Potsdam - Garnisonkirche (die Diskussion um den Wiederaufbau)

  • Wird ja auch Heute noch von der Bundeswehr benutzt :) - nur ohne Stechschritt (leider - sieht ganz gut aus). Die NVA konnte schon richtig marschieren (das darf ich wohl als Däne sagen...)

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Nicht nur der Klang, sondern auch die Form wurde übernommen. Der gezeigte NVA-Stahlhelm war eine letzte Entwicklung der Wehrmacht. Damit gab es keine Probleme.

  • Nicht nur der Klang, sondern auch die Form wurde übernommen. Der gezeigte NVA-Stahlhelm war eine letzte Entwicklung der Wehrmacht. Damit gab es keine Probleme.

    Nicht daß ich hier mißverstanden werde - der Marsch ansich ist wirklich wunderschön und wurd auch meisterhaft gespielt.......leider sind die Ideologien mit welchem dieser mißbraucht wurde, sehr zweifelhaft - es sind die selben Ideologien welche die Garnisionskirche nicht haben wollen.

  • Nicht daß ich hier mißverstanden werde - der Marsch ansich ist wirklich wunderschön und wurd auch meisterhaft gespielt.......leider sind die Ideologien mit welchem dieser mißbraucht wurde, sehr zweifelhaft - es sind die selben Ideologien welche die Garnisionskirche nicht haben wollen.

    Die neue Garnisonkirche wird ja gerade gemauert. Also warum jetzt über die frühere ideologische Aufladung sprechen.


    Irgendwer meinte die Tage, dass die Deutschen den Faschismus immer nur als Form sehen.

  • Die neue Garnisonkirche wird ja gerade gemauert. Also warum jetzt über die frühere ideologische Aufladung sprechen.
    Irgendwer meinte die Tage, dass die Deutschen den Faschismus immer nur als Form sehen.

    Du vergisst, dass bestimmte Personenkreise vor Zittern nicht mehr in den Schlaf kommen, wenn von bestimmten Symbolen oder Bauwerken die falsche Anziehungskraft aus geht. So, wie sich in Urzeiten die Vorfahren um ein am Stock befestigtes Affenfell scharten, so, wie man Franco aus seiner Gruft wirft, damit die nicht mehr zum Sammelpunkt Rechtsextremer wird. So hat man eine große Angst vor der Symbolwirkung der Garnisonskirche. Aber nicht in Jedem steckt heute noch die Urzeit. Die Angst ist unbegründet.

  • Den Turm kann die Berufsgegnerschaft nun nicht mehr aufhalten,aber dafür wird jetzt massiv gegen das Schiff opponiert.
    Diese Leute wären gut beraten ihre Zeit und Energie die sie für den verbissenen und unaufhörlichen Wiederstand gegen die GK verschwenden,lieber für z.B. Umweltschutz,Soziales oder andere sinnvolle Dinge einsetzen.
    Und das diese Kreativen anstandslos mal eben 2023 freudig in ein Neubau ziehen wollen,sehe ich nicht-denn sie sind nicht Bereit aus dem RZ auszuziehen.Deshalb werden sie noch der Stadt mächtig Probleme bereiten.

  • „Wiese der Opfervölker“. Zuerst dachte ich bei dem Wort, es würde nun ein weltoffenes Zeichen gesetzt und afrikanische Opferriten aus dem hintersten Kongobusch sichtbar gemacht, von denen wir noch „ganz ganz viel lernen können“ (sozusagen ein Humboldtforum 2.0). Aber es ist für die Opfer des „preußischen Militarismus“ gedacht. Man könnte zu diesem Zweck auch gefallene Franzosen des Deutsch-Französischen Kriegs exhumieren und hinter Glas ausstellen, um dem Ganzen einen Realitätsbezug zu verpassen (die Franzosen gibt es im Unterschied zu den Preußen ja noch). Oder ein Denkmal für Napoleon einweihen, der auch seine Händel mit Preußen hatte. Auch Stalin war kein Freund der Preußen. Vollkommen absurd? Stimmt. Aber nicht absurder, als der seltendämliche Vorschlag einer linken/linksextremen Schickeria, eine Opferwiese zu ‚konzipieren‘, um ihrem Weltoffenheitskult, der -anbei bemerkt- so deutsch ist wie die Pickelhaube, ein weiteres Denkmal, pardon: „Mahnmal“ zu setzen.


    Ach, und wenn alle Völker, die sich jemals mit Preußen im Krieg befanden, ausschließlich Opfer sind: was sind dann in diesem Gedankenspiel die Preußen (Deutschen)? Das Ganze ist abgesehen von der intellektuellen Schlichtheit (wobei ich aus dieser Richtung nichts Anspruchsvolles mehr erwarte) auch noch perfide und bösartig bis zum geht nicht mehr.

  • Den Turm kann die Berufsgegnerschaft nun nicht mehr aufhalten,aber dafür wird jetzt massiv gegen das Schiff opponiert. Diese Leute wären gut beraten ihre Zeit und Energie die sie für den verbissenen und unaufhörlichen Wiederstand gegen die GK verschwenden,lieber für z.B. Umweltschutz,Soziales oder andere sinnvolle Dinge einsetzen.



    Und das diese Kreativen anstandslos mal eben 2023 freudig in ein Neubau ziehen wollen,sehe ich nicht-denn sie sind nicht Bereit aus dem RZ auszuziehen.Deshalb werden sie noch der Stadt mächtig Probleme bereiten.

    Diese Vorstellung setzt ja voraus, dass "diese Leute" etwas Konstruktives tun möchten. Also Umweltschutz, soziales Engagement usw. Wenn es ihnen aber doch gar nicht darum geht, Blümchen zu pflanzen oder alten Omas zum Arzt zu helfen? Wenn ihr Antrieb das Destruktive ist? Wenn sie die gesellschaftlichen Machtverhältnisse am liebsten in toto stürzen möchten und das ganze bürgerliche Leben mit?... Dieser naive Appell an das soziale Engagement einiger Zeitgenossen kommt mir vor, also wolle man einem Kämpfer des "Islamischen Staates" sagen: "Mach´ doch mal etwas sinnvolles und sauge mal den Teppich in der Moschee."


    Und... die Frage ist, ob "sie noch der Stadt mächtig Probleme bereiten". Wer ist mit "die Stadt" gemeint? Der Oberbürgermeister, die Mehrheitsfraktionen im Stadtparlament, die Bürger? Die Bürger haben die Mehrheitsfraktionen gewählt. Die Mehrheitsfraktionen haben vielleicht gar nicht so ein großes Problem mit einem politisch positionierten Kreativzentrum in der Stadt. Denn im Ernstfall dienen diese Leute als "Putztruppe" gegen politische Konkurrenten, mit denen sie offenbar viel mächtigere Probleme haben. Beispiele aus anderen Städten belegen das. Zudem ist das Interesse an dem Kirchenschiff offenbar gering, selbst beim Oberbürgermeister. Die einzigen, die Probleme machen könnten, wäre die Stiftung, also eigentlich die EKD. Und die hat schon aus finanziellen Gründen eigentlich ein vermindertes Interesse an dem Kirchenschiff.


    Es könnte also auch darauf hinauslaufen, dass sich alle mit dem Status Quo nach Aufmauerung des Turms problemlos arrangieren. Und an die Stelle des Kirchsaals macht man dann ein kleines Jugendzentrum oder eine Anti-Preußen-Gedenkgarten oder eine andere Sühnestätte mit ein paar Gedenktafeln.

  • Die Pickelhaube ist übrigens eine russische Erfindung.

    Das ist wohl eher eine Legende. Angeblich wurden schon vor 1842 bei einer bayerischen Feuerwehr Helme dieses Typs getragen. Offiziell in die Armee eingeführt wurde sie in Preußen. Bis im 1.WK die große Zahl von Kopfschüssen zum Abschrauben des Pickel zwang.

  • Es könnte also auch darauf hinauslaufen, dass sich alle mit dem Status Quo nach Aufmauerung des Turms problemlos arrangieren. Und an die Stelle des Kirchsaals macht man dann ein kleines Jugendzentrum oder eine Anti-Preußen-Gedenkgarten oder eine andere Sühnestätte mit ein paar Gedenktafeln.

    Oder man nutzt das größte denkbare Symbol für politische Verirrungen, ein begehbares Labyrinth. Ein solches gehörte auch zu den privaten Vorschlägen für ein bekanntes Berliner Mahnmal, als es noch um viel kleinere Denkmale ging. Es wurde ein begehbares Stelenfeld daraus.

  • …und auch die schulwänzenden Jugendlichen der modernen FfF-Kinderkreuzzüge haben die Vorbilder der Pickelhauben im ganzen Gesicht :-)))


    Spaß bei Seite, aber ich glaube es ist nicht wirklich wert sich allzu sehr über die abstrusen Vorschläge der SED-Nachfolgepartei mit altem Inhalt und neuem Etikett einzugehen. Die schaden sich mit ihren Vorschlägen doch selbst am meisten und das ist auch gut so.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Naja, überall auf der Welt würde eine programmgewordene permanente Nestbeschmutzung schaden bzw in die politische Bedeutungslosigkeit führen. In Deutschland wird man hingegen genau dafür gewählt. Insofern kann ich den Optimismus leider nicht teilen. Wie viele Potsdamer werden dazu wohl mit bedeutsam erhobenem Zeigefinger und hochgezogenen Augenbrauen sagen „hm, eine ziemlich gute und couragierte Idee, die uns alle wachrüttelt und der demokratischen Kultur in diesem Lande dient“? Ich denke, die Zustimmung für diesen Unsinn liegt im zweistelligen Prozentbereich. (In Österreich oder der Schweiz läge sie dagegen im nicht mehr messbaren Promillebereich..)

  • Nein, viele Menschen, auch in Potsdam, sind von diesem erhobenen Zeigefinger einfach nur genervt. Sie wählen bestimmte Parteien, weil sie sich eine bessere Sozialpolitik und/oder Umweltpolitik erhoffen. Die Geschichtspolitik bekommen sie dann gratis dazu.


    "Opfervölker" ist ein Begriff aus der geschichtspolitischen Mottenkiste. Er ist zutiefst rassistisch, genauso wie sein Pendant "Tätervolk". Es gab in allen Völkern Widerstand. In der Roten Armee kämpften viele Juden, die Heldenhaftes leisteten. Diese jüdischen Helden werden heute besonders in Israel geehrt, das vor allem eines sein will - kein "Opfervolk". Und man beachte, welche Probleme viele Linke in Deutschland mit dem wehrhaften Staat Israel haben. Der polnische Widerstand im Zweiten Weltkrieg ist legendär. Polnische Soldaten kämpften unter den Gegnern Hitlerdeutschlands im Zweiten Weltkrieg am längsten, nämlich nicht nur zwei Wochen im September 1939, sondern danach von Großbritannien aus, später auch neuformiert Seite an Seite mit der Roten Armee und während der ganzen Zeit der Besetzung Polens im Untergrund weiter. In einem rekonstruierten Garnisonkirchensaal könnte man z.B. mal eine Ausstellung über den Warschauer Aufstand zeigen. Eine vollständig wiederaufgebaute Kirche ließe sich vielfältig nutzen. Sie böte viel mehr Möglichkeiten als der Turm allein. Kirche (als Institution) beansprucht doch auch heute noch gesellschaftliche Relevanz für sich. Mit der Beschränkung auf eine Kapelle im Turm macht sich die Kirche aber klein.


    Der "Kampf gegen rechts" wird nicht zuletzt deshalb mit solcher Vehemenz geführt, weil von kommunistischen Verbrechen abgelenkt werden soll. @Elbegeist hat das zum Glück erkannt. Man könnte die Garnisonkirche auch für Ausstellungen nutzen, die über die Verbrechen kommunistischer Regime gegen die Kirchen aufklären. Es gibt allgemeine "Stasi-Gedenkstätten" in der ehemaligen DDR und vergleichbare Einrichtungen in anderen postkommunistischen Staaten. Aber dass sich kommunistische Regime insbesondere gegen Religionsgemeinschaften richteten, wird kaum thematisiert.


    Dem "preußischen Militarismus" und dem "Protestantismus" die Schuld an NS-Verbrechen zuzuschieben, dient ebenfalls dazu, von anderen Akteuren abzulenken. München (!) war die "Hauptstadt der Bewegung" und ihr "Führer" war ein österreichischer Katholik. Die nordeuropäischen Staaten, die der lutherischen Reformation gefolgt sind, sind vorbildliche Demokratien. Natürlich ist auch der Katholizismus nicht schuld oder Österreich.


    Zum Thema "Protestsingen am Glockenspiel". Es hieß, neue Protestformen werden gesucht. Wie wärs mit "Fridays for Garrison Church". Hashtag "FGC".

  • Dem "preußischen Militarismus" und dem "Protestantismus" die Schuld an NS-Verbrechen zuzuschieben, dient ebenfalls dazu, von anderen Akteuren abzulenken.

    So ist es. Es wäre genau so unsinnig, die deutsche Sprache abzulehnen, weil sie von den Nazis missbraucht wurde. Die SED hat genau so viel Militärisches von den Preußen übernommen, auch nach dessen negative Umsetzung durch die Nazis und sogar direkt von diesen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass Friedrich Wilhelm I nie einen Angriffskrieg führte. Er "ließ sogar 1732 für die neuen muslimischen Untertanen im Langen Stall, dem Reit- und Exerzierhaus von Potsdam, einen Saal zu einer Moschee umbauen. Das war der erste Moscheebau auf deutschem Boden. Er lag nur wenige Schritte von der Garnisonskirche entfernt". Man sollte im Neubau unbedingt auf diese Toleranzhandlung eingehen.

  • Selbstverständlich kann und soll man nicht alle Katholiken bzw Protestanten über einen Kamm scheren, aber die Ergebnisse der Zentrumspartei bei den letzten Reichstagswahl 1933 sprechen eine deutliche Sprache. Dass die Katholiken während der 12 Jahre "Hitlerei" genauso opportunistisch gewesen wären wie die Protestanten, behauptet glaube ich niemand ernsthaft. Den Katholiken Hitler und Goebbels aufgrund ihrer Taufe zuzurechnen ist bestenfalls unseriös - es kommt doch vielleicht auch ein wenig auf das Bekenntnis an, und weder der eine noch der andere zählten sich 1933 noch zu den Katholiken. Dagegen fallen mir eine ganze Reihe protestantische Pastoren ein, die gleichzeitig stolz auf ihre nationalsozialistische Gesinnung waren. Und München als "Stadt der Bewegung" - nun ja, dann war Karl-Marx-Stadt sicher auch die kommunistischste Stadt der DDR? Der Name zeigt es ja an...

  • Selbstverständlich kann und soll man nicht alle Katholiken bzw Protestanten über einen Kamm scheren, aber die Ergebnisse der Zentrumspartei bei den letzten Reichstagswahl 1933 sprechen eine deutliche Sprache. Dass die Katholiken während der 12 Jahre "Hitlerei" genauso opportunistisch gewesen wären wie die Protestanten, behauptet glaube ich niemand ernsthaft.

    Dass das Zentrum in den Reichstagswahlen 1933 nahezu unverändert gut abschnitt lag v.a. daran, dass die meisten Parteien in der Weimarer Republik Milieuparteien waren. So auch das Zentrum. Nach der "Machtergreifung" haben sich die meisten Katholiken genauso dem neuen Regime angedient wie die Protestanten, auch wenn die Gesinnung möglicherweise weniger NS-freundlich war als bei den Protestanten. Sekundiert wurde man dabei vom Vatikan, der die Nazis durch das Konkordat zusätzlich legitimierte.

  • ber wir dürfen nicht vergessen, dass Friedrich Wilhelm I nie einen Angriffskrieg führte. Er "ließ sogar 1732 für die neuen muslimischen Untertanen im Langen Stall, dem Reit- und Exerzierhaus von Potsdam, einen Saal zu einer Moschee umbauen. Das war der erste Moscheebau auf deutschem Boden

    Von meinen Reisen weiß ich nur, dass Wilhelm der II im Orient sehr beliebt war.
    Meine Eltern bereisten sehr gerne Syrien und wurden auf ihn auch angesprochen. Die Deutschen hatten dort mal einen guten Ruf.