Bremen - Altstadt - Am Brill / Sparkassenquartier

  • Kann uns vielleicht die Philosophie bei der Interpretation der Libeskind -Türme weiterhelfen? Versuchen wir es mal mit Nitzsche:

    "Die mächtigsten Menschen haben immer die Architekten inspiriert; der Architekt war stehts unter der Suggestion der Macht. Im Bauwerk soll sich der Stolz, der Sieg über die Schwere, der Wille zur Macht versichtbaren: Architektur ist eine Art Macht-Beredsamkeit der Formen, bald überredend, bald schmeichelnd, bald bloß befehlend".

  • Da es sich um eine abzeichnende Tragödie handelt, kann man auch Goethe frei und quietschend zitieren:

    Bürger:
    Nun gut, wer bist Du denn?
    Architekt:
    Ein Teil von jener Kraft,
    Die stets das Gute will und doch nur Ödnis schafft.
    Bürger:
    Was ist mit diesem Rätselwort gemeint?
    Architekt:
    Ich bin der Geist, der nichts vermag!
    Doch egal, dass alles, was von mir entsteht,
    wert ist, daß es zugrunde geht;
    Drum besser wär's, daß nichts durch mich entstünde.
    So ist denn alles, was ihr lieblos,
    Zerstörung, kurz, Bausünde nennt,
    Mein eigentliches Element.

    Das zu lesen schmerzt mich selbst. Ist es aber ein ebenso misslungener Versuch der Dichtkunst, wie es manche Entwürfe in der Architektur sind.

  • ... immerhin konsequent !

    Nachdem sich die Sparkasse Bremen schon Anfang des Jahrtausends von ihren historischen, über ein Jahrhundert sorgsam gehüteten, aus dem Direktionszimmer der alten Sparkasse an der Ecke Oberstraße / Papenstraße stammenden drei Lehnstühlen, die seinerzeit beim Staatsbankett für Kaiser Wilhelm II. in der Oberen Rathaushalle Verwendung gefunden hatten, bedenkenlos getrennt hat und der Firmensitz am Brill nun bald aufgegeben wird, war es nur folgerichtig, sich auch von einem solchen Unikum wie dem Borgward Sparkassenbus aus der Nachkriegszeit zu trennen.

    Ganz nach dem Motto: "Olle Stühle, n' Prunkpalais un so'n klappriges Gestell van' Bus, dit bruk wie allns nich wedder. Dit kann wech !

    Heini Holtenbeen (Bremer Original um 1900) hätte dazu gesagt: "Schanne wert !"

    Meine Wenigkeit sagt dazu: "Die Sparkasse Bremen, trennt sich - ohne Not - von ihrer eigenen Geschichte. Sie entsorgt bedenkenlos ihre Vergangenheit."

    Und wie sagte noch einst ein Denker: "Beim Überflüssigen fängt die Kultur überhaupt erst an".

    Aber in der heutigen Zeit, in der es nur noch um Rendite geht und Bilanzzahlen zum Selbstzweck geworden sind, ist es wohl ein erfolgloses Unterfangen, daran zu erinnern, daß die Wirtschaftspatriarchen von einst ökonomisches Denken und Hochkultur sehr wohl in perfekter Weise zu verbinden vermochten. Diese Fähigkeit ist ihren heutigen Epigonen aber so was von gründlich abhanden gekommen !!!


    Hier der Buten un Binnen Bericht vom heutigen Tage (11.04.2019)

    https://www.youtube.com/watch?v=w4oNhjaRNlg

  • Nochmal ein Aspekt:

    Wenn wir eine Alt-Stadt erhalten wollen und daher fordern, dass reinweg die Überseestadt als eine Modern-Stadt zu entwickeln ist, dann auch um eine Wahlfreiheit zu erhalten, um die wir uns und die Touristen sonst bringen, wenn wir die Altstadt modernistisch weiter überformen und überfordern.

    Die historischen Sichtbeziehungen zwischen den Altstadtkirchen sind zwingend -auch ohne jede Religiosität- zu erhalten und von zu hohen Störquellen freizuhalten. Das ist ein Aspekt des Denkmal- und Ensembleschutzes, der Bewahrung von Geschichte.

    Aus einer Parallelität zwischen Altstadt und Überseestadt ergibt sich zudem eine besonders ansprechende und vielseitige Skyline, derer wir uns selbst berauben wenn die AltSkyline hinter Geldtürmen, Betonstelen und Hängenden Gärten verschwindet oder zu dicht vor diesen nicht mehr ihre Wirkung entfalten kann.
    Leon Krier hat hierzu eine sehr anschauliche Zeichnungsfolge vorgelegt:

  • Lieber RaHaHe,

    Leon Krier legt uns da einen Kompromißvorschlag auf den Tisch, mit dem eigentlich Alle gut leben können sollten...

    Allerdings ist für die Umsetzung der nötige gute Wille auf beiden Seiten erforderlich !

  • Lieber RaHaHe,

    Ihre Freude über die heutigen kritischen Leserbriefe (einer von diesen wies die von Ihnen eingestellte Illustration auf; möglicherweise liest die Verfasserin hier im Forum ja mit und hat sich von Ihnen inspirieren lassen, denn der Vergleich mit den 'Wraps' stammt ja von Ihnen) wird sicherlich von Vielen geteilt werden.
    Da ich momentan leider keine Zeit habe, die Leserbriefe hier einzustellen, hoffe ich insoweit auf die anderen Bremer Foristen, die dies vielleicht erledigen könnten. Andernfalls werde ich es morgen tun.

  • In einem Leserbrief fällt der Begriff "zukunftweisend". Und genau DA liegt der Hase im Pfeffer. Wenn das die Zukunft ist, gute Nacht. Dann haben wir nicht nur nicht aus den unstreitig gemachten Fehlern der Vergangenheit gelernt, sondern wiederholen sie!

  • Oh je! Ich habe mir heute erst den Strang durchgelesen und muss sagen, ich bin entsetzt. Derartige Projekte haben im Umfeld europäischer Altstädte einfach überhaupt nichts zu suchen.
    Und wie sich die Leute von ein wenig Grün an der Fassade und dem Namen eines "Stararchitekten" blenden lassen!
    Da kann man uns und unseren Bremer Freunden nur wünschen, dass dieses Projekt scheitern wird!

    Ich habe aber mal bezüglich der dimensionstechnisch unglaubwürdigen Visualisierung eine Frage an die Bremer hier: Wie hoch exakt ist das Sparkassengebäude (bis zum Dachfirst)? Mit der Angabe könnte man die Visualisierung nämlich etwas geraderücken!


  • Wie hoch exakt ist das Sparkassengebäude (bis zum Dachfirst)? Mit der Angabe könnte man die Visualisierung nämlich etwas geraderücken!

    Auf den Zentimeter genau kann ich das natürlich leider auch nicht sagen, aber auf Grund anderer Gebäude der Umgebung kann man wahrscheinlich so von um die 20 Meter ausgehen.

  • Ok, ich habe aufgrund von Bildern und Fussgängergrößen eine grobe Höhe von 22,5 m berechnet, das wäre dann ja im Bereich der 20 m, sogar großzügig größer geschätzt!

    Auf dem zweiten Architekturrendering lässt sich anhand dieser Zahl tatsächlich ein massives Missverhältnis zwischen angeblicher Höhe und Rendering feststellen:

    https://i.imgur.com/ZSnbyCX.png

    Und so sähe das ganze dann in der Höhe "korrigiert" aus:

    https://i.imgur.com/WUYEQHy.png

    Ich habe allerdings alle vier "Stängel" gleichermaßen skaliert, wodurch der vorderste kleinste jetzt aber auch viel größere Proportionen im Bezug auf das vorhandene Gebäude bekommen würde, was wiederum das erste Rendering als ebenfalls nicht korrekt darstellen würde.
    Ich frage mich wirklich, mit was für Programmen diese Renderings angefertigt werden. Bezüglich Geschosszahl und Höhe muss das doch alles stimmen, sonst kann man doch gar nicht vernünftig über den Entwurf sprechen... oder haben diese Architekturprogramme einen eingebauten "Cheatmode"? ?(
    Man würde sich wünschen, dass die Herren Architekten mal realistische Renderings vorlegen, sonst kann man das eigentlich als bewusste Täuschung betrachten.

    (Ich habe die Bilder bewusst nicht im Forum hochgeladen, den Fall mit Abmahnungen hatten wir hier ja schon... aber dank Blockierung kann ich sie hier auch nicht anschaulich einbinden, ihr müsst also auf die Links klicken... ein weiteres Beispiel wieso es eine unsinnige Idee ist, externes Hosting zu verbieten...)

  • Sehr geehrter Centralbahnhof,

    haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre Arbeit, die für uns unglaublich wichtig ist, denn durch diese wird nun gänzlich offenbar, wie düster dräuend diese Giganten die Altstadt überschatten würden und wie 'geschönt' die 'Renderings' sind !

    Also nochmals: Bravo und tausend Dank !

  • Wobei es sich wohl eher um Kuckuckseier handelt, die man Bremen hier ins Nest legen will. Denn Ostereier hätten niemals eine so verheerende Wirkung, wie die, die uns von Centralbahnhof in sehr verdienstvoller Weise vor Augen geführt worden ist !

    Edited once, last by Pagentorn (April 21, 2019 at 8:37 PM).

  • Hallo Centralbahnhof.

    Deine 'Renderisierung' mit Skala der Libeskind-Entwürfe sind spitze.

    Um die tatsächlichen Höhenunterschiede und die umschmeichelnde Visualisierung à la Libeskind den Bremern näher zu bringen und ihnen die Augen zu öffnen über diesen offensichtlichen Schwindel, und gleichzeitig keine Klagen an den Hals zu bekommen, würde ich dich hier bitte, deine Visualisierung mit den Skalen zu entkernen, zu schälen, bis nur noch ein 'Skelett' übrig bleibt.
    Diese könnten wir dann gefahrloser verwenden.

  • Ohne Worte...


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  • Horrorszenarien für die Stadtsilhouette

    Auf dem Forum 'Skyscrapercity' haben die dortigen Mitglieder 'Kesselflicker' und 'TauriHB' Visualisierungen hinsichtlich der Fernwirkung der Liebeskind-Türme eingestellt, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Sollte Liebeskind wirklich zum Zuge kommen, wäre die Bremer Altstadtsilhouette absolut tot !


    https://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=2153404&page=9

    Beiträge Nr. 175 + 176

    Unbedingt ansehen !!!

    Insbesondere die Bilder 2 und 4 von Kesselflicker ziehen einem die Schuhe aus !
    Da könnte man nur sagen: "Lebe wohl St.Petri Dom".