Goslar - Kaiserpfalz-Quartier

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    • Goslar - Kaiserpfalz-Quartier

      Moin moin.

      Schön hier auch mal was über Goslar zu lesen.

      Nun zu meinem Anliegen. Seit geraumer Zeit steht im Raum, dass das tote Areal der BGS, in unmittelbaren Umfeld zu salischen Kaiserpfalz aus dem 11 Jh., neu bebaut werden soll. Wie ich finde, eigentlich eine gute Idee. Entstehen sollte ursprünglich ein Hotel und ein Tagungszentrum. Zudem sollte der Parkplatz auf dem ehemaligen Standort der Stiftskirche St. Simon und Judas, ebenfalls 11. Jh., von dem leider nur noch die Vorhalle erhalten ist, durch einen öffentlichen Park inkl. Stadtplatz ersetzt werden, was ich persönlich sehr begrüße. Ebenso wie den Abriss des Waschbetonbaus der BGS.

      Nun soll zusätzlich auf dem Areal noch eine Multifunktions-/ Eventhalle entstehen. :kopfschuetteln:
      Ungeachtet der Tatsache, dass ich diesen ort für absolut ungeeignet halte um dort eine solche Halle zu errichten bleibt zu befürchten, dass, ebenso wie das Hotel, hier durch schlechte und überdimensionierte "Architektur" ein wichtiges historisches Ensamble massiv gestört wird und die Pfalz droht zum "Anbau" zu verkommen. :kopfwand:

      Falls es hier Interessiert gibt würde mich eure Meinung interessieren.

      goslar.de/stadt-buerger/stadtentwicklung/kaiserpfalzquartier
    • Falls dieser Fall bei Stadtbild Deutschland auf ausreichend Resonan stößt, wäre es vielleicht zu überlegung, im Namen des Vereins, eine öffentliche Stellungnahme abzugeben und allgemeine Richtlinien für die Gestaltung in Proportionen und Materialität, sowie klare Gebäudeanordnungen auf dem Areal zu fordern.

      Zudem sollte im Vorfeld ein öffentlicher Diskurs über die Fassadengestaltung geführt werden mit Visualisierungen des abschließenden Gesamtbildes. Dies sollte allerdings vor Vergabe der Bauaufträge geschehen um noch intervenieren zu können.

      P.S. ich werde, im Rahmen meiner Möglichkeiten, in den nächsten Tagen einen oder zwei Gegenentwürfe zu Papier bringen und hier hochladen. :dichter:

      The post was edited 1 time, last by Knobelsdorfff92 ().

    • Knobelsdorff92, vielen Dank für deinen Vorschlag und dein Engagement! Sehr gerne möchte ich als Pressesprecher eine solche Stellungnahme unterstützen und ich denke, der restliche Vorstand hätte auch nichts dagegen. Ich bin gespannt auf deine Gegenentwürfe und deinen inhaltlichen Input. Ich benötige eure Vorschläge, welche Kriterien euch bei dem künftigen Ensemble wichtig sind, bitte möglichst konkret vorformuliert, damit wir hier vorab darüber diskutieren können.
    • Manuel Re, vielen Dank für die positive Resonanz. Da meine Zeit momentan Begrenzt ist, müssen meine Entwürfe noch ein paar Tage auf sich warten lassen.

      Allerdings habe ich mir natürlich schon einige Gedanken bezüglich der allgemeinen Gestaltungskriterien für das Hotel gemacht.

      1. Höhenprofil

      Das Höhenprofil sollte die durchschnittliche Firsthöhe der übrigen Gebäude als Maßstab nehmen. Dies impliziert perse Satteldächer, die zwingend notwendig sind. Gauben und Schleppen sind zur Auflockerung der Dachflächen ausdrücklich erwünscht.

      2. Materialität

      Da der Gebäudekern wahrscheinlich wieder aus Beton bzw. Dämmsteinen errichtet wird, geht es hier vornehmlich um eine Verblendung.

      Eine historisierende Variante könnte im Erdgeschoss Putz und in den Obergeschossen Verblendfachwerk aufgreifen.

      Um den beiden Bestandsgebäuden am Platz gerecht zu werden, wäre auch eine Verblendung mit Sandstein denkbar, da dies auch das Charakteristikum des Pfalzbezirks aufgreifen würde.

      Ebenso wäre denkbar, um der Stadtgeschichte Rechnung zu tragen, eine von Schiefer dominierte Fassade.


      3. Fenster

      Zunächst sollte gefordert werden, dass es klare Fensterachsen geben sollte. Sprossenfenster wären wünschenswert, müssen aber, aufgrund der etwas abgelgenen Lage, nicht zwangsläufig den Ausschlag geben. Sollte eine historisierende Sandsteinfassade in Betracht kommen könnte man auch, wiederum das romanische Flair des Pfalzbezirks stützend, über Rundbogenfenster diskutieren, auch wenn diese in Zeiten des Modernismus wohl kaum auf breite Zustimmung träfen und somit vom Bauherren perse ausgeschlossen würden.


      4. Plastiken

      Entwas extravagant wären bei einem Fachwerkbau vielleicht geschnitze Schriftzüge, die das Baujahr aufgreifen. Aber dies wäre wirklich nur Spielerei.

      Wichtig ist eine klar struckturierte Fassade. Bei Entwürfen, deren Fassaden ausschließlich in Putz gehalten sind, sollten aber Konsolen und Gesimse sowie abgehobene Fenstereinfassungen kein Tabuthema sein.


      5. Anordnung der Gebäude im Areal

      Wie auf den Entwürfen zu sehen scheint mit der asymetrischen Anordnung der Gebäude ein Bruch suggeriert zu werden. Natürlich zeichnen sich vor allem mittelalterliche Städte dadurch aus, dass Verwinkelungen da sind. Und dies gibt diesen alten Städten ja auch ihr Flair. Allerdings bei einem solch beschränkten Areal und der geringen Anzahl von Neubauten sollte darauf geachtet werden doch ein mindestmaß an Gebäudeausrichtung untereinander zu gewährleisten.


      6. Die Multifunktionshalle (optional)

      Prinzipiell ist eine Eventhalle innerhalb des historischen Mauerrings abzulehen. Abgesehen von den begrenzten Möglichkeiten neue Parkflächen zu schaffen ist ein solcher Bau nicht im Sinne eines kleinteiligen Gesamtbildes. Schon garnicht als quadratischer Zentralbau. Im hinblick auf die Bedeutung der Stadt als UNESCO-Weltkulturerbe sollten ausschließlich Richtungsbauten entstehen. Zwar sind Zentralbauten ein Charakteristikum des Mittelalters wie beispielsweise der Aachener Dom oder die Kirchen in Ravenna.

      Für eine Stadt wie Goslar ist dies aber nicht zu empfehlen. Ein Hauptkriterium zu Ablehnung einer solchen Halle ist auch die Nähe zu historischen Pfalz. Ein Bau an dieser Stelle sollte die Proportionen der Aula Regia aus dem 11. Jahrhundert nicht in den Schatten stellen. Dies gilt im Übrigen auch für das Hotel.

      Aufgrund der Hanglage des Areals, wäre vielleicht ein "unterirdischer" Veranstaltungssaal denkbar. Dabei müsste sich aber ein Experte noch mit der Thematik "Fluchtwege und Brandschutz" auseinandersetzen.

      Überirdisch würde es dann einen, vielleicht sogar modernen, Eingangsbau geben, der allerdings sich in der Materialität an den lokalen Besonderheiten orientiert (z.B. Schiefer). Dieser würde sich dann in der Höhe auf ein Erdgeschoss begrenzen.


      7. Tagungsräume

      Die Kulisse der Goslarer Altstadt und der umliegenden Berge ist ideal für ein Arbeitsklima bei Kongressen und Tagungen. Sollte diese Nutzung ebenfalls auf dem Areal initiiert werden, wären durchaus kleine, vollverglaste Pavillons denkbar. Diese könnten an das Hotel angebaut werden mit Blick über die Stadt. Im selben Stiel wäre auch ein kleiner Wintergarten als Frühstücksraum für das Hotel denkbar.



      8. Begrünung
      Da sich das Quartier an die ehemaligen Wall,- und Befestigungsanlagen(welche in diesem Bereich nicht mehr vorhanden sind) anschmiegt, sollte auf eine ausreichende, diese Anlagen aufgreifende Bepflanzung geachtet werden. Neben Bäumen sollten auch Rasenflächen bedacht werden, damit der Platz nicht zur Steinwüste avanciert. (-> Berliner Schlossumfeld)

      9. Tiefgarage
      Da im Zuge der Umgestaltung gleich zwei innerstädtische Plarkplätze wegfallen ist die Installation einer Tiefgarage unumgänglich. Bei Realisierung der unterirdischen Multifunktionshalle würde diese Möglichkeit jedoch entfallen. Darum noch einmal ein Plädoyer gegen diese Halle an diesem Standort.
      Die Zufahrten zur Tiefgarage müssten dann mit den übrigen Gebäudeplanungen abgestimmt werden

      10. Dompark/Stiftsgarten
      Diese Maßnahme ist nur zu Begrüßen. Ein so wichtiger historischer Ort wie der Standort der Stiftskirche St. Simon und Judas, im Allgemeinen besser bekannt als "Goslarer Dom", sollte nicht dauerhaft durch parkende Autos und REisebusse verstellt werden. Dann würde auch die noch erhaltene Vorhalle wieder besser zu Geltung kommen. Die jetzige Erinnerung an die Kirche in Form des ins Pflaster eingelassenen Grundrisses sollte in einer Parkanlage weiterhin erkennbar bleiben. Zudem wären hier weitere Infotafeln zur Geschichte und Aussehen des Stiftes wünschenswert, sofern nicht schon eingeplant.


      Eindeutige Ablehnung:



      - überdimensionierte Bauten, die die Silhouette der Stadt stören

      - Glas,- Beton,- und Metallfassaden, sowie Fassaden aus nicht ortstypischen Materialien

      - unproportionale Fenstergrößen und asymetrische Anordung sowie Fenster(achsen) in Gitterrost-Optik

      - Flachdächer


      Ich hoffe diese 10 Punkte bieten eine ausreichende Grundlage für eine Diskussion. ;)
    • Hallo nochmals an alle Interessierten.

      Ohne hier großartig Panik veerbreiten zu wollen möchte ich doch zeitnah in eine Disskusion einsteigen, die dann die Basis für unsere Stellungnahme bildet.
      Da aus der Presse zu entnehmen ist, dass die Ziele für das Quartier immer konkreter werden, müsste möglichst schnell gehandelt werden.
      Ich gebe zu, dass ich selbst auch ein wenig mitschuld trage, da ich erst so spät auf dieses Thema aufmerksam gemacht habe. Aber ich möchte wirklcih dringend diese wunderschöne Stadt vor einem großen Fehler bewahren.

      Als Ansprechpartner der Stadt zu diesem Thema sind folgende Kontakte ausgewiesen:




      Ansprechpartner bei der Stadt Goslar:
      Stadt Goslar - Fachdienst Wirtschaftsförderung und strategische Entwicklung
      Dirk Becker, Tel. 05321 704-200, E-Mail: dirk.becker@goslar.de
      Rosemarie Walter, Tel. 05321 704-343, E-Mail: rosemarie.walter@goslar.de


      Theoretisch würde ich meine im vorherigen Beitrag geäußerten Anregungen und Forderungen der Stadt auch persönlich unterbreiten; allerdings wird die Intervention eines überregionalen Vereins mit sachkundigen Vertretern doch nocheinmal anders wahrgenommen als der Input eines einzelnen.


      Hier nocheinmal die letzte mir bekannte Präsentation(goslar.de/images/stadt-buerger…kers_Partner_Stdtebau.pdf), die schon einige Denkanstöße aufweist bezgl. Einfügung in das gesamte Stadtbild. Allerdings weiß man von anderen Beispielen in ganz Deutschland, dass diese Floskel viel Interpretationsspielraum lässt und nicht unbedingt das hält, was auf den ersten Blick suggeriert wird.
    • Mach doch einfach schonmal einen Entwurf für eine Formulierung!

      Es bringt immer mehr, wenn auch mehrere Briefe solcher Art eingehen, sowohl von größeren Akteuren als auch Einzelpersonen. Mitunter werden Einzelpersonen sogar ernster genommen, weil das persönlicher ist und eben nicht nach Lobbyismus aussieht.
    • Knobelsdorfff92 wrote:

      Nun zu meinem Anliegen. Seit geraumer Zeit steht im Raum, dass das tote Areal der BGS, in unmittelbaren Umfeld zu salischen Kaiserpfalz aus dem 11 Jh., neu bebaut werden soll. Wie ich finde, eigentlich eine gute Idee. Entstehen sollte ursprünglich ein Hotel und ein Tagungszentrum. Zudem sollte der Parkplatz auf dem ehemaligen Standort der Stiftskirche St. Simon und Judas, ebenfalls 11. Jh., von dem leider nur noch die Vorhalle erhalten ist, durch einen öffentlichen Park inkl. Stadtplatz ersetzt werden, was ich persönlich sehr begrüße. Ebenso wie den Abriss des Waschbetonbaus der BGS.
      Ich sehe hier bisher durchaus positive Ansätze. Die jetzige Situation mit diesen Waschbetonbauten kann ja eigentlich nur besser werden. Auch der Parkplatz um die Domvorhalle ist keine gute Lösung, um die historische Bedeutung dieses Ortes zu würdigen. Die Parkplätze sollen ja zurückgebaut werden zu Parkanlagen. Absolut begrüßenswert!

      Die Neubauten sind meiner Ansicht nach auch weit genug entfernt geplant, dass das Ensemble der Kaiserpfalz und der Domvorhalle nicht beeinträchtigt werden, insofern man sich in den Dimensionen beschränkt. Wenn ich es richtig sehe, gibt es auch noch keine konkreten Pläne für das aufgehende Mauerwerk.

      In ihrer Gesamtheit würde ich die Pläne vorerst als positiv bezeichnen.
      Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger
      Unterstützt den Verein ehrenamtlich als technischer Administrator und Webdesigner
    • tegula

      Prinzipiell stehe ich der Belebung dieser Ecke durchaus positiv gegenüber. Ich bestreite auch nicht, dass die Pläne auch Potential haben. Aber es ist eben Potential und keine Garantie. Und da muss man intervenieren und der Stadt klar sagen "dass ist ok und das nicht"

      In der Vergangeheit hat Goslar bereits durch Bauvorhaben auf sich Aufmerksam gemacht, die die UNESCO dazu veranlasst haben, bei einer Realisierung, der Stadt das Welterbe-Prädikat zu entziehen. Gott sei Dank wurden diese Pläne wieder verworfen. Wie es mit den Welterbeansprüchen an diesem, wie Sie schon richtig festgestellt haben, exponierten Platz aussieht, kann ich nicht beurteilen.

      Trotzdem ist es meiner Meinung nach unumgänglich der Stadt Gestaltungsanregungen zu unterbreiten, um "Betonbunkern", "Gewächshäusern" und/oder "Wellblechhütten" vorzubeugen. Ebenso wie monolitischen Bauten.
      Wenn man die Nähe zur Pfalz berücksichtigt, die Sie, meiner Empfindung nach und ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, doch etwas unterschätzen, muss man das Ganze als Ensamble begreifen, da hier auch das Pfalzquartier in seinen mittelalterlichen Dimensionen wieder aufgegriffen wird.

      Rein Theoretisch sind mir die historischen Gebäude im Westen des platzes auch schon etwas zu groß geraten. Aber sie gleichen dieses Defizit durch ihre Gestaltung wieder aus.

      Im Bezug auf das Hotel finde ich die Pläne für die Ausrichtung mittlerweile doch ganz annehmbar, doch wirkt der Bau in seinen Diemensionen unverhältnismäßig. An der Stelle sollte nachjustiert werden.

      Wie schon erwähnt, und von Ihnen bestätigt, begrüße ich die Entscheidung zum "Dompark/Stiftsgarten". Die jetzige Situation ist städtebaulich, ästhetisch und kulturell eine Katastrophe.

      Was mir schwer im Magen liegt ist die Multifunktionshalle. Ich bin der Auffassung, dass es auf konventionelle Weise nicht möglich ist eben eine solchen im Sanierungsgebiet zu errichten, ohne dass sie "klotzig" wirkt. Darum plädire ich dafür, eine Eventhalle etwas weiter außerhalb zu bauen und einen Shuttleservice vom Schützenplatz am Osterfeld zu initiieren. Eben solche Verfahren gibt es auch in anderen Städten.

      Wo wir uns glaube alle einig sind ist, dass es dringen eine Tiefgarage geben muss.

      Ebenso ist der Ansatz nur zu begrüßen mehr Grünflächen anzulegen. Vor allem im Bereich der ehemaligen Wallanlagen.

      Ein Museum an dieser Stelle ist auch denkbar. Die Frage wäre dann nur, was dort gezeigt werden soll, da Goslar eigentlich schon gut eingedeckt ist. Für die allgemeine Stadtgeschichte stehen das Stadtmuseum und die Kaiserpfalz zur Verfügung. Moderne Kunst wird im Mönchehaus-Museum gezeigt. In der ehemaligen Lohmühle präsentiert sich das Zinnfigurenmuseum. Und das Rammelsbergwerk behandelt die 1000-jährige Bergbaugeschichte. Am sinnvollsten wäre ein Museum, dass sich mit dem "Dom" auseinandersetzt. Allerdings würde dieses der Pfalz und dem Stadtmuseum wichtige Exponate entziehen.
      Ebenso müsste auch hier über Gestaltung und Dimensionen gesprochen werden.

      Prinzipiell ist dies das A und O!!!

      Ich hoffe wir kommen da zusammen ;)

      P.S. Ich werde mich mal bei der bei der Stadt erkundigen, wie der jetzige Stand der Dinge ist und ob es Verlautbarungen von der Tessner-Gruppe gibt, die der Stadt ja unbedingt diese Halle schenken möchte.
    • knobelsdorfff92, gibt es schon was Neues? Ich habe jetzt etwas freie zeitliche Kapazitäten und würde mich gerne ans Formulieren machen. Hast du schon konkrete Vorschläge? Wenn du Vereinsmitglied bist, wäre für unsere Pressearbeit vielleicht auch ein Foto von dir vor dem Objekt wichtig, dass wir dann der Presse zuschicken könnten. Das erleichtert die Ö-Arbeit oft sehr, als wenn wir nur eine textliche Miteilung ablassen.
    • Hallo Manuel Re.

      Leider nicht. ICh habe die Stadt Goslar angeschrieben und nach dem aktuellen Stand der Dinge gefragt und erstmal allgemein Gründe für mein Interesse an dem Projekt geäußert.

      Bis Dato habe ich keine Antwort erhalten.

      Von daher müssen wir etwas allgemeingültiges formulieren. Da wir ja noch nichts über den Aufriss der Gebäude wissen, sollte der Text im Stil eines Empfehlungsschreiben verfasst werden. Wenn sich im Laufe der Zeit herrauskristallisieren sollte, dass die Gestaltung doch in eine falsche Richtung läuft, können wir immer noch energischere Töne anschlagen.

      Wichtig ist nun Taktgefühl. Vor allem um auch die Goslarer Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren.

      Des Weiteren wäre ich gerne bereit ein Foto für den Beitrag beizusteuern. Da ich mich momentan und bis auf Weiteres in Düsseldorf aufhalte, wird das mit dem Objektfoto schwierig. Aber daran soll es nicht scheitern. ;)
    • Sehr geehrte Frau Walter, sehr geehrter Herr Becker, sehr geehrte Stadträte,

      der Verein "Stadtbild Deutschland e.V." setzt sich ehrenamtlich und bundesweit für Denkmalschutz, für Rekonstruktionen sowie für hochwertige und zum Stadtbild und deren Bautradition passende neue Architektur ein. Unser Verein versteht sich dabei als Anlaufpunkt für lokale Bürgerinitiativen, die sich für die Pflege ihres Stadtbildes einsetzen und steht in Kontakt mit zahlreichen Stadtbildvereinen im Bundesgebiet.

      Die seit langem diskutierten Möglichkeiten, das Areal der BGS in unmittelbarem Umfeld zur salischen Kaiserpfalz aus dem 11 Jh., neu zu bebauen, werden immer konkreter. Entstehen sollen u.a. ein Hotel sowie ein Tagungszentrum. Zudem soll der Parkplatz auf dem ehemaligen Standort der Stiftskirche St. Simon und Judas durch einen öffentlichen Park inkl. Stadtplatz ersetzt werden. Diese Vorhaben, ebenso wie den Abriss des Waschbetonbaus der BGS, begrüßt der Verein Stadtbild Deutschland sehr.

      Nun soll zusätzlich auf dem Areal noch eine Multifunktions-/ Eventhalle entstehen. Hier besteht nach Meinung des Vereins die Gefahr, dass durch eine schlechte und überdimensionierte Architektur ein wichtiges historisches Ensamble massiv gestört wird. Die Pfalz droht damit, zu einem "Anbau" zu verkommen.

      Der Verein bittet daher die Verantwortlichen der Stadt Goslar, bei der Planung dieser Bauvorhaben auf eine harmonische, die Würde und Bedeutung des Ortes beachtende Architektur zu achten, die keine bewussten Brüche mit ihrer Umgebung erzeugen will! Diese Brüche sind in der Vergangenheit leider viel zu oft bei anderen Bauvorhaben im Bundesgebiet der Fall gewesen, diese Fehler sollten an dieser sensiblen Stelle vermieden werden.

      Daher die Bitte an die Verantwortlichen der Stadt, sich bei der Planung an dem bereits vorhandenen Gestaltungshandbuch der Stadt zu orientieren, welches Bauvorhaben im Innenstadtgebiet konkrete Vorgaben macht, z.B.

      „(Das) spezifische Stadtbild Goslars mit seinen historischen Straßenführungen, Parzellenstrukturen und traditionellen Gebäudeausrichtungen ist zu erhalten. Eventuell notwendige Neubauten haben sich grundsätzlich an den vorhandenen Straßenfluchten und Parzellenstrukturen zu orientieren.“ (…) Fassaden sind grundsätzlich mit ortsüblichen, natürlichen Materialien zu gestalten (S. 26) u.v.m.

      Folgende konkreten Vorschläge möchten wir hiermit zur Diskussion stellen.
      Dabei handelt es sich nach den Erfahrungen unseres Vereins mit anderen Bauvorhaben im Bundesgebiet um Vorschläge, die von einem Bauherren/Investor ohne größere Mehrkosten und ohne Beeinträchtigung der künftigen Nutzung leistbar und somit durchaus realistisch erfüllbar sind:

      Höhenprofil
      Das Höhenprofil sollte die durchschnittliche Firsthöhe der übrigen Gebäude als Maßstab nehmen. Dies impliziert perse Satteldächer, die zwingend notwendig sind. Gauben und Schleppen sind zur Auflockerung der Dachflächen ausdrücklich erwünscht.

      Materialität und Fassade
      Da der Gebäudekern wahrscheinlich aus Beton bzw. Dämmsteinen errichtet wird, geht es hier vornehmlich um eine Verblendung. Eine historisierende Variante könnte im Erdgeschoss Putz und in den Obergeschossen Verblendfachwerk aufgreifen. Um den beiden Bestandsgebäuden am Platz gerecht zu werden, wäre auch eine Verblendung mit Sandstein denkbar, da dies auch das Charakteristikum des Pfalzbezirks aufgreifen würde. Ebenso wäre denkbar, um der Stadtgeschichte Rechnung zu tragen, eine von Schiefer dominierte Fassade.
      Wichtig ist v.a. Eine gegliederte Fassade. Dies kann z.B. durch Konsolen, abgehobene Fenstereinfassungen, Gesimse, noch günstiger durch Nutungen erreicht werden.

      Fenster
      Es sollten stehende, gegliederte Fenster sowie Fensterumrahmungen verbindlich gefordert werden. Sprossenfenster wären wünschenswert, sollte dies aus Kostengründen nicht möglich sein, sollten wenigstens verglaste, also innenliegende Sprossen Verwendung finden. Große Fenster ohne Gliederung wären nicht ortsbildtypisch und an dieser sensiblen Stelle abzulehnen. Ideal wäre auch die Verwendung unterschiedlicher Fensterformen, um Abwechslung an der Fassade herzustellen.

      Eventhalle
      Prinzipiell ist eine Eventhalle innerhalb des historischen Mauerrings abzulehnen. Abgesehen von den begrenzten Möglichkeiten neue Parkflächen zu schaffen ist ein solcher Bau nicht im Sinne eines kleinteiligen Gesamtbildes, schon gar nicht als quadratischer Zentralbau. Ein Hauptkriterium zu Ablehnung einer solchen Halle ist auch die Nähe zu historischen Pfalz, denn ein Bau an dieser Stelle sollte die Proportionen der Aula Regia aus dem 11. Jahrhundert nicht in den Schatten stellen. Daher wäre ein alternativer Standort überdenkenswert.

      Begrünung
      Da sich das Quartier an die ehemaligen Wall,- und Befestigungsanlagen(welche in diesem Bereich nicht mehr vorhanden sind) anschmiegt, sollte auf eine ausreichende, diese Anlagen aufgreifende Bepflanzung geachtet werden. Neben Bäumen sollten auch Rasenflächen bedacht werden, damit der Platz nicht zur Steinwüste avanciert.

      Tiefgarage
      Da im Zuge der Umgestaltung gleich zwei innerstädtische Plarkplätze wegfallen ist die Installation einer Tiefgarage unumgänglich.


      Eindeutige Ablehnung:

      - überdimensionierte Bauten, die die Silhouette der Stadt stören

      - Glas,- Beton,- und Metallfassaden, sowie Fassaden aus nicht ortstypischen Materialien

      - unproportionale Fenstergrößen und asymetrische Anordung sowie Fenster(achsen) in Gitterrost-Optik

      - Flachdächer

      Wir bitten daher die verantwortlichen Stadträte und Stadtplaner, bei diesem Bauvorhaben die Vorgaben des Gestaltungshandbuches zu beachten, damit die neuen Gebäude auch einen ästhetischen Zugewinn für Goslars Stadtbild bedeuten. Dafür bieten wir gerne ehrenamtlich unsere Hilfe und Unterstützung an!
    • Knobelsdorfff92, du siehst, ich hab viele Passagen von dir übernommen, wenn ich es so abschicken soll, sag Bescheid! Brauche dann aber noch deinen Originalnamen, den ich gerne mit daruntersetzen würde. :) Ist ja v.a. dein Werk!

      Zugleich brauch ich noch ne Liste mit potentiellen Unterstützern in der Stadt, Heimatvereinen etc.!

      The post was edited 1 time, last by Manuel Re ().

    • Vielen lieben Dank Manuel Re. Schön dass du soviel von meinen ausführungen gebrauchen konntest. =O

      Also mit weiteren Unterstützern kann ich nicht dienen. Wenn es Leute in Goslar gibt, die sich mit der architektonischen Qualität auseinandersetzen, bleiben sie im Verborgenen. Genau aus diesem Grund habe ich auch die Initiative ergriffen. :wink:

      Zum Persönlichen. Mein richtiger Name ist Philipp Preuß.

      Indes habe ich Antwort von der Stadt Goslar erhalten. Da im Anhang steht, dass ich diese Mail nicht 1:1 öffentlich freigeben darf fasse ich das ganze mal zusammen:

      Abgesehen von der Aussage, dass in Sachen Fassadenentwürfen noch nix passiert ist, war es nur bürokratisches :blah: .

      Allerdings wurde ich auf folgenden Link hingewiesen: goslar.sitzung-online.de/bi/vo040.asp mit dem Verweis in der Such leiste "Kaiserpfalzquartier" einzugeben.
    • Der Brief ist gut gelungen. Nur würde ich noch einige Rechtschreibfehler oder Formulierungen ändern. Fehler machen sich in einem solchen Brief nicht gut.

      Im dritten Absatz steht "Ensamble", statt "Ensemble".

      Im vierten Absatz steht Folgendes:

      Manuel Re wrote:

      (...) ...die Würde und Bedeutung des Ortes beachtende Architektur zu achten, die keine bewussten Brüche mit ihrer Umgebung... (...)
      Beachten und achten direkt hintereinander. Das klingt in meinen Ohren nicht flüssig. Vielleicht könnte man da ein anderes Wort einbauen, oder den Satz etwas umformulieren. - Die Stadt soll eine den Ort beachtende Formensprache sicherstellen, oder so.


      Höhenprofil

      Manuel Re wrote:

      (... ) Dies impliziert perse Satteldächer, die zwingend notwendig sind. (...)
      "Per se", schreibt man, meines Wissens nach, in zwei Worten.

      Eventhalle

      Manuel Re wrote:

      (...) Ein Hauptkriterium zu Ablehnung einer solchen Halle ist auch die Nähe zu historischen Pfalz, ... (...)
      Müsste es nicht heißen, "zur" Ablehnung und "zur" historischen Pfalz?

      Unter "Eindeutige Ablehnung", steht noch das Wort "asymetrisch". Da fehlt ein "m".

      Das war auch schon alles. Vielen Dank!