Goslar - Kaiserpfalz-Quartier

  • Wow, die Fotomontage ist ja richtig aufschlussreich. Schade dass der Dom nicht mehr vorhanden ist, in Verbindung mit der Pfalz hätte man damit ein vollständiges Ensemble mittelalterlich-kaiserlicher Herrschaftsarchitektur. Aber als der Dom vor 200 Jahren abgerissen wurde fehlte leider noch das entsprechende Geschichtsbewusstsein, was auch Heinrich Heine nach einer Reise nach Goslar beklagte: "Ich hatte von dem uralten Dom und von dem berühmten Kaiserstuhl gelesen. Als ich aber beides besehen wollte, sagte man mir: der Dom sei niedergerissen und der Kaiserstuhl nach Berlin gebracht worden. Wir leben in einer bedeutungsschweren Zeit: Tausendjährige Dome werden abgebrochen und Kaiserstühle in die Rumpelkammer geworfen." Der Kaiserstuhl ist aber heute wieder in Goslar und grandios in der Domvorhalle inszeniert.


    Der Dom ist vor ein paar Jahren übrigens von der TU Clausthal virtuell rekonstruiert worden, dazu gibt es ein >> Video

  • Der Kaiserstuhl ist aber heute wieder in Goslar und grandios in der Domvorhalle inszeniert.

    Da ist nur die steinerne Brüstung von original. Die Bronze-Armlehnen sind nur eine Kopie. Die echten stehen in der Pfalz im s.g. Wintersaal. :wink:


    Ja die Rekonstruktion der TU Clausthal ist wirklich sehenswert. Auch wenn da einige Dinge noch strittig sind.


    Zu den Leserbriefen: Ich war schon einigermaßen überrascht, wie viele positive Leserbriefe zu meinem ursprünglichen plötzlich in der Goslarschen Zeitung auftauchen. Und das obwohl die Stadt, speziell der Oberbürgermeister sich so für die aktuellen Entwürfe feiert! :kopfschuetteln:

  • @Der Kurfürst bevor wir über den "Dom" sprechen müssen wir uns mit dem beschäftigen was als nächstes ansteht. Und das ist der modernistische Müll der da zur Disposition steht. In diesem Zusammenhang wäre es zu überlegen die 1964 abgerissene Domkaserne zu rekonstruiert. Dort könnte dann das Hotel einziehen.

  • Da der Prozess in Goslar schon sehr weit fortgeschritten ist und die Stadt ja absolut überzeugt ist von diesem architektonischen Mist, werden wir uns wohl von dem Gedanken verabschieden müssen dort noch große Änderungen vorzunehmen. Es gilt jetzt der Stadt Vorschläge zu unterbreiten, wie man die aktuellen Entwürfe noch für das historische Umfeld sensibilisieren kann. Am meisten Potential hat dabei noch der Entwurf von Auer Weber. :unsure:


    Ad hoc habe ich mal einen Alternativentwurf gezeichnet, der auf der Raumaufteilung von Auer Weber beruht, wohl aber eine zu radikale Änderung der aktuellen Pläne darstellt und somit für die Entscheidungsträger der Stadt uninteressant sein dürfte. Trotzdem wollte ich euch das nicht vorenthalten. ;)

  • Aber Du könntest den Entwurf durchaus mal der Presse und den Entscheidungsträgern zukommen lassen. Zusammen mit einem Leserbrief/Bürgerbrief. Vielleicht wird er von der Presse ja veröffentlicht, sofern Du ihn etwas erklärst.

  • OB Junk holt zum Gegebschlag aus! Ein Bericht aus der Goslarschen Zeitung:


    Goslar. „Dumm ist nur, dass wir so ein Ding nur einmal bauen können“, sagte Architekt Axel Lohrer bei der Ausstellungseröffnung im Goslarer Museum. Dort kann sich bis zum 28. Juli jeder kostenlos die Siegerentwürfe für Hotel, Tiefgarage und Veranstaltungshalle anschauen, die im Kaiserpfalzquartier entstehen sollen.
    „Neue Perspektiven“ lautet das Motto. Lohrer ist Fachjuror der Jury, die am 15. Mai die zwei Sieger des Architektenwettbewerbes gekürt hat. „Ein intensives Ringen“ nannte der Münchener die Entscheidungsfindung.
    Schwierige Wahl
    Er nahm die Besucher im Museum noch einmal mit auf diesen schwierigen Weg. Die Jury setzte sich aus Ratsmitgliedern, Verwaltungsmitarbeitern, Denkmalschützern, Investoren und Architekten zusammen. Und die galt es, innerhalb eines Tages in eine gemeinsame Richtung zu bringen. Wo sollen die Prioritäten liegen? Welche Gebäude sollen besonders zur Geltung kommen, welche sich dezent einfügen, welche historischen Bezüge sind wichtig, welche Sichtachsen zur Kaiserpfalz müssen gegeben sein? Enorm viele Details spielten eine Rolle.
    „Wir haben uns richtig festgefressen“, sagte Lohrer. Jeder Entwurf habe seine Vorzüge gehabt. Ein Problem bei Wettbewerben sei, dass man mit
    den Architekten vor der Entscheidung nicht noch einmal in Kontakt treten
    könne. Denn am Ende des Tages gelte das Highlander-Prinzip: „Es kann
    nur einen geben“, fasste der Fachjuror zusammen. Ganz so radikal lief es
    beim Pfalz-Wettbewerb dann doch nicht: Am Ende siegten die beiden Büros
    „Nieto Sobejano Arquitectos“ aus Berlin sowie „Auer und Weber
    Architekten“ aus Stuttgart. Beide waren mit mehreren Mitarbeitern bei
    der Ausstellungseröffnung anwesend, um ihre Entwürfe zu erläutern. Diese
    werden bis zum 27. August noch einmal nachgebessert, dann wird der
    endgültige Sieger gekürt.
    Die Entwürfe haben nicht nur Beifall erzeugt. Einige kritische Leserbriefe hat die GZ bereits abgedruckt. Oberbürgermeister (OB) Dr. Oliver Junk findet es erst einmal gut, dass das Projekt Pfalzquartier die angemessene Aufmerksamkeit bekommt. Immerhin handele es sich um ein Vorhaben, „das über mehrere Generationen in die Zukunft wirken wird“.
    Den Weg weitergehen
    Junk machte aber auch klar: „Wir wollen diesen Weg weitergehen.“ Eine Entwicklung, die vor Jahren mit den „zum Glück beerdigten“ ECE-Einkaufscenter-Plänen begonnen hatte und die die Verhandlungen mit der Tescom, der Immobilienfirma von Ehrenbürger Hans-Joachim Tessner, zur Folge hatte, nehme nun konkrete Formen an. Man dürfe nun aber nicht verzagt rangehen, entgegnete Junk den Bedenkenträgern, die bei den geplanten Neubauten eine zu moderne und unpassende Bauweise befürchten. Goslar sei halt kein „Freilichtmuseum“, so Junk. „Jetzt braucht‘s auch mal Mut“, schob er hinterher. Man solle nicht zu diesem Zeitpunkt beginnen „über Giebel oder Fenstergrößen“ zu diskutieren. Lohrer pflichtete ihm bei: Bisher seien gerade einmal drei Prozent des Planungsprozesses abgeschlossen.
    Für den verhinderten Hans-Joachim Tessner bedankte sich Tochter Anke Tessner-Schreyeck bei den Projektbeteiligten. Ihr würden viele Bürger mit Begeisterung begegnen. Man schaffe einen einmaligen Raum für „Begegnungen und Erinnerungen“ im Herzen der Stadt.


    Der Mann ist so von diesem architektonischen Schrott überzeugt.........Schlimm!!!

  • Sensationelle Meldung:
    Wie heute zahlreiche Medien berichten sind bei Georadar-Messungen die recht gut und fast vollständig erhaltenen Grundmauern und Fundamente des ehemaligen Goslarer Doms (vgl. Fotomontage), seiner Krypta und des Kreuzgangs nachgewiesen worden. Das ist um so erstaunlicher, weil man bisher davon ausgegangen war dass beim Dom-Abriss vor 200 Jahren auch sämtliche Fundamente beseitigt worden sind. Das niedersächsische Amt für Denkmalpflege spricht von einem "Bodendenkmal von nationaler Bedeutung".
    Weniger erfreulich ist aber die Tatsache dass die Fundamente offenbar nicht ausgegraben und freigelegt werden sollen. In den Medien heißt es dass durch das Ausgraben die Fundamente zu stark beschädigt und auch nicht dauerhaft gesichert werden könnten. Ich meine dass man sich trotz dieser Schwierigkeiten was einfallen lassen sollte (vielleicht die freigelegten Fundamente mit Glasplatten abdecken?). Und welchen Reiz ein Bodendenkmal haben kann lässt sich z.B. in Trier beobachten. Dort sind die Fundamente der römischen Thermen freigelegt und können problemlos besichtigt werden.


    Links:
    https://www.bild.de/regional/h…tdeckt-62627580.bild.html
    https://www.ndr.de/nachrichten…uellbraunschweig2538.html
    Und hier gibt es ein Messbild:
    https://regionalgoslar.de/geor…undriss-der-stiftskirche/
    .

  • Ein Leserbrief eines Architekten!!!! :blah::blah::blah::blah::blah:


    Oliver Heinrich, Architekt, Goslar, zu den Leserbriefen von Inge Busch „Altstadt ist das Tafelsilber von Goslar“ und Petra Fehrecke „Bunker zerstören das Flair der Altstadt“ (GZ vom 07. Juni 2019)
    Von der Antike über die Romanik, die Gotik, die Renaissance, der Barock bis zur Bauhaus Architektur hat sich das Stadtbild immer wieder der Zeit und den unterschiedlichen Geschmäckern angepasst. Nur weil im Auge des Betrachters Neues uns so anders vorkommt, muss es deswegen per se nicht schlecht sein. Das Kaiserpfalzquartier im Zusammenhang mit Kulturmarktplatz und dem historischen Rathausumbau ist nur die logische konsequente städtebauliche Weiterentwicklung einer guten Innenstadtentwicklung. Man kann Wege gehen, wie den ursprünglichen Römer in Frankfurt mit historischem Gewand nachzuempfinden. Das kann man gut finden, muss man aber nicht. Jede Epoche, wie anfangs beschrieben, hat ihre Fußspuren hinterlassen. Das jetzige Kaiserpfalzprojekt ist eine gute städtebauliche Entwicklung und daher ist es richtig, konsequent und mutig die zeitgenössische Architektur des 21. Jahrhunderts auch als ein Teil der Architekturgeschichte dieser Stadt zu sehen. Generationen nach uns werden den Mut der Jetzigen einzuschätzen wissen. Stadtentwicklung muss und soll mehr sein als eine Geschmacksfrage Einzelner, sonst hätten sich Städte nie weiterentwickelt und die tollen Epochen wie die Romanik, die Gotik, die Renaissance, der Barock und die Bauhaus Architektur wären uns vorenthalten geblieben.

  • Von der Antike über die Romanik, die Gotik, die Renaissance, den Barock bis zur Bauhaus Architektur wurde nicht im Entferntesten so ein Mist gebaut, wie dort vorgestellt. Die vom Effizienzkapitalismus geprägten Bauschaffenden haben leider jedes Gespür für Schönheit verloren. Ein Gebäude muss Aufwand signalisieren, damit man es überhaupt als authentisch wahrnimmt. Wie geschrieben nehmen die Leser aber das Geplante als Bunker wahr. Und damit haben sie leider so verdammt Recht, so sehr sie es auch nicht wahr haben wollen.


    Und genau deshalb ist diese Art von Bau auch per se schlecht, ja grottenschlecht, oder kurz gesagt zum Kotzen, wenn sie es genau wissen wollen. Wenn ich sehe, wie der arrogante Westen sich heutzutage noch - obwohl es nicht sein müsste - bedingt durch Bonzenfilz Schritt für Schritt verunstaltet, hoffe ich sehr, dass die meisten ihrer Kollegen diese Erde bald verlassen werden. Modernistische Architekten sind allesamt größenwahnsinnig, empathielos und von Ideologie besessen, so wie es die Nazis einst waren. Auch ihre Bauprodukte ähneln sich: Hier ein Bunker, dort ein Betonklotz, da ein brutaler Bruch in der Landschaft oder was mit Schießscharten...


    Das kann man gut finden, muss man aber nicht. Jede Epoche, wie anfangs beschrieben, hat ihre Fußspuren hinterlassen. Das jetzige Kaiserpfalzprojekt ist eine gute städtebauliche Entwicklung und daher ist es richtig, konsequent und mutig die zeitgenössische Architektur des 21. Jahrhunderts in Form von Rekonstruktionen auch als ein Teil der Architekturgeschichte dieser Stadt zu sehen. Generationen nach uns werden den Mut der Jetzigen pro Rekonstruktion einzuschätzen wissen. Stadtentwicklung muss und soll mehr sein als eine Geschmacksfrage einzelner modernistischer Architekten, sonst hätten sich Städte nie weiterentwickelt.

  • @Goldstein wäre eine gute Antwort auf diesen Leser-Müll, der offensichtlich keiner ist. Denn wenn man den Architekten Heinrich aus Goslar googlet erhält man die Info, dass der Mann Chef beim Goslarer Gebäudemanagement ist und somit Angestellter der Stadt. Wer da böses denkt :saint:
    Nur auf die Kraftausdrücke würde ich verzichten. :biggrin:
    Bei unserer Petition hat übrigens auch Prominenz in Form des international renomierten Architekten und Architekturkritikers Leon Krier unterschrieben. Krier ist ein Vertreter des New Urbanism und war ein großer Fürsprecher der Frankfurter Altstadt und des Dresdener Neumarktes. Ich war so frei ihn um eine Stellungnahme zu bitten, die unabhängig vom Statement von Stadtbild Deutschland demnächst an die Stadt Goslar und die Presse geschickt wird.



    mutig die zeitgenössische Architektur des 21. Jahrhunderts in Form von Rekonstruktionen auch als ein Teil der Architekturgeschichte dieser Stadt zu sehen.

    Pflichte ich dir prinzipiell bei. Allerdings wäre hier maximal eine Rekonstruktion der Domkaserne von 1830 drin. Vorher hat auf dem Gelände außer ein paar mini-Häusern des Dom-Stiftes, von denen wir nicht mal genau wissen wie sie aussahen, und den mittelalterlichen Befestigungsanlagen nix gestanden. Von daher wäre hier eine Neubebeuung mit historisierenden Fassaden auch durchaus akzeptabel. ;);) Vielleicht sogar die bessere Variante :huh::huh:

  • Vorher hat auf dem Gelände außer ein paar mini-Häusern des Dom-Stiftes, von denen wir nicht mal genau wissen wie sie aussahen, und den mittelalterlichen Befestigungsanlagen nix gestanden.


    Dann ist diese leider undatierte Rekonstruktionszeichnung wohl nur auf Vermutungen basierend?

    Bildquelle: http://diathek.kunstgesch.uni-…iew/fullview.php?id=20283

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Dann ist diese leider undatierte Rekonstruktionszeichnung wohl nur auf Vermutungen basierend?

    Ja und Nein. Wir wissen anhand von Zeichnungen, Stadtplänen von Merian und anderen Quellen wie die Bebauung dort ungefähr ausgesehen hat. Allerdings sind da noch viele Grauzonen. Meines Wissens nach stammt der zuverlässigste Rekonstruktionsversuch vom Goslarer Heimatforscher Hans Günther Griep, der leider vor einigen Jahren hochbetagt gestorben ist unserem Anliegen aber vermutlich bepflichten würde!


    Die von dir geteilte Ansicht zeigt das Entwicklungsareal nur ganz am Rande. Auf dieser Rekonstruktion ist sogar garkeine Bebauung zu erkennen.


    Hier noch die Rekonstruktion der gesamten Pfalzanlage von Griep um 1500!

  • Womit solche Äußerungen in der Öffentlichkeit eigentlich unzulässig sind...

    Ob sie unzulässig sind kann ich nicht beurteilen. Klar dürfte aber sein, dass der Mann stark befangen ist und wir durchaus in Zweifel ziehen dürfen, dass er diesen Leserbrief aus freien Stücken geschrieben hat, da die Stadtverwaltung und der OB in ihrem Tunnelblick alle Kritik versuchen im Keim zu ersticken. Sogar die Presse beginnt dieses Spielchen mitzuspielen. Ein weiterer Leserbrief von mir, in dem ich bezug auf die Äußerungen von OB Junk nehme, dass Goslar ja kein "Freilichtmuseum" sei und das wir nicht über Fensterhöhen und Giebel reden dürfen, wurde unkommentiert, garnicht erst veröffentlicht. Meine Kritik lautete: "Mit diesen Äußerungen disqualifiziert sich OB Junk in der Debatte selbst. Wer es nicht für nötig hält im UNESCO-Weltkulturerbe über Fensterhöhen und Giebel zu diskutieren ist als Oberbürgermeister einer Welterbestadt nicht länger tragbar."

  • @Knobelsdorfff92


    Sehr gut und großartiges Engagement! Habe die Meldung einer Cousine geschickt, die im wunderschönen Goslar wohnt! Sie kannte diese angedachte Bausünde noch nicht und war dementsprechend geschockt! Da sie sich in der katholischen Gemeinde sehr engagiert, wird sie das intern publik machen und ihren Unmut weitertragen! Ich habe sie gebeten mich am Laufenden zu halten, den Link dieses Strangs weitergeleitet und gebeten ev sich hier auch anzumelden. Es werden hoffentlich immer mehr, die sich so etwas nicht mehr bieten lassen wollen! Durch die sozialen Medien geht das heute glücklicherweise sehr schnell!


    Hochmut kommt vor dem Fall und die CDU bzw das was sich heutzutage noch so nennt, wird in Bälde den Weg der SPD gehen. Man kann nur hoffen, dass nicht vorher wieder die Weichen gegen die Wand gestellt werden!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ist natürlich schade, dass der Artikel hinter der Bezahlschranke steht. Dennoch wichtig und richtig, hier Stellung zu beziehen.


    Übrigens wachsen wir nun stärker und konnten jüngst unser 500. Mitglied begrüßen :)