Der Oblast Kaliningrad und das alte Königsberg

  • entmilitarisierte Zone
    Allein mir fehlt der Glaube, daß das eine "Friedensgarantie" wäre. Davon abgesehen glaube ich auch nicht daran, daß man erst als Feind wahrgenommen wird, wenn man tatsächliche Drohgesten macht. Es hat schon zweimal ganz arg fürchterlich gekracht, die geographische/geopolitische Lage Deutschlands ist nunmal so, wie sie ist.

  • In Insterburg ist ein Teil des 1913 eingeweihten Bismarckturms eingestürzt. Hoffen wir auf eine vollständige Rekonstruktion des Turms der bereits zuvor stark baufällig war.


    Hundertjähriger Bismarck-Turm bei Kaliningrad eingestürzt


    Historische Ansicht

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Grundriß des Schlosses als farbige Plasterung


    Falls es hier schon einmal thematisiert worden sein sollte, bitte ich um Entschuldigung, aber mir ist soeben erstmals aufgefallen, daß man begonnen hat, den Grundriß des Königsberger Schlosses in der Pflasterung des Platzes westlich vom 'Haus der Räte' farblich hervorzuheben:


  • Immerhin!
    Sowas würde ich mir für einige Orte wünschen, wo vor allem wichtige Solitärbauten und Wahrzeichen fehlen und der Bauplatz frei ist. Dass man ihre Grundrisse wenigstens im Pflaster nachbildet. Am Berliner Neuen Markt an der Marienkirche hat man das auch gemacht, sogar für die Bürgerhäuser. Oder bei der Dresdener Sophienkirche, sogar mit Erinnerungsarchitektur. Am Neustrelitzer Schloss. Sehr wünschenswert wäre das auch beim Bauplatz der Magdeburger Ulrichskirche.

  • Wenn das Schloss dann genauso aussieht wie die Synagoge, ist das vielleicht auch ganz gut so.


    Ich hatte große Hoffnungen in das Vorhaben, aber das was man auf den Bildern nun sieht ist eher eine kritische Rekonstruktion, irgendetwas zwischen Postmoderne und Hornbach.

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • aber das was man auf den Bildern nun sieht ist eher eine kritische Rekonstruktion, irgendetwas zwischen Postmoderne und Hornbach.

    Bitte die kritischen Rekonstruktionen nicht so schlechtreden.... :D
    Das hier ist wirklich Postmoderne + Kitsch + Hornbach.
    Und passt leider es ziemlich genau in alles andere was man dort bisher "historisierend" neu gebaut hatte.Ich muss so etwas echt nicht haben. Schade drum


    Na ja, wie sagte schon mancher angesichtsder Bauten des historischen Neumarkts?
    "Es erfüllt immerhin seinen städtebaulichen Zweck"

  • Und jetzt ist das Schloss auf Eis gelegt oder wie ??? huh:)

    Ja, das kann man wohl so sagen. Die Stadt Kaliningrad lebt in einer seltsamen Schizophrenie. Einerseits hat man (insbesondere in der jüngeren Generation) längst verstanden, dass die jahrzehntelange Verleugnung der Geschichte der Region vor 1945 und die Zerstörung ihres Bau-Erbes ein schwerer Fehler war, andererseits gibt es immer noch einen sehr starrsinnigen antideutschen Fundamentalismus russischer Nationalisten und Stalinisten, die einem Wiederaufbau der Königberger Altstadt + Stadtschloss massiv im Wege stehen. Als vor einigen Wochen der neue Kaliningrader Flughafen nach Immanuel Kant benannt werden sollte, gab es wütend-hysterische Reaktionen aus der Lager der Ewiggestrigen, in dessen Folge sogar das Kant-Denkmal im Stadtzentrum (von Gräfin Dönhoff in den 90ern wieder aufgestellt) mit Farbe beschmiert wurde.
    Unter diesen Prämissen ist eine Renaissance des Schlosses der "Imperialisten" und "Junker" kaum denkbar. Leider.

  • Ein Vergleich der historischen Synagoge (hier) mit der kritischen Reaktion (hier).


    So schlecht ist das gar nicht. Es muss sich doch bewusst gemacht werden, dass...


    1. ...Kaliningrad nun einmal nicht mehr das alte deutsche Königsberg ist. Eine langsame Annäherung an die Geschichte ist sinnvoll, aber es lebt dort nun einmal heute ein anderes Volk mit einer anderen Kultur und einem anderen Geschmack. Das betrifft auch die einst deutschen Städte in Polen, z.B. Elbing, wo das mit der kritischen Rekonstruktion der Altstadt ja ähnlich läuft. (hier) Mir gefällt das besser als kritische Rekonstruktionen hierzulande, z.B. Kassel Unterneustadt. (hier)


    2. ...Synagogen hierzulande ja nicht besser aussehen. Siehe die Dresdner Synagoge (hier), bei der es nicht mal zu einer kritischen Rekonstruktion gereicht hat.
    (Ich weiß, dass "Oktavian" dazu "zum Glück" sagen und die neue Dresdner Synagoge als gelungenes Werk der Moderne verteidigen wird. :zwinkern: )


    3. ...Durch die schrittweise Annäherung der heutigen Kaliningrader an die historische Stadtstruktur vielleicht auch das Interesse an authentischeren Rekonstruktionen als "Leitbauten" wächst.


    Insofern bin ich hinsichtlich des Schlosses in der Zukunft zwar nicht euphorisch, aber auch nicht ganz so pessimistisch. Vielleicht wäre ja eine Mischung aus Historie und Moderne (ähnlich dem Humboldt-Forum) möglich. Dazu müsste eine Funktion für Königsberg gefunden werden. Z.B. Touristischer Anziehungspunkt, aber auch Museum zur deutsch-russischen Geschichte, zugleich Kulturzentrum für Veranstaltungen. Wäre Gerhard Schröder noch Kanzler, hätte man ihn sicher für ein Engagement der deutschen Bundesregierung durch finanzielle Unterstützung des Baus gewinnen können. Jetzt müssen wir sehen, was die Zukunft bringt.

  • Na ja.
    Grundsätzlich kann uns Kaliningrad ziemlich egal sein, oder etwa nicht?
    Und zu gewinnen ist dort ohne hin nichts.


    Quote from oktavian

    angesichtsder Bauten des historischen Neumarkts

    Nun, was man auch immer zu gewissen Details sagen kann - dieser Vergleich ist gottseidank ungerecht.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Gedicht 'Es war ein Land' von Agnes Miegel


    Dies ist primär ein Beitrag für unseren Mitforisten Löbenichter.


    Er hat zwar nicht direkt mit architektonischen Fragen zu tun, schließt aber mit seiner Liebeserklärung an Ostpreußen, dessen Baukunst unausgesprochen mit ein und sollte daher nicht als absolut themenfremd gewertet werden.


    Man mag zurecht beklagen, daß sich Agnes Miegel politisch auf bedauerliche Abwege führen ließ. Aber wenn man ihrem Vortrag vorurteilslos und fair lauscht, dann muß man feststellen, daß diese Frau die Dichtkunst beherrschte. Es ist ein Genuß, ihr zuzuhören ! Und dieses wunderbare rollende 'R' dabei...


  • Laut dem Betreiber der Seite Schloßturm (Königsberg) liegt das Projekt "Herz der Stadt", mit dem ab 2014 für Rekonstruktionen geworben wurde, komplett auf Eis. Der kaukasischstämmige Gouverneur wünsche keine "Germanisierung".

  • Man muss hier Geduld haben. Was nicht heute kommt, kann morgen kommen. Ich weiss von mehreren dort lebenden Russen, dass man dort sehr aufgeschlossen gegenüber der Preussischen bzw. Deutschen Geschichte ist, sucht sie sogar. Auf Youtube sah ich mal eine ganze Horde verrückter 20-jähriger Kalinigrader in Preussischen Kostümen, die in irgendwelchen historischen Ruinen herumtobten und mit Schwert-Attrapen kämpften und einen auf "Alter Fritz" machten. Vermutlich gaben sie sich sogar Preussische Namen für ihre Spiele. Mein Eindruck ist, dass gerade die jüngere, nicht mehr sowjetisch indoktrinierte Generation sich sehr für die Preussische Geschichte ihrer Stadt interessiert. Mir scheint sogar, dass sie dort zur Identität gehört. Wäre ja auch nicht verwunderlich - ein "Kaliningrad" gab es ja vor 1945 auch nicht.


    2005 , beim Jubiläum der Stadt, wurde sogar öffentlich diskutiert ob man sie wieder umbenennt in "Königsberg". So weit wolllte man dann zwar doch nicht gehen, aber man ist dort auf jeden Fall offen gegenüber der Geschichte seiner eigenen Stadt.


    Ich bin 100 Prozent sicher, dass das Königsberger Schloss wieder kommt, und die Altstadt zumindeste teilweise. Bin hier absolut optimistisch, wird nur halt m.E. noch sehr lange dauern.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Was heißt hier "kaukasischstämmig"? Anton (also der Vorname ist schon mal deutsch) Andrejewitsch Alichanow wurde zwar 1986 in Suchumi geboren, ist aber seit seinem sechsten Lebensjahr in Moskau aufgewachsen (war seitdem nicht wieder in Suchumi) und hat griechisch-donkosakisch-russisch-georgisches Blut in sich. Wobei der Familienname dazu nicht passt. Er sieht auch nicht irgendwie "kaukasisch" aus. Anton Alichanow ist ein Kader aus dem Moskauer Regierungsapparat und wurde von der Zentrale in die Provinz entsandt. Mitglied der Kremlpartei "Einheitliches Russland". Kam im Juli 2015 das erste Mal nach Kaliningrad. Es habe ihm dort gefallen, sagt er im TASS-Interview. Sein familiäres Umfeld wollte aber, dass er in Moskau bleibt. Da hat er im Ministerium auch viel mehr verdient.


    Im TASS-Interview (Juni 2017) sagt der Gouverneur, dass es keine Pläne gebe, das Königsberger Schloss wieder aufzubauen. Denn davon sei nichts erhalten. Es sei wichtiger, existierende Gebäude zu restaurieren, zum Beispiel das "Haus der Sowjets". Das Gebäude der Gebietsverwaltung (sein Amtssitz) war früher die Landesbank von Ostpreußen, erzählt er. In der Kaderabteilung stünden heute noch riesige deutsche Geldschränke. In der Nähe saß früher die Gestapo, heute der FSB. Ein ganz hübsches Haus. 2016 hat man dort die Fassade neu gemacht. Aber die Keller seien nicht so toll. (Klingt in deutschen Ohren irgendwie makaber.)

  • Ja, das denke ich auch, dass sowohl das Schloss wieder aufgebaut wird als auch der Stadtnamen (so wie schon St. Petersburg) früher oder später wieder seinen alten deutschen Namen zurück erhalten wird. Es kann und wird nicht möglich sein, dass diese Stadt bis in alle Ewigkeit den Namen eines brutal abartigen Mörders tragen wird! Apropos, habe ich gerade heute passenderweise in der Zeitung gelesen, dass in Berlin die grünen Kryptokommunisten gerade in Kreuzberg die Straßennamen der nach preussischen Generälen benannten Straßen ausmerzen wollen...https://www.welt.de/politik/pl…Kreuzberg-umbenennen.html

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Servus Herr Exil-Weaner! Ich wollte Dir vor Wochen mal eine Nachricht schicken, das ging leider nicht....


    Und wegen den Grünen in Kreuzberg: Ja, Berlin hat noch eine erstaunlich grosse Menge an Strassen etc. die an die preussische Geschichte erinnern. Da die Pseudogrünen (was hat bitte Islam mit Umweltschutz zu tun?) schon lange nicht mehr "grün" sind sondern eher durch Zensur und Sprachverbote auffallen, möchten sie gerne die Geschichte "entsorgen". Da Generalleutnant Yorck vor 1945 gelebt hat, riecht das schon nach Hitler. (Er lebte 1759 - 1830....). Das ist die Logik dieser Partei.


    Meiner Ansicht nach sollten alle Strassennamen so bleiben wie sie sind.


    Anmerkung der Moderation (Suebicus): Das mit den Straßennamen mag zwar so stimmen, aber das ist hier nicht das Thema.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).