Berlin - architektonische Impressionen II (Galerie)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Berlin war nie "malerisch". Berlin, das war Tempo und Großmannssucht, Berlin war der Emporkömmling der Städte. Das manifestierte sich in den Prachtbauten der Zeit. Und gerade das fasziniert Leute wie Klassiker und mich, und genau das vermissen wir heute. Dass du das nicht nachvollziehen kannst wenn du ja eher auf Städte wie Regensburg oder Tübingen stehst, ist verständlich. Das ist ja auch wie Feuer und Wasser. Ohne dir nahezutreten zu wollen, aber ich glaube nicht dass du dich intensiv mit dem Phänomen Berlin beschäftigt hast, deine Interessen scheinen ja eher anders gelagert.
      In dubio pro reko
    • Ich finde deine Beschreibung trifft die Doppelheit die moderne Innenstadt von Berlin sehr gut sogar - und auch wenn ich nicht die moderne Innenstadt von Berlin als die schonste der Welt finden, wurde ich trotzdem Rekonstuktionen von historische Warenhauser unterstutzen. Wie viel komplett erhaltene Warenhauser (Innen und Aussen) gibt es immer noch in Deutschland?

      Ich habe ja letztendlich in Berlin gewohnt und ist oft in Berlin unterwegs - die Phänomen Berlin ist doch vielfaltiger als seine Gebauden - fur mich gibt es viele Besonderheiten.

      Sag mal wo gibt irgendwoanders gibt eine Rote Insel?
      en.wikipedia.org/wiki/Rote_Insel

      Oder die Hufeisensiedlung?
      Eine die schonste Varianten von Bauhaus
      de.wikipedia.org/wiki/Hufeisensiedlung
    • Klassiker schrieb:

      Es würde 50 MILLIARDEN brauchen um eine Oberfläche von nur 500 x 500 meter zu rekonstruieren (nur Ausenseite) und dann noch niemals mehr so "ECHT", aber ohne Patina und ohne Details wie heute
      Waren die Häuser damals aus massivem Gold gebaut oder sind mitlerweile die Lohnnebenkosten so hoch? ;)

      Davon könnte man auch 270 Frauenkirchen bauen, allerdings bräuchte man dafür auch fast die dreifache Deiner Fläche, dicht an dicht gebaut.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • Das Problem ist, dass historistischer Stuck heute, also ohne eine darauf spezialisierte Industrie, eben so teuer ist wie barocker.
      Es ist in der Tat bedauerlich, dass die Zerstörung um, sagen wir 30 Jahre zu spät kam. Der Wiederaufbau fand einfach keinen Modus zur ansprechenden, würdevollen Neugestaltung zentraler Stadträume. Spätestens in den 50er- Jahren, als von Not keine Rede mehr sein konnte, hätte man unter staatlicher Förderung eine solche Industrie etablieren müssen.
      Selbst für wenig aufregende historistische Straßenzüge (von aufwändigen oder ästhetisch/künstlerisch wertvollen wie in Berlin ganz zu schweigen) wie die Würzburger Schönbornstraße in prominentester Lage fand man keine auch nur unter Zugrundelegung minimalster ästhetischer Anforderungen als angemessen zu bezeichnende Bebauung. Eigentlich war der Stalinhistorismus rückblickend gesehen das Non-plus-ultra. Leider kam er nicht genügend großflächig zum Einsatz, abgesehen davon, dass er gegenüber dem Historismus eine beträchtliche Verflachung sowohl an Formenreichtum wie an Dekor darstellte.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • ursus carpaticus schrieb:

      Es ist in der Tat bedauerlich, dass die Zerstörung um, sagen wir 30 Jahre zu spät kam. Der Wiederaufbau fand einfach keinen Modus zur ansprechenden, würdevollen Neugestaltung zentraler Stadträume.
      Ja, das denke ich mir auch immer wieder. Wären die enormen Zerstörungen Deutschlands um die Jahrhundertwende/1900 herum passiert... Die meisten Städte sähen wohl eher so angenehm wie das nach dem 1. WK wiederaufgebaute Ypern aus, oder noch besser. (Wiederaufbauarchitektur: Bild 1, Bild 2)

      "Nach dem (Ersten Welt-)Krieg wurde die stark zerstörte Stadt (Ypern) teils originalgetreu, teils frei historisierend wieder aufgebaut. Historisches Bewusstsein und Erinnerungen haben seitdem viel Platz in der Geschichtsschreibung und Kultur der Stadt."
      de.wikipedia.org/wiki/Ypern#Wiederaufbau


      Doch was hilft's. Wir sind jetzt am Zuge es besser zu machen als die Nachkriegsgeneration(en) in ihrer zuerst materiellen und dann gestalterischen Armut! ughug:)
    • Am Zuge sind nicht "wir" sondern zuerstmal die Architekten. Hier kann ich allerdings keinen breiten Sinneswandel ausmachen. Im Gegenteil: Die eiskalten, grauen Betonkästen die heute in die Städte geklatscht werden sind noch schlimmer als die Nachkriegsarchitektur, die (zumindest bis in die 60er Jahre) immerhin noch eine Art verträgliche Biederkeit ausstrahlte.
      In dubio pro reko
    • Wer sind denn "die Architekten"? Auch hier im Forum haben wir welche.
      Auch das hier sind alles Architekten. Und das hier. Und das hier. Und die ebenso!

      Es ist doch an der Zivilgesellschaft in ihrer Gesamtheit und damit auch uns, eine Veränderung zu bewirken. Den Druck zu erhöhen. Einen sanften Sinneswandel einzuleiten. Sowas passiert doch nicht von innen aus dem Elfenbeinturm heraus! Jedenfalls nicht mehr, das war vllt. bis zum AthenCharta-Modernismus noch anders.
    • Auch im akademischen Bereich ist nicht alles nur düster!

      Da gebe ich dir ja völlig recht. Weshalb ich immer wieder sage, dass wir da Druck machen müssen.

      Und natürlich im Vergleich positivere Ansätze unterstützen sollten, wie jenen an der Architekturfakultät der TU Dortmund unter Paul Kahlfeldt (Baukonstruktion), Christoph Mäckler (Städtebau) und Wolfgang Sonne (Architekturtheorie).

      Zitat von letzterem hier:

      "Ist der Glaube an die permanente notwendige Veränderung der Architektur und an die damit verbundene Irrelevanz historischer Bauerfahrung für die zeitgenössische Baupraxis erst einmal ausgeräumt, so kann man sich auch zugestehen, wie zahlreich und fundamental auch heute die Anregungen aus der Architekturgeschichte sind. Wände stehen zumeist immer noch senkrecht, da es die Schwerkraft erfordert; Mauerwerk wird zumeist immer noch in versetzten Lagen verlegt, obwohl sich die sozialen, politischen, ökonomischen und sonstigen Bedingungen seit Römertagen mehrfach gewaltig gewandelt haben; Dächer sitzen zumeist immer noch oben auf den Häusern, da Regen trotz Klimawandel immer noch nass ist und selten von unten kommt – die Reihe dieser alltäglichen Beispiele ließe sich unendlich fortsetzen.

      Sie zeigt, dass tatsächlich aus der Architekturgeschichte ganz unmittelbar gelernt werden kann und gelernt wird, selbst wenn die unsinnige Forderung nach "Zeitgenössischem" erhoben wird. Auch dies ist erklärbar: Architektur ist eine Disziplin, die notwendig der Erfahrung bedarf. Sie ist keine theoretische Wissenschaft, sondern entsteht stets konkret in Raum und Zeit. In dieser geschichtlichen Ausdehnung bildet sich ihr Erfahrungsschatz.

      Architektur ist also ganz wesentlich Architekturgeschichte – dem kann selbst der verbohrteste Avantgardist nicht entkommen.Von diesen grundsätzlichen Überlegungen her ergibt sich eine neue Ausrichtung der Architekturgeschichte, deren Relevanz für die Architekten- und Ingenieursausbildung evident ist. Architekturgeschichte dient nicht mehr nur dem historischen Verständnis architektonischer Formen (dies tut sie nach wie vor – die Autonomie historischer Hermeneutik ist unhintergehbar), sondern bietet auch unmittelbare Lehren für den heutigen Entwurfsprozess"
    • historisch betrachtet hätte es nicht einmal den "Rückfall" zum Historismus gebraucht.
      Unser Pech war das Bauhaus und der damit einhergehende ästhetische Verfall. Loos als der Weisheit letzter Schluss sozusagen ist doch ästhetisch recht ärmlich. In Nachbarländern hat man noch in der Zwischenkriegszeit ansprechender gebaut:

      de.wikipedia.org/wiki/Josef_Go…mus_Bank_der_Legionen.jpg

      Vergleiche auch das grandiose Projekt der Königgrätzer Vorstadt, des "Salons der Republik" (siehe zB meine Galerie Entlang der Elbe). Das wäre auch nach dem Krieg kein besonderer Anachronismus gewesen, was sind schon läppische 20 Jahre? Man stelle sich das vor versetzt mit historischen Relikten bzw Rekonstruktionen? Was wären das für Stadtbilder geworden?
      Bei uns ist halt auch der allerschlechteste Stil, den das Abendland hervorgebracht hat, hofiert und auf die Spitze getrieben worden.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • ursus carpaticus schrieb:

      Das Problem ist, dass historistischer Stuck heute, also ohne eine darauf spezialisierte Industrie, eben so teuer ist wie barocker.
      Es ist in der Tat bedauerlich, dass die Zerstörung um, sagen wir 30 Jahre zu spät kam. Der Wiederaufbau fand einfach keinen Modus zur ansprechenden, würdevollen Neugestaltung zentraler Stadträume. Spätestens in den 50er- Jahren, als von Not keine Rede mehr sein konnte, hätte man unter staatlicher Förderung eine solche Industrie etablieren müssen.
      Selbst für wenig aufregende historistische Straßenzüge (von aufwändigen oder ästhetisch/künstlerisch wertvollen wie in Berlin ganz zu schweigen) wie die Würzburger Schönbornstraße in prominentester Lage fand man keine auch nur unter Zugrundelegung minimalster ästhetischer Anforderungen als angemessen zu bezeichnende Bebauung. Eigentlich war der Stalinhistorismus rückblickend gesehen das Non-plus-ultra. Leider kam er nicht genügend großflächig zum Einsatz, abgesehen davon, dass er gegenüber dem Historismus eine beträchtliche Verflachung sowohl an Formenreichtum wie an Dekor darstellte.
      In Bezug auf künstlerische Fassadengestaltung ist sicher viel Know-How verloren gegangen, dass ohne weiteres nicht mehr zurückzuholen ist und sicherlich ist die Etablierung "moderner" Architektursprache ein zentraler Grund dafür. Andererseits zeigen doch Beispiele wie die Residenz in Würzburg (wo aus meiner Sicht die zerstörten Teile sehr gut rekonstruiert worden sind) oder die derzeit stattfindenden Arbeiten am Stadtschloss, dass es durchaus möglich ist. Deshalb sind solche Projekte auch so wichtig, da sie die grundlegende Kompetenz zu solchen Arbeiten schaffen, aufrechterhalten und eine Nachfrage dafür zu schaffen. Das Problem beim städtischen Wohnungsbau ist eher das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, das heute anders funktioniert, als damals. Die Nachfrage nach historisierendem Bauen ist ja heute (auch in Berlin) groß, allerdings sind Projektentwickler vor allem daran interessiert, Gebäude möglichst früh zur Nutzung freizugeben, um das Projekt kostengünstig abzuschließen und die Kapitalbindung zu minimieren. Wenn man die Bauzeit der Ostfassade des Schlosses mit den anderen Fassaden vergleicht, sieht man, worauf das hinausläuft. Daher sind die Ergebnisse heutzutage häufig "abgespeckte" historisierende Fasseden, die kitschig wirken. Um wieder auf die gleiche künstlerische Höhe zu kommen, müsste man neben der Lockerung heutzutage wirklich strenger Bauvorschriften in erster Linie finanzielle Anreize für Fassadengestaltung schaffen und der gängige Dogmatismus innerhalb der Lehre des Architekturstudiums müsste sich endlich mal lösen.
    • Stuegert schrieb:

      Darf man denn hier keine Defizite ansprechen, gilt man dann als Nestbeschmutzer?

      Klar kriegst du da viele "Likes", wenn du schöne Kiezbilder postest, aber ändert das was an der Tatsache, dass die Infrastruktur und das öffentliche Stadtbild in Berlin zunehmend verlottert (Stichwort Müll und Graffiti)? Da könnte man auch jede Menge Bilder zeigen.

      Außerdem lässt sich auch nicht abstreiten, dass das Berliner Zentrum, abgesehen von Unter den Linden, Gendarmenmarkt und Museumsinsel, wirklich nicht mehr viel vom kaiserzeitlichen Glanz besitzt. Potsdamer und Leipziger Platz: Kein einziges Vorkriegsgebäude mehr, Leipziger- und Friedrichstraße: Noch eine Handvoll Gebäude übrig. Wilhelmstraße: Nix mehr da. Alexanderplatz: Zu schrecklich um dafür Worte zu finden.

      Was es in Berlin noch massenhaft gibt sind die Mietshäuser der Gründerzeit in den Wohnbezirken. Schön und erfreulich, aber das ist, ganz direkt gesagt, die Massenware. Von der echten Top-Architektur aus der Kaiserzeit ist nicht viel übriggeblieben. Es gibt sie kaum noch, die noblen Geschäftshäuser und Warenhauspaläste, an denen Berlin einst so reich war wie keine andere Stadt.

      Ich stelle das fest, weil es mir wehtut, weil mich diese Stadt bewegt. Das Berlin der Vorkriegszeit fasziniert mich unglaublich. Umso bitterer, was man seither aus der Stadt gemacht ha
      Lebst du in Berlin?
      Wie gut kennst du Berlin ?
      Ich lebe in Berlin. Es gibt Gegenden, die teilweise etwas dreckig sind, halt soziale Brennpunkte. Aber soziale Brennpunkte gibt es überall, das die dreckig sind ist bekannt. Allerdings ist der Rest der Stadt ziemlich sauber, aber die wenigsten denken das, weil Berlin dieses "arm aber sexy"-Image hat
      Außerdem "verlottert" Berlin nicht, im Gegenteil: immer mehr Gebäude werden saniert, die Mieten steigen und die Berliner werden im Durchschnitt reicher
    • BerlinerBaer schrieb:

      Außerdem "verlottert" Berlin nicht, im Gegenteil: immer mehr Gebäude werden saniert, die Mieten steigen und die Berliner werden im Durchschnitt reicher
      Absolut. Berlin hat sich diesbezüglich in den letzten Jahren enorm gebessert. Abwertend wird dann oft von "Gentrifizierung" gesprochen, ich bezeichne das als Aufwertung. Diese gibt es häufig auf allen Ebenen: urbanistisch, architektonisch, vom Klientel und der Sauberkeit her genauso wie von der Lebensqualität insgesamt. Berlin macht riesige Fortschritte. Bei allem, was man an diversen seelenlosen Quader-Neubaugebieten wie dem Bahnhofsviertel bemängeln kann.
    • Ein paar Bilder aus dem Botschaftsviertel und angrenzenden Sehenswürdigkeiten (also eigentlich nur der Siegessäule)...

      Botschaft Italiens:





      Japan (Residenz des Botschafters):



      Saudi-Arabien:



      Die Nordischen Botschaften...meiner Ansicht nach ist der Bau nicht wirklich gut gealtert. Fassade und Farbe wissen nicht zu überzeugen





      Mexiko:



      Türkei:



      Tunnel auf dem Weg zur Siegessäule:





      Westberliner Charme:



      Ehrenmal der Bundeswehr:





      U-Bahnhof Wittenbergplatz:



      Botschaft der VAE:



      Landwehrkanal:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Aviller ()