Bremen - Am Brill / Sparkassenquartier

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    • Der Landesdenkmalpfleger soll sich also mäßigen, weil die Kulturbehörde den Libeskindentwurf gut findet. Meines Wissens gibt der Landesdenkmalpfleger, etwas zugespitzt, ein fachliches Urteil ab. Frau Emigholz handelt hier doch im Auftrag des Kultursenators und der heißt Carsten Sieling, SPD und will wieder Bürgermeister werden. Wie toll er den Libeskindentwurf fand, daran können wir uns ja noch alle erinnern.
      Das Team Emigholz/Sieling hält die Äußerungen des Denkmalpflegers auch deshalb für überzogen, weil noch keine detaillierten Planungsunterlagen von Libeskind vorliegen. Ja, dann läuft aber die Kritik am Denkmalpfleger sowieso ins Leere. Denn der kritisiert ja dann offensichtlich nach dieser Logik etwas, was noch gar nicht da ist. Wozu dann die Aufregung.
      Ich kann nur sagen, ich bin froh, wenn das Kulturverständnis und das Recht auf freie Meinungsäußerung am kommenden Wahlsonntag auf andere Beine gestellt wird. Die Bremer SPD hat bezüglich unseres 'Stadtbildes in den vergangenen 70 Jahren nur Fehler gemacht. Ich verweise hier auf die Stränge Abrißstadt Bremen - Schwachhausen, Parkallee und Osterdeich.
    • Ich finde es erstaunlich, dass hier die Kultur-Staatsrätin antwortet und dem Vater der Landesdenkmalpflege rüffelt.

      Feier wir nicht gerade 70 Jahre Grundgesetz in der Bundesrepublik? Hat der Landeskonservator Skalecki hier nicht seine fachliche Meinung geäußert? Steht ihm dies laut dem Grundgesetz jetzt plötzlich in Bremen nicht mehr zu? Gelten hier in der Stadt andere Gesetze als im Bund?

      Und warum musste die Frau Staatsrätin hier ihren Kopf hinhalten? Wo war denn der Kopf des Kultursenators, Herrn Dr. Carsten Sieling? Der Bürgermeister versäumt doch in den letzten Wochen keine Gelegenheit, sein Gesicht in eine Kamera zu halten und macht auf Landesvater! Warum nicht auch hier zum Thema Libeskind? Wo Bremen doch so „stolz“ auf diese „Auszeichnung“ zu sein hat?

      Packt der Landesvater schon sein Köfferchen und will zurück ins nienburgische Spargel-Land?
    • Das ist in der Tat ein starkes Stück, muss man so sagen. Bin ja sonst nicht so der Empörungstyp, aber dieser Vorgang kann durchaus als Maulkorb bezeichnet werden. Interessant ist dabei, dass der Vorgang nicht hinter den Kulissen gelaufen ist, sondern vollkommen öffentlich, das spricht schon für eine sehr breite Rückendeckung. Natürlich darf der Landesdenkmalpfleger Kritik an Bauplänen im sensiblen Gebiet der Altstadt äußern, wo kämen wir denn da hin?
    • Es mag meiner Naivität geschuldet zu sein, aber ich ging bisher immer davon aus, dass die Politik beim Städtebau immer um das für die Stadt beste Ergebnis ringt, Fachleute nach ihrer Meinung fragt sowie die Meinung der Bevölkerung mit einbezieht und dann nach Prüfung aller Aspekte eine für die Stadt gute Lösung präsentiert, mit der alle leben können - auch die Bürger. Einer dieser angesprochenen Fachaspekte wäre die Haltung des Landesdenkmalpflegers zum Bebauungsprojekt auf dem Sparkassengelände. Es müsste doch objektiv geprüft werden: Ist an der Kritik was dran? Passiert aber so nicht.
      Stattdessen wird der Landesdenkmalpfleger öffentlich vorgeführt und gedemütigt. Das macht nur eine Partei, die Erstens: nach 74 Jahren Regierung überheblich geworden ist und sich der Wirkung ihrer Machtreflexe durchaus bewusst ist und die Zweitens: davon ausgeht, dass sie ihre Haltung zum Bebauungsprojekt auch nach der Wahl durchsetzen wird, weil sie immer noch im Sattel sitzen wird. So steht hinter der Aussage der Staatsrätin nicht nur die Arroganz der Macht, sondern auch die Prognose, wir werden nach der Wahl unsere Position durchsetzen, weil wir weiter das Sagen haben werden im Bereich Stadtplanung und uns nicht von der Denkmalpflege irgendwelche Vorschriften machen lassen.
      Wie sonst wäre der Paternalismus der Kulturbehörde gegenüber der Denkmalpflege zu erklären.

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    • Was ist denn jetzt los?

      Der Dudler kritisiert seinen Kollegen Libeskind! - Verkehrte Welten in Bremen.
      Hier der Auszug aus dem Interview im Weser-Kurier vom 24.05.19:

      Was Libeskind da vorhat, ist total konträr und hat mit der Umgebung nichts zu tun. Er will die Zukunft nicht aus Vergangenheit und Gegenwart herleiten. Damit wird Architektur nicht weitergeschrieben, sondern aufgelöst. Solche Pläne brauchen keinen speziellen Ort, sie sind ortlos und könnten überall verwirklicht werden. Mit einer nachhaltigen Stadtentwicklung geht das jedenfalls nicht überein. Die erreicht man nur, wenn man für die Stadt in ihrem geschichtlichen Kontext und für die Bevölkerung baut.


      Mal gucken, ob die Staatsrätin Emigholz nun auch den Max Dudler für seine eigene Meinung rüffelt!
    • Die Parallelen, die ich gerne zwischen untergehender DDR, bzw. SED und der Bremer SPD sehe, bestätigen sich in dieser Thematik:

      Angst vor Machtverlust, Ignorieren der Bedürfnisse, Wünsche und Forderungen der Bevölkerung, arrogante Selbsterhöhung (dabei ist klar: "es rettet uns kein höh'res Wesen, Gewerkschaft nicht, noch SPD...") führen zu Maulkorb und Flucht in die Ecke - die äußerst linke!

      Das endet, spätestens in 4 Jahren, in der Bedeutungslosigkeit!
    • Auch mir fiel heute das irrlichternde Interview von Jürgen Hinrichs mit Max Dudler auf. Vorbemerkung: Hinrichs ließ sich vor einigen Jahren vor Fertigstellung des Baus am Hauptbahnhof von Dudler in Berlin zum Essen beim Italiener (plus Wein) einladen und berichtete dann ganz objektiv im Sinne einer Hofberichterstattung über Dudlers "Architekturphilosopie".

      Hinrichs bezeichnet nun im Artikel Dudler als "Meister des Minimalismus" und beschreibt die "typischen Dudlerbauten": "Stein, Glas, strenge Raster"! Dazu lässt sich feststellen: Stein, Glas, strenge Raster ist der heutige Baustil schlechthin, so bauen schließlich alle. Hier von typischen Dudlerbauten zu sprechen, ist der Versuch, seinen Bauten ein Alleinstellungsmerkmal zu verpassen und sie so zur Marke zu machen. Und weil das nun mal so ist, gibt es unzählige "Meister des Minimalismus", Minimalismus ist - aus unterschiedlichen Gründen - die angesagte Architektur, die mit verklärtem Gesicht von jedem Architekten vorgetragen wird.
      Dudler selbst liefert auch gleich noch etwas Bedeutung nach: Diese Bauten am Hauptbahnhof "verarbeiten die Architektur der norddeutschen Gotik". So viel Chuzpe macht sprachlos. Tut mir leid, aber mit der norddeutschen Gotik kann ich diese Architektur beim besten Willen nicht in Verbindung bringen. Zudem widerspricht sich Dudler selbst. Im Weser-Kurier bezeichnete er im Zusammenhang mit der Bahnhofsplatzbebauung seine Gebäude als ZEITLOS. Da fragt man sich dann schon: WAS DENN NUN? Norddeutsche Gotik oder Zeitlos, beides zusammen geht aber nicht.

      Weiter führt Dudler aus: "Stehen die Häuser erst mal, erschließt sich ihr tieferer Sinn", deshalb sei die Kritik abgeebbt. Die Kritik ist wohl auch deshalb abgeebbt, weil 5500 Quadratmeter bebaute Grundfläche schon ein unumstößliches Argument darstellen. Das bekommt man so schnell nicht weg, was nützt da noch die Kritik?

      Dass ich noch mal Dudler verteidigen werde, erscheint mir wie Quadratur des Kreises. Seiner Kritik an Libeskind kann man ja nur zustimmen. Ich erwarte jetzt aber auch von Herrn Libeskind, dass er sich nicht minder kritisch mit Dudlers von norddeutscher Gotik durchdrungenem Bau am Bahnhofsplatz auseinandersetzt. Wie wär´s danach dann mit einer Podiumsdiskussion Dudler vers. Libeskind, Staatsrätin Carmen Emigholz moderiert ratlos und weiß nicht mehr: Für wen sind WIR denn jetzt eigentlich?

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    • Nochmal zu Dudlers Stil-Kunde. Norddeutsche Gotik gibt es nicht. Es gibt lediglich die Norddeutsche Backsteingotik. Und nach Backstein sehen die beiden hellen Dudler-Blöcke bestimmt nicht aus. Und gotische Fenster haben ja wohl auch eine andere Form. Was also steckt hinter dieser Behauptung, welche tiefgründigen Gedankengänge bewegen den Meister?

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    • Ein kleines Denkmal. Leicht zu versetzen. Libeskindtürme - Gebaut für Dekaden und mehr!
      Der Schnoor - er wich eben nicht - trotz Menschen wie Herrn Marold!
      Dann noch das beste moderne Gebäude Bremens, die Bürgerschaft, hässlich finden, aber Libeskind preisen?
      Hundertwasser als Beleg? Hundertwasser und Libeskind werden niemals, NIE-MALS, denselben Effekt erzielen.
      Libeskind ist Ödnis. Da ist kein Leben drin, keine Abwechslung, kein Esprit (Wortwitz)!

      In 40 Jahren wird man verachten, was Libeskind (falls erfolgreich) umgesetzt haben wird.
      Einladendes Gesicht? So einladend wie eine Vollverschleierung!

      Ich verachte Menschen, die nicht in der Lage sind zu erkennen, dass sie faulige Äpfel mit reifen Birnen verwechseln!

      Und zu Herrn Skalecki: Auch wenn wir alle gelegentlich nicht verstehen, welches Ross die Denkmalpflege gerade reitet, hier sind wir gefordert, ihm Rückendeckung zu geben, so gut wir können!
    • Frage: Hilft in dieser Sache eventuell die die gestrige, überfällige Abwahl der SPD in Bremen? Es wäre vermutlich vermessen zu behaupten, dass dieses unsägliche Libeskindprojekt mithalf die SPD zu Fall zu bringen, aber das werden die Bremer vermutlich besser beurteilen können? Aber könnte das gestrige Wahlergebnis hier nun helfen?

      Meiner Meinung nach sollten hier die Bremer per Volksabstimmung (gibt es do etwas in D?) über diesen massiven baulichen Eingriff entscheiden! Das Ergebnis käme dann zumindest demokratisch zustande und sollte so oder so akzeptiert werden.
      „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








    • Fann-Fäkt:

      Frau Staatsrätslerin Emigholz ist nicht mal kulturell ausgebildet. Juristin ist die und maßgeblich an der langfristigen Versorgung regimetreuer "Kulturschaffender" beteiligt.

      Dagegen ist ein Prof. Dr. Georg Skalecki, Kunsthistoriker, Archäologe, und Historiker, Landeskonservator und stellv. Vorsitzender der der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland, natürlich ein Niemand!

      Wie kann er sich erdreisten, seinen Job zu machen? Da wäre er ja der erste in der bremischen Verwaltung! Unglaublich!
    • Wohl dem, lieber RaHaHe,

      das sind wahre Worte!!!

      Exilwiener,

      die SPD ist zwar prozentual von der CDU als stärkste Kraft im Lande abgewählt worden, unser nienburgische Spargelkönig klammert sich aber krampfhaft an den Bürgermeisterstuhl und versucht oder versuchte schon vor der Wahl mit seiner preisgegebenen Liebe zu einer Rot-Rot-Grünen Koalition Einfluss auf den Wähler auszuüben - und nun auf die möglichen Koalitionäre.
      Die Grünen sind nun Königsmacher. Mögen sie den Wahlauftrag der Bremerinnen und Bremer richtig deuten und den richtigen Partner für ein Regierungsbündnis wählen. Er wenn dies tatsächlich eintritt, ist eine Wende in der Politik und in bezug auf unseren Zielen möglich...
      ...bliebe nur der baupolitische Filz, der sich in über 70-Jahren zu einem dichten, roten Perser-Teppich geflochten hat...!
    • Wir alle erinnern uns gerne an die Aussagen unseres obersten Landeskonservators über die "Horizontalverschmutzung", sollte die "burgenhaften" Libeskind-Türme am Brill entstehen.
      Und wir erinnern uns nicht so gerne an den Maulkorb, den die Staatsrätin Emigholz dem obersten Landeskonservator wegen eben dieser Aussagen bzw. dieser fachlichen Meinung verpasste.
      Hier ein paar weitere Reaktionen wegen der anmaßenden Deutungshoheit des Senats über die allgemeine Meinungsfreiheit, erschienen im Weser-Kurier des Tages 04.06.19:

      Fachwissen nicht gefragt
      Das Wissen von Fachleuten ist im Bremer Senat nicht gefragt. Im besonders sensiblen Bereich der Denkmalpflege wird dies wieder einmal deutlich. Die Vorgesetzte in der Kulturbehörde erteilt dem Fachmann einen Maulkorb. Obwohl dieser in der Gesamtbetrachtung deutlich mehr Kenntnisse einbringen kann als eine Staatsrätin. Es scheint, dass die Politik sich hier lieber mit Arbeiten und Namen internationaler Architekten schmückt, als auf die Wirkung der Arbeiten im Verhältnis zum Stadtbild zu achten.
      Daniel Libeskind kann sich mit seinem Entwurf des Sparkassengebäudes richtig austoben, denn er ist der „Star“. Er weiß, wie es weltweit geht, ohne zum Beispiel Rücksicht auf historische Umgebungen zu nehmen. Er ist eben Libeskind. Dass große Teile der Bremer Bevölkerung entsetzt über seinen Vorschlag sind, spielt für die Bremer Politik scheinbar keine Rolle. Dieses Verhalten der Politik hatte sich ja auch schon beim Dudler-Bau am Bahnhof gezeigt. ⇒ Rüdiger Plate, Bremen


      Wider Duckmäusertum
      Das Grundgesetz wird als eine der größten Errungenschaften der BRD gepriesen. Die Freiheit der Meinungsäußerung (Artikel 5, Absatz 1) aber ist wohl für die Mitarbeiter der Kulturbehörde nicht vorgesehen, wenn solche Rüffel erteilt werden. Was hat Georg Skalecki anderes geäußert, als die fachlich kompetente Beurteilung eines Projekts, das sehr wohl detailliert geplant vorlag?
      Leider wurden die im Architektenwettbewerb vorgesehenen Bruttogeschossflächen nahezu verdoppelt. Das konnte nur gelingen, weil der im Wettbewerb siegreiche Architekt ausgebootet und Daniel Libeskind ins Boot geholt wurde, der dann auch nur mit vier gigantischen Hochhäusern das Begehren der Investoren nach maximalster Ausschlachtung des Areals befriedigen konnte. Was dann zu dem Eindruck einer wie von Georg Skalecki zu recht bemängelten „geschlossenen Festung“ geführt hat.
      Es ist zutiefst beschämend, einen Architekten und dessen Entwurf zu würdigen, der am Architektenwettbewerb überhaupt nicht beteiligt war, sondern durch die Einflussnahme der Investoren hereingekommen ist. Ein derart unseriöses Vorgehen von Auslobern habe ich als vielfach mit Preisen ausgezeichneter Architekt noch nie erlebt. Allenfalls habe ich es als erster Preisträger akzeptieren müssen, wenn der Auslober einen nachfolgenden Preisträger mit dem Bau seines Wettbewerbsentwurfs beauftragt hat.
      Dem Landeskonservator und seiner öffentlich geäußerten Kritik an einem städtebaulich höchst fragwürdigen Projekt gebührt meine größte Hochachtung. Wir brauchen keinen Staat, der seine Bürger und Mitarbeitenden wieder zu Duckmäusern machen will. ⇒ ⇒ Axel Spellenberg, Worpswede


      Unter der Knute

      Der Verdacht gärt schon länger in mir, dass die Landesdenkmalpflege – und somit auch ihr Vater, der Landeskonservator – stark unter der behördlichen Knute des Kulturressorts, ergo des Senats und der politischen Mehrheiten, steht. Wie kann es sonst angehen, dass zwei Werke der Star-Architekten Abbehusen und Blendermann, das Theater am Goetheplatz und das Medienhaus, so kontrovers von der Denkmalpflege beschieden wurden? Auch am Theater, Stadteigentum, hat es weitreichende, bauliche Veränderungen gegeben, dennoch prangt dort das Siegel der Denkmalpflege. Das Medienhaus, Privateigentum, bekam dieses Siegel nicht, der Landeskonservator verschanzt sich lieber hinter Paragrafen, anstatt das Haus eines bedeutenden Bremer Arztes selig zu sprechen.
      Aber wir Bremerinnen und Bremer kennen es zur Genüge aus den vergangenen 70 Jahren, wie mit historischer Bausubstanz umgegangen wurde. Die einstige Prachtstraße Bremens, die Langenstraße, wo sich eine bauliche Perle an die andere reihte, wurde verstümmelt. Fast könnte man annehmen, das Kapital wurde nach 1945 auf sozialdemokratisches Maß zurechtgestutzt.
      Wie hätte ich mir in Bezug auf das Medienhaus ein persönliches Statement von Georg Skalecki gewünscht. So wie im Fall des Libes­kind-Plans mit den burgenhaften Visionen einer „Horizontalverschmutzung“ der heiligen Innenstadt. Endlich, endlich wagt sich der Landeskonservator hinter den Paragrafen hervor und positioniert sich – und wird prompt dafür gerüffelt. Nils Mahler, Bremen
    • Uh, was haben wir denn hier im Weser-Kurier des Tages 05.06.19?
      Eine fachkompetente Meinungsäußerung zu den Libeskind Plänen...
      Hoppla, die Meinungsäußerung eines Gastkommentar spiegelt aber so gar nicht die Senatspläne wieder...
      Ob Staatsrätin Emigholz im Shop mit dem gelben Hund schon nach einem passenden Maulkorb Ausschau hält...?


      Kommentar über die Libeskind-Türme
      Star-Architektur ist von gestern


      Bremen ist eine attraktive Stadt, das belegen nicht zuletzt die steigenden Besucherzahlen. Großen Anteil daran hat das besondere historische Bild der Stadt. Dieses Bild verdanken wir einer städtebaulichen Struktur, einer Maßstäblichkeit der Baumassen, den Wegebeziehungen und einer Funktionsdurchmischung, die mit Einschränkungen im Wesentlichen sogar den letzten Krieg überstanden haben. Diese Charakteristika der Stadtgestalt müssen erhalten werden, sie haben sich offensichtlich bewährt. Dazu gehört auch die maßvolle bauliche Höhenentwicklung innerhalb der Wallanlagen. Der Einzugsbereich einer Weltkulturerbe-Stätte sollte allein Grund genug dafür sein. Hochhäuser gehören demnach an ausgewiesene Stellen außerhalb der Wallanlagen.
      Es ist nicht ratsam, einen in einem Augenblick der immobilienwirtschaftlichen Hochkonjunktur als spannend oder interessant qualifizierten Hochhausentwurf mit der Zerstörung eines Jahrhunderte alten Stadtbildes zu bezahlen. Dieser Preis ist viel zu hoch für ein Versprechen, dessen Konsequenzen offenbar bei Weitem nicht vollständig überdacht worden sind, (Verschattung, Veränderung des Mikroklimas, Veränderung von Verkehrsströmen etc.). Pro­bleme, die diese Bauform mit sich bringen kann, können wir seit Jahren am Sockelbereich des Siemens-Hochhauses beobachten.
      Eine bemerkenswert sorglose Modernisierungs-Euphorie ohne historischen Rückhalt scheint in dem Hochhausentwurf zu stecken. Viele unserer historischen Stadtbilder, deren identitätsstiftende Kraft wir so schätzen, haben solchen Versuchungen widerstanden und profitieren heute davon. Es geht nicht darum, den großen Wurf für die Innenstadt zu verhindern. Es geht darum, mit einem Hochhaus-Rahmenplan, der in Städten wie Frankfurt oder München das Bauen hoher Häuser in geregelte Bahnen lenkt, die städtebauliche Entwicklung verantwortungsvoll in die Zukunft zu steuern.
      In einem konkurrierenden städtebaulichen Entwurfsverfahren hat eine unabhängige Jury den besten Entwurf mit dem größten Entwicklungspotenzial ausgewählt und zur Weiterbearbeitung empfohlen. Dieser Rahmen darf nicht gesprengt werden. Star-Architektur ist von gestern und darf keine Legitimation zur Versenkung eines intakten Stadtbildes sein. Städtebauliche Grundsatzentscheidungen sind kaum rückgängig zu machen. Eine entstellte Stadtansicht der Bremer Altstadt ist nicht mehr reparierbar. Und: Ist der Damm einmal gebrochen, werden wohl weitere Gebäude folgen. Dann haben wir bald die entstellte Skyline von London auch hier in Bremen.

      Unser Gastautor. Martin Pampus,
      ist freischaffender Architekt und Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten im Lande Bremen.

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