Der Oblast Kaliningrad und das alte Königsberg

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    • Wurde es hier eigentlich schon mal mitgeteilt, dass es konkrete Planungen gibt, nördlich von Kaliningrad in Kulikowo (dt: Strobjehnen) eine Art baltisches Las Vegas mit dem internationalen Projektnamen 'Amberland' aus dem Boden zu stampfen?



      Wer russisch kann, möge mal bitte ein wenig erläutern, was dort eingeblendet wird.

      Das Projekt hakt offenbar ein wenig, wird aber weiter vorangetrieben.
      Die Leiden des Projekts Glücksspielzone - Königsberger Express
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Mein Russisch ist leider nicht allzu gut. Ich verstehe nur einige Stücke.
      Ein Projekt des gesamten Kurorts an der Ostsee. Ein Erholungszentrum für Touristen mit sportlichen Anlagen wie Golf. Es "kombiniert die reiche architektonische Geschichte des kontinentalen Europa". Ab Minute 3:09 sieht man das Stadtzentrum dieser künstlichen Stadt, ab 5:48 die Hotels, ab 6:27 Ferienheime, bei 8:35 Aquapark, bei 8:50 Universität (was auch immer das bedeuten soll), bei 9:58 Amphitheater. Ja und Casinos soll es auch geben.
      Ich hoffe, das sind keine Fehler drin :)
    • Vulgow schrieb:

      Wer russisch kann, möge mal bitte ein wenig erläutern, was dort eingeblendet wird.
      Also ich hatte 8 Jahre Russisch in der Schule - aber das ist schon lange her. Lesen freilich geht noch so einigermaßen, deshalb habe ich mich auch mal versucht (zumal das Projekt wirklich interessant ist).

      Der Text unmittelbar am Anfang:
      Amberlend – Das ist ein einzigartiges Projekt eines modernen Kurortes am Ufer der Ostsee im Gebiet (=Oblast) Kaliningrad; das in sich vereint eine reiche architektonische Geschichte des kontinentalen Europas, fortschrittliche Errungenschaften des urbanen Lebens, moderne Bautechnologien und effektive Mechanismen um sowohl die Interessen der Einwohner als auch der Investoren zu verwirklichen. Die Schaffung der kurortgemäßen Infrastruktur basiert auf der aufeinander abgestimmten Entwicklung von Sport-/Unterhaltungsflächen, Bereichen von Handel und Wohngebieten.

      Ab 0:34 wird die Flächennutzung veranschaulicht durch entsprechende farbliche Einfärbungen in der Karte:
      иго́рная зона 99 Га (violett) – (wörtlich) Spielzone 99 Hektar, aber hier in diesem Kontext wohl eher mit Sportanlagen zu übersetzen
      аквапарк 17.000 м. кв. (blau) – Aquapark 17.000 m²
      центр города 4,8 Га (beige) – Stadtzentrum 4,8 Hektar
      гостиницы, пенсионаты 12 Га (dunkelblau) – Hotels, Pensionen 12 Hektar
      плотная застройка 24 Га (ocker) – dichte Bebauung 24 Hektar
      средная застройка 80 Га (gelb) – mittlere Bebauung 80 Hektar (mittlere – gemeint ist wohl *nicht so kompakt bebaut*)
      Университет 14 Га (rosé) – Universität 14 Hektar
      коммерческая 44 Га (rot) – Handel 44 Hektar
      выставочный центр 22 Га (weinrot) – Ausstellungszentrum 22 Hektar
      гольф 48 Га (hellgrün) – Golfanlage 48 Hektar

      Dann folgen jeweils etwas längere Visualisierungen der verschiedenen Bereiche:
      3:10 центр города - Stadtzentrum
      5:48 Гостиничный кластер - Hotelviertel
      6:27 Пансионаты - Pensionen
      8:36 Аквапарк - Aquapark
      8:51 Университет - Universität
      9:59 амфитеатр – Amphitheater
    • Danke @BautzenFan für die Übersetzungen.
      Da scheint also wohl so eine Art "Retortenstadt" mit diversen urbanen Attraktionen geplant zu sein (inkl. "Investorenlyrik"). Universität klingt ja sehr ambitioniert, so groß wirds am Anfang ja nicht gleich werden...?! Da würden dann doch wohl auch die billigen Studentenquartiere fehlen?? "Spielzone" - wenn das Sportanlagen und Kinderspielplätze sind, dann ist das ja schon etwas sehr anderes als ein "Klein-Las Vegas"!
    • Interessanter Bericht von Vera Lengsfeld über eine Reise nach Kaliningrad / Königsberg:

      >> epochtimes.de/politik/welt/koe…s-der-asche-a2196307.html

      Besonders bemerkenswert fand ich dieses Zitat:

      Vera Lengsfeld schrieb:

      ...Unsere Stadtführerin Katja, deren Begeisterung für Kaliningrad uns sehr rührte, versicherte uns an dieser Stelle, dass den Kindern in der Schule beigebracht würde, dass es einen Unterschied zwischen Nazis und den Deutschen gegeben hätte und man beide nicht in einen Topf werfen dürfe. Damit wissen es die Schulkinder in Kaliningrad heute besser als unsere Antifa und etliche linke Politiker, die sich das Verschwinden der Deutschen auf die Fahnen geschrieben haben, weil angeblich alle, außer Antifa und Linksextreme natürlich, Nazis seien.
      :applaus: :applaus:
    • Der kommenden Fußball-WM sei dank - vom Staat gesponserte Fassadenreko am Leninsky Prospekt: Auch in der Teatralnaya 13-19 soll es wohl Rekos geben.
      Hier noch etwas Altdeutsche Bausubstanz in der Stadt:
      Film zur verfallenen Kreuzapotheke: - hier ist nach langen Warten nun wohl ein Investor bereit zu investieren (Hotelnutzung?)
      Doch es gibt auch schlechte Nachrichten - das Gebäude des ehemaligen „Goethe-Oberlyzeums“ soll abgerissen werden (s. Meldung vom 07.01.18) kaliningrad-domizil.ru/portal/…tt---ausgabe-januar-2018/

      Bin gespannt ob aus dem Projekt Herz der Stadt etwas wird... de.wikipedia.org/wiki/Herz_der_Stadt
      Stadtbild Deutschland e.V. Ortsverband Frankfurt am Main de-de.facebook.com/stadtbildfrankfurt/
    • Ein netter Anfang. Immerhin kein klassischer, aber ästhetischer Rekonstruktivismus - russischer Stil.
      Kleine Fehler (z.B. auch nach Fassadensanierung immer noch unterschiedliche Fenster: geteilt und ungeteilt völlig willkürlich im gleichen Gebäude) könnten noch korrigiert werden.

      Mal sehen, vielleicht kommen sie ja auch auf den Geschmack nach mehr.

      Ästhetischer Rekonstruktivismus = Gebäude sahen nie so aus, sind ästhetisch an historischen Stil des Viertels angelehnt
      Moderner Rekonstruktivismus = Gebäude wurden in Kopie neu errichtet nach Vorbild an (nahezu) gleicher Stelle
      Klassischer Rekonstruktivismus = Gebäude standen noch, aber sehr stark verändert und wurden nach Vorbild rekonstruiert
    • Schloßterrasse: Denkmal Friedrich Wilhelms I.

      Anbei ein bei Youtube aufgetriebenes Fundstück, welches belegt, daß - zumindest im vergangenen September - die zentrale Konche und Teile der Umrahmung des ehemaligen Denkmals des Soldatenkönigs an der Schloßterrasse freigelegt wurden und zugänglich waren. Weiß hier jemand Näheres über die aktuellen russischen Planungen hinsichtlich der originalen Bausubstanz der Terrassenanlage ?

      Totale des mittleren Bereichs der Terrasse mit dem Denkmal:



      Denkmal für König Friedrich Wilhelm I.:



      Das Fundstück auf Youtube:

    • Irgendwie schade, vor allem für viele ehemalige Vertriebene, dass Kohl sich da von Genscher hat überreden lassen, Ostpreußen nicht um 40 Mrd DM (sic!) wie von Gorbi angeboten, zurückzukaufen.

      youtube.com/watch?v=Wig9Ode01a0
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • Bei der schon gewaltigen Aufgabe, Ostdeutschland flott zu machen, ist aber auch schwer vorstellbar, dass man das in der peripheren Exklave Oblast Königsberg in der gleichen Qualität hinbekommen hätte. Wobei es für Europa insgesamt wohl vorteilhaft hätte sein können. Vllt. lässt Vladi sich ja noch überreden von Gasgerd...
    • Grabdenkmal für Herzog Albrecht

      Anbei ein Film, der - trotz einiger Längen - wunderbare Innenaufnahmen des Königsberger Doms zeigt und insbesondere die Mühen erkennen läßt, die in den letzten Jahren für die Wiedergewinnung des Hohen Chores mit dem Grabdenkmal Herzog Albrechts aufgewandt wurden ! Hier wurde deutsches Spendengeld einmal wirklich sinnvoll eingesetzt.
      Wenn das in diesem Stile so weitergeht, wird man sich langfristig um die Rückkehr des niederdeutsch geprägten Stadtbildes von Königsberg keine Sorgen machen müssen - es braucht nur Geduld und einen generationenübergreifenden Atem...
      Vielleicht wird dereinst doch wahrhaftig das noch 1990 total verwüstet erscheinende, geschundene alte Königsberg seinen historischen Charakter (natürlich durch weitestgehende Rekonstruktionen im Sinne von Arthur Sanitz) besser bewahrt haben, als so manche Stadt an Rhein und Ruhr...
      Solche Rekonstruktionen wären jedenfalls bei uns westlich der Oder momentan unmöglich. Oder glaubt jemand, daß z.B. das 'Könglichliche Monument' in der Garnisonkirche ebenso detailgenau wiederhergestellt werden könnte, ohne daß es eine jahrelange, verbissen geführte Diskussion darüber geben würde??

      Sei's drum. Für Königsberg kann man sich jedenfalls freuen. Herzog Albrecht ist zurück. Und wer weiß, vielleicht findet sich doch tatsächlich eines Tags auch noch der - momentan verschollene - Sarkophag von Kurfürst Georg Wilhelm wieder an, den man dann ja an seinen angestammten Platz in die Gruft unterhalb des Hohen Chores verbringen könnte...

    • Politisch wäre dies wohl sehr heikel gewesen, auch in Bezug auf Polen.
      Russland hätte darin durchaus positives gesehen, da mit Ostpreußen vielleicht verstärkt auch der Blick auf die übrigen Ostgebiete und eine mögliche Verbindung gefallen wäre und man so Spannungen zwischen Deutschland und Polen wieder leichter hätte provozieren können.

      Kohl und co. wollten wohl oder übel damit "abschließen" und mit Gebieten hinter der Oder entgültig nichts mehr zu tun haben, um auch der Beziehung zu Polen keine (altbekannten) Steine in den Weg zu legen.
      Tragisch finde ich das ganze natürlich auch. Meine Großeltern kommen zu 50% aus Schlesien und ich fühle mich daher zu 50% auch als Nachkommen von Vertriebenenfamilien.

      Ich hielte/ halte es für realistischer, dass man Ostpreußen als unabhängigen baltischen Staat mit mehreren Amtssprachen etablieren hätte können/ könnte.
      Solch ein Kleinstaat hätte sicherlich auch eine starke Verbindung zu Deutschland und wäre zugleich politisch deutlich weniger brisant.

      Ostpreußen/ Prußen hätte durchaus eine Berechtigung als baltischer Staat neben den drei anderen. Die Nachkriegslösung halte ich für sehr unglücklich. Langfristig wird die Frage immer wieder aufkommen. Einige befürchten ja auch, dass Russland das Land verbinden will durch einen "Überfall" auf die baltischen Staaten z.B. .


      ©Wikipedia, gemeinfrei
    • Man hat aber offenbar im Hohen Chor eine Zwischenebene eingezogen, sodaß das untere Viertel des Grabdenkmals auf den Filmaufnahmen nicht zu sehen ist. Hierzu paßt auch die hölzerne Umrahmung des Treppenabgangs vor dem Grabdenkmal. Dies ist hoffentlich nur ein Übergangsstadium bis alle Epitaphien und sonstigen Kunstwerke in diesem Teil des Sakralgebäudes wiederhergestellt sein werden ?!

      Anbei ein Vergleich von Vorkriegs- und Gegenwartszustand anhand einer 'roten Linie':

    • Eine Rückgabe Ostpreußens an Deutschland wäre unter Putin sicher auch möglich, aber nicht gegen einen Geldbetrag. Hier würde Moskau einen gewaltigen politischen Deal erwarten, z.B. den Austritt aus der NATO und eine strategische Partnerschaft mit Russland. Der Preis wäre also hoch, denn als Reaktion darauf würde Polen sicher durch die USA und UK zum NATO-Bollwerk ausgebaut. Man hätte also zwar den nördlichen Teil des alten Ostpreußen wieder, doch würde sich wohl in dieser ewxponierten Lage kaum neue deutsche Pioniere zur Besiedelung finden lassen. Wenn es ein eigenständiger baltischer Staat werden würde, dann wäre zumindest ein durchgehendes Territorium innerhalb der EU erreicht (jedenfalls solange Polen nicht austreten will).
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • Was haltet ihr eigentlich von diesen verrückten Sanierungen von Nachkriegsbauten im Neo-Zuckerbäckerstil in Königsberg? :biggrin:

      Ich bin hin- und hergerissen... Irgendwie farbenfroher und interessanter als vorher, aber in einigen Details auch verdammt kitschig und inkonsequent (z.B. bei den Fensterformaten, die man nicht verändert hat).
    • Der Münchner schrieb:

      Eine Rückgabe Ostpreußens an Deutschland wäre unter Putin sicher auch möglich, aber nicht gegen einen Geldbetrag. Hier würde Moskau einen gewaltigen politischen Deal erwarten, z.B. den Austritt aus der NATO und eine strategische Partnerschaft mit Russland. Der Preis wäre also hoch, denn als Reaktion darauf würde Polen sicher durch die USA und UK zum NATO-Bollwerk ausgebaut. Man hätte also zwar den nördlichen Teil des alten Ostpreußen wieder, doch würde sich wohl in dieser ewxponierten Lage kaum neue deutsche Pioniere zur Besiedelung finden lassen. Wenn es ein eigenständiger baltischer Staat werden würde, dann wäre zumindest ein durchgehendes Territorium innerhalb der EU erreicht (jedenfalls solange Polen nicht austreten will).
      Willst wohl die nächsten 40 Jahre Damit beschäftigt sein , die Schäden des Krieges und der Sowjets zu Reparieren ?
    • @der Münchner: so siehts aus. Und das wollte weder Kohl riskieren noch jemand anders, denn man macht sich damit dauerhaft GB, USA und Polen zu Feinden (und F schaukelt fleißig mit). Zumal das dann weiterhin eine Exklave wäre, wie schon lange... und einstweilen haben die Russen in Kaliningrad auch noch diverse Militärtechnik auf vorgeschobenem Posten, d.h. die würden schon einen RICHTIG fetten Deal erwarten...
    • Das mit der Feindschaft sehe ich nicht, wenn man ein Konzept für den Landstrich hingelegt hätte, durch das sich niemand bedroht sieht. Also, z.B. entmilitarisierte Zone. Absolute Konzentration auf Landwirtschaft und Tourismus. Eine Art nordischen Mallorca oder Macau, wenn man Glücksspiel hinzugenommen hätte. Einladung an Reisende aus Großbritannien und den USA, Jobs für Polen und Litauer. Mit den Russen allerdings hätte man sich einigen müssen, das stimmt.