Goslar - Kaiserpfalz-Quartier

  • "Nieto Sobejano Arquitectos" sind zwei Personen: die Frau Fuensanta Nieto und der Mann Enrique Sobejano. Die beiden Spanier haben in Halle (Saale) vor zehn Jahren den Erweiterungsbau des Kunstmuseums Moritzburg in eine Burgruine gesetzt. Dabei haben sie das Kunststück fertiggebracht, ein gut funktionierendes modernes Kunstmuseum zu bauen und zugleich zwei Burgflügel des 15./16. Jahrhunderts, die seit dem Dreißigjährigen Krieg Ruinen waren, außen und sogar innen als Ruine erlebbar zu erhalten. Sie haben bewiesen, dass sie Belange des Denkmalschutzes berücksichtigen und ebenso auf praktische Bedürfnisse der künftigen Nutzer ihrer Gebäude eingehen.


    Diese beiden Aspekte wurden in dem von @Bismarck# verlinkten Medienbericht ebenfalls als die Vorzüge ihres Entwurfs für Goslar gewürdigt. Ich kenne Goslar aus eigener Anschauung und halte den von Bismarck# gezeigten Entwurf von Nieto und Sobejano keinesfalls für den Untergang dieser Stadt. Ich will den Goslarer Entwurf aber auch nicht in den Himmel heben. Dazu weiß ich zu wenig darüber. Die Visualisierung sieht nicht gerade aufregend schön oder einzigartig aus. Es kommt da schon auf die Details des Projektes und der Ausführung an.


    Der Vergleich mit der BND-Zentrale in Berlin ist deplatziert. Zum einen sind die Dimensionen dort völlig andere, und zum anderen ist das BND-Gebäude von Kleihues, und Kleihues hat schon eine etwas andere Architektursprache als Nieto und Sobejano.


    Der berühmte Blick auf die Kaiserpfalz wird nicht verstellt, und der Neubau schiebt sich auch nicht zwischen Kaiserpfalz und Altstadt. Die Aufregung hier scheint mir etwas übertrieben.

  • @Rastrelli gerne können Sie diese Auffassung vertreten. Die Frage ist nur, ob sie sich den Entwurf mal genauer angesehen haben, bzw. die Visualisierungen kennen, die hier bereits gezeigt wurden. Unabhängig davon, dass diese Anti-Architektur, denn nichts anderes ist der Sobejano-Entwurf, prinzipiell eine Sache ist, die mit Baukunst nicht mehr viel zu tun hat, werden hier sehr wohl Sichtbeziehungen behindert, Ensembles beeinträchtigt, Stadträume eingeschränkt und Höhenbeziehungen missachtet. So wird der denkmalgeschütze Hubertushof zum fachwerkschuppen gemacht, von der Wallstraße aus wird man in Zukunft auf eine große graue Wand gucken, die Kasernengebäude aus dem Historismus werden komplett verstellt und der freie Platz an den einmal die Stiftskirche St. Simon und Judas, alias der Goslarer Dom stand, wird durch diese banalen Kisten dominiert. Hinzukommt, dass diese Form der Architektur laut dem Goslarer Gestaltungshandbuch (geltendes Recht!!!!) innerhalb des historischen Mauerrings strickt verboten ist. Das sind alles so gravierende Punkte und wenn Sie hier schreiben, dass das etwas übertrieben ist, nur weil man diese Klötze nicht direkt an die Kaiserpfalz drangebaut hat, dann kennen Sie Goslar scheinbar doch nicht.
    Wenn wir jetzt sagen, " da an der Stelle in der Altstadt stört das nicht ganz so dann ist das schon ok" können wir uns das ganze mit Stadtbild Deutschland auch sparen. Denn dann werden wir uns immer wieder genötigt sehen bei bestimmten Projekten wegzuschauen, " weil die ja nicht direkt im Weg stehen". Ein Stadtbild ist nicht direkt. Es sind die Verschiedenen Blickwinkel. Das sensible Ganze. Und wenn Sie das nicht verstehen kann ich Ihnen auch nicht mehr helfen und muss mich doch fragen warum Sie sich uns angeschlossen haben?


    Gerne kann her Junk sich diese Kisten in den Stadtteil Jürgenohl setzen, da ist optisch eh schon Hopfen und Malz verloren. Aber gerade an so einem geschichtsträchtigen Ort wie dem Pfalzbezirk sollte man so einen einfallslosen und brachialen Mist nicht bauen.


    Das Burgprojekt kenne ich nicht aber ich kenne andere Arbeiten von Nieto Sobejano und ich kann mir nicht vorstellen, dass das mit der Burg so toll ist wie in dem Artikel beschrieben wird. Denn solche Märchen enden fast immer in einer modernistischen Überformung des Ganzen in Beton Stahl und Glas.

  • Hier meine Stellungnahme, die ich auf Anfrage der Goslarschen Zeitung verfasst habe, die aber leider nur in erbärmlich gekürzter Form erschienen ist!

    Stellungnahme zum Abschluss des Architekturwettbewerbs
    „Kaiserpfalzquartier“


    Bereits wenige Stunden nachdem ich erfuhr, was nun in meiner Heimatstadt an Stelle der alten BGSKaserne unter dem Namen „Kaiserpfalzquartier“ entstehen soll, entschloss ich mich dafür eine OnlinePetition zu starten. Doch warum?
    Die Antwort darauf ist vielfältig. Zum einen natürlich aus meiner persönlichen Überzeugung, dass die gewählte Architektursprache den Ort, in unmittelbarer Nähe zur salischen Reichspfalz, keineswegs bereichert, sondern viel mehr wie ein Fremdkörper wirkt.
    Zum anderen wollte ich denen eine Stimme geben, die diese Auffassung, aus welchen Gründen auch immer, teilen aber vielleicht nicht die Mittel und Wege fanden um sich gehör zu verschaffen. Denn häufig ist es so, dass umstrittene Bauprojekte wenig Gegenwind erhalten, da viele meinen ihre Stimme habe kein Gewicht. Man könne sowieso nichts daran ändern. Und der Großteil der Menschen, leider, ist prinzipiell nicht so an Architektur und Städtebau interessiert und ist geneigt solche Projekte mit einem Achselzucken hinzunehmen.
    Diesen Umstand finde ich schade vor der dem Hintergrund, dass es dabei nicht selten um Stadtbildprägende Plätze geht, die wegen fehlgeleiteter Architektur häufig auf Jahrzehnte ihres Flairs und ihrer Urbanität beraubt werden.
    Gerade diese letzte Gruppe von weniger Interessierten ist meist die, die von den Akteuren instrumentalisiert wird, da man von ihr kaum bis garkeinen Widerstand zu erwarten hat.
    Meine Petition richtete sich potentiell an die, die sich nicht damit abfinden wollen, dass der Modernismus, der keineswegs unumstritten ist, in Goslar Einzug hält und damit ein Altstadtensemble beschädigt, welches seines Gleichen sucht.
    Und die Leute kommen! Aber sie kommen wegen der Pfalz, der Marktkirche, wegen des Brusttuchs und wegen des Rathauses. Sie kommen um die Kaiserworth zu sehen und um die Altstadtromantik an der Abzucht zu genießen. Sie kommen um im Museum den Krodoaltar und das Goslarer Evangeliar zu bestaunen. Und auch wenn die Betrachter den kunsthistorischen Wert all dessen nicht immer in Gänze begreifen, so kommen sie dennoch und begreifen die objektive Schönheit. Sei es von Kunstobjekten oder von Architektur im städtebaulichen Gefüge des Gruppendenkmals „Goslarer Altstadt“.
    Die Leute sehnen sich danach. Und ganz deutlich wird das in den Städten die vom Krieg hart getroffen wurden und/oder in denen die Vernachlässigung und die Abrisswut der DDR ihr Übriges taten.
    Dort, wo kein Stein mehr auf dem anderen stand, bildete sich bürgerliches Engagement. Eine Bewegung, die die Fehler der Nachkriegsarchitektur nicht einfach hinnehmen wollte.
    Die Liste ist lang. Aber Vorreiter sind Dresden, Potsdam, Frankfurt a.M. und Berlin.
    Dessau, Neustrelitz und Nürnberg ziehen nach.
    In Dresden und Potsdam durfte ich diese Projekte begleiten. In Potsdam sogar mit eigenen wissenschaftlichen Beiträgen bereichern.
    In Goslar haben wir das große Glück, dass wir eine intakte Altstadt haben. Eine Altstadt, die es zu schützen gilt. Und das nicht nur vor primärer Zerstörung durch Brände, Abriss oder Verfall. Sondern auch vor sekundärer Zerstörung durch fehlerhafte Denkweisen in Bezug auf die Architektursprache von Neubauten im UNESCO-Weltkulturerbe und einer fehlerhaften Baupolitik.
    Im Fall des Kaiserpfalzquartiers berufen sich immer alle auf die „Strahlkraft“ der modernen Bauten. Darauf möchte ich entgegnen: Goslar ist nicht Bilbao! Und wir brauchen kein Guggenheim-Museum wie es Frank Gehry dort entwarf. Goslar ist bereits ein Anziehungspunkt. Und diesen Markenkern gilt es zu schützen.
    Hinzu kommt, dass die moderne Architekturästhetik, der der OB ja eine überlegene Rolle gegenüber einer „konservativen Architekturästhetik“ einräumte, weder den Nerv der Zeit, noch den Geschmack des Ottonormalverbrauchers trifft. Dazu erschien vor wenigen Monaten (30.04.19) ein Artikel auf WELT.de.
    Unter dem Titel:“ Architektur: Warum neue Stadtviertel in Deutschland so öde sind“ nimmt der Journalist Rainer Haubrich die modernistische Architektur genauer unter die Lupe. Dabei bezieht sich Haubrich auf diverse Studien zum Thema „Städtebau und Aufenthaltsqualität“. Die Aussagekräftigste ist eine Studie der TU Chemnitz zu der es im Artikel heißt:

    „Studien belegen, dass es quer durch alle Gruppen der Bevölkerung eine übereinstimmende Meinung darüber gibt, wie die gebaute Umwelt aussehen sollte. Etwa jene Untersuchung der Technischen Universität Chemnitz, die anhand einer repräsentativen Auswahl von Testpersonen zeigen konnte, dass sich die Präferenzen der Menschen unabhängig von Alter, Einkommen oder Bildungsgrad gleichen – egal ob Bauingenieurin, Obdachloser oder Jugendlicher. Die große Mehrheit bevorzugt fein strukturierte Fassaden und ein ausgeprägtes Dach. Beim Städtebau dominiert der Wunsch nach Harmonie und Orientierung am Kontext. Weniger als fünf Prozent der Testpersonen entschieden sich für Gebäude mit einfachen, nackten Flächen."
    Ebenso geht aus der Studie hervor, dass 80% der Befragten Rekonstruktionen von kriegszerstörten Gebäuden gut finden.“


    Zusammengefasst hat der, im Zusammenhang mit dem Kaiserpfalzquartier propagierte, Modernismus in der Gesellschaft schon lange ausgedient und ist nur noch ein ideologisches Hirngespinst von Architekten und Stadtplanern, die all zu oft über ihre eigene Arroganz und Überheblichkeit stolpern und dabei nicht mehr für die Menschen, sondern nur noch für sich selbst arbeiten.
    Sehr schön zu sehen war dies bei der Vorstellung der Entwürfe für das Pfalzquartiers im Goslarer Museum. Was gab es für Kritik von den Experten an der Veranstaltungshalle unter dem „Grünen Hügel“. Und trotzdem konnte diese Idee die Menschen mehr überzeugen als ein Nieto Sobejano, dessen Idee darin bestand drei quadratische Kuben mit Schiefer zu verkleiden, alle mit einem Sockel zu verbinden, ein bisschen Grün aufs Dach zu pflanzen und den Leuten zu erzählen, dass er mit den Lichthöfen einen Kreuzgang imitiere.
    Das klingt verdammt nach dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Substanzlos und doch mit einem ersten Platz prämiert. Und auch hier zeigt sich, der einfache Mensch von der Straße erkennt das und straft so etwas ab.
    Und sollte mal jemand auf die Idee kommen eine traditionellere Form der Architektur vorzuschlagen, wird er umgehend von Moralisten abgestraft und in der Regel als „Mensch mit rechtem Gedankengut“ gebrandmarkt. So hat es der Professor für die Grundlagen Moderner Architektur, Stephan Trüby, vorgemacht, so ist OB Junck ihm gefolgt. Das ausmachen von „rechten Räumen“, wie es Trüby einmal formulierte, ist mittlerweile zum Patentmittel der Modernisten in jeder Architekturdebatte geworden. Deutschlandweit! Ich hatte eigentlich gehofft in Goslar auf eine sachlichere Art der Debatte zu stoßen.
    „Doch was nun?“ „Was soll man denn stattdessen bauen?“ Dies sind Fragen, mit denen man sich konfrontiert sieht und auf die es eine einfache Antwort gibt. Klassisch und doch modern! Denn es gibt auch unter den Architekten, mit denen ich hart ins Gericht gegangen bin, Ausnahmen, die sich darauf verstehen moderne Architektur in klassischer Formensprache zu entwerfen und damit bestehende Ensembles zu bereichern, neue urbane Straßenräume zu schaffen und eine stilistische Kontinuität in regionaler Bautradition zu gewährleisten.
    Vor diesem Hintergrund bin ich stolz und fühle mich geehrt den luxemburgischen Architekten, Architekturtheoretiker und Stadtplaner Leon Krier als Unterstützer meiner Petition nennen zu können, der 1995 den Europäischen Kulturpreis erhielt, zuvor 1987 mit dem Chicago American Institute of Architects Award ausgezeichnet wurde und auf weitere Auszeichnungen der Académie Française sowie den Driehaus-Architektur-Preis für klassische Architektur zurückblicken kann.
    Der 2017 zum Commander des Royal Victorian Order ernannte Leon Krier und sein Bruder, der Berliner Architekt Robert Krier (ebenfalls Unterzeichner meiner Petition) sind beides Vertreter des New Urbanism. Eine Strömung, die den fehlerhaften Entwicklungen in Architektur und Städtebau der letzten Jahrzehnte entgegensteht und sich wieder mehr an der feinen Strukturierung historischer Altstädte orientiert und architektonisch auf Kleinteiligkeit und klassische Bauformen setzt. Damit trifft der New Urbanismen die Bedürfnisse der Menschen in jeder Hinsicht besser als der brachiale Modernismus den OB Junk, Prof. Ackers und ihr personelles Umfeld gerne im Goslarer Pfalzbezirk sähen.
    Leider kennen viele Menschen diese Option nicht und verlassen sich scheinbar alternativlos auf die Architektenauswahl, die Prof. Ackers für das Kaiserpfalzquartier getroffen hat. Deshalb auch meine bereits geäußerte Kritik an einer nicht vorhandenen klassischen Variante für das Pfalzquartier.
    Ein weiteres positives Beispiel für Bauen im historischen Bestand ist das s.g. Leitbaukonzept für die Wiedergewinnung der Potsdamer Mitte. Neben den zu rekonstruierenden Leitbauten (Plögerscher Gasthof und Am Alten Markt 17) wird hauptsächlich auf Neubauten in klassischer Formensprache gesetzt. Besonders gut hat dies das Architekturbüro CG Vogel aus Berlin mit seinen Entwürfen für die Häuser „Am Alten Markt 16“ und „Schlossstraße 4“ umgesetzt.
    Einen weiteren Entwurf lieferte besagtes Architekturbüro für die Großparzelle „Schlossstraße 1-3“. In ebenden diese Diskussion um diese Parzelle brachte ich mein im Studium erworbenes Fachwissen im Bezug auf Architektur und Städtebau ein. Zwar revidierten die Stadtverordneten ihr Votum für einen anderen Entwurf nicht, dennoch erhielt ich von den Fraktionsvorsitzenden der vertretenen Parteien Lob und Wertschätzung für mein Engagement. Viele Pflichteten mir im Nachhinein auch bei.
    Lob und Wertschätzung für das kritische Hinterfragen erhielt ich in meiner Heimatstadt nur durch einzelne Leserbriefe von Bürgern. Von den Vertretern der Stadt hingegen hörte ich nichts! Und wenn ich etwas hörte, dann nur über den Block des Oberbürgermeisters. Und was ich da zu hören bekam war schlicht beleidigend.
    Bevölkerungsnähe in städtebaulichen Entscheidungsprozessen sieht anders aus. Und auch hier bietet sich das Verfahren des Sanierungsträgers ProPotsdam wieder als gutes Beispiel an. Noch bevor auch nur ein Auswahlgremium getagt hat, wurden alle Entwürfe, für jedermann zugänglich, in einer Roten Box auf dem Alten Markt gezeigt. Bürger konnten ihre Meinung äußern. Es wurde ein Einsetzmodell angefertigt wo jeder seine bevorzugten Entwürfe zu einem kompletten Stadtkarree zusammensetzen
    konnte. Und erst nach einem mehrstufigen Programm entschied sich die Auswahlkommission für die nun zu realisierenden Entwürfe.
    Anders in Goslar. Dort wurden, recht einseitig, Architekturbüros eingeladen. Dann wurde, ohne dass die Pläne öffentlich gemacht wurden, eine Vorabentscheidung getroffen. Und letztendlich wurde alles nochmal den Leuten im Museum gezeigt um den Menschen eine Akzeptanz der Entwürfe abzuringen. Ad absurdum wird dies Ganze geführt durch die Tatsache, dass zum einen es nur einer der beiden „Sieger“ geradeso auf Podium geschafft hat, während der andere komplett durchfiel. Und zum anderen dadurch, dass mir vielfach zugetragen wurde, dass man im Museum angehalten wurde sich für einen Entwurf zu entscheiden und die Möglichkeit keinen der Entwürfe zu unterstützen erst gar nicht in Aussicht gestellt und dann nur mit Zähneknirschen entgegengenommen wurde.
    Deswegen mein Plädoyer für die Zukunft. Erlauben Sie den Menschen sich vorab eine Meinung zu bilden. Bevormunden sie die Menschen nicht. Und vor allem: Trauen sie nicht zwangsläufig dem Urteil von Architekten und Stadtplanern, deren Vorstellungen sich in den meisten Fällen von denen der Bürgerinnen und Bürger unterscheiden.
    Ein weiterer Punkt, der von den Akteuren bisher gänzlich totgeschwiegen wurde sind die Richtlinien des Goslarer Gestaltungshandbuches, welches 2003 verabschiedet wurde und nach wie vor geltendes Recht ist (!!!). Und auch wenn ich in meinem offenen Brief an Herrn Dr. Junk versöhnliche Töne angeschlagen habe komme ich dennoch nicht darum herum festzustellen, dass es gerade unter OB Junk immer wieder zu massiven Verstößen gegen eben diese Gestaltungssatzung gekommen ist. Sei es das Kaiserpfalzquartier, der gläserne Anbau am Rathaus oder das bereits enthüllte Magazin des neuen Stadtarchivs am Kulturmarktplatz, welches mit Fug und Recht behaupten kann wie ein billiger Aktenschrank vom Möbeldiscounter auszusehen.
    Mit Architektur und hoher Baukunst hat das nicht mehr viel zu tun!
    Besonders entsetzt bin ich, dass dies alles mit der Zustimmung des Denkmalschutzes und von ICOMOS geschieht. Ein weiterer Beweis dafür, dass der Denkmalschutz in Deutschland janusköpfig ist.
    Im Dutzend billiger werden die Leute in Goslars Altstadt gemaßregelt was Fenster, Dächer und Türen angeht um das Stadtbild zu schützen. Viele erachten das auch nicht als schlimm, weil sie selbst hinter dem Gesamtkunstwerk Goslarer Altstadt stehen und dieses Bildnis, um das uns viele beneiden, zu erhalten und behutsam weiterzuentwickeln. Wie auch die Menschen in Quedlinburg oder Wernigerode, wo die Pflege und Weiterentwicklung von Altstadt und Welterbe eine behutsame Selbstverständlichkeit ist.
    Unverständnis kommt erst dann auf, wenn von oberster Stelle ein modernistischer „Mutausbruch“ für ein Hotel und eine Veranstaltungshalle verordnet wird. Und genau dieses Unverständnis schlägt sich in knapp 600 Unterschriften für meine Petition nieder.
    Ich bin 26 Jahre alt. Ich studiere Geschichte und Kunstgeschichte. Meine Schwerpunkte sind deutsche Geschichte im Mittelalter sowie Architektur und Städtebau. Ich bin CDU Mitglied und Diener der freiheitlich demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland.
    Ich bin weder ein Rechtsradikaler noch ein „national-konservativer Wutbürger“. Ich propagiere keine „rechten Räume“ und will auch niemandem seine Meinung streitig machen der anders denkt.
    Doch ich trete für eine Wende in der Architektur, im Städtebau und in der Denkmalpflege ein. Ich stehe hinter der Bewegung des New Urbanism und lehne den kalten Modernismus ab. Manch einer mag das als konservativ bezeichnen. Aber „konservativ“ kommt aus dem lateinischen von „conservare“, was so viel heißt wie „bewahren“. Und wenn wir über die Goslarer Altstadt reden, sollte „bewahren“ das oberste Ziel sein. Und wer dies anders sieht hat Stadt und Posten verfehlt.

    Ich werde die Petition weiterlaufen lassen. Mein Engagement bezüglich des Kaiserpfalzquartiers soll mit diesem Statement allerdings enden. Ich und viele andere Goslarerinnen und Goslarer, aber auch Auswertige, halten die Prozesse und Entscheidungen um das Kaiserpfalzquartier schlicht für falsch. Mehr gibt es dazu nicht mehr zu sagen.
    Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich bestärkt haben an meiner Kritik festzuhalten. Ich möchte allen Unterzeichnern danken und möchte mich hiermit vorerst von der Bildfläche verabschieden.

    Dankeschön.

  • Das Luftbild von der Moritzburg in Halle ist schon etwas älter. Vorn ist der Bau noch nicht ganz fertig, aber im Wesentlichen sieht man schon, worum es geht. Die beiden Burgflügel waren seit dem Dreißigjährigen Krieg Ruinen. Um die Obergeschosse für das Museum nutzbar zu machen, musste ein Dach aufgesetzt werden. Historisierend zu bauen, war keine Option, dann wäre die Ruine nicht mehr zu erkennen gewesen. Also ein modernes Dach. Das ist aus der normalen menschlichen Perspektive weniger aufdringlich als aus der Vogelschau. Die Fassaden werden von den historischen Mauern beherrscht. Auch innen dominieren die historischen Wände. Substanzverluste der Ruine wurden vermieden. Nieto und Sobejano haben sich genau auf den Ort eingestellt. Ich kenne die Moritzburg aus der Zeit vor der Erweiterung und habe sie auch danach viele Male besucht. Was Nieto und Sobejano dort geschaffen haben, ist nicht nur dem historischen Ort angemessen, es bewährt sich auch in der Praxis sehr gut. Ich leite daraus eine gewisse Hoffnung ab, dass das Projekt in Goslar nicht so schlecht ausfallen wird, wie von einigen hier befürchtet. Ich habe mir auch die dazu in Baunetz veröffentlichten Bilder angesehen, die nach der Überarbeitung des Entwurfs allerdings nicht mehr den neuesten Stand zeigen. Ich finde den Entwurf nicht schlecht.


    Es ist häufig so, dass es zu Fragen von Architektur und Städtebau unterschiedliche Auffassungen gibt. Einige Äußerungen des Goslarer Oberbürgermeisters zur Diffamierung der Kritiker des Bauprojekts haben mir ganz und gar nicht gefallen. Wir sollten uns diese intolerante Haltung nicht zum Vorbild nehmen.

  • Der Entwurf von Sabejano ist einfach ein totaler Fehlgriff, eine graue Kiste mit Flachdach und öder Rasterfassade, wie man sie inflationär landauf landab wiederfinden kann, passt einfach nicht in die Goslarer Altstadt. Auch diese Graphik verdeutlicht das mehr als deutlich. Nur leider wird der Bürgermeister mit diesem Vorhaben wohl durchkommen, weil es in Goslar offenbar zu wenige mündige "Wutbürger" gibt.

  • Das Luftbild von der Moritzburg in Halle ist schon etwas älter. Vorn ist der Bau noch nicht ganz fertig, aber im Wesentlichen sieht man schon, worum es geht. Die beiden Burgflügel waren seit dem Dreißigjährigen Krieg Ruinen. Um die Obergeschosse für das Museum nutzbar zu machen, musste ein Dach aufgesetzt werden. Historisierend zu bauen, war keine Option, dann wäre die Ruine nicht mehr zu erkennen gewesen. Also ein modernes Dach.

    Das hat aber noch nie Richtig gut Funktioniert.


    https://de.m.wikipedia.org/wik…hopitalFinkenherd2010.JPG


    Das Reicht als erklärung denke ich mal.

  • Nach der Entscheidung die Umgebung der Kaiserpfalz mit einer öden Rasterfassadenkiste zu bereichern gibt es inzwischen den nächsten Fehlgriff zu vermelden:
    Das Terrain des ehemaligen Doms soll zwar mit niedrigen Betoneinfassungen optisch nachgezeichnet werden, aber zugleich um ein recht skurriles rundes Gebilde mit der Bezeichnung "Lupe in die vergangene Zeit" ergänzt werden. Das alles macht aber überhaupt keinen Sinn, weil man - abgesehen von der Vogelperspektive - die Unterschiede zwischen nachgezeichneter Domgrundfläche und der "Lupe" kaum erkennen können wird. Womöglich werden einige Besucher sogar demnächst aus diesem Gebilde schließen der abgerissene Dom sei ein Rundbau gewesen ... :S:unsure:
    >> Bericht
    >> Visualisierung
    .

  • Mir kommt es so vor, als wollten sich einige Leute in Goslar um jeden Preis selbstverwirklichen. Koste es, was es wolle. So schwachsinnig es auch ist.

  • Die hier vorgestellten Visualisierungen und bereits real existierenden Beispiele machen wirklich sehr betroffen.


    Und dieses krampfhafte alles brechen müssen findet sich nicht nur in der Architektur, sondern überall - egal ob Literatur, Kunst, Film, etc.


    Es ist anstrengend, es lässt jeden Respekt missen und ist vor allem maximal egozentrisch.


    Manchmal trauert man in dieser Zeit zu leben.