München - Altstadt nach 1945 (Galerie)

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    • Ja, das ist München. Auf der einen Seite ist es flächenmäßig die am besten wiederaufgebaute deutsche Stadt mit all seinen schönen, geschlossenen royalen Boulevards und Plätzen, man wähnt sich fast in Italien...auf der anderen Seite gibt es aber auch Stadtviertel, die wurden genau so unschön wiederaufgebaut wie überall sonst in Westdeutschland.
      Ich glaube, dieser relative Reichtum an alter oder wiederaufgebauter Bausubstanz ist auch der Grund, warum man diesen in München sehr viel weniger zu schätzen weiß, als anderswo in Deutschland. In den letzten 20 Jahren saniert München seine Altbausubstanz kaputt. Fast überall wirds danach hässlicher, kälter und steriler als zuvor.
    • Treverer schrieb:

      Auf der einen Seite ist es flächenmäßig die am besten wiederaufgebaute deutsche Stadt mit all seinen schönen, geschlossenen royalen Boulevards und Plätzen
      Ich besitze einen Bildband mit dem Namen " Die Zweite Zerstörung Münchens", in dem die Bausünden der Nachkriegszeit mit ihren Abrissen, den nicht-wiederhergestellten Bauwerken (z.B. das Verkehrsministerium, einst der dritte große Kuppelbau Münchens) und dem banalen Wiederaufbau gut geschildert wird.
      Darin kann man auch gut nachlesen, daß es eben so gut wie keine der ursprünglichen historischen Platzanlagen in München mehr gibt. Jeder Platz ist durch Bausünden entstellt und nirgends mehr als historisches Ensemble vorhanden. Dazu gehören der Marienplatz, der Isartorplatz, der Sendlinger Tor Platz, der Stiglmaierplatz, der Karlsplatz, der Bahnhofsplatz oder auch der Rosenheimer Platz. Gut erhalten mit schönen Anpassungsbauten sind eigentlich nur noch der Gärtnerplatz und der Max-Joseph-Platz.
      Die Altstadt von München wurde im Krieg auch zu 90 Prozent zerstört, doch das gesamte Stadtgebiet "nur" zu 50 Prozent. Daher kann München ausserhalb der eigentlichen Alstadt auch noch mit Schwabing, Lehel, Neuhausen und Haidhausen aufwarten. Und innerhalb der Altstadt wurden in den Fünfzigern zumindest die historischen Straßenzüge wieder aufgenommen und durch viele Füllbauten ersetzt. Zudem findet man in der Innenstadt immer wieder historische Bauten an den richtigen Ecken, sodaß auf den ersten Blick ein geschlossenes und urbanes Zentrum vorhanden ist.
      Am Traurigsten finde ich eigentlich den ganzen Bereich zwischen der Sonnenstraße (eine fast reine Nachkriegsbebauung) und der Kirche St. Paul nahe der Theresienwiese. Dazwischen liegen Straßen mit Namen bedeutender deutscher Dichter und Literaten wie Goethestraße, Schillerstraße und Paul-Heyse-Straße, die allesamt hässlich und ihrem Namen nicht würdig sind.
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • Ist Wittelbachplatz oder Odeonplatz entstellt?

      kubische-panoramen.de/index.php?id_id=7357&p=i

      kubische-panoramen.de/index.php?id_id=7356&p=i

      360cities.net/image/munich-wit…=map,48.14252,11.57277,17

      Ist Kardinal Faulhaber Strasse oder Maximillianstrasse entstellt?

      google.co.uk/maps/@48.1410839,…2FFRug!2e0!7i13312!8i6656

      google.co.uk/maps/@48.1386817,…dA0XrA!2e0!7i13312!8i6656

      Ist Platzl auch so entstellt?

      kubische-panoramen.de/index.php?id_id=7515&p=i

      Ich wurde Munchen in die gleiche Atemzug wie Leipzig nennen. Beide Stadten liefern beispiele fur Grossartigkeit und Real Life aber sagt mich nochmal - gibt mich ein zweites Kardinal Faulhaber Strasse in Deutschland - bitte

      flickr.com/photos/8812962@N02/542377500/

      Klar so ein Strasse gibt es in Deutschland nicht zweimal und dann kann Marcus, Zeno und Muncher sagen was sie will

      culturepassport.co/palaces-of-…rdinal-faulhaber-strasse/

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von johan v2 () aus folgendem Grund: Mehr Bilder

    • Das Thema dieses Stranges betrifft eines der zentralsten Themen der Stadtbildpflege, die mich zeitlebens beschäftigt haben.

      München war eine der ersten Städte, die ich in meinem Leben überhaupt gekannt habe. Von Anfang an habe ich gesehen, dass sich Münchens Altstadt von den anderen mir damals bekannten (es waren ganz wenige) signifikant unterscheidet. Hier war es so, dass die erhaltenen Altbauten isoliert und verstreut in dem großen Gebiet der Altstadt stehen. Der Rest der bebauten Flächen wurde überwiegend von mehr oder wenigen großen Gebäuden eingenommen, die ich ganz klar als "nicht altstadttauglich" eingestuft hätte.

      Stets habe ich verstanden, dass das Zentrum der Weltstadt mit Herz aber nicht aus altartigen Gebäuden bestehen kann (!), sondern es nicht anders geht, als dass da große Geschäftshäuser rumstehen. Aufgrund der Kriegszerstörungen waren diese natürlich überwiegend aus den 50er-Jahren.

      Das München im 50er-und-60er-Jahre-Stil aber ist mir so vertraut geworden, dass ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen will. Was seit den 90ern gebaut wird, ist wesentlich schlechter als die Bauten der 50er-Jahre, so dass man vor diesem Hintergrund nur hoffen kann, dass die 50er-Jahre-Häuser noch durchhalten, bis wieder besser gebaut wird (wann immer das sein mag, man sieht nicht den Ansatz eines Lichtes am Horizont). Viel schöner freilich wäre es, wenn die Alt-Münchner Häuser wieder her kämen. Aber das ist wohl leider illusorisch.

      Besser aber wäre es gewesen, wenn nach dem historischen Vorbild wiederaufgebaut worden wäre, wie Ursus es sagt.


      Markus schrieb:

      Altstadt-Tauglichkeit
      Hotterstraße 16 würde ich aber schon als altstadttauglich ansehen.
    • Ja aber es ist doch Interessant weil Da gibt gute Argumente fur und gegen die Schonheit München was Markus och meine Auswahlpanoramas zeigt - Markus wahlt halt die Negativebeispiele raus und ich hole die Positivbeispiele - die Wahrheit liegt dazwischen was schon gut ist.

      Markus hatte auch die schone Ecken von Hackenstrasse fotografieren aber da lag nicht die Fokus.
    • Erstmal vielen Dank an Markus an die große Mühe, die Du Dir gegeben hast, das ist eine tolle Arbeit!

      Ich muss jetzt aber schon einigen merkwürdigen Ansichten unseres Bären widersprechen, der vielleicht in der wertvollen Zeit zwischen seinen ausgedehnten Winterschläfen nicht genügend Zeit gefunden hat, sich mit der Architekturgeschichte Münchens zu beschäftigen:

      ursus raunzicus schrieb:

      Abgesehen von den Palais um die Theatinerstraße war es eine einfache Architkektur, die zerstört worden ist, und die ohne beträchtliche Mehrkosten wiedererrichtbar gewesen wäre. Die massenahfte 1:1 Wiederherstellung von anspruchsvolleren Historismusbauten verlangt hier ohnedies keiner, aber gerade in München gibt es viel schlichten Heimatstil, der eine gute Grundlage geboten hätte.
      Erstens gab es in der Altstadt Münchens kaum Beispiele für Heimatstil, der war eher in den Vorstädten präsent. Vielleicht kann man am ehesten noch den Hirmer und den Oberpollinger in der Kaufingerstraße Heimatstil nennen, aber das wäre auch schon alles.
      Zweitens war die Altstadt vor der Zerstörung sehr wohl stark vom Historismus überformt, den man aber vor dem 2. Weltkrieg schon nicht mehr schätzte und nach dem Weltkrieg dementsprechend in den meisten Fällen auch nicht mehr rekonstruierte. Einige Beispiele aus der Kaufingerstraße:








      Da Deiner Meinung nach die "1:1 Wiederherstellung von anspruchsvolleren Historismusbauten ohnedies keiner verlangt" (eine Meinung, die ich nicht ganz teile), was möchtest Du dann? Heimatstil?
      Ich weiß jetzt nicht, was Du genau unter Münchner Heimatstil verstehst, aber wenn man sich die typischen Altmünchner Häuser anschaut, dann waren das Traufenhäuser, deren Fassaden bemalt oder stuckiert waren. Auf dieser Grundlage sind durchaus nicht wenige Häuser nach dem Krieg errichtet worden, so z.B. das Haus Beck am Rathaus, der Donisl und die rechts angrenzenden Häuser am Marienplatz/Weinstraße, die Bebauung um den Dom herum, das große und sehr schöne Haus Burgstraße 4, fast die ganze westliche Seite am Rindermarkt, viele kleinere Häuser in der Sendlinger Straße, ja sogar die so viel (zurecht) geschmähte Südseite des Marienplatzes, die alle eine einfache Bemalung mit geometrischen Linien und Mustern oder Wandfeldern haben. Die eigentliche Architektur ist nicht so anders als dies bei den alten Bürgerhäusern der Fall war, nur haben die Nachkriegshäuser meistens ein oder zwei Etagen mehr, was ja aus wirtschaftlichen Gründen nachvollziehbar ist und noch nicht per se für ein schlechtes Aussehen sorgt.
      Der Grund dafür, dass die meisten dieser "Anpassungsbauten" aber trotzdem fad und störend oder sogar häßlich sind, liegt aber woanders: die eigentliche Form der Münchner Traufenhäuser mag einfach gewesen sein, aber sie hatten aufwendigen und kunstvollen Fassadenschmuck, der den Häusern erst ihren Sinn und ihre Schönheit gab und aus dem die altbayrische Seele sprach.
      Jetzt kommen wir zum dritten Punkt: die wirklich passende Lösung für den Wiederaufbau wäre gewesen, die Häuser mit all ihren Details wiederzuerrichten, weil nur das die verspielte, barocke Münchner Art wiederspiegelt, die hier zu Hause ist (heutzutage muss man leider sagen "war") und über Jahrhunderte gewachsen ist. Die traditionellen Münchner Bürgerhäuser waren keineswegs "eine einfache Architektur, die ohne beträchtliche Mehrkosten wiedererrichtbar gewesen wäre", es wäre ein riesiger Aufwand gewesen, wieder alles zu stuckieren oder zu bemalen, sowohl im Falle der vor dem Krieg noch bestehenden alten Bürgerhäuser als auch der vielen Gründerzeitler.
      Hier ein paar Fotos von alten Münchener Bürgerhäusern, damit Du eine Idee bekommst, über was wir hier reden. Da ist kein Palais dabei, nichts aus dem Kreuzviertel, nichts aus der Theatinerstraße, einfach verschiedene Bürgerhäuser, von arm bis reich.
      Die einfachen Häuser haben z.B. so ausgesehen, das dürfte das sein, woran Du vielleicht gedacht hast:


      (Sendlinger Str. 5, 6)


      (Sendlinger Str. 18, 19)

      Hier schon ein bissl geschmückter:

      (Sendlinger Str. 37)


      (Sendlinger Str. 33)





      (Burgstraße 12)
    • Hier noch 2 Gesamtansichten:


      (Herzogspitalstraße Nordseite)


      (Marienplatz Südseite)

      So haben die Straßen der Münchener Altstadt ausgesehen, bevor der Historismus vieles davon ersetzt hat. Ich würde jetzt nicht sagen, dass das überwiegend "einfache" Häuser waren. Viele dieser Häuser könntest Du bedenkenlos in die Wiener Altstadt versetzen und sie wären auch dort sehr schön.
      Was einen "adäquaten" Wiederaufbau Münchens betrifft: ich finde, entweder man baut die Historismusgebäude wieder auf, die teilweise durchaus prächtig waren und auf jeden Fall besser waren als das, was heute dort steht, oder man rekonstruiert die vorhistoristischen, überwiegend barocken Häuser, die München so sehr geprägt hatten. Dann könnte man wieder von München reden.
      Natürlich ist das in seiner Radikalität völlig illusorisch, aber vielleicht könnte man einen Teil davon wieder aufbauen.

      Was den tatsächlich erfolgten Wiederaufbau betrifft, so glaube ich, dass nicht alles schlecht ist; natürlich ist die Innenstadt sehr durchwachsen, aber man hat gerade, was die kunsthistorisch wichtigen Bauten betrifft, überwiegend sehr gute Arbeit geleistet, alle Kirchen mit Innenausstattung (bis auf den Dom), einige Palais, die Residenz (deren Rekonstruktion der Innenräume eine gigantische Leistung darstellt!), nahezu die gesamte Ludwigstraße, die Maxmilianstraße und weite Teile der Brienner Straße mit Wittelsbacher Platz und Königsplatz, die Staatsoper, die Alte Pinakothek, das Prinzregententheater, das Cuvilliéstheater, das ebenfalls beschädigte Schloss Schleißheim und noch ein paar andere Dinge mehr, das ist schon etwas. Diese Dinge sind für München im Endeffekt genauso wichtig wie die eigentliche Altstadt, weil sie einen wichtigen Teil der Münchener und bayrischen Geschichte widerspiegeln.
    • Dann müsste Dir ja das gefallen (und ich mein nicht nur den Hugendubel-Neubau, sondern auch die Häuser rechts anschließend):



      Oder vielleicht sogar das? vesotec.de/versorgungstechnik_referenzen/rindermarkt/1.jpg
      Das Haus hat sogar ein Altmünchner Ohrwaschl... die Fenster sind ein bissl modern, aber die könnte man ja austauschen...

      Oder auch einige von Markus präsentierte Häuser wie dieses hier (ich bette es mal hier ein):



      Sicher, deine zwei Beispiele aus der Brunnstraße haben eine schöne Putzfassade und Sprossenfenster und haben allgemein eine höhere Qualität, aber in der Architektur unterscheiden sie sich im Endeffekt nicht so sehr von diesen hier.
      Ich finde, dass solche Häuser, wenn man sie wie auf deinem Foto qualitativ hochwertig baut, teilweise schon als Lückenfüller passen, aber nicht für ganze Straßenzüge, da braucht es schon aufwendiger gestaltete Fassaden.
    • Übrigens waren die Altmünchener Bürgerhäuser spätestens seit der Renaissance reich bemalt (bevor sie dann in der Barock- und Rokokozeit stuckiert wurden), von daher sind einfach verputzte Häuser wie auf deinem Foto der Brunnstraße oder wie bei der erhaltenen Häuserzeile am Sebastiansplatz historisch nicht korrekt. Ich denke, dass diese alte Tradition der Fassadenbemalung auch der Grund war, wieso man einige der besseren Nachkriegsbauten wie das Haus Beck, den Donisl, Burgstraße 4 und ein paar andere ebenfalls bemalt hat.
      Übrigens, auch in Wasserburg ist die jetzige einfarbige Fassung der Häuser historisch nicht korrekt, die Häuser dort waren ursprünglich ebenfalls aufwendiger bemalt. Das jetzige Erscheinungsbild Wasserburgs (jedes Haus in einer anderen monochromen Farbe) ist ein Werk des 20. Jahrhundert.
    • Dass man, wenn man das Aussehen des Münchner Bürgerhauses in Erinnerung ruft, gleich verdächtigt wird, dass einem das Haus Rindermarkt 5 (Maredo) nach seiner verwerflichen Verunstaltung gefallen würde, muss als grotesk erscheinen. Ist man in diesem Forum so weit dem historischen Baubestand das alten München entfremdet, dass man über die Vorstellungen des 19. Jahrhunderts über die Umgestaltung des Stadtbildes nicht mehr hinaus denken kann, so tut, als hätte die Stadt nie anders ausgesehen als kurz vor dem Krieg?

      Immerhin wird erkannt, dass die beiden authentischen Häuser in der Brunnstraße über "eine schöne Putzfassade und Sprossenfenster" verfügen. Das trifft auf die Bausünden, die in all den Jahren über die Altstadt hergefallen sind, nicht zu.

      Darauf, ob die Fassaden bemalt sind, kann es nicht ankommen, denn das ist vom Prinzip nichts anderes als eine Frage der Fassadenfarbe.

      Ein bisschen Stuck kann schon droben sein, das sollte nicht kriegsentscheidend sein.
    • Zeno, das mit dem Rindermarkt 5 war mehr ein sarkastischer Scherz, das geb ich zu. Was die Südseite des Marienplatzes betrifft, so wiederhole ich jedoch meine Frage: das müsste doch für Deinen Geschmack dann relativ akzeptabel sein? Wenn man da Fenster mit Quersprossen (Längssprossen sind ja schon drin) einsetzt, würde es doch ziemlich genau Deinem vorgeschlagenen Schema entsprechen, oder nicht? Traufenhäuser mit Dachgauben und Putzfassade.

      Zeno schrieb:

      Ist man in diesem Forum so weit dem historischen Baubestand das alten München entfremdet, dass man über die Vorstellungen des 19. Jahrhunderts über die Umgestaltung des Stadtbildes nicht mehr hinaus denken kann, so tut, als hätte die Stadt nie anders ausgesehen als kurz vor dem Krieg?
      Das finde ich jetzt grottesk: ich poste haufenweise alte Fotos wie die Stadt wirklich ausgesehen hat und Du behauptest, ich könnte über die Umgestaltungen des 19. Jahrhunderts nicht hinausdenken. Nochmal ganz langsam zum Mitlesen: die ersten drei Beispiele aus der Kaufingerstraße waren tatsächlich Historismusbauten von der Jahrhundertwende, ich habe sie gepostet als Beispiele dafür, dass die Altstadt vor ihrer Zerstörung bereits stark historistisch überformt war. Alle weiteren Beispiele sind vorhistoristische Häuser, die teilweise eben am Ende des 19. Jhdts abgerissen wurden, um für Gründerzeithäuser Platz zu machen. Ich habe sie gepostet, um zu zeigen, welche Bandbreite das Altmünchner Bürgerhaus vor dem Historismus besaß, von einfach bis aufwendig. Das war das alte München, mein Gott!! Kein einziges der von mir gezeigten Bürgerhäuser ist eine Schöpfung oder Umgestaltung des 19. Jhdts, sie stammen alle aus älterer Zeit und wurden im Barock mit Stuck versehen oder bemalt oder zur Barockzeit neu gebaut, wie z.B. das Haus Kaufingerstraße 15 (von ca. 1740). Ob es Dir gefällt oder nicht: München war stark barockisiert worden, weil das eben die vorherrschende Kunstrichtung im Bayern des 17. und 18. Jhdts war und somit wurde das Stadtbild eben überwiegend barock. Vor dem Barock, d.h. in der Renaissance, war das Münchner Bürgerhaus reich bemalt gewesen, siehe z.B. das heute noch erhaltene Haus Burgstraße 5. Lies Dir bitte die diesbezüglichen Kapitel im Standardwerk "Das Bürgerhaus in München" von Erdmannsdorfer durch. Ich zitiere:
      "Man wird sagen, den verhältnismäßig bescheidenen Bürgerhäusern fehle ein wesentliches Merkmal der Renaissance, nämlich die architektonische Gliederung der Fassaden. Nach dem Modell Jakob Sandtners waren die Hausfronten mit geringen Ausnahmen glatt; nur sehr vereinzelt sind waagrechte Gesimse angedeutet. Hätte Sandtner auch die farbige Gestaltung der Fassaden wiedergegeben, was bei der Kleinheit des Modells nicht gut möglich war, so stünde ein ganz anderes Bild vor unseren Augen. Der Brauch, die Außenflächen von Gebäuden mit farbigen Fresken zu schmücken, geht in München auf das späte Mittelalter zurück." (S.68)
      "Die Münchener Hausbemalungen des 16. Jahrhunderts sind bis auf eine verschwunden und nur in wenigen alten Abbildungen überliefert. Sowohl thematisch wie in der Gliederung bestand zwischen den Augsburger und Münchner Hausbemalungen der Renaissance kaum ein Unterschied." (S.69)
      "Soviel ist auf jeden Fall gewiss: das Münchner Bürgerhaus der Renaissance übernahm zwar seine Grundform - die des Traufenhauses - von einer der spätmittelalterlichen Grundformen. An stattlicher Wirkung stand es jedoch in seinen vornehmeren Beispielen infolge der reichen Bemalung den gleichzeitigen Bürgerhäusern anderer Städte nicht nach." (S.73)
      "Die reiche Fassadenbemalung des 16. und 17. Jhdts wich im 18. einer plastischen Stukkierung, die vielfach farbig getönt war." (T9)
      Deswegen hab ich gesagt, dass ein einfaches, nur verputztes und ansonsten undekoriertes Haus nicht typisch für München gewesen ist, und zwar schon sehr, sehr lange vor dem 19. Jhdt. Ich glaube eher, dass Du eine falsche Vorstellung davon hast, wie München einmal ausgesehen hat, nicht ich. Schau Dir einmal die alten Stiche von Merian und Wening an, da siehst Du, wie die Häuser am Marienplatz ausgesehen haben. Natürlich gab es ärmere Leute in den Nebengassen, die ihre Häuser nicht dekoriert haben, das war aber keinesfalls die Mehrzahl.

      Zeno schrieb:

      Darauf, ob die Fassaden bemalt sind, kann es nicht ankommen, denn das ist vom Prinzip nichts anderes als eine Frage der Fassadenfarbe.
      Das ist eine sehr oberflächliche und unsensible Aussage, es handelt sich im Gegenteil um eine entscheidene künstlerische Frage: die Qualität des Fassadendekors! Die Stukkierungen der beiden letzten von mir geposteten Häuser Weinstraße 10 und Kaufingerstraße 15 sind absolut außergewöhnlich in ihrer Feinheit und Pracht, ohne sie wären die Häuser nur simple, nichtssagende viereckige Kästen.
    • Um wieder den Bogen zum eigentlichen Thema dieses Threads zu schlagen: ein für München adäquater Wiederaufbau hätte meiner Meinung nach diese alte Tradition der Fassadendekoration wiederaufnehmen müssen und zwar mit hoher künstlerischer Qualität. Das wurde zwar mit Bemalung des öfteren versucht, gerade um den Marienplatz herum, meistens aber sehr primitiv und schlecht ausgeführt. Gelungene Beispiele sind für mich das schon öfter erwähnte Haus Burgstraße 4, der Donisl und das Haus links daneben (ich weiß jetzt die Adresse nicht) oder das Haus Beck am Rathaus. Auch der unmittelbare Nachkriegsbau vom Hugendubel am Marienplatz war akzeptabel.
      Stuck wurde aber - soweit ich weiß - leider an keinem Neubau nach dem Krieg angebracht...
    • Leonhard schrieb:

      das Haus links daneben
      Marienplatz 1, 2


      Marienplatz 1 Muenchen-1 [CC BY-SA 3.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (gnu.org/copyleft/fdl.html)], von Rufus46 (Eigenes Werk), vom Wikimedia Commons
      Marienplatz 1


      Marienplatz 2 Muenchen-1 [CC BY-SA 3.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (gnu.org/copyleft/fdl.html)], von Rufus46 (Eigenes Werk), vom Wikimedia Commons
      Marienplatz 2
    • Also wenn das Satire war, dann stellt sich das alles natürlich ganz anders dar. Und wenn die Gedanken von Ursus als "merkwürdge Ansichten" apostrophiert werden, dann ist die Neutralität natürlich futsch.

      Wichtig ist vor allem, dass sich die gründerzeitlichen Kolosse in der Kaufingerstraße überlebt haben. Die von Dir gezeigten vorgründerzeitlichen Häuser sind natürlich das Vorbild der Wahl, wie etwa Sendlinger Straße 5 und 6 auf dem ersten Bild. Das Beispiel von der Brunnstraße sollte zeigen, dass sie auch wesentlich einfacher sein konnten; diese einfachen Formen sind doch ein wunderbares Muster für Neubauten - nach dem Krieg und heute. Wo früher viergeschossige Gebäude waren, gibt es heute halt sechsgeschossige. Der Stil kann dabei ohne Schaden beibehalten werden.

      Es hat aber auch einfache Gebäude gegeben, wie uns diese wundervolle Ansicht zeigt:

      Zum Marienplatz: Also abgesehen vom Hugendubel habe ich die Südseite von jeher für akzeptabel gehalten, und zwar schon als Kind, wo ich noch ganz andere Vorstellungen gehabt habe - heute bin ich weit weniger anspruchsvoll. Das ist es wohl, warum ich die Kritik am Nachkriegsaussehen des Marienplatzes nie verstanden habe.
    • Danke für die Fotos, das Haus Marienplatz 1 meinte ich allerdings nicht, das wurde im Krieg nicht zerstört, sondern ich meinte das Haus rechts daneben, was Du als zweites Foto gepostet hast und wo das Café Woerner drin ist. Dieses Haus ist zwar auch nicht ganz zerstört worden, aber die Fassadenbemalung ist nach dem Krieg neu gemacht worden.

      Das Foto von Markus vom Anger beweist aber auch nicht, dass diese Häuser schon immer undekoriert waren, die Fassadenbemalung hat man meistens irgendwann übermalt oder die Häuser neu verputzt. In unserem rauhen Klima würden sich Außenfresken ja auch niemals über Jahrhunderte halten. Es kann aber natürlich durchaus sein, dass gerade diese Häuser am Anger niemals bemalt waren, weil diese Gegend direkt an der alten Stadtmauer (Angertor) in alten Zeiten keine sehr reiche Gegend war, wo sich wohlhabendere Leute angesiedelt hätten, sondern es war eher eine Arme-Leute-Gegend.
      Bzgl. der zwei Häuser in der Brunnstraße kann man es ebenfalls nicht wissen, ob sie immer so einfach waren, man kann es im Nachhinein einfach nicht mehr herausfinden. Was ich generell sagen wollte, war: wenn es sich jemand leisten konnte und einen gewissen Wohlstand und gesellschaftliche Stellung demonstrieren wollte, dann dekorierte er sein Haus. Von daher war eine gewisse Verspieltheit und Sinnenfreude im Stadtbild Münchens absolut typisch. Ich meine, wie sollte das auch anders sein? Sogar auf dem oberbayrischen Land hat jeder Bauer, der etwas auf sich hielt, sein Haus bemalt, dann soll ausgerechnet in der Hauptstadt die große Einfachheit herrschen? Mir wären die Beispiele Sendlinger Str. 5 und 6 wie auf dem historischen Foto als flächendeckende Vorbilder zu simpel und uninspiriert; wenn Du diese Häuser auf die notwendige Größe aufbläst, kommt nicht sehr viel anderes heraus, als was wir jetzt auf der Südseite vom Marienplatz haben. Das ist mir zu wenig. Ein bisserl Pracht darf schon sein, sonst steht es für mich nicht in der Tradition des alten Münchens.
    • Noch bzgl. Marienplatz: wenn ich die jetzige Südseite des Marienplatzes anschaue und mit dem von mir geposteten Foto aus dem 19. Jhdt vergleiche, dann muss ich fast weinen... diese heutige Banalität und Seelenlosigkeit ist für mich in der Summe nicht zu ertragen. Das ist ein Verlust an kultureller Identität, das ist nicht mehr meine Welt. Gottseidank gibt es dann doch noch so einige schöne Ecken in München, an denen ich mich zuhause fühle und die mich inspirieren.
    • Zeno schrieb:

      Wichtig ist vor allem, dass sich die gründerzeitlichen Kolosse in der Kaufingerstraße überlebt haben.
      Dazu möchte ich auch noch was sagen: leider stehen in der Kaufingerstraße heute nicht weniger Kolosse als zur Gründerzeit, nur sind diese heute wesentlich häßlicher als damals! Siehe z.B. der neue Sport Scheck. Die einzigen ansehnlichen Kaufhauskolosse in der Kaufinger- und Neuhauser Str. sind die übriggebliebenen Gründerzeitler, wie z.B. der Hirmer, der Oberpollinger, die Kaufingerstr. 24 oder der C&A. Da wäre mir ein prächtiger Gründerzeitler wie z.B. der Domhof (auf dem 3. Foto in meinem Post) schon sehr viel lieber...