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Garnisonkirche (die Diskussion um den Wiederaufbau)

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    • Lieber Pagentorn, si tacuisses... Bei vielem kann ich ja mitgehen, aber bei dieser billigsten antikatholischen Propaganda fühle ich mich persönlich angegriffen. Die protestantische Staatsgläubigkeit hat uns den Schlamassel doch erst bereitet - sowohl Erster als auch Zweiter Weltkrieg sind die Folge davon. Ich bin im Rheinland geboren, bin katholischer Christ - nach diesen Ausführungen kann ich eigentlich kein Befürworter des Wiederaufbaus der Garnisonkirche mehr sein.
    • Ja, die Garnisonkirchengegner werden den Beitrag von @Pagentorn mit Freuden lesen. Die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau und die Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP) hingegen können einem leid tun, wenn sie solche "Unterstützer" haben.

      UrPotsdamer hat auf einen Aspekt hingewiesen. Gegen das selektive Geschichtsbild Pagentorns ließen sich weitere Einwände vortragen. Ich will hier nur darauf hinweisen, dass Pagentorn das Hauptargument der Rekogegner bestätigt: Mit dem Bauwerk sollen auch die politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse jener Zeit zurückkehren.

      @UrPotsdamer
      Die SGP konzipiert den Kirchturm als Lernort, als Ort einer Nagelkreuzgemeinde, als Ort einer kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte. Sie tritt der Verklärung der Hohenzollern, wie Pagentorn sie betreibt, entschieden entgegen. Du kannst also den Wiederaufbau guten Gewissens unterstützen.
    • Na, jetzt übertreibt´s mal nicht. Die protestantische Ethik ist durch Bescheidenheit, Sparsamkeit, Selbstdisziplin und Arbeitseifer geprägt. Da muss man nicht gleich die Mär der deutschen Allein-Kriegsschuld als Folge jener Werte bemühen. Geht noch etwas mehr?

      Jedenfalls herrscht(e) eine vergleichbare Ethik auch in anderen protestantisch geprägten Staaten, z.B. in Skandinavien, den Niederlanden (dort sitzt bis heute eine calvinistische Partei im Parlament) oder den USA.

      Und was an einem - Zitat - "zuversichtlichen, selbstbewußten, saturierten, wirtschaftlich erfolgreichem und geistig hoch-innovativen Land" schlecht sein soll, erschließt sich allenfalls irgendwelchen radikalen Splittergruppen. Selbst Merkel oder Habeck dürften nichts dagegen haben.

      Also, bitte etwas herunterkommen.

      (Sagt einer, der leider (oder auch nicht) nicht so viel protestantische Arbeitsethik mitbekommen hat. Und der nicht in einer der Kirchen ist.... Und, der den Wiederaufbau der Garnisonkirche nicht unterstützt und bewusst nichts spendet, weil er mit der EKD nichts zu tun haben will. Der aber auch nicht gegen den Wiederaufbau aus rein architektonischen Gründen ist. :zwinkern: )
    • Nicht ganz ernst zu nehmen:
      Ziel aller linken Politik war einmal die Schaffung eines Menschen neuen Typus. Die Realität sah allerdings ganz anders aus, und wenn ich mir die heutigen Diskussionen hier im Faden ansehe, so scheint bisher noch nicht einmal die Spur von Aberziehung vor-vernünftigen anarchischen Denkens und Handelns gelungen zu sein. Der Mensch der Steinzeit sah noch in jedem Gegenstand eine Seele, einen Geist. Später reduzierte sich dies auf religiöse Objekte. Mit dem Ergebnis, dass von diesen Objekten eine magische Gewalt aus ginge und man deshalb die heiligen oder ideologisch Bedeutsamen des jeweiligen Gegners mit Stumpf und Stiel beseitigen müsse. Und so wurde die heilige germanische Wodanseiche unter lautem Geheul von Vertretern der Kirche zerstört, slawische Heiligtümer dem Erdboden gleich gemacht oder Fahnen und Ehrenzeichen des Besiegten symbolisch noch im 2.WK verbrannt. Und dabei handelte es sich stets um völlig unbelebte Dinge ohne jede technisch messbare Wirkung. Aber der Mensch ist auf primitiver Stufe stehen geblieben. In einer freiheitlichen Welt sollte man seinen Mitmenschen neidlos zugestehen, Gefallen an Architektur, Glockenklang oder Gegenständen zu finden, ohne dass ihm gleich vorgeworfen wird, damit, gleich einem Magier, die Bevölkerung behexen und aufwiegeln zu wollen. Denn es wäre das Merkmal einer freien, entwickelten Menschheit, völlig immun gegen einen derartigen Einfluss zu sein und darüber zu lächeln.
      Einige zähnefletschende Zeitgenossen sehen das anders. Sie sind offenbar auf der Stufe des Steinzeitmenschen stehen geblieben.
      PS: Da können wir hier in Dessau ja noch froh sein, dass immer noch das Glockenspiel mit dem Lieblingsmarsch des preussischen Generalfeldmarschalls und Freundes des Soldatenkönigs, unseres Alten Dessauer, erklingen darf.

      The post was edited 1 time, last by Elbegeist ().

    • Es war sicher vorfristig, das Glockenspiel abzuschalten, bevor die Ergebnisse der Überprüfung der Inschriften überhaupt vorliegen, und die Sache ist natürlich sinnloser Aktionistmus: Als ob die Melodien feinstofflich die Inhalte der Glocken-Inschriften durch die Luft transportieren und die Hirne der Zuhörer mit revisionistischer Propaganda verseuchen würden. Das war's dann aber auch schon – ich kann nur dazu aufrufen, sich jetzt umso mehr darauf zu konzentrieren, den Turm weiter zu bauen. Das Glockenspiel auf der Plantage hat mit dem Bau nichts mehr zu tun; die Glocken können ohnehin nicht in der Glockenstube verbaut werden und sind meiner Meinung nach Fehlgüsse, die lediglich einen Bronze-Materialwert haben. Als jemand, der in Hörweite dieses Glockenspiels wohnt (und einigermaßen musikalisch ist), muss ich leider auch sagen: Zwar ist es schade, dass die traditionellen Melodien erstmal nicht mehr über der Stadt erklingen – aber auch wohltuend, dass das blecherne, nicht sonderlich sauber intonierte, durch die ausgeleierte Mechanik irremachend unrhythmisch und immer wiedr mit fehlenden Tönen aufspielende graue Stahlgerüst erstmal schweigt. Ich freue mich dann auf das richtige Glockenspiel aus der Höhe.
    • Komplementär statt alternativ

      Es würde die Debatte mit Sicherheit ein gutes Stück entkrampfen (im Roman Herzog'schen Sinne), wenn man endlich realisieren würde, daß die Geisteshaltungen, die ursprünglich in den beiden unten abgebildeten Gebäuden vorherrschten, sich gar nicht so unähnlich waren. Das Philadelphia Franklin's und Washington's verbindet mit dem Potsdam Friedrich Wilhelms I. und des Alten Fritz nämlich durchaus mehr als lediglich die Anfangsbuchstaben der Städtenamen und die optische Ähnlichkeit von Independence Hall und Garnisonkirche...

    • Sie verfügen zumindest beide über einen Turm aus mehreren Geschossen und einer Art offenen Laterne. Das unterste Turmgeschoss scheint durch die Pilastergliederung ein paar Ähnlichkeiten aufzuweisen.

      Aber ich denke, "Pagentorn" möchte eher im übertragenen Sinne auf die Ähnlichkeiten durch die protestantische Prägung Potsdams und Philadelphias hinweisen. Vielleicht passt als kleiner Vergleich zur (natürlich unerreichten) Garnisonkirche eher die St. Augustin´s Church in Philadelphia. (Siehe hier) Aaaalerdings, diese ist katholisch. Also ein weiterer hinkender Vergleich... ;)
    • Der Chef der Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Garnisonkirche, Mitteschön und Harald Geywitz, Initiator aus der Nikolaikirchengemeinde sind sich uneinig ob das Protestsingen, immer sonntags um 12.00 Uhr vor dem abgeschalteten Glockenspiel stattfinden soll oder ob man dies lieber absagen sollte.

      pnn.de/potsdam/garnisonkirche-…lockenspiel/25014716.html
      (Quelle: Potsdamer Neuste Nachrichten, 14.09.2019)
    • Die Glockeninschriften wurden von Mitteschön veröffentlicht. So kann sich jeder selsbt ein Urteil darüber bilden, welche Glockeninschriften für die Hof- und Garnisonkirche angemessen sind.


      Glockenaufstellung 1. Ausbaustufe — 30. November 1984 Alle Glocken mit Inschriften von Provinzen oder Städten

      im heutigen Polen wurden
      im Auftrag der Stadt Potsdam eingeschmolzen und ohne Beschriftung neugegossen.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • ^
      Völlig gestört, wie in der Zone.

      Ich gebe zu, mich mit dem Glockenspiel bisher nicht wirklich auseinandergesetzt zu haben. Dass man es nicht ungeteilt akzeptabel findet, dass einige Glocken ehemaligen Wehrmachtseinheiten gewidmet sind, kann ich durchaus nachvollziehen. Aber dass die Stadt Potsdam offenbar schon vor etlichen Jahren die Glocken mit den Städten und Provinzen der ehemaligen Ostgebiete hat einschmelzen lassen, macht das Ganze für mich vollends zur Farce. Man könnte fast darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
    • Ist zwar gut und schön das die Glockeninschriften veröffentlicht werden aber wieviele Potsdamer interessiert das schon .28 Jahre lang Erklang die Melodie des Glockenspiels aber ein Wallfahrtsort von Rechten und Neonazis war es jedenfalls nie.Ich glaube das Thema GK beschäftigt in der Stadt Potsdam selbst lediglich nur einige 100 Leute nähmlich, die Befürworter und Gegner.Aber der breiten Bevölkerungsmasse ist das alles völlig wurscht.
    • Ich verstehe es so,bevor das Glockenspiel in Potsdam 1991 aufgestellt werden sollte wurden jene Glocken mit den Inschriften von Provinzen oder Städten des heutigen Polen eingeschmolzen und neu gegossen die umstritten waren .Das tat man deshalb da es bereits vor der Aufstellung schon heftige Diskussionen mit Gegnern gab.Heute wäre eine Aufstellung des Glockenspiels undenkbar da sich die linken Kräfte nach 28 Jahren in Potsdam wieder gestärkt und erholt haben.Aber 1991 zwei Jahre nach der Wende traten die Linken noch nicht so Vollmundig in Potsdam wie heute auf.
      Elbegeist,es war also nach der Wende.
    • Danke für den Link. Nach der Sichtung stellt sich um so mehr die Frage, was an den Glockeninschriften denn nun eigentlich "rechtsradikal" sein soll. huh:)
      Aber was die Mehrheit und die Mitte der Gesellschaft denkt interessiert ja ohnehin nicht, die radikalen Minderheiten vom linken Rand beanspruchen für sich die Lufthoheit über den Diskursen, und die rückgratlose politische Mitte folgt ihnen in vorauseilendem Gehorsam. In Potsdam wie im Bund. So hat dieses Land keine erfreuliche Zukunft.
      .

      The post was edited 1 time, last by Bismarck# ().

    • @Agon , ich denke mal Dir war die Ironie von @UrPotsdamer jetzt nicht so ganz bewußt. Auch ich bin streng gläubiger Katholik und bin absout für den Wiederaufbau der Garnisionskirche. Aber gesteht doch bitte uns Katholiken zu, daß wir auch mal zu scherzen pflegen :smile:
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.