufgefaßte - Alternativplanungen vorgelegt, die sogar schon in der Lokalpresse veröffentlicht wurden. Die Resonanz war von Seiten des hiesigen 'Establishments' quasi gleich 'Null'. Ich kann mir schon denken, daß man die Planungen dort durchaus zur Kenntnis genommen hat, aber - wie fast leider immer in Bremen in den letzten siebzig Jahren, wenn es um den Erhalt oder auch nur die minimalste Rückgewinnung von 'Alt-Bremen' aus der Zeit vor 1914 ging - nach der in diesen Kreien altbewährten Methode 'GELESEN-GELACHT-GELOCHT' verfahren ist. Man kann nur hoffen, daß diese Arroganz gegenüber mit Herzblut vorgetragenem, bürgerlichem Engagement, eines Tages versiegen wird. Und daran sollten wir alle zusammen arbeiten !
    • Die Verschandelung der Rotunde

      Für den – sich schon nach bloß 17 Jahren als unnötig erweisenden – Umbau des Sparkassengebäudes in den Jahren 1999 bis 2001 wurde teilweise massiv in die innere Struktur des Baus von Wilhelm Martens eingegriffen. Das krasseste Beispiel dafür bildet die Verschandelung der Rotunde zwischen der – nur noch bis 1999 als solche genutzten – Eingangshalle und der Kassenhalle. Hier wurde nicht nur die unter Friedrich Rebers 1983 rekonstruierte Glaskuppel durch einen banalen Laufsteg ersetzt, sondern auch teilweise Wände und Fenster herausgebrochen, sodaß der historische Raum kaum noch wiederzuerkennen ist. Wieso hat sich die Denkmalpflege damals nicht gegen diese Verwüstung durchsetzten können ? Es muß beim anstehenden Umbau folglich einer der unabweisbaren Auflagen für den Investor sein, diesen Raum in seiner ursprünglichen Fassung wiederherzustellen !

      Für diesen Glaspalast (links neben dem Altbau von 1906) wurde die Rotunde sinnlos geopfert.


      Vergleich der Rotunden-Grundrisse 1906 und 2001. Die – neben der Zerstörung der Glaskuppel - wichtigsten Veränderungen sind eingezeichnet.


      Ansichten der Rotunde im Verlauf ihrer Geschichte. Der rote Punkt ist immer an derselben Stelle im Raum positioniert. Ob einer derart brachialen Verschandelung eines bis 1998 intakten Raumes ist man einfach nur noch sprachlos !

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    • Die Cadiner Kacheln des Kaisers

      In der Rotunde und in der Eingangshalle wurden die – ursprünglich auch dort als Wanddekoration angebrachten - Majolika-Kacheln aus Cadinen im Verlauf der Jahrzehnte entfernt. In der Kassenhalle sind diese hingegen - Gott sei Dank - noch vollzählig erhalten. Mir war es vor einigen Jahren möglich, diese en Detail zu fotografieren:

      Totale der östlichen Südwand des Lichthofes der Kassenhalle.


      Totale des geraden Wandbereiches.


      Ornamentaler oberer Abschluß desselben.


      Der Bienenkorb als Symbol für Sparsamkeit und bedächtiges Wirtschaften.


      Die ‚füllenden’ Kacheln haben ein geradezu abstraktes Erscheinungsbild.


      Die untere Rahmung mit floralen Elmenten.


      Totale des gebogenen Wandbereiches.


      Der Bogen der westlichen Südwand des Lichthofes der Kassenhalle.


      Artikel in der Weser-Zeitung vom 24. Februar 1907 zum Kaiserbesuch.



      Fotografie vom 23. Februar 1907, welches den Kaiser im Moment des Verlassens des Sparkassengebäudes zeigt. Links im unteren Bildmittelgrund zwei Hofautomobile, die von der königlichen Marstallverwaltung Berlin gestellt wurden.



      Ausschnitt aus der obigen Fotografie. Der Kaiser trug - anders als bei seinen drei 'großen Staatsbesuchen' in Bremen bei welchen er zur Grundsteinlegung, bzw. Enthüllung der Denkmäler seines Großvaters und Vaters preußische Generalsuniform bzw. die Uniform der Gardehusaren trug - bei seinen über zwanzig 'kleinen' Aufenthalten in Bremen - in der Regel nach der Frühjahrsvereidigung der Seekadetten in Wilhelmshaven - die bescheidene Uniform eines Marineoffiziers mit dem völlig schmucklosen dunklen Mantel. Dieses dezente Auftreten kam in Bremen gut an, wo S.M. ohnehin sehr beliebt war... Die freiwillig erschienene Menschenmenge im Vordergrund spricht da Bände...



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    • Weil es nicht zusammen paßt !

      Für diese 'großzügige' Empfangshalle wurde die Rotunde (Relikte im Hintergrund mittig sichtbar) aufgerissen und die südliche Seitenwand der Kassenhalle von Rudolf Jacobs niedergelegt. Was für ein Irrsinn, wenn man bedenkt, daß diese 'Halle' und das an der rechten Bildkante sichtbar werdende äußere Foyer (Automatenbereich) schon nach 17 Jahren wieder zur Disposition gestellt werden, denn der siegreiche Entwurf von 'Robertneun' verzichtet eindeutig auf sie. Jedenfalls müssen die Schäden, die ihre Errichtung verursacht hat, wieder behoben werden, will sagen: Die abgetragenen Elemente müssen originalgetreu rekonstruiert werden !



      Vielleicht kann dann in den beiden alten Kassenhallen auch wieder ein besseres Konzert als das im Folgenden zu hörende stattfinden - eines, welches jedenfalls mehr mit unserer europäischen Tradition verbunden ist...



      Als ich dies sah und hörte, habe ich mich gefragt: "Was soll das hier ? In Japan ist das durchaus Traditionspflege, aber bei uns ?"

      Es paßt genauso wenig zu den historischen Hallen, wie der Glaspalast !!!
    • Die Werbetrommeln werden gerührt

      Um im obigen Bilde (dem Masa Daiko) zu bleiben: Das Trommeln für die eingereichten Entwürfe zum Umbau des Sparkassengeländes hat nun auch in den Leserbriefspalten der Lokalpresse begonnen. Die - teilweise- reinste und altbekannte 'Architektenprosa' scheint auch in den Zeilen des anliegenden Leserbriefes aus den 'Bremer Nachrichten' vom heutigen Tage (24.01.2028) durch. Wenigstens bezieht sie sich in diesem Fall auf ein ungelegtes Ei, welches wohl nie ausgebrütet werden wird - dem Himmel sei Dank !

    • Erweiterungsbau von 1934/35 vom Kriege äußerlich nicht tangiert

      Die folgende Fotografie, welche in der Nachkiegszeit vom Turm der St. Stephani Kirche aus aufgenommen wurde, belegt, daß der Erweiterungsbau, den Rudolph Jacbobs 1934/35 errichten ließ (auf dem Auschnitt unten, rot eingekastelt), die Zerstörungen des 2. Weltkriegs - zumindest äußerlich - unbeschadet überstanden hat. Denn sowohl die Giebel, das Satteldach, die Gauben und auch das fast mittig an der Westfassade positionierte Treppenhaustürmchen sind auf dieser Abbildung noch vorhanden. Erst durch die spätere Aufstockung oberhalb der originalen beiden Vollgeschosse, verlor das Gebäude somit seine Proportionen und seine Eigenständigkeit; bildet es doch heute lediglich den Teil des amorphen Gebäuderiegels an der Grützmacherstraße.



    • Bauschmuck am Sparkassen-Komplex – Teil 1

      Ein 'Schatz im Verborgenen' oder "Wir kämpfen wie Löwen für Ihr Geld"

      In der Grützmacherstraße ziehen die Schlusssteine der Fenster des ersten Obergeschosses die Blicke auf sich. Sie sind das zentrale Element der Fassade des 1934-1935 nach Plänen von Rudolph Jacobs errichteten Kopfbaus des Erweiterungstraktes der Sparkasse. Über den Bildhauer dieser Kunstwerke ließ sich bisher noch nichts Näheres in Erfahrung bringen. Sehr wohl aber konnte das den Schlusssteinen zugrundeliegende Bildprogramm entschlüsselt werden:

      Von den gegenwärtig zehn Fenstern (wahrscheinlich gab es vor den - mit der Aufstockung des Gebäudes verbundenen – Umbauarbeiten südlich des ehemaligen Treppenhaustürmchens noch weitere Fensterachsen) haben fünf als Schlußsteine einen Löwenkopf. Diese alternieren mit anderen Motiven. Im Norden beginnt es mit einem der besagten Löwenköpfe. Diesem folgt ein Bär, der auf seinem Kopf einen Bienenkorb trägt, auf welchem noch eine Imme sitzt. Hier ist wohl der Diebstahl des von den Bienen sparsam Erwirtschafteten dargestellt. Nach dem nächsten Löwenkopf ist ein gekrönter Putto zu sehen, welcher auf einem Delphin reitet. Diese Figur ist ein leicht abgewandeltes Zitat eines Details der berühmten Statue des Kaisers Augustus, nämlich des ‚Augustus von Primaporta’. Zur Rechten des Imperators ist dort Gott Amor als ebensolcher Putto abgebildet, der auf dem Delphin reitet. Dadurch sollte auf die ‚göttliche Abstammung’ des Hauses der Julier von Venus angespielt werden. Hier am Sparkassengebäude trägt der Putto – anders als der von Primaporta – eine Zackenkrone. Er steht damit – sozusagen pars pro toto- für den Kaiser. Augustus ist nun aber uns Christen vornehmlich dadurch bekannt, daß er im Heiligen Lande, also in Juda, Samaria und Galiläa Steuerlisten erstellen ließ, in die sich auch die Muttter des Herrn und der Hl. Joseph eintragen mussten. Es ist somit gut möglich, daß diese niedliche Figur hier am Sparkassengebäude - symbolisch etwas verklausuliert - für die bei allen Menschen unbeliebte Institution der ‚Steuer’ steht. Nach dem nächsten Löwenkopf sehen wir die z.B. aus Goslar bekannte Figur des ‚Dukatenscheißers’, die eine Aufforderung darstellt, sich nicht auf die Realisierung dieses Märchens – also auf Illusionen und falsche Hoffnung auf schnelle Geldvermehrung - zu verlassen, sondern durch das solide Erwirtschaften von Spareinlagen, sein Vermögen zu mehren. Jenseits des folgenden Löwenkopfes sehen wir eine ausgemergelte Figur mit skeletthaften Fingern und dürren Beinen, welche eine große, Zylinder-artige Deckel-Dose (für Pretiosen ? für Geld ?) auf dem Kopf trägt und die Zunge erwartungsvoll aus dem Munde herausstreckt. Vergleiche mit anderen Darstellungen legen den Schluß nahe, daß hier der Geiz (dürre Hände, trotz Schatz auf dem Kopf) und die Gier (vorgestreckte Zunge) zusammen abgebildet wurden. Als Abschluß folgt – wiederum nach einem Löwenkopf – eine Figur, von der momentan leider nur die Rückseite einsehbar ist und die eine beleibte Person zeigt, welche einen von Weintrauben überquellenden Weidenkorb trägt. Hier mag die Veschwendungssucht gemeint sein. Wenn man nun noch die Löwenköpfe, die alle ihre Zähne zeigen und damit Abwehrbereitschaft demonstrieren als symbolsiche Platzhalter für die Sparkasse und deren Mitarbeiter deutet, so ergibt sich folgende Interpretation: Der Sparer, der sein hart erwirtschaftetes Geld (Dukatenscheißer) zur Sparkasse trägt, kann davon ausgehen, daß das Geldinstitut und seine Angestellten wie Löwen das Einlagengeld verteidigen werden und es sowohl vor Diebstahl (Bär mit Bienenkorb) und übermäßiger Steuerbelastung (Putto mit Delphin), als auch vor unfruchtbarer Knausrigkeit (dürrer Mann) und Verschwendung (dicke Person) verteidigen werden.

      Ein - wie ich finde - sehr passendes Bildprogramm, welches früher, d.h. bis zum Bau des Parkhauses für die Mitarbeiter der Sparkasse, gut in den Straßenraum der Grützmacherstraße hineinwirken konnte. Es wäre zu hoffen, daß man es nach Abriß des Parkhauses wieder besser zur Geltung bringt und es vor allem nicht auseinanderreißt, sondern es in situ an der originalen Wand belässt. Der Denkmalschutz sollte daher auch diese Wand mit umfasssen.
      Dieser 'Schatz im Verborgenen' muß Bremen - und zwar genau an dieser Stelle - erhalten bleiben !

      (Fotos von Straße und Baudetails von mir am 25.01.2018 aufgenommen-)

      Die Grützmacherstraße von Norden.


      Totale aller Schlusssteine
      (Deutlich erkennbar auch die Baukante am Übergang vom Erweiterungsbau von 1934/35 zum Neubau aus der Nachkriegszeit – links und oberhalb der beiden originalen Geschosse. Der Bau von Jacobs hat nicht die horizontalen Steinbänder, die der Neubau aufweist. Schön ist auch das alte – blaue – Straßenschild mit der Aufschrift ‚Grützmacherstraße’) – ein weiterer Hinweis darauf, daß die Bebauung ursprünglich dort begann/endete, denn normalerweise werden derartige Schilder ja an Häuserkanten an Straßenecken angebracht; zumindest hier in Bremen).


      Schema der Schlusssteine


      Schlußstein 1 (von Norden): Löwe


      Schlußstein 2: Bär mit Bienenkorb


      Schlußstein 3: Löwe


      Schlußstein 4: Putto und Delphin


      Schlußstein 5: Löwe


      Schlußstein 6: Dukatenscheißer


      Schlußstein 7: Löwe


      Schlußstein 8: Dürrer, knochiger Mann


      Schlußstein 9: Löwe


      Schlußstein 10: Korpulente Person mit Rebenkorb


      Grützmacherstraße von Süden


      Schlußstein 9 und 10


      Löwe und Geiz


      Die Schlusssteine von Süden
      (hier kennt man auch den ‚Knick’ zwischen dem Bau von 1934/35 und dem Anbau aus der Nachkriegszeit)


      Durchblick zur Jakobistraße


      Ausgewählte Schlusssteine und ihre möglichen Vorlagen:

      Augustus von Primaporta und der ‚Steuer-Stein’


      Der ‚Dukatenscheißer’ von Goslar und sein Bremer Äquivalent


      Der ‚Geizhalz’ von Margrete Hofheinz-Döring, 1926 und der Bremer ‚Geiz-Stein’. Wirken beide nicht wie Variationen von Tolkiens ‚Gollum’ ?


      Und weil es so schön war, hier noch mal Rück- und Seitenansicht des Duketensch…












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    • Bauschmuck am Sparkassen-Komplex – Teil 2

      Mauerblümchen neben Efeu - oder Anmut, die keiner mehr kennt

      Dank der Digitaltechnik lassen sich schöne Details besser herausarbeiten, als mit analoger Fotografie – zumal, wenn man ein Laie in diesem Bereich ist. Deshalb hier nochmals Ansichten der Portalachse des ehemaligen Hauptzollamts an ihrem aktuellen Standort an der Jakobistraße. Allerdings offenbaren Digitalfotos auch erbarmungslos Verschmutzungen und Schadstellen - wie man leider sehen kann...

      (Alle Bilder von mir am heutigen 25.01.2018 aufgenommen.)

      Totale der Portalachse.


      Totale der ‚BREMA’ im linken Zickel über dem Portal. Sie hält in ihrer Rechten das Bremer Stadtwappen und in ihrer Linken ein Steuerruder - Symbol für die Seefahrt.


      Anmut mit bürgerlicher Mauerkrone - und Efeuresten...


      Das Bremer Wappen.
      (Wie überaus fein ist das Obergewand der 'BREMA' herausgearbeitet !)


      ‚GERMANIA’ trägt die Krone des alten Reiches.


      Reichsadler mit Hohenzollern-Schild (schwarz-weiß geviert) und Vogelnest.


      ‚GERMANIAS’ Schwert.


      Schlußstein des Portalbogens in Form eines Löwenkopfes. Wahrscheinlich von einem der beiden das Bremer Schlüsselwappen haltenden heraldischen Löwen abgeleitet.


      Schlußstein des oberen Bogens mit dem Kopf eines kraftvollen Mannes mit Lorbeer im Haar. Bei diesem Mann dürfte es sich um Gott Neptun handeln, über dessen Meere die Waren aus aller Welt Bremen erreichen.


      Linker Zwickel des oberen Bogens - mit deutlichen Resten von Efeu-Wurzeln. Hier wäre eine Reinigung dringend erforderlich !


      Rechter Zwickel des oberen Bogens.


      Im Zuge der Versetzung der Portalachse an die Jakobistraße entstandener, pittoresker Wasserspeier in Drachenkopf-Form. Er befindet sich an der rechten Brüstung des Balkons.


      Ansicht der Schmalseite, welche den Balkon hervorhebt.


      Ansicht des Portalachse mit der Bürgermeister-Smidt-Straße (der ehemaligen Kaiserstraße) im Hintergrund. Dorthin sollte die Portalachse ja – wenn möglich - nach Abbruch des LBS-Gebäudes von Müller-Menckens wieder zurückkehren.
    • Bauschmuck am Sparkassen-Komplex – Teil 3

      Unaufdringliche Harmonie - Haus Ittmann: Ein Gebäude mit Überraschungseffekt

      Das Haus Ittmann offenbart an seiner oft übersehenen, zur Grützmacherstraße hin orientierten Längsseite eine von erstaunlichem Rhythmus geprägte unaufdringliche Harmonie. Dieses Haus darf einfach nicht der Spitzhacke zum Opfer fallen !

      (Alle Bilder von mir am heutigen 25.01.2018 aufgenommen.)

      Man sieht auf diesem Foto (von links nach rechtsJ Haus Ittmann, die Einmündung der Grützmacherstraße in den Brill, ‚Glaspalast von 2001, Altbau von Martens aus dem Jahre 1906, Querung der Bürgermeister-Smidt-Straße, Finke-Hochhaus, ‚Bremer Carrée (Standort von St. Ansgarii), Hutfilterstraße, Gebäude ‚Brillissimo’ (zweiter Glaspalast am Platz).


      Fassade der zum Brill ausgerichteten Schmalseite (Südfassade) von Haus Ittmann.


      Südostecke von Haus Ittmann. Die Glasverschalung ist natürlich neueren Datums und sollte zugunsten der historischen Ecksituation wieder entfernt werden.


      Längseite (Ostfassade) von Haus Ittmann an der Grützmacherstraße.


      Der rechteckig dominierte Südteil der Ostfassade.


      Der geschwungene Mittel- und Nordteil der Ostfassade. Ein wahrer Hingucker !


      Ostseite mit Nordostkante.


      Totale des 3. Obergeschosses der Südfassade.


      Obere Pilasterendungen der Südfassade.


      Fassadenschmuck am Südteil der Ostfassade.


      Detail an der Ostfassade.


      Detail an der Ostfassade.


      Detail am mittleren und nördlichen Teil der Ostfassade.


      Dachgaube der Südfassade. Nicht original aber stimmig.


      Dachlandschaft der Ostseite.

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    • Die originalen Dachaufbauten des 'Ittmann'

      Statt über einen Abriß von Haus Ittmann nachzudenken, sollte man ganz im Gegenteil die Wiederherstellung der verlorenen ursprünglichen Dachaufbauten anstreben, die das Gebäude erneut zu einer zweiten Dominante am Brill (neben dem Martens-Bau) machen würden. Die originalen Dachaufbauten erklären auch die unterschiedliche Strukturierung der Ostfassade, denn deren südlicher Teil bildete zusammen mit der Südfassade einen 'Kopfbau', der von dem hohen Dach betont wurde.

      Anbei ein Vergleich des Originalzustandes von 1910 mit dem der Gegenwart:

    • Spellenberg-Plan: Weitere Ansichten

      (Erster Beitrag zu den Planungen unter der laufenden Nr.23 dieses Stranges.)

      Architekt und Baumeister Axel Spellenberg hat seine Pläne zum Sparkassen-Areal am Brill weiter ausgearbeitet und man kann wirklich nur hoffen, daß die Verantwortlichen diese schönen und altstadtgerechten Entwürfe auf sich wirken lassen und der - ja so viel beschworenen -'Stadtgesellschaft' Zeit geben, sich mit diesen auseinander zusetzten, anstatt nun ebenso überstürzt wie der 'Wettbewerb' war (lediglich drei Teilnehmer in der engeren Wahl, aus denen dann über Nacht der Sieger ausgewählt wurde- sic !), das Elaborat des Berliner Büros 'Robertneun' umzusetzen. Bremen braucht wahrlich weniger Robertneun und mehr Spellenberg !

      Ansicht des neuen Platzes, nördich vom Martensbau, mit Torzugang zum westlichen Innenhof. Der Neubau zwischen diesem Platz und dem Ittmann strukturiert die Straßenfront des Areals und schließt sich mit seiner expressionistisch ornamentierten Backsteinfassade gekonnt an die Jacobs-Fassade an der Grützmacherstraße an.

      Axel Spellenberg hierzu: " Das Bild zeigt das neugestaltete, zurückgesetzte Zugangsportal zu den histor. Kassenhallen, links davon eine neue Eisen-Glashalle mit Kapitellen, ganz links das Ittmann-Haus, dem ich ja einen kleinen Vorplatz gegeben habe.Alle Neubauten und Details zeigen das von mir entwickelte "Triangulare System".




      Der neue AOK-Turm an der Ecke Bürgermeister-Smidt-Straße / Am Wall. Dieser erinnert entfernt an den Turm der Erlöserkirche in Kopenhagen und akzentuiert den Eingang zur Alstadt in markanter Weise.

      Axel Spellenberg hierzu: "Das Bild zeigt den neuen AOK-Turm und die nachträgliche Einfügung der weitgehend zerstörten Komplett-Fassade (hellockerfarbig vor dem Sparkassenbau) des ehemaligen Hauptzollamts in die Straßenfront (Bm.-Smidt-Str.) des Neubauquartierhofs, der mit einer Zwischengasse nördlich an die Sparkasse anschliesst. An der Jacobistraße ist gegenüber AOK noch ein Stück Neubau (hellweiss) zu erkennen.Der Turmbau ist auch eine Art Pyramidenbau, lehnt sich aber an die stufenartige Bauweise der ZIKKURAT an."



      Und hier noch eine zusammenfassender Filmbeitrag zu den bisherigen Planungen von Herrn Spellenberg - wirklich sehr sehenswert !

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    • Der Erhalt des Hauses Ittmann muss das Minimalziel für das Sparkassenareal sein. Solange wir uns aber nur hier so herrlich einig sind, ist das alles nur ein Sturm im Wasserglas. Ich habe keine Ahnung, inwieweit hier überhaupt jemand Großkopfertes aus Bremen mitliest, ich fürchte, die wissen nicht einmal, dass es Stadtbild Deutschland überhaupt gibt.

      Ein kleiner Kritikpunkt am Spellenberg-Entwurf wäre für mich, dass er die Grützmacherstraße und somit auch die in der Tat äußerst sehenswerte Ostfassade des Ittmannhauses etwas hinter dem zweifellos gelungenen Neubau versteckt - für mich wäre der logischere Ort für einen kleinen Platz eher am südlichen Ende der Grützmacherstraße zwischen Haus Ittmann und dem Spellenbergschen Haus, welches dann aber an das Eckgebäude heranrücken müsste. Dieses wurde von der Gestaltung her von Herrn Spellenberg natürlich wieder grandios getroffen. Er liebt das giebelständige, bisweilen leicht expressionistische, wie wir es in Bremen etwa in der Böttcherstraße wiederfinden - das wäre für Neubauten im historischen Kontext ein sehr gelungener Ansatz.