Magdeburg - Stadtviertel

    • Magdeburg - Stadtviertel

      Hallo allerseits,

      es gibt etliche Bilder von der Magdeburger "Altstadt", von den Stadtvierteln drumrum aber nur wenige. Das möchte ich Stück für Stück nachholen.

      Beginnen möchte ich mit Buckau.

      Buckau schließt sich im Süden der Altstadt an und liegt an der Elbe. In dem Stadtteil leben 6240 Einwohner. Buckau wurde erstmals 937 erwähnt, fristete jedoch bis zur Industrialisierung ein unbedeutendes Dasein südlich von Magdeburg. Ab 1830 wuchs Buckau durch die Ansiedlung von großen Industriebetrieben (v.a. Maschinenbau) drastisch. Die Einwohnerzahl stieg auf 16.000 im Jahre 1885. 1887 erfolgte denn die Eingemeindung in die Stadt Magdeburg.
      Bis zum Ende der DDR war dieser Stadtteil geprägt von der Industrie und den einfachen Arbeitersiedlungen aus der Vorkriegszeit. Mit Ende der DDR brach die Industrie in Buckau zusammen und der Stadtteil verlor massiv an Einwohnern. Die ohnehin schon vielfach ruinösen Gebäude waren nun sich selbst überlassen. Die Folge waren zahlreiche Abrisse. Mitte der 1990er Jahre konnte der Trend durch die Einstufung Buckau's als Sanierungsgebiet umgekehrt werden. Heute ist Buckau ein aufblühender Stadtteil, bedingt durch die Nähe zur Elbe, und hat sich durch die Ansiedlung von zahlreichen Künstlern einen Namen gemacht.

      Heute gibt es erstmal nur eine kleine Auswahl an Bildern, bevor es dann demnächst großflächig losgeht.

      1824 gebauter Teil des Gesellschaftshauses (entworfen von Karl Friedrich Schinkel). Blick vom Klosterbergegarten aus (Gestaltung durch Peter Joseph Lenné)



      An der Schönebecker Straße liegt das Sahneröschen unauffällig in einer Senke. Dabei ist es eigentlich eine Attraktion, denn es handelt sich um das letzte original erhaltene Kiosk-Gebäude der 1920er Jahre in Deutschland.



      St. Gertrauden-Kirche, 1867 erbaut an der Schönebecker Straße




      Schönebecker Straße oder an dieser Stelle auch Buckauer Engpass genannt. Der Hauptverkehr geht nicht hier durch, sondern über eine Umgehungsstraße, die elbnahe zu DDR-Zeiten errichtet wurde. Dazu wurden damals zahlreiche Häuser abgerissen.






      Schöne Hofeinfahrt in der Gaertnerstraße






      Typisches Magdeburger Rayonhaus in der Klosterbergestraße






      Blick von der Klosterbergestraße in die komplett erhaltene Basedowstraße


      Stadtbild Deutschland e.V. Ortsverband Magdeburg

      - Der Schönheit verpflichtet -
    • Es geht weiter mit dem ersten Teil aus dem nördlichen Buckau. Buckau schließt sich im Süden der Altstadt an. Der Sternbrückenzug bildet sozusagen den südlichen Abschluss der Altstadt. Der Klosterbergegarten gehört bereits zu Buckau.
      Der Rundgang beginnt im Klosterbergegarten an einem kleinen Backsteinhaus (soll wohl mal als Toilettenhaus erbaut worden sein). Heute finden dort gelegentliche Ausstellungen statt (z.B. zu Telemann)



      Ein paar Höhenmeter überwunden und schon nähert man sich der Rückseite des Gesellschaftshauses (zu DDR-Zeiten Haus der Pioniere). Heute wird der Hauskomplex hauptsächlich für Konzerte genutzt, häufig in Verbindung zu Telemann (Festtage und Wettbewerb). Denn das Haus ist auch der Sitz der Telemann-Gesellschaft.



      Detailansicht der Rückseite (hierbei handelt es sich um die gründerzeitliche Gebäudeerweiterung aus dem Jahre 1896)



      Nördlich daran schließt sich der bedeutend ältere Gebäudeteil an. Dieser wurde von Karl Friedrich Schinkel 1824 entworfen, jedoch von 1825-1829 deutlich reduziert realisiert.



      Gesamtansicht



      Detailansicht - Gebäude



      Detailansicht - Bank



      Sehr nahe am Gesellschaftshaus stehen die Gruson-Gewächshäuser. Als Herrmann Gruson (bedeutender Magdeburger Industrieller und Pflanzensammler) 1895 starb, vermachte die Familie seine Pflanzensammlung an die Stadt Magdeburg. Die baute 1896 die Gewächshausanlage. Die Sammlung geht bis auf das frühe 19. Jh. zurück. Heute sind in zehn Schauhäusern ca. 3900 Pflanzenarten untergebracht.





      Das hinter Bäumen versteckte wunderschöne Verwaltungshaus in typischer Magdeburger Rayon-Architektur





      Weiter geht es Richtung Norden und Sternbrückenzug. Der hier abgebildete Teich wurde erst vor wenigen Jahren geschaffen und beruht auf den originalen Gestaltungsplänen von Lenné. Dadurch wurde auch die Blickachse zum Dom vielfältiger gestaltet.



      Hinter dem Teich ist die Treppenanlage zu sehen. Dort geht es hinauf zur Sternbrücke. Vorher aber noch ein paar Details. Unter anderem eine verzierte Säule (der Künstler ist mir nicht bekannt)







      Oben angekommen bietet sich ein toller Blick zurück Richtung Gesellschaftshaus und Gewächshäuser.



      Büste vom Erschaffer der Anlage



      Blick Richtung Altstadt. Zu sehen das neu entstandene Klötzchen-Viertel am Elbbahnhof. Hochpreisig aber billig in der Ausführung. Wer es mag....



      Nun geht es weiter zur rekonstruierten und 2005 wieder eröffneten Sternbrücke. Sie ist eine reine Fußgängerbrücke. Nur ausnahmsweise wird sie für den KFZ-Verkehr geöffnet.



      Hier sind die Spender verewigt.



      Blick auf die Rotehorn-Insel, wo noch bedeutende Bauwerke der deutschen Theaterausstellung von 1927 stehen (Stadthalle und Albin-Müller-Turm).



      Blick auf Buckau. Man kann sich kaum vorstellen, wie die elbufernahen Bereiche zu Vorkriegs- und DDR-Zeiten aussahen. Es waren vollkommen kontaminierte und verdreckte Industriestandorte.



      Nun ging's runter von der Sternbrücke zurück in den Klosterbergegarten. Noch ein Blick zur Sternbrücke.



      Mit dem Blick auf das schmucke Elbelandhaus beende ich den ersten Rundgang. Auf den Bildern waren kaum Menschen zu sehen. Das ist im Sommer vollkommen anders. Dann werden die Grünanlagen von zahlreichen Menschen bevölkert.

      Stadtbild Deutschland e.V. Ortsverband Magdeburg

      - Der Schönheit verpflichtet -
    • Weiter geht's :)

      Der Rundgang wird am Elbelandhaus fortgesetzt. Dort wird über die kleine Holzbrücke die Klinke gequert. Dabei im Blickfeld der große historische Speicher, der für Wohnraum gelungen hergerichtet wurde. Umrahmt wird er von 90er-Jahre Wohnbebauung und nahe der Elbe von einem großen Grünstreifen. Wie gesagt, vor dem Krieg und auch noch zu DDR-Zeiten war das kontaminiertes Industriegelände.



      Von der Brücke aus ein Blick nach Westen entlang der Klinke. Dort erheben sich im Hintergrund die goßen Messma-Werke. Im ehemaligen Messgerätewerk "Erich Weinert" entstehen hochpreisige Loft-Wohnungen.



      Detailaufnahme Speicher



      Blick zurück Richtung Altstadt. Im Vordergrund etwas eigenwillige Spielgeräte. Aber so wie der ganze Stadtteil sehr eigen ist, auch kein Wunder. ;)



      Südlich vom Speicher befindet sich in vorderster Front zur Elbe noch ein weiterer Altbau. Leider steht er nicht unter Denkmalschutz, sodass man hoffen muss, dass er mal nicht ein Opfer der energetischen Sanierung wird.



      Genau zwischen dem Altbau und der neuen Villa zweigt die Fährstraße ab. Dort geht es entlang und man trifft einen einsamen Altbau an. Links und rechts hat man in der Nachwendezeit leider die flankierenden Rayonhäuser abgerissen.



      Die andere Seite ist geschlossen im Blockrand bebaut. Wir blicken auf die Bleckenburgstraße. Dort wurde ein mittelprächtig aussehendes Altersheim gebaut.



      Bleckenburgstraße Blickrichtung Süden. Dort sind noch große Baulücken anzutreffen, die demnächst bebaut werden. Der Gestaltungsbeirat hat sich schon mehrmals kritisch zu den Entwürfen geäußert. Insofern bin ich nicht sonderlich optimistisch, was die architektonische Qualität anbelangt.



      Die schönen und vorbildlich sanierten Altbauten im Hintergrund im Detail



      Ich ging aber die Bleckenburgstraße nicht Richtung Süden weiter, sondern drehte mich um und ging Richtung Norden. An der Ecke Fährstraße/Bleckenburgstraße steht Magdeburg's einzige Litfaß-Säule aus Vorkriegszeiten. Sie steht unter Denkmalschutz.



      Nochmal mit der Bebauung im Hintergrund. Die Bebauung typisch der 1990er-Jahre recht billig wirkend aber insgesamt doch ein Gestaltungswillen erkennbar.



      Ein Blick auf das mittelprächtige aber immerhin farblich warm gestaltete Altersheim. Weiter nördlich kommen dann noch ein paar schöne Altbauten.







      Nun geht es beim Altersheim links ab auf einen Fußgängerweg Richtung Schönebecker Straße.
      Dort eröffnet sich ein erster Blick auf das durchaus stattliche Verwaltungsgebäude der
      Maschinen- und Dampfkessel-Armaturenfabrik Schäffer & Budenberg. Heute steht zumindest das Verwaltungsgebäude leer





      Blick zurück



      Blick nach rechts zu den Messma-Lofts. Ungefähr auf Höhe des Bauzauns entsteht noch ein großer Neubau, sodass der Blick zukünftig nicht mehr möglich sein wird.



      Das Verwaltungsgebäude der Maschinen- und Dampfkessel-Armaturenfabrik Schäffer & Budenberg



      Weitere Gebäudeteile



      Blick Richtung St. Gertrauden-Kirche und Engpass, dem eigentlichen Zentrum Buckaus



      Schräg gegenüber des prächtigen Verwaltungsgebäudes befindet sich ein kürzlich sanierter Wohnblock der 1930er Jahre. Der untere Bereich des Hauses wurde künstlerisch sehr ansprechend gestaltet und ist an der Verkehrsschneise Schönebecker Straße ein Hingucker.





      Die Puppen sind das Markenzeichen Buckau's. ;)



      Messma-Lofts



      Noch ein Stück geht es die Schönebecker Straße Richtung Norden weiter, bevor es in die Warschauer Straße geht.
      Blickrichtung Schönebecker Straße



      In der Warschauer Straße befindet sich das rennomierte Puppentheater mit großer Figurensammlung in der schicken historischen Villa Dresel (1884 erbaut).

















      Warschauer Straße Ecke Porsestraße



      Bester Laden - Getränkefeinkonst



      Nochmal der Blick auf die Kreuzung Warschauer Straße/Porsestraße

      Buckauer Bahnhof (erbaut 1926-1928) an der Warschauer Straße



      Jetzt geht es weiter in die Porsestraße





      Kunst, Kunst, Kunst



      Senioren-WG in der Porsestraße Ecke Mühlberg. Im Hintergrund die Messma-Lofts



      Blick zurück auf die beiden Häuser der Villa Dresel



      Auf dem großen Brachland gab es vor kurzem Würfelhusten ;)



      Daran schließt sich ganz gelungene 90er-Jahre-Bebauung an



      Auf der anderen Straßenseite kommen dann neben den entstuckten Exemplaren noch Highlights. Im Hintergrund das Gesellschaftshaus



      Fantastisch!







      Hübsche Wohnanlage der 90er-Jahre an der Porsestraße



      Über die Klinke geht es dann wieder zurück zur Schönebecker Straße



      und es eröffnet sich das Gesellschaftshaus und die Gewächshäuser











      Das Sahnseröschen (ehemalige Milchkuranstalt der Geschwister Rose, erbaut 1925). Heute befindet sich dort eine sehr gute Weinhandlung





      Der beeindruckende Häuserblock Schönebecker Straße/Ecke Porsestraße von der anderen Seite.





      Direkt dem Block gegenüber das ehemalige Standesamt. MMn von Außen schlecht saniert. Einfach Dämmung dran und in Bauhaus-Grau gestrichen



      Nun geht es zum Abschluss in die Benediktinerstraße

      Stadtbild Deutschland e.V. Ortsverband Magdeburg

      - Der Schönheit verpflichtet -
    • Vielen Dank für die immer interessanten Berichte über Magdeburg, das ich tatsächlich überhaupt gar nicht kenne.

      Neben der wirklich faszinierenden und (man korrigiere mich, falls ich falsch liege) wohl deutschlandweit einmalig hohen, städtischen Gründerzeitwohnbebauung finde ich auch die Rayonhäuser sehr interessant. Man sieht architektonisch hier auch Überschneidungen ins benachbarte Niedersachsen, denn auch z.B. meine Heimatstadt Göttingen kennt ganz selbstverständlich diese Fachwerkgründerzeit, in manchen Straßen der ehemaligen Arbeiterbezirke (Nordstadt, Weende, Grone) könnte man sie gar als stadtbildprägend bezeichnen, obwohl ihr natürlich auch ganz ohne Krieg übel mitgespielt wurde (Eternitfassaden, jetzt WDVS) und sie auch nicht so edel daherkam wie Dein Beispiel, wirklich eher schlicht, 3-geschossig, auch original fast ohne Fassadenschmuck, gegliedert durch das Zusammenspiel von meist gelben, manchmal roten Klinkern und der tragenden Holzkonstruktion. Die wurden hier in den Nebenstraßen so bis zu Beginn des ersten Weltkriegs gebaut, nur die besseren Gegenden und die Hauptstraßen blieben schon früher weitgehend fachwerkfrei.
    • Vielen Dank. :)

      Zumindest am Hasselbachplatz stimmt das wohl. Wobei Berlin ähnlich groß dimensionierte Bebauung aufweist.

      In Magdeburg wurden die Rayonhäuser ja gebaut, um sie schnell im Kriegsfall beräumen/verbrennen zu können. Also sie wurden eigentlich nicht aus Gestaltungsprinzipien so gebaut. Inwieweit das in Niedersachsen anders war, kann ich nicht beurteilen. Wäre aber sehr interessant zu wissen.
      Dann gibt es aber auch noch gründerzeitliche Holz/Backstein-Häuser, die äußerst prunkvoll gestaltet wurden (Beispiel: facebook.com/470861563055082/p…159891722/?type=3&theater)
      Hier in Magdeburg gibt es außerdem auch Rayonhäuser ohne Klinker und nur mit Putz/Holz. Die sind aber nicht in Buckau zu finden.
      Stadtbild Deutschland e.V. Ortsverband Magdeburg

      - Der Schönheit verpflichtet -
    • Zeno schrieb:

      Ein möglicherweise vollständiges Verzeichnis der Rayonhäuser:
      sachsen-anhalt-wiki.de/index.php/Rayonhaus_(Magdeburg)
      Danke für die Übersicht!
      Wer mehr zu diesem Thema erfahren, kann sich diese interessante Dokumentation vom OK Magdeburg anschauen.
      Stadtbild Deutschland e.V. Ortsverband Magdeburg

      - Der Schönheit verpflichtet -