Dresden früher - das Zentrum 1996, 1998 und 2001

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    • Versteh nicht, was man an diesen Bildern als "erschütternd" wahrnehmen soll?
      Kann mich noch gut an meinen ersten Ausflug nach DD von Prag aus erinnern.
      Man war froh, dass man dorthin konnte, - dass DD zerstört worden war, wusste man ja - , man erfreute sich an dem Erhaltenen oder Wiederaufgebauten, ja sogar an den Ruinen, dass sie nicht platt gemacht waren. Auch ohne FK und Helm vom Schlossturm war DD damals mächtig stolz auf seine Silhouette. Noch im Kommunismus ließen sich Dresdner Bonzen davor für unser Staatsfernsehen filmen und palaverten etwas über das wunderbare sächsische Lebensgefühl. Auch nach der Wende wird es nicht anders gewesen sein, und an Tourismus mangelte es in DD keinesfalls. Damals herrschte Aufbruch und eine gewisse Lebensfreude, die Verwahrlosung war gegenüber Bautzen oder Görlitz ohnedies vernachlässigbar (und wurde von den Einheimischen gar nicht mehr als solche wahrgenommen: Baützen ist wunderschön. Verwahrlost? Mein Gott, halt so wie unsre Städte heute ausschauen!)
      Ehrlich gesagt stimmen einen diese Bilder recht nostalgisch. Die Leute, die man sieht (sämtlich einheimisch-europäisch!), wirken eher geschäftig als arbeitslos. Das Fehlen von Kopftüchelfrauen stört mich persönlich eigentlich nicht besonders, und auch abgesehen von diesem leidigen Thema stellt sich einem die Frage, ob jenseits der Stadtbildrekonstruktion wirklich sehr viel besser geworden ist und ob sich die Dederoni, wie man weiter südlich zu den Menschen hier sagte, damals nicht eine andere Zukunft erhofft haben.
      Das sehr schüttere DDR-Stadtbild hatte jedenfalls verglichen mit den zugeschütteten Wiederaufbaustädten des Westens durchaus seinen Reiz. Der Durchblick von der Prager Straße auf die Schlossruine störte nicht wirklich, wenn dazwischen eh nichts Besseres als Wiederaufbauarchitektur, sei sie westlich oder östlich, erwarten durfte. Ob die entfernung des Lenindenkmals wie auch die Verdichtung der Prager Straße eine gute städtebauliche Idee war, bleibe dahingestellt.

      Wer diese alten Bilder nun bejammert, geht jedenfalls von heutigen Innenstadt-Zustand aus, den man damals als unrealistisch jenseitig angesehen hätte, zumal es ein derartiges Wiederaufbauprojekt in ganz D nicht gegeben hat.
      Die angebliche Trostlosigkeit dieser Bilder existierte zu keiner Zeit.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Da würde ich widersprechen und zugleich sagen, dass eine solche Sicht nur von einem "Wessi" (oder "Wössi") kommen kann. Natürlich waren die Städte verwahrlost, auch Dresden. Hier wurde aber insbesondere nach der Grenzöffnung und Besuchen im Westen auch dem letzten klar, wie weit der Verfall fortgeschritten war, in was für einer regelrechten Kloake man gelebt hatte. Mit dem Trabi ist man 89/90 auf Westautobahnen noch freudig angehupt, regelrecht bejubelt worden. 2-3 Jahre später mussten wir uns auf den Besuchsreisen zu den Großeltern im Sauerland dann anhören, mit der Karre die Luft zu verpesten. Heute gehts uns ja nicht anders, fährt vor einem eine Schwalbe, rümpft man gleich die Nase, damals sind fast nur Zweitakter rumgefahren.

      Zumal man beim Anblick der meisten ruinösen Gebäude immer auch im Kopf haben musste, dass sie über kurz oder lang verschwinden. Eine Sanierung des bewohnten Ruinenmeeres war bis zur Wende nicht in Aussicht.
    • ursus carpaticus schrieb:

      Versteh nicht, was man an diesen Bildern als "erschütternd" wahrnehmen soll?
      ...
      Die angebliche Trostlosigkeit dieser Bilder existierte zu keiner Zeit.
      Manche Aufnahmen im "Dresdner Interregnum 1991" sind schon mehr als heftig. Die langen Fahrten durch die Äußere Neustadt und durch ein (Baustellen-)Plattenbaugebiet empfinde ich nur als trostlos. Die mit leeren Getränkedosen gefüllten PKW-Reste hatten einen mehr als nur morbiden Charme.
    • Ich war Juli 1989 zwei Wochen in der DDR unterwegs. Mein erster Besuch im Ostblock. Wir haben die ganze Republik gesehen mit Ausnahme von Görlitz und Dessau. Ansonsten alle größere Städte gesehen. Es war furchbar: kaputte Städte, das Essen schlecht, wir haben mehrmals erlebt, dass Leute wegen der Lage geweint haben. Die schlimmsten Städte waren Halberstadt, Magdeburg und Dresden. Am "besten", d.h. Einigermaßen erträglich, waren Quedlinburg, Leipzig, Weimar und Erfurt. Generell muss man sagen, das Dresden damals nur als eine kleine Kulisse entlang der Elbe vernünftig aussah. Die Altstadt war einfach schockierend. Würzburg 100 Mal angenehmer.
      Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker
    • Wir hatten in der Vorlaufer zu diese Forum ein Strang Beton-Florenz genannt. Fur mich war Dresden auch 2002 ernuchternd aber heute sieht alles anders aus. Fahrt man uber Neustadt Bahnhof und geht uber Konigstrasse bis Altstadt und dann zuruck zu Aussere Neustadt da kriegt mann ein bessere Erlebisnis als jede Platz in Wurzburg (Mann muss halt Hauptbahnhof und Pragerstrasse vermeiden). Wahnsinn was im Dresden passiert ist -
    • Ich war zuletzt 2004 dort. Muss wohl mal wieder hin, nur gibt es so viel in D zu sehen. Vielleicht wenn der Neumarkt fertig ist
      Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker
    • ursus carpaticus schrieb:

      Das sehr schüttere DDR-Stadtbild hatte jedenfalls verglichen mit den zugeschütteten Wiederaufbaustädten des Westens durchaus seinen Reiz.
      Na ja, ich hatte mir in den 90ern mal einige Bildbände mit Luftaufnahmen zu Dresden gekauft, einen gibt es sogar noch antiquarisch (nämlich Dresden aus der Luft von Dieter Zumpe). Die Altbauviertel waren komplett verfallen, Bäume wuchsen aus den Dächern, die Fassaden waren schwarz, Schloss, Kunstakadamie, Frauenkirche, Kurländer Palais und Taschenbergpalais Ruinen, die katholische Hofkirche mit kaputtem Dach, der Zwinger heruntergekommen, es standen noch der "Freßwürfel" am Zwinger und der Anbau des Polizeipräsidiums ... verglichen damit ist jede West-Stadt eine Wohltat.

      Grüne Wiese und darauf die immer selben Plattenbauten oder Wohnblöcke - das kannst Du übrigens auch heute noch stundenlang erleben, wenn Du mal zu Fuß die Gegend rund um den Neumarkt erkundest - einfach mal durch Pirnaische Vorstadt, Johannstadt und Seevorstadt gehen. Oder mal die Fritz-Löffler-Straße vom Hauptbahnhof nach Süden, wo dann plötzlich mitten auf der grünen Wiese mit Plattenbauten im Hintergrund die russisch-orthodoxe Kirche auftaucht.
      "O meu amor tem um jeito manso que é só seu Que rouba os meus sentidos, viola os meus ouvidos Com tantos segredos lindos e indecentes" (C. Buarque)
    • saudadegostosa schrieb:

      wo dann plötzlich mitten auf der grünen Wiese mit Plattenbauten im Hintergrund die russisch-orthodoxe Kirche auftaucht.
      DIe wahrscheinlich einzige Kirche in Dresden, die nach dem Krieg aus politisch-ideologischen Gruenden erhalten worden ist...?
      „Groß ist die Erinnerung, die Orten innewohnt“ - Cicero

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