Warschau (PL) (Galerie)

  • Einige Bilder aus Warschau vom sonnigen Oktober dieses Jahres. Ich hatte nur einen sehr kurzen Aufenthalt. Das Stadtbild, das ich gesehen habe, hat einen nicht vom Hocker. Einige uninspirierte Hochhäuser und Wohnblocks. Auch die stalinistischen Wohnblocks, die ich gesehen habe, waren von minderer Qualität. Alles eher trist. Einzige Lichtpunkte waren der stalinistische Kulturpalast (bei dem zwei Damen allerdings belustigt lächelten, weil ich ihn fotografieren wollte), einige Reste historistischer Bebauung und die für mich wirklich überraschend große und sehr authentisch wirkende rekonstruierte Altstadt, die wie eine Insel in dieser Stadt existierte. Wir beginnen beim Areal des Hauptbahnhofs (eine An- und Abreise mit dem Zug ist für Fremde nicht wirklich zu empfehlen, da die Ausschilderung mangelhaft ist und ein Info-Service offenbar nicht vorhanden) und laufen dann zur Altstadt am Weichsel-Ufer.



    (Rückseite Station Centralna. Ein wenig wie Frankfurt MyZeil)



    (Am seitlichen Bahnhofsausgang steht auch schon der Kulturpalast)



    (Ansonsten ist dies ein realistisches Stadtbild; eher noch auf dem Foto "interessanter" wirkend, als real)









    (Auch mit modernistischen Dachaufsätzen haben sie ihre Erfahrung)





    (Präsidentenpalast)

  • "Große" Altstadt?
    Ich war noch nie dort, daber das ist doch nur der Ringplatz und ein paar Zubringer- bzw Nebenstraßen?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Groß ist die Altstadt sicherlich nicht, mit der Neustadt im Norden und dem Königsweg im Süden entsteht schon ein relativ großes Areal, das in Anlehnung an das historische Vorbild gestaltet wurde. Allerdings dort ohne flächendeckende Rekonstruktionen, sondern eher an den wichtigsten Straßen entlang wiederaufgebaut.

  • Für mich wirkte sie groß, weil ich ohne Erwartungen und viel an Vorkenntnis dort hingelaufen bin. Ich dachte, es würde sich nur um einen Platz handeln, aber es ist schon ein etwas ausgedehnteres Areal. Vor allem war ich erstaunt von der Authentizität des dortigen Altstadt-Empfindens. Es ist nicht "clean" und wärmegedämmt dort. Die Gassen riechen sogar angenehm moderig. Das Flair mit den kleinen Cafés wirkt südländisch. Also, objektiv mag die Altstadt nicht so groß sein, aber ich war dennoch angenehm überrascht.
    P.S.: Das ist allerdings keine Reiseempfehlung. Denn sonst hat diese Stadt offenbar nicht sehr viel zu bieten.

  • Diese (ganz kurze) Diskussion hatten wir vor ein paar Jahren schon mal. Vielleicht hilft diese Luftaufnahme dabei, sich eine Meinung zu bilden.


    Es scheint auch noch Platz für Erweiterungen, sprich weitere Rekonstruktionen zu geben, es sei denn diese leeren Grünflächen hätte es vor der Zerstörung schon gegeben.

  • Eigentlich ist Warschau Altstadt eine der bester Wiederaufbauleistungen weil die Enge ist wieder da - man kann alles wunderbar mit google street view ablaufen. Klein aber fein.

  • Quote from heimdall

    P.S.: Das ist allerdings keine Reiseempfehlung. Denn sonst hat diese Stadt offenbar nicht sehr viel zu bieten.

    versteh ich nicht ganz. Was soll eine Stadt für unsereins zu bieten haben außer einer (relativ) großglächigen Altstadt?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Eine interessante Arbeit zur heutigen Altstadt kann hier heruntergeladen werden.


    Es handelt sich ähnlich wie in Danzig meist um einen freien und idealisierten Nachbau älterer Bauzustände (die es in dieser Form nie gleichzeitig gab), nur wenige Gebäude wurden präzise rekonstruiert. Es wurden meist "moderne" Baumethoden verwendet (Stahl, Beton), die Innenräume modern aufgeteilt und mehrere Fassaden einem einzelnen Gebäude vorgeblendet. Das ist aber letztlich alles in der Praxis sehr vernünftig und soll die Leistung nicht schmälern.



    Was soll eine Stadt für unsereins zu bieten haben außer einer (relativ) großglächigen Altstadt?

    Generell finde ich es spannend, sich mit der Stadtgeschichte und deren Auswirkungen auf die Bebauung zu befassen, da kann durchaus auch mal eine Stadt wie Hoyerswerda oder Eisenhüttenstadt interessant sein, auch wenn (abgesehen vom kleinen historischen Zentrum von Hoyerswerda) natürlich der klassische Tourist dort nichts passendes vorfinden wird.


    Da ich bei Madrid mit meiner Entfernungsschätzung komplett daneben lag, habe ich soeben extra in Google Earth nachgemessen: in Nord-Süd-Richtung vom Stasczic-Palast im Süden bis zum Ende der historischen Bebauung im Norden des Neustädter Marktplatzes komme ich auf etwa 2 km, wobei allerdings der Königsweg nicht komplett rekonstruiert ist und dort auch die beiden Gebäude von Nummer 7 oben stehen. Aber ein "historisches Erleben" sollte da trotzdem möglich sein.

  • Die Altstadt Warschaus ist schon toll! Auch wirkt sie überhaupt nicht künstlich - die Patina der Häuser sorgt für einen Eindruck von Alter und durchlebter Geschichte... Es ist wahnsinnig, was die Polen da nach dem Krieg geleistet haben! Und das noch unter einer sozialistischen Regierung...

  • versteh ich nicht ganz. Was soll eine Stadt für unsereins zu bieten haben außer einer (relativ) großglächigen Altstadt?

    Nun, da bin ich nicht ganz Deiner Meinung. Ich kann Städten wie Berlin oder London durchaus etwas abgewinnen, auch wenn sie in den größten Teilen nicht über eine großflächige Altstadt verfügen. Auch das Haussmann-Paris ist ja keine Altstadt im eigentlichen Sinne, aber verfügt über viel Lebensart und Flair. Es ist dort eben eine inspirierende urbane Atmosphäre anzutreffen, vor allem also in gründerzeitlich geprägten Quartieren. Das ist z.B. auch in Frankfurt so, wo das interessante Leben primär in Stadtteilen wie Sachsenhausen, Bornheim, Nordend stattfindet. Da wird es bei den Wohnblocks, riesigen Brach-Wiesen und eher uninspirierten Hochhäusern in Warschau schon weit schwieriger. Wer das aber mag, liegt dort insgesamt natürlich nicht falsch.

  • Ich bewundere die Polen für ihre großartige Wiederaufbauleistung in Warschau. Die Altstadt und insbesondere die besonders kunsthistorisch herausragenden Gebäude waren ja 1944 durch das Nazipack systematisch gesprengt worden.


    Ein zentraler Bestandteil des alten Warschaus fehlt allerdings noch: Die Rekonstruktion der beiden stadtbildprägenden Paläste Sächsisches Palais und Palais Brühl, beide grandiose Meisterwerke aus der Zeit der sächsischen Wettiner in Polen. Der Wiederaufbau ist zwar geplant aber bis auf weiteres aufgeschoben. Wäre es nicht eine wunderbare Idee, wenn aus Deutschland eine deutliche finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau käme??


    Hier ein kleines Video über die Wiederaufbaudiskussion (leider sprachlich für die meisten nicht verständlich):



    ebenfalls interessant:


  • Sehr groß ist die wiederaufgebaute Altstadt in der Tat nicht. Innerhalb der alten Wallanlagen etwas kleiner als die von Pirna würd ich mal schätzen. Allerdings sind auch einige abgehende Straßen zumindest in großen Teilen rekonstruiert worden, wie bspw. die Lange Straße (Ulica Długa), der Königsweg und die Sächsische Achse (in Teilen).

  • 1815 kam Warschau unter russische Herrschaft und wurde zu einer Provinzstadt.

    Quote

    Die Altstadt verkam zum Armenviertel. Das Rathaus wurde abgerissen und die Stadtmauern mit Mietskasernen umbaut und teilweise abgebrochen.



    1918 wurde Warschau wieder die Hauptstadt eines unabhängigen polnischen Staates. Die Altstadt wurde als Tourismusziel erneuert, die Bürgerhäuser am Marktplatz wurden 1928 von bekannten Malern geschmückt. Die Stadtmauern wurden teilweise von den Mietskasernen befreit und renoviert. Das Königsschloss wurde 1926 zur Residenz des polnischen Staatspräsidenten.

    Quelle: Wikipedia

  • Warschau der letzte Blick - Deutsche Luftaufnahmen Entstanden vor August 1944


    Die virtuelle Ausstellung zeigt - ebenso wie die Fotoausstellung - deutsche Luftaufnahmen des Zentrums der Stadt Warschau - von den Stadtteilen Wola bis Praga, von Żoliborz bis Mokotów. Die Fotografien wurden wenige Wochen vor dem Ausbruch des Warschauer Aufstands (1. August 1944) aufgenommen, wahrscheinlich entstanden sie Ende Juni oder Anfang Juli bei einem Aufklärungsflug durch ein Flugzeug vom Typ FW 189 Eule. Das gute Wetter und die hohe Professionalität der Fotografen führten zu außergewöhnlich guten Aufnahmen. Die Plätze, Straßen und Parks - voller Menschen und Fahrzeuge - zeigen ein lebendiges Treiben unter sommerlicher Sonne. Die Architektur bestimmter Stadtteile und Ensembles sowie einzelne, heute verlorene Bauwerke sind in den letzten Tagen ihrer Existenz zu sehen. Zugleich wird der Umfang der Verluste deutlich, die die polnische Hauptstadt bereits beim deutschen Angriff auf Warschau im Jahr 1939 erlitten hat.


    Die Luftaufnahmen stammen aus dem Bildarchiv Foto Marburg, dem die Serie von 110 Fotos 1983 aus einem privaten Nachlass übergeben worden war. Dort "wiederentdeckt" wurde dieser kleine Bestand an wertvollen und in der Forschung bislang unbekannten Bildquellen anlässlich eines Studienaufenthalts von Dr. Marek Barański im Herder-Institut Marburg im Jahr 2003. Aus seine Initiative hin und von ihm konzipiert wurde eine Präsentation zunächst für das polnische Publikum im Herbst 2004. Die deutschsprachige Version der Ausstellung und die Multimediaversion wurden realisiert in Kooperation von Dr. Barański, dem Historischen Museum der Stadt Warschau, dem Bildarchiv Foto Marburg und dem Herder-Institut. Sie sind ergänzt durch Erläuterungen zu den elf in den Luftbildern porträtierten Stadtteilen und Ensembles sowie durch historische und jüngere Einzelaufnahmen aus den beteiligten Bildarchiven sowie aus dem Bildarchiv des Kunstinstituts der Polnischen Akademie der Wissenschaften (IS PAN) in Warschau. Die technische Umsetzung besorgte das Bildarchiv Foto Marburg.



    https://www.google.de/url?sa=t…Vaw0YOZViD3-9BLY9X7exY9hO

  • Man muss auch konstatieren, dass Warschau niemals eine überragende städtebauliche Rolle gespielt hat- eine politisch groß gewordene Mittelstadt, mehr nicht, die keine Sekunde auch nur einen Vergleich mit Bamberg, Würzburg oder Görlitz aushielt und die auch innerpolnisch niemals erste Geige spielte, sondern stets anderen polnischen Städten, dh Städten, die gerade temporär zu Polen gehörten, wie natürlich Krakau (der wahren Metropole), Lemberg, Danzig, Posen, Wilna (allesamt schon ziemlich umstritten) deutlich unterlegen war.
    Auch die hier gezeigten Bilder lassen keine unstillbare Sehnsucht bzw das Gefühl eines unvergleichbaren unwiederbringlichen Verlust aufkommen.



    Quote

    Warschau galt vor dem Zweiten Weltkrieg als eine der schönsten Städte Europas

    Nein, das wirklich nicht, davon konnte keine Rede sein.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Sehe ich auch nicht so. Das ist doch die Altstadt einer Klein- oder Mittelstadt.

    Das Wort "groß" muss man hierbei doch relativ verstehen. Es ging mir nicht darum, zu klären, welche europäischen Städte über die flächenmäßig größten (oder gar bedeutendsten) Altstädte verfügen. Ich bin da ohne viel Wissen hingelatscht und war dann überrascht von der Größe des Areals, das ich um einiges kleiner angenommen hatte. Zudem wusste ich natürlich, dass diese Altstadt rekonstruiert wurde. Und wenn man dieses Reko-Projekt mit dem Dresdner Neumarkt vergleicht oder gar nur mit dem klitzekleinen Frankfurter Dom-Römer-Areal, dann ist diese Altstadt eben groß.