Dresden - Altmarkt, Kulturpalast, Prager Straße - Südliche Altstadt (Galerie)

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    • Dresden - Altmarkt, Kulturpalast, Prager Straße - Südliche Altstadt (Galerie)

      Zentrum der DDR-Moderne - von Kulturpalast bis Prager Straße - die südliche Altstadt

      Nachdem wir mit der Inneren Neustadt das einzige wirklich erhaltene Barockquartier der Stadt im Zentrum gesehen haben, geht es jetzt auf die andere Elbeseite und wir starten unseren großen Alstadtrundgang mit dem Zentrum der DDR-Moderne, die über die Jahre sehr unterschiedliche Stilarten und Qualitäten in Dresden produziert hat. Neben einzelnen historischen Überbleibseln wie dem Rathaus (wenn auch vereinfacht wieder aufgebaut), der Kreuzkirche und dem Hauptbahnhof stammt die gesamte Restbebauung aus DDR-Zeit oder der Nachwendezeit.
      Die historischen Bauten vom Altmarkt bis hin zum Bahnhof müssen leider in weiten Teilen als Totalverlust gewertet werden


      Quelle: Der Altmarkt um 1900.Reproduction number: LC-DIG-ppmsca-00954 from Library of Congress, Prints and Photographs Division, Photochrom Prints Collection, gemeinfrei über wikipedia

      Die städtebauliche Stunde Null

      Quelle: Von Trümmern geräumte Fläche (1958) Bundesarchiv, Bild 183-U0816-0010 / Löwe / CC-BY-SA 3.0 über wikipedia

      Die architektonische Qualität der Neubauten ist dabei breit gefächert und reicht von den durchaus bemerkenswerten Bauten im Stalinbarockstil am Altmarkt, den schon deutlich schwächeren Bauten an der Nordseite der Wilsdruffer Straße, dem Kulturpalast (den ich für den besten Großbau der Ostmoderne halte, nur steht er leider am falschen Ort) und den extrem ernüchternden Bauten der Deutschen Demokratischen Republik in der Prager Straße, dem ehemaligen "Pracht"boulevard der Elbmetropole, die teils durch die Sanierungen noch zusätzlich an Qualität verloren haben. Und dazwischen finden sich zahlreiche weitgehend gesichtslose Bauten der Nachwendezeit bis hin zur Jetztzeit. Aber schauen wir uns das nun im Detail an. Los geht's.

      Wir starten am Kulturpalast




      Wandbild: Der Weg der roten Fahne






      Ich muss gestehen, dass der Kulturpalast eine architektonische Qualität besitzt wie wenige Bauten der DDR-Moderne und der Moderne insgesamt. Und er hat meiner Meiung nach von der Sanierung auch sehr profitiert. Da es sich um eine Galerie handelt, will ich keine grundsätzliche Disussion zu diesem Bau hier los treten, möchte seine Qualitäten aber herausstellen, die er meiner Meiung nach hat und ihn z.B. mit dem Bikinibau in Berlin vergleichen. Zwei sehr gute Vertreter ihrer Zeit. Leider steht der Kulturpalast an der völlig falschen Stelle. Ich hätte mir gewünscht, man hätte ihn z.B. an den Wiener Platz versetzt, da es nach der Sanierung faktisch sowieso ein Neubau war. Das hätte sowohl dem Wiener Platz als auch dem Neumarkt geholfen. Jetzt ist es eh Geschichte. Anders als andere Bauten der DDR-Moderne wie auch der BRD-Moderne war dieser Bau zweifelsohne von gestalterischer Qualität. Dies will zumindest ich nicht bestreiten.
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    • Wir starten an der Nordseite der Wilsdruffer Straße. Gegenüber der Südseite haben die Bauten, die später hinzu kamen, leider deutlich weniger Qualität.





      Wir starten die Tour in der Schlossstraße




      Es geht zunächst am Altmarkt vorbei in Richtung Rathaus




      Die Bauten der Südseite der Wilsdruffer wie auch am Altmarkt selbst sind von wirklich guter Qualität und hätten Maßstab für die gesamte Bebauung sein sollen!






      Schöne Details


      Es geht über den Durchgang in die Weiße Gasse





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    • Wenn man die Schauseiten der Altmarktbebauung dann erst mal passiert hat, wird es sehr zügig sehr viel weniger attraktiv.

      Schon hier sieht man, wie man fern ab der Altmarktbebauung nicht mehr zu dieser Qualität Willens oder in der Lage war


      Nochmal der Vegleich zu den deutlich qualitativeren Bauten


      Gänsediebbrunnen, eines der wenigen historischen Relikte in diesem Areal


      Und dann schauen wir zu Rathaus









      Und zur Rückseite der Kreuzkirche





      Bebauung an der Kreuzstraße (es ist schon frappierend, wie die Qualität der DDR-Bauten sinkt, als hätte man den stecker gezogen)


      Kreuzkirche


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    • Wissen.de schrieb:

      Schon hier sieht man, wie man fern ab der Altmarktbebauung nicht mehr zu dieser Qualität Willens oder in der Lage war

      Das hat vor allem etwas mit der sich im Zuge der Entstalinisierung "abrupt" ändernden Kulturpolitik zu tun.

      Bis ca. 1950 herrschte in der jungen DDR noch ein gewisser Pluralismus in der Kulturpoltik, der an den berühmten Ulbricht-Satz: "Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben", anknüpfte.
      Dies änderte sich mit der schrittweisen Konsolidierung des SED-Regimes, das die DDR nach sowjetischem Vorbild aufzubauen gedachte. 1950 fand die berühmte Reise in die SU statt, an der die führenden DDR-Architekten und Stadtplaner teilnahmen, um sich an den Bauten des berüchtigten Stalin-Stils zu schulen. Fortfolgend wurde dieser zur Architektur-Doktrin in der DDR und schlug sich in den 16 Grundsätzen des Städtebaues nieder.
      Erst 1953 - nach dem Tode Stalins - begann die Bebauung des Altmarktes, die sich bis 1956 erstreckte. Ab etwa 1955 jedoch setzte bereits eine schrittweise Diskreditierung dieser Art Architektur ein, die schließlich zur Berufung Gerhard Kosels führte, der die Industrialisierung des Bauwesens in der DDR vorantreiben sollte. 1961 wurde er sogar Präsident der Deutschen Bauakademie. Bis dahin führten die "Traditionalisten" sozusagen nur noch Rückzugsgefechte aus, die sich wunderbar an der Altmarkt-Westseite ablesen lassen. Der Anschluss an die Internationale Moderne erfolgte.
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Irgendwie handelte es sich auch um einen globalen dh europäischen Zeitstil, der auch jenseits sowjetischer Länder anzutreffen war, vor allem im Zuge des Wiederaufbaus zerstörter Städte.
      Hier ein Beispiel, das man an dieser Stelle wohl am wenigsten erwarten würde:

      google.at/search?q=nussdorf+ka…_URi7M:&spf=1515161558184

      (rechte Straßenenseite):Lückenfüllung in Alt-Nussdorf auf solide Art. Man stelle sich da was weniger Gediegenes vor!
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Ja ich denke oft an Lange Strasse in Rostock.
      de.m.wikipedia.org/wiki/Lange_Straße_(Rostock)

      Stalin Backsteingotik

      Oder Stalinstadt
      de.m.wikipedia.org/wiki/Eisenhüttenstadt

      Oder Altmarkts Stalinbarock - ich finde persohnlich dass diese Epoche seine Qualitaten hatte. Es ist alles sehr grossspurig und klobig aber gleichzeitig auch beindruckend. Da fahrt man mit ein Panzer gerne vorbei
    • Da am Rathaus Zäune aufgebaut werden, gehe ich davon aus, dass eine Sanierung ansteht, der Bau hätte es jedenfalls nötig, hoffen wir, dass vielleicht das ein oder andere historische Details zurück kehrt.


      Blick zu den Bauten der letzen Jahre (man sollte vielleicht aber auch besser den Mantel des Schweigens drüber legen, Qualität ist das jedenfalls nicht)


      Und dann geht es zur Kreuzkirche, der evanglischen Hauptkirche der Stadt, die Baugeschichte der Kirche ist extrem vielschichtig, ich beschränke mich aus Zeitgründen einfach auf die Dokumentation des Baus






      Hauptportal




      Da Fotografieren im Innren strikt untersagt war bzw. eine Veröffentlichung der Bilder trotz dem Kauf einer Fotolizenz nicht möglich war, muss es bei drei Bildern aus der Eingangshalle bleiben, meine übliche Dokumentation muss daher leider entfallen, sehr schade und nicht wirklich nachvollziehbar
      Eingangshalle






      Da der Innenraum doch sehr karg war, greife ich zur Veranschaulichung auf ein Fremdbild zurück

      Quelle: Sailko Karge Ansicht des Innenraumes ohne ursprüngliche Deckenbemalung und Zierrat, November 2011 CC BY-SA 3.0 über wikipedia


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    • Durchaus gelungen fand ich das Denkmal vor der Kreuzkirche, es hatte irgendwas, was mich gefangen hat


      Bau neben dem Rathaus (noch einer der besseren). Warum man alle Quartiere zu einheitichen Blöcken ohne innere Gliederung zusammengefasst hat, das will sich mir einfach nicht erklären, hier ist so viel Potential über die Wupper gegangen. Leider. Leider.



      Straße An der Kreuzkirche
      Blick zum Rathaus


      Blick zur Seestraße


      Um es dann architektonisch völlig banal zu machen folgen diese Bauten


      Und der Neubau verspricht auch wenig Steigerung


      Also weiter zur Seestraße


      Und dann zum Dr. Külz-Ring




      Wenigstens der Blick zurück ist einigermaßen angenehm
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    • Die DDR verfügte aufgrund der schwachen Wirtschaft und den enormen Reparationsleistungen die an die UdSSR geleistet werden mussten, nicht über die nötigen Mittel um diesen frühe Architektur im großen Stil weiterzuführen.

      Trotzdem muss ich sagen, dass ich die hier kritisierten Anschlussbauten aus den späten 50ern und 60ern gar nicht so schlecht finde. Der Übergangsstil passt in keine Kategorie, es ist nicht mehr reiner sozialistischer Klassizismus, aber auch noch keine Ost-Moderne. Es handelt sich aber um durchaus gefällige und angenehme Architektur: Sandsteinverkleidung im Erdgeschoss, traditionelle Spitzdächer, helle Treppenhäuser, gute Materialien und teilweise auch Kunst am Bau, und vor allem eine solide Verarbeitung. Auf jeden Fall besser als 95% von dem was heutzutage von den Investoren so an "Architektur" produziert wird. Wenn die ganze Dresdener Innenstadt in dieser Architektur wiederaufgebaut worden wäre, es wäre nicht das schlechteste gewesen. Vor Ort fühlt sich das ganze durchaus nochmal anders an als hier auf den Bildern.

      Leider bricht selbst diese sparsame Weiterführung des sozialistischen Klassizismus nach nur ein/zwei Straßen dann völlig abrupt ab und man steht als Spaziergänger vor der absoluten Ödnis: riesige Brachflächen, Plattenbauten und völlig überdimensionierte mehrspurige Straßen, etc. ... die Stadt als sozialer Raum hört schlicht auf zu existieren und man steht im Niemandsland. Das hat schon eine surreale Note und ich kenne keinen Dresdner der das irgendwie "schön" findet. Selbst für diese relativ sparsame Architektur haben dann halt in der DDR leider einfach die Mittel gefehlt.

      Das größte Problem ist bei diesen Gebäuden keineswegs die architektonische Qualität, sondern die Dimensionen. Auch die Wilsdruffer Straße ist ja viel zu breit. Wenn man sich alte Luftbilder von Dresden vor dem Krieg anschaut, wird einem bewusst wie extrem kleinteilig die Innenstadt war. Auf dem Gelände eines einzigen Neubaublockes aus den Fünfzigern (wie auf den Bildern zu sehen) befanden sich früher dutzende Wohnhäuser und Wohnblöcke mit mehreren kleinen Innenhöfen, Gassen und Passagen, Läden und Gaststätten, etc.

      Hier der Link zu einem Stadtplan mit einem Grundriss der Vorkriegsbebauung (während die Neubebauung farbig darüber gelegt ist) und Links zu Vorkriegsluftbildern:




      imagizer.imageshack.us/a/img83…reenshot20120822at105.png



      fotothek.slub-dresden.de/fotos…_hauptkatalog_0305871.jpg



      fotothek.slub-dresden.de/fotos…_hauptkatalog_0305797.jpg



      fotothek.slub-dresden.de/fotos…_hauptkatalog_0305874.jpg



      fotothek.slub-dresden.de/fotos…_hauptkatalog_0310557.jpg

      Vergleichen kann den Vorkriegszustand mit dem heutigen Zustand ja jeder mit Google Maps oder Apple Maps, leider sehr schockierend ...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Dresdner ()

    • Mir persönlich gefällt der sozialistische Klassizismus sehr. Bei dieser Architektur waren immerhin noch kulturelle Wurzeln spürbar, es wurde Bezug auf lokale Traditionen genommen, während man im Westen überall dieselben Klötze errichtete, ob in Stuttgart, Dortmund oder Rotterdam. Wenn man sich die schon erwähnte Lange Strasse in Rostock mit ihrer Bezugsnahme auf die Backsteingotik anschaut oder die Kuppelgebäude am Frankfurter Tor in Berlin, die sich ja offensichtlich am Gendarmenmarkt orientieren, oder natürlich die hier gezeigten Dresdner Bauten, die den Nimbus der Barockstadt aufgreifen, so wird deutlich, dass hier immerhin noch Ideen der Kontinuität in den Gestaltungsprozess einflossen. Meine Bewertung beschränkt sich natürlich nur auf die Bauweise, ansonsten war die Ausrichtung des Kommunismus dem ja diametral entgegengesetzt.

      Natürlich ist die Südseite der Willsdruffer Straße viel schöner, aber ich finde die Bauten auf der Nordseite auch gar nicht so schlecht. Mir gefallen sie besser als das Meiste, was zu dieser Zeit im Westen gebaut wurde. Immerhin verfügen sie über ein Schrägdach und Details wie Arkaden oder "Erker" sorgen dafür, dass die Fassaden nicht in totaler Langweiligkeit versinken. Natürlich sind solche erdrückenden Bauten nichtsdestotrotz an einer solch empfindlichen Stelle fehl am Platze, hier hätte man kleinteilig bauen müssen, um wieder für etwas Altstadtambiente zu sorgen. Am besten natürlich wären Rekonstruktionen gewesen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Triforium ()

    • Wer ist der blaue Bui da vor dem Kreuzianer Denkmal? Der kleine Richard Geyer vielleicht?
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Bei dem Denkmal handelt es sich um das Julius-Otto-Denkmal.

      Dresden.de schrieb:

      Wer auf dem neu gestalteten Platz zwischen Kreuzkirche und neuem Hotel
      am Altmarkt spazieren geht, dem fällt vielleicht ein verwaister Sockel
      auf. Das ist der Platz für das Denkmal des 22. Evangelischen
      Kreuzkantors, Ernst Julius Otto. Der Dresdner Künstler Niklas Klotz
      schuf auf der Grundlage des ursprünglichen Entwurfs von Gustav Kietz
      eine neue Figurengruppe. Am Dienstag, 10. August, 16 Uhr wird das
      Denkmal offiziell eingeweiht und enthüllt. Bürgermeister Dr. Ralf Lunau
      wird ein Grußwort sprechen und Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg (1)
      spricht die Laudatio. Ehemalige Kreuzschüler umrahmen die Veranstaltung
      musikalisch. Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, dabei zu
      sein.

      Der Stadtrat der Landeshauptstadt Dresden beschloss 1998 das Denkmal
      wieder aufzustellen. Mit dem Übergang des Nachlasses von Prof. Dr. Hans
      Bernhard Sprung (Direktor der Chirurgischen Klinik an der Medizinischen
      Akademie „Carl Gustav Carus“ von 1946 bis 1963) an die Landeshauptstadt
      Dresden standen dankenswerterweise die erforderlichen Mittel zur
      Verfügung. Die Kommission für Kunst im öffentlichen Raum der
      Landeshauptstadt Dresden lobte daraufhin 2007 einen
      Gestaltungswettbewerb aus. Der Entwurf des Künstlers Niklas Klotz ging
      daraus als Preisträger hervor.

      Ernst Julius Otto war ein bedeutender Musiker, der von 1828 bis 1875 den
      Dresdner Kreuzchor leitete. Das ursprüngliche Denkmal wurde 1886
      erstmals vor der ehemaligen Kreuzschule am Georgplatz enthüllt. Gustav
      Kietz, war ein Schüler des Bildhauers Ernst Rietschel. 1942 wurden die
      Bronzeteile des Denkmals zu militärischen Zwecken eingeschmolzen. Die
      Gipsabdrücke blieben erhalten und konnten 1945 geborgen und in den 80er
      Jahren konservatorisch behandelt werden.
      Quelle: dresden.de/de/rathaus/aktuelle…archiv/2010/08/pm_020.php

      dresden.de schrieb:

      Bürgermeister Dr. Ralf Lunau weiht heute auf dem neu gestalteten Platz zwischen Kreuzkirche und neuem Hotel am Altmarkt das kulturhistorisch
      wertvolle Julius-Otto-Denkmal ein. Das Denkmal für den 22. Evangelischen
      Kreuzkantor wurde restauriert und neu gestaltet. Der Künstler Niklas
      Klotz orientierte sich an den historischen Vorlagen von Gustav Kietz
      (1824-1908) sowie den noch vorhandenen Gipsabgüssen und fügte der
      ursprünglichen Gruppe als zeitgenössischen Kommentar eine neue Figur
      hinzu. Diese Plastik hebt sich in Bearbeitung, Material und Farbe von
      der historischen Figurengruppe ab und stellt damit diesen aktuellen
      Zeitbezug her.
      Quelle: dresden.de/de/rathaus/aktuelle…archiv/2010/08/pm_034.php
      APH - am Puls der Zeit

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    • Abschließend für heute geht es durch die Prager Straße


      Karstadt




      Ich muss sagen, dass der nördlicher Teil der Prager Straße natürlich nicht APH-like ist, aber immer noch besser als die Hohe Straße in Köln


      Ich fand diesen Bau sogar recht interessant, die Idee die Waben zu zitieren macht den Bau zumindest besonders und verleiht ihm eine individuelle Note, eine Eigenschaft, die den anderen Bauten der letzten 15 Jahre in diesem Areal leider weitgehend fehlt






      APH - am Puls der Zeit

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    • Und den letzten Beitrag für heute habe ich mir für den südlichen Teil der Prager Straße aufgespart. Ich möchte darauf hinweisen, dass folgende Kritik leider so klar geäußerst werden muss, weil sie fundamentale, auch Aspekte fern ab der Architekturthematik tangiert, nämlich welches Menschenbild wir haben und wie man miteinander umgehen sollte.

      Zunächst die Hochhäuser der südlichen Prager Straße, schon dies ist harte Kost, auch weitet sich die Prager Straße ab der Mitte so derart, dass man fast eher von einem Platz reden muss, daran ändern auch die Glaskuben nix, die man zur Strukturierung der Straße hier verteilt hat







      Einzig die Skulptur weiß zumindest zaghaft ästhetische Komponenten zu zitieren




      Und dann gibt es Architektur, die nicht gut ist, die aber nicht mal mehr schlecht ist, es ist eine Architektur, die zeigt, was wir mittlerweile von einigen Menschen für ein Bild haben und wie man allein schon baulich Strukturen schafft, die dazu angehalten sind, Menschen zu Enthumanisieren.





      Nicht jeder kann Lehrer oder Arzt sein, nicht jeder kann somit auch den Anspruch stellen, in einer Villa oder einem Loft zu leben, aber meiner Meinung nach hat es niemand verdient, in einem der reichsten Länder der Welt in einer solchen Bettenburg zu hausen. Mich hat der Anblick sehr betroffen gemacht, weil auch ich aus einer soziökonimischen Schicht komme, die heututage mit Leuten, die dort leben, eigentlich keinen wirklichen Kontakt mehr hat.

      Und als ich diesen Bau sah, ist mir erst mal bewusst geworden, dass es Menschen gibt, die in solch einem Bau leben müssen. Ich kann mir nicht helfen, ja, ich kenne auch die Sozialwohnungen in Köln Kalk etc. Aber hier , als ich davor stand, wurde mir bewusst, dass es eben gewisse Dinge gibt, die es eigentlich nicht geben darf. Dies ist eine Galerie und ich bitte darum, hier keine generelle Debatte loszutreten, aber ich möchte einfach meine Empfindungen von vor Ort mitteilen.

      Für mich ist diese Art der Architektur die Entmenschlichung von uns selbst, man wird zu einer bloßen Nummer, einen Ding in einer anonymen Masse. Dies ist kein Phänomen des Osten oder des Westens, es ist eine generelle Frage, wie man mit Menschen umgeht und ich bin der Meinung, dass niemanad es verdient hat, in solch einem Bau wohnen zu müssen. Ich war ehrlich gesagt schockiert. Daher bin ich dann auch umgekehrt und nicht weiter zum Hbf gegangen, weil ich mir dieses Areal nicht weiter antun wollte.
      APH - am Puls der Zeit

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    • Solche Legebatterien gibt es doch landauf, landab in nahezu jeder größeren Stadt egal welchen Landes...

      Da ich selber in sowas großgeworden bin muss ich sagen: man überlebt's. Verglichen mit den Alternativen war der Wohnstandard dort damals gut. Auch heute sind das nach Sanierung meist durchaus passable Wohnungen. Die Größe mag abschrecken, aber in einem Aufgang sind es dann meist doch nicht gar so viele Leute. Das soll diese Bauten architektonisch nicht entschuldigen, aber glaube eines: dort leben von Beginn an auch ganz normale Leute der Mittelschicht. Heute sogar wieder verstärkt, da sie oft die einzig leistbare Wohnform in den Zentren diverser Metropolen darstellen.

      Ich würde all diese Monsterbauten auch lieber heute als morgen abgerissen sehen, aber derzeit sind sie einfach noch unverzichtbar. Es wurden noch nicht genügend Alternativen geschaffen.
    • Weite Teile der Dresdener Innenstadt sind grausam, die fürchterliche Prager Straße ist da leider keine Ausnahme. Ich teile Ihre Feststellungen, diese Architektur ist menschenfeindlich und man kann die Menschen die in solchen Anlagen wohnen müssen nur bedauern. Vielen Nicht-Dresdnern scheint nicht bewusst zu sein, wie hässlich Dresden leider ist. Die gesamte Innenstadt wurde ja nach dem Krieg großflächig abgeräumt. Einen städtischen Raum im eigentlichen Sinne gibt es in Dresden nur begrenzt, deswegen zieht es ja alle in die "Neustadt", weil sich hier der städtische Charakter (enge Straßen, dichte Bebauung, gemischte Nutzung, Innenhöfe, in Ermangelung eines besseren Wortes: Lebendigkeit) des Vorkriegsdresdens noch einigermaßen erhalten hat. Die eigentliche Innenstadt hingegen ist tot, anders kann man das nicht beschreiben. Mir tun die Touristen leid, die jährlich mit dem Versprechen eines "Elbflorenz" durch diese anti-städtische Ödnis geschleust werden. Ich bin Dresdner und ich meide die Innenstadt vollständig, es sei denn ich habe einen konkreten Weg zu erledigen oder gehe mal in den Kulturpalast, die Oper, etc.

      Mir sind die wirtschaftlichen Zwänge unter denen sich die DDR befand durchaus bewusst, aber auch mit Plattenbauteilen kann man menschlich bauen. Das hier angeführte Monster wahr wohl eher ein Prestigeprojekt, das errichtet wurde um zu demonstrieren wie "fortschrittlich" man doch im Sozialismus ist.

      Ein Beispiel für einigermaßen erträgliche Plattenbauten sind die Bauten an der Stübelallee, einer großen Allee die sich am großen Garten entlang streckt (diese Bauten sind auch kleiner als das Beispiel auf der Prager Straße). Auf dieser riesigen Fläche befanden sich vor dem Krieg ca. 30 prächtige Villen auf riesigen Grundstücken, die nach der Bombardierung von der DDR abgeräumt wurden. An deren Stelle wurden dann Plattenbauten errichtet. Auf einer Fläche auf der vor dem Krieg vielleicht 150 privilegierte Villenbewohner residierten (sehr großzügig gerechnet, inklusive Personal), wohnen jetzt ca. 5000 normale Dresdner. Man mag Plattenbauten ablehnen, aber dies ist ein sozialer Fortschritt. Bei Plattenbauten kann das Umfeld einiges ausmachen. Ich könnte mir durchaus vorstellen in einem Plattenbau am großen Garten zu leben, wenn man vor der Haustür einen schönen Park hat und um sich herum ein einigermaßen erhaltenes Villenviertel, eine Platte in der Dresdner Innenstadt hingegen ist einfach nur deprimierend, in jeder Hinsicht.

      Auch wurden in den späten Fünfzigern in Dresden Wohnbauten in "Großblockbauweise" errichtet, ein Vorläufer der Plattenbauweise. Diese Bauten sehen von außen aber traditionell aus, haben Spitzdächer, der Sockel ist manchmal in Sandstein ausgeführt/verblendet, sie besitzen helle Treppenhäuser, geräumige Balkone, etc. Diese Bauten wirken recht harmonisch und menschlich. Besonders wenn sich in der Umgebung noch Altbauten befinden (d.h. in den Villenvierteln Striesen und Blasewitz) sind diese Bauten erträglich, in der Innenstadt hingegen wirken diese Wohnzeilen ziemlich trostlos und bedrückend, besonders wenn sie sich endlos reihen, auch hier ist also das Umfeld entscheidend.
    • Dresdner schrieb:

      Die gesamte Innenstadt wurde ja nach dem Krieg großflächig abgeräumt.
      Gibt es eigentlich eine nachvollziehbare Erklärung, warum gerade in Dresden derart rigoros abgerissen wurde?

      Der Stadtgrundriss, die Stadtstruktur hätte doch nicht derart ausgelöscht werden müssen. Oder?



      Bundesarchiv Bild 183-Z0309-310, Zerstörtes Dresden [CC BY-SA 3.0 de (creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], von Beyer, G., vom Wikimedia Commons


      Gerade einzelne Gründerzeitler hätten durchaus als "Leitbauten" dienen können.
    • Die Prager Straße sah zu DDR-Zeiten nicht im Weitesten zu zugrundegerichtet aus wie heute.
      Dafür sehen die Altstädte heute nicht mehr so zugrundegerichtet aus wie damals.

      Aber: Trotz des reichen Deutschlandes wird im Rahmen der Profitmaximierung immer noch an der Schönheit und dem Aufwand von Fassaden stark gespart. Der Anblick solcher Gebäude löst Unwohlsein aus, denn die Spezies Mensch hat ein Erkennungssystem für Qualität entwickelt. Und jeder mag sich selbst mal dabei ertappen, wie er diese Qualität hier auch immer wieder einfordert (Stichwort Details, Schmuckelemente, Proportionen). Qualitätserkennung ist für uns Menschen existenziell wichtig, gerade wegen der im Vergleich zu anderen Lebenwesen (z. B. Mäusen) geringen Zahl an Nachkommen und unserer langen Aduleszenzzeit. So überleben in einer Population in der Regel solche Individuen, die in einer Merkmalsverteilung um den Mittelwert angesiedelt sind und dieses über alle Merkmale in der Regel auch zutrifft. Gleichzeitig werden Träger extremer Merkmale stigmatisiert (Zwerg, Riese, Fleischklops, Hänfling usw.), da sie unterschwellig als Gefahr für die gesamte Population angesehen werden und es schwerer haben, einen Partner zu finden.

      Durch dieses sogenannte biologische Prinzip der Durchschnittlichkeit erwarten wir also auch einen Mindestaufwand bei der Gestaltung von Gebäuden. Wird dieser unterschritten werden Fassaden als hässlich betrachtet (fehlende Proportionen, fehlende Schönheit, fehlender Aufwand in der Gestaltung, keine Details etc.), wird er überschritten werden Fassaden als schwülstig oder verspielt und überladen wahrgenommen. Der Grund liegt hier in der wahrgenommenen Gefahr der Verschwendung von Ressourcen, die sonst anderweitig zur Verfügung stehen würden. Einzelne solcher Gebäude würden aber akzeptiert und dann gerade als architektonische Highlights herausgestellt (Stichwort Kaiserpalast Dresden).

      Damit erklärt sich auch politisch einiges: Die Mitte der Gesellschaft ist der biologische Idealzustand. Die Verschwendung von Ressourcen bei zu hohem Gestaltungsaufwand würde damit erst als Gefahr wahrgenommen, wenn die ökonomischen Grundlagen der Mitte der Gesellschaft ins Wanken geraten würden. Dieses ist derzeit nicht in Sicht. Deshalb moniert bisher auch nur die Linke für ihre Wähler diesen Aspekt (Stichwort Frankfurter Altstadt). Gleichzeitig hatte die DDR eine artifizielle Gemeinschaft geschaffen, deren Mitglieder zwangsverarmt waren. Wegen der politischen Ideologie wurden deshalb auch keine Mittel für die Schönheit ihrer Gebäude, ihrer Infrastruktureinrichtungen usw. zur Verfügung gestellt, da immer aufgrund des notwendigen Mindestaufwandes die Gefahr der Ressourcenverschwendung gesehen wurde.

      Deshalb sind DDR-Bauten generell zweckmäßig, aber selten wirklich schön.

      Was schmerzt, denn viele zwangsverarmte DDR-Bürger sind sympathische Menschen und haben ihr Herz in ihrer geknechteten Heimat verloren. So tut man den Menschen unrecht, wenn man aus westlicher Sicht ihre Gebäude "arm-saniert" anstatt endlich die fehlende Schönheit herbeizuzaubern! Will das demokratische Deutschland ein besseres Land sein, muss es in diesen Dingen konträr zur westlichen Sichtweise handeln. Scheint paradox, ist aber notwendig.
    • Das ist ja etwas, was man in der DDR oft gemacht hat. Während man im Westen die Stadtgrundrisse meist erhalten hat, wurde im Osten teils komplett abgeräumt, um Platz für eine monumentale, großfächige, "repräsentative" Stadtanlage zu schaffen. In Berlin war es ja teilweise nichts anderes.

      Der nördlichere Teil der Prager Straße wirkt wie die typische Einkaufsstraße einer deutschen Großstadt, nur vielleicht etwas moderner, da hier sämtliche Bebauung aus der Zeit nach der Wende stammt.

      Der Abschnitt in der Mitte der Prager Straße ist natürlich heftig... Da liegen in Dresden Himmel und Hölle so nah beieinander! Nur ein kleines Stück entfernt, um Neumarkt, Brühlsche Terasse und Theaterplatz herum, findet man eine historische Pracht, der nur wenige Orte weltweit gleichkommen, aber hier herrscht Tristesse, wie man sie vielleicht im tiefsten Sibirien vermuten würde. Im Vergleich mit diesen gigantomanischen Klötzen werden die vorhin angesprochenen Qualitäten auch jener DDR-Bauten auf der nördlichen Seite der Wilsdruffer Straße deutlich!