Potsdam - Garnisonkirche (die Diskussion um den Wiederaufbau)

  • Kultur lässt sich nicht mit wirtschaftlichen Nutzen aufrechnen. Der größte Teil unseres Kulturangebots ist auf Zuschüsse oder Spenden angewiesen. Dafür können wir die Gunst eines immateriellen Gutes genießen. Das sollte man doch in diesem Forum am allerbesten wissen und schätzen.

    Diesem Irrtum sind leider so einige "Kulturschaffene" erlegen und nehme mich dabei garnicht aus. Wie ja bereits bekannt sein dürfte , bin ich ja neben meiner handwerklichen Ausbildung als Klavierbauer auch Pianist mit Oberstufenabschluß. Wenn ich in der DDR in Cafes, Hotels, Bars, Restaurants usw. gespielt habe, war es wurscht - hauptsache ich spiele, wenn die Gäste vorzeitig gingen oder nicht mehr kamen....och, dem Personal war es ja nur recht. Nach der Wende habe ich dann die Erfahrung machen müssen "durch die Livemusik muß der Laden besser laufen, die Musik muß Umsatz bringen". Eine solche Herausforderung gab es in der DDR nicht, ein Pianist hatte einfach zu spielen wo er eingesetzt wurde und nicht mehr als 40% Westmusik, alles andere war wurscht.

    Menschen mittels Livemusik da zu zu bewegen den Umsatz zu steigern - ja, das war nicht so leicht für mich und ich mußte da auch erst einmal umdenken und schauen "was hören die Menschen gerne". Und Musikwünsche immer erfüllen zu können - das ist selbst bei einem Repoartoire von 800 Stücken nicht immer so einfach.


    Und hier ist das Problem einiger Kulturschaffener und modernistischer Architekten die Ansicht "macht einfach mal was, wir bezahlen das schon". Die Professionalität bleibt da bei beiden gleichermaßen auf der Strecke - und wenn man sich dann auch noch irgendwie (weiß der Geier wie?) einen Namen gemacht hat wie gewisse Modernisten oder Kulturschaffenden, dann bezahlt man ungefragt, egal was dabei für ein Mist rauskommt und vermarktet es zum Hohne auch noch als etwas ganz besonderes.

  • Rastrelli hat schon nicht ganz Unrecht. Warum fachst du jetzt die Diskussion mit einem Randaspekt an, indem du ein ein Monat altes Post von mir zitierst?

    Und hier ist das Problem einiger Kulturschaffener und modernistischer Architekten die Ansicht "macht einfach mal was, wir bezahlen das schon". Die Professionalität bleibt da bei beiden gleichermaßen auf der Strecke - und wenn man sich dann auch noch irgendwie (weiß der Geier wie?) einen Namen gemacht hat wie gewisse Modernisten oder Kulturschaffenden, dann bezahlt man ungefragt, egal was dabei für ein Mist rauskommt und vermarktet es zum Hohne auch noch als etwas ganz besonderes.

    Zwei Dinge möchte in dennoch anmerken: Modernisten und Kulturschaffende in eine Schublade zu tun, das ergibt so gar keinen Sinn. Und zweitens: In diesem Land würde kaum ein Museum existieren, wenn es seine wirtschaftliche Basis allein stemmen müsste.

  • Zwei Dinge möchte in dennoch anmerken: Modernisten und Kulturschaffende in eine Schublade zu tun, das ergibt so gar keinen Sinn.

    Die Rede war von EINIGEN Kulturschaffenden. Und da bin ich mir jetzt nicht so sicher, in wie weit da nicht auch so ein paar "Experten" von Diesen unbedingt das Rechenzentrum zu erhalten wünschen.

  • Meine Urgroßtanten fanden den Impressionismus ganz fürchterlich. Bilder mussten schön sein, mussten möglichst exakt die Realität abbilden. Diese Farbkleckserei war einfach nichts für sie. - Ich bin ganz froh, dass Monet, Manet, Van Gogh, Liebermann etc. sich dennoch durchgesetzt haben. Allerdings haben meine Urgroßtanten ihren eigenen Geschmack auch nicht absolut gesetzt...

  • Bilder mussten schön sein,

    Ja, da bin ich wohl ganz im Geiste Deiner Großtanten - ne Leinwand beschmieren, das kann ich auch selber ~:-[]


    Daher sage ich ja auch - "was soll ich denn mit einem pathologischen Kirchenschiff welches noch nicht einmal als solches erkennbar wäre? Ich bin absolut da für daß die Garnisionskirche ihr Kirchenschiff wiederbekommt, aber bevor da so etwas hinkommt was eher Weltraummüll als einem Kirchenschiff gleicht, soll man es besser erst mal weglassen."

  • Die Stadt Potsdam ist keine Industriestadt sondern lebt ganz wesentlich von der kulturellen Anziehungskraft. Deshalb sind ja auch solche Engagements wie das Museum Barberini so lobenswert - selbst Lutz Boede von den Anderen findet das toll.


    Die Diskussion über das RZ stammen noch aus der Vor-Coronazeit. Da sah es vielfach danach aus, daß Büros für eine kleine Webdesignbude oder einen Fotografen in der barocken Innenstadt nicht mehr unter 25 Euro/qm möglich sind, Tendenz steigend. Da haben sich einige Kreative im RZ engagiert, die zu Beginn nur 7 Euro/qm verlangt haben.

    Schnell sind aber erst Teile der Flächen von kommerziellen Kulturbetrieben für die 7 Euro als Lagerflächen genutzt worden (Lage!). Zudem sind die Kleinst-Büros von 20-25qm nicht für jedes Start-Up im Kulturbereich geeignet. Zudem sind ca. 25-30 % der Fläche von poltischen Initiativen belegt, die mit "Kultur" nur im weitesten Sinne zu tun haben. Es gibt ja eine Art Wohlfahrtsausschuß, der über die Zuteilung der Büros entscheidet. Im Juni 2020 standen ca. 20 Einheiten leer.


    Heute, mit massiv steigendem Leerstand von Läden, wäre es besser diese Flächen zwischenzunutzen als das RZ. Zudem steigt der Homeoffice-Anteil massiv, wir werden also mittelfristig weniger Bürofläche brauchen. Das wird auch die Entwicklung auf dem Areal der ehem. Feuerwehr an der Mammonstraße der Glockenweiß Gruppe in Schwierigkeiten bringen.

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • ^Bizarr, oder? Das Stadtschloß mit Ziegeln, Kalkputz und Sandstein ist "Kitsch" und "Fake" und das Barberini mit Guttae aus Styropor auf der Markseite und einen vollständigen Styroporfassade zum Wasser hin ist toll.

    Daran sieht man, daß im politischen Diskurs die Fakten immer unwichtiger werden. Das Barberini ist "unpolitisch" und beliebt, dem Stadtschloß schreibt man ausschließlich die negativen Seiten der preußischen Geschichte zu. An den Empfang der Hugenotten im Schloß oder die Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Preußen erinnern am Landtag nichts. Die Materialgerechtigkeit, von den Denkmalbehördern bundesweit zur Religion erhoben, zählt nicht. Es geben eben nur um Zuschreibung.

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • Wenn sich einer mit Einschmelzen von Denkmälern und Statuen auskennt, dann ist es "die Linke". Die Linke und die Grünen in Potsdam fordern, dass das Glockenspiel der Garnisonkirche eingeschmolzen wird. Der Erlös solle dem Kulturhaushalt der Stadt, beispielsweise der Pflege der Kunst im öffentlichen Raum, „zu Gute kommen“, heißt es in einem Antrag. Bemerkenswert, die SPD Fraktion hat sich diesem Antrag enthalten. Man wolle diese Idee erst einmal beraten.


    https://www.pnn.de/potsdam/str…inschmelzen/26082016.html

    (Quelle: Potsdamer Neuste Nachrichten, 10.08.2020)

  • dass das Glockenspiel der Garnisonkirche eingeschmolzen wird

    Vielleicht könnte man es ja zu einem Hindenburg-Denkmal umschmelzen.:zwinkern:


    @"Konstantin"

    Wenn die Fassade des Barberini-Fassade vorne zu Teilen und hinten ganz aus Styropor ist, von welcher Haltbarkeitsdauer ist dann auszugehen? Heißt das, dass in 20 Jahren die Fassade weitgehend abgenommen und erneuert werden muss?

  • Vor wenigen Jahren waren die Potsdamer SED-Nachfolger und Grünen noch in vielen baupolitischen Fragen pragmatisch und vernünftig, wie Konstantin geschildert hat. Mittlerweile dominiert aber ganz offensichtlich der blanke primitive Links-Populismus. Und die Potsdamer Grünen legen offensichtlich keinen Wert mehr darauf als "bürgerliche Partei" wahrgenommen zu werden.

    Wer sagt diesen Moralimperialisten mal dass sie mit solchen haarsträubenden Forderungen in einer Tradition zur übelsten Zeit der deutschen Geschichte stehen?! Schon in der Zeit des "Führers" wurden gerne Glocken für einen - wie man sagte - "guten Zweck" eingeschmolzen, damals für den "Kampf gegen den Bolschewismus", heute für die "Kultur" und "Kunst im öffentlichen Raum". Erbärmlich! :kopfschuetteln:


    Stellt es wieder an!

  • Wenn man an den Glocken wirklich Zitate oder Ferse entdeckt hat, die den Nationalsozialismus verherrlichen, muss man nicht gleich die Glocken einschmelzen. Man kann genauso gut die Ferse von den Glocken entfernen, wenn dies möglich ist und diese wieder spielen lassen.

  • Genauso ist es. Das Glockenspiel gehört der Stadt, nicht der Stiftung. Beide wollen es nicht haben. Der Turm soll neue bessere Glocken bekommen. Wirklich historisch ist das Glockenspiel nicht, und es sind auch keine Kirchenglocken. Die Idee, das Glockenspiel dem Recycling zuzuführen, ist nicht abwegig. Im PNN-Artikel steht, die CDU könne es sich als Teil eines besonderen Mahnmals (?) vorstellen. Was sollte das Verquastes werden? Dann vielleicht doch besser einschmelzen.

  • Soweit ich weiß, ist eine Färse das weibliche Rind, wenn es noch nicht Mutter geworden ist (sozusagen ein Fräulein). Das Muttertier wird dann Kuh genannt.

    Wissen allein bringt nichts. Nur das angewandte Wissen verändert die Dinge.

  • Die Grünen im Potsdamer Abgeordnetenhaus verteidigen ihre umstrittenen Pläne zum Einschmelzen der Glocken, die einst für die Garnisonkirche gedacht waren.


    https://www.pnn.de/potsdam/ums…inschmelzen/26088090.html

    (Quelle: Potsdamer Neuste Nachrichten, 11.08.2020)


    Einen Tag zuvor haben sich bereits CDU, SPD und Bürgerinitiative gegen ein Einschmelzen der Glocken ausgesprochen und eigene Vorschläge vorgebracht. Und die Linke hat es in dem Bericht nicht versäumt, neben den Forderungen die Glocken einzuschmelzen, die CDU zu kritisieren weil diese sich damals für den Abriss der Fachhochschule ausgesprochen hat.


    https://www.pnn.de/potsdam/ein…nisonkirche/26084264.html

    (Quelle: Potsdamer Neuste Nachrichten, 10.08.2020)