Potsdam - Garnisonkirche (die Diskussion um den Wiederaufbau)

  • Das ist natürlich schade, aber - bitte korrigiert mich - wenn der Turm fertig rekonstruiert wurde, kommt das herrliche Glockenspiel doch auch wieder und dann wird der Klang sogar über das ganze Altstadtgebiet zu hören sein! Gerade das Glockespiel war und ist mitsamt des Garnisonskirchenturms doch DAS "Highlight"!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

    Edited once, last by Exilwiener ().

  • Also ich hab den Artikel problemlos lesen können. Und daraus geht hervor, dass der Einbau des Glockenspiels in den Turm "nicht in Betracht gezogen" wird.

  • Ich habe mal bei der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam vorbeigeschaut.


    In der Turmlaterne wird es ein Glockenspiel geben, aber nicht das der "Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel". Die wurde nämlich als reaktionär eingestuft, weshalb von ihr keine Spenden angenommen werden. Wie das Glockenspiel im Detail ausfallen soll, ist noch nicht geklärt.


    Die Bauplanung für den Kirchturm machen übrigens Hilmer & Sattler und Albrecht, die auch das Museum Barberini gebaut haben.

  • Eine mögliche Antwort: soweit ich weiß, ist das jetzige Glockenspiel aus Stahl, während das ursprüngliche Glockenspiel Bronze- oder sogar Silberglocken besaß. Mglw soll ein solches edleres Glockenspiel eingebaut werden?

  • In der Turmlaterne wird es ein Glockenspiel geben, aber nicht das der "Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel". Die wurde nämlich als reaktionär eingestuft, weshalb von ihr keine Spenden angenommen werden. Wie das Glockenspiel im Detail ausfallen soll, ist noch nicht geklärt.

    Es wird ein neues Glockenspiel geben, aber nicht weil die TGP als "reaktionär eingestuft" wurde (gibts da eine Prüfstelle, die dieses Label verteilt?), sondern weil man schon lange festgestellt hat, dass das existierende Glockenspiel klanglich nicht wirklich optimal ist. Das, was da jetzt aufgeführt wird ist eine Posse. 28 Jahre hat es jetzt dort gestanden und gespielt. Nun können sich ein paar Selbstdarsteller als tapfere Kämpfer gegen rechts inszenieren.

  • Altbekannte Unduldsamkeit als Chance für den Neuguß


    Die Personen, die durch ihre Agitation das Verstummen des Glockenspiels erzwungen haben, sind sehr wahrscheinlich GesinnungsGENOSSEN derjenigen, die in dem folgenden Video die Melodie (und möglicherweise sogar auch den Text) einer unrühmlichen Parteihymne anstimmen:


    https://www.youtube.com/watch?v=nF9CLCV3Qpo


    Diese unsägliche Koinzidenz könnte aber - wenn auch unfreiwillig - einen positiven Nebeneffekt haben: Sie hat nämlich das Potential - als Gegenreaktion - den Anstoß zu einem Neuguß der Glocken zu geben, für den eifrig geworben und gespendet werden sollte. Denn bestimmt bin ich nicht der Einzige, dem das Glockenspiel aus Iserlohn - im Vergleich mit dem historischen Vorgänger - im Klang immer ein wenig zu metallisch erschien. Zugegebenermaßen war der weiche Schmelz des alten Carillons sicherlich auch ein Stück weit den begrenzten Möglichkeiten der Vorkriegs-Aufnahmetechnik geschuldet, aber eben nicht nur...


    Begreifen wir den ideologischen Zirkus, der um das für Potsdam so unverzichtbare Glockenspiel aufgeführt wird, daher als Chance, es noch wohlklingender zu machen !

  • Danke Pagentorn, für die positive Umdeutung. Doch bleibt der Kotau. Und lange Zeit die Stille, statt der (schlecht) klingenden Stadt...


    Und meine Furcht, dass nicht nur dieses schlechte Glockenspiel nicht mehr klingt, sondern gar keines mehr...


    Und meine zweite Furcht, dass falls dann doch wieder ein Glockenspiel erklingen sollte, dann doch mit diesen beiden Weisen (unnötiger Weise - des Willens zum Brechen wegen) gebrochen wird.


    Was ist da besser?


    Mein Eindruck: es wird wieder ein politisches Contra-Signal vom neuen OB gesendet.


    Anstatt an positive Traditionen anzuknüpfen und den Ort damit positiv (neu) zu bewerten wird Negatives betont um Positives -die klingende Stadt- zu brechen.


    Anstatt die Glocken einzuschmelzen, sobald ein neues, wohlklingendes Spiel gegossen und installiert wurde, nun ohne Not, heute verstummt? Warum? Wozu? Doch nur, weil damit wieder Vergessen werden soll, bis denn dann in 30-40-50-70-100 Jahren der Kredit der Kirche abbezahlt und Verzierungen und Turmhelm in Angriff genommen werden können...


    Diese heutige, positive Erinnerung also wieder getilgt ist. Denn was kam bei der Befragung der Kinder der (angrenzenden) Dortu-Schule heraus, als diese sich ihren Sportplatz auf der Plantage zusammenwünschen sollten? Diese wollten unbedingt das Glockenspiel auf dem "Glockenspielplatz" behalten. Das war sogar wichtiger als Spiel- und Sportgerät.

  • Mozart, Hölty und das Carillon werden sich letztendlich durchsetzen, dessen bin ich sicher.


    Denn was sollte gegen diesen Text einzuwenden sein ?


  • 0-Ton der Anderen Garrisonkirchen-Gegner: ist ein Nazi-Text von einem Nazi Komponisten. Weil es zu Nazi-Zeit die Erkennungsmelodie war.


    Dass der Nazi-Komponist Mozart war, der deutlich vor der Nazi-Zeit lebte und komponierte, spielte in der weiteren "Diskussion" keine Rolle mehr. Es blieb dabei: Nazilied, weil von den Nazis benutzt.


    Diese "Diskussion" fand im damaligen und mittlerweile abgeschalteten Forums-Bereich der PNN statt.

  • Ganz so naiv würde es aber dann auch nicht sehen wollen.


    Gegen das Gedicht ist zwar in seiner ursprünglichen Bedeutung - der alte Vater teilt seinem Sohn seine Lebensweisheiten mit- sicher nichts einzuwenden. Dies erst recht als es aus seiner Entstehungszeit heraus gelesen werden muss.


    Einen anderen Kontext erhält es jedoch dadurch, dass es vom Turm einer Kirche, die die Verbindung von Thron und Altar in Preußen als Gebäude darstellt, in die Stadt Potsdam hineingespielt wurde. Dies richtet sich dann schon von der Obrigkeit (weltlicher wie kirchlicher) an die Einwohnerschaft als Untertanen und nicht etwa als Bürger.


    Nichts desto trotz gehört das Glockenspiel selbstverständlich wieder auf den Turm. Nur sollte man den ursprünglichen Sinn gerade dieses Lied vom Turm zu spielen nicht in Vergessenheit geraten lassen.

  • Eigentlich hatte ich nach dem Beitrag in Potsdamer Neuste Nachrichten (PNN) mit einem Sturm der Entrüstung gerechnet aber ich habe mich getäuscht.


    Der Förderverein zum Wiederaufbau der Garnisonkirche e.V. ist in den letzten Jahren den Kritikern schon mehrfach entgegengekommen (Beispiel: Rechenzentrum). Nur habe ich bis heute ein Zeichen der Dankbarkeit vermisst. Ganz im Gegenteil, die Aktion wird in verschiedenen Foren und Medien als Sieg gefeiert. Das sind übrigens die gleichen Menschen, die einen Abriss der Garnisonkirche fordern bzw. das keine Steuergelder mehr in den Wiederaufbau des Turms fließen.

  • Klar ist das ein Sieg für die. Und was für einer!


    War übrigens eine Forderung im Bürgerhaushalt. Warum das bereits vor Votum und SVV-Verabschiedung vom OB aufgegriffen und umgesetzt wird, erschließt sich mir nicht. Es sei denn, der OB fischt im linken Fahrwasser. Die nennen ihn jedoch weiter nur verächtlich "Sozen". Das Einzige, was er damit erreicht, ist das der die Mitte verprellt.


    Ach übrigens, im Bürgerhaushalt wird auch das Verstummen der Kirchenglocken wegen Lärmbelästigung gefordert. Bin mal gespannt, ob das ebenso schnell umgesetzt wird.

  • Befreiung des Glockenspiels aus den falschen Kontexten


    Daß der folgende Kontext ursprünglich nicht intendiert war, dürfte wohl unstrittig sein:



    Ebenso wenig kontrovers dürfte sein, daß man die Adaption der berühmten Papageno-Arie und die Unterlegung derselben mit dem Text des Dichters Hölty nie und nimmer mit Friedrich Wilhelm I., dem gestrengen Zuchtmeister von Land und Sohn in Verbindung bringen kann, sind doch der Musiker und der Poet beide erst nach dem Tode des Soldatenkönigs geboren worden.
    Der historisch korrekte Zusammenhang hingegen besteht mit dem Ehemann der ja bis heute so heißgeliebten und populären Königin Luise, Friedrich Wilhelm III. Erst seit seinem Regierungsantritt 1797 erklang das 'Üb immer Treu und Redlichkeit' vom Turm. Ob er an der Auswahl dieses Stücks direkt beteiligt war, wissen vielleicht Andere hier im Forum besser zu sagen. Wenn er aber tatsächlich beteiligt gewesen sein sollte, dann erhält der Choral eventuell eine Spitze gegen den eigenen, dem Frivolen (Wilhelmine Enke) nicht ganz abgeneigten Vater - Friedrich Wilhelm II. - und ist zudem möglicherweise ein Bekenntnis zu der sich gerade herausbildenden 'bürgerlichen' Moral der Spätaufklärung und des fast unmittelbar bevorstehenden 19. Jahrhunderts, der sich dieses bescheiden und bürgerlich lebenden Königspaar ja sehr verbunden fühlte.
    Hier als Erinnerung das - vielleicht etwas 'naive' - cineastische Porträt des Königspaares, gespielt von Dieter Borsche und Ruth Leuwerik...


  • Besonders klug ist es jedenfalls nicht, auf derartige Schwachsinnsforderungen zu Abschaltung oder Abriss des Glockenspiels einzugehen. Das öffnet radikaleren Forderungen doch nur Tür und Tor.

  • Postdamer Neuste Nachrichten (PNN) hat ein Interview mit dem neuen Oberbürgermeister Schubert (SPD) geführt. In dem Interview legt er noch einmal die Sicht da, warum es zur Abschaltung des Glockenspiel gekommen ist.


    https://www.pnn.de/potsdam/glo…diskutieren/24986114.html
    (Quelle: Potsdamer Neuste Nachrichten, 05.09.2019)


    Die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) hat ein Interview mit Matthias Dombert, von der Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Garnisonkirche geführt. Dieser Artikel ist leider nur für Abonennten zugänglich.

  • Ich glaube,hätten die GK Befürworter schon früh geahnt was für ein jahrelanger Sturm des massiven Wiederstands von Links ihnen entgegen wehen wird,hätten sie auf den Aufbau der GK verzichtet.

  • Sicher nicht, der Linkspopulismus war auch seinerzeit schon beachtlich. Aber die evangelische Kirche würde so ein Vorhaben kein zweites Mal beginnen.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Das Rückgrat des deutschen Erfolges


    Der Mißbrauch der Garnisonkirche am sog. ‚Tag von Potsdam’ und die Verengung ihrer Geschichte auf den Status des ‚Militärtempels’ der Hohenzollern, als Sinnbild des von den Linken verabscheuten ‚Bündnisses von Thron und Altar’, sind nur die vordergründigen Ursachen für die massive Ablehnung, die dieser Rekonstruktion von diversen Seiten entgegenschlägt.


    Die Gerlach’sche Garnisonkirche war nämlich seit ihrer Einweihung in vielerlei Hinsicht ein Ärgernis für die Nachbarn in Deutschland und Europa. Der – von ihm selbst gedrechselte – harte Holzstuhl des Soldatenkönigs stellte einen Affront gegenüber allen übrigen Potentaten Europas da, die bei ihren Kirchgängen auf luxuriösen Sesseln Platz zu nehmen pflegten. Friedrich Wilhelm I. wies ihnen mit dieser spartanisch-kargen Sitzgelegenheit nach, daß es auch anders ging und ließ ihre Bequemlichkeit damit als deutlich hinterfragbar erscheinen.


    Der niederländisch inspirierte, grenadierhaft ragende Turm mit seinem Carillon war zudem ein Verweis auf die engen Bande, die das preußische Herrscherhaus mit den bekenntnisgleichen calvinistischen Niederlanden und den nüchternen reformierten Hanseaten aus Bremen verbanden. Alle drei Staatswesen bewiesen zu dieser Zeit, daß man durch Fleiß, Disziplin und Unbestechlichkeit große Erfolge erzielen konnte, ohne die Ressourcen anderer Länder dafür übermäßig in Anspruch nehmen zu müssen.


    Die Garnisonkirche war nicht das Herz Preußens (dies wurde wohl eher von der Familie Hohenzollern, dem Schloß an der Spree und der Provinz Ostpreußen gebildet), aber sein starkes Rückgrat. Nicht nur den Alliierten und den Linken (jeglicher Couleur), sondern auch den Anhängern des sog. ‚Rheinischen Kapitalismus’ mit seiner – wie soll man es formulieren – etwas großzügigeren Art, was ‚Schmiermittel’ im Umgang mit staatlichen Stellen und im Wirtschaftsverkehr angeht, ist die Garnisonkirche deshalb keine Quelle ungeteilter Freude, denn ihre Rückkehr ist ein Wegweiser und ein Appell an die Deutschen, sich wieder auf die Traditionen zu besinnen, die Max Weber einst als ‚protestantische Ethik’ bezeichnet hat. Diese Traditionen haben letztendlich Deutschland zu dem gemacht, was es von 1871 bis 1914 war: Ein zuversichtliches, selbstbewußtes, saturiertes, wirtschaftlich erfolgreiches und geistig hoch-innovatives Land !


    Mögen die Glocken der Garnisonkirche deshalb dereinst dazu beitragen, daß unser schönes Land auf diese Erfolgsspur zurückfindet !