Kaliningrad - Königsberg

  • Zu Salomons Tempel gehört der mächtige Fundamentbereich, und den finden wir heute angeblich in der Klagemauer als einen Teil wieder.

    Nee, sorry...also die Klagemauer stammt eindeutig vom zweiten Tempel, nach der babylonischen Gefangenschaft errichtet.


    zum Salomonischen Tempel sagt Wikipedia...


    Informationen über den salomonischen Tempel liefert ausschließlich die hebräische Bibel... Die biblischen Angaben sind unter historischem Gesichtspunkt allerdings umstritten. Von der Bibel unabhängige historische Zeugnisse sind bisher nicht anerkannt. Insofern gilt die Existenz eines Tempels aus „salomonischer“ Zeit archäologisch als nicht nachgewiesen.

  • Ein Verweis auf die Wikipedia Seite "Architektur in Königsberg", welche einen kompakten Überblick über die Baugeschichte von Königsberg und die der Vernichtung entgangenen Gebäude gibt:

    Architektur in Königsberg


    Als kleine Vorschau das 1711 im Stil der Niederländischen Renaissance gebaute v. der Groebensche Stipendienhaus:

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Auf der russischsprachigen Facebook-Seite https://www.facebook.com/KoenigSkyline/ gibt es interesannte Fotografien und Videos rund um Königsberg/Kaliningrad. U. a. bin ich auf ein Bild von einem aktuellen Umbau eines typischen Nachkriegswohnhauses gestoßen:
    Ich finde das sieht auf dem ersten Blick super aus und lässt auf weitere ähnliche Projekte hoffen. Dies ist meiner Meinung nach ein gelungenes Beispiel dafür, wie man aus einem schlichten, rein funktionellen und hässlich wirkenden Nachkriegsbau ein ansprechendes Gebäude zaubern kann.

  • @Collins


    echt verblüffend...da wurde quasi aus einem hässlichen Entchen ein schöner Schwan. Das würde man wohl in Deutschland oder überhaupt in Westeuropa so nie machen.


    Leider ist mein russisch stark eingerostet..so dass ich die Hintergründe nicht ganz verstehe.
    Ist das ein Projekt i.R.d. (Wieder-) Aufbaus der bzw. einer "Altstadt"?

  • Ich habe zu diesem Thema einen neuen Artikel gefunden:


    http://www.ostpreussen.de/port…nsestil-neu-entdeckt.html


    Die Umbaumaßnahmen dienen als Stadtverschönerung im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf die Fußball-WM 2018.


    Hier der Text von Jurij Tschernyschew:
    "Die Fassaden im Königsberger Zentrum erhalten alte Ansichten. Die Pläne hierfür entwarfen die Architekten Arthur Sarnitz und Ilja Kiseljow unter Heranziehung von Archivunterlagen.
    Drei Gebäude auf dem Steindamm [Lenin-Prospekt] im Zentrum Königsbergs waren für einige
    Monate hinter Bauzäunen vor den Blicken von Passanten versteckt, weil Dächer und Fassaden grundsaniert wurden. Doch diesmal waren es keine standardmäßigen Reparaturen, wie sie schon bei vielen Gebäuden der Umgebung vorgenommen wurden, sondern es war etwas Besonderes: Die Häuser erhielten nämlich ein völlig neues Äußeres. Fast schien es, als ob sie alten Postkarten von Königsberg entsprungen seien. Dass die Häuser ein neues Aussehen erhielten, war kein Zufall, sondern war zuvor gründlich geplant worden.
    Zunächst war geplant, 93 Wohn­häuser der Innenstadt zu renovieren, die entlang der sogenannten Protokollroute liegen, die für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 auserkoren wurde. Diese Straßen werden die Teilnehmer der Spiele und Mitglieder der offiziellen Delegationen passieren, weshalb die Stadt es für angebracht hielt, diesen ein akzeptables Aussehen zu verpassen, um vor den Ehrengästen zu glänzen. Die Häuser, die einer Restaurierung unterzogen werden sollten, liegen unter anderem an der Wrangelstraße, Mitteltragheim ebenso wie der Altstädtischen Langgasse, Steindamm, Kneiphöfer Langgasse, Vorstädtischen Langgasse. Dann verzichteten die Behörden allerdings aus Geldmangel auf die groß angelegte Wiederherrichtung der Gebäude. Sie entschieden sich, zunächst die Häuser Nr. 2–4, 6–8 und 8a–8b am Steindamm zu sanieren. Im Herbst 2016 begannen die Bauarbeiten. Die Stadtverwaltung sicherte zu, dass die Mieter der Häuser nicht an den Kosten für die Renovierung der Fassaden beteiligt würden, da die Arbeiten staatlich subventioniert würden. Auch Wohnungseigentümer würden nicht herangezogen. Die Sanierungen werden komplett aus Mitteln des städtischen und des regionalen Haushalts getragen. Die Summe beträgt umgerechnet etwa acht Millionen Euro. Mit der Planung des Bauprojekts wurden die Architekten Arthur Sarnitz und Ilja Kiseljow beauftragt. Für die Verkleidung der Außenwände wurden Ziegel und Keramikfliesen in Form von Ziegeln verwendet, die Dächer mit Ziegeln gedeckt und die Giebel mit Verzierungen gekrönt. Die Räume zwischen den Fenstern erhielten dekorative Einsätze, und die Balkone wurden mit verzierten Gittern ausgestattet. Es springt sofort ins Auge, dass für die Planung die Vorkriegsarchitektur zugrundegelegt wurde. Die Dächer der Häuser wurden etwas erhöht, sodass zusätzlich Mansardenwohnungen entstanden. In nächster Zeit will die Stadt zwölf weitere Häuser am Steindamm einer Generalüberholung unterziehen. Zu den Arbeiten wurden auch Spezialisten des Mos­kauer Architektur-Instituts herangezogen. Für die künstlerische Gestaltung hat man den hanseatischen Baustil gewählt, weil er für Königsberg wie auch für viele andere Städte an der Ostseeküste typisch ist. Im Zentrum Königsbergs wird es bald mehr neue Fassaden im historischen Stil geben. Die Bürger haben die Reparaturarbeiten mit Begeisterung verfolgt und waren neugierig, wie das typische Hochhaus aussehen würde, wenn erst der Bauzaun abgebaut wäre. Die Städter haben die Neugestaltung der Häuser sehr positiv aufgenommen, auch wenn diese nun in deutlichem Gegensatz zu ihrer Umgebung stehen. Das einzige, was die Phantasie der Menschen noch beflügelt, ist die Frage, wie und von wem die neu entstandenen Mansardenwohnungen genutzt werden. Bislang hat die Stadt nur einen weiteren Ort im pseudohistorischen Stil: das Fischdorf. Im Gegensatz zum Fischdorf entstanden die neuen Fassadenarbeiten jedoch nach architektonischen Vorlagen des Endes des 19. und des Anfangs des 20. Jahrhunderts."

  • Erinnert mich bisschen an die Erzählungen meiner Eltern, als der Sigmund Jähn samt Politprominenz durch die Stadt gefahren wurde und nur die Fassaden und Straßen die er passiert hat, eine oberflächliche Schönheitskur bekamen :D
    Hübsch anzusehen ist es allemal. Ein par historische Vergleichsbilder wären interessant, wenn man sich an Archivmaterialen orientiert haben will.

  • Hmm..weiß nicht so recht, was ich davon halten soll...abgesehen von den Pseudo-neogotischen-Ziegelfassaden sieht das ganze optisch ziemlich billig aus...und am Lenin-Prospekt stehen ja offenbar Gebäude, die nicht die größten und dringlichsten städtebaulichen und vor allem architektonischen Defizite Kaliningrads darstellen dürften, und eben jene, welche diese Ziegelvorblendungen erhalten sollen, haben teils sogar architektonische Qualität.


    Darüber hinaus lösen bessere Fassaden (und ob diese besser sind, sei mal dahingestellt) eben gerade nicht die städtebaulichen Mankos solcher oft vollkommen von der alten Stadtstruktur losgelösten Wohnriegel.

  • Na ja, so extrem eng wird man sich nicht an irgendwelche Vorlagen gehalten haben können, denn die Nachkriegs-Neubauten haben ja doch ganz andere Kubaturen und städtebauliche Zuschnitte.


    Trotzdem ein gar nicht sooo schlechtes Projekt, wenn man denn die Details halbwegs qualitätvoll macht. In Deutschland voll-kom-men unbdenkbar. Man überlege, wie vorteilhaft sich die Pirnaische Vorstadt, die Seevorstadt oder Teile der Wilsdruffer Vorstadt in in DD verändern würden. Heerscharen an Architekten würden aufschreien. So etwas ginge ja gar nicht.... ;)
    Vollkommen undenkbar hier....

  • Ich muss oktavian da zusteimmen. Klar, es ist eher Russenschick mit ostpreußischen Anlehnungen, aber was ist die Alternative? Anders würde alles bleiben wie es ist. Man wird wohl kaum die gesamte Stadt abreißen um hier die Stadt einer anderen Nation wieder aufzubauen.


    Gerade vor der derzeitigen weltpolitischen Lage ist diese historische Umgestaltung schon sehr bemerkenswert. Wenn ich vor der Alternative stehe sowas zu bekommen oder dass alles ein Plattenbauhorror bleibt, dann lieber diese Pseudohistorie, wenn sie denn halbwegs gut gemacht ist und man nicht nur schnell irgendwas drauf klebt, was nach der WM wieder abfällt.


    Trotzdem ist das Projekt beachtenswert, weil es zeigt, wie man Urbanität in scheinbar völlig aussichtslose Gegenden zurück bringen kann, wo man heute denkt, da ist eh alles verloren. Grade in Deutschland stehen dieser freistehenden Wohnbatterien ja auch unzählige Dinger rum. Es zeigt nämlich, dass es neben der Ist-Situation und dem Totalabriss durchaus geeignete Zwischenlösungen gibt, um das Stadtbild massiv aufzuwerten und das bei überschaubaren Kosten!

    APH - am Puls der Zeit

  • Ich muß schon sagen, das sieht jetzt recht gefällig aus mit der neuen Fassade. Die trauen sich was!
    Nur die Dachgaupen hätte ich etwas größer gemacht, und nicht so sehr Belle-Epoque-Gucklöcher, aber den Zwerchgiebel finde ich sehr ansprechend.
    Jedenfalls ein recht gelungenes Beispiel für "Fassadenkosmetik"!

  • Grundsätzlich eine Verbesserung des derzeitigen Zustandes, obwohl mir die Fassaden vom Büro Sarnitz persönlich am besten gefallen. Einige Fassadenverläufe erinnern mich an Wohnsiedlungsbauten in Berlin, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind und auch eine historisierende Formsprache bzw. historisierende Schmuckelemente verwenden. Dieses Umbauprojekt ist exemplarisch und zeigt, was aus Häusern der "Moderne" gemacht werden kann. Vielleicht ja doch auch irgendwann einmal in Deutschland. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

  • Vielleicht ja doch auch irgendwann einmal in Deutschland.

    Davon sollte man hoffentlich ausgehen. Die heutige Null-Architektur der wärmegedämmten Flachdach-Klötze wird irgendwann durch solche Fassaden-Umgestaltungen verändert werden müssen.

  • Gefällt mir wirklich gut, was Sarnitz dort auf die Beine stellt. Wichtig ist v.a. daß überhaupt Bewegung in die Stadtentwicklung kommt. Dazu kommt bald auch noch die rekonstruierte Synagoge und wer weiss vielleicht boxt Sarnitz auch noch die Rekonstruktion des Kneiphofs und des Schlosses durch. Und im Stadtviertel Maraunenhof gibt es ebenfalls noch genügend verfallene Villen aus deutscher Zeit zu sanieren.

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Sind noch viele Bauten, die eine zweite Chance verdient hätten. Königsberg wurde zerbombt und abgerissen, aber nicht in der Tiefe enttrümmert. Die Fundamente der Burgkirche, Löbenichtschen Kirche usw. dürften noch vorhanden sein. Träumen kann man ja.

  • Nein, das taugt nichts, das ist nur lächerlich und hat mit Architektur nix zu tun. Weder vorher noch nachher würde man dieses Prospektes keines Blickes würdigen. Vielleicht ist für die Bewohner ihr alltägliches Umfeld etwas hübscher anzusehen, aber damit hat es sich. Es ist gut, dass man sich zB in Dresden mit derartigen Albernheiten nicht abgibt. Das wäre das absolute Gift für die Rekobewegung, weil man den Spitzen des erfahrungsgemäß äußerst gehässigen und gegen alle Tradition gerichteten (anti)deutschen Feuilletons imgrunde nichts entgegensetzen könnte.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ich weiß nicht ob es hier bereits irgendwo berichtet wurde, aber eine Suche im Forum lieferte keine Ergebnisse...


    Erfreuliche Nachrichten aus Groß Rominten im Oblast Kaliningrad! Dort wurde die Kirche von 1873 im vorigen Jahr wiederaufgebaut.
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  • Erfreuliche Nachrichten aus Groß Rominten im Oblast Kaliningrad! Dort wurde die Kirche von 1873 im vorigen Jahr wiederaufgebaut.

    Das sind wirklich schöne, kleine Neuigkeiten. Dass eine seit Jahrzehnten vor sich hindämmernde Ruine wiederhergestellt wird, das schafft man ja nicht mal überall in Deutschland. Insbesondere bei Kirchen belässt man es ja hierzulande vielerorts gerne beim ruinösen Zustand, um ein Mahnmal zu haben. Dach drauf und das Innere - ob als Kirche oder für weltlich Zwecke - nutzen, finde ich eigentlich immer besser.