Kaliningrad - Königsberg

  • Eine Reise zum alten Kneiphof. Eine Website hat ein sehr gutes visuelles Design:


    http://de.kneiphof.ru/

    Großartiges Storytelling! So erzählt man mit einer Website eine Geschichte. Aus Sicht des Marketings kann es nicht besser sein.

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Es ist so, dass es diese Dichte der Altstädte ist, die eine wirklich gemütliche Atmosphäre schafft. Und genau diese Dichte haben unsere "neuen" Städte verloren. Das wahre Verdienst traditioneller Architektur liegt oft nicht speziell in den Gebäuden selbst, sondern in der Umgebung, die sie schaffen. Erstens ist es eine dichte städtische Umgebung, die von sich aus die Straßen belebt. Zweitens ermöglicht diese Dichte, dass die Individualität der kleineren Gebäude wahrgenommen wird, jedoch nicht als einzelne Gebäude, sondern als Teil der gebauten Umwelt - der Stadt. Individuell könnten einige Gebäude sehr durchschnittlich sein, aber zusammen bilden sie ein harmonisches (und gleichzeitig in kleinen Details kontrastierendes) Ensemble. Dieses Ensemble und diese Individualität werden nur durch das Alter der Gebäude verbessert, da jedes von ihnen eine eigene Geschichte schafft. All dies ging in den neuen städtischen (besser gesagt anti-urbanen) Lehren der Moderne im Namen der industriellen Effizienz verloren. Viele der Stadtplaner halten heute noch an diesen konservativen (ironischen, nicht wahr) Werten fest. Sie sprechen von "Luft", "Leben", "Hygiene" und anderen lächerlichen Missverständnissen, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert als Propaganda gegen alte Städte verwendet wurden. Wer kann jetzt sagen, dass die dichten Umgebungen der alten Städte, die den letzten Krieg und die Sanierungen überlebt haben, den sterilen monotonen Reihen des Plattenbaus in Bezug auf ihr Lebensumfeld nicht überlegen sind? Und doch wurden diese sterilen Blöcke, zu breiten Straßen und großen Ödländer zwischen den einzelnen Stadthäusern in vielen Architekturschulen von heute gesucht und immer noch als die einzig mögliche Lösung für die städtische Umwelt angesehen.


    Um die traditionelle Stadt wiederzugewinnen, müssen wir uns daher zunächst auf die Urbanität konzentrieren. Ohne sie kann die Architektur allein die Situation nicht ändern!

  • Zusammengefasst: es handelt sich um eine Verdichtung zu schaffen. Aber dann noch brauchen wir traditionelle Baustille, denn die Einkaufstrassen in Köln sind zwar ziemlich dicht bebaut mit kleinen Parzellen, aber ihre Baustill ist durchaus schlicht, sächlich und quasi modern. Die richtig "feine" Atmosphäre fehlt hier. In historische Innenstädte von Kleinstädten der Krieg und "Modernisierung" überlebt haben herrscht doch eine andere viel bessere Atmosphäre. Die Neumarkt in Dresden finde ich wirklich schön, aber die kleine Vorkriegsgassen (besonders um der Altmarkt herum) fehlen. Ausserhalb der Neumarkt gibt es nur grosse Parzellen und viel Raum. In Berlin ist das genau der Fall mit dem gemütlichen und gelungen Nikolaiviertel. Der Formel heisst also: Verdichtung mit "richtige" Altbauten (Reko's) oder traditioneller Bauten und so wenig wie möglich modernistisches Zeug.

  • Klassiker,so schön die Städte in ihrer hist.Geschlossenheit der Vorkriegszeit auch waren,es werden von uns Foristen die Vorstellungen, Visionen von großflächigen hist Wiedeaufbauplanungen zu unseren Lebzeiten erst einmal nur Träume bleiben.Es wird in naher Zukunft sicherlich in einigen Städten das ein oder andere Gebäude noch Rekonstruiert werden,aber keine großen Flächenrekonstruktion zumindest werden wir diese nicht mehr so erleben.Vielleich haben nachfolgende Generationen dann eine andere positivere Einstellung zu klassisch,traditioneller Architektur.Erfreuen wir uns also lieber gegenwärtig auf die schon Rekonst Gebäude und auf die,die schon in Planung sind.:smile:

  • Kaliningrads Wahrzeichen

    Der "Roboterkopf" wird abgerissen

    Kaliningrad muss sich von einem seiner Wahrzeichen trennen. Nächstes Jahr soll das "Haus der Sowjets" abgerissen werden – ein Gebäude, das an den Kopf eines vergrabenen Roboters erinnert.

    [...]

    Vielleicht ein erster Schritt in Richtung Schloss?

  • Leider nein.

    Der Klotz soll abgetragen werden bis auf die Fundamentplatte, um dann mit einer zweistöckigen Tiefgarage in den Untergeschossen in ähnlicher Kubatur , nur etwas "leichter" wiedererrichtet zu werden.

    Politisch ist eine Rekonstruktion von "Preussen" in Kaliningrad, auch aufgrund des stark abgekühlten deutsch-russischen Verhältnisses, zurzeit ohnehin nicht gewünscht. Es werden nebenbei auch noch von diversen Kräften "Regermanisierungsängste" geschürt, die natürlich jeder Grundlage entbehren, aber leider auch den zukünftigen Städtebau beeinflussen.

    Vergleiche zu Potsdam oder Berlin, Danzig oder Dresden, mit positivem Effekt auf Besucherströme greifen nicht, da der russische Durchschnittsbürger den Tourismus wie wir Mitteleuropäer ihn kennen sehr argwöhnisch betrachtet, und natürlich durch dessen negative Auswirkungen mit Preissteigerungen im täglichen Leben, Wohnungsmangel und Verkehrschaos, etc. in seiner Sicht bestärkt wird.

    Ohnehin gibt es nur wenig Verbundenheit mit dem alten Königsberg, und diese Basis schwindet immer mehr, je mehr Zuzügler, und das sind nicht wenige, aus den ärmeren Regionen Russlands und einiger GUS-Staaten, in Russlands aufstrebenden Westen ziehen.

    Leider muss man momentan auch konstatieren, dass wieder die alte Sowjetsicht Renaissance feiert mit deutsch gleich faschistisch, und damit unerwünscht.

  • Na, dann sollen sie doch weiter so leben, wenn es ihnen dort gefällt. Wäre ja auch schlimm, wenn diese Boom-Region, die jetzt schon im Verkehr erstickt, zusätzliche Staus durch einige Touristenbusse ertragen müsste. Und Preissteigerungen sind nicht schön. Dann doch lieber arbeitslos bleiben. Und ehe man keine Wohnung im Plattenblock mehr findet, weil nun lauter Wessis dort hinziehen, die von ein paar preußische Altstadtgebäuden angelockt werden....

    Neee, lieber mal alles so lassen, wie es ist. Ist ja auch gemütlich dort.

  • Seit Jahren hoffe ich, dass eines Tages das Königsberger Schloss wieder aufgebaut wird.

    Als Mitte November der Gouverneur Anton Alichanow verkündete, dass das „Haus der Sowjets" in Königsberg abgerissen werden soll, war die Hoffnung groß.

    Alichanow selbst verkündete allerdings kurz danach, dass "auf keinen Fall" das Stadtschloss wieder entstehen soll.

    Bei solchen Aussagen frage ich mich immer, was bei solchen Leuten falsch gelaufen ist. Es sind immer Politiker und Journalisten, die meinen, man könne einfach vorschreiben wie und was gebaut werden soll und was nicht.


    Die Mehrheit der Bewohner der Stadt hatte jedenfalls diesen Entwurf des Architekten Arthur Sarnitz favorisiert, der eine fast vollständige Restaurierung des Schlosses vorsah.


    Hier ein aktueller Artikel zum Thema und ein Video von Arthur Sarnitzs Entwurf.

    Bei diesem Video stehen mir Tränen in den Augen aber entscheidet selbst:


    https://paz.de/artikel/ein-kan…er-koenigsberg-a1940.html


    https://youtu.be/EJOfRJu03IY

    "Moderne Architektur heißt seit über 50 Jahren: Rechtwinklig, weiß, kahl, leer, gebaut von immer schwarzgekleideten Architekten."

    -Gerhard Kocher

  • ...

    „Wir waren uns mit den Deutschen schon einig. Es existierte eine Gesellschaft ehemaliger Bürger Königsbergs. Und einer der Leiter dieser Gesellschaft war ein damaliger Vizepräsident von BMW, der dann Präsident von BMW wurde – Baron Kuenheim. Sein Sohn arbeitet heute noch bei BMW und wir sind befreundet“, erzählte Tscherbakow.

    Dieser Kuehnheim führte sich hier auf wie ein echter Revanchist – so haben wir ihn alle wahrgenommen. Er wollte das Gebiet heimholen … Ich glaube er war wohl hier gebürtig. Und der zweite BMW-Mann war Hartmann. Er war auch ein Vizepräsident von BMW....


    Bei solchen Leuten ist auch nicht weiter verwunderlich, dass die russische Staatsführung die Wiederaufbaupläne blockierte und wir uns ggf. auf ein Haus der Räte 2.0 "freuen" dürfen.

    Vielen Dank, Herr Baron.

  • Wenn ich das alles hier so lese,da sieht es nicht besonders Rosig aus in der Sache Schloss Königsberg.:sad:Ein klares Bekenntnis und Ziel ist von den Stadtverantwortlichen und der Politik jedenfalls nicht zu erkennen.Denn die sind ja die wichtigsten Entscheidungsträger.Aber so wie es im Moment aussieht,werden wir den Komplett oder wenigstens Teilaufbau des Schlosses nicht mehr erleben.

  • Snork

    Changed the title of the thread from “Der Oblast Kaliningrad und das alte Königsberg” to “Kaliningrad - Königsberg”.
  • Wie schon weiter oben berichtet, das brutalistische "Haus der Räte" im ehemaligen Zentrum Königsbergs soll demnächst abgerissen werden, dazu: ein interessanter Beitrag des Deutschlandfunks. An Stelle des Klotzes soll wohl ein Neubau erreichtet werden, vermutlich ähnlich wuchtig. Für einen Wiederaufbau des Schlosses ist das keine gute Perspektive, auch wenn dessen Grundfläche davon nicht direkt betroffen ist (hier eine Visu vom "Haus der Räte" und dem Schloss). Ganz grundsätzlich stehen die Chancen für einen Schlosswiederaufbau mehr als schlecht, das Interesse der lokalen Bevölkerung am alten Königsberg beschränkt sich auf einige wenige hundert Enthusiasten. Im Gegenteil, die Stimmung nicht weniger Menschen der Region ist derzeit tendenziell deutschfeindlich (das Königsberger Kant-Denkmal wurde kürzlich beschmiert, die alten Alleen des Gebiets werden als "letzte Soldaten des Führers" verunglimpft und ihre Beseitigung gefordert). Die Mehrheit der Bevölkerung identifiziert sich nach wie vor nicht mit dem kulturellen Erbe ihrer Region (ganz im Gegensatz zum polnischen Teil Ostpreußens).

    Bis auf Weiteres kann man von Rekonstruktionen im Zentrum Kaliningrads also nur träumen. Das folgende wunderbare Video des Kaliningrader Architekten Arthur Sarnitz hatte bis heute nur 5971 Zugriffe seit dem Upload 2015 (und wie viele davon stammen wohl von Bewohnern der Region??).


    „Die Freiheitsliebe ist bei den Deutschen nicht entwickelt“ (Madame de Stael)

    „Die Frage ist nicht, was wir dürfen, sondern was wir mit uns machen lassen“ (Nena)

  • Ja,das werden auch für alle Zeiten schöne Träume bleiben.Ich glaube nicht das es in Kaliningrad zu irgendwelchen Rekos kommen wird.Der Dom war die letzte Wiederherstellung einer noch erhaltenen Kriegsruine im Zentrum.Erfreuen wir uns gegenwärtig und in Zukunftig über solche 3D Video Rundgänge im alten Königsberg.Das alte geschlossene Stadtbild ist unwiederbringlich verloren und bleibt für immer Geschichte.

  • Meint ihr, dass ein öffentlicher Vorstoß von Stadtbild Deutschland, eine Art Bitte und Angebot der Unterstützung im Namen der gemeinsamen Versöhnung und gegen neue Kriegsgefahr, etwas an dem gegenwärtigen Blockadedenken in Kaliningrad ändern könnte?

  • Bestimmt. Schließlich genießt Stadtbild-Deutschland weltweit und gerade auch in Russland hohes Ansehen.

    Wir sollten Putin persönlich anschreiben.

  • Wir sollten Putin persönlich anschreiben.

    So schlecht finde ich die Idee gar nicht mal. Wenn man es höflich macht und einige Bilder beilegt, die die Gestaltungsmöglichkeiten visualisieren.

    Sie kann zumindest nicht schaden.

  • Heimdall Das stimmt natürlich. Also nur zu, ich würde mit unterschreiben und freue mich schon auf die Antwort.

    Das Schreiben sollte allerdings schon auf russisch sein.

  • Lieber Heimdall,


    auch wenn er der russische Ministerpräsident Putin der deutschen Sprache mächtig ist, so fände ich es ein dennoch Gebot der Höflichkeit, aber auch dipolmatisch geboten, ihn auf russisch mit freundlichen, höflichen Worten anzuschreiben. Das geht auch ohne eigene Kenntnisse der russischen Sprache, da es heute im Internet viele Übersetzungsdienste gibt.